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Full text of "Biographisches Lexikon der hervorragenden Aerzte aller Zeiten und Völker"

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HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 



PROM THB FUND OP 

CHARLES MINOT 




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V- 



i 



BIOGRAPHISCHES LEXIKOIN 



DER 

HERVORRAGENDEN AERZTE 

ALIER ZEITEN UND VÖLKER. 

UNTER MITWIRKUNG DER HERREN 

Prof. A. ANA6N0STAKIS, Athen — Prof. E. ALBERT, Wien — Prof. ARNDT, Greifswald — Prof. 
K. BABDELEBEN, Jena — Dr. ßlLLINQS, Washington — Prof. Arn. C ANTANI, Neapel — Prof. 
CASPABY, Königsberj: — Prof. CHRISTIANI, Berlin — Prof. v. d. CORPÜT, Brüssel - Prof. 
CORBADI, Pavia — Prof. E. von CYON, Paris — Dr. C. £. DANIELS, Amsterdam — Primararzt 
Dr. ENGLISCH, Wien - Prof. EULENBURG, BerUn — Doc. FALK, Berlin — Prof. v. FLEISCHL, 
Wien — Dr. G. PRITSCHE, Warschan — Oberstabsarzt FBOELICH, Leipzig — Prof. GINE PARTA- 
(JAS, Barcellona — Doc, GRUENFELD, Wien — Prof. GÜRLT, Berlin — Geh. Med.-Rath H. HAESER, 
Breslau — Prof. HEDENIÜS, üpsala — Dr. HELMREICH, Augsbnrg — Prof. 0. HJELT, Helsing- 
fors — Prof, HÜSEMANN, Göttingen — Doc. JACOBI, Breslau — Doc. JANOVSKY, Prag — Prof. 
KLEINWAECHTER, Prag — Prof. KOLLMANN, Basel — Prof. KRONECKER, Berlin — Doc. KRONER, 
Breslau — Doc. KUESSNER, Halle — Prof. LOEBISCH, Innsbmck — Prof. LUCAE, Berlin — Prof. 
MAGNUS, Breslau — Prof. MARCHAND, Marburg (Hessen) — Prof. I. MUELLER, Erlangen — 
Prof. MUNK, Berlin — Span. Arzt Dr. NADAL DE MABIBZCÜRRENA, Wien — Prof. OETTINGER, 
Krakan — Prof. PANDM, Kopenhagen — Dr. PETERSEN, Kopenhagen — Arzt PROKSCH, Wien — 
Prof. PÜSCHMANN, Wien — Dr. Max SALOMON, Berlin — Prof. SAMUEL, Königsberg — Prof. 
SANTEBO BAUMBERGEN jun., Madrid — Prof. SCHEUTHAUER, Budapest — Prof. SCHWIMMER, 
Budapeat — Prof. F. SEITZ, München — Prof. STIEDA, Dorpat — Dr. W. STRICKER, Frankfurt a. M. — 
Prof. UFFELMANN, Rostock — Dr. L. UNGER, Wien. - Prof. Dr. WINTER, Leipzig 

UND UNTER SPECIAL-REDACTION 

VON 

DR 'a.'wE R N I C H, 

DOCEXT AN DfcU UNIVERSITÄT BERLIN, 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

D-* AUGUST HIRSCH, 

PROFESSOR DER HBDia.v'zU BERLIN. 



ERSTER BAISTÜ. 



Aaskow — Chavasse. 



WIEN UND LEIPZIG. 

Urban & Schwarzenberg. 

1884. 







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^ S£P 191884 , 



Nachdruck der in diesem Werke enthalteneji Artikel, sowie Uebersetzung 
derselben in fremde Sprachen ist nur viit Bewilligung der Verleger 

gestattet. 



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Einleitung^. 



Wie in anderen Wissenszweigen hat sich — bei allem Schwanken 
der mit jedem Tage wechselnden Interessen — auch in der Medicin das 
Beclürfniss nach einem Einblick in die Entwicklung des Faches wach erhalten. 
L'nd so stiefmütterlich auch die Studienpläne der meisten Universitäten die 
hisitorisehe Seite unserer Wissenschaft behandeln, — dem ausgebildeten Arzte 
wird die Ueberzeugung bald rege, dass nur eine geschichtliche Schulung, 
eine gerechte Würdigung des vor ihm Dagewesenen ihn auf der einen 
S>e\te vor pietätlosem Nihilismus schützt, wie sie ihn auf der anderen im 
wahren Sinne befreit von den Fesseln des in unserer Zeit so sehr gefürchteten 
Antoritätenglaubens. — Die Befriedigung dieser Bedürfnisse erstreben wir 
natargemäss durch das Studium der Specialwerke über die Geschichte der 
Heilkunde: nicht der letzte Beweis für das historische Interesse unt^r den 
Aerzten mag in der Beliebtheit gesehen werden, deren sich das berühmte 
Werk unseres verehrten Mitarbeiters Haeser nun bereits durch mehrere Auf- 
lagen zu erfreuen hat. 

Allein, der historische Darsteller kann in den Rahmen seiner 
Schilderung nur die wirklich bewegenden Elemente bringen; nicht das 
Persönliche, sondern die Signatur des Zeitalters ist sein Gegenstand, und 
nicht die erfreuliche Einzelleistung, welche das Leben fleissiger Männer 
erfüllte, darf seine Feder da auflialten, wo sie dem Grösseren — der 
Fai«sung und Charakterisirung des Resultates — dienstbar bleiben muss. 
•So nahe uns daher beim Studium eines bestimmten Fachgegenstandes, bei 
Nennung von Namen und Citaten oft der Wunsch tritt, uns über die 
Persönlichkeiten, ihr Zeitalter, ihr Können und ihre Zuverlässigkeit zu 
unterrichten, — selten nur wird es möglich sein, durch sofortiges bequemes 
Nachschlagen sich in den Besitz der erwünschten Kenntnisse zu setzen. Eine 
andere, man darf wohl sagen berechtigte, menschliehe Seite geht den Geschichts- 
werken noch mehr ab ; über die den neuesten Entwicklungsphasen der 

Biogr. Lexikon. I. ■ 1 



2 Einleitung. 

Wissenschaft angehörenden Individualitäten kann der Historiker sein Urtheil 
meistens noch gar nicht abschliesson ; nur im beschränktesten Umfange darf 
er der noch Lebenden Erwähnung thun, — und gerade in dieser Richtung 
macht sich oft da.s dringendste Bedürfniss geltend. 

An Zustimmung zu diesen allgemeinen Envägungen hat es in der 
medicinischen Schriftstellerwelt nie gefehlt. Viele haben sich der Aufgabe 
dienstbar erwiesen, den wissenschaftlich denkenden Arzt mit Material zu 
versehen, aus dem er sich schnell über ihm interessante Persönlichkeiten 
Orientiren konnte. Wie man sich zu den vei-schiedensten Zeiten die Lösung 
der Aufgabe gedacht hat, wie die eine oder die andere Nation sich befleissigte, 
das Andenken ihrer bedeutenden Aerzte auf die Nachwelt zu bringen, darüber 
gewährt unser Quellen verzeichniss (Seite 7 — 32), welches von Herrn Prof. 
Dr. GuRLT bearbeitet ist, einen möglichst vollständigen Ueberblick. Fast jeder 
Gau unseres eigenen grossen Vaterlandes, fast jede Provinz und jedes wissen- 
schaftliche Centrum Frankreichs und Italiens besitzt sein Specialwerk, welches 
auch die mit Auszeichnung dort genannten Mediciner enthält ; die Londoner 
und die Schottischen Aerzte, die Böhmen, Dalmatiner und Ungarn, die Heil- 
künstler Esthlands, wie die von Catalonien und unsere namhaften Collegen auf 
der westlichen Halbkugel, — sie Alle sind des Gedenkens der Nachkommen 
nicht verlustig gegangen und haben in mehr oder weniger umfangreichen und 
übersichtlichen Werken eine Würdigung ihrer Lebensarbeit erfahren. 

Die Foi-m, in welcher es geschah, entsprach dem Geist der Zeiten. 
Neben des Brünfelsiüs Catalogv^s illustrium medicorum, der dem Jahre 1530 
entstammt, stellen sich, ähnlich ehrwürdigen Alters und Tenors, die Vitae 
illustrium medicorxnn des Petkus CastellanüS, Adam's Vitae germanonnn 
medicorum und die „berühmten Veroneser" des Chiocco aus der ersten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts. Demnächst sind es die Gelehrten einzelner Universitäten, 
Breslaues, Jena's, Königsberg's etc., denen die biographische Forschungs- 
richtung ihre Dienste weiht. Diese locale Specialisirung beherrscht fast das 
ganze 18. Jahrhundert hindurch die Gelehrtenwelt; oft genug wird dem 
geschriebenen Wort das gestochene Bildniss der Verewigten hinzugefiigt, um 
mit thimlichster Vollständigkeit den ganzen Mann der Nachwelt vor Augen 
zu fiihren. Mit den gewaltigen „Bibliothecis" Albrecht von Haller's ändert 
sich die Arbeitsrichtung. Diese ungeheuren Sammelwerke, quibu.^ „Scrij)ta 
ad anatarnen et physiologiam (ad artem ckirurgicam , ad partem medicinae 
practicam) facientia a rerum initiis recensentur", wandelten etwa von 
1775 ab das persönliche Interesse in ein mehr bibliographisches um, wenn- 
gleich es an einzelnen, diese Richtung vertretenden früheren Arl)eiten 
(Douglas in englischer, Carrere in französischer Sprache) keineswegs gefehlt 
hatte. In den ersten Jahrzehnten unseres eigenen Säculums wiegen alsdann — 
die meistens auf ein ganzes Forscherleben angelegten Versuche eines Bern- 
stein, Callisen, Heinsius, Kayser etc. lehren es — die bücher\'erzeichnenden 
und schriftensammelnden Werke vor, bis ganz neuerdings die einzelnen 
Nationen wiederum mehr oder minder gelungene Versuche gemacht haben, 
zur pers()nlichen Betrachtungsweise zurückzuftihren (vgl. z. B. Dechambre, 



r 



EiiUditiing. 3 

die Allgemeine Deutsehe Biographie, Beclard's Nottees et partraüsy Barker's 
Pliotographs, Hirschfeld's Gallerie berühmter Kliniker u. A.). Daneben hat 
sich natürlich die rein bibliographische Sammelarbeit, wie die monumentalen 
Bände des amerikanischen Index catalogue, der RüPHECHr'schen Bibliotheca, 
des 100.000 Namen umfassenden PniLLiPs'schen Dictionary zur Genüge 
beweisen, ihren Platz nicht streitig machen lassen. 

. Der Plan zu einem neuen deutschen Unternehmen, welches in lexiko- 
graphischer Reihenfolge die gedrängten Lebensbilder und die bedeutungs- 
Tollsten Schriften der hervorragenden Aerzte aller Nationen und aller Zeit- 
alter enthalten soll, ist — wohl a tempo mit dem Plan zur „Real-Encyclopädie 
der gesammten Heilkunde" — von der Verlagshandlung gefasst worden. 
Die Unternehmer waren von den Erfolgen, welche jenes „Inventar des Ge- 
sammtbesitzes der wissenschaftlichen Heilkunde unserer Zeit" errungen hatte, 
befriedigt; sie durften sich gehoben fühlen durch die literarische Thatsache, 
in der kurzen Zeit von vier Jahren ein so grossartig angelegtes und so 
umfassendes Werk dem deutschen Publicum dargeboten zu haben ; sie hatten 
den Beweis in Händen, dass bei Aufbietung angemessener Mittel und 
ungebeugter Energie auch unsere raschlebige Zeit der Ausführung derartiger 
encyclopädischer Unternehmungen sympathisch gegenübersteht. Ohne einen 
directen Gewinn von dem die Encyclopädie erst zu einem Ganzen abrundenden, 
historischen Ergänzungswerke zu erhoffen, hatten sie in der wohlerwogenen 
Ueberzeugung von der Durchführbarkeit des „Biographischen Lexikons" 
dasselbe bereits 1881 den Händen der nächsten geeignetsten Arbeitskraft, 
denen des Prof. Th. Püschmann, unseres jetzigen Mitarbeiters, anvertraut. 

Das Programm, mit welchem derselbe im Sommer 1881, nachdem 
bereits 47 namhafte Mitarbeiter gewonnen waren, vor das gelehrte Publicum 
trat, nämlich die Lösung der Aufgabe, „eine gewissenhafte Darstellung der 
wesentlichen Lebensumstände, Charaktereigenschaften und wissenschaftlichen 
Leistungen der hervorragendsten Aerzte und eine kritische Erörterung der 
Beziehungen dieser Leistungen zur Heilkunde im Besonderen wie zum 
geistigen Leben der Menschheit überhaupt zu geben," — entsprach den 
Intentionen der Verlagshandlung vollkommen. Ebenso auch der Umstand, 
dass um die besondere Signatur des Werkes hervorzuheben, der Titel — 
wie er im Uebrigen noch jetzt gefasst ist, — den Zusatz „mit besonderer 
Berücksichtigung der Gegenwart" erhalten hatte. 

Die Ausflihmng schien auf dem besten Wege zu sein, als (zu Anfang 
1882) Kränklichkeit, neben starkem Anwachsen seiner Lehrthätigkeit, sowie 
eine leicht begreifliche Vorliebe für historische Original arbeiten Herrn 
Prof. Püschmann zum Rücktritt von der Herausgabe des geplanten Werkes 
bewogen. Man wird anerkennen, dass es für die Verleger der ganzen 
Wucht jener oben geschilderten Ueberzeugungen bedurfte, um den Plan noch 
festzuhalten, — und dies um so mehr, als die Unterzeichneten nicht ohne 
die grössten Bedenken, nicht ohne die weitschiclitigsten Ueberlegungen .der 
Ausfuhrung des Werkes näher getreten sind. Abgesehen von rein persönlichen 
Zweifeln, deren Darlegung wir dem Leser ersparen, waren es einige ganz 

1* 



4 Einleitung. 

concrete reinsachliche Punkte der Aufgabe selbst, welche unser Zaudern 
reichlich begründeten. 

Der eine Punkt bezog sich auf das besondere Hervorheben 
der „Gegenwart". Nicht als ob wir je ernstlich gefürchtet hätten, dass 
selbst ganz Fernstehende etwa das Unternehmen verwechseln könnten mit 
einem jener Speculationserzeugnisse , welche sich eine gewisse Verbreitung 
auf Kosten der Eitelkeit betheiligter Kreise zu erringen beflissen sind. Neben 
der grossen und liberalen Anlage des mehrbändigen Werkes konnte bereits 
die Notiz des PüSCHMANN'schen Programms : „Wo es sich um Lebende handelt, 
wird die Darstellung nur auf die Anführung des Thatsächlicheu 
zu beschränken sein" (ein Vorhaben, welches wir in äusserster Strenge auf- 
recht zu halten entschlossen waren), uns einigermaassen vor uabegründeten 
Vorwürfen in dieser Beziehung schützen. Aber wir zweifelten allerdings 
daran, für eine so schmucklose Wiedergabe des rein Factischen, die an 
Puritanismus noch die Artikel der Conversationslexika hinter sich lassen 
sollte, der Mitarbeit unserer lebenden Collegen sicher sein zu können, und 
haben lange an der Möglichkeit gefeilt, die Lebenden fortzulassen. — 
»Schliesslich jedoch pfiussten folgende Gründe dazu führen, in dieser Richtung- 
wenigstens ein Experiment zu machen. Gerade die deutsche Literatur 
war in bibliographischer Beziehung seit dem ENGELMANN'schen „Alphabetischen 
Verzeichniss der medicinischen, chirurgischen, geburtshilflichen, anatomischen 
und physiologischen Bücher" (fortgeführt bis 1867) und Katser's „Voll- 
ständigem Bücherlexikon", welches die Bücher aller Wissenschaften aufzu- 
zählen unternimmt, den anderen Nationen gegenüber etwas in den Hintergrund 
gedrängt. Es konnte für unser Fach kaum eine erwünschtere Gelegenheit 
gefunden werden, durch eigene authentische Auskunft der Autoren 
die Lücken der jüngsten Jahrzehnte auszufüllen. Ausserdem garantirt aber 
gewiss keine Maassregel eine dauerhaftere Brauchbarkeit bio- und biblio- 
graphischer Werke als die Mitaufnahme der zur Zeit der Bearbeitung 
Lebenden. Bei der Beschränkung auf die Verstorbenen werden noch während 
des Druckes endlose Nachträge nöthig, welche die Benutzung sonst so opulent 
ausgestatteter und vorzüglicher Werke (wie z. B. die Allgemeine deutsche 
Biographie es ist) sehr erschweren. Bei der Heranziehung der Lebenden zu 
eigener Mitarbeiterschaft unter Vorsatz eines einfachen Zeichens (*) bedarf es 
keiner Weiterung als eines leichten Striches durch diese Marke und der 
Hinzufügimg der f -Jahreszahl, um ein biographisches Lexikon noch ein 
volles Menschenalter ohne verwirrende Nachträge verwerthbar zu 
erhalten. — Wir haben also den Versuch mit den noch der Gegenwart 
angehörenden Namen gemacht und hoifen den Beweis liefern zu können, 
dass er selbst da, wo in den Zeitläuften begründete internationale Schwierig- 
keiten zu überwinden waren, nicht ganz misslungen ist. 

Ein zweiter sehr schwieriger Punkt lag in der Begrenzung des 
zugemessenen Raumes. Bei aller Liberalität des Verlages musste doch 
vor Allem auch auf den Käufer des Buches die Rücksicht von vornherein 
genommen werden, sich auf eine erschwingbare nicht imverhältnissmässig 



Einleitung. 5 

kostspielige Zahl von Bänden zu beschränken. Als belehrende Vorbilder in 
dieser Sichtung konnten wir nur solche Werke zu Rathe ziehen, die^ wie 
das unsere, über die Grenzen eines Landes, eines Zeitalters, einer l)estinnnten 
Universität oder Gelehrtengemeinschaft hinausgriffen. Wie unser Veraeich- 
niss lehrt, gehört indess der kühne Plan, alle Jahrhunderte und alle 
Völker zu berücksichtigen, vornehmlich der älteren' Zeit an. Brünfels, 
Castellanus, Wolfgang Jcstus, Mangetus, allenfalls noch Hutchinson, 
Carrere undELOT, als Letzte Joürdan, DEZEUiERis durften- ihn fassen und 
durchführen , während zahlreiche gleichsinnige Unternehmungen des un- 
geahnten Ümfanges wegen über die ersten Bände, ja selbst über die ersten 
Hefte nicht hinauskamen. In diesem Punkte hat das Betonen der hervor- 
ragenden Aerzte seinen ganz besonderen Sinn; wir könnten in vier Bänden 
die Namen aller Aerzte kaum einfach zum Abdruck bringen, — wir müssen 
eklektisch zu Werke gehen; und um hier an jeder Stelle gleiches Maass 
und gerechte Kürze walten zu lassen, gehört ein Wissen der medicinischen 
Vergangenheit und Gegenwart, welches kein Kundiger besitzt, sondern 
welches erst im Fortschreiten der Arbeit zu erwerben möglich ist. 

Mit diesem Punkte hängt aufs Unzweideutigste die dritte Schwierig- 
keit, das Verhältniss zu unseren Mitarbeitern, zusammen. Wir 
dürfen davon absehen, die glänzenden Eigenschaften besonders herauszu- 
streichen, welche mit so vielen dieser Namen verbunden sind, — wir können 
den grössten Skeptiker die Frage sich selbst beantworten lassen , ob diese 
Herren ein warmes Herz für ihre, für unsere Wissenschaft haben, ob sie mit 
Tact und Einsicht zu arbeiten verstehen. Aber selten mag eine Redaction 
von ihren Helfern eine solche Enthaltsamkeit zu fordern genöthigt worden 
sein , wie wir sie fortwährend als Grundton unserer Biographie heischen 
müssen. Wir dürfen nirgend langathmig werden , nie beim Gegenstande zu 
verweilen wagen. Weder der hochberühmte Specialfachgenosse, noch der die 
Nationalität zierende Landsmann, weder der Lieblingsgegenstand eigener histo- 
rischen Neigung noch der dahingeschiedene Lehrer und Freund soll eine 
überflüssige Länge in unseren auf die grösste Oekonomie berechneten Spalten 
veranlassen. Diese Conditio sine qua non in Verbindung zu halten mit dem 
Bestreben, bei allen wichtigeren Namen zugleich auf die authentischen Quellen 
zurückzugehen, ja wenn möglich eine Revision derselben eintreten zu lassen, 
war der schwerste Punkt der gestellten Aufgabe. Es sind uns jedoch schon 
auf der kurzen, nach unserem Ziele zurückgelegten Theilstrecke so grosse und 
rührende Beweise der Entsagung und Opferfreudigkeit entgegengebracht 
worden, dass wir auch die Schwierigkeit, wie sie in jener schonungs- 
losen Eklektik liegt, zu besiegen hoffen dürfen. — 

Ueber manche technische Einzelheiten sich mit der Kritik zu ver- 
ständigen, könnte schliesslich wohl vortheilhaft erscheinen. Doch werden kurze 
specielle Winke, wie sie zur prompten Auffindung abweichend oder unge- 
wöhnlich geschriebener Namen, zur Verständigung über die Collectiv-Artikel 
(Arabische, Chinesische, Egyptische, Japanische, Indische Aerzte etc.), zur 
Fixirung des Zeitpunktes, bis zu welchem die „Lebenden" markirt sind und 



V 



G Einleitung. 

Aehnliclies unter jedem neu anhebenden Bnchstaben — gleichsam als kleine 
Vorreden — ihren Platz finden. Auch g:ilt die Einladung zu einer recht leb- 
haften Correspondenz über praktische Hervorhebungen, zweckmässige Zusätze 
oder Weglassungen etc., wie wir sie mit den Mitarbeitern auf der Innenseite 
der Heftumschläge zu fuhren haben werden, nicht nur den Mitarbeitern allein. 
Jeder wohlerwogene Wunsch oder Verbesserungsvorschlag aus dem Leser- 
kreise und der Kritik wird an dieser Stelle seine Würdigung und Aner- 
kennung finden. 

Möge der Erfolg unseres auf genossenschaftlicher Arbeit und einem 
nach der äusseren Seite hin bereits so glänzend bewährten Apparat beruhenden 
Unternehmens nicht allzu weit hinter den guten Intentionen zurückbleiben, 
mit denen es begonnen worden ist. 

Berlin, 15. Juli 1883. 



Prof. Dr. Hirsch. Dr. A. Wernich. 



Verzeichniss biographischer und bibliographischer 

Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung: 

vu der Aa- 

Harderwijk- 
Sebotel. 

Abbildungen. 



van Abkoude. 



Adam. 



Atfeinng-Jocher. 



Ader. 

d'Afüttto. 

AlTo-Pezzana« 

Aifueperse. 

Aikin. 

Alberti. 

Alibert. 

Allen. 

Aiig. Devfscbe 
Biefrapbie. 



Allibone. 



1. Ab, A. J. van der, Biographisch Woordenboek der Nederlanden, . 

Deei 1—20. Haarlem. 1852—77. 8. (Vom 5. Bande ab von K. J. 
van Harderwijk nnd vom 7. Bande an mit G. D. J. Schote!.) 

2. Abbildangen berühmter und besonders um die Arzneiknnde verdienter 

Gelehrten, nebst ihren vornehmsten Lebensumständen. 18 Hefte mit 
180 Bildnissen. Angsborg 1805. 4. (Georg Wilh. Zapf.) 

3. Abfcoude, Jobannee van, Naamregister van de bekendste en meest in 

gebraik zynde Nederdnitsche boeken, welke sedert het jaar 16(X) tot 

het jaar 1761 zyn nitgekomen, nu overzien , verbeterd en tot 

het jaar 1787 vermeerderd door Reinier Arrenberg. Tweede druk. 
Rotterdam. 1788. 4. — [Vgl. Alphabetische Naamlijst. Nr. 17.] 

4. Adam, Melchior, Vitae Germanoram medicomm: qni secnlo snperiori, 

et quod excorrit, clamernnt: congestae et ad annum 1620 deductae. 
Haidelbergae. 1620. 8. — Editio tertia Francofurti ad Moenum 1706. 8. 

5. Adelung, Jobann Cbrietoph, Fortsetzung und Ergänzungen zu Christ. 

Gottl. Jöcher's allgemeinem Gelehrten-Lexikon, ....Bd. 1,2. Leipzig. 
1784, 1787. 4. [A — J.] — [Fortsetzung s. Roter m und, Fortsetzung 
von Jöcher, Nr. 364.] 

6. Ader, J., Plutarque des Pays-Bas, ou vie des hommes illustres de ce 

royaume. T. 1, 2. Bruxelles. 1828. 8. 

7. d'Afflitto, Euetacbio, Memorie degli scrittori del Regno dl Napoli. 

Vol. I, IL Napoli. 1782-84. 4. [A-Brit.] 

8. Affo, Ireneo. Memorie degli scrittori e letterati Parmigiani. T. 1 — 5. 

Parma. 1789—97. 4. — T. 6, 7 continuite da Angelo Pezzana. 
Ibid. 1825-33. 4. 

0. AIgneperee, P. 8., Biographie ou Dictionnaire historique des personnages 
d'Auvergne illustres ou fameux. T. 1, 2. Clermont-Ferrand 1834—36. 8. 

10. Alkln, John, Biographical memoirs of medicine in Great Britain from 
the revival of literature to the time of Harvey. London. 1780. 8. 

U. Alberti, Eduard, Lexikon der Schleswig - Holstein - Lauenbnrgischen und 
Eutinischen Schriftsteller von 18:^9 bis Mitte 1866. Bd. 1, 2. Kiel. 
1867-68. 8. 

12. Aiibert, J. L.« Eloges historiques composes pour la Soci^t^ m^dicale de 

Paris, suivis d'un discours sur les rapports de la medecine avec les 
sciences physiques et morales. Paris. 1806- 8. 

13. Allen, William, An American biographical and hiätorical dictionary. 

Cambridge. 1809. — 2d edition. Boston. 1832. 8. 

14. Allgemeine Deutsche Biographie. Auf Veranlassung und mit Unterstützung 

Sr. Maj. des Königs Maximilian II. herausgegeben durch die 
historische Commission bei der Konigl. Akademie der Wissenschaften. 
Bd. 1—15. Leipzig. 1875—1882. 8. (Freih. v. Liliencron und 
v. Wegele.) [A— Kircheisen.] 

16. Allibone, S. Austin, A critical dictionary of English literature and British 
and American authors living and deceased from the earliest accounts 
to the latter half of the nineteenth Century. Containing over forty-six 
thousand articles (authors) .... Vol. 1—3. Philadelphia. 1871. 4. 



8 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung: 

Alphaket. list, 
lidian Army. 

Alphabet. Naam- 
lijat 1790— 1831. 



Alphabet-Naam- 
lljst 1833-75. 



Amat-Corminas. 



Andreae. 



Angeli. 

Annnal bio- 
graphy. 

Arbeliot 

Argelatl. 

Arnault, Jay etc. 
Arnoldt. 

Arrenberg 

Astruo, De 
roorb. vener. 

Astruo, 
Menoires. 

Athonae Rauri- 
cae. 

Atkinson. 

Auguotin 

Baader, Gelehr- 
tee Baiern. 

Baader. Vor 

storb.baferisch. 

Sobrlftsteller. 

Baier, Medicl 
longaevl. 

Baier, Profee- 
sores Altorf. 

Baidinger, Bio- 
graphien. 

Baidinger, 
Nachrichten. 

Baldinger,Bttee. 

phy8.-nied. 

Uterat. 



16. Alphabetical list of the medical officers of the Indian Army, etc. from 

1764 to 1838, etc. London. 1839. 8. 

17. Alphabetische Naamlijst van boeken, welke sedert het jaar 1790 tot en 

met het jaar 1831, in Noord - Kederland zijn uitgekomen, .... 
strekkende ten vervolge op het Naamregister van Nederdnitsche boeken 
van R. Arrenberg. s*Gravenhage en Amsterdam. 1832. 4. 

18. Alphabetische Naamlijst van boeken, plaat- en kaartwerken, die gedurende 

de jaren 1833 tot en met 1849 in Nederland uitgegeven of herdrukt 
zijn. Amsterd. 1858. 4. [C. L. Brinkman.] — Jdem voor 1850—1862. 
Amsterd. 1868. - Idem voor 1863-1875. Amsterd- 1878. — R. van 
der Heulen, Wetenschapplijk Register behoorende bij Brinkmanns 
Alphabetische Naamlijsten .... uitgeven in 1850—1875. Amsterdam. 
1878. 4. 

19« Amat, 0. Felix Corree, Memorias para ayndar a formar un diccionario 
critico de los escritores Catalanes, y dar alguna idea de la antigua 
y modema literatura de Cataluna. Barcelona. 1836. 8. — Suplemento 
a las memorias etc. por el Dr. D. JuanCorminas. Burgos. 1849. 8. 

20. Andreae, Augnst, Chronik der Aerzte des Regierungs-Bezirks Magdeburg, 

mit Aus8(;hlus8 der Halberstädter, Quedlinburger und Wemigeroder 
Landestheile. Magdeburg. 1860. 8. — Zweiter Theil, die Halberstädter, 
Quedlinburger und Wernigeroder Landestheile enthaltend. Nebst Nach- 
trägen zum ersten Theil. Magdeburg. 1862. 8. 

21. Angeli, Lolgl, Sulla vita e su' gli scritti di alcuni medici Imolesi memoria 

storiche compilate dal loro concitadino L. A. Imola. 1808. 8. 

22. The annual biographv and obituan- for the vear Vol. 1 — 31. 

London. 1817—371 8. 

s. Du Boye, Nr. 140. 

23. Argelatl, Philipp., Bibliotheca scriptorum Mediolanensium. Vol I, 11. 

Mediolani. 1745. Fol. 

s. Biographie nouvelle des conteniporains, Nr. 69. 

24. Arnoldt, Dan. Helnr., Ausführliche und mft Urkunden versehene Historie 

der Königsberg'schen Universität. Bd. 1, 2 Königsberg. 1746. 8. 

s. van Abkoude, Nr. 3 und Alphabet. Naamlijst 1790—1831, Nr. 17. 

26. AetrilC, Johannes, De morbis veneris libri novem. Editio altera. Lutet. 
Paris. 1740. 4. 

26. Aetruc, Jean, Memoires pour servir k Thistoire de la Facnlte de medeeine 

de Montpellier. Revus et publies par M. Lorry. Paris. 1767. 4. 

27. Athenae Rauricae. Sive catalogus professorum Aeademiae Basiliensis ab 

a. 1460 ad a. 1778. Cum brevi singulorum biographia. Adjecta e.st 
recensio omnium ejusdem Aeademiae reetorum. Basiliae. 1778. 8. 

28. Atkinson, W. B., The phvsicians and surgeons of the United States. 

Philadelphia. 1878. 8. 

B. Medici Halberstadienses, Nr. 279. 

29. Baader, Klemens Alois, Das gelehrte Baiern oder Lexikon aller Schrift- 

steller, welche Baiern im 18. Jahrhundert erzeugte oder ernährte. 

Bd. 1. Nürnberg und Sulzbach. 1801. 4. [A— K.] 

« 

30. idem, Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller des 18. und 19. Jahr- 

hunderts. Bd. 1—4. Augsburg und Leipzig. 1824, 25. 8. 

31. BaieruSy Joh. Jacob, De longaevitate medicornm. Diss. epistolaris ad . . . 

J. P. Brunonem. Altdorfi. (1705). 4. 

32. Idem, Biographiae professorum medicinae qui in Academia Altorfiana 

unqnam viverunt. Singnlonim aere expressis iconibus additis. Norim- 
bergae et Altorfii. 1728. 4. 

33. Baidinger, E. 6., Biogi-aphien jetztlebender Aerzte und Naturforscher 

in und ausser Deutschland. Bd. 1. St. 1—4. Jena. 1768—72. 8. 

34. Idem , Herrn Friedrich Börners Nachrichten von jetztlebenden 

Aerzten und Naturforschern in und ausser Deutschland ergänzt. Wolfeu- 
büttel, Leipzig und Brannschweig. 1773. 8. 

35. Idem, Russische physikalisch-medicinische Literatur dieses Jahrhunderts. 

1. Stück. Deutsche Aerzte und Naturforscher in Russlaud von Peter I. 
bis Katharina II. Marburg. 1792. 8. 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung ; 



Barker. 

BaroR 

Bartbolinna. 

Bartlett 

Baato». 



Baaaie«. 

Baumgarten 
Bayla 

Bayle et Tbll- 
laye. 

De Becdeli^vre, 
Biogr. li^geelee. 



De Becdelievre, 

Biogr. conteaip. 

de Liege. 

B^clard. 

B6gin. 

Beiee 
Beaedetti. 



Benevidea. 



Benvenaii. 
Berger & Rey. 



Berlia 
. Beramaa. 

Beraaieia, Ge- 

ieiileirte der 

Ghirargie. 

Beni8teia,INed.* 
phir.BibiietheK. 



36. Baaga, J., Geschiedenis ran de geneeskande en van hare beoefenaren in 

Nederland vöör en na de stichting der hoogescliool te Leiden tot aan 
den dood van Boerhaave. Deel 1, 2. Leeuwarden. 1868. 8. 

37. Baricer, Tliomas Herbert, Photograplis of eminent medical men of all coun- 

tries, with brief analytical notices of their works. The Photographie Por- 
trait» from life by Erne st Edwards. Vol. 1, 2. London. 1867, 8.4. 

8. Compeudiaria medicorum Parisiensium notitia, Nr. 117. 

38. Barthoiinus, Thomas. De medicis poetis dissertatio. Hafniae. 1669. 8. 
8. Peiese, Nr. 325. 

39. Bastoe. Fraacieco Aatonio Martiae, Nobiliarohia medica. Noticia dos 

medicos e cirurgiSes da real camara , dos physicos mores e cirurgioes 
mores do reino, armada, exercito, e ultramarines etc. desde os tempos 
mais remotos da monarchia, Lisboa. 1858. 8. 

40. Baumee, Eloges acad^miques las dans les seances publiques de la So- 

ciety de medecine pratiqae de Montpellier. 1. cah. Montpellier. 1809. 4. 

8. Niceroa, Nachrichten, Nr. 306. 

8. Encyclopedie des scieuces medicales, Nr. 155. 

41. Bayle et Thillaye, Bio|^raphie medicale par ordre chronologique d'apr^s 

Daniel Leclerc, Eloy, etc. Mise daus im nouvel ordre, revue et 
complet^e. T. I, II. Paris. 1855. 8. 

42. Becdeliivre, Cte De, Biographie liegeoise, oii pr^cis historique et chrono- 

logiqne de toutes les personnes dans Tancien diocfese et pays 

de Liege, les dnch^s de Limbonrg et de Bouillon, le pays de Stavelot, 
et la ville de Maestricht; depuis les temps les plus recules jusqu'ä 
nos jours. T. I, 2. Liege. 1836, 37. 8. 

43. Becdelievre-Hamat, Cte De, Biographie contemporaine de la province 

de Li6ge. Liege. 1839. 8. 

44. Beolird, J., Notices et ^lortraits. Eloges lus ä l'Academie de medecine. 

Paris. 1878. 8. 

45. B6gin, Emile-Auguste, Biographie de la Moselle. T. 1—4 Metz. 1329 

bis 1832. 8. 

s. V. Reelle & Naplersicy, Nr. 349. 

46. Benedetti, DomeaiCO. lUustrium virorum s^niopsis qui de sacro medi- 

corum physicorum Veneto Collegio extiterunt et in praesens existunt. 
Venetiis. 1753. 4. 

47. Beaevides, Ign. Ant. da Foaseoat Bibllogi*afia medica Portugueza, 

ou dos medicos, cirurgißes, farmaceuticos, e outros que escreverito acerca 
das sciencias medicas, desde o principio da monarchia at6 hoje, cöm- 
prehendendo as obras originaes, triduzidas e manuscriptas dos auctores 
fallecidos, alem das obras anonymas. Trabalho destinade a euriquecer a 
historia medica geral, e a servir de materiaes para a historia de mediciua 
Lusitana em particular. (Jornai da Sociedade das sciencias medicas de 
Lisboa. Vol. XII. 1840. p.46, 109, 169, 2:^9, 297, 349; Vol. XIII. 1841. 
p. 49, 111. 175, 237, 373; Vol. XIV. p. 49, 109, 173, 235, 293; 
Vol. XV. 1842. p 49, 109, 173. 231, 291, 351; Vol. XVI. p. 51, 230.) 

48. (Beavenutiy Giue.), Notizie di medici cavalieri da alcuni professori di 

medicina raccolte. Lucca. 1775. 4. 

49. Borger, Charles, et Rey, Henry, Repertoire bibliographique des tiavaux 

des medecins et des pharmaciens de la marine franQaise 1698 — 1873 
suivi d'une table methodique des mati^res. Paris. 1874. 8. [Appendice 
aux Archives de medecine navale.] 

s. Gelehrtes Beriin, Nr. 180. 181, 182. 
60. Boraiann, Moriz, Oesterreichisches biographisches Lexikon. Heft 1-^3. 
Wien. 1851, 52. 8. [A— Babeuberger.] 

5L Bernstein, Joh. Gottlob, Geschichte der Chirurgie vom Anfange bis auf 
die jetzige Zeit. Thl. 1, 2. Leipzig. 1822, 23. 8. 

52. idem, Mediciuisch-chinirgische Bibliothek oder Verzeichniss der medicinisch- 
chirurgischen fc?ehriften, ingleichen der in sämmtljchen Zeitschriften des 
In- und Auslandes befindlichen Abhandlungen, Beobachtungen und Er- 
fahrungen. Von 1750 bis mit Einschluss 18>3. Frankfurt a M. 1829 8. 



i 



10 



Biographische und bibliographische Sammelverfce und Schriften. 



Bezeichnung: 

BertnuMl. 



BiMiofrmpbie 
Mt. belfe. 

Bibliosralla 
Roaaaa« 



I. 



Biographical 
dictionary of 
Great Britain. 

Blofraphical 

dictionary of 

the Society etc. 

Biographie 
^traag^re. 

Bloerapbie g^a. 
des Beiges. 

Biographie des 

boBiBies vi- 

vaats. 

Biogr. de la 
Flaadre eccid. 

Biographie me- 
dicale. 

Biographie des 

m^decias fran- 

9ai8. 

Biographie na- 
tionale beige. 

Biographie non- 

veile des con- 

temporains« 

Biographie ton- 
lonsaine. 



64. 



U. 



Blederstedt II. 67. 



Billings 

Biografia di 
Napoii. 

Biografia 
della Sicilia. 

Biografia aied. 
Piemoatese. 

Biographia Bri- 
tannica. 



58b Bertraad, ThonMS-Beraard, Notiee des hommes les plns celftbies de Ja 
Facolte de mMecine en rUnivendt^ de Paris, depnis 1110, jnsqa*en 
1750 (indnaiTement), extraite (en plns grande partie) da manoscrit 
de fen M. Thomas-Bernard Bertrand, commoniqae par M. son 

fils; redigee par JC Jacqnes- Albert Hazon. Poor servir 

de soite et de complement 4 Thistoire abregte de la Facolte. sons le 
nom d\.EIoge historiqne'% avec des remarques ^ndnes, imprim^ en 
1773, ehez Batard. Paris. 1778. 4. — Hazon, J.-A., Sapplöment 
ä la ..Notice etc." (s. 1. et d.) 4. 

Bibliographie nationale. Dictionnaire des ecrivains beiges et catalogae 
de lears pablications 1830 — 1880. Ire et 2e livraison. Bmxelles. 
1882. 8. [A— Capiuine.] 

Jfinistero di Agricoltora, Indnstria e Ckinunercio. Dlrezione di Statistica. 
Blbliografia Bomana. Notizie della vita e delle opere degli scrittori 
Eomani dal secolo XI fino ai nostri giomi. YoL I. Roma. 1880. 4. 

Blederstedt, Oiederich Herai., Kachrichten von den jetzt lebenden Schrift- 
steilem in NeuTorpommem und Rngen. Stralsund. 1822. 8. 

Men^ Nachrichten von dem Leben und den Schriften neuvorpommersch- 
rügenscher Gelehrten seit Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 
1822. 1. AbtheUung. Greifswald. 1824. 4. [A— Mühlenbruch.] 

s. Index medicas, Nr. 218. 

Biografia degli uomini illastri del Regno di Kapoli omata de loro re- 
gpettivi ritratti. T. 1—9. Napoii. 1814—22. 4. 
69. Biografia degli uomini ilhistri della Sicilia omata de loro respettivi 
ritratti. T. 1—3. Napoii. 1817—18. 4. 

60. Biografia medica Piemontese. Vol. 1, 2. Torino. 1824, 25. 8. (G. G. 

Bonino.) 

61. Biographia Britannica : or, the lives of the most eminent persons vho have 

fionrished in Great Britain and Ireland, from the earliest ages, to the 

present times: Second edition, with corrections, enlargements, 

and the addition of new lives: by Andrew Kippis. Vol. 1 — 5. 
London 1778—1793. FoL [A-Fastolff.] 

62. A biographical dictionary of the living aathors of Great Britain and 
Ireland, comprising literary memoirs and anecdot^ of their liyes . . . 
London. 1816. a 

68* The biographical dictionary of the Society for the diffusion of usefol 
knowledge. Vol. 1—4. London. 1842—44. 8. [A— Az.] 

64m Biographie ^trangfere oa galerie universelle, historique, civile, militaire, 
politiqoe et Jitteraire etc. Par une societe de gens de lettres T. 1, 2. 
Paris. 1819. 8. 

Biographie generale des Beiges morts ou vivants. Bmxelles. 1850. gr. 8. 



Biographie des hommes vivants, ou Histoire par ordre alphabetique de la vie 

publique de tous les hommes qui se sont fait remarquer . . . redig^ par une 

soci^ti de gens de lettres et de savants. T. 1—5. Paris. 1816—1819. 8. 

67. Biographie des hommes reroarquables de la Flandre occidentale. T. 1 — 4. 

Bmges. 1843—49. 8- 

Dictionnaire des sciences medicales. Biographie m^dicale T. 1 — 7. Paris. 
1820-25. 8. (A.-J.-L. Jourdan.) 

Biographie des medecins francais vivants et des professeurs des ecoles, 
par un de leurs conireres (iforel, de Rubempre). Paris (1826). 32. 



69 



76. Biographie nationale publice par rAcadfemie royale des sciences, des 
lettres et des beaux-arts de Belgique. T. 1—3. Bmxelles. 1866—72. 
8. [A-Charies V.] 

TL Biographie nonvelle des contemporains , ou Dictionnaire historique et 
raisonne de tous les hommes qui, depuis la r^volution fhinpaise ont 

acquit la relebrite Par MM. A.-V. Arnault, A. Jay etc, 

T. 1-20 Paris. 1820—25. 8. 

72. Biographie toulousaine, ou Dictionnaire historique des personnages, qui 

se sont rendus c^lebres dans la viUe de Toulouse, ou qui ont contribu6 k 
son ilhistration, par une societe de gens de lettres T. 1, 2. Paris. 1823. 8, 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



11 



Bezeichnimg : 

Biofraphie uni- 
verteiie. 



78. 



Bitfrapiiie uni- 

vereelle claa- 

8iqtte. 



Biographie 



Bitard. 



Bianck. 



Boebner. 



Boeles. 



Boamer, Jetzt- 
lebende be- 
ribnte Aerzte. 

Boerner, Pro- 

fess. Wittern- 

berg. 

Bonino 

Beuillot. 

Bounan. 

Bourdoa. 

Bowditch. 

Brainae, Debar- 

beailler et La- 

plerre. 

Braaibllla, 
Storia. 

Braaibilia, 6e- 
•cbichte. 



van den Branden 

Brandie 

Br^gbot & Perl- 
caiid. 

Breaiiecbe 
Aerzte. 

Brian. 

Brinlman 



74. 



76. 



78. 



77. 



78. 



79. 



80. 



8L 



88. 
84. 
85. 

88. 

87. 



89. 



90. 



Biographie universelle, ancienne et moderne, on Histoire, par ordre alpha- 
b^tique, de la vie publique et priv^e de tous les hommes qui se sont fait 

remarquer par lenrs Berits, lenrs etc rMig6 par une soci^t^ de 

gens de lettres et de savants. T. 1—55. Paris. 1811—1833. 8. — Supple- 
ment. T. 56-85. 1834—1862. — Nouvelle Mition fpubliöe sous la 
direction de M. Michaud). T. 1—45. Paris. 1843 -(1865). gr. 8. 

Biographie universelle classique, ou Dictionnaire historique portatif. Par 

une soci^te de gens de lettres .... Contenant des articles 

snr rhistoire generale des peuples et particuliörement la 

necrologie des personnages celöbres de tous les pays et de tous les 
temps Partie 1 — 3. Paris. 1829. 8. 

8. a. Allgemeine Deutsche Biographie, Nr. 14 ; Annual biography, Nr. 22 ; 
IkieyclopMie des sciences m^dicales, Nr. 155 ; Nederlandsche Biographie, 
Nr. 301; Nouvelle biographie generale, Nr. 308; Rabbe, Nr. 345. 

Bitard, Ad., Dictionnaire g^n^ral de biographie contemporaine fran9aise 
et etrang^re contenant les noms et pseudonjrmes de tous les personnages 
c^Ubres du temps präsent etc. Paris. 1878. 8. 

Blancic, A-, Die Mecklenburgischen Aerzte von den ältesten Zeiten bis 
zur Gegenwart mit kurzen Angaben über ihr Leben und ihre Schriften. 
Schwerin. 1874. 8. 

Boehmer, Just Cbrietoph., Memoriae professorum Helmstadiensium in 
medicorum ordine qui diem suum obierunt prolusionibus binis descriptae. 
Guelferbyti. 1719. 4. 

Boeiee, W. B. S., Fi-iesiands Hoogeschool en het Rijks Athenaenm te 
Fraueker. Uitgegeven door het Friesch Genootschap van geschied- 
oudheid- en taalkunde. Dl. I, 1878; Dl. II, 1. 1879; Dl. 11, üt, 1881. 
Leeuwarden. 8°. 

Boerner, Friedrich, Nachrichten von den vornehmsten Lebensumständen 
und Schrift Jetztlebender berühmter Aerzte und Naturforscher in und 
um Deutschland. Bd. 1—3. Wolfenbüttel. 1749—1753. 8. — [Ergänzungen 
dazu s. Baidinger, Nachrichten Nr. 34.] 

Idem, Memoriae professorum medicinae in Academia Wittembergensi inde 
a primis illins initiis renoi^atae Specimen primum. Wittembergae. 
1755. 4. — Specimen secimdnm. Lipsiae. 1756. 4. 

s. Biograiia medica Piemontese, Nr. 60. 

Beuillot, Biographie ardennaise ou Histoire des Ardennais Vol. 1, 2. 
Paris. 1830. 8.. 

Bouman, Herman, Geschiedenis van de voormalige Geldersche hoo- 
geschool en hare hoogleeraren. Deel 1, 2. Utrecht. 1844. 47. 8. 

Bourdon, leid.. Illustres mMecins et naturalistes des temps modernes. 
Paris. 1844. 8. 

Bowditch, Henry J., Brief memoirs of L o u i s and some of his contemporaries 
in theParisian school of medicine of forty years ago. Boston. 1872. 8. 

Bralnne, Oebarbouilier et Lapierre, Les hommes illustres de rOrlSanais, 
biographie g^n6rale des trois d^partements du Loiret, d'Eure-et-Loir et 
de Loir-et-Oher. T. 1, 2. Orleans. 1852 8. 

Braaibilia, Gioan. Aleesandro, Storia delle scoperte tisico-medico- 
anatomico-chirurgiche fatte dagli uomini illustri Italiani. T. I. 1780; 
T. II. Parte 1. 1781; T. U. Parte 2. 1782. Milano. 4. 

Brambilia, J. A. von, Geschichte der von den berühmtesten Männern 
Italiens gemachten Entdeckungen in der Physik, Medicin, Anatomie 
und Chiinirgie. Aus dem Italienischen übersetzt [von W. Helfenstein]. 
Bd. 1 [einziger]. Wien. 1789. 4. 

s. Huberte, Nr. 214. 

8. Haiier, Bibliotheca medicinae practicae, Nr. 202. 

Bräghot du Lut et Pericaud ain^, Biographie lyonnaise. Catalogue des 
Lyonnais dignes de memoire. Paris et Lyon. 1839. 8. 

Biographische Skizzen verstorbener Bremischer Aerzte und Naturforscher. 
Eine Festgabe für die "^2. Versammlung Deutscher Naturforscher und 
Aerzte zu Bremen vom Aerztlichen Vereine zu Bremen. Bremen. 1844. Ö. 

Brian, Rena, L'archiatrie romaine ou la m^decine ofßcielle dans l'empire 
romain. Paris. 1877. 8. 

s. Alphabetische Naamlijst 1833 — 75, Nr. 18. 



12 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schrifteu. 



Bezeichnung : 

Broeckx, Eaaal 
sur l'histoire. 


91. 


Broeckx, Coup 
d'oeil. 


92. 


Broeokx, Docu- 
rnents. 


93. 


Brognoli. 


94. 


Brucknann. 


96. 


Brueg. 


96. 


BrOggemann. 


97. 


Brunnfels. 


98. 


Bruzellaa 




Btiohiier. 


99. 


Bflohner 




Burmann. 


100. 



Catliaen. 



101. 



Calmet, Medioi 
Hebraeorum. 


102. 


CalRiet,Biblioth. 
lorraine. 


103. 


Cantü. 


104. 


Carmoly. 


106. 


Carmoly- 
Dunbar. 


106. 


Carrere. 


107. 



Carson. 108. 



Carus & Engel- 109. 
mann. 



Castellanus. 110. 

Catalogne of 111. 
ecientilio pa- 
pers. 

Cervetto,Medici 112. 
Veronesi. 



Broeckx, C, Essai sur l'histoire de la m^ecine beige avant le 19e 
siöcle. Ouvrage couropne et publice par la Societe de medecine de Gand. 
Om6 de 4 gravures sur cuivre. Bruxelles 1838. 8. 

Iden, Coup d'oeil sur les institutions medicales beiges, depuis les 
demiers annöes du 18e si6cle, jusqu*ä nos jours, suiyi de la biblio- 
graphie de cette ^poque. Bruxelles. 1841. 8. 

Idem, Bocuments pour servir k Thistoire de la bibliographie mMicale 
beige »vant le 19e sidcle. Anvers 1847. 8. (Annales de l'Academie 
archeologique de Belgiqne.) 

Brognoli, Antonio, Elogi di Bresciaui per dottrina eccellenti del secolo 
XVJII. Brescia. 1785. 8. 

BrOoknann, Franc. Em., De medicis Viennensibns anno 1723—1725, 
eorumque scriptis medicis. Wolffenbutti. 1737. 4. 

Braeg, Isidor, De medicis illustribus Judaeorum qui inter Arabes 
vixerunt. Diss. inang. Halis. 1843. 8. 

Brüggemann, Aug. Ferd», Biographie der Aerzte. Aus dem Französischen, 
mit einigen Zusätzen. Bd. 1. Ualberstadt. 1829. 8. [A— Boyle.] 

BrunnfelsiUS , Ct., Catalogus illustrium medicorum, sive de primis 
medicinae scriptoribus Argentorati 1530. 4. 

s. Wistrand, Nr. 432. 

Büchner, Andr. Elias, Acadcmiac Sacri Romani Imperii Leopoldiuo- 
Carolinae Naturae Ouriosorum lustoria. Halae Magdeburg. 1755. 4. 

s. a. Gelehrtes Berlin, Nr. 174. 

Burmann, Caspar, Trajectum eruditum, vironim doctrina illustrium, qui 
in nrbe Trajecto, et regiono Trajectensi nati sunt, sive ibi habitanint, 
vitas, fata et scripta exhibens Trajecti ad Rhenum. 1738. 4. 

Callisen, Adolph Carl Peter, ModicinischesSchriftsteller-Lexicon der jetzt 
lebenden Aerzte, Wundärzte, Geburtshelfer, Apotheker und Naturforscher 
aller gebildeten Völker. Bd. 1—33. Copenhagen (und Altena). 1830—45. 8. 

Calmet, Augustin, De medicis et re medica Hebraeorum. Paris. 1714. 4. 

CalOiet, Dom.. Biblioth^qne lon'aine, ou Histoire des hommes illustres, 
qui ont fleuri en Lorraine, dans les trois Eveches, dans l'Archevech^ 
de Treves, dans le Duche de Luxembourg, etc Nancy. 1751. Fol. 

Cantu, Ignazio, L'ltalia scientifica contemporanea. Milano. 1844. 8. 
Carmoly. E., Histoire des medecins juifs auciens et modernes. T. I. 
Bruxelles. 1844. 8. 

Idem, History of the Jewish physicians from the French by J o h n R. W. 
Dunbar With notes. Baltimore [s. d.] 8. 

Carräre, Joseph-Fran^ois, Bibliotheque litteraire, historique et critique 
de la medecine ancienne et moderne. Contenant l'histoire des medecins 
de tous les si^cles et de celui oü nous vivons; celle des personnes 
savante« de toutes les nations qui se sont appliqu6es ä quelque partie 
de la medecine, ou qui ont concouru k son avancement; celle des 

anatomistes, des chirurgiens , des botanistes, des chimistes le 

catalogne et les ditferentes Witions de leurs ouvrages .... lorigine 
de la medecine, ses progrt»s, ses revolutions. ses sectes, son etat chez les 
differens peuples. Vol. 1, 2. Paris. 1776. 4. [A— Ooi.] 
Carson , Joseph , History of the medical department of the Universitj'- 
of Philadelphia , from its foundation in 1765 , with sketches of the 
lives of the deceased professors .... Philadelphia. 1869. 8 
Carus, Victor und Engelmann, Wllh., Bibliotheca zoologica. Verzeichniss 
der Schriften über Zoologie, welche in den periodischen Werken ent- 
halten und vom Jahre 1846—1860 selbständig erschienen sind. Bd. 1, 2. 
Leipzig 1861. 8. 

Castellanus [Duchatel], Petrus, Vitae illustrium medicorum qui toto 
orbe, ad haec usque tempora floniemnt. Autverpiae. 1618. 12. 
Catalogue of scientific papei-s (1800-1863). Compiled and published by 
the Royal Society of London. Vol. I— VI. London. 1867— 187:ii. 4 — 
Idem (1864-1873). Vol. VII, VIII. 1877, 1879. 4. 
CervettO, Cenni per una storia dei medici Veronesi e del loro antico 
collegio .... Verona. 1834. 8. 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



13 



B«zeichnimg: 

Cervetto, Ana- 
ttaiei Itallani. 

Chatoers. 



4» GiMilmdt. 
Chanbers. 

ChaapignoR. 
CbiRChilla. 

Cbiocoo. 

Cbovlant. 

Clark. 

Cleave. 

Conpend. med. 
Paris, notitia. 



Conf^rencea 
historiquea. 

Cooper. 



Carninaa 
Cornaz. 



Corradi 
Corte. 

Creutzenfeld. 



Crepp 
Cuvier. 



Czikann. 
Daniel. 
Daat^a. 



Debarbottiller 



113« Idenii Di alcuni illnstri anatoniici Italiani del decimoquinto secolo 
indagini per scrvire alla Btoria delia scienza .... Verona. 1842. 8. 

114« Cbalnera, Alexander, The biographical dictionary : containing anhistorical 
and critical account of the lives and writing» of the most eminent persona 
in every nation ; particolarly the British and Irish; from the earliest 
accounts to the present time. A new edition. Vol. 1 — '62. London 1812. 8. 

US. Cbalmot, J. A. de, Biographisch woordenboek der Nederlanden. Deel 1—8. 
Amsterdam. 1798—1800. 8. [A-Drebbel.] 

116. Chambera, R., Lives of illustrious and distinguished Scotsmen, from the 

earliest period to the present time, forming a complete Scottish 

biographical dictionary. Vol. 1—8. Glasgow. 1832—1837, 8. 

117« Chanplgaon, Notice historique snr les medecins et sur Tassistance 
medicale k Orleans. Orleans. 1866. 8. 

118* Chinobilla, A., Anales histöricos de la medicina en general, y biogrä- 
fico-bibliograficos de la Espanola en particnlar. T. 1 — 4. Valencia. 
1841-48. 8. 

119. Obiocco, Andrea, De Oollegii Veronensis illustribns medicis et philo- 

sophis, qui vel scribendo, vel publice profitendo Collegium, patriam et 
bonas literas illustranint, Veronae. 1623. 4. 

120. Choalaat, Ludwig, Handbuch der Bttcherkunde für die ältere Medicin. 
2. Aufl. Leipzig. 1841. 8. 

121. Clark, J. Henry, The medical men of New Jersey in Essex district, 
from J666 to 1866. Newark. 1867. 8. 

122. Cleave, E., Biographical cyclopaedia of homoeopathic physicians and 
surgeons. Philadelphia. 1873. 8. 

123. Compendiaria medicorum Parisiensium notitia, sive claroram virornm, 
qui a saeculo circiter decimo quarto ad hunc usque diem, in Facultate 
medicinae Pari.siensi, vel decanatum gesserunt, vel baccalaureatus, 
licentiatus aut doctoratus gradum obtinuerunt, chronologica series ; ad- 
ditis dignitatibus et muneribus, quibus pro tempore functi sunt. (Parisiis). 
1752. 4. (Hyacinthe-Thöodore Baron.) 

124. Facult^ de m6decine de Paris. Conferences historiques faites pendaut 

rannte 1865. Paris. 1866. 8. 

125. Cooper, Thompson, Men of the time: a dictionary of contemporaries, 
containing biographical notices of eminent characters of both sexes lOth. 
edition. London. 1879. 8. 

s. Amat. Nr. 19. 

126. Cornaz, Ch. Aug. Edouard, Les familles m^dicales de la ville de Neu- 
chfitel. Du Pasquier, Liechtenhahn, Matthieu, Prince, Thounet, Neu- 
chätel. 1864. 12. 

s. Pavia, Universitä di, Nr. 323. 

127. Corte, Bartolomeo, Notizie istoriche intorno a' medici scrittori Milanesi, 
E a' principali ritrovamenti fatti in Medicina dagl' Italiani. Milano. 
1718. 4. 

128. Creutzenfeld, Stephan. Hieron. de Viglllla von. Bibliotheca chirurgica 

in qua res omnes ad chirurgiam pertinentes ordine alphabetico, ipsi 
vero scriptores, quotquot ad annum usque 1779 innotuerunt, ad singulas 
materias ordine chronologico exhibentur, adjecto ad libri calcem auctorum 
indice. Vol. 1, 2. Vindobonae. 1781. 4. 

s. Schröder, Hans, Nr. 382. 

192« Cuvier, Ch., Recueil des 6loges historiques lus dans les seances 
publiques de Tlnstitut royal de France. T. 1 — 3. Strasbourg. 
1819-27. 8. 

130. Czikann, Job. Jak. Helnr, Die lebenden Schriftsteller Mälirens. Brunn. 
1812. 8. 

131. Daniel, E. et H., Biographie des hommes remarquables du d^parte- 

ment de Seine-et-Oise. Rambouillet, Versailles, Paris. 1832. 8. 

132. Dant^a, Alfred, Dictionnaire biographique et bibliogi-aphique alphabetique 

et methodique des hommes les plus remarquables dans les lettre«, Jes 
sciences et les arts chez tous les peuples, ä toutes les 6poques. Paris. 
1875. gr. 8. 

s. Brainne etc., Nr. 85. 



14 



Piographische und bibliographisclie Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung : 

Dechanbro. 



Dee^Gonettee, 
Eloges. 


134. 


Des Genettes, 
Essais de biogr. 

Deiacoux. 


laa. 

138. 


Delvenne. 


137. 


Les dentistes. 


138. 


Desportes. 


138. 


Desportes 

Devaux 

Dezeineris 

Dictionnaire 

biogr. et biblio 

graphique. 

Dictionnaire 
historique. 


140. 
14L 


Dictionnaire 
encyclop^dique 

Dictionary 

Didot, Firmin 

Doin 

Douglas. 


142. 



Dreux du 143, 
Radier. 



Dubols 144. 

(d'Amiens). 



Dubols (d'Afflieu) 

Dubois,Belgique 145. 
m^dioale. 



Du Boys & Ar 148. 
bellot. 

Dunbar 

Ediing 
Edwards 
V. Eicken. 147. 



Elberts 
ElogJ Toscani. 148. 



133. Dictionnaire encvclop6dique de» sciences mMicales. Directeur: A. De- 
chambre. Paris. S. Serie I. T. 1—25. 1864— 1880 [A—Dat], ~ 
S6rie IV. T. 1-8. 1877-1882 [Faa— Gla]. -r- Serie H. T. 1—17. 
1868-1882 [Lab— Ory]. — Serie III. T. 1—10. 1874-1881 
[Qua— Spa]. 

Des Genettes , Baron , Eloges des academlciens de Montpellier , re- 
cueillis, abr^ges et publica. Pour servir ä l'histoire des iciences dans 
le dix-huitiöme sifecle. Paris. 1811. 8. 

Des Genettes, R6n^-Nicolas-Oofrlche Baron, Essais de biogmphie 

et de bibliographie m6dicales. Paris 1825. 8. 

Delaconx, P.-A., Biographie des sages-femmes celöbres anciennes, mo- 
deiTies et contemporaines. Paris. 1834. 4. Avec 20 portraits. 

Delvenne, p^re, Biographie du Koyaume des Pays-Bas, ancienne et 
moderne, ou histoire abr^gee, par ordre alphab^tiqne, de la.vie publique 
et privee des Beiges et des Hollandais qui se sont fait remarquer . . . 
T. 1, 2. Li6ge. 1828, 29. 8 

Les dentistes Supplement Ä la Biographie des medecius celöbres. 
Paris. 1846. 8. 

Desportes, N., Bibliographie du Maine, precedee de la description . . . 
du diocöse du Mans, Sarthe-et-Mayenne. Le Maus. 1844. .8. 

s. a. Pesche, Nr. 329. 

s. Index funer. chirurg. Paris. Nr. 220. 

8. Dictionnaire historique, Nr. 141. 

L. G. P[eignot], Dictionnaire biographique et bibliographique, por- 
tatif, des personnages illustres, cel^bres ou fameux de tous les siecles 
et de touH les pays du monde. T. 1 — 3. Paris. 1813 — 15. 8. 

Dezeimerls, Olllvler (d'Angers) et Raige-Delorme, Dictionnaire historique 
de la m^decine ancienne et moderne. T. 1 — 4, Paris. 1828 bis 
1839. 8. 

8. Dechambre, Nr. 133. 

8. Biograpliical dictionary, Nr. 62, 63. » 

8. Nouvelle biographie generale Nr. 308. 

8. Vlgneroo, Nr. 415. 

Douglas, Jaoobus, Bibliographiae anatomicae specimen : sive Catalogus 
omnium pene auctorum qui ab Hippocrate ad Harveum reni anatonicam 
ex professo, vel obiter, scriptis illustrarunt ; opera singulorum, et in- 
venta juxta temporuni seriem complectens. Londini. 1715. 8. — 
Editio secunda, priori auctior. Lugduni Batav. 1734. 8. 

Dreux du Radier, Biblioth^ue historique, et critique du Poitou, con- 
tenant les vies des savans de cette province, depuis le troisiäme siöcie 
jusqu'ä prösent ; une notice de leurs ouvrages , " avec des observations 
pour en juger; etc. Paris. T. 1 — 5. 1754. 12. 

Dubols, d'Amiens, E.-Fr^d., Eloges lus dans les seances publiques de 
l'Acad^mie de m6decine (1845 — 1863). Tableau'du mouvement de la 
science et des progr^s de l'art. Examen et apprSciations des doctrines. 
Etudes des moeurs. Portraits. Vol. 1, 2. Paris. 1864. 8. 

8. a. Louis, Nr. 261; Pariset, Nr. 319. 

Dubols, r., La Belgique medicale, ou notice sur la vie et les ecrits des 
Beiges qui se sont distingu^s dans les sciences medicales. Bnixelles. 
1836. 8. 

Du Boys et Arbeliot, Biographie des hommes illustres de Tancieune 
province du Limousiu. Limoges. 1854. 8. 

8. Carmoly, Nr. 106. 

8. Wistrand, Nr. 432. 

8. Barl(er, Nr. 37. 

Eicken, Gerh. Wilh. von, Gedächtnissblätter. Enthaltend Nachrichten 
von dem Leben und Charakter verdienter Aerzte und Naturforscher. 
Bd. 1. Mannheim 1796. 8. 

8. Huberts, Nr. 214. 

Elogj dcgli uoniini illustri Toscani. Vol. 1 — 4. Lucca. 1771 — 74. 8. 



«k«a*i 



Bio^aphische ojid bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



15 



Bezeichnuiig: 

Eloy, Diot. 
hist. I. 



Elty, Diot. 
hist. II. 



Eloy,Dizionario. 161. 



Elwert. 



ERCicIopedla 
■ed. Itallana. 



Eneycfop^die 
M^tliodique. 

Eneyclop^die 
des sc. m^d. 



Eiielnann. 156. 



14S. Eloy, Dictionnaire historique de la medecine, contenant Ron origine, »es 

progr§s , 868 r^volutions , ses nectes etc ; Thistoire des 

plus cMebres m^decins : des fameux anatonuHtes, 

Chirurgien», botanistes et chimistes. Vol. 1, 2. Liege et Francfort. 1755. 8. 

150. Eloy N. F. J., Dictionnaire historiqne de la mödecine ancienne et moderne, 
ou Memoires dinposes en ordre aiphabet iqu eponr servir k rhistoire de 
cette science, et ä celle des raedecins, anatymistes, botanistes, Chirurgien» 
et chymistes de toutes nations. Mons. Vol. 1 — 4. 1778. 4. 

Dizionario Btorico della medicina, che contiene composito 

in Francese dal Signor Eloy e ora neir Italiana favella accrencinto 
di correzioni, di annotazioni, colla giuuta di quantitä di nuovi articoli. 
Dcdicato Giov. Aubery, . . . T. 1—3. Napoli. 1761—63. 8. 

1S2. Elwert , Johann Kaspar Philipp , Nachrichten von dem Leben und den 
Schriften jetztlebender teutscherAerzte, Wundärzte, Thierärzte, Apotheker 
und Naturforscher. Erster Band [und einziger]. Hildesheim. 1799. 8. 

163. Enciclopedia medica Italiana, diretta per le singole specialitä da distinti 
professori, e redatta colla collaborazione di valenti medici e chirurghi, 
illustrata da parecchie centinaia di flgure, ia gran parte originali. 
Milano. 

164. EncvclopMie m^thodique. M^edecine. Par une soci^te des m^decins. T. 1 — 8. 
Paris 1787-1808. 4. 

IM, Encyclop^die des sciences medicales; ou Trait^ gen^ral, methodique et 
complet des diverses branches de l'art de gu6rir; par MM. Bayle, 
Baude locque etc. Sixiöme Division. Biographie medicale. T. I, IL 
Paris. 1840, 41. 8. 

Engelmann, Wilhelm, Bibliotheca medico-clümrgica et- anatomieo- 
physiologica. Alphabetisches Verzeichniss der medicinischen , chirur- 
gischen , geburtshül fliehen , anatomischen und physiologischen Bücher, 
welche vom Jahre 1750 bis zu Ende des Jahres 1847 in Deutschland 
erschienen sind. Mit einem vollständigen Materien-Register. 6. gänzlich 
umgearbeitete Auflage der Bibliotheca medico-chinirgica von E n s 1 i n. 
Leipzig. 1848. 8. — Supplement-Heft. Enthaltend die Literatur vom 
Jahre 1848 bis Ende des Jahres 1867. Mit einem vollständigen 
Materien-Register. Leipzig. 18(38. 8. 

s. a. Nr. 109. 

8. Engelnann, Nr. 156 

167. Ersch, Joh. Sam., La France lit6raire etc. auch unter dem Titel: Das 
gelehrte Frankreich oder Lexikon der französischen Schriftsteller von 
1771 bis 1796. T. 1-3. Hamburg 1797, 98. 8. — Nachtrag dazu 
(Schriftsteller bis 1805) Bd. 1, 2. 1802, 1806. 8. 

168« Idem, Literatur der Medicin seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts 
bis auf die neueste Zeit systematisch bearbeitet und mit den nöthigen 
Registern versehen. Aus dessen Handbuch der deutschen Literatur 
besonders abgedruckt. Amsterdam und Leipzig 1812. 8. — Neue fort- 
gesetzte Ausgabe von Fried r. Aug. Benj. Puchelt. Aus der neuen 
Ausgabe des Handbuchs der deutsclien Literatur besonders abgedruckt. 
Leipzig. 1822. 8. 

8. a. Meusel, Nr. 283. 

169. Erslew, Thomas Hansen, Almindeligt Forfatter-Lexicon for Kongeriget 
Danmark med tilhoerende Bilande, fra 1814 til 1840, eller Fortegnelse 
over de sammesteds foedte Forfattere og Forfatterinder , som levede 
ved Begyndelsen af Aaret 1814, eller siden ere foedte, med Anfoerelse 
af deres vigtigste Levnets-Omstaedigheder og af deres trykte Arbejder ; 
samt over de i Hertugdoemmeme og i Udlandet foedte Forfattere, som 
1 bemeldte Tidsrnm have opholdt sig i Danmark og. der udgivet 
Skrifter. Bd 1—3. Kjoebenhaven. 1843—53. 8. 

160. idem, Supplement til „Almindeligt Forfatter-Lexicon fpr Kongeriget 
Danmark med tilhoerende Bilande", indtil Udgangen af Aaret. 1853. 
Bd. 1—3 Kjoebenhavn. 1858-1868. 8. 

Eschenburg. 161. Eschenburg, J. J., Entwurf einer Geschichte des Collegii Caroliui in 

Braunschweig. Berlin und Stettin. 1812. 8. 

8. Reiske & Fabri, Nr. 350. 

Fabroni, AngelO, Vitae Italorum doctriua exrelleutium qui saeculis 
XVIL et XVIII. floruerunt. Vol. 1—20. Pisis. 1778—1805. 8. 



. Eagelmann 
Enslin 

Ersch, eelehrt 
Frankreich. 



Ersch, Literatur 
der INedlcitt. 



Ersch 
Erslew. 



Ersiew, Supple 
ment. 



Fahr! 
Fabroni. 



162. 



16 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung : 

Fantuzzi. IM. 

Feraud. 164. 

Figuier. 166. 



Fikenscher, Ge- 166. 
lehrt. Baireutb. 



Fikenscher, 167. 
Univ. Erlangen. 

Finckenstein, 168. 
Dichter und 
Aerzte. 

Finckenstein, 169. 
Schles. Aerzte. 

Finckenstein, 170. 
Niederl. Aerzte. 

Fisher. 171. 

Fleteher 
Flourens. 172. 

Foppens. 173. 



Fornigny de la 
Lande. 


174. 


Francis. 


175. 


Galerie hist. des 
contemporains. 


176. 


Gallerie fran- 
zös. Wundirzte. 


177. 


Gandershofer 




Garnler 




Gasiorowski. 


178. 


Gayley. 


179. 


Gelehrtes 
Berlin 1825. 


180. 


Gelehrtes 
Berlin 1834. 


181. 


Gelehrtes 
Berlin 1845. 


182. 


Gerland. 


183. 


Gibson. 


184. 


Giovanni. 


185. 



Fantuzzi, Giovanni, Notizie degli scTittori Bolognesi. T. 1—9. Bologna. 
1781—1794. Fol. 

(Feraud, J. J. M.), Biographie des homnies remarquable des Basses- 
Alpes. Digne. 1850. 8. 

Figuier.' Vies des savants illn.stres depuis Tantiquit^ jusqu' au dix- 
neuvifeme si^de. Avec l'appreciation sommaire de leurs travaux. Ouvrage 
accompagn6 de portraite et de gravures. T 1 — 3. Paris. 1866 — 68. 8. 

Fikenscher, Georp Wotfg. Aug., Gelehrtes Fürstenthum Baireut, oder 

, welche im Färstenthura Baireut geboren sind und in 

oder ausser demselben gelebt haben und noch leben. Bd. 1—12. Erlangen. 
1801—5. 8. 

Idem, Vollständige akademische Gelehrten-Geschichte der königlich 
preussischen Friedrich-Alexanders-Universität zu Erlangen von ihrer 
Stiftung bis auf gegenwärtige Zeit. Abth. 1—3. Nürnberg. 1806. 8 

Finckenoteln, Raphael, Dichter und Aerzte. Ein Beitrag zur Geschichte 
der Literatur und zur Geschichte der Medicin. Mit poetischen Proben 
und gelehrten Anmerkungen ausgestattet. Breslau. J864. 8. 

Idem. Daniel Sennert und die schlesischen Aerzte des 16. und 17. Jahr- 
hunderts. iDeutKche Klinik 1868. S. 21, 33, 61, 81, 101, 125» 153, 181.) 
Idem, Die niederländischen Aerzte des 17. und 18. Jahrhunderts. 
(Deutsche Klinik. 1871. S. 33, 50, 69, 77, 106, 114, 142, 150, 169.) 

Fieher, G. J , Biographical sketches of the deceascd physicians of 
Westchester County N. Y. New York. 1861. 8. 

s. Index medieus, Nr. 218. 

Flourens, P., Recueil des eloges historiques lus dans les seauces publiques 
de TAcadepiie des sciences le — 3e serie. Paris. 1856 — 62. 18. 

Foppens, Joann. Franc, Bibliotheca Belgica, sive virorum in Belgio 
vita, Script isque illustrium catalogus, librorumque nomenclatura Con- 
tinens scriptores aclariss. viris Valerio Andrea, AubertoMiraeo. 
Francisco Sweertio, aliisque, recensitos, usque ad annum 1680. 
T. 1, 2. Bruxellis. 1739. 4. 

Formlgny de la Lande. A. R. R. de, Documents in^dits pour servir a 
l'histoire de l'Acad^mie de Caen. Caen. 1854. 8. 

Francis, S. W., Biographical sketches of distinguished living New York • 
physicians. New York. 1867. 8. 

Galerie historique des contemporains, ou nouvelle biographie, senle 
edition dans laquelle se trouvent r^unis les hommes morts ou vivans, 
de toutes les nations, qui se sont fait remarquer i la flu du 18nie 
siecle et au commencement de celui-ci . . . T. 1 — 3. Berlin, Bruxellcs. 
1817, 18. 8. [A— Conde.] 

(tallerie der berühmtesten Wundärzte Frankreichs. . . . Mit Kupfern. 
Bd. 1, 2. Leipzig. 1787. 8. 

s. Kobolt, Nr. 237. 
s. Muteau, Nr. 297. 

Gasiorowski, Ludwik, Zbior wiadomösci do histor^'i sztuki lekarskiej 
w Polsce od cza.söw najdawniejszych, az' do najnowszych. Tom 1—4. 
w Poznaniu. 1839 — 1855. 8. 

Gayley, J. F., A hist ory of the JeffersonMedical College of Philadelphia, 
with biographical sketches of the early professors Philadelphia. li?58. 4. 

Gelehrtes Berlin im Jahre 1825. Berlin. 1826. 8. [J. E. Hitzig.] 

Jol. Ed. Hitzig'S Gelehrtes Berlin, fortgesetzt von Karl Büchner. 
1. Heft. Berlin. 1834. 8. 

Gelehrtes Berlin im Jahre 1845. Verzeichniss im Jahre 1845 in Berlin 
lebender Schriftsteller und ihrer Werke. Berlin. 1846. 8. [W. Koner.] 

Gerland, Otto, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten-, Schriftsteller- 

und Künstler-Geschichte von 1831 bis auf die neueste Zeit. Kassel. 

1863. 8. — [Vgl. Strieder Nr. 392, Just Nr. 226.] 

Gibson, W., Sketches of prominent surgeons of London and Paris. 

Philadelphia. 1839. 4. 

Giovanni, F., Notizie historico-critiche intorno la vita e le opere degli 

scrittori Veneziani. Vol. 1, 2. Venezia. 1752—54. 4. 



» 



X 



^ 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



17 



BezeichBmiK: 

Glrtanner. 186. 



Glaeser. 



Gtiibicb. 



Goelicke. 



187. 



188. 



189. 



Goldhorn. 



Gonjet. 



190. 



191. 



GradnanD. 192. 
Grieawaldt. 193. 



Grillo. 



194. 



GrMs^aerican 195. 
physicaRd sarg.. 

Grtis^aerican 196. 
■ed. litorat. 

Griner 
Ginther. 197. 



GismSo. 



198. 



Biyot de FIre. 199. 



Halter, Bibliotb. 200. 
aaat 

HiHer. Bibliüth. 201. 
obir. 

iUter, Bibliotb. 202. 
Md. pract. 



Haaberger. 208. 



Haiake. 



204. 



vai Harderwiik 
Harlets. 205. 



Kogr. Lexikon. I. 



Glrtanner, Christoph, Abhandlung über die Venerische Krankheit. 
Bd. 1—3. 2. Aufl. Göttingen. 1793. 8. 

Glaeser, Er* est, Biographie nationale des contemporains r^dig^e par une 
societ6 de gens de lettres sous la direction de Paris. 1878. gr. 8. 

Gliublch, $., abbatOf Bizionario biografico degli aomini illustri della 
Dalmazia. Vienna. 1856. 8. 

Goellclce, Andr. Ottom., Historia medicinae universalis qua celebriorum 
. . . quorumcunque medicorum qui a primis artis natalibus ad nostra 
usque tempora inclaruerunt, vitae, nomina, dogmata singularia .... 
adcurate pertractantur ... 4 partes. Francofurti ad Viadr. 1718—21. 8. 

Goldborn, Car. Just., De archiatris Romanis inde ab eonim origine 
usque ad finem imperii Eomani occidentalis. Diss. inaug. histor.-medica . . . 
Lipsiae. 1841. 8. 

Goojet, Claude-Plerre, Memoire historique et litt^raire sur le College 
royal de France. Partie 1-3. Paris. 1758. 4. 

Gradmann, Job. itc, Bas gelehrte Schwaben oder Lexicon der jetzt 
lebenden schwäbischen Schriftsteller. Ravensburg. 1802. 8. 

Grienwaldt, Frano. Jos., Album Bavariae iatricae, seu Catalogns cele- 
briorum aliquot medicorum, qui suis in Bavaria scriptis medidnam 
exomarunt ab anno 1450, quo Boica schola fundata quidem, at 
primum anno 1472 publicata fuit, in hodiemam usque lucem, quantum 
pro hac vice fieri potuit continuatus, additis ubivis forme notatu 
dignioribus . . . Monachii. 1733. 8. 

Grillo, Luiol, Elogi di Liguri illustri. Seconda edizione. T. 1-3. 
Genova. 1846. 8. 

GrotS, Samuel D., Lives of eminent American physicians and surgeons 
of the 19th Century. Philadelphia. 1861. 8. 

Idem, History of American medical literature from 1776 to the present 
time. Philadelphia. 1876. 8. 

s. Reiske u. Fabri, Nr. 350. 

Günther, Johannes, Lebensskizzen der Professoren der Universität Jena 
seit 1558^1858. Eine Festgabe zur 30Qjährigen Säcularfeier der 
Universität Jena. 1858. 8. 

Gnsmäo, F. A. R., Memorias biographicas dos medicos e cirurgiÖes 
portuguezes que, no presente secnlo, se tCem feito conhecidos per seas 
escriptos. (Gazeta medica de Lisboa. 1858. p. 3, 50, 73, 94, 106, 
122, 131, 149, 162, 184, 216, 229, 243, 269, 275, 294, 324, 338, 356.) 

Guyot de Fire, Statistique des lettres et des sciences en France 

Bictionnaire des hommes de lettres, des savants existant en France. 
T. 1. Paris; T. 2. B6partement. Paris. 1834, 35. 8. 

Haiier, Albert von, Bibliotheca anatomica. Qua scripta ad anatomen 
et physiologiam facientia a remm initiis recensentur. T. 1, 2. Tiguri. 
1774-77. 4. 

Idem, Bibliotheca chirurgica. Qua scripta ad artem chirurgicam facientia 
a rerum initiis recensentur. T. I, II. Basileae et Bemae. 1774, 75. 4. 

Idem, Bibliotheca medicinae practicae qua scripta ad partem medicinae 
practicam facientia a rerum initiis ad A. 1775 recensentur. T. I. — IV. 
(T. III. ed. Franc. Ludov. Tribolet, T. IV. ed. Joach. Biter. 
Brandis.) Basileae et Bemae. 1776—1788. 4. 

Hamberger, Georg Christoph,. Bas gelehrte Teutschland oder Lexicon 
der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 1. — 3. Abschnitt nebst 
2 Nachtr. Lemgo. 1767—70. 8. — Neue Aufl. 1772. — 3. ver- 
mehrte Auflage fortgesetzt von J. G. Mensel. 1776. — [Fortsetzung 
s. Mensel, Nr. 281—83.] 

HannItittS, Martinas, Quorundam, scriptis in publicum editis clarorum 
Silesiorum medicorum vitas Vratislaviae. 1667. 4 

8. van der Aa, Nr. 1. 

Harless, Christian Frledr., Bie Verdienste der Frauen um Naturwissen- 
schaft, Gesundheits- und Heilkunde, sowie auch um Länder-, Völker- 
und Menschenkunde, von der ältesten Zeit bis auf die neueste. Ein 
Beitrag zur Geschichte geistiger Cultur und der Natur- und Heilkunde 
insbesondere. Göttingen. 1830. 8. Mit Abbildungen. 

2 



18 Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 

Bezeichnong: 

Harris. 206. Harris, Chapin, Dictionar^- of dental science, biography, bibliography. 

Philadelphia. 1849. 8. . 

Haapt 8. Kayser, Nr. 229. 

Haar^au. 207. Haar^a«, Barth^lsay, Histoire litt^raire du Haine. T. 1—4. Le Maus 

et Paris. 1843—52. 8. 

Haynaaa. 208. Haymaaa, Christtpll Joh. Gottfr., Dresdens theils neuerlich verstorbene, 

theils jetzt lebende Schriftsteller und Künstler irissenschaftlich dassi- 
ficirt nebst einem dreyfachen Register. Dresden. 1809. 8. 

Hazoa s. Bertrand, Nr. 53. 

Heinsius. 200. Heinsias, Wilhelai, Allgemeines Bucher-Lexicon oder vollständiges 

Alphabetisches Verxeichniss der von 1700 bis zu Ende 1810 erschienenen 
Bücher, welche in Deutschland und in den durch Sprache und Literatur 
damit verwandten Ländern gedruckt worden sind. Nebst Angabe der 
Druckorte, der Verleger und der Preise. Bd. 1-— 4. Leipzig. 1812, 13- 

— Bd. 5, für 1811—15. Leipzig. 1817. — Bd. 6, 7. für 1816—27, 
fortgesetzt von Chr. Gl o. Kayser, Leipzig. 1822, 28. — Bd. 8, für 
1828 — 34, herausgegeben von Otto Aug. Schulz. Leipzig. 1835 — 38. 

— Bd. 9, für 1835—41, herausgegeben von 0. A. Schulz. Leipzig. 
1843—46. — Bd. 10, für 1842—47, herausgegeben von Albert 
Schiller. Leipzig. 1847—49. — Bd. 11, für 1847—51, herausgegeben 
von A. Schiller. Leipzig. 1852—55. — Bd. 12, för 1852—56, 
herausgegeben von A. Schiller. Leipzig. 1857, 58. — Bd. 13, für 
1857 — 61, herausgegeben von Rob. Heumann, Leipzig. 1862 — 64. 

— Bd. 14, für 1862 — 67, herausgegeben von K. B. Heumann. 
Leipzig. 1869, 71. — Bd. 15, für 1868—74, herausgegeben von 
Herm. Ziegenbalg. Leipzig. 1875—78. — Bd. 16, für 1875—79, 
herausgegeben von Otto Kistner. Leipzig. 1881 — 82. 4. 

Helfsnstein s. Branbiila, Nr. 87. 

Heaschsl, latro- 210. Henscbel, Aag. Oail. Ed. Th., latrologiae Silesiae specimen primnm, 
logia SilSSiaa. exhibens brevissimani medicomm Silesiacorum saeculi XTTT. ad XYI. 

notitiam etc. Vratislaviae. 1837. 4. 

HSBSOhcl, Ante 211. IdeM« Biographische Gallerie berühmter Aerzte des 13.-*14. Jahr- 
d. 13. 1.14 Jafcrh. hunderts. (Janus. Bd. 2. 1847. S. 132, 370.) 

Hering s. Sehrader, Nr. 381. 

HeanaBR s. Heinsias, Nr. 209. 

Hlrschfeld. 212* Hirscbfeld J., Gallerie berühmter Kliniker und hervorragender Aerzte 

unserer Zeit mit den Biographien, als Beitrag zur Geschichte der 
Medicin. 10 Lieferungen. Wien. 1875—77. 4. 

Hitzig 8. Gelehrtes Berlin, Nr. 180. 

Hoefer s. Nouvelle biographie generale, Nr. 308- 

Holtrop. 218. Haltrop, L. S. A., Bibliotheek voor genees-, heel-, schei- en artsenijmeng- 

kunde, of alphabetische naamlijst van alle boeken, geschriften en 
stukken, betreffende ontleedekunde, geneeskunde, heelkunde, verloskunde, 
artsenijmengkunde, scheikunde, kruidkunde, natuurkunde en vee-artsenij- 
künde, welke in Nederland versehenen zijn, van hat jaar 1790 tot 
1840; zoowel afzonderlijk uitgegeven, als in Tijdschriften verspreid, of 

in de Werken der onderscheidene Genootschappen opgenomen ; 

auch unter dem Titel : Bibliotheca medico-chirurgicia et pharmaceutico- 
chemica, sive catalogus alphabeticus etc. 's Gravenhaghe. 1842. 8. 

Hora 8. Medici Halberstadienses, Nr. 279. 

HBl»erta,Elberts, 214. Huberts, W. J. A., Elberts, W. A. en Branden, F. Jaz. P. van den, 

V. d. Branden. Biographisch Woordenboek der Noord- en Zuid-Nederlandsche Leiter- 

kunde. Deventer. 1878. 8. 

Hutohlnson. 216. Hutchinson, Benjamin, Biographia medica; or historical and critical 

memoirs of the lives and ^writings of the most eminent characters 
that have existed from the earliest account of time to the preaent 
period; with a catalogue of their literary prodactions. Vol. 1, 2. London. 
1799. 8. 

Index- 210. Index-Catalogue of the library of the Snrgeon GeneraFs Office , United 

Catalogue. States Army. Authors and subjects. Vol. I— UI. Washington. 1880—82. 

gr. 4. [A— Dzondi.] 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



19 



Bttxdchnnng: 
iMliX füMW. 

Pari«. 



ImI«x nedleit. 218^ 



liftrtlev. 2i9. 



lUhiraal. 220. 



Jiok. 



Jiger. 

Jani 
J5ch8r. 



Johl. 



Joaekbioet. 226. 



JrardaB 

JiSti. 

JNtaa. 



Kaliia v. Fätea- 
stein. 

iCayser. 



Kayaar 
Keaaiin. 

Kestaer, Bi- 
Uiatli. Mad. 



217. Index funereus chirurgorum Parisiensium ab anno 1315 ad annum 1729. 
Accedunt super eornm Societatis positionem, et praecipaas ejus 
immntationes, notae historicae; necnon et plurium in arte illustrium 
oompendiosa elogia. Opera M.J.D.V. [Jean Devaux], antiqnioris 
Societatis praefecto. (Parisiis. 1729) 12. 

Isdex medicus. A monthly classified record of the current medical 
literature of the worid. Compiled under the snpervision of John S. 
Biliings and Robert Fletcher. New York. 1879—1883. 8. 

lageralev, V., Danmarks Laeger og Laegevaesen fra de aeldst« Tider 
indtil Aar 1800. £n Fremstilling efter trykte Kilder. Deel 1, 2. 
Kjoebenhavn. 1873. 8. 

laghiraml, Fraaeeseo, Storia della Toscana. Firenze. T. 1—16. 1841—44. 
8. (T. 12, 13, 14. 1843—44. Biografta degli uomini mentorabili Toscani.) 

— (T. 15, 16. 1843. Bibliografia storica deila Toscana). 

221. Jick, Joacll. Heinr., Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs. 
Heft 1—6. Bamberg. 1812—14. 4. — 1. Fortsetzung. Erlangen, 1821, 8. 

— Zweiter Theil. Bamberg. 1825. 8. — Zweites Pantheon . . . vom 
XI. Jahrhundert bis 1844. Zweiter . . . Abdruck. Bamberg. 1844. 8. 

222. Jäger, Cajet., Literarisches Freibnrg im Breisgau oder Yerzeichniss der 
gegenwärtig daselbst lebenden Schriftsteller. Freiburg. 1839. 8. 

8. Nioeron, Nachrichten Nr. 306. 

228. Jdolier, Ciiristian Gottlieb, Allgemeines Gelehrten-Lexicon , darinnen 
die Gelehrten aller Stände ... in alphabetischer Ordnung beschrieben 
werden. Thl. 1 — 4. Leipzig. 1750—51. 4. [Fortsetzung s. Adelung, 
Nr. 5.] 

224. John, Jon. DIon., Arzneiwissenschaftliche Aufsätze böhmischer Gelehrten, 
nebst einem Verzeichnisse der böhmischen lebenden medicinischen Schrift- 
steller mit Anzeige ihrer Schriften. Mit 1 Kpf. Dresden. 1798. 8. 

Jonckbloet, W. J. A., Gedenkboek der hoogeschool te Groningen, ter 
gelegenheid van haar vijfde halve eenwfeest op last van den akademi- 
schen senaat uitgegeven. Groningen. 1864. 4^. 

s. Biographie m^dicale, Nr. 68. 

Juati, K. W., Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten-, Schriftsteller- 
und Künstler-Geschichte von 1806—1830. Marburg. 1831. 8. — [Vgl. 
Strieder Nr. 39::^, Gerland Nr. 183.] 

Justua, Gnolpliganous, Chronologia sive temporum supputatio, omnium 
illustrium medicorum , tarn veterum , quam recentiorum , in omni 
linguarum cognitione, a primis artis medicae inventoribus et scriptoribus 
usq. ad nostram aetatem et seculum. Francophorti ad Viadrum. 1556. 8. 

Kaiina von Fätenatein, INathias, Nachrichten über böhmische Schrift- 
steller und Gelehrte, deren Lebensbeschreibungen bisher nicht bearbeitet 
sind. Heft 1, :i, 3. Prag. 1818,19,27.8. 

Kayser, Chriatian Gottlob, Vollständiges Bücher-Lexicon enthaltend alle 
von 1750 bis zu Ende des Jahres 1832 in Deutschland und in den 
angrenzenden Ländern gedruckten Bücher. Thl. 1 — 6. Leipzig. 1834—36. 
gr. 8. — Sachregister zum K a y s e r'schen Bücher-LexicOn. Leipzig. 
1838. gr. 8. — Neues Bücher-Lexicon enthaltend alle von 1833 bis 
Ende 1840 gedruckten Bücher etc. nebst Nachträgen und Berichtigungen 
früherer Erscheinungen. Thl. 1, 2. (Thl 7, 8 des ursprünglichen Werkes.) 
1841, 42. — Dasselbe für 1841 bis Ende 1846. Thl. 3, 4 (9, 10) 1848. 

— Dasselbe herausg. von Ernst A. Zuchold für 1847 bis Ende 
1852. Thl. 5, 6 (11, 12). 1853, 54. — Dasselbe bearb. u. herausg. von 
Gustav Wilhelm Wuttig für 1853 bis Ende 1858. Thl. 7, 8 (13, 
14). 1860. — Dasselbe bearb. und herausg. von G. W. Wuttig für 
1859—1864. Thl. 9, 10(15, 16). 1866. — Dasselbe bearb. u. herausg. 
von G.W. Wiuttig und Richard Haupt für 1865-1870. Thl. 11, 
12, (17, 18). 1872, 73. — Dasselbe ... von Rieh. Haupt für 1871 bis 
1876. Thl. 13, 14 (19, 20). 1877. 

8. a. Heinsius, Nr. 209, 

230« Keaaiin, Christian Friedr., Nachrichten von Schriftsteilem und Künstlern 
der Grafschaft Wernigerode vom Jahre 1074 bis 1855. Magdeburg. 1856.8. 

231. Kestner, Chri8t.-Gilil., Bibliotheca medica, optimorum per singulas 
medicinae partes auctorum delectu circumscripta, et in duos tomos 
distributa. Jenae. 1746. 8. 



226. 



227. 



228. 



229. 



20 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnnng : 

Kestner, Med. 
Gelehrt -Lexic. 

Kiaer. 

Kippis 
Kietner 
Kläbe. 

Klose 
KlSpfel I. 

KIQpfel II. 

Kobolt-Ganders- 
hofer. 



232. Idem, Hedicinisches Gelehrien-Lexicon. Nebst einer Vorrede von Gott- 
lieb Stolle. Jena. 1740. 4. 

233. Kiaer, F., Norges Laeger i det nittende Aarhnndrede (1800—1871). 
Christiania. 1873. 8. 

8. Biographia Britannica, Kr. 61. 

8. Heinsiue. Nr. 209. 

234. KIftbe, Joh. Gottileb Aug., Neuestes gelehrtes Dresden oder Nachrichten 
von jetzt lebenden Dresdner Gelehrten .... Leipzig. 1796. 8. 

8. Schröder, Hans, Nr. 382. 

236. KIflpfel, Geschichte und Beschreibung der Universität Tübingen. 
Tübingen. 1849. 8. 

236. Idem, Die Universität Tübingen in ihrer Vergangenheit und Gegenwart, 
Leipzig. 1877. 8. 

237. Kobolt, Anton Maria, Baierisches Gelehrten-Lexikon, worin alle Gelehrten 

Baiems und der oberen Pfalz enthalten sind. Landshut. 

1795. 8. — Ergänzungen und Berichtigungen zum Lexikon. 

Nebst Nachträgen von G. M. Gandershofer. Ebend. 1824. 8. 

s. Gelehrtes Berlin, 1845, Nr 182. 

233. Koppe, Joh. Chrlotlan, Jetztlebendes gelehrtes Mecklenburg. St. 1 — 3. 
Rostock und Leipzig. 1783 — 84. 8. 

230. Kordes, Berend, Lexicon der jetztlebenden Schleswig-Holsteinischen und 
Eutinischen Schriftsteller. Schleswig. 1797. 8. 

240. Kosegarten, J. G. L., Geschichte der Universität Greifswald. ThL 1, 2. 
Greifswald. 1857. 4. 

241. Kraft, Jens E., Norsk Forfatter-Lexicon. 1814—1856. Efter Forfatterens 
Doed ordnet, foroeget og udgivet af Christian CA. Lange. Christiania. 
1863. 8. 

s. a. Nyerup, Nr. 310. 

242. Krebel R. , Busslands naturhistorische und medicinische Literatur. 
1. Abtheilung. Die in nicht-russischer Sprache erschienenen Schriften 
und Abhandlungen .... Jena. 1847. 8. 

243. Krey, Joh. Bernh., Andenken an die Bostock'schen Gelehrten aus den 
drei letzten Jahrhunderten. St. 1 — 8, nebst Anhang. Rostock. 1816. 8. 

244. Labarthe, Paul, Nos m^ecins contemporalns . . . ouvrage orn6 de 
24 portraits photographi^s et de 8 autographes. Paris. 1868. 18. 

6. Sachalle, Nr. 368 

245. Lancettl, VInoenzo, Biografla Cremonese. Vol. 1, 2. Milano. 1819,20. 4. 
[A— Buvoli.] 

s. Kraft, Nr. 241. 

s. Brainne etc., Nr. 85. 

246. Latour, J.-L.-F.-Dom., l^loges acad6miques prononcös k la Sociötö 
des sciences physiques, m^dicales et d'agriculture d'0rl6ans peudant 
l'an 1810. Orlfeans. 1810. 8. 

LautenschlSger. 247. Lautenachläger, Joh. Heinr., De medicis vetemm Hebraeomm eorumque 

methodo sanandi morbos. Schleiz. 1786. 8. 



Koner 
Koppe. 

Kordeo. 

Kosegarten. 

Kraft. 

Kraft. 
Krebel. 

Krey. 

Labarthe. 

Lachalse 
Lancettl. 

Lange 
Lapierre 

Latour. 



Lebreton. 



Lennep. 



Leroy. 

Letlllois. 

Leudet. 



243. Lebreton, Theodore, Biographie normande, recueil de notices biogra- 
phiques et bibliographiques sur les personnages c^löbres mks en 
Normandie etc. Vol. 1—3. Ronen. 1857—1861. 8. 

249. Lennep, D. J. van, Illustris Amstelodamensium Athenaei memorabilia, 
prodita deinceps oratione Jacob! Philippi D'Orville in cente- 
simum Athenaei natalem et Davidis Jacobi van Lennep in 
altera Athenaei saecnlaria, accedente item Lennepii in utramque 
orationem annotatione. Ainstelodami. 1832. 4^. 

250. Leroy, Alphonse, Liber memorialis. L'Universitö de Liöge depuis aa 
fondation. Li6ge. 1869. 8. 

261. Letlllois, Biographie g^n^rale des Champenois cölöbres, morts et 
vivants. Paris. 1836. 8. 

252. Leudet, E., £tude historique de la m6decine et des mMecins de Ronen 
aux 17e et 18e sifecles. Konen. 1858. 8. 



Biographisclie und bibliographische Sammelwerke and Schriften. 



21 



fiezeiehnnng: 

Levi. 



Levot 

Ulienibal. 

Uidner. 

Liidier 
UmtrSn. 

Um of Brit. 
physioians. 

Loeweasteln. 
Lorenz. 



Ulis. 



De Luca. 
Lideking. 



LBbker & 
Sehrider. 



Lutz, Nekrolog. 

Litz, Biogra- 
phien. 

Maass. 

De Maoedo. 

Malinl. 



Malacarne. 



Maadosio- 



Hangetns. 



Maritti. 



V. Martiis. 



2S3. Levi, M. 6., Ricordi intomo agli incliti medici chirarghi e farmacisti 
che praticarono loro arte in Veuezia dopo il 1740 raccolti aumentati 
e pnbblicati. Yenezia. 1835. 8. 

354. Levot, P., Biographie bretonne, recueil de notices snr tons les Bretons 
qni se sont fait nn nom T. 1, 2. Vannes et Paris. 1852, 57. gr. 8. 

265. Liiientiial, Sanuei, Die jüdischen Aerzte. Eine historische Skizze. 
Inangurations-Abhandlung. München. 1838. 8. 

258. Lindner, Joil. Wiiil. Sigiem., Taschenbuch für Literatur und Kunst im 
Königreich Sachsen. Jahrg. 1, 2. Dresden. 1825, 28. 12. 

8. a. üeueel, Nr. 283. 

257. Linnstrüm, Hjalmar, Svenskt Boklexikon. Aren 1880—1865. Deel 1. 
Stockholm. 1883. gr. 8. [A— L.] 

258. Liyes of British physicians. London. 1830. 12. 

259. Loeweeetein, Jacob Samuel, Biographien und Schriften der ordentlichen 

Professoren der Medicin an der Hochschule zu Frankfurt a. d. 0. in 
den Jahren 1506—1811. (Janus. Bd. 3. 1848. S. 283.) 

280. Lorenz, Otto, Catalogue g^n^ral de la lihrairie fran^aise pendant 25 ans 
(1840—1865). T. I - IV. Paris. 1867—1871. 8. — T. V. (T. I du 
Catalogue de 1866—1875.) — VIII unter dem Titel; Catalogue g6n6ral 
de la librairie franpaise depuis 1840, Paris. 1876—1880. 8. 

281. Louis, A., Eloges Ins dans les seances pnbliqnes de l'Academie ro^^ale 

de Chirurgie de 1750 4 1792. Recueillis et publies pour la premifere 
fois, au nom de l'Academie imperiale de m6decine et d'apr^s les ma< 
nuscrits originaux, avec une introduction, des notes et des ^claircisse- 
ments par E.-Pr6d. Dubois, d'Amiens. Paris. 1859. 8. 

282. (Luca, J. de), Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch. Bd. 1. St. 1. 

Wien. 1776. — Bd. 1. St. ii. 1778. 8. 

288. Lodeking, W. E., Levensberigten en lettervruchten yan Nederlandsche 
geneeskundigen , van de vroegste tijden tot op onze dagen. Deel 1, 
Brielle. 1847. 8. 

284. LQbker, D. L. und ScIirSder, H., Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauen- 
burgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1796—1828. Altena. 
1829. 8. — Schröder, H., Nachträge und Register zu dem Lexikon 
der Schleswig-Holst. . . . Schleswig. 1831. 8. 

285. Lutz, Markue, Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem 18. Jalir- 

hundert .... Aarau. 1812. 8. 

288. idem, Moderne Biographien, od^r Nachrichten interessanter 

Männer unserer Zeit, welche sich .... in der Schweiz ausgezeichnet 
haben. Bey Lichtensteig. 1826. 8. 

287. Maaee, J., Denkmal der Wittenberger Musen. Heft 1, 2. Dresden. 1822. 8. 

288. Macedo, Joaqulm Manoel de, Anno Biographico Brazileiro. Vol. I — III. 
Rio de Janeiro. 1876. 8. 

288. Maliul, A., Annuaire n6croldgique, ou Supplement annuel et continuation 
de toutes les biographies ou dictionnaires historiques. Ann6e 1820 — 27. 
Paris. 1821—30. 8. 

270. Maiacarne, Vincenzo, Delle opere de' medici, e de' cerusici che nacquero, 
fiorirono prima del secolo XVI negli Stati della Real Casa di Sa- 
voja. Torino. 1786. 4. 

271. iNandoeiue, Prosperus, 8EATR0N in quo maximomm cliristiani orbis 
pontificum archiatros .... spectandos exhibet. Romae. 1696. 4. — 
Idem. Romae. 1784. 4. — [Vgl. Marini, Nr. 273.] 

272. Mangetus, Joann. JaO., Bibliotheca scriptornm medicorum veternm et 
recentiorum: in qua sub eorum omnium qui a mundi primordiis ad 
hunc usque annum vixerunt, nominibus, ordine alphabetico adscriptis; 
vitae compendio enarrantur ; opiniones, et scripta, modesta subinde ad- 
jecta Ireixpiaei recensentur etc. T. I, II. (Partes 4). Genevae. 1731. Fol. 

273. Marini, Gaetano, Degli archiatri pontifici. Vol. I. nel quäle sono i 
Bupplimenti e correzioni all' opera del Mandosio. — Vol. II. il qnale 
contiene l'appendice de' monumenti e gl'indici a tutta l'opera. Roma. 
1784. 4. — O'gl. Mandosius Nr. 271.] 

274. Martius, Carl Fr. Pb. V., Akademische Denkreden. Leipzig. 1866. 8. 






22 



Biographische nnd bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Bezeichnung : 

8a Mattos. 



Mazzetti. 



Mazzuühelli. 



Medici. 



Mehring 

Medici Halber 
etadiensee. 



Tlie medical 
profeesion. 

van der IMeuien 

Meueel, I— XII. 



Mensel, 1750 
1800. 

Mensel, XIII 
XXIII. 



Meyranx. 

Michaud 
Miescher. 



Minicucci. 

Miorcec de 
Kerdanet. 



Moehsen, 
Bildnisse. 



Moehsen, Me- 
dici equites i. 



275. 8a Mattos, Manuel de, Bibliotheca chirurgico-anatomica, on Compendio 
historico critico e chronologico sobre a cirurgia e anatomia, com e 
especifica^äo de seus autores, suas obras . . . Porto. 1788. 4. 

276« Mazzetti, Seraflmo, Bepertorio di tntti i professori antichi, e modemi 
della famosa Uniyersita, e del celebre Istitnto delle scienze di Bologna. 
Bologna. 1847. 8. 

277. Mazzuchelii, Conte Giammaria, Gli scrittori d'Italia cioe' notizie storiche, 
e critiche intomo alle vite, e agli scritti dei letterati Italiani. Vol. I. 
Parte 1, 2; Vol. II. Parte 1, 2, 3, 4. Brescia. 1753—1763, Fol. 

[A-R] 

278. Medici, Michele, Bella vita e degli scritti degli anatomici e medici 
Aoriti in Bologna dal cominciamento del secolo XVJII fino al presente. 
Biscorsi detti all* Accademia dell' Istitnto delle Scienze di Bologna. 
Parte prima che comprende i nati al dichinare del secolo XVII e 
fioriti nel XVIII. Bologna. 1853. 4. 

s. Schmidt, Val. Heinr., Nr. 379. 

279. Be medicis qnos Halberstadiensis , Quedlinburgensis , Wemigerodensis 
ditio vel genuit vel aluit specimen historico-literarium qno C. F. H e i n ek e 
. . . gratulatur Societas medica Halberstadiensis. Halberstadii. 1840. 8. 
[Angustin et Hörn.] 

280. The medical profession in all countries, containing Photographie portraits 
from life by Barraud & Jerrard. Vol. I, II. London. (1873, 4). 4. 

s. Alphabet. Naamlijst, 1833—75, Nr. 18. 

281. Mensel, Johann Oeorg, Bas gelehrte Teutschland oder Lexikon der 
jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Angefangen von Georg Christ. 
Hamberger, fortgesetzt von .... 4. verm. und verbess. Ausgabe. 
Bd. 1—4. Lemgo. 1783, 84. 8- — 5. durchaus verm. und verbess. 
Ausgabe. Bd. 1—12. Lemgo. 1796—1806. 8. — [Vgl. Hamberger, 
Nr. 203.] 

— 282. Idem, Lexicon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen 
Schriftsteller, Bd. 1—15. Leipzig. 1802—1816. 8. 

— 283. Idem , Das gelehrte Teutschland im neunzehnten Jahrhundert , nebst 
Supplement zur fünften Ausgabe desjenigen im achtzehnten. Bd. 1 — 5. 

Lemgo. 1808 — 1820 8. (auch unter dem Titel: Das gelehrte Teutsch- 
land oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Angefangen 
von G. C. Hamberger. Fortgesetzt von J. Gr. Meusel. 5. durchaus 
verm. nnd verb. Ausgabe. Bd. 13—17. 1808—1820). — Bd. 6 (Bd. 18). 
Aus MeuseTs Nachlass, herausgegeben von Johann Samuel 
Ersch. Lemgo. 1821. — Bd. 7 (Bd. 19)— 9(21). Bearbeitet von Joh. 
Wilh. Sigism. Lindner und herausgegeben von Joh. Sam. Ersch. 
1823—1827. — Bd. 10 (22 j. Bearbeitet und herausgegeben von 
J. W. S. Lindner. 1829. — Bd. 11 (23) nach Meusel's und 
Lindner's Tode fortgesetzt von mehreren Gelehrten. 1834. 8. 

284. Meyranx, Biographie des anatomistes les plus cöl^bres, tant anciens qne 
modernes (Anthropographie Paris 1827. p. 325). 

8. Biographie universelle, Nr. 73. 

286« Miescher, Friedrich, Die medicinische Facultät in Basel und ihr Auf- 
schwung unter F. Plater und C. Bauhin mit dem Lebensbilde von 
FelixPlater. Zur4. Säcularfeier der Universität Basel, 6. Sept. 1860, 
im Auftrage der medic. Facultät. Basel. 1860. 4. 

288. Minicucci, Attilio, Quadro biografico de' piü distinti medici e chirurgi 
lucchesi. Lucca 1843. 8. 

287. Miorcec de Kerdanet, Di.-L.-O.-M., Notices chronologiques sur les 
th^ologiens, jurisconsultes , philosophes, artistes, litt^ratenrs poötes, 

de la Bretagne, depuis le commencement de l'äre chr^tienne 

jusqu'4 nos jours. Brest. 1818. 8. 

288. Moehsen, J. C. W., Yerzeichniss einer Sammlung von Bildnissen, grössten- 

theils berühmter Aerzte ; diesem sind verschiedene Nach- 

richten und Anmerkungen vorgesetzt, die sowohl zur Geschichte dei' 
Arzeneygelahrtheit, als vornehmlich zur Geschichte der Künste gehören. 
Beriin. 1771. 4. 

289. Moehsen, Jo. Car. Wilhelm., Commentatio de medicis eqnestri dignitate 
omatis. Specimen I. Norimbergae. 1767. 4. 



Biograplusclie und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



23 



Bezeichnung: 

NeekeeOy He- 290. (Moehsen), Commentatio prima de medicis equestri dignitate omaüs. 
diel eqiltet II. Praemissa est dissertatio de vera felicitate e studio et exercitio artis 

medicae capienda, Berolini. (s. d.) 4. 

Moll. 291. Moll 9 Albert, Die medicinische Facultät der Carlsakademie in Stutt- 

gart. Eine historische Studie bei Schiller's lOQjähr. Geburtsfeier. 
Stuttgart. 1859- 4. (Medic. Correspondenz-Blatt des Wtirttembergischen 
ärztlichen Vereins. 1859. Beilage 1 — 5). 

Moller. 292. Moller, Johannes, Oimbria Hterata, sive scriptorum ducatus utriusque 

Slesyieensis et Holsatici, quibus et alii vicini quidam accensentnr, 
historia literar ia tripartita etc. cum praefatione JoannisGrammii. 
Vol. I— HI. Havniae. 1744. Fol. 

Mengitore. 293. Mongitore, Antonio, Bibliotheca Sicnla, sive de scriptoribus Siculis qui 

tum vetera, tum recentiora saecula illustrarunt, notitiae locupletissimae etc. 
Vol. I, II. Panormi. 1707—14. Fol. 

Moreau s. Vioy d'Azyr, Nr. 414. 

MorejOU. 294. Morejon, Antonio Hernandez, Hlstoria bibliografica de la Medicina 

espafiola, Obra pöstuma. T. I— VIT. Madrid. 1842—52. 8. 

s. Biographie des m^decins frani^ais, Nr. 69. 



Merel (de Ra- 
beapr^) 

Menrik. 295. 



Monk. 296. 



Hitean & Gar- 
nier. 


297. 


Nebel, Acad. 
Heidelberg. 


296. 


Nebel, Acad. 
Giessene. 


299. 


Nebel. Medioi 
longaevl. 

Nederlandeche 
Bibliographie. 

NegrI. 

Nekrolog 

Neoer Nekrolog 
der Denteeben. 


809. 
80L 
802. 

608. 


Neyen. 


804. 


Niceron, M6- 
■oiree. 


806. 


NIeeron, Nach- 
ricbteif. 


806. 



Nicolas. 807. 



Neavelie bio- 

grapbie g6n§- 

rale. 



Nowaok. 809. 



Mourik, Bernard, Naamrol der medicinaale, chirurgiale, chemische, 
natuurkundige sclirijvers, welke over alle medicinaale zaaken .... 
Amsterdam. 1752. 4. 

Mnnk, William, The roll of the Royal College of Physicians of London; 
comprising biographical sketches of all the most eminent physicians, 
whose names are recorded in the annals from the foundation of the 
College in 1518 to the removal in 1825, from Warwick Lane to Pall 
Mall East. Second edition. Vol. 1—3. London. 1878. 8. 

Muteau Ch. et Garnier, Joseph, Galerie bourgulgnonne. T. 1—3. 
Drjon. 1858—1860. 16. 

Nebel, Daniel Wilh., Oratio de vita et meritis professorum medicinae 
ordinariorum, qui a festo »eculari tertio ad quartum in Academia Heidel- 
bergensi floruerunt in: Acta sacrorum secularium quum anno 1786 a 
die 6. ad 9. Novembris festum seculare quartum pio solemnique ritn 
celebravit Academia Heidelbergensis. Heidelbergae. 1787. 4. p. 243. 

Nebel, Em. Lud. Gull., Programma professorum qui medicinam in Aca- 
demia Giessensi docuerunt conspectum sistens. Giessae. 1802. 4. 

Idem, Quaedam de medicis longaevis. Giessae. 1827. 4. [Gratulations- 
schrift zum öQjähr. Dr.-Jubiläum von Jo. Chr. Hesse.^ 

Nederlandsche Bibliographie voor Genees-, Heel- en Verloskunde, Vee- 
artsenijkunde en Artsenijbereidkunde. 1. Deel [einziger]. Leijden. 1852. 8. 

NegrI, Giulio, Istoria degli scrittori Fiorentini. Ferrara. 1722. Fol. 

s. Neuer Nekrolog der Deutschen, Nr. 303. 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Herausgegeben von Fried r. Aug. 

Schmidt. Jahrg. 1—30. Ilmenau u. Weimar. 1823—1852. 8. 
Neyen, Aug., Biographie luxembourgeoise, histoire des hommes distingu6s 

originaires de ce pays . . . . T. l, 2. Luxembourg. 1860—61. 4. 

Niceron, Memoire» pour servir k Thistoire des hommes illustres dans 
la republique des lettre». Avec un catalogue raisonn^ de leurs ouvrages. 
T. 1—43. Paris. 1729—1745. 12. 

Niceron, Joh. Peter, Nachrichten von den Begebenheiten und Schriften 
berühmter Gelehrten, mit einigen Zusätzen herausgegeben. Thl. 1 — 15 
von Sigm. Jac. Baumgarten, Thl, 16 — 22 von Friedr. Eberh. 
Rambach, Thl. 543, 24 von Christian David Jani. Thl. 1—24. 
Halle. 1749-1777. 8. 

Nicolas, Michel, Histoire litteraire de Nimes et des localites voisines 
quiforment actuellement le d^partement duGard. T. 1 — 3. Nimes. 1854. 8. 

Nouvelle biographie generale depuis les temps les plus recuUs jusqu'ä, 
nos jours, avec les renseignements bibliographiques et Vindication des 
sources ä consulter; publice par MM. Firmin Didot fr^res sous la 
direction de M. le Dr. Hoefer. Vol. 1—46. Paris. 1855—1866. 8. 

Nowack, Karl Gabriel, Schlesisches Schriftsteller-Lexikon oder bio-biblio- 
graphisches Verzeichniss der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts 
lebenden Schlesischen Schriftsteller. Heft 1—6. Breslau. 1836—43. 8. 



24 



Biograi^iüclie und bibliognphiaclie Sammelwerke uiid SckrilleB. 



Nynp&KrafL 



Oetteriey 

OettMr.llatMi.- 
Eaeyktop. 

OettufM-, Bi- 



Oettiifer, Moii- 
Umr dM iates. 



lers) etc. 
Otto-SdNilte. 



Papilla. 
PM>ot 

Pariset 



Patiaat. 



Paaly. 



SI0. Nyerap, R. •§ Kraft, J. E^ Almindeligt Littentnrieziooii for Daamark, 
Noi)^, og IflÜuid: eller FoitegnelM OTer . . . saavel «idoede aom au 
leveade Forfattere, med Aiifoerelae af deres ¥igtigste Lemets-Omstaeadig- 
heder og Liste over deres Siaifter. KjoebenhaTii. 1820. 4. 

s. Pitter, Nr. 342. 

3UL OesterreichiBche National-Eiicyklopadie , oder aiphabet. Darlegung der 
wissenswördigstea Eigenthamlichkeiteii des oeterr. KaiaerthiUBS. Bd. 1 
bis 6. Wien. 1835—37. 8. — [VgL Xr. 338.] 

812« Oettiafer, Eieaard - Marie, Bibliogn^Aie biographiqne müTeiselle. 
DicHonnaire des onvrages relatils ä rhistoire de la Tie publique et 
privee des personnages celebres de tons les tenps et de toutes les 
nations, depuis le commeneement du monde juqu a nos jonrs. T. 1, 2. 
Paris. 186Ö. a 

813. ideal, Moniteur des dates. Biographisch-genealogisch-historisches Welt- 
Begister enthaltend die Personal- Akten der Menschheit .... mehr als 
100.000 geschichtlichen Persönlichkeiten aller Zeiten und Nationen 
Ton Erschaffung der Welt bis auf den heutigen Tag .... 6 Thle. in 
l Bande. Leipzig. 1869. gr. 4. — Supplement oommence par 
Ed.-X Oettinger, considerablement augmente et oontinu^ jusqu*ä 
nos jonrs, redige et edit^ par Dr. Hugo Schramm. T. 1. (T. 7.) 
Leipzig. 1873. — Supplement, redige. tenu a jour et Mite par Dr. 
Hugo Schramm-lfacdonald. Leipzig. 1880- gr. 4. 

8. Dictionnaire historique. Kr. 141. 



314. 



Ovile y Otero. 915. 



ZLB. 

317. 
318. 

319. 



330. 



321. 



Paawels-de-Yis. 322. 



Pavia, Uaiver 
siti di. 

Peiase, M6de- 
ciaa fraa^ais. 

Peieae^artiett. 



Peiaae.llideeiae 
et Bii^deeias. 

Peroai. 



323. 



324. 



Otto, Oottlieb Friedr., Lexikon der seit dem 15. Jahrhundert ver- 
storbenen und Jetzt lebenden Oberlausitzischen Schriftsteller und 
Künstler. Bd. 1—3 (in 6 AbtheUungen). Görlitz. 1800—1803- 8. 2. Aufl. 
1506. — Supplementband zu J. G. Otto*s Lexikon .... bearbeitet 
von Joh. Daniel Schulze. Görlitz und Leipzig. 182J. 8. 

Ovilo y Otero, D. Maaael, Enciclopedia Hispano-Americana. Manual 
de Biografia v de Bibliografia de los eseritores espanoles del siglo XIX. 
T. 1, 2. Paris. 1859. 12. 

Paaelli, GiOV., Memorie degli uomini illnstri e chiari in medicina del 
Piceno ossia della Marea d'Ancona. Yol, 1, 2 Ascoli. 1758. 8. 

Papilloa, Bibliotheque des anteurs de Bourgogne. Yol. 1, 2. Dijon. 1742. FoL 
Pai|BOt, Hemoires ponr servir ä rhi.<toire litteraire des 17 provinces 
des Pays-Bas, de la principaute de Lit^ge, et de quelques contrees 
Toisines T. 1 — 3. Lonvain. 1765 — 1770. Fol. 

Pariset, E.. Histoire des membres de rAcademie royale de medecine, 
ou Kecneil des eloges Ins dans les seances publiques de TAcad^mie 
royale de medecine, T. 1. 2. Paris. 1S45. 8. — Edition complfete, 
precMee de Teloge de Pariset: publice sous les auspires de 
rAcademie, par E.-F. Dubois (d'Amiens). T. L 2. Paris. 1850. 8. 
Patiaas, Carol., Lyceum Patavinum. sive icones et Titae professorum, 
Patavii, 1682 publice docentium. Pars prior, theologos, pMlosophos et 
medicos complectens. Patavü. 1682. 4. 

Paaly. Aipkoase, Bibliographie des sciences mMicales. Bibliographie — 
Biograph ie — Histoire — Epidemies — Topographie« — End^mies. Paris. 
1874. 8. 

PaawelO-de-Vio, J., Dictionnaire biographiqne des Beiges, hommes et 
femmes.mortsetrivants.quisesont fait remarquer . . . Bmxelles. 1848. 8. 

Memorie e documenti per la storia dell' üniversita di Pavia e degU 
uomini piu iUustri che v'insegnarono. Pavia. 1878. Fol. — Parte la. 
Serie dei rettori e professori eon annotazioni. (A. Corradi.) 

P[ei88e], J.-L.-H., Les medecins francais contemporains. Livr. 1, 2. 
Parüj. 1827, 28. 8. 

Sketches of the character and writings of eminent living sorgeons and 
physicians of Paris. Trantlated finom the French by K. Bartlett. 
Boi^ton. 1831. a 

Peisss, Loais, La medecine et les meileiins. Philosophie, doctrines, In- 
stitut ionscritiqnes.moeurs et biographies medicales. T, 1, 2. Paris. 1S57.8. 

Peroai, Viaceazo , Biblioieca Bresciana. Op«»ni. postuma. Vol. 1 — 3. 
Brescia. 1^1 6. 



BiograplÜBche und bibliograpMsche Sammelwerke uad Schriften. 



25 



Baceiehnimg: 




PMMtto. 


sas. 


PMolie k Dot- 


3M. 


portM. 




Pitra^iiio. 


330. 


PetrI. 


33L 


Pettifrew. 


332. 


PezztiM 




Phillips. 


333. 


Pisanski- 


334. 


■eckelbirg. 


• 



Plaz. 



336. 



PofgMdoHT. 336. 



Pogglale. 

Portritea- 
Galierie. 



Prantl. 



Prttzei. 

ProfcM. Rbeno- 
Trajeotiiii. 

PacbeK 

POtter. 



337. 
333. 



339. 

340. 
34L 

342. 



QafrardyFraace 
llttäraire. 



Qa^rard, Utt^ 
rat. fraa^lae. 

Rabbe ete. 



343. 



344. 
345. 



Rai|e-Deloraie 
Relagaet 



346. 



Raaibacb 



Paaeetta, 6. B., Biog^fla medica Lignre. Vol. I. Genova. 1846. 8. 

Peaobe, J.-R. et Daaportes, N.-H.-F., Biographie et bibliographie da 
Haine et da d6pt. de la Sarthe. Le Mans et Paris. 1828. 8. [A — Brosset.] 

PMreqoln, J.-E., Etndes m^dicales, historiques et critiques aar les m^decin. 
de Tantiquit^, et en particnlier sur Hippocrate, Galien, Paul d'^gine . . . 
Paris. 1858. 8. 

PetrI, Saffrid.y De scriptoribus Frisiae decades XVI et semis etc. 
Colon. Agripp. 1593. 12. 

Pettigrew, Thon.-Joa., Kedical portrait gallery. Biographical memoirs 
of the most celebrated physicians, surgeons etc. who have contributed 
to the advancement of medical science. Vol. 1 — 4. London. 1839, 40. 4. 

8. Affo, Nr. 8. 

Pblllipa, Lawrence B., The dictionary of biographical reference con- 
taining 100,000 names together with a classed index of the biographical 
literature of Earope and America. London. 1871. gr. 8. 

PiaanskI, Georg Chriatoph, Entwurf der Prenssischen Literärgeschichte 
des 17. Jahrhunderts. Bd. 1. Königsberg, 1791. 8. — Bd. 2. heraosg. 
von Fried r. Ad. Meckelburg. Mittlere (beschichte von der Aus- 
breitung gelehrter Kenntnisse in Prenssen bis zum Anfange des 18. Jahr- 
hunderts. Ebend. 1853. 8. 

Plaz, Ant. Gull., .... Panegyrin medicam .... indicit. Decanorum 
facultatis medicae Lipsicae series continuata. Lipsiae. 1778. 4. — 
[Vgl. Ei vin US Nr. 356.] 

PoggendorlT, J. C, Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Ge- 
schichte der exacten Wissenschaften, enthaltend Nachweisungen über 
Lebensverhältnisse und Leistungen von Mathematikern, Astronomen, 
Physikern, Chemikern, Mineralogen, Geologen u. s. w. aller Völker und 
Zeiten. Bd. 1, 2. Leipzig. 1863. gr. 8. 

(Pogglale, Chriatoforo), Memorie per la storia letteraria di Piacenza. 
Vol. 1, 2, Piacenza. 1789. 4. 

Porträten-Gallerie berühmter Aerzte und Naturforscher des österreichischen 
Kaiserthums, verstorbener und lebender. Herausgegeben von derRedaction 
der österreichischen National-Encyklopädie. Wien. 1837, 38. 4. Mit 
36 lithogr. Portraits. — [Vgl. Nr. 311.] 

Prantl, Carl, Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in Ingol- 
stadt, Landshut, München, zur Feier ihres 40Qjährigen Bestehens. 
Bd. 1, 2. München. 1872. 8. 

Pritzel, G. A., Thesaurus literaturae botanicae etc. Editio nova reformata. 
Lipsiae. 1872. 4. 

Series professorum qui in Academia Rheno-Trajectlna publice aut do- 
cuerunt, aut etiamnunc docent. Trajecti ad Bhen. 1861. 8. 

s. Erach. Nr. 158. 

POtter '8, J. L., Versuch einer akademischen Gelehrtengeschichte von der 
Georg- August-Universität zu Göttingen. Göttingen. Thl. 1. 1765. — 
Thl. 2. 1788 (von 1765—88). — Thl. 3. 1820 von Saalfeld (von 
1788—1820). — Thl. 4. 1838 von Oesterley (1820—1837). 8. 

Querard, J. M., La France litt^raire, ou Dictionnaire bibliographique 
des savants, historiens et gens de lettres de la France, ainsi que des 
litt^rateurs ^trangers qui ont ecrit en fran9ais, plus particuliörement 
pendant les 18e et 19e siecles. T. 1—12. Paris. 1827—1864. 8. 

Idem, La litterature fran^aise contemporaine XlXe si^de . . . Le tout accom- 
pagn^denotesbiographiques et litteraires. T. 1 — 6. Paris. 1842 — 1857.8. 

Rabbe, Vieilh de Boiajolln et Sainte-Preuve, Biographie universelle et 

portative des contemporains ou Pictionnaire historique des hommes 
vivants et des hommes morts depuis 1788 jusqu'ä nos jours etc. 
T. 1—5. Paris. 1836. 8. 
8. Dictionnaire historique, Nr. 141. 

Rainguet, Plerre-Daailen, Biographie saintongeaise, ou Dictionnaire 
historique de tons les personnages qui se sont illustres . . . dans les 
anciennes provinces de Saintonge et d'Auuis, formant aujourd'hul le 
d^partement de la Charente-inferieure depuis les temps les plus reeul6s 
jusqu'Ä nos jours. Saintes. 1851. 8. 

s. Nloeron, Nachrichten Nr. 306. 



26 



Biographisclie nnd bibliographische Sammelwerke nnd Schriften. 



Bezeichnttng : 

RasanaM, 
Friedr. 



847. 



RassnanHj 
Ernst. 

V. Recke & Na- 
pierky-Belse. 



848. 



849. 



Relake & Fabri. 3S0. 



Renauldin. 



De Renzi. 



Reusa. 



36L 



862. 



868. 



Rey 
Ricoio. 


864. 


Riciiard. 


866. 


Rlvinua. 


866. 


Roohaa. 


867. 


Rohlfs. 


868. 


De-Rolandla. 


868. 


Rose. 


860. 


RosenmOller. 


881. 



Rossnissler. 862. 



Roternund.Bre- 868. 
■er Gelehrte. 



Ratermufld, 864. 

Fortsetzung 

von J5oher. 

Ratermnnd, Ge- 866. 
lebrlHannover. 



Rassmann, Friedr., Münsterländisches Schriftsteller-Lexicon, ein Beitrag 
zur Geschichte der westphaiischen Literatur. Lingen. 1814. 8. — 
Erster, Zweiter, Dritter Nachtrag. Lingen nnd Münster. 1815, 18, 24- 8. 
Vierter Nachtrag in: Friedr. Rassmann, Leben nnd Nachlass n. s. w. 
Münster. 1833. 8. — (Vgl. Nr. 348). 

Rassmantty Ernst, Nachrichten yon dem Leben nnd den Schriften 
Münsterländischer Schriftsteller des 18. nnd 19. Jahrhunderts. Münster. 
1866. 8. — Dasselbe. Neue Folge. 1881. 8. (Vgl. Nr. 347). 

Recke, Joli. Friedr. von und Napiersky, Karl Ed., Allgemeines Schrift- 
steller- und Gelehrten-Lexicon der Provinzen Livland, Esthland nnd 
Kurland. Bd. 1—4. Mitau. 1827—32. 8. — Dasselbe. Nachträge nnd 
Fortsetzungen, unter Mitwirkung von C. E. Napiersky, von The od. 
Beise. Bd. 1, 2. Mitau. 1859, 61. 8. 

Reiske, Joann. Jac. et Fabri, Jo. Ern., Opuscula medica ex monimentis 
Arabum et Ebraeorum. Iterum recensuit praefatus est vitas auctomm 
indicemque rerum adjecit Christ. Godofr. Grüner. Halae. 1776. 8. 

Renauldin. Läop.-Jos., Etudes historiques et critiqüe^ sur les mMecins 
numlsmatistes, contenant leur biographie et l'analyse de leurs ^rits. 
Paris. (1851.) 8. 

Renzi, Salvatore de, CoUectio Salemitana, ossia documenti inediti .... 
appartenentl alla Scuola medica Salemitana. T. 1 — 5. Napoli. 1852 
bis 1859. 8. 

Reuss, Jeremias David, Alphabetical register of all the anthora 
actually living in Great-Britain, Irelaud and in the United Provinces 
of North- America , with a catalogue of their publications. From the 
year 1770 to the year 1790. Auch unter dem Titel: Das gelehrte 
England oder Lexicon der jetztlebenden Schriftsteller u. s. w. Berlin 
und Stettin 1791. 8. — Supplement and continuation from the year 
1790 to the year 1803. Part. 1, 2. 1804. 8 

s. Berger L Rey, Nr. 49. 

Riocio, Camino Minieri, Memorie storiche degli scrittori nati nel 
Regno di Napoli. Napoli. 1844. 8. 

Richard, Bartlioi. Cliristian, Commentatio de vita et scriptis professomm 
hodie in Academia Jenensi publice docentinm. Jenae. 1710. 8. 

Rivinus, Aug. Quirin., Programma de decanis facultatis medicae Lip- 
siensis. Lipsiae. 1719. 4. — [Vgl. Plaz, Nr. 335]. 

Roolias, Adoiphe, Biographie du Dauphin^, contenant Thistoire des 
hommes nes dans cette province . . . Avec le catalogue de lenrs 
ouvrages et la description de leurs portraits. T. I, 11. Paris. 1856 
bis 1860. 8. 

Roiilfs, Heinrich, Geschichte der deutschen Medicln. Die medicinischen 
Classiker Deutschlands. Abth. 1, 2. Stuttgart. 1875, 1880. 8. 

De-Rolandis, Giuseppe Maria, Notizie sugli scrittori Astigiani. Asü. 
1839. 8. 

Rose, H. J. , A new general biographical dictionary. Vol. 1 — 12. 
London. 1848 

RosenmUiler, Jo. Chr., Programma I (—VIII) de viris quibusdam, qni 
in Academia Lipsiensi anatomes peritia inclaruerunt. Lipsiae. 1815 
bis 1819. 4. 

Rossmassier, F., Gallerie der vorzüglichsten Aerzte und Naturforscher 
Deutschlands, nach neuen Originalzeichnungen gestochen, Gotha. 
1831-33. 4. 

Rotermund, Heinr. Wilh., Lexikon aller Gelehrten, die seit der 
Beformation in Bremen gelebt haben, nebst Nachrichten von gebohmen 
Bremern, die in andern Ländern Ehrenstellen bekleiden. Thl. 1, 2. 
Bremen. 1818. 8. 

Idem, Fort43etziing und Ergänzungen zu Christ. Gottl. Jöcher's 

allgemeinem Gelehrten-Lexikon Bd. 3 — 6. Delmenhorst nnd 

Bremen. 1810-1816. 4. [K-Rinow.] 

Idem, Das gelehrte Hannover oder Lexiko von Schriftstellern nnd 
Schriftstellerinnen, die seit der Reformation in den sämmtlichen znm 
Königreich Hannover gehörigen Provinzen gelebt haben nnd noch leben. 
Bd 1, 2. Bremen. 1823. 8. [A— Ku.] 



Biognpliisclie und bibliographisclie Sammelwerke und Schriften. 



27 



Bezeichniuig : 

Roikena. 
Riprecht. 



Saatfeld 
Sacbaile. 

Sachse. 

Saekl^n. 



Sackl^n- 
Wittrand. 



Sainte-Marie. 
Di Santa-Maria. 



Sai«te-Preave 

Schacher L 
Schmid. 

SebefTel. 



Schiller 
Schlvardi. 

Sohlichtegroll. 



Schmid 

Sohmidt Anhalt. 
Schrifltt 

SchiRidt,Friedr. 
Aug. 

Schaidt L 
Mehring. 

Scbotel 

Schrader, Ham- 

kurg. Coileg. 

■ed. 

Schrader- 
Herlng. 



SehraniiR- 
■acdenald 

SchrSder, Hane. 



366. Roukema, Roelof, Naam-boek der beroemde Genees- en Heekneesten 
yan alle Eeawen. Amsterdam. 1706. 8. 

367. Raprecht, Carl Joh. Friedr. Wilh., Bibliotheca medico-clürtirgica, phar« 

maceutieo-chemica et veterimiria oder geordnete üebersicht aller in 
Deutschland nnd im Ausland neu erschienenen medicinisch-chirurgisch- 
geburtshülfiichen, pharmacentisch-chemischen und veterinär-wissenschaft- 
Hchen Bücher .... Göttingen. Jahrg. 1—33. 1847—79. 8. 

8. Pfitter, Nr. 342. 

868. Sachaiie, C. [recte Lachalse] (de la Barre), Les mMecins de Paris 
juges par lenrs oeuvres, ou Statistique scientifique et morale des 
mMeeins de Paris. Paris. 1845. 8« 

369. Sachse, J. D. W., Yerzeichniss von Bildnissen von Aerzten und Natur- 
forschem seit den ältesten bis auf unsere Zeiten , mit Biographien. 
1. Heft Petrus de Abano - D'Azzogujoi. Schwerin. 1847. 8. 

370. Sackten, Job. Fredr., Sveriges Läkare-Historia , ifrän Konung Gustaf 
I:s tili närvarande tid. Afdeln. I. 1822; Afdeln. II. 1. Haft. 1823; 
Afdeln. II. 2. Hüft. 1824. Nyköping. 8. — Supplement til Sver. Läk.- 
Hist. Nyköping. 1835. 8. 

37L ideal, Sveriges Läkare-Historia ifrän Konung Gustaf I:s tül närvarande 
tid. Nytt Supplementhäfte, enligt uppdrag af Svenska Läkare-Sällskapet 
redigeradt och utgifvet af D:r. A. Hilarion Wistrand. Stockholm, 
1853. 8. — Neue Folge s. Wistrand, Bruzeiius, Ediing, Nr. 432. 

372. Sainte-Üarie , ^tienne, Dissertation snr les medecins poötes. Paris. 
1825. 8. 

373. Santa-Maria, Angioigahrlelfo di, Biblioteca, e storia di quei scrittori 
cosi della cittä come del territorio di Vicenza. Vol. 1 — 6. Vicenza. 
1772-82. 4. 

s. Rabbe, Nr. 345. 

374. Schacher, Poiycarp. Frideric. et Schmidius, Joann. Henricus, De 

feminis ex arte medica claris. Diss. historico-critica. Lipsiae. 1738.4. 

376. Scheffellus, Christ. Stephan.. Vitae professorum medicinae qui in 
Academia Gryphiswaldensium a primis ejus initiis (1456) usqne ad 
finem anni ipsius saecularis tertii vixernnt. Gryphiswaldiae. (1756). 4. 

s. HeiASius, Nr. 209. 

376. Schlvardi, Antonio, Biografia dei medici illustri Bresciani. Brescia. 

1839. 8. — Vol. II. Brescia 1852. 8. 

377. Schlichtegroll, Friedr., Nekrolog auf das Jahr .... (1790—99). 
Jahrg. 1— 11. Gotha. 1791—1806. — Supplementband für die Jahre 
1790—93. Gotha. 1798. — Nekrolog der Teutschen für das neunzehnte 
Jahrhundert. Bd. 1—4. Gotha. 1802—1805. 8. 

s. Schacher & Schnid, Nr. 374. 

378. Schmidt, Andr. Gottfr., Anhaltisches Schriftsteller-Lexikon. Bemburg. 

1830. 8. 
8. Neuer Nekrolog der Deutschen, Nr. 303. 

379. Schmidt, Vai. Heinr. und Mehring, Dan. 6. G., Neuestes gelehrtes Berlin. 
Bd. 1, 2. Berlin. 1795. 8. 

s. van der Aa, Nr. 1. 

380. Schrader, Friedr. Nie, Das Hamburgische Oollegium medicum, und 
der ärztliche Verein in Hamburg .... Hamburg. 1840. 8. 

38L Schrader, 6. W., Biographisch-literarisches Lexicon der Thierärzte 
aller Zeiten und Länder, sowie der Naturforscher, Aerzte, Landwirthe, 
Stallmeister u. s. w., welche sich um die Thierheilkunde verdient 

gemacht haben Vervollständigt und herausgegeben von Eduard 

Hering. Mit 43 Portraits und 95 Namensztlgen. Stuttgart. 1863. 8. 

s. Oettlnger, Monitenr des dates, Nr. 313. 

382. Schröder, Hans, Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegen- 
wart. Im Auftrage des Vereins für hamburgische Geschichte ausge- 
arbeitet. Fortgesetzt von P. A. Cropp u. C. R. "W. Klose. Bd. 1. 
bis 6. 1851— 1 873. 8. [A— Schoff.] 



28 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 



Beceiohnong : 

SohrSder 
8chulz,OttoAug. 
Soholze, J. Dan. 

Sooutetten. 

Scriba. 



Strieder. 



38d. 
884. 



Senebier. 


385. 


Siegenbeek. 


886. 


Soermana. 


887. 



Sprengel. 888. 



Stebler. 


889. 


Stolle. 


890. 


Stricker. 


89L 



892. 



Suringar. 898. 



Tafuri. 


894. 


Tanner. 


896. 


Tengstroem. 


39v. 


Tbacher. 


897. 


Thiess. 


898. 


Thtilaye 




De Tipaldo. 


899. 


TIraboeohl. 


400. 



8. LUbker & Schröder, Nr. 264. 

s. Heinsius, Nr. 209. 

8. Otto, Nr. 314. 

Sooutetten, H., Histoire des femmes-mMecins depuis l'antii^aitö josqa'ä 
nos jours. Paris. 1868. 12. (France m^dicale.) 

Sorlba, Heinr. Ed., Biographisch-literarisches Lexikon der Schriftsteller 
des Grossherzogthums Hessen im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. 
Darmstadt. Bd. 1831. (Die im Jahre 1830 lebenden Schriftsteller des 
Grosshensogthums.) — Bd. 2. 1843. (Die Schriftsteller von 1843 und 
Nekrolog der von 1800 — 1843 verstorbenen Schriftsteller des Gross- 
herzogthums.) 8. 

Senebier, Jean, Histoire litt^raire de Genöve. T. I— m. Genöve. 1786. 8. 

Siegenbeek, M., Geschiedenis der Leidsche Hoogeschool, van hare op- 
rigting in 1575, tot het jaar 1825. Deal 1, 2. Met Portretten. Leiden. 
1829. 32. 8. 

Soermans, M., Academisch Register behelsende de namen en waardlg- 
heden, dergeene, welke sijn geweest in bedieninghe der Universiteit 

tot Leiden benevens het Register der Academie tot Utrecht. 

Tot Leiden. 1704. 16^ 

Sprengel, Curt., Literatura medica externa recentior sen Enumeratio 
librorum plerommque et commentariorum singnlarium, ad doctrinas 
medicas facientium, qni 'extra Germaniam ab anno inde 1750 impressi 
snnt. Lipsiae. 1829. 8. 

Stebier, Franc. Ant., Historia trium secnlomm medicae Ingolstadiensis 
facnltatis. Pars prior. Ingolstadii. 1772. 4. 

Stolle, Gottiieb, Anleitung Zur Historie Der Medicinischen Gelahrtheit, 
In dreyen Theilen herausgegeben. Jena. 1731. 4. 

Stricker, Wilhelm, Die Geschichte der Heilkunde und der verwandten 
Wissenschaften in der Stadt Frankfurt am Main. 1847. 8. Zweite 
Abtheilung. 

Strieder, Friedr. Willi., Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und 
Schrifsteller- Geschichte Seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeit. 
Bd. 1—18. Göttingen. 1781—1819. (Bd 17 und 18 herausgegeben von 
K:arlWilh.Justi.)8. — [Vgl.Justi, Nr. 2:^6, Gerland,Nr.l83.] 

Suringar, G. C. B., Bijdragen tot de geschiedenis van het geneesknndig 
onderwijs aan de Leidsche Hoogeschool, van de stichting der Univer- 
siteit in 1575 tot aan het jaar 1815. Achttien opstellen, nitgegeven 
in het Nederlandsch Tijdschrift voor Geneeskunde. Amsterdam. 1860 
tot 1870. 8^ 

Tafuri, GiO. Bernardino, Istoria dogli scrittori nati nel Regno di Napoli. 
T. 1—3. (9 voll.) Napoli. 1744—70. 12. 

Tanner, Thomas, Bibliotheca Britannico-Hibemica : sive, de scriptoribns, 
qui in Anglia, Scotia et Hibernia ad saeculi XVII initium florueruut, 
literarnm ordine juxta familiarum nomina dispositis commentarius. 
Londini. 1748. Fol. 

(Tengstroem), Chronologiska förteckningar och anteckningar öfver 
Finska üniversitetets fordna procancellerer samt öfver facultetemaa 
medlemmar och adjuncter, fran üniversitetets stifteise inemot dess andra 
sekularar. Helsingfors. 1836« 8. 

Tbacher, James, American medical biography: or memoirs of eminent 
physicians who have flourished in America. Vol. 1, 2. Boston. 1S28. 8. 

Thiess, Joh. Otto, Versuch eines Beitrags zur Biographie hambnrgischer 
Aerate. Thl. 1, 2. Helmstädt. 1782. 8. 

8. Bayle & Thiiiaye, Nr. 41. 

Tipaido, Emilio de, Biografia degli Italiani illustri nelle scienze, lettere 
ed arti del secolo XVIII. e de' eontemporanei compilata da letterati 
Italiani di ogni provincia. Vol. 1—10, Venezia. 1834—1845. 8. 

Tirabosohi, Giroiamo, Biblioteca Modenese notizie della vita e delle 
opere degli scrittori nati degli Stati del Serenissimo Signor Dnca di 
Modena. T. 1—6. Modena. 1781—86. 4. — Notizie biograflche e letterarie 
in continuazione della Biblioteca Modenese del Cav. Abb. Giroiamo 
Tiraboschi. T. 1-5. Reggio. 1833-37. 4. 



Biographische und bibliographische Sammelwerke luid Schriften. 



29 



Bezeichnung: 

Tola. 



401. 



Tolekeait. 402. 



Toner. 



Toselli. 



403. 



404. 



Touehart-La- 
fasse. 


406. 


Tonrnon. 


400. 


Tribolet 




Trompeo. 


407. 


Upcoü. 


408. 


Vaerini. 


400. 


Yapereau. 


410. 


Vedova, Scritt. 
Peniginl. 

Yedova, Scritt. 
Padovanl. 


411. 
412. 


Vieq d'Azyr. 


413. 


Vicq d'Azyr- 
Moreau. 


414. 


Vieilh de Bols- 
joiin 

Vigneroa. 


415. 


Vooke. 


418. 


Yrieoioet. 


417. 



Wadd. 


418. 


Watt. 


410. 


V. Weech. 


420. 


Wetz. 


421. 



Tola, Pasquale, Dizionarlo biografico degU uomini iUnstri di Sardegna. 
Vol. 1—3. Torino. 1837, 38. 8. — Venti ritratti appartenenti al 3. 
Yolame del Dizionario. Torino. 1838. 4. 

Tolokemit Alex. Nico!., Elbing'scher Lehrer Gedächtniss, das ist: Leben 
und Schriften aller evangelischen Lehrer . . . nnd einer Nachricht von 
den Elbing'schen Hedicis und Physicis Danzig. 1753. 4. 

Toner, J. M., The medical men of the Bevolution, with a brief history 
of the medical department of the Continental Army, containing the 
names of nearly twelwe hundred physicians. Philadelphia. 1876* 8. 

Toselli, Jean-Baptlste, Biographie ni^oise ancienne et moderne ouDiction- 
naire historique de tous les hommes qui se sont fait remarquer .... 
dans la ville et le comt6 de Nice. . . . T. 1 — 2. Nico. 1860. 8. 

Touchard-Lafosse, La Loire historique, pittoresque et biographique, de la 
source de ce fleuve k son embouchure dans l'Oc^an. T. 1 — 5. Tours. 1851. 8. 

Tonrnon, J., Liste chronologique des ouvrages des mödecins et chirurgiens 
de Bordeaux et de ceuz qui ont exerc^ Tart de gu6rir dans cette ville, 
avec des annotations et l'Eloge de Pierre Desault. . . . Bordeaux. 
1799. 8. — Supplement k la liste chronologique etc. Toulouse. 1806. 8. 

s. Hailer, Bibliotheca medicinae practicae, Nr. 202. 

Trompeo, Benedetto, Catalogo alfabetico degli archiatri della B. casa 
di Savoia dal secolo XIIl insino all' anno 1831. (Rivista contemporanea 
nazionale Italiana. 1867.) 

Upcott, W., A biographical dictionary of the liying authors of Great 
Britain and Ireland. London. 1816. 8. 

Vaerini, L. F. Barnaba, Gli scrittori di Bergamo, o sia notize storiche 
... de' letterati Bergamaschi. T. 1. Bergamo. 1788- 4. [A — B.] 

Yapereau, G., Dictionnaire universel des contemporains contenant toutes 
les personnes notables de la France e^ des pays ^trangers . . . . 2e 
edition enti^rement refondue et consid6rablement aug^ent^e. T. 1, 2. 
1880 gr. 8. 

Vedova, Giuseppe, Biografia degli scrittori Perugini. Vol. 1, 2. Perugia. 

1829. 4. 

Idem, Biografia degli scrittori Padovan!. Vol. 1, 2. Padova. 1832, 36. 8. 



413. Vloq d'Azyr, Eloges lus dans les s^ances publiques de la Soci^tö royale 
de medecine. Paris. 1778. 4. — Suite des 61oges . . . (2e — 7e Cahier). 
Paris. 1780-98. 4. 

414. Idem, Eloges historiques recueiUis et publi^s avec des notes et un 
discours sur sa vie et ses ouvrages, par Jacq.-L. Moreau (de la 
Sarthe). T. 1-3. Paris. An XIII— 1805. 8. 

s. Rabbe, Nr. 345. 



VIgneron, Galerie mMicale dessinöe et lithographi^e par Yigneron; 

avec des notices biographiques et litt^raires par G.-T. Doin 

Livrais. 1—8. Paris. 1825—29. Fol. 

Vocke, Job. Aug., Geburts- und Todten-Almanach Ansbachischer Gelehrten, 
SchriftsteUer und Künstler. Thl. 1, 2. Augsburg. 1796, 97. 8. 

Vriemoet, E. L., Athenarum Frisiacarum libri duo, quorum alter, praeter 
historiam Academiae quae estPranequerae, elogla seren. et ampl. epho- 
rorum, alter cl. professorum, cum serie secretariorum , bibUotheca- 
riorum, nee non inspectorum oeconomiae publicae, a nataUbus ejus 
ad praesens aevum usque, complectitur. Leovardiae. 1758. 4^ 

Wadd, W., Nugae chirurgicae ; or, a biographical miscellany, illustrative 
of a coUection of professional portraits. London. 1824. 8. 

Watt, Robert, Bibliotheca Britannica; or a general index tho British 
and foreign literature. In two parts : Authors and subjects. Vol. 1—4. 
Edinburgh. 1824. 4. 

Weech, Friedrich von, Badische Biographieen. Thl. 1, 2. Heidelberg. 
1875; Thl. 3. Karlsruhe. 1881. 8- 

Welz, Frledr. Aug., Das gelehrte Sachsen oder Yerzeichniss der in den 
Churf&rstlich Sächsischen incorporirten Ländern jetztlebenden Schrift- 
steller und ihrer Schriften. Leipzig. 1780. 8. 



30 



Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriftoo. 



BeMielinnng.* 

Wenpr^Hi. 492. 



Wayersann I. 423. 

Weyermann II. 424. 

Wlokers. 426. 

Wlll-Nopitsch. 426. 



Wlllard. 
Willlama. 



427. 
428. 



V. Winklern. 429. 



Wintlow. 



480. 



Winther. 



Wiitrand, Bru 
zailns, Edling 



48L 



- 482. 



Witten, memo- 433, 
riae nedlo. 

Witten, Diar. 434. 
biograph. 

Wittwer. 435. 



Wohlfahrt. 


486. 


Wolf. 


487. 


Worm. 


488. 


Wflatenfeld. 


489. 


V. Wurzbaoh. 


440. 



Wuttig 

Zapf 

Ziegenbalg 

Zuchold 



Succincta medioorum Hungariae et Transilvaniae biographia. Gen- 
turia prima excerpta ex adversariis auctoris. Lipsiae. 1774. 8. 
[S. Weszpr6mi]. 

Weyermann, Albr., Nachrichten von Gelehrten, Künstlern und anderen 
merkwürdigen Personen aus Ulm. Ulm. 1798. 8. 

Idem, Neue historisch-biographisch-artistische Nachrichten von Gelehrten 

und Künstlern aus Ulm. Fortsetzung der Nachrichten 

von Gelehrten u. s. w. Ulm 1829. 8. 

Wiokers, S., History of medicine in New Jersey, and of its medica. 
men, from the settlement of the province to A. D. 1800. Newark. 
1879. 8. 

Will. Georg Andreas, Nürnbergisches Gelehrten-Lexicon. Thl. 1—4. 
Nürnberg und Altdorf. 1755 — 58. 4 — Dasselbe fortgesetzt von 
Christ. Conr. Nopitsch. Bd. 5—8 (1—4). Altdorf. 1802—8. 4. 

Willard, Sylvester D., Biographical memoirs of physicians of Albany 
County. Albany. 1857. 8. 

Williams, S. W., American medical biography; or, memoirs of eminent 
physicians, embracing principally those who have died since the 
public^tion of Dr. Thacher's work on the same subject. Greenfield, 
Mass. 1845. 8. — (Vgl. Thacher, Nr. 397.) 

Winiclern , Job. Bapt. von , Biographische und literarische Nachrichten 
von den Schriftstellern und Künstlern, welche in dem Herzogthum 
Steyermark geboren sind Grätz. 1810. 8. 

Winslow, Forbes, Physic and physicians: a medical sketch-book, 
exhibiting the public and private life of the most celebrated medical 
men of former days. With memoirs of eminent living London physi- 
cians and surgeons. Vol. 1, 2. London. 1839. 8. — Philadelphia. 
1845. 12. 

Winther, M., Bibliotheca Danorum medica sive plenus conspectus 
litterarum medicarum et hisce afÜnium in Dania, Norvegia, Holsatia 
usque ad annum 1832. Hafhiae. 1832. 8. 

Wlstrand, Hiiarion, Brnzeiius, A. J., Edling Carl, Sveriges Läkare- 
Historia ifrän Konuug Gustaf den I:s tili närvarande tid. Ny följd, 
enligt uppdrag of Svenska Läkare-Sällskapet. Delen 1, 11. Stockholm. 
1873,76 8 [Vgl SackUn, Nr. 370,71.] 

Witten, M. Henning., Memoriae medicorum nostri seculi clarissimorum 
renovatae decas prima. Francofnrti. 1676. 8. 

Idem, Diarium biographicum in quo scriptores saeculi XVII praecipui 
juxta annum diemque cujusvis emortualem, cum scriptis eorum editis 
recensentur. Dantisc. IQdS — 1691. 8. 

Wittwer, Phil. Ludw., Entwurf einer Geschichte des CoUegiams der 

Aerzte in der Reichsstadt Nürnberg Eine Einladnngaschrift 

zu der öffentlichen Jubelfeier der vor 200 Jahren gescheheneu Ein- 
richtung desselben. Nürnberg. 1792. 4. 

Wohlfahrt, J. A., Biographien griechischer Aerzte, zusammengetragen 
aus der Geschichte der Medicin des Le Giere . . . . Halle. 1770. 8. 

Wolf, Rudolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz. Bd. 1—4. 
Zürich. 185S-62. 8. 

Worm, Jens, Försög til et Lexicon over Danske, Norske og Islandske 
laerde Maend Deel 1—3. Helsingoer. 1771—84. 8. 

WQstenfeld, Ferdinand, Geschichte der Arabischen Aerzte und Natur- 
forscher. Göttingen. 1840. Ö. 

Wnrzbach, Constant. von, Biographisches Lexicon des Kaiserthuma 
Oesterreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, 
welche seit 1750 in den österreichischen Kronländem geboren wurden 
oder darin gelebt und gewirkt haben Thl. 1—47/48. Wien. 1856—1882. 8. 
[A - Trzfeschtik.] 

s. Kayser, Nr. 229. 

s. Abbildungen, Nr. 2. 

s. Heinsius, Nr. 209. 

s. Kayser, Nr. 229. 



Yertheilang der Torstehend yerzeiclmeten bio-bibliographischen 

Literatur. 

A. Allgemeine Werke: 

Kr. 2, 5, 22, 25, 33, 34, 37, 41, 52, 64, 66, 68, 71, 73, 74, 75, 79, 83, 97, 98, 101, 107. 110, 
111, 114, 118, 120, 124, 125, 128, 129, 132, 133, 135. 140, 141, 144, 147. 149. 150, 
151, 154. 155, 158, 165, 172, 176, 186, 187, 189, 200, 201, 202, 211, 212, 215. 216. 
218, 223, 227, 231, 232, 261, 269, 272. 274, 280, 284, 305, 306, 308. 312, 313. 321, 
326. 332, 333, 336, 345, 360, 366, 369, 381, 388, 390, 410. 413, 414, 415. 418, 433, 434. 

B. Vertheilnng nach Ländern, Provinzen, Landschaften, Städten, Univer- 

eititen, Gesellschaften n. s. w. 

AMrika, Nord-, Vereinigte Staaten, im Allgemeinen : Nr. 13, 15, 28, 195, 196, 353, 397, 403. 428. 
Albany County, Nr. 427. — New Jersey, Nr. 121, 425. — New York, Nr. 175. — 
Philadelphia, Nr. 108, 179. — West ehester County N. Y., Nr. 171. 
Aaerlka, epaniaehes: Nr. 315. 

Arabien, s. Aerzte, arabische. 

Beigion, im Allgemeinen: Nr. 54, 65, 70. 91, 92, 93, 137. 145, 173. 322. 
Lattich, Nr. 42, 43, 250, 318. — West-Flandern, Nr. 67. 

Braeiiiea: Nr. 268. 

Dinenarlc Nr. 159, 160, 219, 310, 431, 438. 

Dentodiiand , im Allgemeinen : Nr. 4, 14, 99, 152, 156, 203, 209, 229, 281. 282, 283. 303, 
358 362 364 367 377. 

' Altd'orf, Nr. 32. — Anhalt, Nr 378. — Ansbach, Nr. 416. — Baden, Nr. 420. — 
Bamberg, Nr. 221. — Bayern, Nr. 29, 30, 193, 237. — Bayreuth, Nr. 166. — Berlin, 
Nr. 180, 181, 182, 379. — Braunschweig, Nr. 161. — Bremen, Nr. 89, 363. — Dresden, 
Nr. 208. 234. — Elbing, Nr. 402. — Erlangen, Nr. 167. — Eutin, Nr. 11, 239, 264. — 
Frankflirt a. M., Nr. 391. — Frankfurt a. 0., Nr. 259 — Freiburg i. Br., Nr. 222. — 
Giessen, Nr. 299. — Göttingen, Nr. 342. — Greifswald, Nr. 240, 375. — Halberstadt, 
Nr. 20, 279. — Hamburg, Nr. 292, 380, 382, 398. — Hannover, Nr. 365. — Heidelberg, 
Nr. 298. — Helmstädt, Nr. 77. — Hessen, Nr. 183, 226, 384, 392. — Holstein, Nr. 11, 
239. 264, 292, 431. — Jena, Nr. 197, 355. — Ingolstadt, Nr. 339, 389. — Königs- 
berg i. Pr., Nr. 24. — Lauenburg, Nr. 11. — Landshut, Nr. 339. — Lausitz, Ober-, 
Nr. 314. — Leipzig, Nr. 335, 356, 361. — Magdeburg, Nr. 20. — Mecklenburg, 
Nr. 76, 238. — München, Nr. 339. — Münsterland, Nr. 347, 348. — Nürnberg. Nr. 426. 
435. — Pommern, Neu-, Vor- und Rügen, Nr. 56, 57, 240, 375. — Preussen, Nr. 334. — 
QuedHnburg, Nr. 20, 279. — Rostock, Nr. 243. — Rügen, Nr. 56, 57. — Sachsen, Nr. 256. 
421. — Schlesien, Nr. 169, 204, 210, 309. — Schleswig-Holstein-Lauenburg-Eutin, Nr. 11. 
159. 160, 239, 264, 292. — Schwaben, 192. — Stuttgart, Nr. 291. — Trier, Nr. 103. — 
Tübingen, Nr. 235, 236. — Ulm, Nr. 423, 424. — Wernigerode, Nr. 20, 230, 279. — 
Wittenberg, Nr. 80, 267. 

Frankreicli im Allgemeinen: Nr. 49, 69, 157, 177, 199, 244, 260, 324, 343, 344. 

Ardennes, Nr. 81. — Aunis, Nr. 346. — Auvergne, Nr. 9. — Basses- Alpes, Nr. 164. — 
Bordeaux, Nr. 406. — Bourgogne, Nr. 297, 317. — Bretagne, Nr. 254. 287. — Caen, 
Nr. 174. — Champagne, Nr. 251. — Charente-Inf6rieure, Nr. 346. — Dauphinö, Nr. 357. — 
Eure-et-Loir, Nr. 85. — Grard, Nr. 307. — Limousin, Nr. 146. — Loire, Nr. 405. — 
Loir-et-Cher, Nr. 85. — Loiret, Nr. 85 — Lothringen, Nr. 103. — Lyon, Nr. 88. — 
Maine, Nr. 139, 207, 329. — Montpellier, Nr. 26, 40, 134. — Moselle, Nr. 45. — 
Nimes, Nr. 307. — Nizza, Nr. 404. — Normandie, Nr. 248. — Orlöanais, Nr. 85. 117. 
246. — Paris, Nr. 12, 44, 53, 84, 123, 144. 172, 184, 191, 217. 261, 319, 325, 368. 
413. 414, — Poitou, Nr. 143. — Ronen, Nr. 252. — Saintonge, Nr. 346. — Sarthe. 
Nr. 329. — Seine-et-Oise, Nr. 131. — Toulouse, Nr. 72. 



32 Biographische und bibliographische Sammelwerke und Schriften. 

8ro88britainien und Irland Im Allgemeinen: Nr. 10, 15, 16, 61, 62, 114, 258, 353, 395, 
408, 419. 

'London, Nr. 184, 296, 430. — Schottland. Nr. 116. 

Italien im Allgemeinen: Nr. 86, 87, 104, 113, 153, 162, 277, 399. 

Acona, Mark von, Nr. 316. — Asti, Nr. 359. — Bergamo, Nr. 409. — Bologna, 
Nr. 163, 276, 278. — Brescia, Nr. 94, 327, 376. — Cremona, Nr. 245. — Florenz, 
Nr. 302. — Imola, Nr. 21. — Lignrien, Nr. 194, 328. — Lncca, Nr. 286. — Maüand, 
Nr. 23, 127. — Modena, Nr. 400. — Neapel, Nr. 7, 58, 354, 394. — Padua, Nr. 320, 412. — 
Parma, Nr. 8. — Pavia, Nr. 323. — Perugia, Nr. 411. — Piacenza, Nr. 337. — Picennm 
Nr. 316. — Piemont, Nr. 58. — Rom, Nr. 55, 271, 273 — Salemo, Nr. 352. — Sardinien, 
Nr. 401. — Savoyen, Nr. 270. 407. — Sicilien, Nr. 59, 293. — Toacana, Nr. 148, 220. — 
Venedig, Nr. 46, 185, 253. — Verona, Nr. 112, 119. — Vicenza, Nr. 373. 

NiederJande im Allgemeinen: Nr. 1, 3, 6, 17, 18, 36, 115, 137, 170, 173, 213, 214, 263, 295, 
301, 318. 

Amsterdam, Nr. 249. — Franeker, Nr. 78, 417. — Friesland, Nr. 78, 331, 417. — 
Groningen, Nr. 225. — Leiden, Nr. 386, 387, 393. — Luxemburg, Nr. 103, 304. — 
Utrecht, Nr. 100, 341, 387. 

Norwegen: Nr. 233, 241, 310, 431, 438. 

Oeeterreich-Ungarn im Allgemeinen: Nr. 50. 262, 311, 338, 440. 

Böhmen, Nr. 224, 228. — Dalmatien, Nr. 188. — Mähren, Nr. 130. — Siebenbürgen, 
Nr. 422. — Steyermark, Nr. 429. — Ungarn, Nr. 422. — Wien, Nr. 95. 

Polen: Nr. 178. 

Portugal: Nr. 39, 47, 198, 275. 

Rueeland im Allgemeinen : Nr. 35, 242. 

Abo, Helsingfors, Nr. 396. — Liv-, Esth-, Kurland, Nr. 349. 
Sohweden : Nr. 257, 370, 371, 432. 
Schweiz, im Allgemeinen: Nr. 265, 266, 437. 

Basel, Nr. 27, 285. — Genf, Nr. 385. — Neuchätel, Nr. 126. 
Spanien, im Allgemeinen: Nr. 118, 294, 315. 

Catalonien, Nr. 19. 

0. Vertheilung nach Zeitaltern, Berufsarten, Beschäftigungen n. s. w. 

Aerzte, alt-griechische, -römische, Nr. 90, 190, 330, 436. — Arabische, Nr. 350. 439. — 
Jüdische, Nr. 96, 102, 105, 106, 247, 255, 350. — PäpstHche Leibftrzte, Nr. 271, 273. — 
Französische Karineärzte, Nr. 49. — Zahnärzte, Nr. 138, 206. — Homöopathen, Nr. 122. — 
Gleichzeitig Thierärzte, Nr. 381. — Gleichzeitig Chemiker, Physiker, lOneralogen u. s. w., 
Nr. 336. — Gleichzeitig Botaniker, Nr. 340- — Gleichzeitig Zoologen, Nr. 109. — Gleich- 

• zeitig Dichter, Nr. 38, 168, 372. — Gleichzeitig Nnmismatiker, Nr. 351. — Gleichzeitig Ritter, 
Nr. 48, 289, 290. — Hochbejahrte Aerzte, Nr. 31, 300. — Weibliche Aerzte, Nr. 205, 
374 383. 

Anatomen: Nr. 113, 142, 200, 278, 284, 361. 

Chirurgen: Nr. 51, 128, 201. 

Hebeamnien: Nr. 136. 



A. 



Die mit d'A beginnenden Aerzte und Autoren linden sich unter A und sind unter D nur bei 
besonderer Veranlassung eingereiht. — Das schwedische Ä folgt auf An. — Der Collectiv- 
artikel „Ai'aber" umfasst auch die nicht mit eigenen Spitzmarken aufgezählten mit A anhebenden 

arabischen Aerzte. 

Die mit * bezeichneten Namen gehören den um 3Ütte 1883 noch Lebenden an. 



Aaskow, Urban Bruun A., geboren 28. April 1742 in Brondsboj (auf 
Seeland in Dänemark) , begleitete 1761 den Astronomen Th. Bügge auf 
einer Reise nach Drontheim zur Beobachtung des damaligen Venusdurchganges. 
1767 — 1769 war er medicinischer Candidat (Assistenzarzt) am königl. Friedrichs- 
Hospital , 1770 Arzt auf einer nach Algier geschickten Escadre. Kurz darauf 
wurde er Admiralitätsmedicus ; 1774 erlangte er den Grad als Dr. med., 1775 
die Stellung als Leibmedicus. 1776 wurde Aaskow Mitglied der Gesellschaft für 
Landwirthschaft und Mitglied der Commission zur Förderung der Chirurgie, 1779 
Mitglie4 der Direction der Invalidenanstalt „Quästhuset" , 1782 Mitglied der 
Direction des Friedrich-Hospitals und Etatsrath. Er starb 1806. — Schriften: 
j^Diarium medicum navale,^ (Diss. - Inaug. 1774.) Abhandlungen in ^Collect, 
soc. med, Hafn,^ und „Acta soc, med, Hafn,^ und mehrere kleine Abhand- 
lungen, unter welchen „Diss. de dysenteria epidemica Hafniae et per Sjellan- 
diam 17 ö6 grassante" und eine kurze „Anweisung zum Gebrauche der 
Medicamente*^ y mit welchen die dänischen Kriegsschiffe bei ihrer Ausrüstung ver- 
sehen wurden. 

Ingerslev. II. ThL, pag. 530. ti t t> 

® » i' B »"^ P. L. Panum. 

Abano, Pietro d'A. (auch Petrus de Appono, Petrus Aponensis genannt) 
einer der berühmtesten Aerzte seiner Zeit und erster Professor der Medicin in Padua, 
genannt nach seinem Geburtsorte, einem durch seine Schwefelquellen berühmten 
Dorfe, wurde daselbst 1250 geboren; sein Vater war ein Notar. Zu seiner Aus- 
bildung begab er sich, bei dem damaligen niedrigen Stande der Wissenschaften in 
Italien, nach Constantinopel , um die in ersterem ganz unbekannten griechischen 
Wissenschaften zu erlernen. Zum Studium der Medicin und Mathematik ging er 
nach Paris, blieb viele Jahre dort, erwarb den Doctorgrad in der Philosophie 
und Medicin, einen Lehrstuhl der ersteren und verfasste die Schrift „ Co7iciliator 
diferentiarum philosophoTum , et praecipue medicorum" , die, nachdem sie zuerst 
1471 zu Venedig gedruckt war, namentlich in Verbindung mit einer zuerst 1473 
gedruckten Abhandlung „De venenis, eorumque remediis liber^ , bis 1643 f^ 
zahlreiche Auflagen in verschiedenen Ländern erlebte. Von der erstgenannten 
Schrift wurde ihm der Beiname „Conciliator'' gegeben. In dieselbe Zeit filllt seine 

Biogr. Lexikon I. 3 



A 



34 ABANO. — ABARBANEL. 

Schrift „Expositio prohlematum Aristotelts** , die er in Paris begann und 1^510 
zu l'adua beendigte, und die zuerst in Mantua 1475 von einem deutschen Buch- 
drucker gedruckt wurde. Da in Padua zu jener Zeit noch keine Professur der 
Medicin bestand, wurde Piktro, dessen Ruhm sich bis nach Italien verbreitet hatte, 
auf den neu errichteten Lehrstuhl dorthin berufen, nahm denselben von 1306 bis 

1314 ein und erlangte in Italien eine solche Celebritilt, das« er in der Medicin 
wie ein Wunder angesehen wurde und sich namentlich der Gunst aller in jener 
Zeit lebenden Päpste erfreute. Mit dem Studium der Astrologie verband er das der 
Naturphilosophie und Mathematik, so dass er in jenem dunkelen Zeitalter für einen 
der grössten Magier gehalten wurde. Es konnte auch nicht fehlen, dass er von 
neidischen Collegen 1306 als der Ketzerei und Zauberei schuldig der Inquisitioa 
denuucirt wurde; allein mit Hilfe mächtiger Beschützer gelang es ihm, seine 
Unschuld zu beweisen. Im August 1314 wurde er nach Treviso an das daselbst 
neu errichtete Studio generale als erster Professor der Physik oder Medicin berufen. 

1315 wurde er von Neuem durch die Inquisition angeklagt, hauptsächlich wohl 
der Ketzerei und vielleicht des Atheismus ; indessen schon in demselben Jahr starb 
er, indem er noch feierlich das Studium der Astrologie, dem er sich so lange 
ergeben, für trügerisch erklärte und in seinem Testamente sieh als guten Katholiken 
bekannte. Er wurde feierlich in der Kirche des Sant' Antonio begraben. Indessen 
führte die Inquisition seinen Process weiter, verurtheilte ilm wegen Ketzerei zum 
Feuertode und verlangte vom Magistrat in Padua, bei Strafe der Excommunication, 
dass sein Körper wieder ausgegraben und öffentlich verbrannt werde. Der letztere 
war aber inzwischen heimlich aus Sani' Antonio entfernt imd in der Kirche Santo 
Agostino wieder beigesetzt worden. Die Inquisition musste sich daher, da sie den 
Leichnam nicht aufzufinden wusste, mit seiner Verbrennung in effigie begütigen. — 
Es werden noch folgende medicinlsche gedniekte Schriften von ihm angeführt: 
„La fisionomie du conciliator Pierre de Apono** (Padova 1474) — „HipiJO' 
er Otts de medicorum astrologia libellus ex Graec, in Lai.^ (Venetiis 1485) — 
y^(}uae8tiones de febribus^ (Patav. 1482) — „Textus Mesue noviier einendatu». 
Petrt Appont ... in librum Joannis Mesue additto (sc, de aegritudinihus 
corporis f et de aegritudinihus membrorum nutritionis)*^ (Venet. 1505) — 
„Dioscorides digestus alpkabetico ordine , additis annotationibus brembus et 
tractatu de aquarum natura" (Lugd. 1512) — „Excerpta de balneis ex 
Conciliatare" (Venet. 1553). 

Mazzuchelli, I., pag. 1, 1. — Vedova, I., pag. 25. Gurlt. 

Abarbanel, Isaac A. und Judas A. , Vater und Sohn. (Ausser dem 
ebenfalls gebrauchten Namen Abravanel erhielt der Sohn auch die Beinamen 
Leham, Leo A., Leo Medicüs, Leo Hebraeüs.) — Von dem Rabbiner Isaag 
Abarbanel sind zwei Dissertationen: „De Lepra vestimentorum** und „de Lepra 
/ oedivm" erhalten ; seine Lebensschicksale sind mit den sogleich zu schildernden des 
berühmter gewordenen Sohnes gleichlaufend, sein Todesjahr ist nicht bekannt. — 
JüDAS Abarbanel wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Lissabon geboren, 
siedelte jedoch als noch junger Arzt (unter Johann II.) nach Spanien tlber und 
liass sich in Castilien nieder. Vertrieben durch das Verdict Ferdinands und Isa- 
bellas von Spanien im Jahre 1492, suchte er bei Ferdinand I. von Neapel Schutz, 
musste aber auch von hier flüchtig werden, als Carl VIU. sich des Königreiches 
bemächtigte. Mit dem Nachfolger Ferdinands I., Alphons II., den er als Leibarzt 
begleitete, floh er zunächst nach Sicilien, dann nach Corfu (1495), tiach Venedig 
1496, schliesslich nach dem republikanischen Genua, um hier endlich Ruhe zu flnden. 
Sein lluhm eines hervorragenden Arztes beruht wesentlich auf dem Zeugniss der 
Zeitgenossen, da die ihm zugeschriebenen Dialogi d^amore (erschienen unter dem 
Namen „Maitre Leon 1835^ in Rom, später bis 1607 in sieben venetianischen 
Ausgaben, und in's Lateinische, Spanische, so\^ie mehrfach in's Französische über- 
setzt) mit dem Fachwissen keine Berührung haben. Red. 



1 



ABASCANTUS. — ABEüO. 35 

Abascantus ('Aßii^cavro;) , ein Arzt in Lugdunum (Lyonj , vor Andro- 
UACHUS und Galkn, da letzterer aus den Schriften des ernteren drei Recepte des 
Abascantus mittheilt, gegen Phthisi», Kolik und Seorpionntieh. Gal. XIII, 71: 
Xm, 278; XIV, 177 K. Helmreich. 

Abati, Baldo Angelo A. (Abbatius, de Abbatibus), aus Gubbio, 
in Umbrien gebürtig, war zu Pesaro Arzt des Herzogs von Urbino um 1530. In 
der Schrift: „De admirabÜis Viper ae natura^ et de mirtfids ejus facultaiihus 
/Äcr^ (Ragusae 1587; spätere Ausgaben 1591, 1603, 1660j beschreibt er genau 
die Genitalorgane und Giftzilhne des Thieres; dem Fleische derselben soll der 
Theriak seine Wirkung als Gegengift und Lebensverlängerungsmittel verdanken : 
auch giebt A. einige andere Gegenmittel gegen den Schlangenbis» an. Die Schrift 
y,Opu$ praeclarum concertationum dücussarum de rebus, verbisj et sententiis 
controversxs, ex omnibus fere scriptoribus , Libri XV^ (Pisauri 1594, 1595) 
bekilmpft einige Vorurtheile seiner Zeit. 

Mazzachelli, I, 1, pag. ]3. G. 

Abbadie, Vincent A., General-Chirurg der Marine, Chirurg des Bicetre 
ond des Herzogs von Penthi^vre, war am 26. Mai 1737 zu Pujo in der Grafschaft 
Bigorre geboren. Er gab folgende Schriften heraus: „PrScis des hemies ou de- 
scentes^ (Nantes 1787); femer die Uebersetzung der folgenden Abhandlungen von 
Macbridb: „Sur la fermentation des mUanges alimentaires^ — „Sur la nature 
et les proprtdtis de Vair fixe^ — ^Swr les vertus de diffSrents anttseptiques^ — 
ff Sur le scorbut^ — „Sur la vertu dissolvante de la chaux vive" (Paris 1766). 

Dict. hist. I, pag. 4. (j, 

*Abbot8, William A., 1831 geboren und 1857 zu London promovirt, 
lebt daselbst als consultirender Physician mehrerer grosser Hospitäler und ist der 
Verfasser zahlreicher medicinischer Schriften, aus denen besonders hervorzuheben 
sind: „On human entozoa** (1863) — „On diabetes and some other urinary 
affections^ (1877 in 7. Auflage) — ^On hay-fever or summer-catarrk^ (1879) — 
nOn Stammering and stoUering^ (1880 in 8. Auflage) — „Notes on spermatic 
diseases" (1872) — „Seabatking guide"^ (1879 in 10. Auflage). Eine Reihe von 
Jahren war Abbots Herausgeber der Journale „Public health" und „Medical mirror". 

Abdelletdf, s. Araber (XXI). 

A'Beckett, Arthur Martin A'B., war in London 1812 geboren und 
«tudirte daselbst von 1834 ab. Es wird angegeben, dasa er 1838 Member of the 
Royal College ofsurgeons wurde, dazwischen aber (1835 — 1837) in der britischen 
Legion in Spanien thätig war. 1838 begab er sich nach Sidney, um dort über 
30 Jahre als Arzt , aber auch als Examinator an der dortigen Universität thätig 
M sein. Er starb 1871. -^^^ 

*AbOgg, Heinrich A. , Geheimer Sanitätsrath , Medicinalrath , Director 
der Hebeammen-Lehranstait für die Provinz Westpreussen, geboren zu Königsberg 
in Preussen am 19. März 1826, studirte in Breslau und Heidelberg und machte später 
Keisen nach Prag, Wien, Würzburg. Bbtschleb, Göppert, Benedict, Chelius, 
TiKDEMANN, Hbnle, Gmelin waren vor und nach der 1848 erfolgten Promotion 
«eine Lehrer. Abeoo wirkte von 1849 — 1853 als Arzt in Breslau, Neisse und 
Danzig; in letzterer Stadt eine Reihe von Jahren als Armenarzt, von 1857 — 1866 
^ Arzt des Diakonissen-Krankenhauses daselbst, seit 1866 als Director der Hebe- 
«nunensehule ; seit 1878 als Medicinalrath des Medicinal - Collegii der Provinz 
Westpreussen. Die wesentlichsten Publicationen sind: „Zur Gebui-tshilfe und 
Gynäkologie'' (Berlin 1868, zweites und drittes Heft, Danzig 1873—1882) 
nBerickt über die Hebeammen-Lehranstait von 1819 — icS'öW" TDanzig 1869;. 
Daneben kleinere Aufsätze in der Monatsschrift für Geburtshilfe, Archiv für Gynäko- 

3* 



^ 



36 ABEGG. — ABERCROMBIE. 

logie, GüNSBüKG*s Zeitschrift, Caspee*s Vierteljahreschrift 1860, sowie eine Preis- 
arbeit: yjDe capacüate arteriarum et vtnarum jjulmonalium" , j^^j 

AbeiUe, Scipion A., rhinirgien-major des Regiments Picardie und der 
Militär-Hospitäler in Flandern, war zn Riez (Basses- Alpes) in der ersten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts geboren. Er hatte, wie sein als Dichter bekannter Bruder 
Gaspard A., dichterische Neigungen und verfasste mehrere seiner Schriften in 
Versen. Sie stellen häuüg nur eine ziemlich unvollkommene Nomenclatur dar, wie 
seine, die einzelnen Theile des Skelets aufzählende ^Nouvelle histoire des os, 
Selon les anciens et les modernes^ enrichie de vera" (Paris 1685). In der Schrift 
„Le parfait Chirurgien d'armSe^ (Paris 1696) giebt er einige allgemeine Vor- 
schriften und eine Aufzählung der Medicamente und Instrumente,, welche ein Arzt 
im Felde mit sich führen muss. An dieselbe schliessen sich noch die drei folgenden 
an, nämlich: „C/iapitre singulier , tirS de Guidon^ [d. h. Gu^ de Chauliac] 
CParis 1689; 1695) in Fragen und Antworten, mit sehr oberflächlichen Beschrei- 
bungen, fem er „TraitS des playes d'arquebusade" (Paris 1695), eine katalog- 
artige Angabe der Zeichen, Unterschiede, Prognose und Behandlung der Schusswunden 
und endlich „Anatomie de la teste et d^ ses parties^ (Paris 1689; 1696). 
Abeille starb am 9. December 1697. 

Biogr. med. I, pag. 9. G. 

Abel, Friedrich Gottfried A. , geboren 8. Juli 1714 in Halber- 
stadt, gestorben 23. November 1794 ebenda. Er widmete sich anfangs dem geist- 
liehen Stande, gab diesen aber bald auf, da er manche Dogmen der Kirche nicht 
anerkannte; wurde Arzt Cproöiovirt 1744 in Königsberg), lebte als solcher mit 
grossem Wirkungskreise in seiner Vaterstadt. Besonders im höheren Alter wollte 
er auch von der Medicin nicht viel wissen — „sie entbehre der soliden Grund- 
lagen'^ Seine Lieblingsbeschäftigung war alte römische Literatur; er hat unter 
Anderen Juvenal übersetzt. Sein Zeitgenosse Gleim, der viel mit ihm verkehrte, 
dichtete ein Grablied auf ihn. Einer seiner zwei Söhne, Johann A., war Arzt 
und Schriftsteller von Ruf in Düsseldorf. Küssner 

*Abel, Chr. Wilh. Ludw. A. , 1850 promovirt, lebt in Stettin als 
Generalarzt des II. Armee-Corps. Red. 

*Abelin, Hjalmar August A. , geboren in Linköping 1817, studirte 

in Upsala und wurde Professor der Pädiatrik am Carolinischen Institut in Stockholm 

1858; seit 1882 ist Abelin in den Ruhestand versetzt. Schriften: Om Strypsjuka 

(St(>ckholm 1864j — „Meddelanden frän pediatriska klinxken i Stockholm^ (1870) 

— „Fedlatriska medde^ aiiden'' (Stockholm 1876, 1879 und 1882). „ , . 

Hedenius. 

Abengaeflt, s. Araber (XVI). 

Abercrombie, David A. , war um die Mitte des 17. Jahrhunderts in 
Schottland geboren und wirkte bis gegen den Anfang des 18. Jahrhunderts in 
London als Arzt. Unter seinen zahlreichen Schriften sind am bekanntesten eine 
über Variationen und Varietäten des Pulses (London 1685) und verschiedene 
Schriften über das Wesen der Syphilis, die Aufsehen machten und auch in's Französische 
übersetzt wurden. In ihnen erweist sich Abeecrombie als modificirter Antimer- 
cnrialist, indem er zwar einige Quecksilberverbindungen (Calomel und „une Infusion 
de mercure dans le vin blanc"j als zweckmässig bei Syphilis empfiehlt, die gewöhn- 
liche Quecksilberanwendimg dagegen aus phantastischen Gründen verwirft. — Im 
Jahre 1687 erschienen von ihm: „Opuscula medica ac modus curandi hubones 
rtnereos et tutior salivationis methodus" , sowie eine Einführung in die freien 
Wissenschaften und Künste. Mit einer lateinischen Schmähschrift gegen Plagia- 
toren im Allgemeinen und Speciellen (die 1689 und 1701 in Amsterdam erschien) 
fchliesst Abercrombie's literarische Thätigkeit ab. 

Dict. bist. T, pajr. 5. Red, 



ABERCROMBIE. 37 

Aberorombie y John A. , geboren 1781 b\a Sohn einei^ Geistlichen in 
Aberdeen, promovirte 1803 mit der These „de fatuitate aljnna^ und lie«s «ich 
nach einem sechsmonatlichen Aufenthalte in London als Mitglied des Royal College 
of Rürgeons of Edinburg in letzterer Stadt nieder. Er trieb anfangs die gewöhn- 
liche Praxis als general practitioner ; seine hervorragenden Eigenschaften, insbesondere 
die UDermAdliche Sorgfalt, die er seinen Kranken widmete, verschafften ihm bald 
einen ungewöhnlichen Rnf und eine umfangreiche consultative Thätigkeit, die noch 
zunahm, als er 1821 Mitglied des Royal College of Physicians wurde. Seit dieser 
Zeit galt er unbestritten als die erste consultative Autorität Edinburghs; natürlich 
fehlte es ihm in Folge dessen auch nicht an Rivalen und Gegnern, die er aber 
durch die grosse Liebenswürdigkeit seines Wesens zu entwaffnen und selbst in 
Freunde umzuwandeln verstand. Echte Religiosität, Wohlthätigkeit und Menschen- 
fitundlichkeit gehörten zu den GrundzUgen seines Charakters; seinen Standes- 
genosBen war er ein Muster von Collegialität, am Krankenbette von äusserster 
Schweigsamkeit. Seit 1808 reich verheiratet, lebte er in den glücklichsten Ver- 
hültnissen, allgemein geehrt; er wurde königlicher Leibarzt in Schottland, 1884 
Ehrendoctor der Medicin der Universität Oxford und Vicepräsident der Royal 
Society of Edinburgh, 1835 Lord Rector des Marichal College und der Universität 
Aberdeen. Die von ihm bei letzterer Gelegenheit gehaltene Inauguralrede erschien 
in erweiterter Form unter dem Titel: „Culture and diacipline of fhe mtnd.^ 
liD Jahr 1841 hatte Abercrombie einen Lähmungsanfall , erholte sich aber wieder 
und nahm seine Thätigkeit auf; den 14. November 1844 fand man ihn todt in 
Beinern Zimmer auf dem Gesichte ausgestreckt liegen — er hatte el)en ausfahren 
wollcD, um Kranke zu besuchen. Die Section ergab Ruptur eines Coronararterien- 
astes mit Ilämopericardium als Todesursache; das auflfHllig grosse Gehirn wog 
46 Unzen. — Die schriftstellerische Thätigkeit Abercrombie's war eine ziemlich 
umfangreiche und erstreckte sich nicht blos auf das Gebiet der Medicin , sondern 
auch auf Philosophie, namentlich Moral; ausser der schon erwähnten Abhandlung 
sind nach dieser Richtung hin noch sein Buch: „On the intellectual powers and 
the investigatton of truth^ (1830) und die y^Philosophy of the woral feeling^ 
i'1833) hervorzuheben. Seine erste medicinische Mittheilung erschien über „Cpianche 
laryngea^ (Edinb. med. and surg. Jounial 1806). Dann folgten 1820 seine 
^Reaearchea on the pathology of the intestinal canal^^ und als spätere Fortsetzung 
derHelben die „Diseases of the abdominal viscera^ (2. Auflage 1830j. Sein Haupt- 
werk aber, dasjenige, welches seinen Namen vorzugsweise fortleben machen sollte, 
sind die berühmten ;, Pathological and practical reseavches on the diseases of fhe 
hraln and the spinal cord" (Edinb. 1827, 3. Aufl. 1834 ; inV Französische Über- 
setzt von Gendrin; in*s Deutsche — mit Zusätzen versehen — von Nasse und 
Anderen). Sie gehören neben dem erst 1830 publicirten Hauptwerke Charles 
Bell's zu den grundlegenden Werken der raoderoen Nervenpathologie und insbe- 
Kondere mit den Schriften von Lallemand, Bayle, Hooper, Andral u. s. w. zu 
den werthvollsten älteren Publicationen auf dem damals noch so wenig durchforschten 
ftebiete der Gehimkrankheiten. Um das ganze Verdienst ihres Autors zu würdigen, 
muss man sich gegenwärtig halten, dass Abercrombie niemals Arzt an einem 
Hospitale oder Ambulatorium war, dass alle seine so zahlreichen und belehrenden 
Krankenbeobachtungen ausschliesslich aus der Privatpraxis geschöpft sind. Freilich 
liegt hiermit auch die Gefahr einer gewissen Einseitigkeit nahe. Seinem allgemeinen 
Standpunkte nach ist Abercrombie durchaus und unbedingt Anhänger der Erfah- 
ningsmedicin und betont diesen Standpunkt nach unserem (fcfiihle vielleicht etwas 
zu schroff, damit allerdings wohl auf die vorangegangeneu Exccsse der System- 
macherei, namentlich der kaum erst überwundenen Erregungstheorie seines Lands- 
mannes Brown reagirend. Die Aufgabe des ärztlichen Schriftstellers gipfelt nach 
Abercrombie in genauer Beobachtung und treuer AViedergabe der pathologischen 
Facta und ihrer wechselseitigen Beziehungen , während er allen daran geknüpften 
Hypothesen und Theorien nur einen sehr untergeordneten Werth beimisst und die 



38 ABERCROMBIE. — ABERLE. 

Mog:lichkeit einer Bereicherung der Medicin auch durch andere Forschungsmethoden, 
z. B. durch doH Experiment, überhaupt kaum in's Auge zu fannen scheint. 

Sein oben genanntes Hauptwerk zerfallt in 4 Theile, von welchen drei 
die Gehimkrankheiten umfaHsen (und zwar sonderbarerweiHe abgetheilt in inflamma- 
torische, apoplectische und „organische" — eine Eintheilung, deren Mangelhaftigkeit 
übrigens Abercrombie selbst empfindet und ausspricht); der vierte enthält die 
Rückenmarkskrankheiten, worauf noch eine kurze anhangsweise Be^^prechung der 
Krankheiten der (peripherischen) Nerven den Schluss bildet. Dabei gedenkt Aber- 
CR03IBIE in den späteren Auflagen auch der BELL'schen Untersuchungen über die 
Function des 5. und 7. Himnerven im Zusammenhang mit den betrefl^enden Krank- 
keitszuständen — ohne jedoch die ungeheure und völlig umgestaltende Tragweite 
dieser Entdeckungen für die Nervenpathologie, etwa in ähnlicher Weise, wie gleich- 
zeitig Romberg in Deutschland, auch nur annähernd zu empflnden. Hier machen sich 
denn doch anscheinend die Grenzen seiner Individualität, und wohl auch jener der 
englischen Medicin im Grossen und Ganzen eigen gebliebene Mangel physiologischer 
Schulung bemerkbar. — Die Aufgabe aber, welche Abercrohbie selbst sich stellte, 
hat er in nachahmenswerther Weise gelost. Es sei erlaubt, mit einigen für den 
Arzt und Schriftsteller Abercrombie charakteristischen Aeusserungen (aus der 
3. Auflage seines Hauptwerkes) zu schliessen : „Allgemeine Principien in der Natur- 
wissenschaft sind nichts weiter als allgemeine Thatsachen, oder Thatsachen, die 
Kämmtlicben Individuen einer Classe gemeinsam sind, und nur dann, wenn sie aus 
einer genauen Beobachtung dieser sämmtlicheu Individuen hergeleitet sind, können 
sie auf Wahrheit oder Nützlichkeit irgendwelchen Anspruch erheben. Stammen sie 
aber aus einer nur beschränkten Beobachtung, so sind sie in der Wissenschaft im 
Allgemeinen nutzlos, in der Medicin gef ährlich; und was die medicinische 
Wissenschaft speciell betrifft, so darf man dreist behaupten, dass die auf praktischen 
Nutzen abzielenden Bestrebungen in gleichem Maasse gefördert werden, wenn ein auf- 
gestelltes Priucip durch die fortgeschrittene Be<^)bachtung bestätigt — oder wenn 
ein solches, das auf unzureichender Grundlage Anerkennung gefunden hatte, als 
trügerisch dargcthan wird." ^ Eulenbar g. 

Aberle, Mathias A., Professor der Anatomie und Senior des medicinisch- 
chirurgischen Studiums am k. k. Lyceum zu Salzburg, war am 20. Februar 1784 
zu Immendingen bei Donaueschingeu als Sohn des dortigen Schullehrers und 
Messners geboren, genoss einen Theil seiner Erziehung zusammen mit den Söhnen 
des in demselben Dorfe wohnenden Freiherrn Koth von Seh recken stein durch einen 
emigrirten französischen Abbe, kam 1790 bei dem Wundarzte des Dorfes in die Lehre, 
bezog, mit sehr .geringen Geldmitteln ausgerüstet, 1801 die Universität Innsbruck, 
wurde daselbst 1802 Patron der Chirurgie und, nachdem er auch zum medicinischen 
Studium zugelassen worden, im August 1800 auch Dr. med. Im October 1806 
bereits als Prosector angestellt , wurde er 1809 auch Doctor der Chirurgie und 
hatte in Folge der kriegerischen Ereignisse jenes Jahres Gelegenheit, in den 
Militärspitälem zu Innsbruck und Hall zahlreiche verwundete imd kranke Soldaten 
zu behandeln und sich die Anerkennung der bayerischen Regierung, die wieder in 
den Besitz von Nordtirol gelangt war, zu erwerben. Er wurde von derselben 
1811 zum Professor der Anatomie und Physiologie an der in Salzburg neu errichteten 
Schule für Landärzte bef()rdert. Im Jahre 1815, bei der bevorstehenden Abtretung 
von Salzburg an Oesterreich, wurde ihm von Soehmering der durch Tjedemann*s 
Abgang erledigte Lehrstuhl der Anatomie und Physiologie in Landshut angetragen, 
er lehnte j'cdoch dieses Anerbieten aus Vorliebe für Oesterreich ab und wurde, als 
die landärztliche Schule 1819 in eine medicinisch-chirurgische Lehranstalt umge- 
wandelt worden war, als Professor der Anatomie definitiv bestätigt. Seit dieser 
Zeit lebte er bis zu seinem Tode dem Berufe als Anatom, stets bemüht, mit den 
Fortschritten der Wissenschaft gleichen Schritt zu halten. Er gründete das anatomisch- 
physiologische und anatomisch-pathologische Museum und erlebte noch kurz vor 



ABERLE. — ABERNETHY. 39 

seinem Tode die Venv-irklichini^ Reiner LieblingRidee, diene Sammlungen in einem 
neu erbauten, ganz dem anatomiKoben rnterrichte gewidmeten Gebäude aufgestellt 
zu sehen. Aueb als ausübender Arzt erfreute er sich eines bedeutenden Rufes, 
lUDientlieh bei Kinderkrankheiten; die Armenpraxis lag eine lange Reihe von 
Jahren hindurch grösstentheils in seinen Händen; er war in mehreren Klöstern 
und Instituten der gern gesehene Hausarzt. Seine ersten schriftstellerischen Arbeiten : 
Mehiirtsgeschichte und anatomische Beschreibung einer zweiköpfigen menschlichen 
Missgeburt ^ — „ Geschichte eines im letzten Stadium geheilten Croups durch kalte 
Vebergie^sungen" , — „Beitrag zur Diagnostik der organischen Krankheiten des 
Unterleibes^ (eine bewegliche Xiere betreffend) befinden sich in der Salzburger 
Zeitung (1816, Bd. I; 1822, Bd. II; 1826, Bd. IV) und die „Geschichte eines 
Osteosteatoms am rechten Oberarme" in Horn's Archiv ftlr medic. Erfahrungen 
(Bd. I, 1820). Ein schon im Jahre 1827 entstandenes cbronisches Augenübel, zu 
dem sich 1886 auch der graue Staar im linken Auge gesellte, gestatteten ihm 
nicht, gi-össere schriftstellerische Arbeiten auszuführen. Dennoch erschienen von ihm 
später noch „Praktische Erörterungen und Erfahrungen über die häutige Bräune^ 
and „Beobachtungen und anatomisch-pathologische Erfahrungen über die Blau- 
mcht*' und seine letzte Arbeit y, Praktische Bemerkungen über den in den Jahren 
1844 — 1845 in Salzburg epidemischen Keuchhusten, insbeso7idere über den 
Nutzen der Cochenille mit Kali carb. , sowip des Tannins gegen denselben", 
säromtlich in den Oesterr. medic. Jahrbüchern (1843, 1844, 1846), nachdem sein 
Sohn Carl A. des Vaters Erfahrungen über acht frühere Epidemien daselbst seit 
1816 in einer zu Wien 1843 erschienenen lateinischen Abhandlung veröffentlicht 
hatte. Ausserdem hinterliess er eine grosse Anzahl von literarischen Notizen, 
Krankengeschichten, Sectionsbefunden u. s. w. — Nach 12tägigem Krankenlager 
starb er am 5. März 1847. 

Neuer Nekrolog der Deutschen. Jahrg. XXV. 1847. Thl. I, pag. 176. Gurlt. 

Abemetliy, John A. , berühmter Anatom, Physiolog imd Chirurg in 
London, war daselbst am 3. April 1764 geboren als Sohn eines Kaufmannes, 
besuchte die Schule zu Wolverhampton , die er 1778 verliess, um nach London 
jEurfiekzukehren und 1779, erst 15 Jahre alt, bei Sir Charles Blicke, einem 
Chirurgen mit grosser Praxis, in die Lehre zu gehen und die Vorlesungen im St. 
Bartholomäus-Hospitale, welchem Jener angehörte, zu besuchen. Da indessen daselbst 
keine anatomischen Vorlesungen gehalten wurden, musste er zu diesem Zwecke das 
London Hospital aufsuchen, um daselbst bei Dr. Maclaükin und Sir William 
BuzABD Anatomie zu hören und bald dessen Assistent zu werden, ebenso wie er 
im Bartholomäus-Hospitale die Vorlesungen des berühmten PoTT besuchte. Nachdem 
dieser auf seine Stelle als Surgeon resignirt halte, erhielt Sir Charles Blicke 
dieselbe und Aberxethy nahm im Juli 1787 dessen Stelle als Assistant Surgeon 
ein, wurde zugleich Lehrer der Anatomie, Physiologie, Pathologie, Chirurgie, indem 
er als einer der Ersten für das Studium der Anatomie und der Physiologie die 
Bedeutung der vergleichenden Anatomie richtig erkannte. Die Vorlesungen mussten 
wegen des Mangels eines geeigneten Raumes ausserhalb des Hospitals gehalten 
werden; als dieselben aber mehr und mehr Zuhörer anzogen, wurde 1790 und 
1791 ein Auditorium in jenem für Abernethy gebaut und wurde er dadurch der 
Begründer der medicinischen Schule des Hospitals, ebenso wie auch die Begründung 
des vortrefflichen anatomischen und pathologisch-anatomischen Museums desselben ihm 
vorzugsweise zu verdanken ist. In dieser Zeit seines Lebens war Abernethy ganz 
ausserordentich beschäftigt, namentlich, ausser seiner Thätigkeit in den Kranken- 
«älen, mit anatomischen Arbeiten und physiologischen Experimenten. In das Jahr 
179.3, das Todesjahr John Hunter's, fallen seine ersten Publicationen in den 
Philosophical Transactions, nämlich ein „Account of two instances of unco^nmon 
formation in the viscera of the human body" (betreffend einen Fall von Inversio 
mcerum und einen anderen , in welchem der Dünndarm nur 2 Fuss lang war). 



40 ABERNETHY. 

Ala Ausbeute bei der Sectioii eines Wallfiftches schrieb er: ^Some partic^dars in 
fhe anaJtomy of the whale^ (Ibid. 1796). 1793 erschienen auch die zwei ersten 
Theile seiner „Surgical and phystoloffical essays^ (deutsch von JOH. DiTER. 
BEtANDls, Leipzig 1795); die folgenden Aufsätze enthalten: „On the lumbar 
abscesses and ofi the compoettion and analysis of animal inattex*^ — y^Oii the 
nature of the matter perspired and absorbed froni the sicin and on the iU 
consequences somettmes succeeding to venaesection" . Der dritte Theil dieser Essays 
fin's Deutsche tibersetzt von Carl Gottlob Kühn, Leipzig 1798) erschien 1797 
und enthält namentlich Beobachtungen über Kopfverietzungen , über die Operation 
des Aneurysma u. s. w. Abernethy's Ruf hatte sich inzwischen so gesteigert, dass er 
1796 auch zum Fellow der Royal Society gewählt worden war. — In der folgenden 
Zeit beschäftigten ihn Kxi)erimente an den Muskeln von Fröschen, angeregt durch 
die Beobachtungen Galvani's, die Respiration der Fische, die Temperatur der 
Thiere u. s. w. ; auch fallen in diese mehrere Aufsätze verschiedenen Inhalts, z. B. 
„Observatt07i8 on the foramina Thebesü of the heart" (Philos. Transact. 1798) — 
ryMode of ventilattng ships" (Monthly Magazine. 1798) — „An accounf of a sin- 
fjular disease (exostosw cum fungiJi) in the npper maxillary sinus" (Transact. 
of the Soc. for the improvement of med. and chir. knowledge 1800). Die von 
John Hünter um 1785 eingeführte Oi)eration8methode, das Kniekehlenaneurysnia 
durch Unterbindung der Art» criiralw entfernt von jenem zu heilen, wurde von 
Abeunethy zum ersten Male um das Jahr 1797 auch auf das Femoralaneurysnia 
übertragen, indem er bei einem solchen die Ligatur der Art, iliaca externa aiLs- 
führte. — In den Jahren 1804 und 1806 erschienen in zwei Theilen seiue 
„Surgical observations , containing a Classification of tumours, with casen to 
illustrate the history of each spedes, an accounl of diseases which strikingly 
resemble the venereal disease, and various cases illustrative of different stirgical 
subjects^ (Kopfverletzungen, Aneurysmen, Punctio vesicae, Tic douloureux, beweg- 
liche Knorpel im Kniegelenk) und „Surgical observations , part second: con- 
taining, an account of the disoi'ders of the health in general , and of the 
digestive organs in particular , which accompany local diseases, and obsfruct 
their eure: — observations on diseases of the Urethra, particularly ofthat part 
which is surrounded by the prostate gland , and observations relatice to the 
treatment of one species of the naevi inaterni^, (Davon New edition enlargcd. 
London 1811, welche die im Vorstehenden angeführten chirurgischen Abhandlungen 
in weiterer Ausführung enthält.) Später erschienen noch mehrere Auflagen, theils 
unter dem Titel „Surgical observations^, theils unter dem der „Surgical works**, 
New edition, 2 voll. (London 1815; 1821, 1822, 1825, 1827). Die „Surgical 
observations an the constitutional origin and treatment of local diseases ^ and 
on aneurism, iucluding directions for the treatment of disorders of the diges- 
tive Organs"" (London 1809; 1813, 1814, 1817, 1821, 1826, 1827, 1831), 
auf die Abernethy häufig als auf „sein" Buch verwies, bilden die erste grössere 
Hälfte des Vol. I sowohl der ^^Surgical observations^'' als der ^^Surgical works^. 
Es fällt in die so eben angeführte Zeit auch noch eine Reihe von Aufsätzen, 
die in Zeit- oder Gcsellschaftsschriften publicirt wurden, nämlich mehrere Aufsätze 
imEdinb. Med. Journal 1805, 1807, 1810, 1816: „Experiments on Perspiration'' — 
^ Gase of femoral aneurism, reaching as high as Poupart's ligament cured by 
tying the externa! iliac artery" — „On a disease of the heart^ — „Defence ofhis 
opinions re gar ding lije^ und folgende zwei in den Med.-chir. Transact. 1812: 
.,0» a diminution (in consequence of disease) of the area of the aperture, by 
lohich the left auricle of the heart communicates with the ventricle of the same 
side^ und „On an un common disease of the ovary^, 

1813 wurde Abernethy zum ('hirurgen von Christas Hospital ernannt 
und behielt diese Stellung bis 1828, kurze Zeit, ehe er seine Praxis ganz aufgab, 
bei. 1815 wurde er auch endlich, nachdem er 28 Jahre lang Assistant Surgeon 
beim St. Bartholomäus-Hospital gewesen war, Surgeon desselben. Eine grössere Ehre 



ABERNETHY. — ABRAHAM. 41 

aber war bereits 1814 dem jetzt auf der H(^he seiu&s Kuhmes stehenden Chii'urgen, 
welcher eine kaum zu bewältigende Praxis besass, dadurch zu Theil geworden, 
das8 das Royal College of Surgeous ihn zu seinem Pi'ofessor der Anatomie und 
Chintrgie ernannte. Seine Pnblicationen aus der folgenden Zeit bestehen daher 
Torzugsweise aus den daselbst gehaltenen Vorlesungen, die sich der Ti'adition und 
den von John Hünter bei jenem Collegium gemachten Stiftungen gemäss vor- 
wiegend mit dessen Arbeiten und Doctrinen beschäftigen. — In seinen Vorträgen 
und Vorlesungen war er untibertrefflieb. In einfacher, aber gewählter und anzie- 
heuder^ bisweilen humoristischer Rede wnisste er den Gegenstand, den er vortrug, 
höchst anschaulich zu machen. Seine Vorlesungen über Anatomie, Physiologie, 
Chirurgie, Pathologie waren so gesucht und beliebt, dass sie, selbst wider seinem 
Willen, von Schnellschreibeni nachgeschrieben und in der Lancet 1826, 1827 veröfFent- 
licht wurden, wodurch sich der Herausgeber dereelben von Seiten Abernethy's 
einen Process zuzog. Er selbst gab „Lectures on anatomy, surgery and patho- 
logy , tncluding observations on the nature and treatment of local diseases 
delivered at St, JBartholomew^s Hospital^ (2 voll. London 1828) und ,y Lectures 
an the theory and practtce of surgery"^ (London 1830) heraus. Den Beschlitss 
semer Publieationen machte eine neue Sammlung seiner früheren Arbeiten, die 
unter dem Titel: ^Surgical and physiological works^ (London 1831) in vier 
Bänden erschien. — Operationen betrachtete Abebnethy, wie Cheseldex und 
Runter, als Opprobrium ckirurgiae und nahm sie daher nur im Nothfalle vor; 
nichtsdestoweniger war er ein geschickter Operateur, der aber, wie viele Andere, mit 
zunehmendem Alter immer weniger leicht zu einer Operation zu bestimmen war. — 
1827 legte er seine Stelle als Chirurg des St. Bartholomäus-Hospitals und 1829 
als Professor des College of Surgeons nieder, zog sich nach Enfield, wo er ein Haus 
besass, zurück und starb daselbst nach längerer Krankheit am 20. April 1831 im 
67. Lebensjahre. 

George Macilwaiu, Memoii-s of Jolm Aberiiethy etc. 3d edition. Loudon 1856. — 
Callisen, I, pag. 8; XXVI, pag. 4. • Gurlt. 

Abildgaardy Peter Christian A. , geboren am 22. December 1740 
in Kopenhagen, wurde 1756 Apothekerlehrliug , 1760 Student und 1761 Bacca- 
lanreus. Er wurde 1763 von der Kegierung nach Frankreich geschickt, um an der 
kurz vorher in Lyon en-ichteten Veterinärschule neben der Medicin auch die 
Veterinärkunde zu studiren. 1766 nach Kopenhagen zurückgekehrt, absolvirte er 
seine raedicinischen Studien und wurde 1768 Dr. med. — Nachdem bereits 1772 die 
Errichtung einer Veterinürechule von der Regierung beschlossen w*ar, w^urde ihm 
1773, auf Vorschlag des Ministers Bernstorff, die Voretandstelle einer auf Christians- 
hafen zu errichtenden Veterinärschule mit einem Gehalte von 1200 Rthl. angetragen 
unter der Bedingung, dass er die Anstalt auf eigene Kosten emchtete. 1776 über- 
nahm der Staat die von Abildgaard gestiftete und emchtete Anstalt, indem dieser 
seine Stellung als Director und erster Lehrer beibehielt und indem ihm der Titel 
eines l*i'ofessors ertheilt wurde. Er wurde 1774 Vieepräsident der landwirthschaft- 
lichen Gesellschaft, 1776 Secretär und 1789 Mitglied der Stutereicommission, 1776 
Mitglied des Collegium medicum und von 1775 — 1783 fungirte er zugleich als 
Stadtphysicus ftlr Kopenhagen. Er machte namentlich im Interesse der Veterinär- 
kunde viele Reisen im Auslande und im Inlande und wurde Mitglied vieler gelehrter 
Gesellschaften und einer der Stifter der dänischen Gesellschaft für Naturhistorie. Von 
ihm stammen zahlreiche Schriften über Thierarzneikunde, gelehrte sowohl als populäre, 
vei-scbiedene Reden, Abhandlungen in der königl. dänischen Gesellschaft der Wissen- 
ßchaften in der Phys., ftkon., med., ehir. Bibliothek und in den Schriften der Gesell- 
schaft für Naturhistorie, ausser kleineren medicinischen Schi-iften und Vebersetzungen. 

Ingerslev. P. L. Pauuni. 

Abraham, Nicolas de la Framboisiere, s. Framboisiere, 
Kico las- Abraham de la F. 



42 ABRAHAM. — ABRAHAMSON. 

Abraham. Unter den zahlreichen jüdischen Aerzten (A. BEN Sahal, A. ben 
ESRA, A. BEN Jehuda, A. BEN Maib, A. BEN Avigador) , welche im 13. bi8 
16. Jahrhundert diesen Namen führen, hat sich durch eine im strengeren Sinne 
medicinische Schrift nur Abraham ben David Arie hervorgethan (auch A. Rophe, 
Leo Mutinensis, A. medicds , de Menasse ben Israel und A. de forta Leonis 
genannt). 1542 in Modena geboren, studirte er zuniichst Hebräisch und Talmud 
in Mantua, Padua und Bologna, dann aber in Pavia Medicin und Philosophie. Dem 
Doctortitel empfing er, dorthin zurückgekehrt, im Jahre 1566 in Mantua (daher 
auch Abraham von Mantua). — Bei der häufigen Wiederkehr des Arztnameuti 
Abraham ist es natürlich, dass über die Zugehörigkeit der zahlreichen medicinischeu 
Schriften, welche unter diesem Autorennamen erschienen, grosse Zweifel bestehen. 
Speciell wurden dem A. Medicus die von Zacütüs LüSITANüs erwähnten ^^Ohser- 
vationes medicae^^ zugeschrieben, sowie eine lateinische Ueberaetzung des Galenischen 
„Z?e plantis^^. Ginind zur letzteren Annahme hat Abraham- von Mantua selbst 
gegeben, als er im Vorworte zu seiner hebräischen Schrift „der Schild des Starken" 
(die sich im Uebrigen mit Ceremonien des jüdischen Gottesdienstes befasste) ver- 
sicherte, ein Buch über von ihm entdeckte Medicamente geschrieben zu haben« 
Authentisch gehören ihm zu „Dialogi tres de auro, in qiiibus de auri in re 
inedica facultate verum ejus de specifica ejus et ceterarum rertmi forma seu 
dujMci potestate qua mixtis in ovinibus Ma operatur copiose dispivtatur,^ 
Venedig 1844.) Abraham starb 1612. ^^^ 

Abraham. Claude A., lebte als Chirurg zu Anfang des 17. Jahrhunderts 
zu Dijon und ei"warb sich eine gewisse Berühmtheit durch eine Sammlung politischer 
Zeitneuigkeiten. Red. 

Abraliamson (Abraham, Abramson), Meyer A., (auch Meyer oder Mayer 

genannt), Arzt in Hamburg, wurde dasell)st 1764 als Sohn des dortigen Arztes 
Abraham Meyer geboren, promovirte 1783 zu Göttingen mit der y^Diss. inatig. 
sistens caiUelas anthelminticorum in paroxysmis verminosis obseroationibus 
illuMratn^ , Hess sich 1785 in Hamburg nieder, wurde Arzt des medicinischeu 
Armen-Instituts und Arzt des Judenhospitals, war Mitglied des königl. schwedischen 
SanitätÄCoUegiums und mehrerer Gelehrten-Gesellschaften und starb am21.0ctober 
1817. — Schon 1784 begann er eine äusserst fruchtbare literarische Thätigkeit, 
die anfänglich auf Fach-Zeitschriften beschränkt oder für Fachmänner bestimmt, im 
weiteren Verlaufe mehr und mehr der populären Medicin angehörte und auf das 
grosse Publicum berechnet war ; daher erlebten seine Publicationen zum Theil mehrere 
Auflagen. Seine ersten Aufsätze „ Vo?i der verminderten Excretion des Urins ^ als 
einer Ursache von vielen Zu fidlen bei Kindern^ und „ Von der Melancholie 
und Manie der Secksioöchner innen" befinden sich im Frankfurter med. Wochenblatt 
(1784) ; es folgen andere in Richter's Chirurg. Bibliothek (1784, 1785), Baldinger's 
Magazin (1785) und Meckel*S N. Archiv der praktischen Arzneikunde (Tbl. I, 
1781)), woselbst unter dem Titel ^ Vermischte Bemerkungen vnd Untersuchungen 
der ausübenden Arzneywissenschafi;^ auf 116 Seiten in nicht weniger als 42 Artikeln 
die allerverschiedensten Gegenstände abgehandelt werden, deren genaues Verzeich- 
niss, wie seiner sonstigen literarischen Arbeiten, sich bei Callisen findet. Mit 
einigen Artikeln in HüFELANd's Journal (1804) schloss seine journalistische 
Thätigkeit. Dagegen finden wir von einzelnen Schriften noch: y^ Abhandlungen und 
Beobachtungen über einige Krankheiten der Augen" (1785) — „Unterricht für 
Diejenigen, welche mit Leibesbrüchen behaftet sind. Nebst Empfehlung einer 
neuen Erfindung von Bruchbändern^^ (1786) — „Einige Worte an das Publicum 
über die Wichtigkeit der Kuhpockenimpfung u. s. w," (1801); ferner populäre 
Schriften ttber „Hämorrhoiden" (3. Aufl. 1815, im Jahre 1807 von S. N. Wahb- 
mann auch in's Schwedische übersetzt); ttber „Pollutionen", 1840; über „Gricht", 
1815, 2. Aufl. 1816 — „Der Arzt für Hypochondristen, fdr hysterische Frauen- 
zimmer" (1818) — »Der Arztflr Frauenzimmer" (1818) — „ Ueber das männliche 



ABRAHAMSON. — ACAMPO. 43 

Unvermögen'^ (1819). Einen mebr wifisenschafüiclien Charakter begibst seine Ab^ 
handlung „Untersuchung über die grosse Sterblichkeü unter Schwängern, 
Wöchnerinnen und neugeborenen Kindern und über die Mittel, diesem ver- 
heerenden Uebel Einhalt zu thun^ (1806). 

Callisen, I, pag. 18; XXVI, pag. 7. — Hans Schröder-Klose, Hamburger 
Schriftsteller. Bd. V, pag. 233. Gurlt 

Abreu, Alexis A., zu Alcacovas in Portugal 1568 geboren, studirte in 
Coimbra Medicin und prakticirte mit solchem Glücke, dasser nach Lissabou an 
den Hof gerufen und später in Staatsstellung nach Angola gesandt wurde. Nach 
neunjährigem Aufenthalte in Afrika kehrte er nach Lissabon zurück imd wurde 
Leibarzt Philipp III. Er veröffentlichte 1622 „Tratado de los siete enfermedades, 
ddla inflaniacion universal del hidago, sirbo, silderon^ (Lissabon, 4.), worin er 
die am häufigsten vorkommenden Krankheiten der Hofleute behandelt, und starb 1630. 

Max Salomoo. 

Abu Ali Jahiah Ben Dsohezla, s. Araber (XVII). 

Abu Ali el-Hosein Ben Abdallab Ibn Sina, s. Araber (XIII). 

Abu Amran Mnsa Ben Maimon, s. Araber (XXII). 

Abubekr, s. Araber (VIII). 

Abu Bekr Mubammed Ben Zakarijja el-Razi, s. Araber (VIII.) 
Abul-Hasan el-Mucbtar Ibn Botlan, s. Araber (XIV). 
Abu Jusuf Jacub el-Kindi, s. Araber (IV). 
Abul-Welid Muhammed Ibn Boschd, s. Araber (XX). 

Abulkasim, s. Araber (X). 

Abul-Easim Ghalaf Ben Abbas el-Zahrawi, s. Araber (X). 

Abu Mansur Mowaflk Ben Ali el-Harwi (AI her vi), ein im 10. Jahr- 

hnndert lebender p e r s i s c h e r A r z t , ist Verfasser eines in pei*sischer Sprache 
abgefassten grossen Werkes Über Nahnings- imd Ileilmittellchre, nach gi'iechischeu, 
»msehen und indischen Quellen bearbeitet; am häufigsten wird DioSKOEiDES und 
(tALENOS genannt. Ueber die Lebensverhältnisse des Autors ist nichts bekannt ; da 
in der Schrift Avicenna gar nicht erwähnt wird, ist zu vermuthen, dass E LH Aß vi 
vor diesem Arzte , also im 10. Jahrhundert gelebt hat, und diese Annahme findet 
darin eine Bestätigung, dass die Schrift dem Emir el- Mansur el-Moejid 
gewidmet ist, der im Jahre 365 der Hedsehra (i)75 christlicher Zeitrechnung) 
gestorben ist. — Das Werk ist nur im Auszuge in lateinischer Uebersetzung nacli 
einer in Wien vorhandenen Handschrift von ROMEO Seligmann .(2. Hefte, Vindob. 
1830, 1833) bekannt geworden. 

Vgl. hierzu R. Seligmann, Ueber drei höchst seltene persische Handschriften. 
^'« 1833. Hirsch. 

Abumeron, s. Araber (XIX). * 

Abu Merwan Ibn Zohr, s. Araber (XIX). 

Abul Motarrif Abd el-Rahman Ibn Wafld, s. Araber (XVI). 

Abu Muhammed Abdallah. Ibn Roschd, s. Araber (XX). 
' Abu Muhammed Abd el-Letif, s. Araber (XXI). 

/^Acampo, Simone, berühmter Arzt zu Neapel, zu Ende des 16. Jahr- 
hundert«. Das nachstehende, 1592 geschriebene Werk wurde erst viel später von 
»einem Neffen, dem Arzt und Priester Simone Acampo jun. , herausgegeben: 
ffSimonis Acampi Neapolitani Goinmentaria in libros Galeni de differentiis 
ßbrium in textus 13, nempe a tex. 46. usque ad tex. 58. tertii libri medi- 
Malis. In librum de turnoribus praeter naturam qua tkeorice, ac practice 



44 ACAMPO. — ACCUM. 

ad febresj vulnera, et tumores jyraeter naturam pertinent, vu'ra rerum novitate 
tractantur,*" (Neapoli. 1642. 4. 2. Ausg. 1647.) 

Maszuchelli, I, 1, pag. 30. G. 

/Aecolti, Franko 18 A., (Fäaxciscüs de Aocoltis, Frax<?ois d'Arezzo 
Fraxciscus Aketinus, d'Accolti, d*AretinüS; ißt als Arzt von strittiger Be- 
deutung. Die früher in verschiedenen biographischen Sammelwerken (Joechbb) 
vertretene Behauptung, e^ habe einen berühmten Juristen Fran<;*OIS A. n n d daneben 
aneh einen berühmten. Arzt de« ganz gleichen Namens im 15. Jahrhundert gegeben, 
erachtet Joükdan als gänzlich widerlegt. Es würde hiemach die Stelle, die wir dem 
vielgenannten Verfasser der Schrift : rfAuforü incerti Ubellus de therinis Futeolamm 
et vidnis in Italta**, a Francisco de Accoltis repertus (Neapel 1475 — Venedig 1566; 
hier gewähren, zu rechtfertigen sein. Seine Geburt fand 1418 in Arezzo, sein Al>- 
leben 1483 in Siena statt. j^^^ 

X Accorambonl, Geronimo A., der Vater wurde 1406 in einem Städtchen 
der Provinz Umbrien geboren. Gegen den Willen der Seinigen wandte er sich 
der lledicin zu und zeichnete sich in Perugia schon während seiner Studienzeit so 
aus, dass er als Lehrer und Praktiker einen weit über Italien hinausreichenden 
Ruhm erwarb. Als Leibarzt der Päbste Leo X. und Clemens VU. sammelte er ein 
beträchtliches A'ermögen, das er jedoch bei der Plünderung R(mis durch das Heer 
des Connetable von Bourbon (lo21) gänzlich einbüsste. Jahre vorher hatte ihm 
die Republik Venedig mehrmals einen Lehrstuhl in Padna angelx^ten, den er nun- 
mehr — allerdings nur auf kurze Zeit — annahm. Denn Paul IIL berief ihn 
unmittelbar nach seiner Inthronisation wieder in die frühere Stellung und stattete 
dicficlbe gleichzeitig auf's Glänzendste aus. Aber kaum ein Jahr (1536 — 1537) 
genoss AccORAHBONi, der Vater, die für ihn ge»<chaffenen Vortheile, da er bereits 
im Februar des letztgenannten Jahres starb. — Drei Tractate : „ Ueber die Fäulniss^ 
'A'enedig 1534) — jyVeber den Katarrh** «Daselbst 1536 1 und y^Ueber die 
Anicendvng nnd die Natur der Milch** besitzen wir von ihm: in der letzteren 
Schrift misst er dem Milchgebrauch den entscheidendsten und wohlthueudsten Ein- 
fltLss in acuten und chronischen Krankheiten bei. — Felix A., der Sohn, wird, 
obgleich ein fleissiger Schriftsteller und auch als Arzt ausgezeichnet, nur selten 
erwähnt. Seine Lebensdaten sind selbst bis auf das Geburts- und Sterbejahr 
unbekannt. Er wandte sich mit besonderem Fleiss der Inteq>retation der alten 
medicinischen Classiker zu und lic'^s theils in Separatausgaben, theils gesanmielt 
unter dem Titel: ^Eruditisaima in omnia Aristotelis opera explanatio, Contro- 
verssiae item quae sunt inter Platonicosy Arintottlicos et Galenum examinantur. 
Teophrastus pluribus in hfcis exponifur. Depravata in m.Hs. graecis codicibus 
emendantur*" — diese gelehrten l'nterRuchungen 1604 in Rcmi erscheinen. 

Red. 

Accorsini, Bartolommco A., Arzt zu Oorsiguano, lebte, wie es scheint, 
zu Anfang des 17^ Jahrhunderts und hat das folgende Werk hinterlassen : „ Tractatuiim 
et conanltationum medicinalium, Tomus jtrior, in quo praeter multa quae in 
tractatibns a nemine hactenua ex professo examinata habentnr, in pavcis etiam 
consultatiofiibvs generosiorum praesidiorum mnteriartnn formtdae, quae omnibus 
pene viorbis inservire poasunt, continentur** fliavenuae 1622, 4.*. 

Mazzurhelli. I. 1, pag. 81. G« 

Acemn, Friedrich A., gelioren am 29. März 1769 zu Bückeburg, war 
von 1793 ab in London praktischer Chemiker und enKarb sich theils als I^fessor 
der Chemie und ^lineralogie an der Surrey-lnstitution, theils durch seine Veröffent- 
lichungen über chemische Reagentien und Reactionen, die er durch Reihen praktischer 
Experimente illustrirte. einen Namen. Noch während seiner Londoner Thätigkeit 
war er be^rebt, die Chemie im Dienste der Hygiene nutzbar zu machen, nicht 
nur durch Badc^hrifteu im besten Sinne, sondern auch durch Abhandlungen über 



i 



ACCUM. — ACKERMANN. 45 

die beste Art der Brotbereitung, über die Herstellung von Obstweinen etc. Auch 

sein beriihmter „Treatise on tke adulteration of food and cuUnary potsoriH^ 

erschien zuerst englißch in London (1820) und ebenso (1821) „Culinary chemistry 

exhrbiting the scientific jfrinciples of cooker y**, — 1822 wurde ACCÜM als Professor 

der Chemie und Mineralogie an das könfgl. Gewerbeinstitut zu Berlin berufen, vertrat 

auch von da ab zugleich die Stelle eines Professors für Physik, Chemie und Mineralogie 

an der königl. Bauakademie. Während dieser Thätigkeit hat er grössere selbst- 

ständige Arbeiten nicht mehr herausgegeben, wohl aber Uebersetzungen geiner 

ehemischen und mineralogischen Werke in das Französische (mehrere) und Spanische 

erlebt. Er starb um 1830. 

CalliBen, T, pag. tZ. Red. 

Acerbi, Enrico A., Professor der Medicin zu Mailand, war zu Castano 
im Mailändischen am 25. October 1785 geboren, machte nach seinen medicinischen 
Studien ReLsen zur Erweiterung seiner Kenntnisse und erwarb sich später als 
Hottpitalarzt und Professor in Mailand einen geachteten Namen, der die Studirenden 
sehr anzog. Er veröffentlichte eine „Memoria cenno critico sulV opusculo intitolato : 
Bella mta di Oiambatista Monteggia^ (Ed. 2. Milano 1818). Seine „Annotazioni 
di medicina pratica, anno primo^ (Milano 1819) verwickelten ihn in einen 
gelehrten Streit mit Locatelli. Sein Hauptwerk aber war; „Dottrina teorico- 
pratica del morbo petechiale, con nuove ricerche intomo Vorigine, Vindole, le 
cagioni predisponenti ed effettrid, la cura e la preservazione m del morbo 
medesimo particolare , e degli altri contagi in generale^ (Milano 1822). — 
Acebbi, der auch Mitarbeiter an der Biblioteca italiana war, starb zu Tremezzina 
am 5. December 1827. 

Wurzbach, I, pag. 2. — Callisen, I, pag. 26; XXVI, pag. 8. Gr. 



/ 



Acllillinly Alessandro A., berühmter Anatom und Philosoph zu Bologna, 
wurde daselbst am 29. October 1463 geboren, erlangte den Doctorgrad in der 
Philosophie und Medicin am 7. September 1484, und hielt von diesem Jahre an 
bis 1494 philosophische Vorlesungen, lehrte von da bis 1497 die Medicin, wo er 
«ich wieder bis 1500 der Philosophie zuwendete, um dann beide Wissenschaften 
neben einander zu lehren. 1506 musste er als Parteigänger des vertriebenen 
Bextivogli Bologna verlassen, wurde Professor der Philosophie in Padua, wurde 
aber bereits im September 1508 nach Bologna zurückberufen, wo er seine Vor- 
lesungen wieder aufnahm. 1511 musste er dieselben wegen der in der Stadt 
aiiBgebrochenen Unruhen wieder aufgeben und starb am 2. August 1512, erst 
49 Jahre alt. — Er war ein grosser Anhänger des AvERRHOfis und ein unüber- 
windlicher Disputator, so da«s seine Zeitgenossen in dieser Beziehung von ihm 
sagten : Aut diabolus, aut magnus Achillinus, Mit Uebergehung seiner Verdienste 
als peripathetischer Philosoph und Arabist, wenden wir uns zu seinen Verdiensten 
als Anatom, und unter diesen ist zunächst hervorzuheben, dass er zu Denjenigen 
gehörte, welche im 15. Jahrhundert menschliche Leichen zu seciren w^agten. Unter 
seinen Entdeckungen sind die des WHARTON'schen Ganges zu nennen ; das« er aber 
nicht die Gehörknöchelchen entdeckt hat, wie ihm vielfach zugeschrieben wird, 
hat schon Morgagni nachgewiesen. Die drei anatomischen Werke, welche ihm 
zugeschrieben werden, sind, folgende : „Corporis kumani anatomia" (Venetiis 
1516, 4.; 1521) — „In Mundini anatomiain annatationes^ (Bononiae 1524, 4.) — 
^Anatomicae annotationes magni AL Achillini Bononiensis : editae per fratrem 
Joh. Philotheum^ (Bonon. 1520, 4.). Das letztere stellt in grosser Kürze (auf nur 
18 Blättern) eine Art von descriptiver medicinisch-chirurgischer Anatomie dar. 

Mazznchelli, I, 1, pag. 101. — Fantuzzi, I, pag. 49. — Biogr. medic. 
I. Pa«. 28. G. 

Ackermann, Johann Friedrich A., ordentlicher Professor der Medicin 
. und Physik und Senior der Universität zu Kiel, war am 3. Februar 172G zu 



46 ACKERMANN. 

Waldkircheu im Voigtlande geboren, promovirte 1751 zu Göttingen unter dem 
Präsidium von Geohg Gottlikb Riohtee mit der Diss. inaug. „Z?^ voce naturae^, 
wurde, nachdem er noch die Schrift : „ Praesagia i)iedica ex praecordüs^ (Gftttiug. 
1752, 4.) herausgegeben, 1760 zum Professor ordin. in Kiel ernannt, 1775 auch 
zum Archivar, mit dem Range eines Rtatsrathes. 1780 wurde er Quflstor der 
Universität, 1799 auf sein Ansuchen als akademischer Aedil entlassen, feierte am 
17. September 1801 sein 50jährige8 Doctorjubiläum, wobei sein Diplom von Göttiugen 
aus erneuert wurde, und starb am 2. Juni 1804. — Seine Schriften, die fast 
durcliweg nur in kleinen Abhandlungen in Gestalt von Programmen, Disputationen 
imd DissertJitionen bestehen, und die sich in den unten angeführten Quellen genauer 
verzeichnet finden, sind theils medicinischen , theils physikalischen Inhaltes. Von 
ersteren führen wir an: „Commentatio epwtolaris de ins^itione variolarum ad 
G. G. Richter" (Chilon 1771). — „Nachricht von der sonderbaren Wirkung 
eines Wetterstrahles" (Vermehrte Ausgabe, Kiel 1772). — „Observationes 
cMriirgicae"^ (1772, 4.). — „Nosologiae Holsatiae R L"^ (1773, 4.). 

Kordes, pag. 6. — Ltibker u. Schröder, pag. 3; Nachträge, pag. 760. 

G. 

AGkermann, Johann Christian Gottlieb A., wurde am 17. Februar 
1756 in Zeulenroda, einer kleinen Stadt des Voigtlandes, geboren, in der »sein 
Vater als praktischer Arzt wirkte. Kaum 15 Jahre alt, bezog er 1771 die Universität 
Jena, wo er mit grösstem Eifer sich den medicinischen Studien widmete und die 
Freundschaft Baldinger's gewann. Und als dieser 1773 einen Ruf nach Göttingen 
annahm, folgte ihm A. dorthin und beschäftigte sich hier neben der Medicin mit 
Vorliebe unter des berühmten Heyne Leitung mit philologischen und geschichtliehen 
Forschungen. Im Jahre 1775 promovirte er daselbst und habilitirte sich als Privat- 
docent in Halle, das er aber 1778 verliess, um in seiner Vaterstadt zu prakticiren. 
Hier lebte er, inzwischen zum Physicus von Zeulenroda und Bezirk Burgk ernannt, 
bis 1786, in welchem Jahre er den ihm angebotenen Lelirstuhl der Chemie in 
Altdorf an Wittweb's Stelle annahm, aber schon sofort über Pathologie las. 1793 
zum Physicus gewählt, rtlckte er 1794 in die Professur für Pathologie und Therapie 
ein nnd erhielt die Leitung des Krankenhauses, starb aber schon am 9. März 1801 
in der Blüthe seiner Jahre an der Lungenschwindsucht. 

A. war ein sehr fnichtbarer Schriftsteller. Seine literarische Thätigkeit 
nmfasste die Neuherausgabe und Uebersetzung fremder Arl)eiten sowohl , als Pro- 
duction eigener praktisch - medicinischer und besonders historischer Werke. In 
ersterer Beziehung sind besonders zu erwähnen die Ausgabe der classischeu 
allgemeinen Pathologie Gaüb's, die Uebersetzungeu der Werke Tissot's aus dem 
Französischen, der „epidemischen Krankheiten" Cleghobn's aus dem Englischen, 
den „Krankheiten der Künstler und Handwerker" Ramazzini's aus dem Italieni- 
schen. — Seine der praktischen Medicin gewidmeten Werke documentiren ein im 
Ganzen und Grossen gesundes Urtheil, Behen*schung der Literatur und Ver- 
werfung der Schulsysteme, sind aber durchaus nicht von hervorragender Bedeutung, 
vielmehr nicht selten compilatorisch und von schwankendem Urtheile , wie z. B. : 
„Instituttones therajnae generalut". (Norimb. et Altorf 1794, 8.) und „ Pathologisch - 
praktische Abhandlung über die Blähungen". (Altdorf und Nüniberg 1800, 
kl. 8.). Vortrefflich dagegen ist das „Handbuch der aiwübenden Arzneyvrissen- 
schaff und Wundarzneykunst hei Armeen im Felde". (Leipzig 1797, 8.), in 
dem er zuerst das System der raschen FiVacuation der beweglichen Feld- 
lazarethe empfiehlt. 

Den Gipfelpunkt des literarischen Schaffens A.'s aber bilden seine 
historischen Arbeiten. Hier zeigt er ein enonnes Wissen, ein völliges Ein- 
gedrungensein in den Geist des Alterthums, vortreffliches Judicium und glückliche 
Combination. Dies gilt sowohl von der im 19. Lebensjahre verfassten Schrift: 
„De dysenteriae antiquitatibus liber biparfitus" (Lipsiae et Schleizae 1777, kl. 8.), 
als von den „Institufiones historiae medicinae" (Norimbergae 1792, 8.) einem durch . 



ACKERMANN. 47 

Quellenstudium, Kritik, Gelehrsamkeit und Stil claasisehcn, etwas kurzen, leider 
schon mit dem Ende des 15. Jahrhunderts abschliessenden Oompendium der Geschichte 
der Medicin. Grosses Lob verdienen auch seine biogi'aphischen und bibliogi'aphischen 
Mittheilungen über Hippokratesy Aretaeus und Galen (in der Ktihn'schen Samm- 
lung) ^ seine Ausgaben des Serenus Samonicus (Lipsiae 1786, 8.), des Sevtus 
Placidus Papyrienȟt mh^ Lucius Apulejus (Norimbergae et Altorfii 1788, 8.) und 
des Regimen Sanitatvs Salemi (Stendal 1700, 8.j mit drei werthvoUen gelehrten 
Yorstüeken. Max Salomon. 

AckermaiUl, Jakob Fidelis A., Gehehner Hofrath und ordentlicher 
Professor der Medicin an der Universität zu Heidelberg, war am 23. April 1765 
zu Rüdesheira im Rheingau geboren. Nach vollendeten Gymnasialstudien zu Cöln, 
widmete er sich vom Jahre 1784 an dem Studium der Medicin, zuerst zu Würz- 
burg, dann zu Mainz. Nachdem er an letzterem Orte am 8. Mai 1787 die medi- 
cinische Doctorwürde erhalten, machte er eine wissenschaftliche Reise durch Deutsch- 
land und Italien und ver^'eilte dabei ein halbes Jahr in Göttingen und ebensolange 
in Wien. In Pavia hörte er die Vortrage von Peter Frank, Scarpa, Volta, 
Nessi u. A. und kehrte nach ungefähr zwxi Jahren durch die Schweiz nach Mainz 
zurück, woselbst er sogleich, 1789, bei der dortigen UniversitiU Privatdocent für 
gerichtliche Medicin und Medicinal-Polizei wurde. Kr hatte bis 1788 drei kleine 
Abhandlungen y^De discrimine sexunrn praeter (jenitalia^ (von J. Wenzel unter 
dem Titel : „ lieber die körperliche Verschiedenheit des Mannes vom Weibe 
ausser den Ge^chlechtstheilen^ in*s Deutsche tibersetzt) und „Conim. de nervorum 
opticorum inter se nexv" und „ Ueber die Krankheiten der Frauenzimmer" ver- 
fasst. In der Schrift : „ Ueber die Kretinen, eine besondere Menschenart in den 
Alpen** (1790) gab er über diese unglücklichen Geschöpfe als einer der Pursten eine 
auf eigene Untersuchungen, auch anatomischer Art, basirte Schilderung. Nach 
Fibeg's Tode (1792) trat er als Professor der Botanik in dessen Stelle ein und 
wurde 1796 Soemmfring's Nachfolger in der Professur der Anatomie. Indessen 
bereits 1798 wurde die Universität Mainz von den Franzosen aufgehoben und in 
eine Central- und Specialschule verwandelt. Ackermann wurde nun Präsident sowohl 
der allgemeinen Versammlung der Professoren dieser Schule, als auch der Ver- 
valtungs-Conimission des irniversitätsfonds. Auch wurde er 1800 von der dortigen 
Departeniental-Gesellschaft der Wissenschaften und Künste zum Präsidenten gewählt. 
Seine Ihiblicationen bis zu dieser Zeit waren unter Anderem folgende: „Gustus 
f/rgani notnssime detecti prodrom." (1790); sodann eine in Utrecht 1792 mit 
dem ersten Preise gekrönte Schrift: ^I)e rachitide** (Verhandeling van het 
Batafsch. Genootschap), — ;, Versuch einer physischen Darstellung der Lebenn- 
krafi organischer Körper'' (2 Bände, Frankfurt 1793, 1800; Nachträge und 
Zusätze, Jena 1805) — yy Nähere Aufschlüsse über die Natur der Rindvieh- 
seuche, die Ursache ihrer Unheilbarkeit und die nothwendigen Polizei- Anstalten 
gegen dieselbe" (1797) — ff Der Scheintod und das Rettungsverfahren, ein 
chimiatrischer Versuch" (1803). Im Jahre 1804 wurde er an Loder's Stelle 
nach Jena als Professor der Anatomie und Chirurgie mit dem Charakter eines 
herzogl. Weimarischen Hofrathes berufen, jedoch blieb er nur kurze Zeit dort, da 
bereits 1805 zwei neue Vocationen an ihn ergingen, nämlich nach Moskau und 
nach Heidelberg. Er wurde noch 1805 in Heidelberg Professor der Anatomie 
und Physiologie mit dem Charakter und Range eines grossherzogl. badischen Ge- 
heimen Hofrathes. Auch in demselben Jahre erschien eine Reihe von Publicationen, 
danmter eine ,,De combustionis lentae phaenomenisy quae vitam organicam con- 
stiiuunt" (Jena), in welcher er die Erscheinungen des organischen Lebens durch 
die Gesetze der Physik und Chemie zu erklären suchte und jene als eine langsame 
Verbrennung betrachtete. In einer anderen: „ Infant Is androgyni historia et 
iconographia, accedunt de sexu et generatione dwquisitiones c, 5 tabb." Fol., 
beschreibt er die Geschichte und anatomische Untersuchung eines Hermaphroditen, 



48 ACKERMANN. 

stellt viele ähnliche Fälle zusammen und legt seine Gedanken über Geschlecht und 
Zeugung dar. — „ Ueber die Erleichterung schwerer Geburteti, vorzüglich über 
das ärztliche Vermögen auf die Entwickelung des Fötus" ist ein Sendschreiben 
an BrünninghaüSEN in Wttrzburg. Endlich veröflFentlichte er zusammen mit 
J. C. Fischer: „Klinische Annalen der herzogl. med,-chir, Krankenanstalt in 
Jena.*^ — Auf ACKERMANNES Betrieb erhielt das anatomische Theater ein an- 
gemejKseues Local , und die Einrichtung desselben wurde unter seiner Leitung 
wesentlich verbessert. Ebenso verdankt Heidelberg ihm die Errichtung einer Poli- 
klinik, deren erster Director er wurde und über die er bereits 1805 eine „Nach- 
richt von der Organisation und den Gesetzen der kurfürstl. poliklinischen An- 
stalt zu Heidelberg" gab. Seine literarischen Leistungen im letzten Decenninm 
seines Lebens betrafen eine Schrift gegen Gall's Schädellehre: „Die GalVsche 
Hirn-, Schädel- und Organen- Lehre vom Gesichtspunkt der Erfahrung aus 
heurtheilt und widerlegt" (1806). Er versuchte femer eine Theorie des Fiebers auf 
sein System von dem durch chemische Mischung gewisser Stoffe entstehenden Leben 
zu begründen: ^^De construendis, cognoscendis et curandis fehribus epitovie,^ Vol. I, 
(1809; 1811 in's Deutsche übersetzt von C. Hoffmann), brachte die Hypothese von 
der Identität der Seele und des Körpers in einem Programm „Z)c nervei systeinatis 
primordiis^^ (1811) wieder zur Sprache und veröffentlichte ausser dem letzt- 
geujinnten Programm von 1807 — 1814 noch mehrere weitere , welche Gegenstände 
aus der Anatomie und Physiologie, z. B. über die Functionen der Schild- und 
Thymusdrüse, behandeln. — 1812 wurde ihm noch, nach Kastner's Abgang, die 
Professur der Botanik übertragen ; als Einleitung zu seinen Vorlesungen über dieselbe 
erschien eine yyAbhandhmg über die Natur des Gewächses" , Seine letzte grössere 
Arbeit behandelte ein den damaligen Kriegs-Calamitäten entnommenes pathologisches 
Thema : „ Von der Natur des ansteckenden Typhus u, s, w. Eine Pathogenie aller 
ansteckenden Heer- und Volkskrankheiten" (1814). Eine „Sammlung der icirh- 
figsten kleiner en, lateinischen Schriften"^ übersetzt von C. Hoffmann, erschien 
erst 1816, nach Ackermannes Tode, der ihn unerwartet in Folge eines Nieren- 
leidens am 2^. October 1815 ereilte. 

Salzburger med.-chir. Zeitung 1816, Bd. I, pag. 367. — Scriba, Bd II, pag. 4. 

Gurlt. 

Ackermann, Johann Karl Heinrich A., von 1795 ab Amts-, Stadt- 
und Land-Physicus zu Oschatz in Sachsen (vorher in Zeitz), geboren zu Zeitz 1765, 
ein sehr glücklicher, kenntnissreichcr Arzt, starb daselbst am 21. November 1810. 
Er hinterliess ausser seiner „Diss. inaug, de scrophulorum natura" (Lips. 1784, 4.) 
folgende Schriften: „Medicinische Skizzen" (2 Hefte, 1789, 90) — „Versuche 
über die Prüfung der lAiftgüte, nebst einem Beytrag zur medicinischen Policey" 
(Mit 1 Kpf. 1790) — „Versuch über einige medicinische Fragen" (1792) — 
„Ueber das Medicinalwesen in Deutschland" (1794) — „Ueber BlähuTUfen und 
Vapeurs; Briefe, hypochondrischen und hysterischen Personen gewidmet" (Zeitz 
und Naumburg 1794); ferner: „Tabellarische Ueber sieht bey gesetzmässigen 
Leichenöffnungen für angehende Juristen, gerichtliche Aerzte und Wundärzte" 
(Oschatz 1800) — „Winke zur Verbesserung öffentlicher Brunnen- und Bade- 
anstalten" (Posen 1802) — „ Winke zur Verbesserung der Bildungsanstalten für 
Aerzte, Wundärzte, Geburtshelfer und Hebeammen" (Posen und Leipzig 1803). 

Meusel.^I, pag. 19; XI, pag. 5; XIII, pag. 8. G. 

Ackerniß^nn, Karl Wilhelm A., von 1814 ab königl. bayerischer Land- 
gerichtsarzt zu Windsheim (Mittel-Franken), war 1785 zu Altdorf geboren, pub- 
licirte 1809 den „Tractatus med,-practicus de jjlumbi viribus in Universum 
speciatimgue ejus nociva qua sterilitatem infert" und 1822 die Schrift: „Das 
Wildbad bei Burgbernheim , im Retzatkreise des Königreichs Baiern u, s. w." 
Am 22. April 1831 erfolgte sein Tod. 

Callisen, I, pag. 27; XXVI, pag. 8. G. 



r 



ACKERMANN. 49 

Ackermann, Harald Friedrieh Nieolaus A., Physicus zu Oldesloe 
IE Holstein, war am 21. November 1810 zu Kiel geboren, besuchte die Schulen 
zu Kiel, Eutin und Ratzeburg, studirte Medicin in Kiel, Halle und Heidelberg 
und promovirte am erstgenannten Orte 1835 zum Dr. med. et chir. mit der Dis- 
gertation: „De pedum sudore foetido^ , Er wurde 1836 Privat-Docent der Medicin 
in Kiel, 1837 Physicus in Neumünster, 1839 Landschaftsarzt auf Sylt und im 
März 1855 Physicus für den 11. Holstein'schen Physicats-District in Oldesloe. — 
Ackermann gab, als er noch auf Sylt war, eine auf eigene meteorologische Be- 
obachtungen basirte Schrift: ^Daa Wetter und die Krankheiten^ (mit 3 Taff. 
Kiel 1854), die einen streng wissenschaftlichen Charakter trügt, sowie einige 
Aufsätze: „Ueber Metastase** und „Fall von totaler Lähmung des Darmcanals" 
(Pfafp's Mittheilungen, Bd. V) heraus. Er starb am 6. September 1873. 

Alberti, Bd. I, pag. 1. 6. 

Ackermann, Paul A., Chirurgien-major der französischen Kriegs-Marine, 
von dessen Lebensumständen wir keine nähere Kenntniss uns haben verschaffen 
können. Derselbe hat eine Reihe von Publicationen verfasst: „Nouveau proc4d^ 
apjjliquS ä Vawputation du doigt indicateur de la viain drcrite, avec rSsectton 
de la tUe du mitacarpien" (Transactions medicales 1833, T. XII) — „Obser- 
vations sur le climat et les fihrres intermittentes h Madagascar" (Strasbourg 
1833, 4.) — „Htstoire des r4volutions de Madagascar, depuis 1642 jusqu^h 
nos jours" (Paris 1833). Hierüber machte er in der Folge noch mehrere 
weitere Mittheilungen. — „Sac chirurgtcal, Memoire explicatif etc,^ (Journal 
des connaiss. mM.-prat. et de pharmacol. (1838) — „Mimoire sur la phlebite 
spontanie du hras et de Vavant-hras^ (Bull, de TAcad. de m6d. 1840 — 41, T. VI) 
— rfOonsidirations anatomicO'physiologiques et historiques sur le Coipo du 
Ckili^ (Paris 1844, 4.) — „Memoire et observations sur le cholSra observe 
ä Fhopüal de Saint- Mandrter de Toulon^ (Archives medicales de Strasbourg 
1835, 2. 6dit. Paris 1843) — „BSsumS historique de la chirurgie militaire en 
France comme compUment du Memoire sur Vappareil portatif connu sous le 
mm de sac chirurgicale" (Paris 1844, 4.). — Es wurden weiter in den Comptes 
rendus de l'Acad. des scienses (T. 6, 17, 19, 1838 — 44) von ihm noch mehrere 
kleinere Mittheilungen gemacht. 

Berger et Rey, pag. 1, 254. G. 

* Ackermann, Theodor A., wurde geboren zu Wismar in Mecklenburg 
am 17. September 1825 und studirte Medicin in Greifswald, Würzburg, Prag und 
Rostock, an welcher letzteren Universität er 1852 promovirte. Nachdem er in 
Rostock einige Jahre als Assistent an der damals n6ch vereinigten medicinisch- 
ehirurgischen Universitätsklinik thätig gewesen, habilitirte er sich dort 1856 als 
Privatdocent mit einer Schi'ift über die physiologischen Wirkungen der wichtigsten 
Emetiea und wurde , nachdem er verschiedene Arbeiten experimentell-pathologischen 
und pharmacologischen Inhalts veröffentlicht hatte, 1859 zum ausserordentlichen 
Professor ebendaselbst ernannt. Er rief als solcher eine Poliklinik in's Leben und 
veröffentlichte den Verlauf der Choleraepidemie vom Jahre 1859 in einer grösseren, 
mit einem Atlas verbundenen Monographie. Seine fortgesetzte Thfttigkeit als aka- 
demischer Lehrer und die Publication zahlreicher kleinerer Arbeiten über Fragen 
der experimentellen Pathologie und pathologischen Anatomie waren die Veranlassung, 
das« ihm, nachdem er eine Offerte zur Uebernahme der inneren Klinik in Dorpat 
abgelehnt hatte, in Rostock 1865 eine ordentliche Professur übertragen und ein 
Institut für pathologische Anatomie und experimentelle Pathologie eingerichtet 
^rde. Ackermann widmete sich nunmehr fast ausschliesslich der pathologischen 
Anatomie imd übernahm 1873 die ordentliche Professur der pathologischen Anatomie 
nnd das Directorium des pathologischen Institutes an der Universität zu Halle, wo er 
wr Zeit in eben dieser Stellung wirksam ist. Von seinen zahlreichen Publicationen 
sind aus neuerer Zeit besonders zu nennen eine Arbeit „Ueber hypertrophische 

Biogr. Lexikon. 1. 4 



5(1 ACKERMANN. — ACREL. 

und dtropliViche Lehertnrrhose^ (ViRCHOw's Archiv für pathologiHche Anatomie etc. 
Bd. CX), und eine Monographie ;, Ueber die Schädeldeformität bei der Encephalo- 
cele congenita^, (Halle 1882). j^^^j 

* Aoland, H. W. A., geboren Anfangs der Zwanziger-Jahre, M. D. Oxford, 
I*i'ofe88or an der medinicinehen Universität zu Oxford und Ehronmitglied zahh'eicher 
gelehrten Gesellnchaften , schrieb (unter vielem Anderen): „On the Extension qf 
EduccUion in the Umversity of Oxford" — „Memoir on the Cholera of Oxford 
1864" — yj Drainage of the Upper Thanies Vally" — „Report on Fever in 
Gread Honcood" — ^^Medicine in modern times" etc. B,eA 

/Acosta, Christobal A., portugiesischer Chirurg und Botaniker, zu Ende 
des 15. Jahrhunderts zu Mozambique geboren, ging, ohne eine classische Bildung 
in seiner Jugend erhalten zu haben, als Sehiffswundarzt nach Ooa, fand daselbst 
Geschmack an der Aufsuchung der Arzneipflanzen Indiens, sammelte eine Menge 
derselben und ging darauf, nachdem er aus den Hnnden von Seeräubern durch 
den Vicekönig von Goa befreit worden war, nach Europa, übte die Chirurgie in 
Burgos aus und besehloss sein Leben 1580 in einem Kloster. Es erschien von 
ihm: „Tractado de las drogas y niedictnas de las Indios orientcdes, con sus 
plantas debicscadas al vivo" (Burgos 1578, 4.), von Cabol. Clusiüs übersetzt 
als: „Aromatuin et viedicamentrum in Indica orientali nascentium liber." Antv. 
1582 [1593], französisch von Antoine Colin, Lyon 1619, italienisch Venedig 
1585. Nach Sprbngsl handelt es sich darin um eine fast wörtliche Uebersetzung 
des Garcias de Orto; die Abbildungen sind äusserst schlecht. 

Sprengel in Er seh und Grnber, Encyclopädie I, pag. 335. — Pritzel, pag. 1. 

G. 

Acrdl, 01 of A., Ober-Chirurg am Seraphimer-Lazareth in Stockholm und 
General-Director der öfifentlichen Krankenhäuser in Schweden , war geboren den 
26. November 1717. Nach vollendeten Studien in Upsala und Stockholm, be- 
suchte er, lebhaft für Chirurgie interessirt, Strassburg und Paris 1772 — 1743. 
Im Jahre 1743 trat er als Ober-Chirurg in französischen Dienst, kehrte aber, 
nachdem die Festung Lanterburg von den Deutschen eingenommen wurde, 1744 
nach Stockholm zurück, wo er bald eine ausgedehnte Praxis erhielt. Gleich nach 
der Stiftung des Seraphimer-Lazarethes in Stockholm 1752 wurde er Ober-Chirurg 
und leitete allein die chirurgische Abtheilung bis 1772. Erst im Jahre 1800 zog 
er sich von dieser Stelle ganz zurück. Zum Professor ernannt 1755, hielt er in 
Stockholm Vorlesungen über Chirurgie und empfing die Doctorwürde in Upsala 
1760. General-Director sämmtlicher Krankenhäuser im Reiche 1776, wurde er 
1780 geadelt und starb am 28. Mai 1806. — Acrel genoss allgemeines Ver- 
trauen sowohl bei dem Hofe, wie unter dem Volke. Er hat sich grosse Ver- 
dienste um die Entwickelung der Chirurgie in Schweden erworben, und erst durch 
sein Talent wurde die Chirurgie hier als Wissenschaft und ebenbürtig mit der 
Medicin anerkannt. Acrel war auch unter den Ersten , die sich mit der operativen 
Augenheilkunde in Schweden beschäftigten. Durch die Ausbildung tüchtiger Schüler 
hat er einen grossen Einfluss auf die schwedische Heilkunst ausgeübt. Auch die 
schwedischen Krankenanstalten sind durch seine Bemühungen in vielen Beziehungen 
verbessert worden. Unter seinen Schriften sind zu bemerken : „ Utförlig Förklaring 
nm friska särs egensknper" (von den Eigenschaften der Wunden), (Stockholm 1745), 
— yyKinirgiska Hand eiser, anmärkte och samlade vti K. Lnzarethet och an- 
norstädes" (chirurgische Vorfälle), (Stockholm 1759, in's Holländische tibersetzt von 
Sandifort 1771 und Deutsch von Z. Vogel 1772. Zweite Auflage, herausgegeben 
in Stockholm 1775J, — y^Historia Tumorum variorum circa car^funi et in vola 
mamts obvenientiinn etc" (in Comment. Soc. reg. Scient. Goetting. 1779). — 
In den Abhandlungen der schwedischen Akademie der Wiflsenschaften finden sich 
von Acrel zahlreiche Aufsätze chirurgischen und ophthalmologischen Inhaltes. 

»Saoklen, Sveriges Läkiie-Historia. I, pag. 87<S. O. Hj lt. 



ACREL. — ACTUARIUS. 51 

Acrel, Johann Gustav A., Arzt und Universitätslehrer, geboren in Stock- 
holm 1741, wurde zum Doctor 1765 in Upsala proniovirt, studirte auch in 
Stockholm unter der Leitung seines Onkels, des vorgenannten Chirurgen Olgf A. 
in Kopenhagen und Paris. Er erhielt die Professur der praktischen Medicin an 
der Universität Upsala 1788, war ein sehr geschickter Praktiker, ausgezeichnet 
durch Gelehrsamkeit, stilistische Begabung und Scharfsiun, und starb 1801. Unter 
seinen Schriften ist ausser verschiedenen Abhandlungen in den Verhandlungen der 
sehwedischen Wissenschaftsakademie und in den Nova acta Reg. societ. ßcient. 
Ups. und einer Menge akademischer Dissertationen hervorzuheben: „Ojh läkare- 
retenskapens grancUäggning och tillväxt vid riketa äldsta läroaäit i Upsala^. 
^Stockholm 1796.) Hedeuias. 

^Acronins, Johannes A. Trisius, (so genannt nach seiner Vatei*stadt 
Akkrum in Westfriesland, auch AtuOCIANOS), Arzt und Mathematiker, geboren 1520, 
studirte seit 1542 in Basel und war seit 1547 daselbst Professor der Mathematik 
utid seit 1549 Professor der Logik. Am 2. Mai 1864 wurde er Dr. med. und 
starb am 18. (28.) October desselben Jahres an der Pest. Seine schi'iftstellerische 
Thätigkeit war sehr vielseitig: lateinische Poesien, humanistische Arbeiten, mathe- 
matisch-astronomische Werke: „De motu terrae, de sphaera, de astrolabiis et 
annuli aMronamici confectione^ und ein wohl nicht gedrucktes „Prognostica 
attronomica^ . Wenn die Geburtszahl 1520 richtig ist, so kann die in Joobdan's 
Biographie m6dicale angegebene Schrift „Scholia in Aemütam Macrum (Flori- 
dum)" (Basil 1527, Fribury. Brisg. 1530), natürlich nicht von diesem ACROXICUS 
lienührea. 

Yergl, Choulant, Bücherkunde für die liltere Medicin, pag. 132. 

W. Stricker. 

Acton, William A. , starb am 7. December 1875 in London im 

62. Jahi-e seines Alters an Herzverfettung. Er war Ende der Dreissiger-Jahre 

Externe im Hopital des Vönöriens in Paris unter RicObd , dessen Lehren Acton, 

jedoch neben einiger Selbstständigkeit, zuerst seinen Landsleuten Ubennittelte. 

Unter seinen Schriften sind hervorzuheben : „ A camplete practical treatise an 

venereal diseases, and their tmmediate and remote consequences. Including obser- 

rations an certain affections of the Uterus, attended wäh discharges," (London 

1841, 8«, pag. XXXII, 410.) Dazu ein Atlas mit 7 Taf. in Fol. (Dasselbe auch 

New- York 1848, 8®, pag. 333 und 7 Taf.) „A practical treatise on the diseases 

of the urinary and generative organs," (Third edition. London 1860, 8°, 

pag. 519.) „The functions and disorders of the reproductioe organs. From 

last London edition."^ (Philadelphia 1865, 8^, pag. 254.) 

J. K. Proksch. 



/ 



Actnarius, Joannes A., Arzt und Philosoph in Byzanz im 13. Jahr- 
hundert, von seinen Zeitgenossen durch den Beinamen (70<p(oTaTo; ausgezeichnet. 
(Es ist bekannt, dass Actuarius kein Name, sondern ein Titel im Beamtenthimi 
der byzantinischen Kaiser war, der jedoch richtiger mit ,,Hof- oder Medieinalrath^' 
als mit „Leibarzt^ schlechthin übersetzt wird.) Des Joannes A. Schriften (die theils 
dem von Kaiser Andronicus dem Aelteren zum Fürsten ernannten Apoconchos, theils 
dem Expatriarchen Joseph, 1282 und 1283 gewidmet worden sindj lauten: r^De 
spirttu anwiali — de diagnosi — de urinis^. In der zweitgenannteu spielt er 
auf eine von ihm geschriebene. Abhandlung über die Behandlung der Krankheiten an. 
(Com. H. Mattisio interpr. Venedig 1554 und 1567.) Die bedeutendste der 
Schriften ist die (Ambrosio Leone Nolan interpr, Venedig 1519, Basel 1520 
und 1529, Paris 1522 und 1548 — von Goopyl, Utrecht 1670) herausgegebene 
Abhandlung yyDe urini%^ , welche scharfsinnige minutiöse Beobachtungen enthält, 
80 z, B. die Entstehung des schwarzen Urins (Hämoglobinurie) auf Erkältun 
znrüekfilhrt und Aehnliches. Auagnostakia. - Red. 

4* 






52 AD AIR. — AD AMI. 

Adair, James M a k k i 1 1 i k A. , um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 
aus Sehottland gebürtig, war Mitglied des Medical College in Edinbm*gh, dann eine 
Zeit lang auf den Antigoa-Inseln praktisch thätig und siedelte sich , von dort 
zurückgekehrt, in Bath an, wo er 1802 starb. Von seinen „Medical cavtions*^ 
(Bath 1787) imd „Essays on diet and regimen^ (ebenda) wurde ein Theil von 
C. F. Michaelis verdeutscht (Leipzig und Zittau 1788 — 1791). Ausserdem ent- 
stammen seiner Feder philosophisch-medicinische und auf das medicinische Studium 
bezügliche Skizzen, sowie biographische Anekdoten, Abenteuer etc. etc. 

Dict. hist., I, pag. 145. 

William A. lebte etwas später als der vorige und war Surgeon general 
der Garnison zu Gibraltar. Von ihm sind mehrere chirurgische Fälle beschrieben, 
so ein geheilter Fall von „Trennung der Arteria brachialis*^ , ein Fall von „Anvs 
tmperforatus^ , Auch veröffentlichte er in Simmon's Med. facts and observ. (1793), 
wo sich diese Arbeiten befinden , „An account on the effeds of oil of turpen- 
thine m a case of internal haemorrhage*^ . 

Callisen, I, pag. 31. 

(Letztere Quelle kennt noch einen Jacob Babtbr Makkittik A. und 
John A. , welchem letzteren — statt James Makkittik — der „Essay on diet 
and regimen etc. etc.*" zugeschrieben' wird.) ^^^ 

Adam. Unter den zahlreichen Aerzten dieses Namens, welche bei Callisex, 
sowie in den englischen Aerzteverzeichnissen jüngerer Jahre sich aufgezählt finden, 
ragen folgende durch bleibende Leistungen hervor. — John James A. , gegen 
Ende des vorigen Jahrhunderts in Schottland geboren, wirkte seit 1823 in Calcutta, 
nachdem er vorher über Variola und Vaccine (Dissert. Edinburgh 1814) disserii-t 
und einige casuistische Mittheilungen (Aneurysma, Herzklappenfehler im Edinb. 
med. and surg. Joum.) publicirt hatte. Früchte seiner Ei-fahrungen in Indien waren : 
,jOn the Exhibition of phosphorvs in cholera morbus", „Note of oil found in 
the human blood", „A report on the use of croton^ (sämmtlich in Transact. of 
the med. and phj'S. soc. of Calcutta. Vol. I). Später erschien in denselben Ver- 
handlungen noch von ihm eine Arbeit über „ Tinctura Dhaturae^ und Casuistisches. 

— *MercerA., 1829 geboren, 1853 in Edinburgh promovirt, lebt in Lincolnshire 
und hat sich um das Bekanntwerden deutschen medicinischen Wesens und deutscher 
Wissenschaft in seinem Vaterlande verdient gemacht. Neben „Flowers from Father- 
land (1870) und „Contributions to teratology" (Edinburgh 1854) wirkte er beson- 
ders in dieser Richtung und ist als Uebersetzer von Vikchow's Nachruf an Johannes 
Müller (1859) — der „Medical notes from the continent" (ebenda 1850 — 1860) 

— und der „Hospitals of Vienna" (ebenda 1861) zu nennen. j^^^ 

Adamantias ('A8a»j.avTto^) , der Jatrosophist aus Alexandrien, lebte im 
4. Jahrhundert nach Chr. Von ihm ist ausser Fragmenten einer Schrift über Zahn- 
heilkunde (bei Aetius, teti". II, s. IV, c. 27 und 31), über die Winde (bei Aetiüs, 
tetr. I, s. Ill, c. 163 und in V. Rose, „Anecdota graeca et graeco-latina" l, 1 ff.) 
und einigen Recepten bei Oribasios, nur sein Werk „^iKTtoyvwjjLixa" in 2 Büchern 
auf uns gekommen, gedruckt in den Scriptores physiognom. vett. ed. Fr. Franz, 
Altenburg 1780. Es ist nach V. Rose ein Auszug aus dem gleichnamigen Werke 
des Rhetors Polemb unter Hadrian, das uns nicht erhalten ist. Helmreich 

Adami, Paul A., Arzt und Professor der Thierheilkunde zu Wien, am 
9. Juli 1739 zu Trentschin in Ungarn geboren, war 1767 Contagions-Physicus in 
Kroatien und wurde 1775 Professor der Thierheilkunde zu Wien, -wo er .später 
im Ruhestande lebte und am 21. September 1795 starb. Seine Schriften sind: 
„Specimen hydrographiae Hungariae, »istens aqua^ communes, thermas et 
acidulas Comüatus Trencsiniensis , physice, chemice et medice escaminaias^ 
(Vindobonae 1780). — „Beiträge zur Qeschichte der Viehseuche in den k, fc. 
ErUanden'' (Wien 1782). — „Bibliotheca loimica"" (Vindobonae 1784). 

Bermann, pag. 44. G. 



ADAMKIEWICZ. — ADAMS. 53 

'*' Adamkiewioz , Albert A. , geboren zu Zerkow, Provinz Posen am 
11. August 185Q. Studirte in Königsberg, Breslau, Würzburg, speciell unter Heiden- 
hain, Westphal und wurde 1872 promovirt. Seit 1873 wirkte er als Assistent 
am physiologischen Institut zu Königsberg, als Assistenzarzt der inneren Klinik zu 
Königsberg und Oberarzt an der Charit^ zu Berlin und wurde 1878 ordentlicher 
Professor der Pathologie und Therapie an der Universität Krakau. Unter seineu 
Arbeiten sind hervorzuheben: „2?i6 Blutstillungsmittel bei verletzten Arterien'^ 
(Würzburg 1873. Gekrönte Preisschrift). — ^Die Natur und der Nährwerth des 
Pepton^ (Berlin 1877). — „Die Secretion des Schweisses , eine bilateral-sym- 
metrische Nervenfunction** (Berlin 1878). — „Schicksale des Ammoniak ith 
Körper des gesunden und des diabetesfkranken Menschen*^ (1879). — pDie 
Blutgefässe des menschlichen Rückenmarkes*' (Wiener Akademie der Wissen- 
schaften 1881 — 1882); — von den zahlreichen Journalaufsätzen neuropathologischen 
Inhalts: ^Wirkung des Senfteigreizes auf Anästhie und normale Emj^findung** 
(Berliner klin. Wochenschr. 1881). Ued. 

Adamovicz, Adam Ferdinand A., geboren zu Wilna 1802, gestorben 
daselbst 1881. Bezog in seiner Vaterstadt die Universität 1818, und wurde 1824 
promovirt. Schüler und Assistent von Josep Frank und LüDW. Bojanno wurde 
er nach mehrjährigen wissenschaftlichen Reisen im Jahre 1834 ausserordentlicher 
und 1835 ordentlicher Professor für Epizootiologie und vergleichende Anatomie 
an der medicinisch-chirurgischen Akademie in Wilna. Vom Jahre 1838 lehrte 
er auch medicinische Geschichte und Literatur. Er war Mitglied vieler wissen- 
schaftlichen Vereine, seit 1841 viele Jahre Präsident der Wilnaer ärztlichen 
Gesellschaft. 

Seine zahlreichen Schriften erschienen grösstentheils in polnischer, einige 

in lateinischer, deutscher, französischer und russischer Sprache. Die mediciuischen 

behandeln Gegenstände aus der Thierheilkunde, Geschichte der Anatomie in John's 

Biographien, Kritiken, Balneologie, gerichtliche Medicin, Epidemiologie, praktische 

Medicin allgemeine Pathologie und Therapie, Paläontologie. Die meisten davon sind 

in periodischen Fachblättern zerstreut. Die deutschen finden sich im Magazin für 

die ges. Thierheilkunde (Berün 1836, 1839, 1840); Zeitschrift für Thierheilkunde 

(Marburg 1831); Medicinische Zeitung (Russland, Petersburg 1855 — 1856); Bericht 

der Königsberger Versammlung der Aerzte und Naturforscher (1860). 

Oettinger. 

Adams, Archibald A. ; von ihm ist uns bekannt, dass er eine Schrift: 
„De secretionibus** zu Leyden 1705 erscheinen Hess. Magnus. 

Adams, Georg A., war zwar kein studirter Mediciner, doch hat er ver- 
schiedene physiologisch-histologische Arbeiten publicirt. Er wurde im Jahre 1750 zu 
London als Sohn eines sehr berühmten Optikers geboreu und sein Tod erfolgte am 
14. August 1795. Er hatte sich ausschliesslich der Optik und Mechanik gewidmet 
und einen hervorragenden Ruf als Verfertiger von Brillen und Mikroskopen erworben ; 
zn dem englischen Hof scheint er in sehr nahen Beziehungen gestanden zu haben. 
Von geinen verschiedenen literarischen Arbeiten seien hervorgehoben: „Histwi/ an 
dsian, explaining the fabric of the eye und nature of vision** (London 1789), 
erschien deutsch übersetzt von Kries (Gotha 1794 und in 2. Aufl. 1800). — 
ff Essays an the Microscope** (London 1787). Ein Verzeichniss seiner Arbeiten 
findet sich bei ReüSS: „Das gelehrte England** (Berlin und Stettin 1804, Bd. II, 
pag. o;^. Magnus. 

AdamSi» William A., ein englischer Arzt, der sich besonders durch seine 
Arbeiten fiber Blasensteine bekannt gemacht hat. Er versuchte es. Blasensteine 
auf medieamentösem Wege zu beseitigen. Von ihm rührt her: „Visguisition an 
the stone and gravel and other diseases of the bladder** (London 1773). 



54 ADAMS. 

Adams, Josep A. , wurde geborea 1756 und starb 1818 am 20. Juni 
zu London. Er prakticirte einige Zeit in Madeira und hat auch pin medicinisches 
Werk über das Klima Madeira's veröffentlicht unter dem Titel: „A short account 
of the clima of Madeira, with instructioTia to those who refort thüher for the 
recovery of their healte" (London 1801). Im Jahre 1805 wurde er Chefarzt des 
Hospitals für Pockenkranke in London und behielt diese Stelle bis zu seinem Tode. 
Durch die Schrift „A populär tn'ew of vaccination" (London 1807), wie durch 
mehrere gleichsinnige hat er sich um die Popularisirung der Impfung verdient 
gemacht. Ferner rtihren von ihm her: „Observatioiis on morbid poisons, phage- 
daena and Cancer^ (London 1795, deutsch Breslau 1796). Eine Zeit lang war 
er auch Herausgeber des „Lond. med. and surg. Joum." 

Ein vollständiges Verzeichniss seiner zahlreichen kleineren Schriften bei Renss. 

Magnus. 

Adams, Sir William A., wurde im Jahre 1760 in Cornwallis geborea 

und widmete sich, zuerst als Lehrling eines Arztes in Banistaple, der Medicin. 

Nach Absolvining seiner Lehrlingszeit begab er sich nach London, wo er ein 

Schtiler von Saunders wurde, unter dessen Leitung er hauptsächlich sich dem 

Studium der Augenheilkunde zuwendete. Das reiche Material von Mogrfikld's 

Eye Hospital, welches dazumal unter der Direction von Saunders stand, bot ihm 

vollauf Gelegenheit, sich in der Augenheilkunde zu befestigen. 1809 verlie^s er 

London, um zuerst in Exeter und dann in Bath eine Augenklinik zu gründen. 

Die allgemeine Aufmerksamkeit erregte Adams, als von Seiten der englischen 

Regierung gegen die damals in der Armee arg hausende egyptische Augenkrankheit 

eine bessere Behandlung gefordert wurde und Adams diese Aufforderung mit einer 

Bearbeitung der egyptischen Augenkrankheit beantwortete. Doch brachte ihn diese 

Arbeit mit seinem Lehrer Saunders in Streit, welcher Prioritätsansprüche gegen 

Adams geltend zu machen versuchte; allein diese Polemik scheint im Wesentlichen 

zu Gunsten von Adams ausgefallen zu sein, wenigstens wurde Adams auf Grund 

seiner Arbeit ausserordentlicher Hofoculist des Prinzregenten und späteren Königs 

Georg IV, sowie Oculist des Bruders des Königs, des Herzogs von Sussex. Auch 

ging die Regienmg in der Wiörthschätzung von Adams so weit, dass sie ihn zum 

Ritter schlagen Hess und dass sie für denselben einen neuen Posten, nämlich den 

eines Augenarztes der Armee- und Flotteninvaliden schuf. Allein diese Ernennung 

erregte unter den Militärärzten eine solche Missbilligxing, dass sich die Regierung 

genöthigt sah, dieselbe rückgängig zu machen; später entschädigte sie Adams für 

den Verlust dieser Stelle durch eine Zahlung von 4000 Pfd. Später Hess sich Adams 

in Albemarle nieder, wo er sich einer sehr auBgedehnten ocnlistischen Praxis erfreute 

und im Februar 1820 starb. In den letzten Jahren seines Lebens machte er eine 

gTos.«e Erbschaft; doch war mit der Annahme derselben die Bedingung eines 

Namenswechsels verknüpft und so nannte sich Adams seit dieser Zeit : Sir Williams 

Rawson. Dieser Namenswechsel hat zu mannigfachen Irrthümem und falschen 

biographischen Mittheilungen Veranlassung gegeben. Neben seiner ausgedehnten 

praktischen Thfttigkeit entwickelte Adams auch eine sehr rege wissenschaftliche 

Leistungsfähigkeit und erschienen neben einer Reihe verschiedener Joumalartikel 

auch einzelne Monographien von ihm, so z. B. über Ektropion, Staaroperation u. s. w. 

Ein Verzeichniss seiner Arbeiten findet man bei Callisen, sowie bei Rose. 

Magnus. 

Adams, Robert A., berühmter Chirurg in Dublin, war um 1791 ge- 
boren, besuchte von 1810 an die Universität in Dublin, wurde daselbst 1814 
Baccalaureus , 1832 Magister artinm und 1842 Medicinae Doctor. In demselben 
Jahre, wo er die Universität bezog, trat er als Lehrling bei Wm. Hartioak, 
dem damals bedeutendsten Chirurgen in Dublin ein und nach dessen 1813 
erfolgtem Tode bei Stewart, dem Generalchirurgen der Armee in Irland. 1815 
wurde er Licentiat und 1818 Mitglied des Irish College of Surgeons. Einige 
Zeit vorher hatte er, in Verbindung mit KiRBY und Read, die Peter-street School 



ADAMS. 55 

of Medicine gegründet. Er trennte sich jedoch von derselben und errichtete in 
Gemeinschaft mit Carmichasl und Mc Dowell eine solche Schule in Verbindung 
mit dem Richmond-Hospital , die jetzt unter dem Namen der Carmichael-School of 
Medicine and Surgery bekannt ist. Hier lehrte Adams viele Jahre und schrieb 
nährend dieser Zeit die vortrefflichen Artikel über die abnormen Zustände der 
einzelnen Gelenke för TODD*s Cyclopaedia of Anatomy and physiology und tlber 
die Krankheiten des Herzens in den Dublin Hospital Reports. Später ver- 
öffentlichte er sein klassisches Werk über Arthritis deformans unter dem Titel 
^Treatise on rheumatic gout , or chronic rheumatic arthrttisj of all joints^ 
/'London 1857, 2. Aufl. 1873). Ueberhaupt hat er sich um die Pathologie dieser 
Krankheit grosse Verdienste erworben ; er selbst war seit vielen Jahren vor seinem 
Tode von derselben befallen. — 1861, nach dem Tode von Cüsack, wurde er 
„Surgeon in Ordinary" der Königin für Irland und „Begius Professor" der Chirurgie 
an der ünivereität zu Dublin. 

Lancet. 1815, I, pag. 145. G. 

Adams, Francis A., Arzt zu Banchory-Ternan , einem Dorfe in 
Kinkardineshire , Schottland, war um 1794 in der Parochie Lumphanan, on 
Deeside geboren. Seine später so sehr entwickelte Neigung zu klaftsischen Studien 
begann, wie er selbst erzählt, in seinem 15. Jahre. Dr. Kerr in Aberdeen lenkte 
Adams' Aufmerksamkeit auf die griechische medicinische Literatur. Gleichzeitig 
fUhrte er das angestrengte Leben eines Landarztes mit ausgedehnter Praxis. Die 
Zahl seiner Arbeiten ist beträchtlich, wir heben aus denselben jedoch nur die- 
jenigen hervor, welche sich auf Medicin beziehen. Dieselben sind: „On the 
administration of Hellebore among the ancients^ — „On the nervous System 
of Galen and other ancient authors" (1829), worin die Originalität von Sir Charles 
Bell*S Doctrinen angegi'iffen wurde. — y^On the toxicological doctrines of the 
andents" — „On the treatment of malignant ulcers of the face" — „Notices 
of the Greek, Latin and Arabic medical aiUhors" für Barker's Ausgabe von 
Lemfriere. Eines seiner vorzüglichsten Werke aber ist seine Uebersetzung von 
^Paulus Aegineta. 1834", mit der er sich sofort in die erste Reihe der gelehrten 
Aerzte stellte. Das Werk wurde 1845 — 47 in drei Bänden von der Sydenham 
Society herausgegeben. — Nächst einigen kleineren Arbeiten : ,, Oase oj dislocation 
of the Jcnee-jointj mith dissection ", einer Reihe von Aufsätzen über „ Uterine 
haemorrhaye" , „Case of a wonian bitten by an adder etc."^ publicirte er 1849 
eine Uebersetzung der Werke de« Hippokrates in 2 Voll., sein Hauptwerk, 
das ausser der Uebersetzung des Textes und Anmerkungen eine Einleitung enthält, 
die sich mit dem Uraprunge der griechischen Medicin beschäftigt. Unterstützt von 
Dr. Greenhill gab er noch „Theojjhilvs, de fabrica corporis" (Oxon 1842) heraus. 

Medical Times and Gaz. 1861, I, pag. 292. (r. 

Adams, John A. , Chirurg am London Hospital zu London, wurde 
1806 geboren, begann bei dem letzteren Hospital seine Studien, war ein „Lehr- 
ling" von J. G. Andrews, wurde 1828 einer der Demonstratoren der Anatomie 
an der mit jenem Hospital verbundenen Schule und einer seiner Assistant-Surgeons. 
Er machte sich bald durch seinen Erfolg als praktischer Arzt bekannt. Wenn er 
auch kein glänzender und unternehmender Operateur war, so zeichnete er sich 
doch durch die Mühe und Aufmerksamkeit, die er seinen Patienten widmete, und 
die Erfolge, die er bei ihnen erzielte, aus. Nachdem er mehrere Jahre als 
Demonstrator gelehrt hatte, wurde er neben Luke Docent der Anatomie und 
Physiologie und nahm einige Jahre später diesen Lehrstuhl allein ein. Er hat 
wenig geschrieben, darunter „ The anatomy and diseases of the prostate gland" 
(London 1851 ; 2. ed. 1853). — Gemäss den Vorschriften der Anstalt, dass Niemand 
läBger als 20 Jahre das Amt als Füll Physician oder Surgeon innehaben dürfe, bei 
gleichzeitig geschwächter Gesundheit, nahm er seinen Abschied und starb 1877. 

Medical Times and Gaz. 1877, I, pag. Iö7. ö. 



5t) ADAMS. — ADDISON. 

Adams, Samuel A., amerikanischer Arzt, der sich während des Unab* 
hängigkeitskrieges hervorthat, 1751 — 1788; Schüler JOSKF Wabren's. 
T h a c h e r. 

* Adams, William A., Ende der Zwanziger-Jahre dieses Jahrhunderts 
geboren, consultirender Chirurg an einigen bedeutenden Hospitälern Londons und 
früher als Lector und Demonstrator am Thomas - Hospital und anderen Lehr- 
anstalten daselbst thätig, hat eine Reihe in sein Fach einschlagender Arbeiten seit 
1855 veröffentlicht Hervorzuheben sind: „A courae of lecturea on orthapaedic 
surgery^ (Med. Times and Gaz. 1855 — 58); — j,A sketcli ofthe principles and 
practice of subcutaneotis surgery^ (1857); mehrere Aufsätze, betreffend die 
Heilung des Pes valgus durch diese Methode, andere über Verkrümmungen der 
Wirbelsäule , Hüftgelenkskrankheiten , Fingerverkrümmung , Patellarfracturen etc. 
Ein grosser Theil dieser Beiträge findet sich in den Verhandlungen der Pathological 
and Med.-chir. society.j B.B&. 

'^Adamück, Ernst A., wurde in Bielsk, Gouvernement Grodno am 11. 
(23. Juli 1839 geboren. A. beendigte seine Studien in Eahan und wurde 1866 
promovirt; Er erhielt 1871 daselbst die Professur für Ophthalmologie sowie die 
Stellung als Director der ophthalmologischen Hospitalabtheilung und publicirte 
folgende Arbeiten: „Veber introcularen Druck" (Dissert. 1866; — Auszüge im 
gleichen Jahrg. des Centralbl. für die med. Wiss.), — „Ophthalmologische Beoh- 
achtungen" (Russisch, — 5 Hefte),' — „Lehrbuch der Augenheilkunde" (Der 
erate Band vollendet, der zweite im Druck), — sowie eine Reihe von Aufsätzen in 
verschiedenen Schriften für Augenheilkunde. ßej 

Addenbrooke, John A., Arzt zu Cambridge, war aus Swinford-Regis iu 
Staffordshire gebürtig, erhielt seine Erziehung in Cambridge und promovirte 1712 
zu Cambridge. Er scheint einige Jahre daselbst prakticirt zu haben und ist der 
Gründer des noch heute daselbst unter dem Namen Addenbrooke's Hospital 
bestehenden Krankenhauses, zu dessen Errichtung und Erhaltung er bei seinem im 
39. Lebensjahre am 7. Juni 1719 erfolgten Tode die Summe von 4000 Pfund 
letztwillig hinterliess. Da sich diese Summe als %ur Erhaltung des Hospitals unzu- 
reichend erwies, wurde dasselbe durch Parlamentsacte 1766 zu einem allgenieinea 
Hospital erklärt. 

Munk, II, pag. 14. G. 

Addlngton, Antonius A., etwa um 1720 geboren, wurde zum Doctor 
der Medicin in Oxford 1744 promovirt. Seine Berühmtheit stützt sich in erster 
Reihe auf den Ruhm seines Sohnes, des Minister Henri Addington (Vicomte 
Sidmouth), dann auf eine lange imd höchst einträgliche Praxis (die Biogr. med. 
spricht von einer „Fortune immense") in Reading, Berkshire, — und erst in dritter 
Reihe auf seine Schriften. Denn neben einem Essay über die Sterblichkeit unter 
den Schafen (London 1760) ist ein „Essay on the sea scurvy^ (London 1753), 
verbunden mit einer Methode, süsses Wasser während langer Seefahrten — durch 
Zusatz von Salzsäure — frisch zu erhalten, sein Hauptwerk. — John A., Hess 
1801 zu Birmingham, wo er lebte, „Practical observatiofis on the inoculation of 
the cow-pox: to which is prefixed a compendious history of that disease and 
of its introduction as a prevention of sviall pox" in zweiter Auflage erscheinen. 

Index Catalogue. Red. 

Addison, Thomas A., Arzt in London, war zu Long Benton bei 
Newcastle-on-Tyne , wo sein Vater ein kleiner Kaufmann war, im April 1793 
geboren. Er erhielt eine gute Erziehung in der Schule der letztgenannten Stadt, 
machte in Edinburg seine medicinischen Studien und i^urde daselbst am 1. August 
1815 mit der Dissertation „de Syphilide'* Doctor. Er kam darauf nach London, 
wurde Hausarzt im Lock Hospital und Schüler von Bacman am Public Dispensary, 



ADDISON. — ADELMANN. 57 

woselbst er den Grund zi^ seiner genauen Kenntniss der Hautkrankheiten legte. Um 
das Jahr 1820 trat er als Schiller in das Guy's Hospital ein, um mit demselben 
als Arzt und Lehrer 37 Jahre lang in Verbindung zu stehen und auf dessen 
medicinisehe Abtheilungen den wesentlichsten Einfluss auszuüben. Er wurde 1824 
Assistant Physician, 1827 Lehrer der Materia medica und publicirte zusammen 
mit John Morgan: „An essay on the Operation of poisonous agenta upon the 
Iwing hody^ (London 1829) und „Observationa on the dUorders of females 
connected vnth tUerine irrüation.^ 1837 wurde er Full-Physician des Hospitals 
und theilte sich mit Bright in die Vorlesungen über praktische Medicin. Von 
Beiden herausgegeben erschienen „The elenients of the lyractice of medicine^ 
(Yol. L Lond. 1839), jedoch ist es wahrscheinlich, dass in diesem ersten und einzigen 
Bande der grösste Theil, wenn nicht Alles, aus Addison's Feder stammt. Einen 
Weltruf aber erlangte er durch die Entdeckung der nach ihm Morbus vel Melasma 
Addisonii benannten Erkrankung der Nebennieren, von der er eine meisterhafte 
Beschreibung in der Schrift: „On the constüutional and local effects of diaease 
of the aupra-renal capaules tdth platea" (London 1855, 4.) gab. Nicht minder 
hochgeschätzt sind seine Arbeiten über die Anatomie und Pathologie der Lud gen, 
Pneumonie, pneumonischen Phthisis und Phthisis, die in den Guy's Hospital Reports 
pnblicirt wurden und, zusammen mit einigen anderen Arbeiten, nach seinem Tode 
g^ammelt als „A collectimi of the publiahed writinga, of the late Thomas 
Addiaon, M. D, Phyaician to Guy^a Hoapital^ (London 1868) in einem Baude 
Ton der New Sydenham Society herausgegeben wurden. Addison fuhr fort im 
Hospital zu wirken, so lange es ihm seine Gesundheit erlaubte. Er legte dann 
seine Stelle nieder, zog sich nach Brighton zurück und starb daselbst am 
29. Juni 1860 im Alter von 68 Jahren. Das Hospital ehrte sein Andenken durch 
Aufstellimg seiner Büste im pathologischen Museum, durch Benennung eines Kranken- 
Baales in einem neuen Theile des Hospitals nach seinem Namen und durch Anbringung 
einer Marmortafel in der Kapelle. — Addison war besonders ausgezeichnet durch 
die Schärfe seiner Diagnosen, die Genauigkeit seiner Arbeiten und durch die ein- 
drucksvollen Vorträge, welche er hielt. 

Mnnk, III, pag. 205. G. 

Unter den sonstigen Aerzten dieses Namens ist noch hervorzuheben: 

♦Addison, William A., geboren 1834, F. R. L. P. London 1858. 

Consulting Physician Kent lo Ophthalm. Hospital ; ist der Verfasser von : „ Healthy 

and Biaeaaea Structure" — „Cell Therapeuticä." Lebt zur Zeit in Brighton. 

Red. 

AdelmanHy Georg A., Bayerischer Laudgerichtsarzt zu Gerolzhofeu in 
Unterfranker, war am 22. October 1777 zur Würzburg als zweiter Sohn des aus 
Vechta in Oldenburg dort eingewanderten Stadtwundarztes DOMINICÜS Adelmaxn 
geboren ; alle vier Söhne desselben widmeten sich dem ärztlichen Staude. G e o r g A. 
erhielt am 30. Mai 1801 zu Würzburg mit der praes. C. Casp. Slebold ver- 
theidigten Dissertation „De conditione vitae maten'all eju^que in morbis 
dignitate^* den Doctorgrad. Er wurde bald zu Würzburg ein beliebter Arzt una 
benutzte das ihm dort sich darbietende Beobachtungsmaterial zu einer Monographie 
T, Ueber die Krankheiten der Künatler und Handwerker nach den Tabellen des 
Imtituts für kranke Geaellen der Künstler und Handwerker von den Jahren 1786 
JmlSOO'' (Würzburg 1803). Im folgenden Jahre wurde er von der damaligen kur- 
fürstlich bayerischen Landesdirection als Brunnenarzt zu Bocklet angestellt ; jedoch 
trieb ihn sein kritischer Geist später, einen längeren Aufenthalt in Wien zu nehmen, 
wo er ein eifriger und begeisterter Schüler von Peter Frank und demselben 
befreundet wurde. Im Mai 1809 wurde er unter dem Grossherzog Ferdinand von 
Wflrzburg zum Physicus des Landgerichtes Gerolzhofeu und der Aemter Prölsdorf 
und Sehlösselfeld ernannt und später auch für das Amt Sulzheim angestellt, so dass 
sein Amtsbezirk ein sehr ausgedehnter war. Trotz dieser sehr umfassenden und 



58 ADELMANN. 

zeitraubenden praktischen und amtlichen Thätigkeit vermochte er zahlreiche grössere 
und kleinere Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften zu verfassen. So finden sich 
deren in Haeless' N. Jahrb. der deutschen Medicin 1819, 20, 22, 23, 25, ferner 
in Henke's Zeitschrift, 1821, 23, 26 und in Siebold's Journal f. Geburtehilfe. 
Ausserdem in Horn's Archiv, Hufeland's Journal, Hartleben's Polizeifama, 
Caspbr's Wochenschrift und dem Correspondenzblatt bayerischer Aerzte. Im 
Jahre 1853, nach vollendeten 44 Dienstjahren und bereits 76 Jahre alt, nahm et 
Keinen Abschied und zog nach Wiesentheid, wo er bis an seinen nach sechs- 
wöchentlicher Krankheit am 30. März 1865 erfolgten Tod sein Leben verbrachte. — 
Ausgezeichnet begabt, von klassischer Bildung, im Gebrauche der lateinischen 
Sprache sehr gewandt, hielt er sich als Jünger seines grossen Meisters Frank von 
allen Schulansichten frei. Eine Frucht dieses Strebens war eine sehr reichhaltige 
umfängliche Sammlung von Aufzeichnungen eigener und fremder Erfahrungen 
und Bemerkungen, die er von dem Beginn seiner Praxis gemacht und sorgföltig 
geordnet hatte. 

Bayerisches ärztl. Intelligenz-Blatt 1861, pag. /^90. — Callisen, I, pag. 40; 
XXVI, pag. 11. Gurlt. 

Adelmann, Vincenz FereriusA., Geheimer Medicinalrath und Medicinal- 
Director zu Fulda, war am 13. Januar 1780 zu Würzburg als dritter Sohn des 
dortigen Stadtwundarztes Dominicus A. geboren, studirte daselbst Medicin und 
sehloss sich vorzugsweise an die Professoren Brünnünghaüsen und v. Siebold 
Vater und Sohn an.. So wurde er denn auch bei Johann Barthel v. Siebolb 
Assistenzarzt und blieb dies über sechs Jahre lang, bis er auf dessen Empfehlung 
im April 1806 durch den Erbprinzen Friedrich Wilhelm von Oranien-Nassau 
(späteren König Wilhelm l. von Holland) «als Mitglied des fürstlichen Sanitäts- 
und Medicinal-CoUegiams mit dem Charakter eines Professors nach Fulda berufen 
wurde. Als bald nach der Schlacht bei Jena (14. Oetober 1806) das Fürstenthum 
für Frankreich in Besitz genommen wurde, musste A., der in kurzer Zeit durch 
seine persönliche Liebenswürdigkeit und durch seine ausgezeichneten Operationen 
und Curen sich die allgemeine Hochschätzung erworben hatte , auch in den Tagen 
der Fremdherrschaft sich bei dieser in Gunst zu setzen. Mancher tüchtige Arzt 
Kurhessens machte seine ersten erfolgreichen Studien im Wilhelms-Hospital zu 
Fulda unter A.'s Leitung. Auch das sehr vernachlässigte Studium der Geburts- 
hilfe wurde durch A. wieder gehoben und gelang es ihm, durch seinen trefflichen 
Unterricht tüchtige Hebammen für Stadt und Land heranzubilden. Im December 1819 
wiu^de er zum Stadt- und Land-Accoucheur und zum Ober-Medicinalrath ernannt. 
Sein Wirkungskreis war ein für die damalige Zeit sehr ausgedehnter. — Zu Ende 
der Dreissiger-Jahre legte er seine Stelle als dirigirender Oberwundarzt und Geburts- 
helfer des Landkrankenhauses nieder, zog sich auch von der Privatpraxis zurück 
und verblieb nur noch in seinem Amte als Mitglied der Direction des Kranken- 
hauses und als Director der Medicinal-Deputation. Er starb am 20. März 1850. 
Von eigenen Arbeiten sind nur bekannt aus v. Siebold's Samml. chir. Beob. 
Bd. ni, 1812 : „Geheilte Anschwellung eines Haut- und Muskelnerven nach einem 
unterbrochenen Versuche zur Ausrottung derselben^ — ;, Tödtliche Folge einer 
glücklich unternommenen Castration^ — „Glückliche. Heilung eines Gesichts- 
krebses durch den Arsenik" , ferner „Geschichte der Hebammen- Lehranstalt 
zu Fulda" in der von ihm mitherausgegebenen Deutschen Zeitschrift für Geburts- 
kunde (Bd. ni, 1828), endlich eine Abhandlung über ein „Osteosteatom am rechten 
Unterschenkel von merkwürdiger Grösse (amputirt) " in den Jahrbl. d. philos.-med. 
Gesellschaft zu Würzburg, 1828. 

Biichonia, 1880. Nr. 14, 15, 17, 20, 21, 22. — Callisen, l, pag. 42; XXVI. pag. 12. 

Gurlt. 

"^Adelmanu, Heinrich A., emer. Professor der Medicin zu Würzburg, 
ist am 17. August 1807 geboren als Sohn des ältesten Bruders von ViNCBNZ 
Adelmann Ts. diesen), eines Juristen, studirte in Würzburg, promovirte daselbst 



ADELM.^NN. 59 

1830 mit der Dissertation y^De vulneribtis abdonimü'*, wurde 1840 zum Profeaflor 
extraordinarius an gedachter Universitilt ernannt und iHt seit etwa 5 Jahren 
quieseirt. Er erfand ein Instrument zur Function und Aussaugung des Hypopyon, 
besehrieben in der Münchener illustrirten Zeitung 1852. Dasselbe ist zur An- 
wendung bei Pferden empfohlen, während beim Menschen durch die Suction 
des Kammerwassers auch die Iridectomie durch Verminderung des intraoculären 
DrackoB ersetzt werden kann. Adelhann lieferte auch die Abbildungen zu 
Caj. Tsxtor's Grundsätzen zur Lehre der chirurgischen Operationen (1834 
bis 1836) und war Mitarbeiter an V. Ammon*s Werke : „Die angebarenen chirur- 
gischen Krankheiten'^ , endlich hat er eine Extensionsschwebe („ Verbesserte Ex- 
tensiansschuebe ßir Unterschenkelbrüche" ^ mit 1 Taf. , Würzburg 1872) für 
eomplicirte Fracturen des Unterschenkels, einen Correctionsapparat für den Klump- 
fttss nach der Tenotomie und die transparenten ophthalmoskopischen Bilder zum 
Gebrauche bei Vorlesungen erfunden. Gurlt. 

*Adelmanil, Georg Franz Blasius A., kaiserl. russischer wirklicher 
Staatsrath, Professor der Chirurgie und Augenheilkunde an der kaiserl. russischen 
Ufliversität Dorpat bis zum Jahre 1871 , seitdem emeritirt in Berlin lebend, ist 
am 28. Juni 1811 zu Fulda als Sohn von ViNCEXZ Adblmann (s. diesen) geboren, 
erhielt seine Erziehung durch Privat-Unterricht und auf dem Gymnasium in Fulda 
bis 1825 , vollendete seine klassische Bildimg und erwarb sich naturwissenschaftliche 
Kenntnisse auf der damals noch holländischen Universität zu Loewen, wohin ihn 
ein Oheim, der daselbst den Lehrstuhl der Naturwissenschaften innehatte, mit- 
genommen und bei der physiko-mathematischen Facultät hatte immatrlculiren lassen. 
1828 begann er auf der Universität Marburg das Studium der Medicin, setzte 
dasjäelbe von 1831 an in Würzburg unter ScHÖNLKiN, Tkxtor, d'Oütrbpont fort, 
kehrte aber 1832 nach Marburg zurück und wurde daselbst am 22. August zum 
Dr. med. promovirt. Er wurde im Herbst Gehilfsarzt an der von Hkusingee geleiteten 
medicinischen Klinik, Hess sich zu Anfang des Jahres 1835 in Fulda als Arzt 
nieder, kehrte aber nach zwei Jahren, im Frühjahr 1837, nach Marburg 
zurück, um Ullmann*s Assistent an der chirurgischen Klinik zu werden. Er 
wurde am 2. September 1837 I^rivat-Docent, verliess nach zweyähriger Dienst- 
zeit die Assistentenstelle, wurde auf einer zu Pfingsten 1840 unternommenen 
Reise mit CheliüS bekannt, der ihn für den durch Pirogoff's Abgang nach 
Petersburg erledigten Lehrstuhl in Dorpat empfahl. Er übernahm die ihm über- 
tragene Professur im Juli 1841. — Seine literarischen Arbeiten hatten bis dahin, 
auH«er seiner „Diss. de digitae lithrontriiiae'* (1833) und seiner Habilitations- 
schrift yfDe steatomate proprio tumorvm parasitortim gener e** (1837) den schon 
genannten, in Mittheilungen geburtshilflichen Inhalts; „Jahresberichten über die 
Gebäranstalt zu Fulda'' 1831—32, 1834—36; „Mittheilungen über die Aus- 
adtation von Schwangeren'^ in V. Siebold's Journal, Bd. XIII, XIV, und der 
Neuen Zeitschrift für Geburtskunde, Bd. VIII, sowie in einer Reihe von Recensionen, 
Schriften in den gedachten Zeitschriften und in Schmidt's Jahrbüchern , nebst der 
Herausgabe der „Annalen der chirurgischen Abtheilung des Landkrankenhauses 
zu Fulda'' während der Jahre 1835 — 36, 1839 (auch als Bd. I der „Beiträge 
zvr medicinischen und chirurgischen Heilkunde, mit besonderer Berücksichti- 
gung der Hospitalpraxis" bezeichnet), bestanden. Von 1841 an traten dazu 
noch mehrere Artikel in Schmidt's Encyklopädie der gesammten Medicin und dann 
auch in verschiedenen Zeitabschnitten und an verschiedenen Orten publicirt, Berichte 
über seine klinische Thätigkeit in Dorpat. So für 1842—1843 (Dorpat 1843); 
„Aus deni chirurgischen Klinikum der kaiserl. Universität zu Dorpat" (Erlangen 
1845) [auch als Bd. II der oben erwähnten „Beiträge"] ; für das 2. Semester 1844 
(Med. Ztg. Ruflslands 1845); für 1845 bis 1847, (Rigaer Beiträge 1851—1853) 
[anch als Bd. III der gedachten „Beiträge"] ; später noch ein Bericht in GüNSBUKG's 
Zeitschrift 1858. Dazu trat eine Reihe von Publicationen zum Theil medicinischen, 



60 ADELMANN. — ADOLF. 

hauptsächlich aber chirurgischen Inhalts, darunter als besondere Schrift nur ; yj Unter- 
suchungen bei krankhaften Zuständen der Oberkteferhöhle^ (mit 3 Taf. , Dorpat 
1844) und zahlreiche Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften. Ausserdem in russi- 
scher Sprache einige Aufsätze im Militärärztlichen Journal 1858 (Statistik der 
Kniegelenks-Resectionen , ophthalmologische Reise in Belgien im Jahre 1858) und 
mehr als ein Dutzend Recensionen von chirurgisch-ophthalmologischen Schriften. — 
1860 wurde er wirklicher Staatsrath und veröffentlichte bis zu der im Jahre 
1871 erfolgten Niederlegung seiner Professur noch folgende Arbeiten in der 
Petersburger medicinischen Zeitschrift 1865, 1869: „Zur operativen Chirurgie: 
Trennung des Pßugschaarbeines , Pirogoff^s Amputation bei Klunvpfuss^ und 
y^Fall von gelungener Grittü scher Amputation^ ; femer in der Prager Viertel- 
jahrschrift 1867, 1868: f^ lieber Freindkörper im Pharynx und Oesophagus^ 
und „Z)a« Plantar geschwür , eine klinische Studie*^] im Archiv für klinische 
Chirurgie, Bd. X, 1869: „Die gewaltsame Beugung der Extremitäten als 
Stillungsmittel bei arteriellen Blutungen derselben*^ (schon 1867 im russischen 
Militärärztlichen Journal russisch und 1869 im Bulletin de TAcad. roy. de m^dec. 
de Belgique französisch erschienen). Aus der Zeit nach seiner Emeritirung liegen 
noch folgende literarische Arbeiten vor: In der Prager Vierteljahrschrift 1876, 
Bd. III, und 1879, Bd. CXLIV: „Beiträge zur chirurgischen Pathologie und 
Therapie der Ernährungsorgane*^ und „Zur Geschichte und Statistik der theil- 
weisen und vollständigen Schulterbla^tresecfionen^ (auszugsweise schon 1878 
in den Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und in der Deut- 
schen Zeitschrift für praktische Medicin publicirt) ; im Archivio di chirurgia pratico 
di F. Palasciano, Vol. 14, 1877: „Su i medici delV esercito russo"^ ; im 
Tageblatt der 51. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte zu Oassel 
1878: „Ueber endemische Augenkrankheiten der Esten in Livland und ver- 
wandt er Stämme im russischen Reiche^ und mehrere andere. 

Gerland, pag. 241 (bis 1863). Gurlt 

Adelon, N. P. A. , geboren zu Dijon ungefähr um 1780, war zuerst 
Privatlehrer der Physiologie zu Paris, von 1826 daselbst Professor der Heilkunde 
in der medicinischen Facultät (au Royer-Collard's Stelle). Er arbeitete in seiner 
ersten Arbeitsperiode mit Chaüssier über eine grosse Reihe physiologischer Fragen, 
so über das Zwerchfell, über die Herzbewegungen, über die Dura mater, über 
Ereetion und Erectilität, über die excretoriachen Functionen, über Lymphe und 
Lympbsystem, über die Haut und die Perspiration, über den Geschmack und das 
Gefühl, — Aufsätze, welche ausnahmslos im Dictiounaire des sciences medicales, 
und zwar in den Jahrgängen 1814—1821 (T. VIU bis T. LV) desselben veröffent- 
licht wurden. 1823 gab er eine vierbäudige „Physiologie des MenscJien^ heraus, 
die 1824 beendigt wurde und in den damals gelesensten medicinischen Journalen 
ausführliche Beurtheilungen und Besprechungen erfuhr. Schon vorher hatte er neue 
Ausgaben sowohl von Halle r's „Elementa physiologica^ als von MORGAGNi's „De 
sedibuH et causis morhorum^ angekündigt. Erschienen ist jedoch nur (und zwar mit 
Chaüssier gemeinschaftlich bearbeitet) das letztere Werk in achtbändiger Ausgabe 
(Paris 1820—1822). Mit Gall's Bewilligung hatte er 1818 in Paris eine 
„Aiialyse d'un cours du Docteur Gall, oii physiologie et anatomie du cerveau, 
d'apr^s son Systeme^ herausgegeben. Zahlreiche Aufsätze und Artikel in der Gazette 
de France , der Biographie universelle , dem Dictionnaire de medecine legen von 
seiner umfangreichen schriftstellerischen Thätigkeit Zeugniss ab , die erst sein Tod 
im Jahre 1852 abschloss. 

Callisen, I, pag. 4ci. Red. 

Adolf, Johann A. , 1728 am 4. December zu Hirschberg in Schlesien 
geboren, studirte in Jena und Halle, wo er 1759 zum Doctor der Medioin und 
Chirurgie ernannt wurde. Zuerst Professor zu Helmstädt, lehrte er später von 1763 bis 
1771 an der Universität Altdorf Anatomie und Chirurgie. Starb im 47. Lebensjahre 



ADOLF. — ADRIANI. 61 

und war Verfasser mehrerer anatomischer Abhandlungen und einer „Dissertation 
de morbis catarrhalibiis^ . 

Baader. F. Seitz. 

Adolphi, Christian Michael A. , geboren am 14. August 1676, 
gestorben am 3. (13.) October 1753 in Leipzig. Sohn eines reichen Kaufmanns 
zu Uirschberg in der Niederlausitz , besuchte er das Breslauer Gymnasium, welches 
er schon mit 16 Jahren absolvirte. P]r begab sich nun (1692) nach Leipzig, wo 
er zuerst Philosophie, dann Medicin studirte. Nach einer langen wissenschaftlichen 
Reise durch Deutschland, die Schweiz, Holland, Frankreich, (wo er 8 Monate in 
Paris verweilte), und England begab er sich nach Utrecht, wo er 1702 promovirte. 
Nach kurzem Aufenthalt in seiner Vaterstadt begab er sich 1703 nach Leipzig, 
wo er den Rest seines Lebens verbrachte. 1706 wurde er Mitglied des Frauen- 
Collegiums, 1713 wurde er als Aetius IL in die kaiserl. Akademie der Natur- 
forseher aufgenommen und trat 1722 in die medicinische Facultät ein. 

Ausser zahlreichen Beiträgen zu den Bänden I, II und X der Acten 
der genannten Akademie und zu den Breslauer Sammlungen hat A. 28 kleine 
akademische, vorzugsweise die medicinische Geographie , Balneologie und Hygiene 
behandelnde Schriften verfasst, welche, nach den Materien geordnet, in acht Fas- 
cikeln gesammelt (Lips. 1725 — 1747, 4.) erschienen sind (s. das Verzeichniss der- 
selben, Commentar Lips. HI, pag. 170). Adolphi war einer der ersten deutschen 
Aerzte, welcher der medicinischen Topographie Aufmerksamkeit geschenkt hatte; er 
schrieb über: „Die Krankheiten in Schlesien^, Leipzig und über: „Heilsamkeit 
der Bergluft". 

BiogT. med. I. W. Stricker. 

/j^dria, Jean-Jacques A., der berühmte Leibarzt Karl's V. und nicht 
weniger hervorragende Historiograph erblickte in Mazaria, Sicilien, kurz vor Beginn 
des 16. Jahrhunderts das Licht der Welt. Rhetorik, Medicin und Philosophie 
waren die Hauptgegenstände seiner Ausbildung, die er vorwiegend in Neapel unter 
AüGüSTiN Njfü erlangte. 1520 in Palermo promovirt, wählte er diese Stadt zu 
seiner Niederlassung und erwarb sich das Bürgerrecht der Stadt — eine seinerzeit 
nicht häufige Auszeichnung — nach kurzer Ausübung einer von grossem Erfolge 
gekrönten Praxis. Auf der Höhe seines Wirkens von Karl V. zum Leibarzt und 
zum „Ersten Arzt des Königreiches Sicilien" ernannt, schriftstellerte er fleissig, 
ohne jedoch die Veröffentlichung seiner Werke zu betreiben, so dass dieselben 
als Manuscripte in der Bibliothek von Palermo verblieben. Als hierher gehörig 
werden genannt: „De phlebotomia, ad Carolum imperatorem*^ — „De praeser- 
vatione pestilentiae, ad Antonium filium" — „De medicinis ad varios morbos 
hominum" — „De Balneis Siculis, ad Antonium filium". Von diesem Sohn 
Antonius wissen die Biographien nichts zu erwähnen. Gedruckt wurden von 
ihm die Topographie seines Geburtsländchens Mazaria (Palermo 1515) und ver- 
schiedene historische Schriften. Sein Tod erfolgte 1560. I^^^j 

Adrlani, MatthieuA. (auch HadrianüS genannt), aus jüdischer Familie, 
wurde 1470 in Spanien geboren, lieber die Schicksale, welche er im früheren 
Mannesalter zu durchleben hatte, herrscht Dunkel, so dass nur sein Uebertritt zum 
Christenthum erwähnt wird. Erst im 43. Lebensjahre (1513) begab er sich nach 
Basel. Von diesem Aufenthalt geht das Gerücht aus, dass A. hier den medicinischen 
Doctorhut erworben habe. Nur diesem verdankt er seine Aufzählung unter den 
Medicinem, da man es wahrscheinlich für nicht angänglich hielt, einen Mann, von 
dem Oskolohfadius und Erasmus viel Wesens machten, der sich Luther zuerst 
stark näherte, dann, aber sich mit ihm überwarf etc. aus der einmal hergebrachten 
Reihe der Mediciner zu entfernen. Jedenfalls ist das vollkommene Vacat in Bezng 
auf medicinische Werke A.'s schon lange constatirt. j^^^^ 



{i2 ADRIANI. — AELIU8. 

/ 

Adrian!, M a r c e 1 - V i r g i l e A . (Marcel Viröile , Mahcel Adriani), 

1464 — 1521 in Florenz, machte sich durch eine ausgezeichnete Uebersetzung des 

Dioscorides „Pedadi Dioscoridis di materia medica lihri qutnque, interprete 

Marcello Virgilio" (Florenz 1518 und 1523) so berühmt, dass er den ehrenden 

Beinamen des florentinischen Dioscorides erhielt. Er war praktisch-ärztlich nie thätig. 

Red. 

*Aeby, Christoph Theodor A. , geboren 25. Februar 1835 zu 

Guttcnbrunnen in Pfalzburg, wurde in Basel erzogen, studirte daselbst 1853 — 56 

und in Göttingen weitere zwei Jahre. 1858 in Basel promovirt, habilitirte sich A. 

daselbst im nämlichen Jahre, wurde bald darauf Prosector, 1863 ausserordentlicher 

Professor in Basel und wurde im Herbst 1863 als ordentlicher Professor der 

Anatomie nach Bern berufen. Seine sehr zahlreichen Arbeiten beziehen sich 

auf die verschiedensten Theilgebiete der makroskopischen und mikroskopischen 

Anatomie. In monographischer Fonn erschien 1863: yyEine \neue Methode zur 

Bestimmung der Schädtlform von Menschen und Säugethieren^ (Braunschweig 

gr. 4., mit 8 Taf.), welcher bald in den Verhdlg. der naturf. Gesellsch. in Basel 

die mittelst der Methode gewonnenen Resultate: „Bemerkungen über die Bildung 

des Schädels und der Exti emitäten im Menschengeschlecht** folgten. 1865 arbeitete 

A. „Ueher den feineren Bau der Blutcapülaren** y 1867 „Ueber die Reizung 

der quergestreiften Muskelfasern durch Kettenströme**, 1871 „ Ueber den Grund 

der UnVeränderlichkeit der organischen Knochensubstanz , sotvie über deren 

normale und abnorme Zusammensetzung**, 1872 — 74 ^ Ueber die chemische 

Zusammensetzung der Knochen, resp. die Structur der Spongiosa**, 1875 „Ueber 

Gelenk und Luftdruck , sowie über die Sesambeine der menschlichen Hand*", 

1876 „Ueber den Einfluss des Winterschlafes (Xu f die Zusammensetztnig der 

verschiedenen Organe des Körpers**, (Die letztere Mittheilung erschien im Archiv 

f. exp. PathoL, Bd. III, die vorgenannten theils in Reichert's und DüBOis' Archiv, 

theils in den ent8i)rechenden Jahrgängen des Cbl. f. d. med. Wissensch.) — „Die 

Gfstalt des Bronchialbiums** , „Die Altersverschiedenheüeii der Wirbelsäule*^ 

neben einigen speciellen und zum Theil von seinen Schülern bearbeiteten Fragen 

bilden die Themata, denen sich A. in den letzten Jahren zugewandt hat. 

Red. 

Aegidius, A., Corboliensis oder Gilles de Corbeil stammte angeb- 
lich aus der Familie der Grafen von Corbeil, trat in den Benedictiner-Orden 
ein und widmete sich in Salerno dem Studium der Heilkunde. Er soll dort auch 
als Lehrer der Medicin gewirkt haben; später lebte er in Paris, und zwar als 
Domherr und Leibarzt des Königs Philipp August (1180 — 1223; von Frankreich. 
Er wurde einer der eifrigsten und hervorragendsten Vertreter der Lehi'en, welche 
die Salemitanschule verkündete. Seine Schriften „De urinis, de palsibus, de otr- 
tutibus et laudibus compositorum medicamentorum** und „De signis et sympto- 
matibus negritudinum** behandeln die Semiotik, sowie die Pathologie und Therapie 
der Krankheiten ; sie haben eine poetische Form und sind in elegantem, oft sogar 
classischem Latein abgefasst. Sein Tod fällt in das erste Viertel des 13. Jahrhunderts. 

Puschmaun. 

Aegimins aus Elis (Atytaio; 6 'HXsto;) war der erste, der die Pulslelire 
in seiner Schrift „Trspt TryAaöv" beliandelte. Doch wurde die Echtheit derselben 
von Manchen bezweifelt. Gal. VUI, 498, 716, 752 K. Helmreich. 

Aegyptische Aerzte, s. Egyptische Aerzte. 

Aelianus Heccins. Der Verfasser der pseudogalenischen Schrift De usu 
theriacae ad Pamphilianum nennt einen Arzt, Aklianus MecciüS mit Anerkennung 
als seinen ältesten Lehrer, ohne dass von demselben etwas Näheres bekannt wäre. 

Helmreicli. 

Aellns Promotus aus Alexandrien. Von diesem Arzte aus unbestimmter 
Zeit haben sieh einige noch imedirte Schriften erhalten : 1. in dem cod. graec. 



AELIUS. — AEPLI. 68 

295 der Marcusbibliothek in Venedig: „AtXiou npocxo^Tou 'AXs^xvSpsü); Sova[i.sp6v", 
eiDC Sammlung Yon Medioamenten in 130 Capiteln. 2. „4>ii7i)ca xal avrira^hjT&icx^' 
in einer Handschrift der Yaticana in Rom (cod. gr. 299), der Ambrosiana in Mai- 
land (S. 3) und der Bibliothek in Leyden : 3. wurde ihm nach dem Vorgang von 
HiBBONTMüS Mercübialis eine Abhandlung: ^^Hepl ioßoXcov xal «^iijXifjTrypicjv 
oopjjLdawv" beigelegt, die E. Rohdk (Rhein. Mus. XXVUI, 2, 8. 264—290) für 
den Auszug eines Anonymus aus einem Werke des Archigenes hält. 

H e 1 m r e i eil. 

Aemilius Macer aus Verona, gestorben 16 v. Chr., Dichter der augusteischen 

Zeit, Freund des Vebgilius und OviDius, verfasste nach dem Vorgange des 

Griechen Nikandbos mehrere Lehrgedichte zoologischen und botanischen Inhalts: 

„Omähogania" , y^Theriaca** und „De herbis^. Unter seinem Kamen geht auch 

das Gedicht eines Arztes Odo aus dem karoliugischen Zeitalter „De viribus herborum^ , 

H e 1 m r e i c h. 

Aepinns, Franz Ulrich Theodosius A. wurde am 13. Dec. 1724 
in Rostock geboren. Nachdem ei* zuerst in Rostock, dann in Jena Mathematik imd 
Medicin studii*t hatte, wm*de er 1747 Doctor; seine Dissertation handelt von 
da- Curve, welche ein fallender Köri)er beschreibt. Von 1755 — 1758 war er Pro- 
fessor der Astronomie an der königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin ; dann 
wurde er im Jahre 1757 als Professor der Physik zum Mitgliede der Akademie 
der Wissenschaften in 8t. Petersburg ernannt. Hier wurde er Director des 
Cadettencorps , Studienrath des damaligen Grossffli*sten Paul Petrovitsch, Oberauf- 
seher der Petersburger Schule. Der Kaiser Paul verlieh ihm 1797 die Würde eines 
Geheimrathes ; 1798 zog sich A. nach Doi^pat (Livland) zurück, woselbst er am 
10. August 1812 starb. — Seine Arbeiten sind zum Theil in den Schriften der 
Berliner, zum Theil in den Schriften der St. Petersburger Akademie enthalten ; sie 
beschäftigen sich mit mathematischen, physikalischen und astronomischen Fragen. 
Ein vollständiges Verzeichniss seiner Arbeiten findet sich io Poggbndoeff's biogr.- 
lit. Handwörterbuch, I. Bd., pag. 14, Leipzig 1863. — A. gab zuerst die Theorie 
des elektrischen Condensators und des Elektrophors. 

Allgem. deutsche Biogr., I. Bd., pag. 129, Leipzig 1875 und Nova Act. Petropol., 
Tom. XV, pag. 13. C. Stieda. 

Aepll, Johann Melchior A., Geburtshelfer, erblickte 1744 zu Diesseu- 
hofeu, einer Stadt des Schweizer Cantons Thurgau, das Licht der Welt. Nach 
beendeten Studien prakticirte er in seiner Heimat. Späterhin wurde er zum füi*stl. 
HohenzoUem-Siegmaringen'schen Hofrathe und Leibarzt eiiiannt. Die letzten Jahi*e 
seines Lebens musste er sich in Folge schwerer Leiden vollständig von der Praxis 
zurückziehen. Er starb am 14. Januar 1813 zu Constanz. Die Geschichte der 
Medicin nennt ihn nur insoferne, als er sich in seiner Schrift: „Die sichere Zurück- 
lassung der Nachgeburt in bestimmten Fällen mit Oründen und Erfahrungen 
bewiesen und denen Hebammen auf dem Lande gewidmet" (Zürich 1776, 8) gegen 
die voreilige Wegnahme der Nachgeburt ausspricht, da durch diese die grössten 
Gefahren und Nachtheile entstünden. Wenn bei massigem Blutflusse und contra- 
liirter Gebärmutter die Nachgeburt bereits völlig gelöst sei, soll man letztere durch 
einen massigen Zug am Nabelstrange entfernen. Ein thätiges Einschreiten ist nur 
bei sehr heftigem Blutflusse nothwendig. Fanden diese zweckmässige Lehren auch 
ihre Anerkennung, so waren sie doch nicht originell, denn A. empfiehlt nur genau 
alles Das, was bereits 30 Jahre früher Püzos vorgeschlagen hatte. Seine übrigen 
literarischen Leistungen sind unbedeutend. Einen Nekrolog widmete ihm sein Nefl'e 
Alexander Aepli: „Denkmal auf J. M. Arpli", Set. Gallen 1815, 8. 

Denkmal auf J. M. Aepli, Set. Gallen 1815, 8. Kleinwäcliter. 

Aepli, Alexander A., Arzt und Pi'äsident des Sanitäts-CoUegiums im Canton 
8t. Gallen, war am 14. Januar 1767 zu Diessenhofen, im Canton Thurgau ge))oren. 
1786 begab er sich nach Zürich in das landärztliche Institut, erhielt nach zwei- 



64 AEPLI. — AFZELIUS. 

jährigem Aufenthalte daselbst das Doctor-Diplom und verfasste „Eine med.'pole- 
miscke Probesckrtft von den CantharideUf gegen Herrn Hofrath Tr alles; vom 
bösartigen Fieber, gegen Herrn Hofmedicus Tode, und vom Nachgeburts- 
geschäfte, gegen M ursin na" (Winterthur 1788), besuchte dann noch 18 Monate 
lang die Universitüten Tübingen, Würzburg und Mainz. Er Hess sich darauf im Canton 
Appenzell, in Trogen als Arzt nieder, sorgte daselbst für die Verbreitung eines 
verständigen Hebaramenunterrichtes , sowie für die Einführung der Inoculation der 
natürlichen Pocken. 1798 siedelte er nach St. Gallen über und wurde 1803 
Vice-l^äsident des Sanitäts-Collegiums des Cantons St. Gallen. 1815 zum wirk- 
liehen Präsidenten dieser Behörde ernannt, leitete er die Geschäfte derselben bis 
zu seinem Lebensende. Er gehört zu den Stiftern der Uilfsgesellschaft, der 
schweizerischen naturwissenschaftlichen und anderer Gesellschaften und führte 
zum Theil den Vorsitz in ihnen. Sein Tod erfolgte am 8. Mai 1832. — Von 
literarischen Arbeiten sind noch zu erwähnen : ;, Nachricht über die Schutzblattem 
im Canton Säntis" (St. Gallen 1802) — „Anleitung , wie man vor vielen 
Unglücksfällen verwahrt und durch schnelle Hilfeleistung daraus errettet werden 
Tc&nne" (St. Gallen 1804). — Ausserdem Aufsätze in dem Schweizer Museum der 
Heilkunde, HüFEJiAND'S Journal für praktische Arzneikunde, dem Wochenblatt für 
den Canton Säntis u. s. w. 

Neuer Nekrolog der Deutschen. X. Jahrg., 1^32, Thl. 1, pag. 361. — Mensel, 
I. 33; IX, 14; XXII, 18. ^y,x\\, 

Aesohrion (Ai(j)rptü>v) aus Pergamum. Den Namen dieses der empirischen 

Schule angehörigen Arztes hat sein dankbarer Schüler und Ijandsmann Galen der 

Nachwelt überliefert. Er rühmt seine ausgebreitete Kenntniss der Arzneimittel und 

theilt zwei Recepte desselben gegen die Hundswuth mit. Gal. XII, 356 K. 

H e 1 m r e i c h. 

Aetins aus Amida in Mesopotamien, ein christlicher Arzt des 6. Jahr- 
hunderts, hafte in Alexandria seine medicinische Bildung erhalten und bekleidete 
am Hofe zu Byzanz die Würde eines Comes obsequii. Er ist der Verfasser eines 
grossen umfangreichen Werkes, in welchem die allgemeine und specielle Pathologie 
und Therapie der äusseren und der inneren Krankheiten besprochen wird. Es ist in 
griechischer Sprache geschrieben und besteht aus 16 Büchern, von denen aber nur 
neun (Lib. I — VIII, Ed. Cornarus, Venet. 1534; Lib. IX in Moustochides und 
SCHINAS: cuA^oy}) 'EXXtjVücwv ävcxSotöv. Venet. 1816) im Original gedruckt worden 
sind. Dagegen existiren mehrere gedruckte Ausgaben der lateinischen Uebersetzungen. 
Das Werk trägt einen compilatorischen Charakter; es besteht aus umfangreichen 
Auszügen aus den besten medicinischen Werken der Alten, denen A. seine eigenen 
Erfahrungen und Ansichten beifügte. Indem er dabei einem Elekticismus huldigte, 
welchem leider die Schule der Kritik mangelte, legte er darin ein reiches Material 
für die Geschichte der Medicin des Alterthums nieder. Manche Stellen in den 
Schriften Galen 's oder anderer AutoreÄ werden durch die Excerpte des A. erklärt 
oder berichtigt, und die Textkritik wird sie stets zu Rathe ziehen müssen, wenn es 
sich um die Herstellung besserer Ausgaben der medicinischen Werke der Alten 
handelt. Eine vollständige Ausgabe der Schriften des A. im griechischen Original- 
texte ist em Bedürfniss. Puschmann. 

AfflacinSy Johannes A., (auch SaracbnüS genannt), ein Schüler des 
CONSTANTINUS AfricanüS, lebte in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts und 
übte wahrscheinlich in Salemo die ärztliche Praxis aus. Er hinterliess eine Schrift 
„2>^ Febribus^ (gedruckt in Coli. Salem. H., 737—768 ed. de Eenzi) und ein 
therapeutisches Werk „Curae Afflacii" (S. 1. c. H, 143).] Pnschmaniu 

Afzelius, Adam A., Arzt und Naturforscher, geboren in Westergötland 
1750, gestorben 1837. War zuerst Docent der orientalischen Sprachen an der 
Universität üpsala, wurde nachher einer der am meisten versprechenden Jünger 



AFZELIUS. — AGASSIZ. 65 

Linne's. Zehn Jahre lang reiste er botanischer Studien halber in England, Schott- 
land nnd Afrika. Hier durchforschte er die Guineakilgte und besuchte während zwei 
verschiedener Reisen von Europa aus und unter schweren Abenteuern die englische 
Colonie Sierra Leone, woselbst er besonder» grosse und werthvolle botanische und 
zoologische Sammlungen anschaffte, welche nachher der Universität Upsala anheim- 
fielen. Er wurde Med. Doctor in Upsala 1797, unterrichtete daselbst als Demonstrator 
der Botanik und wurde 1812 zum e. o. Professor der Materia medica und Diätetik 
ernannt. Als Schriftsteller ist er durch mehrere naturhistorische Arbeiten bekannt, 
darunter „Remedia Gutnensia^ (Upsala 1813 — 1817), „Stirpium in Guinea 
medicinalium species cognitae et novae^ (Upsala 1826 — 1829), nnd durch Heraus- 
gaben der yfEgenhändiga anteckningar af Carl Linnoeus on aig sielf med 
anmärlcningar och tälägg^ (Stockholm 1823, deutsch Berlin 1826). 

Hedenius. 

Afzelius, Petrus v. A., geboren 1760, Bruder des Vorigen und de« gleich- 
zeitigen Professors der Chemie an der Universität Upsala, Johann Afzelius, welcher 
als Lehrer von Bsrzelius und Anderen bedeutend zur Ausbildung der Chemie 
beigetragen hat. Durch das neue Interesse, welches der Unterricht Adolf Mobbats 
dem anatomischen Studium zu Upsala verlieh, wurde P. v. A. zur medicinischen 
Laufbahn hingezogen. Nachdem er 1783 seine Studien an den philosophischen 
nnd medicinischen Facultäten zu Upsala abgeschlossen hatte, durchreiste er 2V2 Jahre 
lang mehrere Länder Europas, studirte (>hirurgie und Geburtshilfe in Paris unter 
Desaült und Baudelocqub, innere Medicin in Edinburg hauptsächlich unter 
CüLLKNS Leitung. Er wurde Med. Doctor in Upsala 1786 und zum Chirurgen 
am akademischen Krankenhause daselbst 1788 ernannt. Während des Feldzuges 
in Finnland 1789 war er Oberdirector der Krankenpflege der Armee und wurde 
1801 zum Professor der theoretischen und praktischen Medicin an der Universität 
l'psala berufen. Hier übte er einen grossen Einfluss auf die schwedische ärztliche 
Bildung aus, sowohl durch seine ausgezeichneten Vorlesungen, als auch durch seinen 
l'nterricht am Krankenhause bis 1820, in welchem Jahre er in den Ruhestand 
versetzt wurde. Er starb 1843. Lange Zeit war A. einer der berühmtesten 
praktischen Aerzte Schwedens, wurde zum Archiater des Kronprinzen Karl Johann 
ernannt und in den Adelstand erhoben, wirkte sehr maassgebend auf das schwedische 
Militärärztewesen wie auf das allgemeine Unterrichtswesen und die Armenpflege ein 
und ordnete das schwedische Quarantäneweseu. Seine Schriften umfassen mehr 

administrative als wissenschaftliche Gegenstände. „ , 

^ Hedenius. 

Agassiz, Ludwig Johann Rudolf A., wurde geboren am 28. Mai 
1807 zu Mottier (Canton Freiburg, Schweiz), woselbst sein Vater 
protestantischer Pastor zu St. Imier war. Im Jahre 1818 trat er in das Gymnasium 
zu Biel (Canton Bern), wo er neben seinen Studien sich eifrig mit Fische- 
fangen beschäftigte und so schon hier den .Grund zu seinen späteren Arbeiten 
legte. Dann trat er in die Akademie in Lausanne ein, um schliesslich sich dem 
Studium der Medicin zu widmen. Zuerst bezog er 1824 die Universität Z ti r i c h, 
wo SCHJBZ sein Lehrer war, dann ging er nach Heidelberg, zuletzt nach 
München, woselbst er mit Oken, Mabtiüs, Schellinö, Döllinger, Schlieper, 
Vogler nnd Anderen in nabe Beziehungen trat. Hier in München übernahm 
€r nach dem Tode von Spix die Bearbeitung der Fische im Reisewerk von 
Martius. 1829 erschien dieses sein Erstlingswerk über die Fische Brasiliens 
in lateinischer Sprache und erwarb ihm bald den Ruf eines bedeutenden Ichthyologen. 
Damals begann er auch seine Studien über fossile Fische. Nachdem er sein 
Doetorexamen absolvirt hatte, zog er 1830 nach Wien und 1831 nach Paris, 
um seine Fischstudien fortzusetzen. In Paris, woselbst er mit Cuvier sich 
befreundete und in Humboldt einen warmen Gönner sich erwarb, blieb er, 
bis ihn 1832 ein Ruf nach Neuchatel als Professor der Naturgeschichte ftthrte. 
In Neuchatel lebte er von 1832 — 1846 in reger Thätigkeit; er gründete 

Biogr. LexikoD. I. 



6« AGASSIZ. 

daselbst ein Museum und ein naturhistorisches LesecoUegiat ; daneben niaehte er lieisen 
1834 nach England, 1 835 nach Schottland und 1 s 1 a n d zu Studienzwecken ; 
femer unternahm er zahlreiche Excursionen mit jüngeren Forschem, wie Desor, 
C Vogt, zum Zwecke der Untersuchung der Gletscher. Hier in Neuehatel 
beendigte er sein gi'osses Werk über fossile Fische, welches in 5 Quartbänden 
und 311 Foliotafeln 1700 Arten beschreibt. Im Herbst 1846 reiste A. nach 
Kordamerika, um am Lowrek-Institut in Boston eine Reihe von Vor- 
lesungen über eomparative Embryologie zu halten. Als im Jahre 1847 in Cambridge 
bei Boston die sogenannte Lawrence Scientific-School gegründet und mit 
dem Harvard College vereinigt ward, übemahm A. daselbst die Professur der 
Zoologie und (teologie. 1852 siedelte er als Professor der Zoologie und ver- 
gleichenden Anatomie nach C h a r 1 e s t o n (Süd-Carolina) über, kehrte jedoch bald, 
schon 1854, nach Cambridge zurück, weil ihm das südliche Klima nicht zu- 
sagte. Von Cambridge aus, woselbst er seine alte Stellung wieder einnahm, 
machte er nun grössere und kleinere Reisen und hielt Vorlesungen in ver- 
schiedenen Stüdten Nordamerikas. Im Jahre 1865 leitete er eine grossartige 
Expedition nach Südamerika, Brasilien und dem Amazonenstrom, zu 
welcher ein reicher Kaufmann NathanaelThayer die Mittel hergab; 1871 
unternahm er mit mehreren Gelehrten eine grosse Reise in den südatlantischen 
und stillen Ocean , imi Tiefseeforschungen zu machen. Er starb in Cambridge am 
14. December 1873. 

Für Nordamerika war das Leben und die Thätigkeit A.'s von der 
allergrössten , weittragendsten Bedeutung; seine Anregung f()rderte überall in 
energischer Weise das Studium der Naturwissenschaften, ihm verdankt Amerika 
die Gründung des grossartigen Museums der comparativen Zoologie in Cambridge. 
Mit vollem Recht hat man A. den „Humboldt Amerikas" genannt. — Er 
nimmt unter den Gelehrten unseres Jahrhunderts eine hervorragende Stellung ein, 
durch seine Forschungen und Theorien übte er einen gewaltigen Einfluss auf die 
Entwicklung der Naturwissenschaft im Allgemeinen und im Speciellen aus, er war 
Naturforscher und Philosoph. Sein Vortrag war fliessend, klar, gedankenreich nnd 
anregend ; seine Sprache edel — er war in Amerika ein beliebter populärer 
Redner. Seine speciellen Arbeiten bewegen sich auf sehr verschiedeuem 
Gebiete. Das bedeutendste Werk A.'s ist unstreitig seine Arbeit über fossile Fische. 
Die „RechercJies sur les poüsons fossiles'', denen umfassende Studien an den 
reichen Materialien fast aller (80) Museen Europas zu Grunde liegen , bilden nebst 
den bezüglichen Arbeiten von CüViER imd Valanerian, sowie von JOHAXXES 
MÜLLEB, die Basis unserer heutigen Kenntnisse von den Fischen; A.*8 Arbeiten 
beschäftigen sich nicht allein mit den untergegangenen Arten, sondern dehnen sich auf 
das grosse Feld der Anatomie und Systematik der Fische überhaupt aus. „A. selbst 
betrachtete, und zwar mit Recht, die Trennung der Ganeiden von den übrigen 
Fischen unter dem Range einer besonderen Ordnung für den grössten Fortschritt, 
den ihm die Ichthyologie zu verdanken hat, und üxirte, gestützt auf die vergleichende 
Untersuchung der fossilen Fische aller Formationen unter einander mit den jetzt 
lebenden Formen , mehrere allgemeingiltige Gesetze , welche auf die Entwicklungs- 
theorie der gesammten organischen Welt einen bedeutenden Einfluss ausübten. Durch 
directe Beobachtung leitete er das Gesetz einer regelmässigen, progressiven, 
organischen Entwicklung der Haupttypen des Thierreiches ab, und zwar zuerst für 
die Wirbelthiere, indem er in den Fischen der älteren Formationen die Analogie mit 
den Reptilien und vielleicht auch mit den Trilobiten erkannte. In den einzelnen 
Arten jener eigenthümlichen Fischgruppe, welcher er den Namen der Sauroiden 
gab, sah er den Reptilien- und den Fischtypus vereinigt, während später die Ichthyo- 
sauren und Plesiosauren in ihrem Knochenbau die Cetaceen, die grossen Landsauren 
aber die Pachydermen vorbereiten. Das Princip des Lebens, welches sich später 
in der Form der Fische, Reptilien, Vögel und Säugethiere entwickelt, existirt nach 
A.'s grossartiger Idee im Kleinen zuerst in den einzelnen Fischarten aus der Familie 



AGASSIZ. — AGATHINUS. (57 

der S^nroiden, in welcher die Charaktere der Fische und Reptilien vereinigt vor- 
kommen ; dieser gemischte Charakter verliert »ich allmälig mit dem Auftreten einer 
^rösäeren Zahl von Reptilien m der jüngeren Periode, und die gleichzeitig lebenden 
Fische zeigen nunmehr gewissermaassen einen entschiedenen Fischtypus. Ausführ- 
licher erörterte er diesen Gedanken der Gradation in den Monographien der ein- 
xelnen Ordnungen der Fische, z. B. die Ganeiden, die Familien der Lepidoiden, 
Sauroiden, Cc^canthen und Pyknodonten charakterisiren die ältere Periode, auf 
diese folgen in den jfiBgeren Epochen bis in die gegenwärtige die später ent- 
wickelten Störe, Sclerodermen , Gymnodonten und Lephebranchier , während die 
Loreiarier und Silureiden keine fossilen Repräsentanten zeigen^' (St£IND^chn£Bj. 

Von den Fischen ging A. zu andern fossilen Thieren über; in Gemeinschaft 
mit Desor untersuchte er die Echinodermen (Dhcriptton des echinodermes 
fossiles de la Sutsse 1839 — 1842, Monographie d^ Echinodennes vivants et fossiles 
1838 — 1842) ; dann die Mollusken (Etudes critiques sur les viollusques fossiles 
du Jura et de la Oroie 1840 — 1845 und MSmoire sur les mentes des rnollusques 
rimnts ei fossiles 1 840 ; Iconographie des Lepoides tertiaires etc. — Daneben ver- 
nachlässigte A. die lebenden Fische nicht; er beschrieb die Cypriniden des 
Xeaenburger See's, begann mit C. Vogt ein grosses Werk über die Flusswasser- 
fische des mittleren Europas; leider wurde diese wichtige Arbeit nicht beendigt. — 
Bemerkenswerth und verdienstlich ist der „Nomenciator zoologicus,^ von A. Das 
Werk enthält eine alphabetisch geordnete Aufzählung sämmtlicher Gattungsnamen 
des Thierreiches, deren Etymologie, die Angabe der Autoren, welche die Bezeichnung 
vorgeschlagen hatten, sowie die Jahreszahl ihrer Aufstellung. Die einzelnen Ab- 
theilungen wurden von den bedeutendsten Fachmännern in den einzelnen Zweigen 
der Zoologie rendirt und in der meisterhaften Einleitung entwickelte A. die allge- 
meinen Prineipien der Nomenclatur. Schliesslich ist hier zu nennen die bände- 
reiche „Bibliographie gSnSrale d*histotre naturelle^ und die „Gontribution to the 
Natures History of the United States** , 4 Bände. 

Nicht minder wichtig ist die Bedeutung A.'s auf dem Gebiete der Geologie 
in Folge seiner Studien über die Gletscher imd die Eiszeit. Angeregt wurde 
A. hierzu durch die Arbeiten und Beobachtungen CHARPKNTiBa's, deren Richtig- 
keit und ungeheure Tragweite A. bald erkannte. Mit Gyot, Desor, Stüdrr 
und anderen Gelehrten wurden gemeinsame Ausflüge in die Gletscherwelt der Schweiz 
gemacht. Mitten am Aargletscher in einer Höhe von 8000 Fuss wurde eine 
Beobaehtungsstation errichtet, welche unter dem Namen „Hotel des Neuchateies" 
eine europäische Berühmtheit erlangte. „Etudes sur les glaciers^j 1840 und 
„Systhne gtdcial^ sind die Früchte von achtjährigen Studien, deren Endresultat 
die Annahme einer eigenen Glacialperiode war. 

Zum Schlüsse sei des „Essay of Classification^ v. A. erwähnt ; die viel- 
besprochene Abhandlung ist zuerst in dem ersten Bande der „Gontribution*^ etc. 
erschienen, später 1859 selbstständig in London, dann auch deutsch und 
französisch. A. bespricht hier die Frage über den Ursprung, die Entwicklung 
und Systematik der organischen Wesen; er legt darin seine philosophischen 
Ansichten, welche er aus eigenen Beobachtungen und Studien gewonnen, auseinander 
(welche mit der Descendenztheorie in geradem Widerspruche stehen). Jede Art 
Ist im Wesentlichen unverändert, soll am Ort ihres Vorkommens erschaffen sein; 
80 dass für ein und dieselbe Art mehrere Schöpfungscentren angenommen werden 
müssen. Das natürliche System der Classe, Ordnung und Familie ist der un- 
mittelbare Ausdniek des göttlichen Schöpfungsplanes. 

M. vergleich. D. Steindachner im .Almanach der k. Akademie d. Wissensihafteii 
zn Wien. 24.' Jalirg. Wien 1874, pag. 152—174 und E. Blanchard, Un Naturaliste dn XIX. 
si^le in der Revue des denx mondes X. vol. H. par XLV. annee Juillet-Aout 1875, pag. 5— H4, 
pag. 5:^—569. C. Stieda. 

AgatUnilS (k^'x^l^oz) aus Lacedaemon, Schüler des Athenaeus von 
Attalia, des Stifters der pneumatischen Schule (Gal. VIII, 787 K.) und Lehrer de* 

5* 



(38 AGATHINUS. — AGHABIÜS. 

Arehigenes. Galen, der auf seine Schrift „"epl (7<puY!^'^''" wiederholt Bezug nimmt^ 

rühmt von ihm, da88 er durch seine Studien, die das ganze Gebiet der Medicin 

umfassten, besonders die Pul sichre gefördert habe. Ausserdem schrieb er über 

die Fieber in mehreren Büchern, von welchen das erste die Scmitertianfieber 

behandelte (Gal. XVII, 1, 120 K.) über kalte und warme Bäder (-epi 

\hp[js0kQ\jQux4 3cal ij^uypoXouGTiac, Fragmente bei Oribasius X, c. 7) und über die 

Niesswurz (Cael. Aurel. acut morb. III, 16, cf. Orib. 8, 2). Indem er die 

Lehren der Pneumatiker mit den Ansichten anderer Schulen combinirte, wurde er der 

Stifter einer eigenen Secte, deren Anhänger Episynthetiker oder Eklektiker 

genannt wurden. Seine Schüler Archigenes aus Apamea und Herodotüs (dem er 

die Schrift ttsoI c^uy^LcÜv widmete), waren sehr angesehene Aerzte in Rom. 

H elmrei eh. 

Agerius, Nico laus A., geboren im Jahre 1568 zu Itenheim im Elsas», 
])hil. und med. Doctor, lebte in Strassburg als Physicus und Professor der Mediclu 
und Botanik, wurde Uomherr an der dortigen Thomaskirche, war mit den Brüdern 
Bauhin, denen er mehrere von ihm entdeckte Pflanzen mittheilte, befreundet und 
starb am 26. Juni 1634 im 66. Lebensjahre. Er hat eine Menge von Dissertationen 
geschrieben, von denen einige unten angeführt werden, und die RVFF'sche Apotheke 
neu herausgegeben. — „Theses physico-medicae de homine sano^ (Argentor. 
1593, 4.) — „DispUrtcU. de dyseiUeria^ (ibid. 1593, 4.) — „Chronologia medtca, 
h. e, canclusiones de temporibus rerum praeter naturam tum universal ibus, 
tum particularihus^ (Basil. 1597, 4.) — Disp. : y^De vüa et morte" — ^De 
nutritione" — „De menia humana^ — „De monstris" — „De somno et imomniis*' , 
(Sämmtlich Argentor. in den Jahren 1623 — 1634.) Walther Hermann Ryff, refor- 
mirtc deutsche Apotheke etc., herausgegeben von Nie. Agerius, Strassburg 1602, FoL 

Literatur: Witten, Diar. Biograph. Max Salomoiu 

Agharius, Erik A., Arzt und Botaniker, geboren in Gefle 1757, studirte 
in Upsala von 1773 an, wurde als Zeichner naturwissenschaftlicher Gegenstilnde 
von der schwedischen Wissenschafts-Akademie angestellt und begab sich nach Stock- 
holm 1778 , woselbst er seine Studien in der Anatomie und praktischen Medicin 
fortsetzte. In Lund 1782 Med. Doctor geworden, prakticirte A. darauf zuerst als 
Stadtarzt in Landskrona, nachher als Provinzialarzt in Oestergötland und mit dem 
Titel eines Professors als Vorsteher eines durch ihn gegründeten Krankenhauses für 
venerische Krankheiten zu Vadstena, woselbst er 1819 starb. Durch sein Interesse 
für die Botanik erwarb er sich schon in Upsala die besondere Aufmerksamkeit und 
das Wohlwollen LiNNE*s; er war ausgezeichnet als pflichtgetreuer und geschickter 
Arzt, wurde jedoch am meisten berühmt durch sein ausserordentlich genaues und 
scharfsinniges Studium der kryptogamischen Gewächsgruppe Lichenes, welche Ab- 
theilung der Botanik durch ihn neu umgebildet wurde. Mit grösserer Genauigkeit 
als Jemand vor ihm, bestimmte er den Charakter dieser Gewächse, ersann sichere 
Methoden, die verschiedenen Arten zu unterscheiden, bildete für sie ein auf wissen- 
Hchaftlicher Basis begründetes System und vermehrte sie um mehrere neue Genus 
und Species durch seine Schi'iften : „LichenograpMae Suecae Prodromtis" (Linköping 
1798) — „MethodiLS, qua omnea detectos Lichenes illustrare tentavü" (Stockholm 
1803) und „EJusdem SupplemeTdum** (Leipzig 1803) — „Lichenographia univer- 
salis^ (Göttingen 1810) — „Synopsis methodica Lichenum^^ (Lund 1814). Von 
allen Ländern wurden ihm Lichenspecies zur Bestimmung gesandt, wodurch sein 
Herbarium eines der vollständigsten seiner Zeit wurde; das reiche Material konnte 
jedoch nicht länger mit gehöriger Consequenz in sein System eingereiht werden, 
weshalb verschiedene Gegner desselben nach seinem Tode auftraten. Gleichwohl 
erkennen die Lichenologen unserer Zeit ihn allgemein als den GiUnder der wissen- 
schaftlichen Lichenologie an. Er hat ausserdem in in- und ausländischen gelehi'ten 
Zeitschriften eine Menge botanischer, zoologischer und medicinischer Abhandlungen 
geschrieben. Eine Gewächsgruppe A c h a r i a und mehrere Species tragen seinen Namen. 

Hedenins. 



AGLAIAS. — AGNODIKE. 69 

Aglaias fA^laYdes) plt als Erfinder eines Auo^enwasfiera, dessen Recept 
uns durch Abtius erhalten ist. Eine (wahrscheinlich von irgend einem Byzantinischen 
Pedanten abgefasste) dieses Mittel feiernde Verselegie spricht von dem Erfinder 
als einem Augenarzt aus Byzanz, der ein Mitschüler des Demosthenes (Phila- 
LETHBS) und ein Schüler des „Alexandek" gewesen sei. Hiernach würde, da 
Jener unter Nero lebte, A. unter die Aerzte des 1. Jahrhunderts zu setzen sein. 

VgL J. Sichel, Poeme gree inddU attribud au mddecin Aglalaa. Paris 184Ü. 

Anagnostakls. — Red. 

Agliettl, Francesco A., Professor und Protomedicus in Venedig, war 
am 31. Oetober 1757 zu Brescia geboren, erhielt, nachdem seine Familie nach 
Padua übergesiedelt war, seine Bildung in dem Semuiar und auf der Universität 
daselbst und besuchte darauf die Hospitäler von Bologna und Florenz. Um 1780 
Jiess er sich in Venedig nieder, wo er mit seinen Freunden Gualandris und Gallinü 
1783 die Herausgabe des „Chiornale per servire alla storia ragionata della 
medtctna dt questo secolo^ begann, zii welchem die besten Aerzte und Chirurgen 
der Zeit Beiträge lieferten. Allein gab er von 1793 ein schönwissenschaftliches Journal 
nMemorie j)er servire alla storia letteraria e civile^ heraus, beide Journale 
hörten aber mit dem Jahre 1800 auf. 180ä wurde er zum I^ofessor der i)rak- 
tischen Medicin bei dem Hospital in Venedig ernannt. In Gemeinschaft mit seinen 
Collegen Valatelli und Pa^szi hatte A. 1790 auch eine medicinische Gesellschaft 
in Venedig gegründet, die 1807 wieder einging, aber, wieder hergestellt, A. zu 
ihrem lebenslänglichen Secretilr ernannte imd 1810 mit anderen gelehrten Gesell- 
fichaftcn zu dem „Ateneo" genannten Vereine verschmolzen wurde. 1809 las A. 
in der Gesellschaft eine „Memoria stdla litias^i delle arterie^ y welche sich mit 
dem damals noch nicht gehörig gewürdigten atheromatösen Process und seinen 
Folgen eingehend beschäftigte. Es sind die bisher angeführten medicinischen Arbeiten 
die einzigen, die von A. publicirt worden sind; denn ein grossartig angelegtes 
Werk, das er in Gemeinschaft mit Zannini herauszugeben beabsichtigte, nämlich 
eine üebersetzung und Interpretation von Morgagni's „De sedibus et causia 
morborum^ , welcher die seit dessen Herausgabe gemachten Erfahrungen auf dem 
(rebiete der pathologischen Anatomie hinzugefügt werden sollten und an welchem 
Heit 1812 gearbeitet wurde, kam nicht zu Stande. — Ein Schlaganfall, der ihn 
im August 1829 traf, raubte ihm einen grossen Theil seiner Körper- und Geistes- 
kraft; sein Tod erfolgte erst am 3. Mai 1836. — A.'s Hauptverdienst besteht darin, 
die pathologische Anatomie in Venedig wieder zur Geltung gebracht zu haben. 

Paolo Zannini bei de Tipaldo. III, pag. 291. G, 

* AgneW, Hayes A., im Anfange der Dreissiger-Jahre unseres Jahrhunderts 
geboren und seit 1856 an der anatomischen Anstalt der Universität zu Philadelphia 
thätig, hat sich nicht nur durch eine Reihe gedankenreicher „Introdactory lectures^ 
an dieser Anstalt, sondern auch durch mehrere weitverbreitete Werke anatomischen 
Inhalts einen schriftstellerischen Namen erworben. Unter den Vorlesungen ist neben 
den in Philadelphia 1860 publicu'ten Über die „Classification of the animal King- 
dorn** noch die über Laerey (ebenda 1861) hervorzuheben. Die „Practical 
anatomy ; A new arrangement of the London Dissector ; icith numerous modi- 
ficatians and additions, containing a concise descriptian of the miiscles^ blood- 
te98els, nerves, viscera and ligaments of the human body as they appear in 
dissection" erschien 1868. vlqü. 

AgOOdike (' AyvoSucT)) , die erste Hebeamme in Athen, von der die bei 
Sygin fabuL 274 überlieferte Sage Folgendes erzählt : In Athen habe e.s in alter 
Zeit keine Hebeammen gegeben, da Frauen und Sclaven die Ausübung ärztlicher 
KuDBt nicht gestattet w^r. Da habe A. , ab) Mann verkleidet , bei einem Arzte 
Unterricht genommen und den Gebärenden Hilfe geleistet. Von den Aerzten aus 
Brodneid vor dem Areopag verklagt, sei sie auf Fürbitte der vornehmsten Athe- 
nerinnen freigesprochen, und das Gesetz, welches Frauen die Ausübung der Heilkunde 



70 AGNODIKE. — AGRICOLA. 

verbot, aufgehoben worden. Dass diese Erzählung nur eine märchenhafte Erdichtung 
ist, hat Welcker, Kleine Schriften, III, 195, bewieisen. He Im reich 

Agricola, Johann A. (mit dem Beinamen Ammoniüs und dem deutschen 
Namen Peürle), ist zu Gunzenhausen in Mittelfranken geboren. Kr bezog im Jahi'e 
1500 die Universität Ingolstadt, an der er nach langen Reisen im Jahre 1515 zum 
Professor der griechischen Literatur und darauf 1531 zum Professor der Medicin 
ernannt wurde. Durch humajiistisch-classische Bildung und grosse Gelehrsamkeit 
hervon*agend , wirkte er an derselben bis zu seinem am 6. März 1570 erfolgten 
Tode. Er galt als einer der grössten Aerzte seiner Zeit, deren Richtung er durch 
(Vnnmenti^re über die Schriften des Hippokrates, DiOSCORiDES, Galenus und Nico- 
LAUS AlexanrinüS Rechnung trug. Dabei aber wendete er sich als einer der Piraten 
der auflebenden selbstständigen Beobachtung der Natur zu, wovon seine Schrift: 
„Medicinae Herbariae libri duo^ (Basileae ex officina B. Westhemeri, 1539) 
Zeugniss gibt. In diesem Geiste wirkte er reformirend auf das Studium der Medicin 
an der hohen Schule zu Ingolstadt. 

Mederer J. N., AnnaUs IngoUtadiiensia Academiae, F. I. Ingolstadii 1782, pag. 322. 
— Franc. Jos Grien waldt, Album Bavariae Jatricae. Monachii 1733. Fr. Seitz. 

Agricola, Georg A. , eigentlich Bauer, geboren 24. (14.) März 1490 
zu Glauchau in Sachsen, gestorben 21. November 1555 zu Chemnitz. Er war Arzt 
in Joachirasthal , ist aber besonders bemerkenswerth als Vater der Mineralogie. 
Auf dem Gymnasium in Zwickau in ausgezeichneter Weise philologisch vorgebildet, 
studirte er in Leipzig Philologie, Medicin und Naturwisnenschaften. Hierauf bereiste 
er zwei Jahre Italien und promovirte dort als Dr. med. Nach seiner Rückkehr 
1526 wurde er Arzt in Joachimsthal und dort, inmitten zahlreicher Bergwerke und 
Hüttenanlagen, war es, wo er die Reihe der Werke vorbereitete, w^elche, wenn sie 
auch durch die Kostbarkeit ihrer künstlerischen Ausstattung sein Vermögen ver- 
sclilangen, seinen Namen unsterblich gemacht haben. Seine mineralogischen Haupt- 
werke sind: „De re metallica libri duodecium^ (1530, 9 Ausgaben bis 1657, 
ausserdem deutsch in 5 Ausgaben) und ^De ortu et causis subterraneorum^ (1546, 
6 Ausgaben bis 1614). Im Jahre 1530 siedelte er als Stadtphysicus und kurfürst- 
licher Historiograph nach Chemnitz über und setzte dort seine bergmännischen 
Studien fort. Kr wurde auch zum Bürgenneister der Stadt erwählt. Da er aber 
der alten Lehre treu blieb, so wandte sich die Volksgunst von ihm ab und selbst 
ein Begräbniss blieb ihm in Chemnitz versagt ; seine Leiche wurde in Zeitz beerdigt, 
wo ihm der Bischof eine Grabstätte in der Domkirche einräumte. Die einzige 
niedicinisehe Schrift, welche A. verfasste, ist die öfters aufgelegte „De peste libri 
tres"" (Basil. 1554, Schweinfurt 1605 und 1607, Giessen 1611). Goethe enn-ähnt 
ihn mehrfach in der Farbenlehre. yy Stricker 

Agricola, Georg Andreas A., geboren zu Regensburg 1672, gestorben 
daselbst 1738. Er studirte in Württemberg und Halle und promovirte an der 
letztgenannten Hochschule 1697. Er praktieirte in seiner Vaterstadt und machte 
seit 1716 sein angebliches Geheimniss bekannt, durch Feuer und eine von ihm 
erfundene vegetabilische Mumie die Pflanzen in grösster Schnelligkeit und in unbe- 
grenztem Maasse zu vermehren. Die Art, wie dies geschehe, erbot er sich 160 Per- 
sonen , deren jede 25 fl. zahlte und sich zur Geheimhaltung eidlich verpflichte, 
niit7.ut heilen. Es gelang ihm auf diese Weise viel Geld zu verdienen, und selbst 
nach seinem Tode dauerte die Verbreitung der Schriften noch fort, in welchen er 
seine Geheimlehre verkündigt hatte. Das Hauptwerk erschien 1716 und 1717 in 
zwei Foliobänden unter dem Titel : „Neuer und nie erhörter, doch in der Natur 
und Vernunft wohl begründeter Versuch der Universalvermehrung aller Bäume, 
Stauden und Blumen gewächse." Noch 1784 erschien eine neue Ausgabe davou, 
auch wurde das Buch in's Holländische, Englische und Französische übersetzt. 
Abgesehen von seiner verwei*flichen Tendenz enthält das Buch mancherlei gute 

Beobachtungen über die Behandlung und Vermehrung der Pflanzen. 

Biosrr. med. W. Stricker. 



AGRIPPA. 71 

Agrippa. 6al. XlII, 185 und 1030 erwähnt zwei Arzneimittel des Arztes 
Julius Agbippa. xj i • i. 

av±4i.ut3 AviAxjraA. Helmreicn. 

/ Agrippa, Heinrich Cornelius A. von Nettesheim wurde zu Köln 
am 14. September 1486 geboren. Wahrscheinlich war sein richtiger Vorname 
Heinrich, während die beiden anderen, Cornelius Agrippa, der damaligen Mode, 
dnrch Hinzufügen von classischen Namen zu prunken, ihren Uraprung verdanken. 
Doch ist er in der Geschichte fast nur unter dem Namen Agrippa bekannt. 

Nachdem er die Schule und Universität seiner Vaterstadt besucht, tiitt er 
in kaiserliche Dienste als Secretär und führt in der Folge ein höchst unstetes 
Leben. 1506 wird er in einer Mission nach Paris gesandt und stiftet dort eine 
geheime Gesellschaft von Theosophisten, für die er auch in späterer Zeit eifrig 
wirkte, wie ihm denn neben rascher Auffassungsgabe, lebhaftem Geiste und grossem 
Sprachtalente (er rühmte sich, acht Sprachen verstehen zu können) schon von 
früher Jugend an ein mystischer Zug eigen war. Im Jahre 1508 ist er der An- 
fnhi'er einer Expedition in Spanien zu Wiedererobening eines von aufständischen 
Bauern genommenen festen Schlosses und im Juli des nächsten Jahres hält er in 
Döle in Burgund öffentliche Vorträge über das kabbalistische Werk Reuchlin's: 
^De verho mtrtßco^. Von hier wird er durch die Geistlichkeit vertrieben, lebt 
1510 einige Monate in London, hält dann Öffentliche theologische Vorlesungen in 
Köln, nimmt Anfangs 1511 kaiserliche Kriegsdienste und wird zum Heere nach 
Italien geschickt. Hier ist sein Leben eine Reihe von Jahren ein wechselreiches; 
bald als Krieger, bald als Gelehrter, fast immer in G^ldsorgen, wird er von einem 
Orte zimi andern verschlagen, ist Mitglied des Concils von Pisa 1511, liest in 
Turin über Platon's Gastmahl, in Pavia (1515), seiner alten Neigung getreu, 
fiber den Poemander des Hermes Trismegistus, wird auf dem Schlachtfelde 
inzwischen zum Ritter geschlagen, promovirt in Pavia zum Doct. med. und Doct. 
jiu-, utq. und erfreut sich der Freundschaft hoher Gönner, z. B. des Grafen Mont- 
ferrat. Da aber 1516 nach geschlossenem Frieden das Heer entlassen wird, verliert 
auch A. seine Stelle und verbringt ein höchst trauriges Wanderleben im Abmühen, 
eine geBicherte Lebensstellung zu erhalten. Endlich gelingt es seinen Freunden, ihm 
das Syndicat der Stadt Metz zu erwirken, das er annimmt. 

In Metz lebte A. zwei Jahre, bis Anfang 1520, wo seine Stellung in der 
orthodoxen Stadt für ihn, den Kabbalisten, und in den letzten Jahren halben Anhänger 
Luther's so prekär ward, dass er es vorzog, freiwillig sie aufzugeben und nach 
dem freisinnigen Genf überzusiedeln, um als praktischer Ai*zt seinen Lebensunterhalt 
zu gewinnen. Im Anfange 1523 geht er als Stadtarzt nach Freiburg in der Schweiz, 
hält aber auch dort das ruhige, einsame Leben nicht lange aus und erreicht es 
glücklich, im Frühjahre 1524 zum Leibarzte der Königin-MuttCr von Fi'ankreich, 
Louise von Bourbon , ernannt zu werden. Als solcher lebt er nun in Lyon , ver- 
scherzt aber bald die Gunst der Louise durch unpolitisches Benehmen in dem 
Grade, dass ihm das Gehalt entzogen, zugleich aber auch der Wegzug aus Frank- 
reich vei'boten wird. Nach vielen Kämpfen gelingt es ihm endlich aus dem Lande 
zu entweichen und er siedelt im Sommer 1528 nach Antwerpen über, wo Freunde 
ihm eine Zufluchtsstätte angeboten hatten. Hier erwirbt er sich bald eine einträg- 
liche I*raxis und sein Ruhm dringt zu Ohren der Margarethe von Oesterreieh, die 
ihm das Amt eines kaiserlichen Archivraths und Historiogi'aphen verleiht. 

Im Jahre 1530 erscheint sein schon in Lyon geschriebenes Werk „De 
tunitate scientiarum" , das wegen der Angriffe auf den Hof und die Geistlichkeit 
ihm viele Feinde macht; 1531 die yy Occulta philosophta^ , eine vollständig im 
Geiste der Kabbala schon 1509 in Dole vei*fasste Schrift, die einen Sturm des 
rnwillens der Mönche gegen A. erregt , obgleich er in der Vorrede sagt, er stehe 
jetzt, im gereiften Alter, nicht für Alles ein, was in dem Werke seiner Jugend 
gesagt sei. Da inzwischen seine Beschützerin Margarethe gestorben war, er von 
Gläubigem hart bedrängt wurde, ja sogar eine kurze Zeit in's Schuldgeßlngniss 



V 



72 AGRIPPA. — AHLFELD. 

liatte wandern müssen, entsehliesst er sich, aus Mecheln, wo er zuletzt gelebt hatte, 
zu entfliehen und geht 1532 nach Köln in die Dienste des dortigen £rzbischof^a. 
Doch verfolgt die Geistlichkeit ihn auch hierher und hetzt den Kaiser gegen ihn 
auf, so dass ein Ketzerprocess ihm droht. A. entflieht 1535 nach Frankreich, wird, 
kaum Über die Grenze gelangt, auf Franz I. Veranlassung, der empört darüber ist, 
dass A. in veröffentlichten Briefen sich in allerdings stärksten Ausdrücken über 
dessen Mutter Louise geäussert, verhaftet, durch Verwendung von Freunden bald 
befreit, erkrankt auf der Reise nach Lyon, wo er eine Gesammtausgabe seiner Werke 
veranstalten will, in Grenoble und stirbt dort, 49 Jahre alt. 

Als speciell Medicinisches hat er nur eine „Beschreibung der Pest^ und 
„Äntidota securtssima caiitra pestem^ hinterlassen, beides ziemlich unbedeutende 
Arbeiten. Sein Buch „De vanitate scientiarum^ ist eine in pessimistischem Geiste 
geschriebene Satire, eine geistreiche, gelehrte Ausführung des Vanitas vanitaUnn 
vanüaa. Sowohl durch diese die Skepsis fördernde Schrift, wie durch die der 
Magie und Kabbala Vorschub leistende „Occulta phüosophia^ hat A. indirect einen 
grossen Einfluss auf die Entwicklung der medicinischen Wissenschaft ausgeübt. 
Sein Charakter, seine Werke, seine Schicksale sind ein Spiegelbild seiner Zeit. 
Was uns an ihm inconsequent , widerspruchsvoll, zusammenhanglos erscheint, ist 
es nicht, wenn wir es in seinem relativen Verhältnisse zu jener Culturepoche 
betrachten. Denn diese selbst bietet weder im Staats-, noch im Wissenschaft^*-, 
noch im kirchlichen, noch im volkswirthschaftlichen Leben ein abgeschlossenes, 
fertiges Product, sondern ein Gähreu, ein gewaltiges Durcheinanderw'irken der ver- 
schiedensten Gewalten und aus einem Chaos zu geordneten neuen Verhältnissen sich 
entwickelnde Gestaltungen. Selbstsucht und Aufopfenmg in der Politik, Freisinnigkeit, 
ja Atheismus und starrste Orthodoxie sowohl auf katholischer, wie protestantischer 
Seite, Aufblühen der schönen Wissenschaften, der Künste, sowie der K<abbala, 
grösste Toleranz und Mauren- und Judenverfolgungen — wie im Makrokosmos, 
so spiegeln sie sich im Mikrokosmos des A. wieder. 

Von A.'s beiden Hauptwerken erschien die „Occulta philosophia^ zuerst 
Köln 1533 Fol. und häufiger, die Schrift „2^e incertitudine et vanitate scientiarum*^ 
Antwerpen 1530, 4. Köln 1531, 8. und sehr oft bis in's 18. Jahrhundert hinein 
und in fast alle lebenden Sprachen übersetzt. Gesammtausgaben : Lyon 1550, 1660 
und 8. a. (die vollständigste) 8., 2 Bände. Sie enthalten auch: „Epfstohrum 
Henrici Gomelii Agrippae ad familiäres et eorum ad ipsvm libr. VII. ^ 

Literatur: Die Hauptquelle für A.'s Biographie sini seine "Werke und die oben 
angefahrten Briefe. Aus ihnen haben auch geschöpft: Meiners C, Lebensbeschreibungen 
berühmter Männer aus den Zeiten der Wiederherstellung der Wissenschaften. Zürich 1795, 8. 
Bd. I, pag. 213 — 406 und Morley Henry, The life of Hennj Cornelius Agrippa von 
Xettesheimf Doctor and Knight, commonly knoten as a Magician. In ttvo rolumes, London 
1856, 8. Max Salomon. 

/ d'Aguero, Bartholomaeus d'A. , in Sevilla 1531 geboren, wird als 
sehr geschickter, erfindungsreicher C'hirurge (gleichzeitig auch innerer Arzt), als der 
„Pake" Spaniens bezeichnet. Ihm und Gott, so heisst es, empfahlen sich die Spanier, 
wenn sie in die Schlacht zogen. Sein Tod erfolgte 1597. In besonderer Ausgal>e 
erschien 7 Jahre später der „ Tesoro de la verdadera cirugia, y via particular 
co7itra la comun ojnnion etc,^ (Sevilla 1604) und in einer ebenfalls nach seinem Tode 
erst veröffentlichten Gesammtausgabe, die sein Schwiegersohn, der Arzt Fäancj'OIS- 
XiMENEZ GüiiiLEN veranstaltete, verschiedene kleinere Aufsätze und Streitschriften. 
Unter diesen waren die „Avisos de cirugia contra la comun ojjinion etc,^ und 
die fjRequesta a los j^foposiciones que el licenciado Fragoso ensegna contra 
71U0S Avisos etc,^ bereits seit 1584 separat publicirt. A. kämpfte in der letzteren 
Streitschrift — gegen Frag OSO — besonders für die Wundheilung per primam 
inten tiouem. Red. 

* Ahlfeld, Friedrich A., z. Z. Professorin Marburg, wurde zu Als- 
leben a. 8., Prov. Sachsen, 1(5. October 1843 geboren. Er studirte in Leipzig, 



AHLFELD. — AICHHOLTZ. 73 

war hauptsftcblieh ein Schiller CREDfe's und promovirte am 22, Februar 18(58. 
1883 wurde A. als Professor der Geburtshilfe und Director der Königl. Hebeanimen- 
Lehianstalt nach Marburg berufen. »Seine monographischen Arbeiten sind: 
yfUtber Entstehung der Stirn- und Gesicktslagen** — pDie Ernährung des 
Säuglings an der Mutterbrust** — „Lehrbuch der Missbildungen^ , mit Atlas, 
Abschnitt I und IL j^gj 

Ahomer von Ahornrain, Joseph Georg Franz von Paula A., 
Hofrath und Arzt zu Augsburg, war daselbst am 1. April 1764 geboren als Sohn 
des aiL9 einer alttirolischen Familie stanunenden k. k. Münzgeschau-()onimissions- 
Aetuars FranzJacobA. In der Studienanstalt der Jesuiten zu Augsburg erzogen, 
begab er sich 1781 zum Studium der Theologie nach Brixen, verliess dieses jedoch 
1783, übemahm vorläufig eine Hofmeisterstelle und begab sich im Herbst 1785 
dem Studium der Medicin nach Innsbruck und nach Aufhebung dieser Hochschule 
1786 nach Wien , wo er durch literarisclie Arbeiten medicinischen und pädagogi- 
schen Inhaltes, die jedoch anonym erschienen, sich seinen Unterhalt verschaflen 
muftste. Im Februar 171)0 wurde er promoviit und im November desselben Jahres 
als wirkliches Mitglied der medicinischen Facultät aufgenommen. Obgleich sich ihm, 
da er Assistent des berühmten Arztes Freiherr v. Qüarin war, in Wien günstige 
Aussichten für seine künftige Praxis boten, folgte er doch dem Rufe des reichs- 
städtischen Magistrates seiner Vaterstadt Augsburg, siedelte im März 1793 dahin 
über und erhielt eines der Stadtphysikate, die Stelle eines Garnisonarztes der katho- 
lischen Stadtgardisteu und eines Vorstandes des Hebeammenwesens. Bereits in Wien 
hatte er ausser einigen hier nicht zu erwähnenden, in den Jahren 17813, 1787 
erschienenen nicht-medicinischeu Schriften herausgegeben: „Hippocrates Aphorismen, 
aus der Originalsprache übersetzt mit kurzen Anmerkungen erläutert" (1791) 
und „Bibliothek für Kinderärzte^' (1702), 2 Bändchen. In Augsburg erwarb er 
sich bald eine ausgedehnte Praxis und so grosses Zutrauen, dass er. Arzt des daselbst 
befindlichen damaligen päpstlichen Legaten , nachmaligen Papstes Leo XII. , ver- 
schiedener emigrirter (ilieder der Bourbonischen und Orleans^hen Dynastie, der zur 
Zeit des Gesaudten-Congresses am Ende der Neunziger Jahre in Augsburg befindlichen 
Gesandtschaften, des Kurfürsten von Trier und Fürstbischofs von Augsburg, Clemens 
Wenceslaus, der ihn zum Hofrathe ernannte, später auch (von 1817 — 1826; der 
sieh daselbst auflialtenden ehemaligen Königin von Holland Hortensie, Herzogin 
von St. Leu, wurde. Seiner Anregung und unermüdlichen Fürsorge ist auch die 
1797 erfolgte Begründung einer ärztlichen Witwencasse, deren Vermögen bis zu 
seinem Tode auf 14.500 fi. gestiegen war, und die 1828 stattgehabte Stiftung einer 
besonderen Vnterstützungscasse für Waisen von Augsburger Aerzten zu danken. 
Als er im Jahre 1800 das jährlich wechselnde Decanat des Collegium medicum 
ttbemahm, verfasste er eine neue, zweckmässige, im Jahre 1801 vom Magistrat der 
Reichsstadt zum Gesetz erhobene Augsburgische Medicinal-Orduung. Mit der 1808 
erfolgten Mediatislrung der Reichsstadt Augsburg traten freilich wesentlich andere 
Verhältnisse ein ; indessen auch die bayerische Regierung suchte und schätzte seinen 
Rath und seine Erfahrung. Die Feier seines im Februar 1840 bevorstehenden 
50jährigen Doctor-Jubiläums, für welche von seinen Collegen bereits viele Vor- 
bereitungen getroffen waren, erlebte er nicht, indem ihn bereits am .'U. Decemher 
1889 eine Lungenentzündung dahinraÖ'te. 

Neuer Nekrolog der Deiitselien. Jahrg 17. 1839. Thl. H, pag. 1015. G. 

AiclÜLOltZ; Johannes A., geboren 1520 in Wien, studirte in Wittenberg 
die Heilkunde und bildete sich dann auf Reisen und durch längeren Aufenthalt in 
Paris weiter aus, wo er auch den Doctorhut erworl)en hal)en soll. Er gehörte 
nach seiner Rückkehr zu den thätigsten und angesehensten Mitgliedeni der medi- 
einischen Facultät, bekleidete eine Zeit lang das Amt eines Magister sanitatis in 
Wien, wurde mehrmals zum Decan der Facultät gewählt und leitete bis zu seinem 

Tode (1588) die anatomischen Demonstrationen und den anatomischen Unterricht. 

P II s c h m a n n. 



74 AlGHSPALT. -i AIKIN. 

Aiclispalt oder Kaichspalt aus Trier, Leibarzt des Kaisers Heinrich VII., 
des Luxemburgers, gehörte dem geistlichen Stande an und wurde Erzbiaehof von 
Mainz (gestorben 1320). Pn seh mann. 

Aignan, Franko is A. , Capnziner und königlicher Leibarzt zu Pacifi, 
war zu Orleans um 1644 geboren und war im Capuziner-Orden als „Pere tranquille" 
bekannt. Er wurde 1678 einer der beiden sogenannten Louvre-Capuziner, welche 
die Leitung eines chemischen und pharmaceutischen Laboratoriums daselbst hatten 
und Medicamente an die Armen vertheilten. Durch seine ehrgeizigen Bemühungen 
gelang es ihm, Leibarzt des Königs und des Prinzen von Cond6 zu werden. A. erwarb 
den Doctorhut 1703 und starb am 30. Januar 1709 im Alter von 65 Jahren. 
Er war der Erfinder einer Anzahl von Heilmitteln, wie des „Baume apoplectique^ , 
der „Essence aromatique" , des ^Bem^e de la TriniU*^ , des „Remhde contre 
la petite vSrole^ ^ des „Baume tranquille^. Er hat die folgenden drei kleinen 
Schriften hinterlassen, in welchen sich populäre Wahrheiten, theologische Discussionen 
und chemiatrische Ideen über Fermente, Säuren und Alkalien in der absurdesten 
Weise miteinander vermischt finden: „Uancienne midecine h la mode, ou le 
sentiment uniforme d^Hippocrate et de Galten sur les acides et les alkalts" 
(Paris 1693) — „Le preatre mSdecin, ou discours phystque sur PdtablüsemerU 
de la m^decine, avec un discours du cafe et duthS de France** (Paris 1696). 
(Als Surrogat des Kaffee's und Thee's empfiehlt er gebrannten Roggen oder Gerst« 
und Melisse.) — „ TraüS de la goutte dans son 4tat naturel, ou Vart de connaitre 
les vrais princtpes des maladies^ (Paris 1707). 

Biogr. m6d. I, pag. 77. Cr. 

AikiB, John A. , englischer Arzt und Schriftsteller, war am 15. Januar 
1747 zu Kibworth-Harcourt in Leicestershire geboren, studirte Medicin in Edinburg, 
liess sich 1771 in ehester, bald darauf aber in Warrington nieder, wo er bei der 
Dissenter's Academy, bei der auch sein Vater angestellt war, Vorlesungen über 
Physiologie und Chefnie hielt. In diese und die folgende Zeit fallen die meisten 
seiner medicinischen Schriften: „An essay on the ligature of arteries^ in „Charles 
White, Gases in surgery** (London 1770) — „Observations on the external 
use of lead; unth some general remarks on topic medicines" (London 1771). 
Seine Verbindung mit dem berühmten Philanthropen Howard veranlasste ihn zu 
einigen Schriften über die Hospitäler: „Thougkts on hospitals, uxith a letter to 
the author by Thomas Percival" (London 1771; französisch von Vkrlac. 
Londres et Paris 1777) — „Appendix to the history of lazarettos which con- 
tains the observations made hy Mr. Howard in his concluding tour^ (London 
1793). Auch ein „Manual of materla medica" (Yarmouth 1785) gab er heraus. 
Am bekanntesten aber ist A.'s Name durch „A specimen of medical biography 
of Great B ritain, with an adress to the public^ (London 1775) imd durch sein 
sub 10 des Literatur- Verzeichnisses aufgeführtes biographisches Werk geworden. 
Ursprttnglich hatte er die Absicht gehabt, eine Geschichte der Medicin in England zu 
schreiben, er fand jedoch bei seinen Collegen, die er um Ueberlassung von Btiehem, 
Handschriften u. s. w. gebeten hatte, nicht die gehörige Unterstützung und musste 
sich de4$halb mit jenen biographischen Arbeiten und den Artikeln, die er für das von 
ihm gemeinschaftlich mit seinem Freunde, Dr. Enfield von 1796 — 1815 heraus- 
gegebene „General biographical dictionary^ (10 voll.) verfasste, begnügen. — 
Erst 1784 zu Leiden mit der Diss. „De lactis secretione in puerperis** proniovirt, 
liess sich A. dann in Yarmouth nieder und übte daselbst 8 Jahre lang mit Erfolg 
die Praxis aus. In Folge von politischen Streitigkeiten, bei welchen er lebhaft Partei 
für die Dissenters ergriff, wurde jedoch seine Stellung in Yarmouth unhaltbar, er 
ging nach London und wurde 1792 Licentiat des dortigen College of PhyBieians. 
Er hatte indessen wenig Neigung zur Ausübung der Medicin und verfolgte deshalb, 
zum Theil in Gemeinschaft mit seiner Schwester Mrs. Barbauld, fast ausschliess- 



AlKIN. — AINSLIE. 



Vö 



lieh ästhetiftch-literarische Bestrebungen, deren nähere Aufzählung nicht hierher gehört. 

Kr starb am 7. Deeember 1822 in Stoke Newington, wo er seit 1797 wohnte. 

Watt, I, pag. 11. — LucyAikln, Memoir of John Äikin etc. 2 voll. 1823. 
— Biographieal Dictionary of the society for the diffusion of useful knowledge. J, 2, 
pag. 557. — Hnnk, 11, pag. 421. — Beaugrand bei Dechambre, II, pag. 218. 

Aikln, Charles Roguson A., Arzt in London, Mitglied des Royal 
College of Surgeons, über dessen Lebensumstände wir meht» Nähw€S anzugeben 
vermögen, veröffentlichte: „Jennerian dücovery; or a conciae view of all the 
most important facis which have hitherto apjjeared concerning the inoculation 
for the coW'pox; with a coloured plate^ (London 1800, 2. edit. 1801; das- 
selbe in zwei amerikanischen Ausgaben, Philadelphia 1801 , Boston 1801, und in's 
Deutsche tibersetzt in drei Ausgaben von F. G. Friese, Breslau 1801 , von 
J. HüNNEMANN, Hannover 1801, Berlin 1801; französisch Paris An 9). Er 
sclirieb femer noch : „Experiment8 and observations on certain senaations of the 
eye, connected icith the theory of vision^ (London Med. and Phys. Journ. Vol. II, 
1799); femer: yj Miscellaneous remarks on vacciiuUion** (London Med. Gaz. 
Vol. Xill, 1833, 1834) und gab zusammen mit Arthur Aikin „A dictionary of 
ckemistry and mineralogy eic,^ heraus. 

Callisen, I, pag. 64: XXVf, pag. 19. 0. 

Ailhand, Jean Gaspard A., geboren zu Lourmian, einem kleinen Orte 
in der I^ovence, gestorben 1756 in seinem 82. Jahre zu Aix, verdankt seinen 
Ruf der Verbreitung eines Abftihrpulvers, poudre purgative d'Ailhaud, welches er 
erfunden haben wollte, und welches nach seiner Behauptung ein Universalmittel für 
alle möglichen Krankheiten war. Er Hess sich zuerst in dem kleinen Orte Caderet 
nieder und benützte die ersten Geldmittel, welche ihm der Verkauf seines Arcanums 
verschaffte, um sich zu Aix den Doctortitel zu kaufen. Um den Ruf seines Arcanums 
zu verbreiten, liess er, ausser zahlreichen Inseraten in Zeitschriften, eine kleine 
Schrift: „Traiti de Vmngine des malad les et des effects de la poudre purgative^ 
(1739, lateinisch und französisch, in 22. Auflage 1742) erscheinen. Die wesent- 
lichen Bestandtheile seines Mittels waren Scammonium, Harz und Russ und sollen 
ihn nur wenige Liards gekostet haben , wilhreud er das Packet zu einem Louisdor 
verkaufen Hess. Er erwarb sich ein Privilegium zum Alleinverkauf und errichtete in 
allen Städten von Frankreich Depots. Die enoraien Summen, welche er auf diese 
Weise erwarb, benutzte er, um Landgüter zu kaufen und so einer der grössteu 
Grandbesitzer in der I^ovence zu werden. Ebenso erwarb er sich für Geld den 
Titel eine« Secretärs des Königs. 

Sein Sohn, Gaspard Ca stellet, Baron de • la Pellet, setzte das 
Geschäft seines Vaters fort. Er starb den 21. September. 1800. Von ihm er- 
schienen: yfM4decine vniverselle, prouvSe par Je raisonnemenV^ (Ou Pr^cis du 
trait^etc. de J. Ailhaud. 1760 und 1764, 3 Vol. 12) — ^Lettres h Mr. Barleu 
du Bourgau sujet de la poudre purgative^ (1762) und einige Aehnliche. 

Wernher. (t) 

Ainslie, Whitela w A., englischer Arzt in Madras in Ostindien, über dessen 
Lebensschicksale uns nichts Näheres bekannt ist. Seine Arbeiten beziehen sich 
fast säramtlich auf seine in Indien gemachten Beobachtungen: „Materta medica 
of Hindostan, ad artisans and agriculturists* nomenclature^ (Madras 1813) ; 
die zweite Auflage unter dem Titel: „Materia Indica, or some account of those 
articlea which are employed by the Hindoos^ aiid other eastern nations, in tkeir 
medidne, arts, arid agriculture etc.^ (2 voll. Lond. 1826). Zusammen mit A. Smith 
und Dr. Cheistik gab er heraus: „Medical, geographioal and agricultural 
report on the catises of the epidemical fever which prevailed in the provinces of 
Cmmbatore, Madeira, Dinigal and Tinnevelly in 1809 — 1811" (Lond. 1816). — 
Weitere Aufsätze und Schriften sind: ^On the use of baisam of Peru in sphacelous 
and phagadenic tdcers" (Lond. Med. Reposit. Vol. 8. 1817) — „Observations 



76 AINSLIE. — AIROLDL. 

on the cholera morbus of India : a letter addreased to tJie honorahle the coiirt 
of dtreciors of the Eaat India Company" (London 1825) — „Observations 
on the lepra Araium, or elephantiasis of the GreeJcs, as it appeat^s in India*^ 
(Transact. of the Royal Asiatic Soc. of Great Brit. and Irel. Vol. I, 1826) — 
„Obsei^vationa respecting the small-pox, and inoculation in eastern countries 
ioith amne account of the introduction of vaccination into India" (London 
1828, 4.) — „Lettera on cholera" (London 1832) — „Observationa an 
atmoapheric influence, chiefly in reference to the climate and disease of eastern 
regiona" (Joiirn. of the Roy. Asiat. Soc. 1838). 

Calliseu, T, pag. 66; XXVI, pag. 19. (r. 

Aitken (Aitkin) John A., Professor der praktischen Mediciu, Anatomie, 

Chirurgie, Geburtshilfe und phannaceutischen Chemie an der Universität zu Edinburgh, 

war seit 1770 Mitglied des Royal College of Surgeons in Edinburgh, wurde Chirurg 

der dortigen Royal Infirmary und erfreute sich des Rufes eines geschickten 

Operateurs. Seine Schriften sind fast allen Fächern der Mediciu entnommen : 

„Eaaaya on aeveral iviportant subjecta in »urgery, chiefly vnth regard to the 

nature and eure of fractures" (London 1771) — „Eaaaya and cases in surgery" 

(London 1775) — „Medical improvenient and address read to the Medical 

Society of Edinburgh" (Edinburgh 1777) — „Gonspectu^ rei chirurgica^y niorboa, 

vpercUionea, inatrumenta et admijiistrationem, ayatematice amplectena" (Edinburgh 

1778) — „Systematic elementa of the theory and practice of surgery" 

(Edinburgh 1779; deutsch: Anfangsgründe u. s. w. Leipzig 1781) — „Outlines 

of the theory and eure of fever y upon piain and rational principles" (Edinburgh 

1780) — „Systematic elements of the theory and 2^^^^^i<^^ of medicine'' 

(London 1782) mit den bereits erwähnten „Elements of surgery" ein zweibändiges 

Werk bildend imter dem Titel: „Elements of the theory ond practice of physic 

and surgery" (2 voll. London 1782 — 1783; der zweite Theil desselben ist nur eine 

neue Auflage der genannten Schrift) — yy Principles of midmifery, or puerperal 

medicine lolth plates" (Edinburgh 1784, 1785; London 1786; deutsche Ueber- 

setzimg: „Crrundsätze der Entbindungskunst" von K. H. Spohb, Xürnberg 1789). 

Er verfasste femer ., Osteology or a treatise on the bones of the himan skeleton "^ 

(Edinburgh 1785) — „Principles of anatomy and physiology" (2 voll. Edinburgh 

1786). — Endlich schrieb er einen „Essay on fractures, and on luxations"* 

f Edinburgh 1789; new edition, London 1809; deutsche Uebersctzung von 

G. Chr. Reich. Nürnberg 1798). Seine meisten Schriften sind Handbücher zu 

seinen Vorlesungen. Pis rühren von ihm mehrere Erfindungen her ; so eine 

Veränderung im Schlossder Geburtszange, ein biegsames Blatt am Hebel, eine 

Zange zur Verkleinerung grosser Steine in der Blase nach gemachtem Steiu- 

schuitt. Endlich ist er auch der Erfinder der Kettensäge, die sich in dem Werk 

über Geburtshilfe abgebildet findet xmd deren Verwendung von ihm statt der damals 

im Schwange befindlichen Symphyseotomic vorgeschlagen wurde. — Sein Tod erfolgte 

1790, wie angegeben wird, durch eigene Hand. 

Watt, I, pag 12. — Biograph, Dictionary of the society for the diffusion of 
useful knowledge, I, 2, pag. 574. (j^ 

Airoldi dl Harcellino, Giovanni Pietro A., Professor der Mediciu in 
Venedig, wurde zu Mandello im Herzogthum Mailand gegen P^nde des 16. Jahr- 
hunderts geboren, studirte in Padua, wurde daselbst Doctor der Philosophie und 
Medicin. Er Hess sich darauf in Venedig nieder. Sein Verdienst besteht nicht in 
der Abfassung eigener Schriften, deren er gedruckt keine hinterlassen hat, sf)ndem 
darin, dass er die Schriften Anderer herausgab ; so die rhetorischen Schriften seines 
Oheims Mabcantonio Majoraggio und die Schriften des spanischen Arzt65 
Francesco Valesio. 

Mazznchclli, I, 1, jjag. 231. 



AKAKIA. — ALAIMO. 77 

/ Akakia, Martin A. (eigentlich Saks-Malice genannt, welchen Namen 
er, emem Gebrauche der damaligen Zeit folgend, in's Griechische umsetzte). Er 
stammte aus Chalons in der Champagne, promovirte in Paris (1526), wurde da- 
selbst Professor der Medicin und Leibarzt Franz I. A. ist bekannt durch die 
Uebersetzung einiger Werke Galen 's, dessen eifriger Commentator er gewesen. 
Von seinen Schriften verdienen „Consilia medica'* und zwei Bücher über Frauen- 
krankheiten Er^ithnung. Er starb 1551. — Martin A., Sohn des Vorigen, gleichfalls 
Professor, und zwar der Chirurgie in Paris, starb 1558. — Ein Enkel des eben 
Genannten, zugleich der letzte dieses Stammes, starb 1677 aus Kummer darüber, 
dass er während 6 Monaten von der Pariser Facultät ausgeschlossen wurde, weil 

er, seinem Eide entgegen, mit fremdländischen Aerzten consultirt hatte. 

Ünger. 

Akenside, Mark A., wurde am 9. November 1721 zu Ncwcastle-upon- 
Tyne geboren und zeigte schon früh «grosse poetische Begabung, so dass sein erstes 
(fcdicht im Jahre 1737 in einem anerkannten Blatte veröffentlicht wurde. 17 Jalire 
alt, bezog er die Universität Edinburgh, um Theologie zu studiren, ging aber nach 
einem Jahre zur Medicin über und suchte 1741 zu seiner weiteren Ausbildung die 
berflhmte Universität Leyden auf. Hier promovirte er am 16. Mai 1744 mit einer 
Dissertation „De ortu et incremento foetus humani^ (Leyd. 1744, 4.) und kehrte 
nach London zurück, wo er sich als praktischer Arzt niederliess. Da es mit der 
Praxis nur langsam vorwärts ging, versuchte er mehrere Male ausserhalb Londons 
«ein Glück, aber auch dort vergeblich, bis endlich ein erneuter Versuch in London 
fofolg hatte. Er wurde ein gesuchter Arzt, erhielt Stellungen an Hospitälern und 
i^chliesslich die Ernennung zum Leibarzte der Königin, starb aber schon am 
23. Juni 1770 im Alter von noch nicht 49 Jahren an brandiger Halsentzündung. 

A.'s Bedeutung liegt mehr nach der dichterischen als ärztlichen Seite, 
und sein Hauptwerk yjPleasures of Imagination^ wird von seineu Landsleuten in 
fast überschwenglicher Weise gepriesen — doch t adeln' manche eine grosse Dunkel- 
heit, ja Unverständlichkeit und Ueberschwenglichkeit im Ausdrucke. Als medicinischer 
Schriftsteller ist er ohne Gewicht. Ausser seiner Dissertation veröffentlichte er 
„Observattons on the origin and tke ttse of the lymphatic vessels^ (London 
1757, 8.), einige kleinere Abhandlungen in den Philosophie. Transactions 1768, 
nnd die viel citirte und gepriesene Arbeit über die Ruhr „Commentarius de 
dysenteria*^ (London 1754, 8., abgedruckt in Thesaurus pathologico-therapeuticus, 
coli, et ed. Jo. Christ. Trang. Schlegel. Lips. 1789, 8.; vol. I, pars H, pag. 277 
bis 314) — ein in keiner Hinsicht irgend welche Beachtung verdienendes Machwerk, 

Literatur: Charles Bücke, Onike life^ wriüngs and genius of Akenside: 
icith some account of his friends, London 1832, 8. ir„^cs«i^ 

Akron ("Axpcov) aus Agrigent, Schüler des berühmten Philosophen 
Kmpedokles, war ein angesehener Arzt zur Zeit des peloponnesischen Krieges. Er 
soll während der grossen Pest in Athen die Luft durch das Anzünden von Scheiter- 
haufen gereinigt und dadurch vielen Kranken geholfen haben (Plut. de Isid. et 
Osur. c. 79). Dasselbe wird aber auch von Hippokrates erzählt. Nach SüiDAS 
8. h. V. schrieb er über die Diätetik Gesunder (xspl Tpo(p^; uyteivöv) in dorischem 
Dialekte. Die Empiriker nannten ihn, doch mit Unrecht, den Gründer ihrer Schule. 
(Gal. XIV, 683 K. Hin. XXVIII, 1, 4.) Helmreich. 

Alaimo, Marcantonio A., Arzt in Palenno, war zu Kagalbuto, einem 
Flecken auf Sicilien (Provinz Catanea) 1590 geboren, erlangte 1610 zu Messina die 
medieinische Doctorwürde und nahm 1616 seinen Wohnsitz in Palermo, wo er sich 
bald einen solchen Namen machte, dass ihm die erste Professur der, Medicin in 
Bologna angetragen wurde. Er schlug dieselbe jedoch aus , ebenso wie das ihm 
angetragene Amt eines Protomedicus des Königreiches Neapel. Ganz besonderes 
Verdienst erwarb er sich bei Gelegenheit der Pest-Epidemie, von welcher 1624 
Sicilien befallen wurde. A. war auch einer der Begründer der Akademie der 



l 



78 ALAIMO. — ALARD. 

Mcdiciu iu Palermo und wurde viermal zu deren Präsidenten gewählt. Er Htarb 
am 29. August 1662. Seine Schriflen sind: „Dtscorso vUomo alla preservazwne 
del morbo catUagtoso, e mortale, ehe regna al preaenie in Btdermo, ed in 
altre citthj e terre del Regno di Sicilia^ (Palermo 1625, 4.) — „Ccnsiglj 
medtco-politici composti d^ordine delV Illustriss. SencUo Palermitano per 
Voccorrenii necessita della peste^ (Palermo 1625, 4.) — „Gonsultatio pro 
Ulceris Syriaci nunc vagantis curatione ad Thomam et Johannem Vicentium 
Med. Doctorea etc,*^ (Panormi 1632, 4.) — ;,AtaXe)CTüa3v XtaSexTtxov, sea de 
succedanets medicamerüis opusculum, ne dum pharmacojwlis necessarium, verum 
etiam medicis, chimicisve maxime utile, in quo nova et admiranda naturae 
arcana reconduntur^ (Panormi 1637, 4.). 

Mongitore, II, pag. 33. — Mazzuchelli, I, 1, pag. 238. G. 

Alanson, Edward A., Chinirg an* der Royal Infirmarj' zu Liverpool, 
war 1747 zu Newton in Lancashire geboren, wurde 1763 Schiller von Pickering, 
einem der Chirurgen der Royal Infirmary, in dessen Familie er fünf Jahre blieb. 
Er ging dann nach London, w^ar zwei Jahre lang der Schüler von JOHK Hqntkr, 
kehrte darauf nach Liverpool zurttck, um eine I^raxis zu beginnen und wurde in 
demselben Jahre, 1770, zum Chirurgen an der Royal Infirmary erwählt, welche 
Stellung er 24 Jahre inne hatte. Er ist vorzugsweise berühmt geworden durch die 
von ihm angegebene Amputationsmethode, der Bildung von Lappen durch Schnitt 
von aussen nach innen, wobei er die Absicht hatte, einen guten Stumpf, ohne 
Hervorragung des Knochens und möglichst die schnelle Vereinigung zu erzielen. 
Er beschrieb das Verfahren in der Schrift: „Practical Observation 07i amputation 
and the after-treatment , to lehich is added an account of the amputcUiov 
above the ankle with a flap^ (London 1779, 2. edit. 1782), die deutsch in der 
Samml. f. Wundärzte, 1783, St. 7 und in yyPraktische Anmerkungen über die 
Amputation; nebst Herrn Parkas Nachricht von einer neuen Methode, einige 
Krankheiten des Knie- und Ellenbogen gelenkes zu behandeln^ (2 Theile, 
Gotha 1785) und französisch als „Manuel pratique de Vamputation des membres, 
trad. par M. Lassus^ (Paris 1784) erschien. 1794 legte A. wegen geschwächter 
Gesundheit seine Stelle an der Royal Infirmary nieder, beschränkte seine Praxis 
imd zog sich zu diesem Zweck nach Aughton bei Ormskirk zurück, wo er sieben 
Jahre als consultirender Chirurg prakticirte. «Er zog viele Patienten dahin und, 
um seinem alten Wohnsitze näher zu sein, kaufte er 1808 ein Haus in Wavertree 
bei Liveri)ool, woselbst er bis kurze Zeit vor seinem 1823 erfolgten Tode prakticirte. 

Biographieal Dictionary of the »odety for the diffusian of lueful knowledge. I, 2, 
pag. 612. — Callisen, I, pag. 69; XX,VI, pag. 21. q 

Alard, Marie-Joseph-Louis-Jeau-Franijois-AntoineA., Arzt 
zu Paris, war am 1. August 1779 zu Toulouse geboren, erlangte die Doctor- 
wtirde zu Paris 1803 mit der These: r? Essai sur le catarrhe d' l'oreille*^ 
(2. edit. 1807), wurde 1806 Arzt am 4. Dispensaire und später Chefarzt des Erziehungs- 
hauses der Ehrenlegion. Seine schriftstellerische Thätigkeit widmete er besonders 
den Erkrankungen des LymphgefHsssystems, über die er seine basondcren Theorien 
hatte, indem er den Lymphgefässen eine ausserordentlich grosse Rolle in den 
Geweben des Köri)ers und demgemäss auch bei den Erkrankungen derselben zu- 
schrieb. Die erwähnten Arbeiten sind folgende: „Histoire d'une maladie parti- 
culi^re au Systeme lymphcttique, friquente^ quoique mSconnue jusqu'a ce jour*^ 
(av. 4 pl. Paris 1806). Dieselbe mit verändertem Titel: „Histoire de C SlSphantiasis 
des Arabes, maladie particuli^re au Systeme lymphatique , fr^quente daiis nos 
climats, quoique mSconnue jusqv^h ce jour" (av. 4 pl. Paris 1809); die 
zweite Ausgabe davon erschien vermehrt unter dem Titel: „De Vinßammation 
des vaisseaux lymphcUiques , dermoides et sous^cutanes , maladie -ddsignSe 
par les auteurs sous les diffSrens noms d^SlSphantiasis des Arabes, d^oedbme 
dur, de hernie charnue, de maladie glandulaire de Barbade etc." (Paris 1824) — 



ALARD. — ALBERA. 79 

„Nmveües obaervatwiia aur Väiphantiasia des Ärabes" (1811). — „Du siSge 

ä de la nature des maladies, ou nouvelles considirations touchant la vMtable 

action du systhme abaorbant dans les phenomenes de rSconamte . animale^ 

(Paris 1821). Ausserdem schrieb er noch eine Anzahl von Aufsätzen für 

Zeitschriften. Er starb im Mai 1850. 

£ Beangrand bei Dechambre, II, pag. 384. — Callisen, I, pag. 70; 
XXYI. pag. 21. G. 

Alban, Johann Ernst Heinrich A., Mecklenbiirgi(»eher Arzt und 

Industrieller, war am 7. Februar 1791 zu Neubrandenburg geboren, studirte seit 

1810 in Rostock, Berlin und Greifswald, auHinglieh Theologie, seit 1811 aber 

Medicin, Physik und Mechanik, ging dann nach Göttingen, um unter Lanoexbeck 

und HoiLT noch in der Chirurgie und Augenheilkunde sich zu vervollkommnen, 

wurde praktischer Arzt und 1815 Privatdocent in Kostock und schrieb als solcher : 

;, Versuch einer Anleünng zur richtigen Oesundkeitapßege der Augen für den 

Nichtarzt^ (Rostock 1816 mit 2 col. Kpf.) imd „Beschreibung einer zweckmässigen 

und wohlfeilen Maschine zum Verbände des Oberschenkelbe inhalsbruches^ (in 

Langenbeck's Keuer Bibliothek, Bd. I, 1817). Obgleich er einer der beliebtesten 

Aerzte der Stadt war, und namentlich vieler gltlcklichen Htaaroi)erationen sich 

r&bmen konnte, wurde er von einem unwiderstehlichen Drange zu technischen 

Studien getrieben, gab 1825 seine ärztliche Praxis auf, ging nach England, kehrte 

aber 1827 wieder nach Mecklenburg zurück, etablirte auf dem von ihm 1830 

erworbenen Gut Kl. - Wehnendorf bei Tessin die erste Maschinenbauanstalt in 

Mecklenburg. Am 1. Juni 1850 wurde ihm von der plülosophisehen Facultät zu 

Rostock die Doctorwürde honoris causa verliehen. Sein Tod erfolgte zu Plan am 

13. Juni 1856. In der medicinischen Welt ist A.'s Name vorzugsweise durch 

den von ihm angegebenen, oben erwähnten Apparat zur Behandlung der Fr. colli 

femoris bekannt geworden. 

Blanck, pag. 135. — AUgem. Deutsche Biographie Bd. I, pag. 175 (Lobe). 

G. 

Albani, Giovanni A., Professor der Medicin in Bologna, war daselbst 
1590 geboren, wurde Doctor der Philosophie und Medicin am 29. Juni 1614, 
erhielt im folgenden Jahre einen Lehrstuhl der Logik und 1618 eine ausserordent- 
liche, 1625 eine ordentliche Professur der theoretischen Medicin. Er wurde 1622 
in d»B Collcglum medicum und 1626 in das Collegium philosophicnm aufgenommen. 
Als er 1632 nach Cento als Gemeindearzt berufen wurde, erhielt er vom Senat 
die Erlaubniss, sich seine Vorlesungen in Bologna vorzubehalten. Er starb 1633 
nnd hinterliess folgende kleine Schriften: „De^syllogis^no Artstotelico , Synopsis 
od Aristotelis mentem^ (Bonon. 1620, 4.) — „De cmwvlsianibus tractatua^ 
(Bonon. 1630, 4.). 

Mazzuchelli, I, l. — Fantiizzi, I, pag. 91. G. 

Albeitar, s. Araber (XXIIIj. 

Albera, Giovanni Maria A., Arzt in Novara, Varese und Oleggio, 
wurde am 19. November 1742 am letztgenannten Ort geboren, machte seine 
Studien in Novara, wurde den 5. Mai 1766 Doctor der Medicin, besuchte darauf 
Venedig und Bologna und lernte namentlich während seines dreijährigen Aufent- 
haltes am letztgenannten Orte (1766 — 1768) die dort herrschenden, damals söge- 
Bannten putriden Fieber kennen. In die Heimat zurückgekehrt, wurde er mit der 
Behandlung derselben Krankheit, welche endemisch die Provinz Varallo heimsuchte, 
betraut und stand diesem Amte von 1769 — 1771 vor. Auch in Oleggio und dem 
benachbarten Dorfe Merano konnte er in den Jahren 1772 und 1773 seine Er- 
fahrungen fortsetzen, ebenso wie in Novara, wo er gegen Ende 1774 seinen festen 
Wohnsitz genommen hatte. Das Resultat seiner Beobachtungen legte er in der Schrift : 
nTrnttato teorico-pratico delle febbri, e vialatfie 2>utn'de'^ (Novara 1775) nieder. — 



80 ALBERA. — ALBERS. 

Er Ijüeb in Novara bis 1779, wechselte dann aber in Folge von häuslichem Unglück 
und aus Gesundheitsrücksichten seinen Aufenthalt und Hess sich mit einer für zehn 
Jahre ertheilten Erlaubniss des Königs Victor Amadens zu Varese (im 
Mailändischen) nieder. Angeregt durch ein die Pellagra betreffendes Circular der 
patriotischen Gesellschaft in Mailand, veröflfentlichte A. seine Ansichten über die- 
selbe in seinem „Trattato teorico-pratico delle maJattte delV insolaio di primavera 
rolyarmente dette della pellagra" (Varese 1784). — Während seines Aufent- 
haltes in Varese wurde er bei verschiedenen Gelegenheiten mit der ehrenvollen 
Mission der Bekämpfung von epidemischen Krankheiten, die in seiner Nachbarschaft 
herrschten, beauftragt. Er zog sich dabei den Neid seiner Collegen zu und wurde 
als „Ausländer" der medicinischen Facultät zu Pavia denuncirt. Dorthin durch 
Peter- Frank, dem seine grosse Geschicklichkeit nicht unbekannt war, berufen, 
wurde ihm am 6. August 1788 das Fihrendoctordiplom dieser Universität ver- 
liehen. — Nachdem die A. gCj^ebene Frist, im Auslande zu wohnen, verflossen 
war, kehrte er gegen Ende 1789 nach Oleggio zurück und sammelte im Laufe 
der vielen Jahre, die er noch daselbst prakticirtc, zahlreiche Beobachtungen, die 
er unter dem Titel: yjOsservazwni praticke del dottor fisico Qtov, Mar. Älhera 
dVleg<po'' fMilano 1806) publicirte. Er starb am 12. März 1808. 

Biografia med. Piemontese. II, pap:. 306. (x. 

Alberizzl, Pietro Giuseppe A., Arzt in Mailand, war in Voghera, 
einer Stadt zwischen Pavia und Tortona, um das Jahr 1692 geboren, studirte in 
Pisa, wurde daselbst Dr. phil. et medic, begab sich dann nach Rom und hörte 
unter Anderm daselbst den bertihmten Lancisi. Er Hess sich in Mailand nieder 
und war daselbst in Gemeinschaft mit dem Dr. Paolo GraOLAMö BrüMA praktisch 
thätig, wurde bald Mitglied der Akademie de' Faticosi, verfasste als Secretär der- 
selben die Jahrbttcher dieser berllhmten Gesellschaft. Am 7. August 1722, nur 
wenig tiber 30 Jahre alt, starb er. — Neben der Uebersetzung eines historischen 
Werkes ist von ihm nur die folgende medicinische Schrift verfasst worden: 
y^Crttologta medtra, in cui st stabiliscono, esclusi i vermiccivoli, altre cagioni 
della peste, e siil diverso pensamervto saddita una idea dt nietodo preservativo 
e curattvo" (Milano 1720), in welcher er die von dem Dr. Bartolommeo 
(^ORTB in demselben Jahre behauptete Uebertragung der Pest durch besondere 
„Pestwürmer" bekämpfte. 

Mazznchelli I, I, pag. 293. G. 

Albers, Heinrich Philipp Franz A., königl. hannoverischer Hof- 
medicus, Stadtphysicus zu Wunstorf bei Hannover, Bninnenarzt zu Rehburg, war 
am 9. August 1768 zu Hemeln bei Hanno verisch-Münden als Sohn eines Predigers 
geboren, studirte in Göttingen ein Jahr lang Theologie und darauf drei Jahre 
Medicin. Nachdem er 1792 zu Marburg zum Dr. med. promovirt worden, prakticirte 
(T seit 1792 zu Stolzenau in der Grafschaft Hoya und seit 1805 als Brunnenarzt 
zu Rehburg. 1810 wurde er Stadtphysicus zu Wunstorf und Landphysicus im 
Amte Blumenau. Seine literarischen Arbeiten beschäftigen sich mit dem Bade 
Rehburg und dessen W^irksamkeit, sie sind in einer 1830 erschienenen Schrift: 
^Üeher das Bad Beliburg ttnd seine Heilkräfte/* gesammelt. Ausserdem hat 
er im Hannoverischen Magazin und in HüFELANd's Journal eine grosse Anzahl von 
Aufsätzen veröffentlicht. Sein Tod erfolgte am 9. September 1830. 

Rotermund, Gelehrtes Hannover, pag. 15. — Neuer Nekrolog der Deutschen. 
Jahrg. 8. 1830, Thl. 2, pag, t)60. — Callisen, I, 76; XXI, 3. G. 

Albers, Johann Abraham A. , Arzt zu Bremen, war daselbst am 
20. März 1772 als Sohn des Aeltermannes Johann Christoph A. geboren, 
besuchte die Btlrgerschulc und das Lyceum seiner Vaterstadt and von seinem 
18. Jahre an das Carolinum in Braunschweig. Daselbst wurden zunächst ältere und 
nenere Sprache und die übrigen wissenschaftlichen Vorstndien getrieben, aber auch 



ALBKBS. 81 

Vorlesungen über Physiologie, Chirurj^ie gehört; auch erhielt er dort deu ersten 
Unterricht in der Anatomie und fand bereits Gelegenheit, die im Krankenhause 
behandelten Kranken täglich zu sehen, den chirurgischen Operationen beizuwohnen 
und sich in der Verbandlehre zu flben. Nach 2jährigem Aufenthalte in Braunschweig 
King er nach Jena, wo er, ausser einer Reihe anderer Vorlesungen, l^/g Jahr lang 
die mediciniseh-chirurgische Klinik von Loder und Hüfeland besuchte; er begab 
sich darauf für ein halbes Jahr nach Göttingen, kehrte aber nach Jena behufs seiner 
Promotion zurück, die unter Loder am 30. März 1795 mit der Dissertation ,,Z>e 
oiicite*' erfolgte. Von seinem Vater wurden ihm nunmehr die Mittel zu einer mehr- 
jährigen wissenschaftlichen Reise gew«*ihrt. Er wendete sich zuerst nach Marburg, 
wohin ihn besonders Baluinger und Stein zogen, 6 Monate später besuchte er 
Wien, wo er weiter Gelegenheit fand, sich in der Geburtshilfe auszubilden und 
mit den Krankheiten der Wöchnerinnen, namentlich dem Kindbettfieber, vertraut zu 
machen. Von Peter Frank's klinisclien Vorträgen fühlte er sich hingerissen und 
aus JoH. Ad. Schmidt s Vorlesungen über Augenheilkunde schöpfte er die gTösste 
Belehrung. Der von Wien beabsichtigte Besuch Frankreichs scheiterte an den 
Kriegsunruhen ; dagegen ging er mit seinem Freunde Dr. A. Düncan jun., den er 
in Wien kennen gelernt hatte, nach Edinburg und in dem Hause von dessen Vater, 
dem älteren Professor A. Düncan, auf das Freundschaftlichste aufgenommen , ver- 
weilte er auch in Edinburg ein Jahr und kehrte nach einem lungeren Aufenthalte 
in London im Jahre 1708 in seine Vaterstadt zurück. Von seinen Reisen hör 
datiren bereits seine ersten literarischen Publicationen, so aus Marburg: „Heilung 
einer Chorea^* und aus Edinburg und London: ^Ueher die innere Anwendung 
der Salpetersäure bei Geschwüren, venerischen Krankheiten etc.*^ — „Heilsame 
Anwendung des geschwefelten Ammoniaks beim Diabetes^ — „ Med icinische Nach- 
richten ans England^, sämmtlich in dem neu gegTündeten HüFELAXD'schen Journal 
(Bd. 1, 4) erschienen. Die bei seiner AnwcKcnheit in England begonnene Reform 
der Hospitäler und Hilfsanstalten für Kranke veranlasste ihn 1799, W^iLi.lAM 
Blizard's „ Vorschläge zur Verbesserung der Hospitäler und anderer wohl- 
tluifiger Anstalten^ aus dem Englischen zu übersetzen und in Deutschland die 
Aufmerksamkeit auf diese Vorgänge zu lenken. Einige dem Anhange dieser Schrift 
beigefügte Bemerkungen über ärztliches Wirken in England und Deutschland, sowie 
ober die Krankenanstalten und medicinischen Schulen in London, Edinburg, Bath 
nnd Wien geben ein treues Bild der damaligen Zustände. — Beim Eintreten in 
die praktische Laufbahn in seiner Vaterstadt hatte er sich namentlich des freund- 
lichen Entgegenkommens des sehr beliebten Dr. Georg Bicker und der Freund- 
flfhaft des als Astronom so hoch berühmt gewordenen Arztes Dr. H. W. M. Olbers 
w erfreuen. Er widmete sich mit Vorliebe der Augen- und Kinderheilkunde und 
fand bald einen ausgedehnten Wirkungskreis. Seine Erholung suchte er in dem 
flcissigen Studium wissenschaftlicher Werke , namentlich von praktischer Richtung, 
in. der Beschäftigung mit literarischen Arbeiten, in dem Studium der vergleichenden 
Anatomie und in der Pflege einer ausgebreiteten Correspondenz mit Aerzten und 
Naturforschern des In- und Auslandes. Einige von seinen nächstfolgenden Publi- 
cationen aus dem Jahre 1800 und den folgenden finden sich in englischer Sprache 
inDüNCAN's Edinburger Annais of medicine (Vol. V — VH), nämlich.; „History of a 
cojie of Croup etc. ^ — ^Remarks on a cnse ofinversio uteri terminating fafally^ — 
„Observations on a case of zona, on the cow-pox and on angina polyposa" — 
„Remarkable cases of convidsions loith some observations on the hemorrhoea 
petechtalis, or petechiae sine febre*^. 1802 und 1808 machte. A. den Versuch, 
durch seine „Amerikanische Annalen der Arzeneykunde, Naturgeschichte, Chemie 
vnd Physik^ (Heft 1 — 3) die Literatur Amerika's für Deutschland durch kurze, 
aber mit gesunder Kritik verfasste Anzeigen zugänglicher zu machen; die bald 
darauf eingetretenen politischen Verhältnisse verhinderten jedoch die Fortsetzung 
de« Unternehmens. Seine im Jahre 1803 erschienene, Reil in Halle zugeeignete 
Monographie „ Ueber Pulsationen im Unterleibe^, die ein sehr sorgföltig gesammeltes 

Biogr. I^esikon. I. (i 



82 ALBERS. 

Beobachtuiigsinaterial enthält, diente nicht unwesentlich zur Klilrung manclicr 
dunkeler Zustände in jenem Bereiche. — A.'s besondere Neigung für das Studium 
des Auges äusserte sich theils in einigen Aufsätzen tlber Erkrankungen desselben 
(in Himly\s und J. A. Schmidt's ophthalmologischer Bibliothek , Bd. II, III): „Ein 
zertheilter Kapselstnar^ — „ Consensus beider Au<jen miteinander^ — „Plötzlich 
entstandenes Schielen und Doppeltsehen durch Galvanismus geheilt^ , theils in 
seinen auf ausgesprochener Vorliebe und Pflege der v e r g 1 (i i c h e n d e n Anatomie 
beruhenden anatomischen und physiologischen Untersuchimgen dieses Orgaus bei 
den verschiedenen Thieren. Diese Arbeiten , beginnend mit einer vielfache Wider- 
legungen, Berichtigungen und Entdeckungen enthaltenden Analyse von ('DViEß'i? 
„Le^ons d'anatomie compa r^e^ , beschäftigen sich mit dem Auge des Walfisches, 
Narwals, Seehundes, der Schildkröten, des Kabeljaus, des Sprenkelfisches und einer 
grossen Zahl von Vögeln und erstrecken sich, in verschiedenen Zeit-, Gesellschafts- 
und Akademieschriften publicirt , bis in das Jahr 1808. Seine Forsch nngen auf 
dem Gebiete der vergleichenden Anatomie wurden durch die Nähe des Meeres und 
die vielen \'erbindungen Bremens mit entlegenen W^elttheilen nicht wenig begünstigt. 
Er w*ar daher im Stande, eine nicht unbedeutende Sammlung interessanter und 
seltener zoologischer Gegenstände, denen sich die bei Sectionen gewonnenen patho- 
logischen Präparate anschlössen, zusammenzubringen, eine Sammlung, die nach 
seinem Tode von der l'niversität Bonn durch Kauf erworben wurde. Zu bewundern 
ist, wie er, neben seinen übrigen vielen Leistungen als einer der beschäftigtsten, 
pflichttreuesten und humansten Aerzte, die Zeit gewann, noch dergleichen seinem 
praktischen Wirkungskreise fem liegende Studien zu machen. Noch einige Jahre 
vor seinem Tode (1818) gab er „Icones ad illustrandam anatomen comparatam'^ , 
die zur Osteogenese der Cetaccen einen nicht geringen Beitrag enthalten , heraus ; 
das zweite Heft derselben erschien erst (1822) nach seinem Tode, von seinem 
Freunde Dr. Barkhaüsen publicirt. Auch um die menschliche Pathologie hat sich 
A. anerkannte A^erdienste erworben. Für eine von der Wiener Josephs-Akadeniic 
1802 gestellte l^rcisfrage: „Worin besteht eigentlich das Uebel, das unter dem 
sogenannten freiwilligen Hinken der Kinder bekannt ist? Findet dagegen 
eine Heilung statt? Wann und wo findet sie statt und durch welche Mittel wird 
sie erzielt?" erhielt er die silberne, and nachdem die Bewerbung 1804 noch einmal 
eröffnet worden, später die goldene Medaille. Die Veröffentlichung der Preisschrift 
erfolgte erst 1807 fWien, 4.). Die Art der Lösung der Aufgabe entspricht freilich 
tmseren heutigen Anschauungen nicht, sie kcmnte sieh von den damals herrschenden 
Gnmdsätzen der F^rregungstheorie nicht emancipiren: die pathologische Anatcmiie 
hatte kaum eine Berücksichtigung gefunden ; was jedoch A. über die Ursachen der 
Krankheit, ihre Diagnose, ihren Verlauf und ihre Naturheilung beibringt, ist aller 
Anerkennung werth. — Ein viele Jahre seines Lebens in Anspruch nehmendes 
imd eine Hauptfrage in demselben bildendes Studium wendete er dem Group 
zu. Schon in Edinburg, wo er ihn zuerst beobachtet hatte, erregte er seine ganze 
Theilnahme; nach Bremen zurückgekehrt, hatte er bei seinen nächsten Angehörigen 
Veranlassung, dieser Krankheit entgegenzutreten und schon 1804 schrieb er eine 
kleine Schrift „ Ueher eine die schnellste Hilfe erfordernde Art von Husten 
nnd von Beschwerden heim Äthmen oder über den Croup, Ein Wort an 
Mütter". Als dann vom Kaiser Napoleon 1807, in Folge des Todes eines 
Sohnes der Königin Hortense von Holland am Croup, ein Preis von 12.000 Franken 
für die beste Abhandlung über die Natur der Krankheit und ihre Heilung aus- 
gesetzt wurde, w^ren imter den 83 Preisbewerbern die zwei, denen nach Schlui» 
des Concurses (1. Juli 1801)) der Preis ex aecpio zuerkannt wurde, luiser Albers 
und JüKiNE in Genf. Erst im Februar 1812 fand die Veröffentlichung des Urtheils 
der Preisrichter und erst 1815 die von A. 's Preisschrift ^ De tracheitide infantum 
vulijo Croup rocatay comvitntatio, cui praemium a quondam Imp, Napoleone 
praepositum ex dimidia parte delatum est" (4. maj., eine in. sprachlicher Be- 
ziehung verbesserte Ausgabe davon erschien 1816) statt. Schon vorher hatte A. sein 



ALBERö. 83 

weiteres lutercöse für deu Geji^eustand dadurch kundgej^ebeu , dans er die Ueber- 
setzungen der Schriften von F. H«)ME fl8(M)j und von Kover-Oollard über den 
('roup (1814j mit einer Vorrede und mit Anmerkun^^on ver8ah. Dasselbe that er 
bei der von ihm in freundschaftlicher Uebereinstimmun^ mit seinem erfolgreichen 
Mitarbeiter JuRiNE veranlassten l'ebersetzung von dessen l^reisschrift (181Gj und 
der in schwedischer »Sprache (1814; erschienenen, die pathologische Anatomie eines 
Falles von Croup betreffenden Arbeit von Carl Träfvenfelt. Eine Bemerkung 
über die Zwecklosigkeit der Tracheotomie in der Uebersetzung von Home's Schrift 
verwickelte ihn jedoch in eine heftige literarische Fehde mit dem alten Heim iu 
Berlin, die erst bei i>ersönlicher Bekanntschaft mit demselben 1819 in Berlin eine 
freundschaftliche Ausgleichung fand. — Eine weitere Aufmerksamkeit wendete A. 
der P h 1 e s: m a s i a alba dolens zu. Nachdem er Arbeiten über den Geürenstand 



ö 



to' 



von Westberg aus dem Schwedischen (1815j und von WvER aus dem Englischen 
fl8l7) hatte übersetzen lassen und selbst mit Anmerkungen versehen hatte, veran- 
lasste er Dr. Barkhausen zur Sammlung der einzelnen Beobachtungen und 
wollte selbst die letzte Hand an das Werk legen, allein sein Tod Hess dies nicht 
zur Ausführung kommen. — Auf die geburtshilfliche Praxis bezüglich, findet 
sich, ausser dem schon erwähnten Falle von Inversio uteri , ein Aufsatz ;, Ueher 
die Möglichkeit des Schwangerw Ordens auch ohne Empfindung von Wollust 
von Seiten des Weibes^ ("1804), von Melber in Frankfurt a. M. beobachtet und von 
A. mit Bemerkungen publicirt, ferner „ The history of a woman who bore a seveii 
months foetus for seilen years, was delivered of it per anum and completely 
reeovered*" fLondon Med.-Chir. Transact. Vol. VIII, 1817j, endlich „Ueber den 
Tod der Prinzessin Charlotte von England*" f Salzburger med.-chir. Ztg. 1818), 
der bekanntlieh bald nach der Entbindung erfolgte, nach englischen Quellen. — A. war 
es, der die durch innerlichen Gebrauch von Höllenstein entstehende schiefergraue 
Färbung der Haut zuerst richtig deutete { ^Observations on a change of colour 
in the skin, produced by the internal use of the nitrate of silver** (Med.-Chir. 
Transact. 18 IG u. s. w.). — Die Zwecklosigkeit des Aderlasses bei Hydrophobie 
le^ er in einer Publication im Edinb. Med. and Surg. Jouni. 1815 (^A case 
of hydrophobia , unsuccessfully treated by copious bleeding^) dar. Die An- 
merkungen zu der von ihm veranlassten Uebersetzung von C. K. Pemberton*s 
Abhandlung über verschiedene Krankheiten des Unterleibes (1817) zeigen ihn gleich 
tuehtig als Arzt und Pathologen. — A., der sich der allgemeinen Liebe seiner 
Mitbürger erfreute, wurde 18(.)7 zum Physicus seiner Vaterstadt und während der 
französischen Herrschaft 1810 — 1813 mit Olbers zum Mitgliede der Jury medical 
des Weser-Departements und zum Membre du Conseil g6n6ral desselben ernannt; 
die grosse Reihe von gelehrten Gesellschaften, welche ihn zum Mitgliede wählten, 
und die Ehrenbezeugungen, welche ihm sonst zu Theil wurden, wollen wir nur 
andeuten. — Ein typhöses Fieber machte dem L3ben dieses ausgezeichneten 
Arrtes und Forschers nach kaum vollendetem 49. Lsbens jähre am 24. März 
1821 ein Ende. 

Botermuud, Bremische Gelehrte, I, p.ifc ;^. — Bremische Aerzte. pag. 1U9 
(C. H. Schmidt und H. Wilckens.) „ ,, 

Albers, Job. Christoph A., geboren 17i)5 in Bremen, trat in den 
preussischeu Medicinal-Staatsdienst, war Kreisphysicus und Mediciualrath bei der 
Regierung iu Gumbiimen, als welcher er unter Anderm eine Schrift : ;, Ueber das 
Wesen der Blattern und ihre Beziehung zu den Schutzblatter n^ veröffent- 
lichte (1831). Er wurde dann Director der Thierarzneischule zu Berlin, deren 
Geschieht« er im Jahre 1841 zum fünfzigjährigen Bestehen der Anstalt herausgab. 
In den Ruhestand getreten, widmete er sich zoologischen Forschungen, als deren 
Erzeugnisse „Die Heliceen*^ (1850) imd „Malalcographia Madeirensis^' (1854) 
20 nennen sind. Er starb 1857 zu Stuttgart. y j^^ik 

1)=*= 



84 ALBERS. — ALBERT. 

Albers, Moritz Karl August A., Arzt in Hamburg, wurde zu Wands- 
beck am 29. December 1798 als Sohn des 1821 verstorbenen dortigen Arztes 
Dr. Friedrich Bernhard A. geboren, studirte von Ostern 1819 an Medicin 
auf dtn Universitäten zu Halle, Göttingen, Kopenhagen und Berlin, wurde hitr 
promovirl. Im März 1823 ging er nach Hamburg, wo er als Arzt und Geburts- 
helfer vereidigt, Armenarzt und (1850) Mitglied des Gesundhcitsrathes für die 
Geburtshilfe wurde. Er schrieb mit WORMES und Tocrtüal tlber den „h'utzen 
des Tartar. emeticus hei entzilndlicheii Brust äff ectxonen"^ (Hüfeland's Journal, 
Bd. LVII, 1823) und in dänischer Sprache: „Et märheligt Täfhlde af Anen- 
rlsma'^ und „Prahtishe Jagtta gelser'' (Bibliothek for Läger, Bd. VIII, 1828, 
Bd. XIII)-, ferner: Aufsätze in Simon 's antihomöopathischem Archiv (Bd. H), und 
in Oppenheim's Zeitschrift. Sein Tod erfolgte am 13. Mai 1868. 

Hans Schröder, Hamburger Sohi'iftsteller, Bd. I, pag. 30. — Lübker & 
Sehr öd er, Nachträge, pag. 719. — Alberti, pag. 6. d 

Albers, Johann Friedrich Hermann A., wurde 1805 zu Dorsten 
bei Wesel geboren, studirte von 1823 — 1827 in Bonn und wurde dort uacheinand, r 
Assistent der medicinischen Klinik, Privatdocent, Pr(»fcKsor und Director der pharma- 
kologischen Sammlung. Er entfaltete eine reiche Lehrthätigkeit , welche er dann 
auch, nach Errichtimg einer eigenen Privat - Heilanstalt für Nerven- imd Genultbs- 
kranke, auf Psychiatrie ausdehnte. Er starb 1867. 

A. ist ein sehr fnichtbarer Schriftsteller gewesen; seine Arbeiten, theils 
Journal-Artikel, theils Monographien, behandeln mit Vorliebe Pathologie und 
pathologische Anatomie, und es sind hier namentlich der y, Atlas der ixithologischen 
Anatomie^ ('45 Lief, mit Taf.) — „Die Darmgeschiciire'' (1831) — „Die Beoff 
achtungen auf dem Gehiete der Pathologie nnd pathologischen Anatomie"* 
(1836 — 1840) zu nennen. Aber ausserdem lehrt schon der Titel nachbenannter 
von ihm verfasster Hand- und Lehrbücher , wie er sich den verschiedensten . medi- 
cinischen Disciplinen mit Eifer hingab. So verfasste er: „Die Kehlkopf kr aiih-heiteu^' 
(1829) — „Erhenntiiiss und Cur der syphilitischen Uantkraiikheiten" (l^b2) — 
„Allgemeine Pathologie'' (2 Bände, 1842 und 1844j — „Allgemeine Arzneimittel- 
Jehre'' (1853j — ^Erkenntniss der Krankheiten der Brustorgane aus physika- 
lischen Zeichen oder Auscultation , Percussion und Spirometrie^' (nach Davie's 
Vorlesungen 1850). 

Bei klarer anspruchsloser Schreibweise zeigen seine Arbeiten, wenn sie 
auch gerade keine Originalität in der Forschungs weise bekunden , gute Beob- 
achtungsgabe , vielseitige Verwerthung des klinischen wie des experimentellen 
Materials und rühmenswerthe Kenntniss der Literatur. Die empirische Grundlage 
der Meelicin überhaupt, sowie im Besonderem die physiologische Basis der Pathologie 
berücksichtigt er stets in ausreichendem Grade. Viele Abhandlungen, namentlich 
casuistischer Art, sind u. A. auch in den Jahrgängen des von ihm imd Nasse 
während der Jahre 1842 — 1845 rcdigirten Correspondenz-Blattes Kheinischer und 
Westphälischer Aerzte zu finden. p p 1 1 

Albert , Nicolas A. , Besitzer einer Badeanstalt in Paris , machte sieh 
dadurch um die Entwicklung eler Heilkunde verdient, dass er die aufsteigenden 
Douchen gegen die Erosionen und Geschwüre der Gebärmutter empfahl.. Er starb 
um das Jahr 1815. Pnschmann. 

* Albert, Eduard A., gebe)ren im Januar 1841 zu Senftenberg in 
Böhmen, studirte an der Universität AVien, hauptsächlich unter Stricker nnd 
DiTMRElCHER uud wurde 1867 promovirt. 1873 zum ordentlichen Professor der 
chirurgischen Klinik zu Innsbruck und 1881 zum Professor in Wien ernannt, ver- 
fasste er das „Lehrbuch der Chirurgie'' (Wien, 2. Auflage, 1882—1883) — 
die „Vorlesungen über chirurgische Diagnostik^ (Wien, 2. Auflage, 1882) — 
„Beiträge zur Ge^schichte der Chirurgie'* (Wien), ferner mehrere Arbeiten über 



r 



ALBERT. — ALBERTI. 85 

die ^Mechanik der menschlichen Gelenke^ in deu Wiener medicinischen Jahr- 
biicheni, sowie rgemeinöchaftlieh mit Stricker) über „Fieber*^ ebendaselbst, endlich 
zahlreiche kleinere Arbeiten, die gesammelt als ^Belträifc zur operativen Chininjic'^ 
»Wien) erschienen sind. j^^.^! 

/ Alberti) Salomou A. , f^cboren 1540 zu Naumburg Cnicht, wie die 
Medicinische Biographie augiebt, in Nürnberg), gestorben zu Dresden am 28. März 
1 600. Seine Eltern zogen , bevor er sein erstes Lebensjahr zurückgelegt hatte, 
nach Nürnberg, und hier verlor er alsbald seinen Vater. Die in sehr kümmerliclicn 
Verhältnissen zurückgebliebene Wittwe wurde imtersttitzt und besonders die Kr- 
ziehung ihres Sohnes Salomon auf Stadtkosten geleitet. Im Jahre 1560 bezog er 
die Universität Wittenberg, um sich der Medicin zu widmen und wurde 1573 zum 
]*rofe88or , anfänglich der Physik , später auch der Medicin ernannt. Schliesslich 
wurde er im Jahre 1592 als kurfürstlicher Leibarzt nach Dresden berufen, wo er 
seine Laufbahn aueh beschloss. 

Seine wissenschafl liehe Bedeutung ist keineswegs eine geringe zu nennen, 
und es ist besonders die Anatomie, um die er sich wesentliche Verdienste erworben 
hat. Wenn auch seine Leistungen auf diesem Gebiete, wie dies Portal nach- 
•fiwicsen hat, vielfach übersehätzt sein durften und man ihnj die Entdeckung ver- 
schiedener anatomischer Einzelheiten fiUschlich zugeschrieben hat, so bleibt er doch 
ein ausgezeichneter Anatora. Er betrieb die Anatomie mit grossem Eifer und Ge- 
^hiek und beschrieb zuerst die Klappenapparate in den ^'enen der Gliedmaassen, 
die Ossa Wormiana u. s. w. Sein Lehrbuch der Anatomie: „Hi^toiia plerarumque 
partium corporis huinani^ (Wittenberg 1583), war ein viel gebrauchtes und hoch 
angesehenes und erlebte in kurzer Zeit mehrere Aullagen. Haller hat über diese 
verschiedenen Ausgaben in seiner Biblioth. med. I, pag. 251, einzelne nähere Mit- 
theilungen gegeben. Auch durch verschiedene Specialuntersuchungen hat A. die Ana- 
tomie wesentlich gefördert; so z. B. durch seine Arbeit über die Thränenorgane. 
BiogT. mM., Bd. I, pag. (i5. Magnus. 

Alberti, Michael A. , geboren am 18. November 1682 zu Nürnberg, 
wo sein Vater Geistlicher war, ergriff anfangs das Studium der Theologie, wie 
aueh seine beiden Brüder, und promovirte in Altdorf. Nach Absolvirung seiner 
theologischen Studien begleitete er als Hofmeister einen vornehmen Jungen Manu 
nach Jena, und hier regte sich bei ihm, hervorgerufen durch den l'mgang mit 
berühmten Aerztcn , die Liebe zur Medicin. Er verliess in Folge dessen die Theologie 
und studirte Arzneiwissenschaften , und zwar zuerst in Jena und dann in Halle, 
wo er die Bekanntschaft des dazumal in hohem Ansehen stehenden Profesvsor 
»Stahl machte. Die animistischen Lehren dieses Forschers machte sich Alberti als- 
bald ganz zu eigen und er hätte sich wohl jetzt schon der akademischen Laufbahn 
^widmet, wenn ihn nicht 1707 sein Vater nach Nürnberg zurückgerufen hätte. 
Da ihm aber die Nürnberger Aerzte wenig freundlich begegneten und die Aus- 
fihung der l^axis ihm sogar untersagen wollten, verliess er seine Vaterstadt 
schliesslich wieder, um nach Halle zurückzukehren. Hier schloss er sich nun \ oll- 
ständig an Htahl an, wurde auf seine Vem'endung 1710 zum ausserordent- 
lichen I*rofc8sor ernannt und rückte 1710, als sein Gönner nach Berlin berufen 
witfde, in dessen Stelle ein. Im Jahre 1717 erhielt er noch die Lehrkanzel der 
Physik und 1729 die Aufsicht über den botanischen Garten. Am 17. Mai 1757 
starb er, nachdem er im Laufe seines akademischen Lebens mit den verschiedensten 
Aufzeichnungen und Ehren reichlich bedacht worden war. 

Was seine wissenschaftliche Bedeutung anlangt , so war Alberti unbe- 
stritten ein sehr gelehrter und in vielen Fächern bewanderter Arzt. Philosophie, 
Theologie, Rechtswissenschaft, Medicin, also alle vier Facultäten, wurden von ihm, 
wenn auch nicht beherrscht, so doch bearbeitet. Allerdings hat er in keinem dieser 
Fächer eine besonders hervorragende Stellung eingenommen, denn auf seinem 



86 ALBERTI. — ALBERTINJ. 

spcciellen O ebiet der Medicin war er eigentlich kein origineller Schriftetellerj sondern 
nur ein unbedingter Vertreter STAHL'scher Ideen. Am hervorragendsten scheinen 
noch seine Arbeiten über gerichtliche Medicin gewesen zu sein, wenigstens standen 
sie lange in recht hohem Ansehen. Uebrigens ist er ein ganz erstaunlich fruciht- 
barer Schriftsteller gewesen, und ein Verzeichniss seiner Schriften bei Börner 
umfasst nicht weniger als 26 Druckseiten, nämlich von pag. 416 — 441. Auch in 
Biographie m6dicale findet sich eine chronologisch geordnete Zusammenstellung 
seiner sämmtlichen Arbeiten. — Heinrich Christoph A. , war gegen Ende 
des 17. Jahrhunderts Professor der Medicin in Erfurt. Er Hess während der Jahre 
1682 — 1692 zahlreiche Arbeiten in Erfurt erscheinen, deren Titel zum Theil an- 
geführt sind, in: Medicinische Biographie, 1. Heft 1, pag. 55 und in: Adelung, 
Fortsetzung und Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöcher's allgemeinem Lexikon, 
Bd. I, pag. 418. — Bernhard A. Von den Lebensverhältnissen dieses Arztes 
sind uns nähere Mittheilungen nicht bekannt; er ist der Verfasser einer Arbeit: 
„De variiA morbis*^. In den meisten biographischen Werken wird seiner gar nicht 
gedacht; einige kurze Bemerkungen widmet ihm Ducange in seinem Wörterbuch, 
sowie die Biographie medicale. Magnus 

Albertini, H i p p o 1 i t o F r a u c e s c o A., (geboren 1662, gestorben 1 746), 
Professor in seiner Vaterstadt Bologna, nimmt in der Geschichte der Medicin aln 
erster Begründer der Diagnostik der Herzkrankheiten eine hervorragende Stelle 
ein. Der Bau des Herzens war schon im frühen Alterthume, wie z. B. die in 
der Hippokratischen Sammlung befindliche Schrift: De corde lehrt, selbst in 
Bezug auf feinere Verhältnisse, bekannt. Um so geringer war die Kenntniss von den 
Erkrankungen des Herzens, hauptsächlich auch deshalb, weil sowohl Diejenigen, 
welche dasselbe als den 8itz der eingepflanzten Wanne betrachteten, wie Die, welche 
es für den Sitz der Seele erklärten , nothwendig zu dem Satze gelangten , dass 
das Herz nicht erkranken könne. Schon die frühesten Bearbeiter der pathologiRchcn 
Anatomie im 16. Jahrhundert machten die Bemerkung, dass nicht selten Abnonnitätcn 
des Herzens in den Leichen von Personen angetroffen werden , welche während des 
Lebens keine Symptome derselben darboten. — Neben den „Polypen" (FaserstoflT- 
gerinnungen) , welche noch lange als eine Hauptursache langwieriger Leiden und 
plötzlicher Todesfälle eine Rolle spielen, erwähnen selbst die nach der Entdeckung 
des Kreislaufs erschienenen Monographien über die Krankheiten des Herzens kaum 
andere pathologische Zustände, als die Ohnmacht und die Palpitationen, letztere 
als Folge von Entzündung und Erysipelas des Herzens , Entzündung und Wasser- 
sucht des Herzbeutels, Veränderungen an den grossen Arterien, Krankheiten der 
Lungen, Meliueholie und Flatulenz. Eine neue Periode beginnt mit den Arbeiten 
von ViEUSSEX:?, welcher in seinem Werke über den Bau des Herzens mehrere 
Krankheiten desselben, z. B. die Insufficienz der Aortenklappen und deren Wir- 
kungen meisterhaft beschreibt. Am einflussreichsten wurden die aus der Schule 
Malpighis hervorgegangenen Schriften von Lancisi : „ Ueber die j^^ötzlic/ten 
Tod&ifälle^ und „Ueber die Bewegung des Herzens und die Aneurysmen**, 
So waren die Grundlagen der Pathologie des Herzens festgestellt. Der nächnte 
Schritt konnte kein anderer sein , als dieselben für die Diagnostik zu verwerthen. 
A. verfasste seine unvergängliche Arbeit im Jahre 1726; veröffentlicht wurde 
dieselbe erst 22 Jahre später, 10 Jahre nach seinem Tode, in den Abhandlungen 
der Akademie von Bologna (vol. I, 1748j. Sie führt den Titel: „Animadversioueji 
.stij)er quibusdam difficüis respirationis vUiis a laesa cordis et praecordioruin 
structura pendentibus^ , — An das Licht gezogen wurde dieselbe 80 Jahre nach 
ihrer Veröffentlichung durch M. H. Hombbrg in der Ausgabe : Albertini Opusculay 
Berol. 1 828, 8. A. theilt dio Vergrösserungen des Herzens, welche schon Lancisi 
als „legitimae" und „spuriae" unterschieden hatte, nach der Analogie der ent- 
sprechenden Erkrankungen eler grossen Oefilsse in „aneurysmatische" und „varieöse". 
Die ersteren betreftcn vorzugsweise das linke, die letzteren das rechte Herz. 



ALBERTINi. — ALBERTUS MAGNUS. ' 87 

Das unvergängliche Verdiennt A/h benteht indews hauptsächlich in seinen 
Bemühungen, an der Hand einer umfangreichen pathologisch - anatomischen und 
klinischen Erfahrung diese Krankheitszustände und die aus ihnen entspringenden 
pathologischen Verhältnisse der Lungen , des Gehirns u. s. w. während des Ijebens 
nachzuweisen und die Grundsätze ihrer Behandlung festzustellen. Als die wichtigsten 
Hiilfsmittel der Diagnostik benutzt er den Puls des Herzens und der Arterien, 
demnächst das Verhalten der Resj)irati<m u. s. w. Das Anlegen des Ohres an die 
Herzgegend erwähnt A. nicht. Aber es ist kaum anzunehmen, dass dasselbe nicht 
wäre versucht worden. Freilich Hess man dasselbe bald wieder fallen, da wohl 
fwt immer nur sehr vorgeschrittene Veränderungen des Herzens zur Untersuchung 
kamen, die ein nicht zu entwirrendes Chaos von Tönen und Geräuschen darboten. 
Als die wichtigsten Ursachen der Erkrankungen des Herzens nennt A. Erblichkeit, 
Syphilis und Quecksilber-Dyskrasie. 80 dürftig uns die geschilderten diagnostischen 
Fortschritte erscheinen , so durchgreifend war ihre Wirkung auf den Aufschwung 
der Therapie der Herzkrankheiten. Geradezu musterhaft ist die Umsicht, mit 
welcher A. seine diagnostischen Erfahningen therapeutisch zu verwerthen weiss. 
Schon Morgagni, welcher demselben überhaupt die grössten Lobsprüche ertheilt, 
rflhmt seine „Cauta cunctatio'*. — Die Aufgabe der Therapie der Krankheiten besteht 
den verschiedeneu Gnmdzuständen und den Anschauungen der herrschenden 
mechanischen Theorie gemäss hauptsächlich darin, den Antrieb der flüssigen Theile 
gegen die festen (den Blutdruck) zu massigen und den Widerstand der festen Theile 
zu steigern: Aderlässe, Entziehungscur, Bettliegen, — roborirendes Verfahren, 
EiHen-Frä parate u., s. w. Auch die Lehre von den Erkrankungen der Lungen, 
namentlich die Unterscheidung des „Hydrops pectoris" und „Hydrops pulmonum" 
erfuhr durch A. wichtige Bereicherungen. jf Hacser. 

Albertini, Annibale A. , Arzt zu Cesena im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts hat eine Schrift: „De affectionibiis cordis libri tres quorurn 1, agit de 
naluralibus, IL et III. de praeternaturalibus, de palpitatione nempe, et syncope, 
atque earum curatione etc."^ (Venetiis 1G18, 4., 162(>, 1648), verfasst; am Ende 
derselben findet sich noch eine Abhandlung über die Pest. Nach Halleb . enthält 

die Schrift keine einzige anatomische oder pathologische Bemerkung. 

Mazznchclli, I, 1, pag '^'itO, — Hall er, Bibl. med. pract. II, pag. 475. *, 

*Albertoili, Pietro A. , geboren am 22. September 1841) in Garroldo 
(Mantua), studirte in Padua und wurde daselbst 187;J promovirt. Zuerst physio- 
logischen Studien im Allgemeinen als Schüler und Assistent Lfssana's zugewendet, 
cultivirte A. später besonders die physiologische Chemie und Pharmakologie, bildete 
«ich auch für diese Fächer in Strassburg imter Schmiedebero weiter aus. Von 
1876 — 1878 mit dem l^nterricht der Physiologie au der Schule von Siena betraut, 
wurde er 1878 zum ausserordentlichen, 1881 zum ordentlichen Professor in Genua 
ernannt. Schriften: „Sni procesfti dujffttivi e assimilafivi nel crasso^ (Padova 
1873) — „Sul alcool, sul aldeidi e sikjU eteri vinii'^ (Lo Sperimentale 1874) — 
yfSuUe vie d^ eliminazione ed^azione elettica della Cfiinina" (Padova 187G; in's 
Französische übersetzt). Verschiedene Arbeiten in Sperimentale 1876 — 1881. Ferner 
„Sulla patoyenem delU epilfssin" (Milano 187i>) und „Monoyrafia sulla Cotouia 
e Paracotmna " (Torino 1883). 'Red. 

Albertus Magnus. Unter diesem Namen glänzt in der Ueschichte der 
Wissenschaften Ablsrt von L\üixoen, wie er sich selbst unterzeichnete. Kr 
wnrde im Jahre 1193 zu Lauingen in Schwaben geboren und stammte aus der 
Familie VON Bollstädt, die von ihrem Stammsitze nach Lauingen übergesiedelt 
war, wo Albeet's V<iter als kaiserlicher Beamter angestellt war. Nach Absolvining 
des Schulunterrichtes besuchte A. in Begleitung eines Onkels die Universität Padua, 
wo er sich, nachdem er die natur^'i.ssenschaftlichen Werke des Aristoteles kennen 
gelernt hatte, mit Vorliebe naturwissenschaftlich-philosophischen Studien hingab. 



l 



88 ALBERTUS MAGNUS. 

Seine Neigimg, sich ganz dem Lernen und Lehren der Wissenschaften 
zu widmen, bewog ihn 1223 gegen den Willen seines Onkels in den kürzlich 
gegründeten, damals noch hauptsächlich mit dem Lehren sich beschäftigenden 
Orden der Dominikaner zu treten. Bald zeichnete er sich so aus, dass seine Oberen 
ihn einige Jahre später als Lehrer in die Klostersehulen des Ordens nach Deutsch- 
land schickten, wo er in Köln, Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Kegensburg, 
Strassburg und zuletzt wieder in Köln wirkte. Seine Hauptlchrföcher waren neben 
der Theologie, Mathematik, Astronomie, Logik, Physik und Metaphysik. Unter 
seinen Schülern zeichneten sich besonders Thomas de Aquino und Tho^fas dk 
Cantiprato aus. 1245 ward A. als Lehrer nach Paris gesandt, wo er auch 1248 
die theologische Doctorwürde erhielt. Während der 8 Jahre lehrte er hier mit grossem 
Beifalle umgeben von zahlreichen Schüleni. Ende 1248 nach Köln zurückgekehrt, 
erhielt er die Leitung der Klosterschule, der er bis 1254 vorstand, in welchem 
Jahre er zu Worms vom Provincialcapitel seines Ordens zum Provincial der Provinz 
Teutonia (Ocsterreich, Schwaben, Baiern, Elsass, Rhein- und Moselgegend, Brabant 
und Holland , Sachsen , Meissen , Thüringen , Westphalen und Holstein umfassend) 
omählt ward. Dies weite Gebiet durchzog nun A. seiner Verpflichtung gemäns, 
die Klöster inspicirend, zu Fuss als Bettelmönch. 

1250 schickte ihn sein Orden nach Rom, um die Lehrfreiheit der Domini- 
kaner gegenüber der Universität von Paris beim Papste Alexander IV. zu ver- 
treten; er erreichte seinen Zweck durch seine Beredsamkeit und ward vom Papste 
zum Magistei" nncri polatli ernannt. 3 Jahre später ward sowohl diese ihm 
lästige Würde wie die schwere Bürde des Provinciais von ihm genommen und 
A. seinem Lehramte in Köln wiedergegeben. Aber schon im nächsten Jahre, 1260, 
ernannte ihn der Papst trotz seines Widerstrebens zum Bischof von Regonsbur^, 
doch erlangte A. nach dem bald erfolgten Tode des Papstes Alexanders IV. von 
dem Nachfolger Urban IV. 1262 seine Entlassung von dem übrigens tüchtig 
verwalteten Amte und kehrte nach Köln zurück. Von hier musste er 1263 und 
1264 ausziehen; um in Germania superior imd Böhmen das Kreuz zu predigen, 
musste er 1274 am Coneil in Lyon theilnehmen , ja eilte 1278, 85 Jahre alt, 
nach P-aris, um dort die Werke des 1274 gestorbenen Thomas von Aquino öfient- 
lieh zu vertheidigen. Im Uebrigen lebte er seinem Lehr])erufe, weihte Kirchen und 
Priester und starb tiefbetrauert von Geistlichkeit imd Laien am 15. November 1280 
in Köln. Er ward im Jahre 1622 vom Papste Gregor XV. selig gesprochen. 

Mit Albebt's Namen verknüpft sich eng. ein wichtiger Abschnitt in der 
Geschichte d(r Wissenschaften, nämlich das Bekanntwerden der physischen und 
metaphysischen Schriften des Aristoteles, dessen logische schon seit dera 
Anfange des 6. Jahrhunderts dem Abendlande zugänglich waren. Hierdurch wird die 
zweite Periode der Scholastik eingeleitet, in der, im Gegensatze zam ersten, welche 
die auf die Theologie angewandte Logik beherrschte, die Aristotelische 
Philosophie als gleichberechtigte Macht neben der Theologie sich erhob. Zu 
denen, auf welche die Werke des Stagiriten den grössteu, nachhaltigsten und 
fruchtbarsten Kindrnck machten, gehört Albekt von Bollstädt. Fruchtbar 
insofern, als er in seinem Feuereifer sich berufen fühlte, der Mitwelt seine 
Forschungen mitzutheilen. — Eigen thümlich ist der Gang seiner Arbeiten. Uelier 
sämmtliche Werke des Aristoteles schrieb A. eben so viele Abhandlungen, ohne 
sich genau an den Text zu halten , sondern ihn paraphrasirend und erweiternd. 
Diesen einzelnen Abhandlungen gab er einfache Capitelüberschriften, um anzuzeigen, 
dass sie nach Aristoteles gearbeitet seien. Diejenigen Capitel, in denen er seine 
Erfahrungen und seine literarischen Forschimgen mittheilt, bezeichnet er als 
„digressiones." Unvollkommen in seinen Besitz gelangte Schriften des Aristoteles 
vervollständigte er, verlorene oder die er nicht erhalten, versuchte er im Geiste des 
grossen Philosophen selbst zu schreiben. 

Ueber A.'s Bedeutung für die Naturwissenschaften, denn nur um eine 
Würdigung für die Wissenschaften nach dieser Seite hin kann es sich für uns 



ALBEÄTIJS M.VaNU.S. — ALBICUS. K) 

handeln, sind die verschic d€narti;a:sttii Urtheile gcföllt worden. Wähiviid die T/n n, 
besonders gestützt auf einige ihm imtergc.sclio?)€ne elende Machwerke (de secnft.i 
mnlierum — h'ber aggregationis, seu liher secretonnn de virtutlhus herbarum etc. 

— de mirahilibus mundi) ihm der Unwissenheit und der Leichtgläubigkeit zeihen, 
preiKen Andere ihn hoch, ja vielleicht über Gebühr, indem sie Gedanken in seine 
AiKsprüehe hineinlegen, denen sein Geist wohl feni war. Liest man seine Werke 
vomrtheilsfrei , betrachtet man sie als Product ihrer Zeit, so wird man sagen 
müssen, dass A. eine grosse Liebe zum Studium der Natur, gute Beobachtungsgabe, 
klaren Verstand und Deductionsvermögen besessen hat und vor Allem Wahrheits- 
sinn, wie auch die Geschichte seiner als ersten Lshrt^rs seiner Zeit auf dem 
Oebiete profaner Wissmschaft ehrend gedenken muss. Sein Charakter war ein 
durch und durch edler; A. zeichnete sich durch fleckenlosen Wandel, seltene 
Bescheidenheit und unermüdliche Arbeitskraft aus — seine Werke (in der einzigen 
imten aufgeführten Gcsammtausgabe) bilden 21 Foliobände philosophisch-natur- 
wissenschaftlichen , erbaulichen und theologisch-wissenschaftlichen Inhalts. Die 
einzelnen Schriften sind schon im 15. Jahrhundert und später vielfach gedruckt, 
die neueste und vorzügliche Ausgabe der botanischen Schrift: „Alberti Mafpii 
ex ordine praediccUorum de vegetahüibus libri VII, historiae naturalis pars 
XVI IL tditionein criticavi ab Ernesto Meyero coeptam absolvit Carolus Jessen. 
Berolini tyjm et ivipensis Oeorgii Reiineri,^ 1867, gr. 8. 

Gcsammtausgabe: ^^^Beati Alberti Magni Batisbonensis epUcojn, ordinis 
praediccUorum opera qua^ hactenvs kabein ^>o#w<?n/?i^ , sub Ä'"'*- PP. FF. 
Thoma TurcOf Ntcolao Bodtdphio, Joan. Ba2)tista de Marinis, ejusdeni ordinis 
generalibus, in lucem edita. Studio et labore B. A. P. F. Petri Jammy, sacrae 
theoloffiae doctoris, conventus Crratianopolitani , ejusdem ordines. Luyduni, 
sitmptibus Claudii Prost, Petri et Clan du Bigaud , Frat. Hieronymi de In 
Garde, Joan. Ant. Hyguetan, Filii. 1651. Ci^m Prii^ilegio Begis." Fol. XXI 
volamina. (Höchst selten — in der königlichen Bibliothek zu Berlin.) 

Literatur: Joiirdain, Geschichte der Aristotelischen Schriften im Mittelalter. 
Eine gekrönte Preisschrift. Üebereetzt von Stahr. Halle 1831, 8. (Eine ausgezeichnete Arbeit !). . 

Ludwig Choulant. Albertus Magnus in seiner Bedeutung für die Naturwissenschaften, 
historisch und bibliographisch dargestellt. Janus, I. 1846. (pag. 127 — 160). — Ernst 
H. F. Meyer, Geschichte der Botanik. Bd. IV. Königsberg 1857. 8. (img. 9—84). — Der- 
selbe, Albert d^ Gro.sse. Deutsches Museum, 1858, Nr. 38 und Nr. 39. (Fundamentalarbeiteu.) 

- Joachim Sighart, Albertus Magnus. Sein Leben und seine Wissenschaft Regeusburg 

1857, gr. 8. (Gründlich, aber sehr weitschweifig und vom theologischen Standpunkte aus). — 

Stephan Fellner, Albertus Magnus als Botaniker. Wien 1881, gr 8. ,r o i 

* ' " X I., e. Max Salomon. 

Albertus, Jaeobn« A., s. Aubert, Jawiues. 

y Albicns , 8 i g i s m u n d A. , der hervorragendste unter den böhmischen 
Aerzt«n des 14. Jahrhunderts, war zu Mährisch-Neustadt (Unezov) in Mähren 1347 
von deutschen Eltern geboren. Er machte seine medicinischen Studien in Prag, 
wahrscheinlich von 1378 — 1382, später auch noch juristische und wurde in Padua 
Dr. juris. Die grosse, in die Jahre 1379 — 1380 fallende Seuche in Prag und die 
Judenverfolgung daselbst (1390) gaben A. Gelegenheit, sich früh ärztliche Kenntnisse 
und einen Ruf als Arzt zu erwerben. Er wurde 131)4 Leibarzt des Königs Wenzel * 
und blieb es, in nahen Beziehungen zu demse'ben, auch als Liebling und Kathgeber 
des Königs, der ihn mit Gnaden überhäufte, bis zu dessen Tode. Ausserdem war 
er, fast 30 Jahre lang, bis zu seiner auf Wunsch des Königs 1411 durch das zw 
Domcapitel erfolgten Wahl zum Erzbischof von Prag an der rniversität als Lehrer 
der Mediein thätig und hatte wahrscheinlich noch kurz vor dieser Wahl zu seinen 
zahlreichen Diplomen (er war Dr. jur. utriusque zweier l'niversitäten, Dr. phil. et 
med.) die niederen Weihen empfangen. Es fiel A.'a Wahl zum Erzbischof in eine 
sehr aufgeregte Zeit, in welcher Huss bereits einen grossen Anhang besass. A., der 
die Schwierigkeit seiner Stellung richtig erkannte, legte bereits wenige Wochen 
nach erfolgter päpstlicher Bestätigung ^1412) seine erzbischöfliche Würde niedei^ 



90 ALBICUS. — ALBINU^!. 

und ilbcrnahm die Propstei am WyBehrad (in Prag), wozu er den Titel eines Erz- 
/^bisehofs von Caesarea erhielt. Er konnte dadurch auch wieder dem oft kränkelnden 
^Könige als Arzt und Rathgeber bis zu dessen 1419 erfolgten Tode beistehen. 
Beim Ausbruch der Hussiten-Revolution flüchtete er gleich zahlreichen Besitzenden 
-^nach Olmütz und von da nach Ungarn. Es ist zu vermuthen, dass er bis zu seinem 
^am 23. Juli 1427 im 80. Lebensjahre erfolgten Tode am Hoflager des KaiHcra 
Sigismund sich befand. — A.'s hinterlassene Schriften sind in sehr schönen 
Manuscripten (in der Prager Univcrsitätsbibliothekj vorhanden, zum Theil aber auch 
zu Ende des 15. Jahrhundert« von 1484 — 1487 zu Leipzig im Druck erschienen. 
So der „Tractatulus de regtmine hominis'^, der, auch als ^ Vetularius^ bezeichnet, 
ungefähr Dasselbe ist, was man später „Makrobiotik" nannte, und diätetische Vor- 
schriften, namentlich die Lebensweise betreflend, enthält, die auch lieute noch als 
vortrefflich gelten können. Eine weitere Schrift, das ^Medichiale^ , enthält, ebenso 
wie die vorige Schrift, ohne Plan und Ordnung Abhandlungen über zahlreiche 
Gegenstände aus der Diätetik, Pharmakologie und mcdicinischen Praxis. Im Ganzen 
liegt der Schwerpunkt mehr in der Therapie, als in der Diagnostik und tritt das 
Streben hervor, sich durch eine originelle Therapie, neue liecepte hervorzuthun, 
wenn A. auch nicht im Stande ist, sich den Fesseln der herrschenden Ansichten zii 
entschlagen. Mit besonderer Hochachtung spricht er von Arnaldüs Villanovantjs, 
dem Begründer der empirischen Schule zu Montpellier, dessen Lehren er sich vor- 
züglich angeeignet hat. Uebcrall bekundet er sich als ein Feind philosophischer 
Speculation, glänzender Theorien und scheut sich nicht, bei der Beschreibung der 
verschiedenen ärztlichen Encheiresen selbst bis in das kleinste Detail einzugehen. 
Sein reformatorisches Streben ging leider in der blutgetränkten hussitischcn Bewegung 
wieder unter. — Von seinen Übrigen Schriften ist ein „Reyimen tempore peati- 
lentiae^ noch gedruckt, ein „Eemediuni contra rheiivia mayri. Albid qiiod misü 
ante obüum auum Sigismundo Imperatori^^ flüchtig auf Papier gesehrieben, beweist, 
dass A. auch des gedachten Kaisers Rathgeber war. 

v. Hasner, Pi-ager Vierteljahrsschr. 1866, Bd. XG, pag. 19 C (iiirlt, 

Albinguefit, s. Araber (XVI). 



g 



Albinas, Bernard A. (eigentlich Weis^j und seit 165() durch Adelschla 
Ferdinands IIL v. Weissenlöw), wurde am 7. Januar 1653 zu Dessau, aus einem 
alten adeligen Oeschlechte geboren. Im elterlichen Hause genoss er den ersten 
Unterricht, ging dann nach dem Gymnasium zu Bremen und da er Medicin studinn 
wollte, nach Leyden. Hier hörte er DE Volder (Philosophie), Seyn (Botanik) und 
Markgraave rchemie), wurde aber am meisten angezogen durch die anatomischen 
Vorlesungen von ('. DrelixcoüRT, dessen Assistent er bald wurde, wodurch er eine 
bevorzugte Ausbildung in der praktischen Anatomie erhielt. Auch frccpientirte er die 
Vorlesungen von Th. Oraanen f Physiologie und später Pathologie und Therapie) und 
von des berühmten Schokff (Mcdicinische Klinik). Er promovirte im Jahre 1676. 
Von Leyden, wo er nach seiner Promotion längere Zeit verweilte, zog er nach Leuven, 
besuchte einige Universitäten Deutschlands und ging endlich nach Paris, um sich 
gänzlich der Chirurgie zu widmen. Im Jahre 1680 Hess er sich als praktischer 
Arzt in seinem Geburtsorte nieder. Bereits einige Wochen später wurde er als 
Professor medicinae nach Frankfurt a. 0. benifen, welches Amt er im folgenden 
Januar antrat mit einer Oratio inaug. y,l)e felicüate sdentiaruin hujua saeculi**. 
Alsbald wurde er rühmlichst bekannt als ausgezeichneter Docent nicht allein, 
sondern auch als vortrefflicher Practicus. So rief ihn Friedrich Wilhelm, der Chur- 
fürst von Brandenburg, nach Potsdam, um ihn wegen seiner hydropischen Schwel- 
lungen zu consultiren. Zum Geheimrath und Leibarzt ernannt, residirte er in Potsdam 
bis zum Tode diese.s Fürsten (April 1683), kehrte dann aber nach Frankfurt zurück, 
um sich mit erneuertem Fleisse der W^issenschaft zu widmen. Unter den verschie- 
denen Fächern, worin er Unterricht geben musste, blieb die Anatomie stets sein 
Lieblingsstudium, wofür er sich besonders interessirte, so dass er nach sehr vielen 



ALBINUS. lU 

Mähen endlich die SatiHfaction hatte, im Jahre 1684 dan Frankfurter Theatnim 
anatomieum seinen Schülern öffnen zu können. Im Jahre 1()!U wurde er alH 
ProfeHKor und Provinzial-Archiater nach der UnivernitÄt Grönini^en ("Holland) gerufen, 
blieb aber in Frankfurt, bin ihn der Köni^ Friedrich I. aln Leibarzt nach Berlin 
berief. Eh kostete «päter viel Mflhe und diplomatische Verhandlungen von hollän- 
discher Seite, bevor es A. erlaubt wurde, dem Rufe als Professor Ordinarius an 
der Leydener Hochschule Folge zu leisten. Am 19. October 1702 trat er das 
Amt als I*rofe«8or Medicinae theoretico-practicus an mit einer ,, Orntu) de ortu et 
proyresa medicinne** . Bald hatte er sich durch die Einfachheit und Klarheit seines 
Tuterrichts den Ruf eines ausgezeichneten Docenten erworben. Stets betonte er den 
gT()t«en Werth der Physik, (,'hemie und Anatomie für die Diagnostik und las noch 
überdies Physiologie. Er war ein grosser Förderer der Hippokratischen Medicin und 
hielt ausgedehnte Vorlesungen über die Aphorismen des berühmten (xriechen. Obgleich 
er in tVankfurt eine grosse Menge kleiner Schriften verfasste, schrieb er in Leyden 
nur eine ^Oratio de tticremetitiff et statu artis med^cae saeculi XV 11^^ als er 
im Jahre 1711 als Rector magnificus abtrat. Eine abermalige Berufung nach Berlin 
iITloj lehnte er ab, blieb vielmehr bis zu seinem Tode (7. Februar 1721) in Leyden 
thiltig. BOKRHAAVE hielt die Oratio acadeviica de vitu et obitu GL Bern. AlhinL 

I8i'ael8(t) und Daniels. 
Albinus, Christian Bernard A., zweiter Sohn Bbrxard's, 1700 bis 
1752, wurde mit 2.3 Jahren ausserordentlicher Professor und tJ Jahre später 
onlentlicher Professor in Utrecht. 1747 legte er die Professur nieder, um sich der 
Politik zuzuwenden. Ls r a e I s (t) und D an i « 1 s. 

Albinns, Friedrich BemhardA., jüngster Hohn Berxard*s, 1715 bis 

1778; wurde 1745 in Leyden Director der anatomischen Studien (Orat, de nmoeni- 

iadhus anatomicis) und 1747 ordentlicher Professor der Anatomie und Chirurgie. 

1770 folgte er seinem verstorbenen Bruder Bernhard Siegfried A. auch als 

Professor der Medicin. Hervorragend tritt auch in seinen Schriften die Tendenz 

auf, die Structur der Körpergewebe als Begründung ihrer physiologischen Leistungen 

darzulegen (Lihellum de natura hominis) , eine Richtung, auf deren Förderung 

\m seinem Bruder Bernhard Siegfried er den grössten Einfiuss ausgeübt hat. 

I s r a e 1 s (f ) nnd Daniels. 

Albinns, Bernhard Siegfried A., berühmtester der Söhne Bernaru's, 
geboren am 24. Februar U)l)7 zu Frankfurt a. 0. , kam schon als Knabe von 
5 Jahren mit seinem Vater nach Leyden. Im Jahre 1712 wurde er an der Hoch- 
schule Leyden's als Student immatriculirt und frequentirte hauptsächlich die Vor- 
lesungen von BiDLOO, Raü, Fried, Weckert und Boerhaave. Als er im Jahre 
1718 seine Studien absolvirt hatte, ging er auf Verlangen seines Vaters nach Paris, 
um sich dort nur mit Anatomie und Chirurgie zu beschäftigen. Sein Aufenthalt in 
Paris dauerte aber nicht lange, weil er schon im Juni 1719 durch das Curatorium 
der Universität nach Leyden zurückberufen ward, um wegen der fortdauernden 
Krankheit seines Lehrers Rau als Lector anatomiae et chirurgiae aufzutreten, bei 
welcher Gelegenheit er zugleich honoris causa zum Doctor med. promovirt wurde. 
Schon im October 1711) hielt er eine Antrittsrede: ^De anatome composita^. 
Zwei Jahre später (1721) starb sein Vater und er ward, 24 Jahre alt, nament- 
lich auf Empfehlung von Boerhaave an dessen Stelle zum Professor anatomiae 
et chirurgiae Ordinarius ernannt. Noch im selben Jahre hielt er seine Antrittsrede : 
„Oratio^ qua in verum viam, quae ad fabricae corporis humani cognitionein 
ducity inquiritur^, eine Art von l^iogramm, worin er seine Meinungen über die noth- 
wendige Richtung des anatomischen l'nterrichte.H mittheilt, eine Richtung, die noch 
heut zu Tage als die einzig wahre gilt. Auf Verlangen des Curatoriums verfasste 
er einen ausführlichen Katalog der anatomischen Präparate, welche der ver- 
storbene Raü an die Universität vermacht hatte und that dies auf solch* eine 
Weise, das« diese Arbeit noch jetzt als Muster für derartige Schriften dienen kann. 
Im selben Jahre (1725) bewirkte er mit seinem Collegen Boerhaave eine neue 



l 



9Ji ALBINUS. 

Ausgabe der 8«^mintlichen anatomischeu und chirurgischen Werke von Andreas 
Vesalius, zu denen er eine höchst intereasantö Vorrede schrieb. Da die Abbildungen 
von Vesalius und auch die von Edstachius ihm jedoch für den Unterricht nicht 
zureichend vorkamen, gab er im Jahre 1726 zum Dienste seines anatomischen 
Unterrichtes ein „Libellus de ossibns corporis hymani^ aus, worauf er im Jahre 
1734 zum selben Zwecke seine „Htstona viusculorum corporis Infmani" folgen 
liess; beide Schriften werden von Haller und Saxüifort sehr gepriesen, weil sie 
Früchte sind von eigenen Untersuchungen und fortwährenden genauen Studien 
au Leichen , zwei Saclien, die A. seinen Schillern stets anempfahl als die einzigen 
guten Mittel zum gründlichen Anatomiestudium. Auch das Studium älterer Autoreu 
torderte er sehr durch die Ausgabe der „Opera omnia'^ von FabriciüS AB Aqüa- 
PKNDENTE (1737) und durch eine vortreffliche Bearbeitung der Tabulae anatomicac 
von EüSTACHius (1744); mit dieser letzten Arbeit hat er der descriptiven Anatomie 
einen grossen Dienst geleistet, weil er bei dem Texte und auch bei den Abbildungen 
so viel Neues hinzufügte, dass der Werth des Werkes in nicht geringem Masi^e 
dadurch erhöht worden ist. Eigene genaue Untersuchung war stets seine Devise, und so 
gab diese Art von Handeln auch Anlass zur Ausgabe der merkwürdigen Abhandlung 
über den Sitz der Hautfarbe bei den Negern, wobei er viel Neues, bis jetzt Unbeka&ntes 
über das Corpus reticulare Malpighii an's Licht brachte, das noch heut zu Tage 
nicht besser und genauer untersucht worden ist. — Seine Abhandlung über die 
Entwicklung der Knochen beim Fötus ist in jeder Hinsicht ein Muster von accurater 
wissenschaftlicher Bearbeitung, die beigefügten Abbildungen sind ausserordentlich 
schön und alle nach durch ihn selbst zu diesem Zweck verfertigten Präparaten 
genommen. A.'s Hauptarbeit sind aber seine „ Tabulae sceleti et musculorum corporis 
humani^ (1747j, welche im Jahre 1757 mit der „Tabulae vasis chyliferi cum 
Vena azyga, arieriis tntercostalibus, altinque vtcinis partibus^ vennchrt wurden. 
Alle diese Abbildungen sind durch den trefflichen Wandelaar gestochen und — 
welche Fortschritte die Iconographie auch heutzutage gemacht habe — noch uie 
ttbertroften. Viele Jahre hat A. dieser Arbeit die Zeit, die ihm als Docent übrig 
blieb, gewidmet. In der j^Histona ojjerit/^ , die er statt Vorrede an das Buch 
angefügt hat, beschreibt er, wie viel Schwierigkeiten er bei der Verfertigung zu 
tiberwinden gehabt hat, und es tritt sein klares Urtlveil und sein technischem 
Talent aufs Deutlichste hervor. Wie bekannt, gab die Manier, in der die Abbildungen 
verfertigt sind, Anlass zu dem Streit mit Petrus Caäiper, welcher dazu unter Anderem 
seine berühmte „E2)istola ad anatomicorum jrnncijfem magnumAlbinuin^ (Groningen 
1767, 4.) publicirte, worauf dieser sehr anständig antwortete in dem achten Buch seiner 
Annotationes acadcmicae (Leyden 1754 — 1768, 4.). Aus diesen Annotationes erfahren 
wir auch, dass A. mit grossem Eifer Chirurgie gelehrt und praktisch ausgeübt hat. — 
Er war als Schüler von Kau natürlich ein grosser Lobredner der Lithotomic, welche 
Operation er seinen Studenten auch in jedem Jahre an Leichen demonstrirte. 
Nachdem er 25 Jahre das Amt des l^rofessor anatomiae et chirurgiae ausgefüllt 
hatte, wünschte er, mit Rücksicht auf seine Gesundheit, von einem Theile 
seiner Wirksamkeit entlastet zu werden. Deshalb ward er im August 1745 zum 
Professor medicinae ernannt, um blos theoretischen Unterricht in der Physiologie 
zu geben, und es ward sein jüngerer Bnider Friedrich Bernhard zum Lector 
anatomiae et chirurgiae ernannt (s. oben). Der eigenthümliche Standpunkt der Physio- 
logie in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist die Ursache, dass er, obgleich wir auf 
seine grossen Verdienste für diese Wissenschaft hindeuten konnten, darin nicht ebenso 
glänzen konnte, wie auf dem Gebiete der Anatomie, für die er so Aiel geleistet 
hat, dass H aller die Periode des A. die „Anatomes perfectio" genannt hat. 
Statt der chemiatrischen Anschauungen seiner Vorgänger und Zeitgenossen, 
suchte er das Fundament der Physiologie hu feineren Baue der Körpertheile (mikro- 
skopische Anatomie). Bei seinen Vorlesungen machte er vielfach Gebrauch von dafür 
speciell durch ihn verfertigten Präparaten, um das Gesprochene zu verdeutlichen. 
A. selbst hat schon die Behauptung von Jacobüs B(J&CH£RDS widerlegt, das^ 



ALBIXUS. — ALBRECHT. m 

ir diese I^ilparirmethode vou Friedrich Kuysch j^celernt haben wolle. — 
Sechs Jahre, nachdem A. «ich allein der Physiologie g'ewidmct hatte, erschien 
Hallkr's Irritabilitilt^lehre. In den Streit um dieselbe hat A. sich nie persönlich 
^i mischt, obwohl sein VerhältnisB mit Hallkr schon lange sehr gespannt war, seit 
dieser die Moritat von der Entdeckung der Membrana pupillaris nicht A., sondern 
Wachexdorf vindicirte. — Und doch hat er einen sehr eigenthttnilicht n Stand- 
punkt gegenüber Haller's Lehre eingononmien , weil er in seinen Vorlesungen 
niemals das Wort „Irritabilität" ausgesprochen hat, wi? aus einem Briefe, welchen 
fiein Schüler J. H. DE Braüer an Maller über diesen Punkt schrieb, erhellt. 
Die weniger bestimmten Formeln : .jPrincip'iun moventt^ faculUts movendi, prinri 
pütm corporü vivi** , deren er sieh gewöhnlich bediente , waren jedoch zu vage, 
lim mit dem durch Glisson und Haller eingeführten Namen für synonym gehalten 
zn werden , weil er davon eine Definition gab , welche völlig übereinstimmt mit 
dtm späteren Worte „Lebenskraft" (vis vitalisj. — Jedenfalls erhellt aus den 
^Epistolae ad Hallerum^ genügend, wie hoch die Zuhöret seine physiologischen 
Vorlesungen geschätzt haben. Im Jahre 1742 bot man A. die durch den Tod vou 
Friedrich Hoffmann erledigte Stelle zu Halle an und im Jahre 1752 eine Professur 
in Göttingen, wobei ihm selbst die Bedingungen ganz überlassen wurden, aber beide 
vergebens. Er blieb bis zu seinem Tode am 9. September 1770 an Leydens Hochschule, 
deren grösste Zierde er gewesen ist, thätig. Für die beschreibende Anatomie war er 
ohne Zweifel der hervorragendste Forscher seiner Zeit und verdient mit vollem Recht.' 
den Xamen des Refonnators der Wissenschaft. Erst im hohen Alter, im Jahr»: 17 ().'>, 
verheiratete er sich zum ersten Male mit Clara Magdalena Wapeyron, 
Wittwe Trip. Isracls(t) und Daniels. 

Albom, Sven Eric A., Regimentsarzt in Stockholm, wurde am 27. August 
1777 «zu Carlstad geboren, wo sein Vat:'r ('aplan der Domkirche war. Er besuchte 
das Gymnasium daselbst bis 171)5, dann die Universität zu Tpsala, das Scraphimer- 
Lazarcth und die Entbindungsanstalt in Stockholm , wurde 1801 Unterarzt im 
Militär-Krankenhause zu Gothenburg und machte eine l'/ojährige Reise in's Ausland, 
die sieh bis nach Spanien und England erstreckte. 1808 war er zu Abo zwei 
Monate lang in dem Feldhospital der daselbst eingerückten nissischen Armee thätig, 
wurde aber, nach Schweden zurück {gekehrt, Arzt im Militärkrankenhause zu Carl- 
stad. 1810 erwarb er in Abo den Doetorgrad, wurde 1812 zum Regimen tsarzto 
des 2. Leibgarde-Regiments ernannt und Hess sich als Arzt in Stockholm nieder, 
wo er 1816 Vice-Secretär der schwedischen ärztlichen Gesellschaft wurde. — In 
wineu literarischen Arbeiten findet sich wenig Originelles, das Meiste besteht in 
Tebersetzungen und Berichten über ausländische Leistungen, so ^^ y^KUnisk 
Bandimk uti Fraktükn Lälcarekonster af C, W, Konsbrtich Ofcermffn. 
med tiUä(/g.*^ (1813, 2 Bände, 15). Die übrigen Arbeiten sind fast sämmtlfch in 
den Sv. Läkare-Sällskapets Handl. oder in Arsberättelsen publicirt. — A. starb 
am 5. März 1820 an einer Darmentzündung. — Der ärztlichen Gesellschaft ver- 
machte er testamentarisch seine Büchersammlung und alle seine werthvoUen und 
Tollständigen Aufzeichnungen. 

Sarkien, II, pap. 144. O. 

Albrecht, Johann Georg A. , geboren zu Amberg in der Oberpfalz, 
Arzt, hat geschrieben: ^Cervi evconati et dissecti in medicina asua'^ (Amberg 
1617, 4.;. W. Stricker. 

/ Albrecht, der Meister, ein Thierarzt, angeblich Stallmeister des Deutschen 
Kaiser Friedrich, wird als Verfasser eines Buches „Ueber die Krankheiten der 
Rosse'* genannt, welches mehrmals im Druck erschien und ähnlichen Schriften als 
Vorbild diente. Pnschmann. 

Albreoht, Johann Rudolph A., Professor der Medicin an der Univer- 
sität zu Ingolstadt , zu Zürich in der Schweiz geboren , war zuerst Stadtphysicus 



\ 



94 ALBRECHT. 

iu Ingolstadt, wurde 10154 auf Thiermair's Kmpfehlung ord. Professor daselbst 
und setzte als ziemlich fruchtbarer Schriftsteller bis zum Jahre 1671 seine Lehr- 
thätigkeit daselbst fort, wo er nach EUwang^en als Stadtphysicus ging. Er starb 
hier 1675. — Seine Schriften bestehen mir aus Disputationen und anderen 
gelegentlichen Abhandlungen. 

Kobolt, pag. 82 — Prantl, I, pap. 501; H, p»g. 5(^4. Nr. 15:^. 0. 

Albrecht, Johann Peter A., Physicus zu Hildeftheiuj, war daselbst am 

7. März 1647 geboren, wurde Doctor med. 1673 zu Frankfurt a. 0., Hess sich 

als Arzt in Hildesheim nieder, wurde Physicus daselbst und 1681 von der leopol- 

dinisch-karolinischen Akademie der Naturforscher unter dem Namen „Castor" unter 

ihre Mitgliedern aufgenommen. Er gab zunächst 1687 einige Uebersetzuiigen aus 

dem Holländischen heraus. Ausserdem hat er in den Ephemerid. Acad. Nat. Ourios. 

(I)ecuria U, Ann. I, VI, VIII, IX) eine grosse Reihe ftlber 30) von Beobachtungen 

tiber die verschiedensten Gegenstände der medicinischen Praxis niedergelegt, die 

sich an den unten angegebenen Orten einzeln verzeichnet finden. Er starb am 

16. December 1724. 

A d e 1 u n g - J ö h e r , I , pag. 491 . — R o t e rm ii n d . Gelehrtes Hauuover , I, 
pag. 23. — Oettinger, Monileur des dates, pag. 13. (j. 

Albrecht, Johann Sebastian A. , geboren zu Koburg 4. Juni 1695, 
gestorben daselbst 8. October 1774. Sohn eines reichen Kaufmannes, studirte er 
seit 1715 zwei Jahre in Jena unter Hamberger, Tbichmeyer, den beiden Wedel, 
Si-EVOGT und FiCK, dann in Leyden bei Boerhaave und Albinüs. Hierauf bereiste 
er Holland und Norddeutschland und kehrte nach Jena zurtlck, wo er 1718 pro- 
movirte. Als Arzt in seiner Vatci"stadt theilte er seine Zeit zwischen der Praxis 
und dem Studium der Naturw'issenschaften. 1734 wurde er Professor am Gvnniasium 
und 1737 Physicus in Koburg. 1730 war er als „Panthemus" in die kaiserliche 
Akademie der Naturforscher aufgencmimen worden. Er war ein sehr fruchtbarer 
Schriftsteller und publicirte eine Menge kleiner Schrift 'u in deutscher und lateinischer 
Sprache, theils selbstständig, theils in den Fränkischen Sammlungen, Breslauer 
Sammlungen, ('ommerc. liter Noricum, de Acta Acad. N. 0. etc. etc., auch gab 
er die botanischen Werke von Joachim Jüngiüs heraus (Koburg 1747j. 

Biogr. med. I. W. Stricker. 

Albrecht, Job. Wilhelm A., geboren am 17. August 1703 in Erfurt, 
gestorben 7. Januar 1736 zu Göttingen. Er studirte zuerst zu Jena unter Wedel, 
Teichmeyer und Hamberger, dann in Wittenberg und Strassburg, hielt sich in 
Paris auf und promovirte 1727 zu Erfurt. 1730 wurde er ausserordentlicher Pro- 
fessor an dieser Hochschule, 1734 aber als ordentlicher l^ofessor der Anatomie, 
(Chirurgie und Botanik nach Göttingen berufen. Nach seinem frühen Tode wurde 
A. Haller sein Nachfolger. Wie Mbiners (Geschichte und Beschreibung von 
Göttingen, Berlin 1801, pag. 115) erzählt, hatte er viel zu leiden, indem man ihm 
Menschenscliinder zurief, und kaum Jemand in Göttingen sich bereit finden Hess, 
ihn zu bedienen. — Von seinen Schriften sind anatomischen Inhalts : ^Observationes 
(tnatomicae circa duo cadav&iri mmculina" (Erfurt 1730;; „Ohservado circa 
rasa lymphatica ventricuU^ (Erfurt 1730j und die Einladungsschrift zur Scctiou 
zweier männlicher Gadaver (Göttingen 1735J. Im fünften Bande des Conmierc. liter. 
Noricum hat er eine erfolgreiche Trepanation besehriel)en. 

Biogr. med. I. AV. Stricker. 

Albrecht, J o h a n n F r i e d r i c h E r n s t A., Arzt und Schauspiel-Director 
in Alt(ma, war 1782 zu Stade geboren, wurde in llfeld vorgebildet, studirte in 
Erfurt Medicin , wurde daselbst Doctor med. und praktischer Arzt und kam 171)5 
nach Altona, wo er Director des „National-Theaters" wurde, Hess sich 1798 von 
seiner Frau, der Schauspielerin Sophie Baumer scheiden und wurde i)raktischer 
Arzt in Hamburg, war später wieder Arzt und Director des Theaters in Altona und 



ALBRECHT. 95 

starb daselbst am 11. März 1814 an dem damals herrschenden Typhus. Seine 

(mm Theil anonyme; Schriftstellerei ist sehr ausgebreitet, weit über 100 Nunmiern 

umfassend, die sich in den unten verzeichneten Quellen näher angegeben finden. 

Während dieselbe von 1776 — 1805 ausschliesslich schönwissenschaftlichen Inhaltes 

ist (Flraählungen , Romane, Schauspiele), beginnt von 1810 eine wahre Sündtluth 

von populär-niedicinischen Schriften der allerverschiedensten Art; darunter nicht 

wenige, die sich mit dem geschlechtlichen Verkehr, den Geschlechtskrankheiten 

and deren Heilung, Impotenz, Erhaltung der Schönheit u. s. w. beschäftigen, wie 

z.B. eine noch 1870 in IG. Auflage herausgekommene Schrift: f, Der Mensch und 

mn Geschlecht, oder Belehrungen über j^hysische hiebe** u. s. w. 

Lübker & Schröder, pap. 1»; Nachträge pag. VIIT. — Engelmanii, pag:. II: 
Supplement, pap. ^. (;, 

Albrecht, Heinrich Wilhelm Eduard A. , Professor der Zahnhcil- 

kunde an der Universität zu Berlin, war daselbst am 2. September 1823 als 

Sohn eines Zahnarztes geboren, studirte auf der dortigen Universität von 1843 bis 

1847 Medicin, erlangte daselbst 1847 die Doctorwürde und Hess sich in Berlin 

nieder. Durch seinen Jugend- und Studienfreund Albrecht v. (Ikaefe angeregt, 

eröffnete er im Sei)tember 1855 eine Klinik für Zahn- und Mundkrankheiten, die 

erste ihrer Art in Deutschland, und wusste durch die ihm eigene Kraft und Energie 

dem neuen Institute Leben zu verschaffen. Die grösseren Arbeiten, die er in dieser 

Zeit herausgab, waren: y,Die Krankheiten der Zahnpulpa^ (Berlin 1858J und 

jiDie Krankheiten der Wurzelhaut dt^r Zähne** (1860). Im Dccember 1861 habi- 

litirte sich A. auch bei der l'niversität als Privat-Docent und erwarb sich durch 

seine Klinik und seine Vorlesungen das Verdienst, die Zahnheilkunde als Zweig der 

Medicin mehr auszubilden und dieselbe in ihrer wissenschaftlichen Grundlage zu 

lieben. In seiner y,Klinik der Mundkrankkeiten** (in zwei Bänden 1862 und 1872 

erschienen j gab er Rechenschaft über die Vorkonnnnisse in seiner Klinik und die 

daselbst gemachten Erfahrungen. 1867 wurde A. zum Professor extraordinarius 

der Zahnheilkunde ernannt. Bei der Feier des 25jährigen Bestehens seiner Klinik 

wurde von seineu Schülern und Freunden ein „Albrecht-Stipendium" begründet. 

¥a war ihm jedoch nicht mehr vergönnt, die neuen Bäume der von Seiten der 

Universität zu schaffenden Zahnklinik zu eröffnen, denn cii\e Verletzung, die er 

uieh im August 1881 in seinem Berufe zugezogen hatte, führte durch die Folgen 

der stattgehabten lufection am 25. Januar 1888 seinen Tod herbei. 

E. Klingel höfer, Deutsche Monatsschr. für Zahnheilkmide. 1883, pag. 139 

Gurlt. 

*Albrecllt, Hermann A., geboren in Aarau am 24. Juli 1847, in 
Zürich, Tübingen, Heidelberg, Bern, Wien, Prag, Paris von 1868 — 74 vorgebildet, 
wurde 1876 promovirt und erlangte zu Bern die Venia legendi im Mai desselben 
Jahres. Seit 1877 ist er mit Beibehaltung der Docentenstellung in Neuchätel als 
Arxt thätig. Seine Monographie : „Die Ernährung des Kindes im Säugling salter*' 
(Bern und Berlin) erlebte drei deutsche Auflagen, sowie eine franzcisische und eine 
holländische Uebersetzung (letztere Arnheim 1879). Ferner ist zu nennen eine 
^Momxfraphie iibei' Änicendung des che misch- reinen Sauerstoffes gegen Anämie 
und aegenerative Processe in den Lungen^* (ausg. auf der 54. Naturf.-Ver- 
wunmlung). A. ist Mitarbeiter des Jahrbuches und des Archives für Kinderheilkunde 
nnd der Pariser Rev. meim. etc. ß^j 

*Albrecllt, Karl Martin Paul A., geboren zu Hamburg am 6. März 
1851. Er studirte in Jena, Berlin, Wien, Kiel besonders als Schüler von Gegknbaih 
nnd KuPFFER und wurde als Dr. med. 1875, als Dr. phil. 1876 promovirt. 
1878 wurde er als I^osector nach Königsberg berufen und war hier 4 Jahre 
thätig; seit 1882 lebt A. als Privatgelehrter in Brüssel, nachdem er das Prädicat 
Professor erhalten. Seine beiden Dissertationen behandeln architektonische und 
Entwicklungs- Verhältnisse des Schultergerüstes, j^^^l 






9(3 ALBRICH. — ALCADIXO. 

Albrich, Johann A. , Arzt und Historiker, geboren zu Kronstadt in 
Hidinbtirgen am 1. September 1687, g'cstorbcn am 23. Beptember 1749. Auf 
dein Gymnasium seiner Vaterstadt vorgebildet, bezog er 1706 die Universität Halle, 
HiLZte seine Studien in Levden fort und wurde zu Utrecht am 23. Dccember 17O0 
zum Doetor der Medicin promovirt. 1711 kehrte er nach seiner Heimat zurück 
und wurde 1715 zum Stadtphysicus ernannt. Im September 1718 brach in Kron- 
stadt die Pest aus ; begünstigt durch die Xoth in Folge des vorhergegangenen Miss- 
wachsfs wüthete sie bis zum November 1719 und raft'te gegen 4950 Menschen hin. 
Der Magistrat flüchtete meist aufs Land und so wurde A. Mitglied des Directoriums, 
welches die Stadt verwaltete und hat in dieser Eigenschaft sich grosse Verdienste 
um die Unterdrückung der Seuche erworben. A. schrieb unter dem Titel: „Ohser- 
vationts de peste Barcensi praeseriim Coronae annis 17hS et 1719 saemter graf^- 
sanfe/* eine Geschichte dieser Pest, welche, obgleich von Chenot und Anderen 
vielfach benützt, von KÖlescheri auszugsweise unter seinem Namen veröffentlichte 
Handschrift geblieben ist. Nur der medicinische Theil erschien in deutscher Ueber- 
setzung im dritten Theil der siebenbttrgischen Quartal schritt. — Am 25. Juni 174o 
wurde A. unter dem Namen „Ohrysippus HI." in die kaiserliche Akademie der Natur- 
forscher aufgi nommcn. A. war der Schwiegersohn des Stadtrichters Georg Draiidt 
und hat, da ihm in dieser Eigenschaft die Urkundenschätze seiner Vaterstadt zu- 
gänglich waren, sich auch ein politisches Verdienst um dieselbe erworben. 

Deutsche Biogi'aphie W. Stricker. 

*Albu, Isidor A.-^ um 1840 in Berlin (?) geboren, promovirte daselbst 
18G4. A. hat sich in weitem Umfangi» mit hygienischen und medicinalstatistiseh'.n 
Fragen beschäftigt und den epielemiologischen Verhältnissen seines We)hnortc8 eine 
hervorragenele Aufmerksamkeit zugewanelt. 1874 gab er Riant's „Leco)is (rhygiene^ 
in autorisirter Zusammenfassung als Handbuch der allgemeinen perseinlichen niid 
öffentlichen Gesundheitspflege heraus. In den Ve)r jähren hatte er bereits die Morta- 
lität Berlins mehrfach zum Gegenstande eler Erforschung gemacht, die er spat.r 
nach längerer Zeit fortsetzte (Berliner klin. . Wochenschr. eler betr. Jahrgäng-iy. 
Neben einzelnen Aufsätzen über Cholera und Pocken ist es in den letzten Siebziger- 
Jahren ganz besonelers der Typhus in Berlin gewesen, den A. mehrfach bearbeitete, 
so: „Typhus und Grundicassiergang in Berlin'^ (Ebenda 1877, Nr. 29); „Ueher 
den Typhm in Bariin und München'' (Eülenberg's Vierteljahrsschr. 1879) etc. 
Sein hygienisch-topographischer Atlas (mit graphischen Darstellungen und 3 Karten) 
erschien elaselbst 1879. 1882 begab sie^h A. nach Persien. ^^^ 

Albukasis, s. Araber (X). 

/ Alcadino (Alcaülmo Siciliaxo) A., Dichter, Arzt und Historiker, lebte um 
1191, war wahrscheinlich aus Syracus gebürtig, ging nach Salerno, wo damals die 
Wissenschaften, Künste und besonders die Medicin blühten, und legtö sich mit 
solchem Eifer auf die Philosophie und Medicin, dass er in kurzer Zeit Professor 
in elenselben wurde. Sein grosser Ruf wurde noch dadurch vermehrt, dass es ihm 
gelang, den Kaiser Heinrich VI. zu heilen. Nach dem Tode eles Kaisers, der 
ihn mit Ehren und Gütern überhäuft hatte, wurde er auch eler Leibarzt seinis 
Sohnes Friedrich IL, der ihn veranlasste, eine Abhanellung in Versen, in Gestalt 
von Epigrammen auf die Bäder von Pozzuoli zu schreiben. Dieselbe, y^De halncts 
Puteolanis'' botitelt, wurde zuerst in eler Sammlung: yjDe balneis, omnia , quae 
exstant aj)ud Graecos et Arabes^ (Venetiis 15.53, fol.) publicirt und später noch 
wiederholt anderweitig abgedruckt, namentlich in einer Schrift: ..Opusculum de 
balfieü Puteolorum, Bajuriim et Pithecusarum etc.'' fNeapoli 1591). Von den 
darin enthaltenen .34 Epigrammen sollen aber, nach dem Urtheile des Teatiner- 
mönchs Paolo M. Piceaudi (Venedig 1750) nur 15 dem A. angehören. Derselbe 
starb im Alter von 56 Jahren. 

Mazzuchelli, I, 1, pag. 350. G. 



l 



ALCAZAR. — ALCOCK. 97 

/Alcazar, Andrea A. (Alca^ar oder Valcazab) aus Guadelaxare (Neu- 
Castilien), war um die Mitte des 16. Jahrhunderts Professor der Medicin in 
Salamanca. Er schrieb, praktisch im Verein mit LOüis DE LüCENA an der Reform 
der chirurgischen Instrumente arbeitend, „Chtrurgiae libri sex, in qutbus multa 
antiquorum et recenttorum subohsc, loca hactenvs non declarata interpre- 
tantur^ (Salamanca 1575) und davon in einer Umarbeitung besonders aufge- 
legt „De vubieribus capitis liber*^ (Salamanca 1582). Im fünften Buche 
den erstgenannten Werkes befindet sich die berühmt gewordene Ansicht des 
Andrea A. über die Syphilis, nach welcher sie auf der einen Seite schon bei den 
Alten beschrieben sei, auf der anderen aber neuerdings (1546) dadurch entstanden 
jsein sollte, dass die Soldaten im Feldzuge gegen Alphons von Neapel Menschen- 
fleisch gegessen haben sollten. — Ein jüngerer A., Lodovigo A., geboren in 
Sevilla 1554, lehrte Medicin und Philosophie in Cordua und Sevilla; er starb in 
letzterer Stadt im Juni 1613 und hinterlies« — neben theologischen Schriften — 
y,De malis medicis opusculum (Lyon 1631). 

Biographie m^dicale. I. Red. 

Alcock, Thomas A., Arzt zu London, war 1784 zu Rothbury in 
Northumberland geboren, kam zu einem Chirurgen in Newcastle-on-Tyne in die 
I^ehre, wurde 1805 Hausarzt des Sunderland Dispensary und begann 1806 oder 
1807 seine medicinischen Studien in London in Brookes' anatomischer Schule im 
Westminster Hospital. Nachdem er das Diplom des Royal College of Surgeons 
erhalten, begann er eine Praxis in London, wurde 1813 Chirurg des St. James* 
Workhonse und behielt diese Stellung bis 1828. Seine schriftstellerischen Arbeiten 
«nd zahlreich: „Observations on tlie successful treatment of syphilis, in its 
primary stage vntkotU mercury" (Lond. Med. Repository. Vol. 9, 1818) — 
^Ohservations on inflammation of the mucoiis membrane of the organ of 
respirafion , and treatment of bronchial inflammation, croup, hooping -cough, 
measles" (Medical Intelligencer. Vol. I, 1820); femer „Practical observations on 
fractures of the patella and of olecranon^ (London 1 823), worin er sehr zweck- 
mäsRig Heftpflasterstreifen zur Heranziehung der abgebrochenen Olecranon- oder 
Patellafragmente empfiehlt. — Die folgende Schrift ist topographisch-anatomischen 
Inhalts: „Section of the leg, forming part of series of engravings designed as 
practical illustrations of the surgicat anatomy of the bloodvessels, nerves etc. 
relating to amputation^ (London 1824). A. gab 1827 die von Cli. Th. Haben 
verfassten „Practical observations on the manag ement and diseases of children', 
mih addiiional observatimis and a biographical notice of the atUhor^ (London 
1827) heraus. Bereits früher waren erschienen „An essay on the education 
and duties of the gener al practitioner in medicine and surgery^ (Transact. of 
the associatcd Apothecaries and Surgeon-Apothccaries of England and Wales) — 
nOperaiion for a cleft palate" — „On the immediate treatment of persons 
imisoned" (Lancet. Vol. I, 1828) imd ebendaselbst (Vol. 9, 1825) eine Reihe von Vor- 
lesungen über verschiedene Gegenstünde aus dem Gebiete der Medicin und Chirurgie. 
In der späteren Zeit seines Lebens publicirte er: „An essay on the 2ise of chlorurets 
of oxide of sodium and of lime, as power ful disinfecting agents etc.^ (London 
i827). Er starb am 21. August 1833. 

Biographical Dictionary of the aociety for the diffution of useful knoicledge^ I, 2, 
pag. 769. — Cal Ilsen, I, pag. 83; XXVI, pag. 28. G. 

* Alcock, Sir Rutherford A., 1816 geboren, ist als Diplomat (Gesandter 
in Japan während der Sechzigerjahre und später in China) berühmter denn als 
Am, obgleich er als glücklicher Preisbewerber um den JAKSONIAN-Preis , den 
8eme medicinischen Schriften: „Concussion of the brain^ und „Injiiries of the 
tharax" erhielten, hervorzuheben ist. Sein üebertritt zur diplomatischen Carrifere 

erfolgte während seiner Dienstzeit in der britischen Legion in Spanien (1835 — 1837). 

Bed. 
Biogr. Lexikon. I. 7 



98 ALBERSON. — ALDIS. 

AldersOD, John A., Arzt am General Dispensary zu HuLl, war zu Norwieh 
geboren. Er schrieb: „An essay on tke nature and origin of the contagion 
of ftvers^^ (London 1788 ; deutsche Uebersetzung von W. H. 8. BüCHHOLZ, 
Jena 1790), femer „An essay on the Bhus toxicodendron, pubescent poison- 
oak or aunmch ; vnth cases ehovmig its efficacy in the eure of paralysis, and 
other diseases of extreme debility*^ (Hüll 1794) — „3, enlarged edüion, 1804^ — 
„4. editton enlarged, To which is added an essay on apporitio^iSy read to 
the Liter ary Society at Hüll, 1805^ (Hüll 1811; in's Deutsche übersetzt von 
Ludwig Fr. Froriep, Jena 1799), und ^On apparitions^ (Edinb. Med. and 
Surg. Joum. Vol. 6, 1810). — A. war Mitglied der Royal Medical Society in 
Edinburg und starb am 16. September 1829. Am 4. Jahrestage seines Todes 
wurde an der Front der Infirmary zu Hüll sein Brustbild aufgestellt. 

Callißen, I, pag. 86; XXVI, pag. 19. G. 

Aldini, Giovanni A. , Professor der Experimental-Physik an der 
Universität zu Bologna, war daselbst am 16. April 1762 geboren. Er war der 
Neffe von Aloisio Galvani, dessen Assistent er 14 Jahre lang war, widmete «ich 
dem geistlichen Stande, wurde 1782 Doctor der Philosophie, 1785 Professor- 
Substitut der Physik am Istituto delle Scienze, 1788 Professor honorarius an der 
Universität. Nach der im Jahre 1803 erfolgten Vereinigung beider Anstalten 
erhielt er die Professur der Experimental-Physik, die er bis 1808 beibehielt. Er 
war der eifrigste Verbreiter der neuen Elektricitätslehre, indem er auf Keisen durch 
ganz Europa und namentlich in Paris und London dieselbe bekannt machte. Sein Tod 
erfolgte als Staatsrath zu Mailand am 17. Januar 1834. — Seine auf die Elektrieität 
beztl^liohen hauptsächlichsten Schriften sind: „Aloysii Oalvani de viribus electri- 
citatis in motu musculari commentarius , cum Joann. Aldini dissertatione et 
notis. Accesserunt epistolae ad animalis electricitatis theoriam pertinentes*^ 
(Modenae 1792, 4.) — „Diss. duae de animali electricitate^ (Bonon. 1794, 4.) — 
„Memoria intomo alV electridth animale" (1794, 4.) — „DdV uso e delV 
attivita delV arco conductore nelle contrazioni dei muscoli^ (Bologna 1794, 4.) — 
„PrSds des expiriences galvaniques fadtes rScemment ä Londres et ä Calais** 
(Paris 1803) — „Essai thiorique et expSrimental sur le galvanisme etc.^ (2 voll. 
Paris 1803) — „An account of the galvanic experiments perfonned by Prof 
J. Aldini on the body of a malefactor lately executed at Newgate*' (London 
1803, 4.) „An account of the late improvements in galvanism etc,^ (London 
1803, deutsch: Theoret.-prakt. Versuch über den Galvanisnms von Frz. Heinr. 
Mertens. 2 Bände. Leipzig 1804) u. s. w. 

De Tipaldo, IV, pag. 287. — Mazaetti, pag. 17. — Callisen, l, pag. 87; 
XXVI, pag. 29. (; 

Aldis, Charles James Berridge A., Arzt in London, war daselbst 
am 16. Januar 1808 als Sohn eines Arztes, der später als Sir Charles Aldis sehr 
bekannt wurde und ein Alter von 90 Jahren erreichte, geboren, wurde 1829 in das 
Trinity-College zu Cambridge aufgenommen. Nachdem er im St. Georges Hospital zu 
London seine praktischen medicinischen Studien gemacht hatte, iivTirde er 1838 Fellow 
des Royal College of Physicians. Bald darauf hielt er in der medicinischen Schule 
von Charlotte Street oder der Hunter' sehen Schule Vorträge über allgemeine und 
speciclle Pathologie und Therapie. Später lehrte er in der Aldert^gate-street Schule 
und in seinem eigenen Hause und publicirte „An introduction to hospital practice, 
in variotis complaints^ (London 1835). Durch Arbeiten auf dem Gebiete der 
öffentlichen Gesundheitspflege machte er sich als eine Autorität in 8anitätsangelegen> 
heiten bekannt, wurde 1855 zum Medical Officer of Health iu der St. Gcorgs- 
Parochie, Hannover Square erwählt; das College of Physicans übertrug ihm die 
Würde als HAEVEY*scher Redner. Er veröffentlichte femer einige interessante Beol>- 
achtungen: „On the poisonous efects of coal-gas^ (Med.-Chir. Transact. Vol. 45) — 
„On various ejnlemics of sdwII-jjox and scarlet fever in Belgravia^ und andere 



ALDIS. — ALE3SI. 99 

Au&fttce in den Medical Times and Gaz. und in anderen Zeitschriften. A. starb 
am 26. JnU 1872. 

Medic»! Times and Gm. 1872, II, pag. IM. — Lancet 187;i, II, pag. 171. G. 

"^Aldriglietti (Vornamen nicht bekannt) oder Aldeighetto, am 3. Februar 
1673 zu Padua geboren, studirte zuerst in Bologna, dann als eifriger 
Sehfller des Philosophen Zabarella und des Fabricio ab Aquapendente in 
seiner Vaterstadt. Als ärztlicher Begleiter einer venetianischen Gesandtschaft nach 
Frankreich und später ebenfalls in der Stellung als Gesandtschaftsarzt in Deutsch- 
land kam er in befruchtende Beziehungen mit der medicinischen Wissenschaft des 
Auslandes. Im Alter von 25 Jahren (1798) zurtlckgekehrt , übernahm er den 
Lehrstuhl für innere Medicin und zog durch seine Vorlesungen eine grosse Menge 
von Zuhörern an. Im Lehren lag entschieden seine Bedeutung, da seine gedruckten 
Werke aich auf den in Frankfurt 1600 erschienenen „Ilerailis Saxoniae tractatua 
perfectiss^imus de viorbo gallico^ und einige Gedächtnissreden beschränken. Doch 
hat er, als er 1631 an der Pest starb, eine grössere Reihe von Arbeiten im 

Manuscript hinterlassen, über welche genauer Berieht in Mazzuchelli erstattet ist. 
Dictionnaire hiatorique. Red. 

Aldroyandi, Ulysse A., geboren 1522 in Bologna, war einer der hervor- 
ragendsten Gelehrten seiner Zeit. Er war Doctor der Medicin, widmete sich aber 
hauptsächlich den Naturwissenschaften. Er lehrte an der L^niversität zu Bologna 
Botanik, beaufsichtigte den botanischen Garten, welcher auf seine Anregung ge- 
gründet Worden war, und schuf eine Sammlung merkwürdiger Naturalien und seltener 
Bücher. Beständig beschäftigte A. eine grosse Anzahl Zeichner und Holzschneider^ 
welche die Abbildungen f(ir seine naturwissenschaftlichen Werke anfertigen mussten. 
Dieselben betreffen die Zoologie, Mineralogie und Botanik und zeigen einen ency- 
klopädischen Charakter. Er starb im Jahre 1605. Puschmann 

Alefeld, Georg Ludwig A., geboren am 1. November 1732 in Giessen, 
Sohn des Professors Johann Ludwig A., studirte in Giessen und Strassburg, 
promovirte 1756, wurde 1758 ausserordentlicher, 1760 ordentlicher Professor der 
Medicin und Physik in Giessen und starb am 20. November 1774. Er hat 11 kleine 
Schriften hinterlassen, welche JOUBDAN (Biogr. med.) aufzählt. y^ Stricker 

AAlessandri, Fran^ois degli A., in Vereelli 1529 geboren, wirkte als 
l^ibarzt des Herzogs von Savoyen und Hess 1565 in Venedig gegen die Irrthümer 
des Matthiolus und BbassatqlüS ein Werk imter pomphaftem Titel erscheinen 
(„Apollo omneni compositorum, et Btmjyliomm 7ionnain suo fulgore ita irradians, 
nt ejus meridiana luce cantenti medtct, et phamnacopolne, omni librorum copia 
neglectay omni denique erroris nebula fngata, ad quaevis oj)era facillime se 
accingere valeant^J. 1578 gab er zuerst lateinisch, dann von ihm selbst in*s 
Italienische übersetzt ein^n umfangreichen Tractat über die Pest und die 
pestilentiellen Fieber heraus. Er starb 1587. 

Dictionnaire historique. Ked. 

Alessi, Alessio degli A., Arzt in Hom zu Anfang des 17. Jahr- 
hunderts, war in der Medicin von dem berühmten Marsilio CaQNATI unterrichtet 
worden. Von einem Beamten des Papstes Paul beleidigt, verliess er Rom und 
zog an der Spitze einer Bande junger Leute im Sabiner Geliirge und in Latium 
als Marktschreier und Volksredner umher, kehrte aber dann nach Rom zurück 
und wurde Arzt der Mönche von S. Giovanni di Dio auf der Tiberinsel. Er 
luachte ein besonderes Studium aus dem H[PP0KBATES und war zu seiner Zeit 
tiner der grössten Kenner desselben. Aus seiner Schule gingen viele berühmte 
Aerzte hervor, wie Pietro Servio von Spoleto, Benedetto Aquilano. Er starb im 
Alter von 42 Jahren und hinterliess nur handschriftliche Abhandlungen, die sich 
namentlich mit den Genitalien, der Impotenz u. s. w. bcschäftigvn. 

Mazzuchelli, I, I, pag. 460. (*. 

7* 



100 ALESSI. — ALEXANDER. 

Alessi, Allessandro A., Arzt zu Este, wo er um das Jahr 1630 
berühmt war, war ans Padua gebürtig und hat folgende Schriften hinterlassen: 
„Consilia medica, et epitome puhuum; in quibus methodiis accurata cum praxi 
theorica conjungüur" (Patavii 1627, 4.; 1660) — „De Syropo rosato soluto, 
libellus^ (Patavii 1630) — „Oratylus morlorum, stve de pecyltartum corporis 
humani morhorum apellationibus, essentia et ciiratione libri tres" (Patavii 
1657, 4.; 1660). 

Mazznchelli, I, 1, pag. 460. G. 

Alexander ('A>.e^avXfo;) aus Laodicea mit dem Beinamen Philalethes 
(<l>iAa)v'i^^;), Schüler des Asclepiades, Anhänger des berühmten Anatomen 
Herophilüs und Vorstand einer bedeutenden herophileischen Schule, die ndt dem 
Tempel des karischen Mondgottes in Laodicea in Beziehung stand und von 
Zeuxis, dem A. in der Leitung der Schule folgte, gestiftet worden war (Strabo 
XII, 580). A. schrieb ein grösseres Werk 77£pl töv dpeT^ovTcov , das wenigstens 
fünf Bücher umfasste und, wie aus Galen erhellt, im fünften die Pulslehre 
behandelte. Seine Schüler waren DemostBenes, der wie sein Lehrer Philalethes 
genannt wurde, und AristoXENUS. Helmreich. 

Alexander von Aphrodisias in Karien, Commentator der Werke des 
Aristoteles, lehrte unter Septquijs Severüs peripatetische Philosophie in Athen. 
Die ihm zugeschriebenen Werke medicinischen Inhalts: „iarpaa dcTTOpT^jJiaTa xal 
(pu«7»aa 7:fößAT^(JiaTa (zwei Bücher) und 7w£pl TwupsTcSv (bei Ideler, phys. et med. 
gr. I, 3—106) sind unecht. He Im reich. 

Alexander, aus Tralles in Lydien gebürtig, Sohn eines angesehenen Arztes 
dieser Stadt und Bruder des berühmten Architekten Anthemius, gehört dem 
sechsten Jahrhundert nach Christus an. Er lernte Italien, Afrika, Gallien und 
Spanien auf seinen Reisen kennen und Übte dann in Rom die ärztliche Praxis 
aus. A. hinterliess in griechischer Sprache eine aus 12 Büchern bestehende 
„Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten^, sowie eine in die Form 
eines Briefes gekleidete Abhandlung tlber die Eingeweidewürmer. Diese 
Schriften, in denen sich eine umfassende Kenntniss der fachwissenschaftliehen 
Literatur und eine ungemein reiche praktische Erfahrung kundgab, gewannen 
grossen Einfluss auf die Entwicklung der Heilkunde bei den Byzantinern, Arabern 
und im christlichen Abendlande während des Mittelalters. Der griechische Text 
des Hauptwerkes wurde im Jahre 1548 von Jac. Goüpyl in Paris, im Jahre 1556 
zugleich mit einer lateinischen Uebersetzung von Güinter v. Andernach in Basel 
und 1878 — 1879 mit einer deutschen Uebertragung von Th. PüSCHMANN in Wien 
herausgegeben. Ausserdem ^xistiren mehrere lateinische Uebersetzungen und 
Bearbeitungen dieses Werkes. Der Brief über die Eingeweidewürmer erschien 
1570 und 1584 (herausgegeben von H. MercüRialis), femer in FabeiciüS: 
Biblioth. graec. T. XIII, pag. 602 — 613, in Ideler: Physic. et Med. Graec. 
minor. I, pag. 305 — 312 und in PüSCHMANN's Ausgabe. Puschmann. 

Alexander, William A., Arzt in Edinburg und London, hatte am erst- 
genannten Orte seine medicinische Bildung genossen und prakticirte daselbst als 
Chirurg. Später erlangte er den Doctorgrad, ging 1769 nach London, kehrte aber 
nach Edinburg zurück und starb daselbst 1783. Er hat das Verdienst, die physio- 
logischen und therapeutischen Wirkungen einer Anzahl von Medicamenten experi- 
mentell, zum Theil an sich selbst, geprüft zu haben. Nachdem er festgestellt, dass 
einige von ihm als Antiseptica bezeichnete Mittel, wie Salpeter und China, auf 
die Haut gebracht, resorbirt und mit dem Urin wieder ausgeschieden werden, schlng 
er deren äusserliche Anwendung, namentlich unter der Form von Bädern, bei den 
sogenannten putriden Krankheiten vor. Bei seinen Untersuchungen über die Fäulniss 
eigte er femer, dass die Wärme allein nicht im Stande sei, die faulige Oährang 



ALEXANDER. — ALGHISI. 101 

ZU erzeugen, das» vielmehr noch der Einfluss der Feuchtigkeit hinzutreten mtts.se. 
Die auf das Ebengenannte bezüglichen Arbeiten sind folgende : ,, Experiments mith 
Camphire^ (Philosoph. Transact. T. 57, 1767) — „Experimefital esaays on tke 
foUowing nthjecta** \ I. „On the external appUcatian of antiaeptica in putrid' 
diseases^; II. „On the doses and effecta of medicinea^ ; III. „On diuretica and 
sudarifics*' (London 1768; 2. edit. 1770; deutsch von J. N. Petzold, Hannover 
1773) — „Tentamen medicum de Gantharidum historia et usu^ (1769) — 
j,An exptrimental inquiry concerning the cauaea which have gener ally been said 
toproduce putrid diseasea^ (London 1771) — „Piain. and eaag directiona for 
the uae of the Harrowgate watera^ (Edinburg 1773). Er schrieb auch noch: 
„The history of women etc,*^ (2 voll. London 1779, 4.) 

Watt, I, pag. 20. — E. Beaugrand bei Dechamb.re, II, pag. 744. 0. 

Alexander, Friedrich 8 igismundA., 15. Februar 1 78 7 in Nymwegen 
geboren, studirte zu Leyden und promovirte daselbst 1809 mit einer Dissertation 
j,De tumoribus nervonim". Er wurde Regimentsarzt an der Artillerieschule zu 
Delft und 1824 von der Universität Utrecht honoris causa zum Doctor chirurgiae 
ernannt. 1829 wurde er mit dem Titel eines Professor honorarius Chef des grossen 
Militärspitals (damals hohe Lehrschule für die Militärärzte) zu Utrecht, wo er sehr 
eifrig und sorgsam Pathologie und Therapie unterrichtete bis 1843, dem Jahre 
seiner Demission. Bald darauf wurde er als Professor an die damalige klinische 
Schule und das Athenaeum Illustre zu Amsterdam berufen, welches Amt er im 
Oetober 1843 antrat mit einer Oratio: „Ower de Verhinding van de Studie 
der andere Oeneeakunde etc," Schon im April 1844 starb er am Typhus. Eine 
Aufzählung seiner vielen, meist kleinen Schriften findet sich bei Van der Aa, 
TU. I, pag. 177. Israel» (t) und Daniels. 

Alexander, A., Arzt zu Altona, starb daselbst 1863. Seine Hauptschrift 
ist eine Abhandlung „Phyaiologie der Menstruation^' (Hamburg 1841); über 
denselben Gegenstand schrieb er in Oppenheim's Zeitschrift (seit dem Bd. XIX, 
namentlich Bd. XXVII, 1845) ferner „Beweiae gegen daa Ausachlieaaungavermögen 
ton knotiger Lungenaucht und Wecltaelßebern" (Bd. XXXVIII, 1848) auch als 
besondere Schrift, und „lieber Amauroaia aaturnina** (Pfaft^s Mittheilungen, Bd. IX^ 
N. F. Bd. VH, pag. 1). 

Alberti, pag. 9. 0. 

Alexippns, ein Arzt A. wird von Plutabch im Leben Alexander's 
c. 41 erwähnt. Helmreick. 

/Algarotto, Vittorio A., Arzt in Verona, woselbst er 1593 Präsident 
des Collegiums der Aerztc war, ist der Erfinder des als Pulvis Alegarothi bekannten 
Antimonialpräparates und der unter demselben Namen bekannten Pillen, über welche 
1603 zu Antwerpen eine kleine Schrift erschien. Er soll 1604 aus Neid 
wegen der Berühmtheit jenes Geheimmittels vergiftet worden sein. Noch viele 
Jahre nach seinem Tode wurde von seinem Neffen, der ebenfalls Vittorio Algarotto 
liiess, die folgende Schrift über dasselbe publicirt: „Compendio della natura, 
Tirth , e modo d'uaare una polve guint^eaaenza d^ oro ' medidnale delV IlL ed 
EccelL Sig. Vüt. Algarotto ... ."^ (Verona 1607: Venezia 1671). 

Mazzuchelli, I, 1, pag. 48(3. G. 

AlgUai, Tommas o A., berühmter Lithotomist zu Florenz, wurde daselbst 
am 17. September 1669 geboren, wo sein Vater ein ausgezeichneter Professor der 
Chirurgie war. Unter der Leitung desselben widmete er sich ebenfalls der Chinirgie 
imd in dem grossen Hospital di Santa Maria Nuova vervollkommnete er sich so 
in d^selben, dass er bald Magister, Lector und Chirurg bei jenem wurde. In 
seinen Studien beschäftigte er sich vorzugsweise mit dem Steinschnitt, indem er 
gleichzeitig unter dem berühmten Lohenzo Bellini Anatomie trieb. Nicht weni 



o 



l 



102 ALGHISI. — ALIBERT. 

trug zur Erhöhung seine» Rufes bei, dass er, als er in Rom war, vom Papste 
Clemens XI. aufgefordert, wurde, ihn zu heilen und dass dies vollständig gelang. 
In verschiedenen Theilen Italiens befreite er Viele durch seine Gki^chickliehkeit vom 
Stein. Als er 1703 vorübergehend in Padua sich aufhielt, erwarb er unter dem 
Vorsitze Vallisnieri's den Doctorgrad in der Medicin. Sein Hauptwerk ist: 
„Litotomia, ovvero del cavar la ptetra^. (Firenze 1707, 4. ; Venezia 1708, 4.), 
in welchem er den hohen Steinschnitt verwirft und der Methode des GlOV. DE Romani 
mit dem sogenannten grossen Apparat den Vorzug giebt. A. starb am 24. September 
1713 an den Folgen ein^r Verwundung, welche ein in der Hand zersprungenes 
Gewehr ihm zugefügt hatte. — Er hat noch die folgende „Lettera del Sig. 
Tommaso Alghisi al Sig. Antonio Vallisnteri etc, nella quäle si discorrei 1. De 
verini usciti per la verga, e di quäl sorta; 2. Di un miovo liquore da tchtzzare 
dentro i vasi de' corpi, per rintracciarne tutte le diramaztoni anche capillari ; 
S. Della fasciatura ingegnoaiaaima de* popoli d^Egitfo nelV imbalsamare i loro 
cadaveri, ricavata daW antiche mummte** hinterlassen, die im Giornale de' 
letterati d'Italia, T. VI, und von Neuem am f^nde von Vallisnisri's Nuove 
esperienze ed osservazioni intomo alla storia medica e naturale, Padova 1729 abge- 
druckt wurde. 

Mazzuchelli, I, 1, pag. 487. (f 

Alhervl, s. Abu Mansur Mowafik Ben Ali el Harwi. 

Ali Ben el-Abbas, s. Araber (IX). 

Ali Ben Isa s. Araber (XII). 

Ali Ben Rodhwen, «. Araber (XIV). 

Alibert, Jean Louis Baron A., berühmter Dermatolog zu Paris, war am 
12. Mai 17(56 zu Villefranchc de TAveyron (Haute-Guyenne) geboren, erhielt seinen 
l^nterricht in der Congrc^gation des P^res de la doctrine chr^tienne, kam aber, als 
dieselbe durch die Revolution aufgehoben war, im Alter von 26 Jahren nach Paris 
und begann daselbst Medicin zu studiren. Noch Studirender und Schüler von Pixel, 
BrcHAT, Portal, Fourcroy, war er (1797) ein Mitstifter der Societe m6dieale 
d'^mulation, deren langjähriger Secretilr er wurde. Bereits ehe er das Doctorat 
erwarb, schrieb er in den Memoire« dieser Gesellschaft (T. 1, 2, An VI, VII, 1798, 
1799) mehrere Aufsätze. Seine (1799) vertheidigte Doctoratsthese „Dissertation stir 
les fievres pernicieuse^, oh ataxigues iniermittenfes^ erfreute sich eines solchen 
Beifalles, dass sie fünf verbesserte und vermehrte Auflagen (1801, 1804, 1809, 1820) 
erlebte und von Charles Caldwell (Philadelphia 1808) in's Englische übersetzt 
wurde. — Um 1803 wurde er zum Arzte des llöpital Saint-Louis ernannt und hier 
begann er durch seine Untersuchungen über die in Frankreich, trotz der Arbeiten von 
Lorry, noch sehr wenig erforschten Hautkrankheiten seinen Weltruf zu be- 
gründen. Ehe er aber über jene etwas publicirte, schrieb er eine Reihe von 
bedeutungsvollen Schriften und Aufsätzen aus anderen Gebieten, namentlich aber dem 
der Materia medica; so gab er heraus: „Pierre Bousfel Systeme physiqne et moral 
de la femme, suici du syathne physiqiie et vwral de Vhomme, et dun fragmeiU 
sur la sensibilite efc. precede de VSloge hisforique de Vaiitenr" (Nouv. ed. Paris 
An XI, 1803; 1805, 1813, 1820), und Fchrieb „Nouveaux eUmens de 
(herapeutiqne et de matiPre medicale suici d'un essai frangaui et latin sur Vart 
de formuler et d' un pr^cis sur les eaux minSrnles les plus ustiSes*' (2 voll. 
Paris, An XII, 1804, 1808, 1813, 1817, 1826)— ^ Kote sur le caaut-chouc oti 
res ine elastique** /'Bullet, des sc. med. T. 1), „Note sur Vipdcacxianha" (LEBOtTX, 
Journ. de niedec. T. 9, An XIII), sowie eine Reihe biographischer Arbeiten über 
„Lazare SpalUnizani^ , „L, Galvani^ (1806). In diesem Jahre erschienen auch 
die ersten Licfenmgen seines grossen, klassisch gewordenen Abbildungswerke« über 
Hautkrankheiten: „Description des malad ies de la peau, observSes h VHopüal 
Saint-Louisj et exposition des meilleures methodes suivies pour leur trattenierU^ 



ALIBERT. — ALTSON. 103 

(Paris 1806 — 1827, Fol. mit 120 Bogen Text und 54 col. Kupfern); neue Auflage 
unter dem Titel: „CUnique de VHdpital Saint- Louis ^ ou TraäS coniplet des 
maladies de la peau etc.** (Paris 1833, Fol. mit 63 col. Kupfern). Ein Jahr 
früher etsehien die Schrift: „Monographie des dermatoses, ou precis thSorique 
H pratique des maladies de la peau ; ptciliS som les yeux de Vavteur par le 
Dr. Daynac** (Paris 1832, 1834, 1835; deutsch: Monographie der Dermatosen, 
bearbeitet von Max Blökst, Lief. 1 — 6, Leipzig 1836, 1837), in welcher das 
in der neuen Auflage acceptirte System näher entwickelt ist, während die 14 Jahre 
frtther erschienene öchrift „Precis thSorStique et pratique sur les maladies de la 
peau^ (2 voll. Paris 1818; 2. edit. 1822) sich noch mit deiii alten System beschäftigt. 
A. hatte seine Arbeiten über die Krankheiten der Haut zu einer Zeit begonnen, 
wo Willan's System in Frankreich noch unbekannt war. Seine um dieselbe Zeit 
angefangene Klinik, die im Sommer unter den schattigen Linden des Hospitals 
abgehalten wurde, zog eine sehr grosse Menge von Studenten , einheimischen und 
fremden Aerzten an. In der Benchreibung der Krankheitsbilder, die bisweilen von 
überraschender Wahrheit, bisweilen von einer an das Lächerliche streifenden üeber- 
treibimg nicht frei ist, hielt er sich, im Gegensatz zu seinem Rivalen WiLLAN, 
welcher für sein System die pathologische Anatomie zur Basis genommen hat, vor- 
zugsweise an die äussere Erscheinung, und wie er in einer früheren Arbeit 
^Nosologie naturelle ou les maladies du corps humain, distribuies par 
famxUes*' (2 voll. Paris 1817—1825, 4. mit 44 col. Kupfern) die Krankheiten 
nach JussiEü's Methode zu classificiren versucht hatte, so suchte er dies auch hei 
den Hautkrankheiten durchzuführen. Er theilt dieselben in Familien, Grenera und 
8pecies und führt eine Menge von neuen Benennungen ein. 1818 zum Leibarzt des 
Königs Ludwig XVIIL und 1821 zum Professor der Therapie in der medicinischen 
Facaltät ernannt, starb A. am 4. November 1837. — Ausser einigen grösseren 
Schriften, wie „Vatt dt formuler^ (Paris 1818) — „Physiologe des passions etc.^ 
(2 voll. Paris 1825, 1827, 1837; Bruxelles 1825; deutsch bearbeitet von 
CK. Scheidlee, Weimar 1826; in's Spanische übersetzt, Bordeaux 1828) und 
nPrScis historiques sur les eaux minSrales les plus usitSes en mSdecine etc.^ 
(Paris 1826) hat er noch eine Reihe von Artikeln über Hautkrankheiten in ver- 
iichiedenen Journalen und im Dictionnaire des sciences medicaks verfasst; auch war 
er Mitredacteur der Encyclop^die m^thodique und der Encyclopedie des sciences 
medieales, und hat eine grosse Menge von Aufsätzen, Recensionen, Berichten für 
alle Pariser Journale seiner Zeit geschrieben. Ebenso ausgezeichnet wie als Ge- 
lehrter war A. von Charakter; er kannte nur Grossmuth und Wohlthun; sein 
Haus war der Mittelpunkt einer edelen Greselligkeit. 

Parißet, IT, pag, 493. — E. Beaugrand bei Deehambre. IIT, pag. 7. — 
Callisen, I, pag. 98; XXVI, pag. 32. Gurlt. 

Audio, Carlo Antonio, war zu Ende des 17. und zu Anfang des 
18. Jahrhunderts Professor der praktischen Medicin zu Lodi und hat folgende Werke 
veröffentlicht; ^Somnia medica varia doctrina referta etc.** (Laudae 1720, 4.) — 
,7Ve ceritä fondate sn la rayione , su Vautorith, e su V esper ienza etc.** 
(Lond. 1723). 

Mazznehelli, I, 1, pag. 490. Cr 

Ali Rodoani,'s. Araber (XIV). 

Alison. William P u 1 1 e n e v A., Professor der Medicin an der Universität 
zu Edinhurg, war 1790 zu Boroughmuirhead bei Edinburg geboren (ein jüngerer 
Bruder war der berühmte Geschichtsschreiber Sir Archibald Alison), erhielt seine 
Erziehung in Edinburg, wo er 1811 promovirt wurde. 1814 machte er eine Reise 
nach dem Contincnt, veröffentlichte 1815 eine kleine Schrift: „Travels in France** 
und wurde in demselben Jahre einer von den beiden Aerzten des in Edinburg 
ueu begründeten New Town Dispensar}'. 1820 wurde A. an Stelle von Andkew 
DtNCAN jun., der einen anderen Lehrstuhl erhielt, zum Professor der gerichtlichen 



104 ALISON. 

Medicin ernannt, vertauschte diese Professur aber bereits naeh Jahresfrist mit der- 
jenigen der allgemeinen Pathologie, die er ungefähr 20 Jahre, anfänglich zusammen 
mit DüNCAN sen., später allein innc hatte. Seine Publicationen begannen haupt- 
sächlich erst mit der 1821 erfolgten Gründung der Edinburger Medico-Chirurgical 
Society, deren einer der Secretäre er wurde, in den Transactions (Vol. 1, 2. 1824, 
1826) derselben. Im Jahre 1831 veröffentlichte er seine „Outlines of physiology, 
toith an appendix, corUaining heads and lectures on paihology and therapeutics,*' 
worin der Inhalt seiner Vorlesungen wiedergegeben war und die später zu den 
„Outlines of physiology and pathology*^ (Edinburgh and London 1833, 1836, 1839) 
erweitert wurden, denen ein „Supplement to the outlines of physiology^ (Edin- ^ 
bürg 1836) sich anschloss. Es liegt in den letztgenannten Publicationen ein voll- 
ständiges Lehrbuch der allgemeinen Pathologie vor. Einige von seinen darin nieder- 
gelegten Ideen und Speculationen entwickelte er später in besonderen Aufsätzen über 
Entzündung und über vitale Verwandtschaft in den Transactions of the 
Royal Society of Edinburgh, (Vol. 16, 20) weiter. Auch in den folgenden Jahren 
beschäftigten ihn vorzugsweise abstracte Studien, indem er Artikel über die Ge- 
schichte der Medicin, über Entzündung und Instinct für die Cyclo- 
paedia of Practical Medicine (1834), die encyclopaedia of Anatomy and Physiology 
und die Library of Medicine lieferte. B&r einzige erhebliche Beitrag zur praktischen 
Medicin aus dieser Zeit war ein Artikel „Jaundice from non-elimination*' 
(Edinb. Med. and Surg. Journ. Vol. 44, 1835). Trotz seiner abstracten physio- 
logischen Discussionen war er jedoch eifrig als Praktiker beschäftigt, theils in 
der Royal Infirmary und im Dispensary, wo er den Armen ein zuverlässiger Freund 
blieb, theils während der Choleraepidemie von 1831 — 1832, als einer der Ver- 
treter des College of Physicians im Board of Health. — Als um das Jahr 1840 
dßr Typhus nicht nur in Edinburg und den meisten grossen Städten Schottlands 
und in allen Theilen Irlands in beträchtlichem Zunehmen begriffen war, erklärte 
sich A., indem er die Mängel des schottischen Systems darlegte, in der Schrift 
„Observations on the management of the poor in Scotland, and iis effects on 
the health 'of the great tovms" (Edinburg 1840) und in zahlreichen anderen 
Publicationen "über diesen Gegenstand für die Einführung des bessere Garantien 
darbietenden englischen Armengesetzes in Schottland, und trotz der dadurch ange- 
regten beträchtlichen Opposition, erschien 1845 eine Parlamentsacta, die zwar nicht 
alles von A, Vorgeschlagene annahm, aber doch den Keim grosser Verbesserungen 
in sich trug, welche allmälig eingeführt werden konnten. — 1842 erhielt A. nach 
dem Tode von Home . dessen Lehrstuhl der speciellen Pathologie und Therapie 
und veröffentlichte bald darauf „Observations on the epidenüc fever of 1843 
in Scotland^ and its connection wüh the destitute condition of the poor** 
(Edinburgh and London 1843), sowie seine „Outlines of pathology and practice 
of medicine*' (Edinburg 1843, 1844; Philadelphia 1844). Gleichzeitig beschäftigten 
ihn Untersuchungen über die beste Art der Registrirung von Geburten, Sterbe- 
fUllen und Eheschliessungen in Schottland, wodurch er mit dem Registrar-General 
von England Dr. Farr in Correspondenz kam, bis die 1846 in Schottland ebenso 
wie in Irland in Folge des Misswachses der Kartoffeln ausgebrochene Hungersnoth 
seine besondere Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Er schrieb in Folge dessen 
eine kleine Schrift: „Observations on thefamine of 1846 — 1847 in the highlands 
of Scotland and in Ireland, as illustrating the connection of the principle of 
population wüh the management of the poor** (Edinburg 1847). — Um diese Zeit 
(1846) auf der Höhe seines Ruhmes als Arzt und Philanthrop und anerkauut^r- 
maassen an der Spitze der schottischen Medicin stehend, wurde er von Epilepsie 
befallen, von der er später nie mehr ganz frei war und die seine Geisteskräfte derart 
schwächte, dass er 1856 seine Professur, der er 36 Jahre lang vorgestanden hatte, 
niederlegte. Er zog sich mehr und mehr zurück und starb am 22. September 1851). 

Edinburgh Medical Journal, Vol. 1860, pag. 4G9. — A. Hai liday Douglas, The 
Harveian discourse: On ike life and character of Dr. Aliaon. Ibid. Vol. 11, 2, 1866, pag. ir)()3. 

Gurlt. 



ALISON. — ALLAN. 105 

AliiBOlL, Sommer ville Scott A., wurde zu Ediuburg 1813 geboren, 
bereits als Student in einem Choleralazareth verwandt und zum Doctor promovirt 
im Jahre 1833. Zunächst in Traneut als Arzt und als Schriftsteller (An account 
of the düeasea af Colliers) thätig, siedelte er doch bereits 1841 nach London 
über, wo seine eigentliche Specialthätigkeit als Arzt für Brustkrankheiten begann. 
Mit den Erfindungen eines „Differential i^tethoscope^^ und eines Sphygnioscops 
machte er sich zunächst praktischen Kreisen bekannt und schrieb ausser vielen 
Beiträgen für die Procoedings of the Royal society sein Hauptwerk: „Physical 
examinatton of the ehest in pulmonary constimption and its intercurrent diseases^ 
'"London). Eine Reihe von Jahren fungirte er als Pbysician to the hospital for 
consamption und starb im Juni 1877. Red. 

Alix, Mathias Franz A., geboren 1738 zu Paris, Professor der Mediein 

nnd Chirurgie an der Universität zu Fulda, Director der dortigen Hebammenscbule, 

auch Brunnenarzt zu Brücken au, starb zu Fulda 31. Mai 1782. Er schrieb über 

nFüteln des Perinätim" (Erfurt 1769), verfasste eine „Amceisung zur Wund- 

arzneikunst" (Riga 1772), schrieb über die „Schädlichkeit der Begräbnisse in 

den Kirchen" (Erfurt 1773), sammelte „Quaestiones medico-legales ex chirurgia 

declaranda" (Erfurt 1774) und „Chirurgische Beobachtungen", 3 Hefte (Altenburg 

1774 — 1777). Alle diese Schriften, mit Ausnahme der Wundarzneikunst, sind 

lateinisch verfasst. Ausserdem übersetzte A. Raültn's Geburtshilfe in's Deutsche 

lürfnrt 1771) und Weikard*S Badeschrift über Brüekeuau in's Französische 

(Erfort 1776). 

Biogr. med. I. W. Stricker. 

Alkanamusali, s. Araber (XVIII;. 

Alkindus, s. Araber (U). 

Alkmaeon (A^aaxCwv) aus Kroton in Uuteritalien, Schüler des Pythagoras, 
berühmter Arzt und Philosoph. Er schriel) ein Werk 7:ep. ^uieo); (Gal. I, 487. 
XY, 5 K.), das Aristoteles einer Widerlegung würdigte (Diog. Laert. VIII, 5. 
V, 1, 25) und von welchem Stobaeüs, Pseüdo-Galen und Plutarch de placit. 
philos. Fragmente erhalten haben. Er stellte zuerst 8ectiouen an Thieren au, um 
die Natur des Auges zu erforschen fChalcid. in Tim. Plat. 246) und soll die 
EoBtachische Röhre (bei Ziegen) und die Sehneneu entdeckt haben. Der Sitz der 
Seele (to i^ye;j/)vw6v) ist ihm das Gehirn, aus welchem der Same entsteht. Das 
Gleichgewicht (wovoata) der vier Elemente, des Warmen und Kalten« Trockenen 
and Feuchten ist die Grundlage der Gesundheit, das Uebergewicht (aovapjrta; des 
einen oder anderen ist die Ursache der Krankheit. Vergleiche Unna, „Df* 
Alcmaeone Crotoniata eiusque fragvientis^ in PETERSEN, „Historisch-philo- 
logische Studien" (Hamburg 1832), Kühn, de Alcm. in seinen Opuscul. acad. 
I, 69 (Xips. 1827). Helmreieh. 

AlkoiL) ein Wundarzt in Kom zur Zeit des Kaisers Claudius. Als einen 
Beweis für seine ausgebreitete Praxis und die hohen Sunmien , die er damit ver- 
diente, erwähnt Plinius, dass A., nachdem er von Claudius um 10 Millionen 
Sesterien bestraft worden war, während seiner Verbannung in Gallien und nach 
seiner Rückkehr nach Rom in wenig Jahren ebenso viel wieder gewann. Plin. 
n. h. XXIX, 1 {^). Martial. VI, 70. Helmreich. 

Allain-Allanus, Nicolaus A. = A., französischer Arzt aus dem 16. Jahr- 
hundert, bekannt durch sein Werk: rjSantoninn regione et illustribus familiis 
brevis nee miniis elegans tractatus^, Uneer 

Allan ) Robert A. , Chirurg zu Ediuburg, war daselbst 1778 geboren 
und trat, ein Schüler von John Bell, 1797 als Assistant-Surgeon in die Marine 
ein. 1799 wurde er ^urgeon, nahm aber 1805 wegen geschwächter Gesundheit 



106 ALLAN. — ALLCHE. 

seinen Abschied und kehrte nach Edinburg zurück, wo er mit Bbll in eine 
Partnership trat und in dieser acht Jahre lang verblieb. Er schrieb : „A treaUse 
on the Operation of lithotomy, in tohieh are denionstrated the dangers of opera- 
ting wüh the gorget, and the super lority of the more simple Operation wüh 
the knife and staff*^ (with 5 pl. Edinburg 1808, Fol.) 1812 begann er mit 
Beifall Chirurgie zu lesen und publicirte später: „A system of pathological and 
operative surgery ; founded on anaioiny , illustrated hy drawings of diseased 
strudure and plans of Operation^ (3 voll., Edinburg 1819, 4.). Einige Jahre vor 
seinem 1826 erfolgten Tode war er Chirurg an der Royal Infirmary und hielt daselbst 
zwei Jahre lang in Verbindung mit Russell klinische Vorträge über Chirurgie. 
Edinburgh Journal of Medical Science. Vol. II, 1826, December. G. 

Allan, John A. , Chirurg der englischen Flotte, war Mitglied des Royal 
College of Surgeons of England. Er schrieb im Edinburgh Med. and Surg. Joum. 
(VoL 11, 12, 19, 246; 1815; 1816, 1823, 1825): „Observations on the necessity 
and Utility of bloodletting in continued fever ^ — „A ca^se illustrative of the 
Utility of large doses of opium in ctUting short a paroxysm of acute mania 
with remarks" — ■ y^A case in which a Perforation of the soft palate was closed 
by an instrunient composed of gum caoutchouc etc^. In den Mcdico-Chimrg. 
Transact. (Vol. 12, 1823) und im Lond. Med. aud Phys. Journ. (Vol. 56, 1826) 
veröffentlichte er noch weitere casuistische Mittheilungen. 

, Callisen, T, pag. HO. G. 

Allan, Robert, englischer Militärarzt, war nacheinander Assistent- 
Surgeon bei den Royal Irish Füsiliers, Superintending Surgeon im Gamisonhospital 
zu Chatham, Staff-Surgeon zu Fort Pitt 1850 — 1851, Surgeon beim 17. Regiment, 
Mitglied der Civilhospital - Behörde und Acting-Surgeon bei dem Polizei- und Ein- 
wanderungs-Depot von Mauritius. Er schrieb folgende Aufsätze: „Occlusion of the 
Ureter with abscess of kidneys ; life prolonged by opening it^ (Edinburgh Med. 
and Surg. Joum. 1837) — „Observations on calculous coniplaints at Mauritius*' 
(Foreign Quarterly Review), und einige Aufsätze in der Lancet 1845, 1848. — 
Allan starb im Pensionsstande zu London am 15. März 1878. 

British Medical Journal 1878, IT, pag. 159. (i. 

*Allblltt, Thomas Clifford A., geboren 1833, studirte zu Cambridge 
und Paris und wurde 1859 promovirt. Er fungirte alsdann in der Stellang eines 
Lecturer aud Pract. of Phys. Leeds School of med., sowie als Consult. Physician 
Leeds Hospit. for Women and Childr. Examin. in Med. Univ. Cambridge. Seine 
HauptleistuDgen sind: ;,7^^ Ophthalmoscope in Nervons, Renal Diseases*" 
(1871) — „On Overwork and Sfrain of the Heart" (1871, deutsch heraus- 
gegeben von Seitz, 1874) — „O/i the significance of Skin Affection in the 
Classification of Disease^ — u'^^^^ Effect of Exercice upon the Bodily 
Temperaturen — r^ Essays of the Medecine of the Greeks^ — „On Paracentesis 
Pericardii** (Lancet 1869). ^^^ 

*Allch6, Gerardus Arnoldus Nicolaus A., geboren zu Amsterdam 
am 29. November 1810, studirte 1827—1830 daselbst, erhielt einen Preis für: 
„Commentatio chemica de aqua marina** und promovirte in Leyden 1836 mit 
einer Dissertation „Z>e aquis medicis sive salubribus'* . Er Hess sich in 
Amsterdam nieder, wo er noch lebt, aber seit 1874 die Praxis niedergelegt hat. 
1845 publicirte er: „De enticikkeling van het kind noor lichoom enquit**, ein 
vortreffliches Buch, das alsbald sehr populär \^Tirde, so dass die fünfte Auf age schon 
erschienen ist. Ausserdem gab er noch viele grössere und kleinere Abhandlungen 
heraus, meist auf dem Gebiete der praktischen Hygieine, und speciell der Schul- 
hvfirieine ^verbesserter Schulbau und Schulmaterial), des Turnens etc 

Israels (f) und Daniels. 



ALLfiGRE. — ALLEN. 107 

Allegre, Dominique, Arzt zu Hyfere« (Var), war 1785 zu Marseille 
geboren und hatte einen grossen Theil seines Lebens in der französischen Kriegs- 
Marine zugebracht. Als Chirurg 3. Classe bei der Armee von St. Domingo, gerieth 
er in englische Kriegsgefangenschaft und wurde nach der Capitulation des Caps 
]803 nach Jamaica gebracht. Nach England zurückgekehrt, wurde er auf Ehren- 
wort nach Frankreich entlassen, diente dann an Bord verschiedener Schiffe und 
befand sich gerade in Martinique, als diese Colonie 1809 den Engländern in die 
Hunde fiel. Von Neuem als Kriegsgefangener nach England gebracht, kehrte er 
erst 1814 nach Frankreich zurück, ging mit einer Fregatte nach Tunis und 
überstand daselbst einen Typhus. Nach seiner Genesung diente er in den Marine- 
Hofipitälcrn zu Toulon bis zum Juli 1818, wo er entlassen wurde. Nachdem er 
bei der Facultät zu Montpellier das Doctor - Diplom erlangt, Hess er sich in der 
Winter-Station Hy^res nieder und erlangte daselbst bald eine ausgedehnte Praxis, 
Sein Tod erfolgte am 12. November 1871. 

Gaz. m6d. de Pari« 1872, pag. 35. O. 

Allegri, Girolamo A. , Arzt zu Verona, war 1688 Präsident der 
di«eibst vier Jahre früher gegründeten Akademie degli Aletofili. Er beschäftigte 
sieh viel mit Chemie, hermetischer Philosophie und auch Astrologie. Es sind 
von ihm im Druck folgende Schriften erschienen: y^Esposizione aopra la polvere 
ddV Älgarotti. Ragionamento pnmo^ (Brescia 1666, 120) — „ Letter a fistco^ 
medtca, in che per varj esper imenti si va dubitando intorno a* prmcipj fisici, 
ed a' fondamerUt medict, e st propongono aüri 2>ossibili, mostrcUi nuovam'tUe 
dalle ceneri dt tutti li cmnposti" (Verona 1684, 12.). 

Mazznchelli, I, 1, pag. 5()8. (x. 

Allen. Von den zahlreichen englischen und amerikanischen Aerzten dieses 
Namens sind hen-^orzuheben : J o h n A. , englischer Arzt , dessen Existenz aber 
zweifelhaft ist, da zeitgenössische Schriftsteller, wie die Berichterstatter in den 
Acta eniditorum (Lipsiae), Manget und Eloy den Namen für ein Pseudonym 
halten, unter welchem das folgende, weit verbreitete und in vielen Auflagen heraus- 
gekommene Werk erschien: „Synopsis iiniversae medicinae practicae, sive doc- 
imimorum virorum de niorbts, eorumque cmisis ac remediis jtidicia*^ (Londini. 
1719, 1729; Amstelod. 1720, 1723, 1729; Venet. 1732, 1748; Francof. ad M. 
1749, 1753; auch französisch von J. Devau, Paris, 3 voll., 1728; 1730, 1737, 
1741, 1752, 7 voll.; deutsch Budissin 1726; englisch London 1740).^ Es war 
dies ein Werk nach Art der Encyclopaedia medica des Johannfs Dolaeüs, in 
welchem nacheinander die Lehrmeinungen älterer und neuerer Aerzte angeführt 
werden, ohne dass der Compilator seine eigene Ansicht zn erkennen giebt. Alle 
Krankheiten werden in 15 Classen abgehandelt, ein letztes Capitel des Werkes 
enthält die Arzneiformeln. 

Biet. hlKtor., I, pag. 95. (x. 

Allen, Peter, Ohrenarzt in London, im Deeember 1826 in der (Iraf- 
fichafl Kent geboren, war ein Zögling des St. Georges-Hospital und erwarb während 
»einer Studienzeit daselbst mehrere Preise. Er Hess sich in Bridport, im Westen 
von England, 1849 nieder und blieb dort bis 1855, wo er in die Armee eintrat, 
am im August desselben Jahres nach der Krim abzugehen. Ein mehrmonatlicher 
Aufenthalt daselbst, der seine wunderbare Energie und Geschicklichkeit in das 
beste Licht treten Hess , schädigte seine Gesundheit so , dass er in die Heimat gc- 
•«ehafft werden musste. Nach hergestelltem Frieden 1856 übernahm er wieder eine 
Landpraxis in Yealand Conyers (bei Lancaster) und blieb daselbst fast 12 Jahre, 
während er unausgesetzt Studien über Ohrenheilkunde machte. Im September 1868 
fiihrte er den lange gehegten Plan aus, sich in London als Ohrenarzt nieder- 
nilassen. Im April 1869 trat er zu Yearslby, dessen Tod weniger als 3 Monate 
danach erfolgte, in nähere Beziehungen. In dieser Zeit erschien aus seiner Feder 



i 



108 ALLEN. — ALLIONI. 

eine Arbeit: yfOn sonie of the funciions of the middle and internal ear, and 
their analog f es ^ in der Lancet und 1869 wurde er zum Ohrenarzt beim St. Marys 
Hospital ernannt. Er hielt daselbst im Sommer 1870 mit vielem Beifall Vorträge, 
die im Januar 1871 gesammelt, unter dem Titel: „Lectures on aural catarrh ; 
or, the commonest forma of deafiess and their cure^ erschienen. Bei der Vor- 
bereitung einer zweiten Auflage starb er am 18. Januar 1874. 

Lancet 1874, 1, pag. 146. Cr. 

Allen, J. M. A. , schrieb als Lehrer der Anatomie in Philadelphia 1856 
den: „Practical anaiomist or the students guide in the dissecting room" (mit 
266 Illustrationen). — Nathan A., trat als medicinisch-philosophischer Schrift- 
steller zuerst 1841 auf mit einem: „Essay on the connection of mental philo- 
sophy with medicine". Dann 1850 mit einer Geschichte des: „Opiumhandels in 
Indien und China" , die 1853 zum zweiten Male aufgelegt wurde. 1870 erschienen 
von ihm: „Physical degeneracy" (New- York) und „The physiological laws of 
human increase" (Philadelphia). 

Index Catalogue. Red. 

D'AUessandro , Vincenzo d'A., Arzt in Neapel, war in den ersten 
Monaten des gegenwärtigen Jahrhimderts zu Apricena in der Capitanata geboren, 
und übte, nach seinen in Neapel vollendeten medicinischen Studien, als Vice-Pro- 
tomedicus in dem Districte von Sansevero die ärztliche Praxis aus. 1833 nach 
Neapel tibersiedelt, wurde er zum Arzt des Ospedale di Loreto und zum stellver- 
jretenden I*rofessor der allgemeinen Pathologie an der königl. Universität ernannt. 
Er war eine Zeit lang Mitarbeiter des „Filiatre Sebezio" und veröffentlichte 1840 
den ersten Band seiner: „Elementi di nosologia medica speciale" , welcher der 
einzige blieb. 1843 unternahm er die Herausgabe eines medicinisöhen Journals: 
^Eccletico clinico" und gab zuletzt die: „Istituzione di clifiica e terapia generale** 
heraus. Er starb zu Neapel am 26. Juni 1847. 

Annali universali di medicina, Vol. 1)25, 1848. pag. 218. G. 

* Allingliani, William A., Anfangs der Dreissiger jähre dieses Jahrhunderts 
geboren, 1857 promovirt und theils in chirurgischen Assisteutenstelleu, theils am 
Gl. Northern hospital als dirigirender Chirurg thätig gewesen, ist der Verfasser von 
„The treatment offistula by means of the elastic ligature" (1875) und der in vier 
Ausgaben erschieneneu Monographie: „On diseases of the rectum, their diagnosis 
and treatment" (letzte Auflage 1879) nebeu zahlreichen journalistischen Beiträgen. 

Red. 

Allioni, Carlo A., Arzt und Professor der Botanik an der Universität zu 
Turin uud Director der dortigen naturwissenschaftlichen Sammlungen, wurde da- 
selbst am 23. September 1728 geboren, studirte Mediciu auf der Universität in Turin 
und wurde 1747 promovirt mit der Dissertation: „Themata physica et medica, 
de firmitate et soliditate corporis : de liene et pancreate , de respiratione , de 
rejnediis e regno minerali petitis ; de mercurio ; de inßamviatlonis exitu ; de 
abscessu; de gangraena; de scyrrho ; de carie". Im September 1760 wurde 'er 
zum I*rofc8sor der Botanik, 1777 zum Director des naturhistorischeu Cabinets ernannt 
und 1781 emeritirt; am 31. Juli 1804 erfolgte sein Tod. — Mit Uebergehung 
seiner verdienstlichen naturwissenschaftlichen, namentlich botanischen Arbeiten, 
führen wir nur die folgenden medicinischen Publicationcn an, nämlich eine solche 
über die Frieselkrankheit: „Tractatio de milliarium origine, progressu et cura- 
tione" (Augustae Taurin, 1758; 1792; Jenac et Lipsiae 1772; deutsch, zweimal 
übersetzt: Mühlhausen 1785 von F. L. WiGAND und Winterthur 1794 von 
J. J. Römer). A. hält die Krankheit für contagiös und nimmt bei ihr ein 
spccifisches Miasma an. Femer: „Canspectus praesentaneae morborum conditionis"* 
(1793). Endlich beschäftigte ihn auch noch die Pellagra, wie sich aus dem: 
„Ragionamento sopra la Pellagra, colla risposta al Sig, dott, Gaetano Strambio** 
(Toriuo 1795) ergiebt. Neben seinen Verdiensten um die Vermehnmg des Naturalien- 



r 



ALLIONI. — ALMEIDA. 109 

Cabinets und des botanischen Gartens widmete er auch der Materia medica seine 

besondere Aufmerksamkeit. 

Micbel Bnni'va, B^fiexioru sur tout les outragu publik et inidht du Dt, Charle$ 
Allioni ete. Turin 8. q. 

Alliot, Pierre A., geboren in Bar-le-Duc im 17. Jahrhundert. Er ist 
haiiptsäehlich dadurch bekannt, dass er ein G^heimmittel gegen den Krebs entdeckte, 
welches indessen dem Werthe eines Specificums nicht entsprach. Nach der Aussage 
Haller*s soll dasselbe ein Arsenpräparat gewesen sein. — Die Schriften A.'s, 
sowie die seines Sohnes Jean Baptiste A. und Enkels Dominique 
Hyacinthe A. haben vorzugsweise die Behandlung des Krebses mit dem vorhin 
genannten Geheimmittel zum Gegenstande. Uneer 

Allmacher, Johann Friedrich A., geboren 5. December 1648 zu 
Meisenheira am Glan (Pfalz), starb zu Frankfurt a. M. 12. August 1687. Er 
studirte zu Giessen, Jena, Leipzig und Leyden, und promovirte zu Leyden am 
12. Juni 1672 mit der Dissertation: „De morbis castrensibus^ , Als Arzt liess 
er Bich zuerst in Frankfurt a. M. nieder , wurde darauf Physicus in Aschaffenburg 
and war dann zehn Jahre Leibarzt des Grafen von Wertheim. Nach dem 1686 
erfolgten Tode des Sebastian Schaffer in Frankfurt siedelte er dahin über, starb 
aber schon im folgenden Jahr. Unter dem Namen „Zethus" war er seit 1679 
Mitglied der kaiserlichen Akademie der Naturforscher, in deren Schriften drei 
chirurgische Abhandlungen von ihm aufgenommen sind. 

BiogT. m6d. I. W. Stricker. 

Allouel, Chirurg und Anatom zu Paris, war am 4. Februar 1706 zu 
La Guerche in der Normandie geboren. Nachdem er 10 Jahre lang zu Genua, 
wohin ihn der Senat berufen hatte, Anatomie gelehrt, kehrte er nach Paris zurück 
und wurde Pr6v6t dier Chirurgen. Er hielt öffentliche Vorlesungen über Anatomie 
und starb zu Nantes 1782. Seine Schriften sind folgende: „AbrSgS d' ostiologit^ 
Paris) — „Etifmographie ou vSrüable ortgine des mots d'usage en anatomte 
et en Chirurgie'' (Monaco et Paris 1776). 

Miorcec de Kerdanet, pag. 358, G. 

Alm, Jakob A., Professor der Geburtshilfe am Karolinischen Institut zu 
Stockholm, war zu Upsala am 10. Mai 1754 geboren, besuchte von 1770 an die 
Universität daselbst, das Seraphimer - Lazareth und die Entbindungsanstalt in 
Stockholm und wurde, nachdem er bereits 1775 unter Ltnne's Präsidium eine Ab- 
handlung „Plantae Surinamenses" veröffentlicht hatte, 1780 zu Upsala promovirt. 
1781 wurde er zum Adjuncten der Geburtshilfe, 1782 zum Professor und Director 
der allgemeinen Entbindungsanstalt ernannt und fungirte später als Accoucheur der 
Königin. Von Arbeiten aus frtiherer Zeit sind anzuführen: „Om en Prolapsus 
vaginae med Kallbrand" — „Casus retroversi viert observerad" — „Berättelse 
om 2 Bamföderskor med Tvillingar'' — ^Nägot om Läkare, FäUskärer och 
Apothekare'' (1792). Femer: „Handboh för Barnmorskor , pä KongL Majts, 
nädigste befallning utgifven" (Stockholm 1814, med Tabell.). Er starb am 
22. December 1821. 

Sackl6n, I, pag. 713. G. 

Almis, s. Balogh. 

Almeida, Antonio d'A. , portugiesischer Chirurg, war in der Provinz 
Beira um das Jahr 1761 geboren, war ein Zögling des St. Josephs-Hospitals zu 
Lissabon, später ein Schüler von John Hünter in London und starb 1822. Seine 
»Schriften sind : „ Tratado completo de medicina Operator ia, Leute de operagbes 
nohospital de Sancto-Jos^" (4 voll. Lisboa. 1801) — „Obras cirurgicas" (4 voll. 
Lisboa. 1813 — 1814). — Ausserdem tibersetzte er CüviEr's „Quadro elementos da 
historia natural des animäes" (2 voll. 1815). 

Hocfer, II, pag. 187. . G. 



110 ALMELDA. — ALMENAR. 

Almeida, Fe Hei an o d*A. , Chirurg in Lissabon, war daselbst geboren, 
beauehte nach zurückgelegten Studien England und Holland, wurde nach seiner 
ZurOckknnft Militär-Chirurg in den Provinzen Beira und Alemtejo, später Chirurg 
des Allerheiligenhospitals zu Lissabon und endlich Leibehirurg des Königs Johann ü. 
Kr schrieb eine: „Girurgia reformada dividida em duos tomos^ (Lisboa. 1715, 
Fol.; 1738) und starb am 9. October 1726. 

Diogr. m6d. I, pag. 154. G. 

Almeloveen, TheodorusJanssonius van A., Professor der Geschichte, 
Beredsamkeit, griechischen Sprache und Medicin an der Universität zu Harder^^ijk, 
war am 24. Juni 1651 zu Mijdrecht, einem Dorfe bei Utrecht, geboren. 1676 bezog 
er xdie Universität Utrecht, studirte anfllnglich Theologie, später Medicin, genoss in 
letzterer namentlich den Unterricht von Jac. Vallan und JoH. Münniks und 
. wurde am 23. Juni 1681 durch den Erstgenannten promovirt. Er Hess sich iu 
Amsterdam, später in Gouda nieder und beschäftigte sich hauptsächlich mit ge- 
lehrten Sprach- und geschichtlichen Untersuchungen, sowohl in der Medicin, als in 
anderen Fächern ; mit Praxis scheint er sich wenig abgegeben zu haben. Im 
Februar 1697 wurde er als Professor der Geschichte, Beredsamkeit und griechi- 
schen Sprache nach Harderwijk berufen und nach dem Tode von DE GaAAF 1701, 
da er den Titel Dr. med. führte, auch für den Unterricht in der Medicin angestellt, 
auch zum Archiater der Provinz und zum Stadtarzt ernannt. Hier schrieb er eine 
grosse Zahl von Abhandlungen philologischen und theologischen Inhalts und gelehrte 
Commentare über verschiedene alte Schriftsteller. In der Ferienzeit 1712 war er 
in Amsterdam, wo er am 29. Juli imcrwartet verstarb. Sein Ruhm besteht vorzugs- 
weise in der Veranstaltung von guten Ausgaben alter medicinischer Schriftsteller, 
die noch lange nach seinem Tode oft von Neuem aufgelegt worden sind. Zur 
Förderung der eigentlichen praktischen Medicin hat er wenig beigetragen, aber 
vielfach zum Studium der alten Aerzte angeregt. Von medicinischen Schriften sind 
zu nennen: „IniJenta nov-antiqua id est, brems enumeratio ortus et progressus 
nrtis viedicae , ac praecipue de tnventis vulgo novts, aut nuperrime in ea repertis. 
Subjicitur ejusdem verum incertarum onomasticon*^ (Amsterd. 1684), eine Art 
von Geschichte der Medicin, in welcher alle Entdeckungen der Neueren auf die 
Alten zurückgeführt werden; ferner „Hippocratis Aphorisrni^ (1685, neue 
Ausgaben 1732, 1748, 1785) — „Celsus cum notis" (1687, neue Ausgaben 
1713, 1722, 1746, 1750 etc.) — „Caeln Aureliant de morbis acutis et chro- 
meis, libri VIII, cura J, G. Amman, accedunt notae et animadversiones 27i. 
Janss, Almeloveen** (Arast. 1704, 1709, 1722). — Ausserdem eine Anzahl 
Schriften philologischen und theologischen Inhalts und eine Reihe von Ausgaben 
lateinischer Glassiker. Er gab ferner eine Uebcrsetzung von A. de Heyde's Ana- 
tomia Mytili unter dem Titel: „Ontleedkundige waamemingen des mossels^ 
(Amst. 1684 met pl.) und eine vermehrte und mit Anmerkungen versehene Aus- 
gabe von Henbic. BüYSEN „Praxis medicinne^ heraus. 

Van der Aa, I, pag. 186. — Banga, II, pag. 711. G. 

""Almön, August Theodor A., geboren in Bohuslän 1833, studirte iu 
Upsala, ist seit 1861 Professor der medicinischen und physiologischen Chemie an 
der Universität daselbst. Schriften: „Hur b'ör ett dricksvattens godhet bed&iumas 
brän sanitär synpunht?^ (Preisschrift, Stockholm 1870) — „Gelatinae medicatrae in 
lamellis^ (Kristiania 1869) — „Jemförelse niellan naturliga och konstajorda helso- 
vatten^ (Up.sala 1874) — rj Analyse des Fleisches einiger Fische^ (Upsala 1877). 

H e d e n i 11 s. 

^ Almenar, Juan A., ein gelehrter Spanier aus Valencia, Sennorder Ort- 
schaften Godella und Rocafort (Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts), 
ist der Verfasser einer für seine Zeit sehr bedeutsamen Schrift über Syphilis, 
namentlich deren Therapie. Er war der Erste, welcher bei den Inuuctionsouren 
den Speichelfluss zu verhüten strebte und der Anwenduugsweise des liusserlieheu 



ALMENAR. — ALPHONS. 111 

Qneeksilbergebrauches überhaupt eine wissenschafltliche Gestalt zu geben suchte. 
8em „Libellii8 de Moria Gallico, quem ita perfecte eradicare ipsum ostendü, ut 
numquam revertatur; nocumentum in ore accidere non permiuens , neque in 
leeto Stare cogens^ (Venedig 1502, 4.) ist abgedruckt in allen Sammelwerken über 
Sjphilis aus dem 16. Jahrhundert. j j^^ Proksch. 

Almroth, KiU A. , Medicinalrath beim Gesundheits-OoUegium zu Stock- 
holm, war 1761 zu P^skilstuna (Südermauland) geboren, studirte von 1780 an zu 
Upsida Sprachen und philosophische Wissenschaften, von 1786 an aber Medicin, 
wurde daselbst 1788 promovirt. In demselben Jahre wurde er Armenarzt zu Stock- 
holm, führte 1789 die medicinische Aufsicht über die Gesundbrunnen zu Söderköping, 
war 1793 — 1795 Prosector beim Theatrum anatomicnm mit Professorstitel, wurde 
dami Stadtphysicus und Assessor des CoUegium medicum und richtete 1797 eine 
Chioamfihle ein, die später von den Apothekern der Stadt angekauft wurde. 
A. wurde 1808 Mitglied der Dircction des ArmQUwesens, 1812 zum Ober-Feldarzt 
ernannt, 1813 Assessor des königl. Gesundheits - CoUegiums und Intendant des 
Feldarzt-Comptoirs und 1830 Medicinalrath. Sein Tod erfolgte am 28. Mai 1832. — 
Von literarischen Arbeiten ist nur anzuführen: „En ny förbättrnng af tandnyclcel, 
uppfunnen af Herr Savigny i London^ (Hedin's Vet. Handlingar för Läkare och 
Fdtskärer, T. 6). Auch übersetzte er die Schrift des Grafen B. Rümford aus 
dem Englischen in's Schwedische. 

Sacklen, I, pag. 2'29; Supplement 18.H5, pag. 24. — Callisen, I, pag. 116, 
XXVI, pag. 38. G. 

/ AlpagO; Andrea A., italienischer Arzt und Philosoph, war Anfangs des 
16. Jahrhunderts zu Belluno geboren, daher auch öfter Andrea Bbllünese 
genannt, und da (nach Mazzdchelli) seine Familie dieselbe war mit derjenigen 
der BONGAJA , Bonoajo oder Mongajo , so wird er auch von Einigen Andrea 
BONOAJO genannt, obgleich andere Literarhistoriker (z. B. Tieaboschi) glauben, 
da88 es sich hier um zwei Personen, einen Andrea Mbngajo und Andrea Alpago 
handele. Der Letztere war ein begeisterter Anhänger des Avicenna und machte 
es sich zur Aufgabe, die Uebersetzungen desselben zu verificiren und zu berichtigen. 
Er begab sich deshalb nach dem Orient , hielt sich in Cypem , Syrien , Aegypten 
anf, mit dem Studium der arabischen Sprache und mit der Sammlung von Hand- 
schriften des Avicenna beschäftigt. Er erhielt darauf von der venezianischen 
Regierung einen Lehrstuhl der Medicin in Padua, verstarb aber wenige Monate 
darauf. — Die von ihm herausgegebenen und interpretirten Schriften arabischer 
Aerzte waren folgende: „Avicennae Über canonts, de medicinis cordialibuSy et 
cantica, jain olim quidem a Gerhardo Cremonensi ex Ärabico sermone in 
Latinum cmiversa etc.^ (Venetiis 1544, 1546, 1555, Fol.; Basileae 1556; 
Venetiis 1595, 1608) — „Averrois colliget libri VII, cantica item Avicennae 
cum ejusdem Averrois commentariis et tractatus de theria^ca ab Armegando 
Bhsii de Montepesaulano ex Arabico in Latinum translatis^' (im Vol. X der Opera 
Aristotelis cum commentar. Averrois. Venet. 1552 Fol.) — „Jokaiinis Serapionis 
practica dicta breviarium etc.^ (Lugdun. 1525, 4.; Venetiis 1550 Fol.) — 
yfEmbitaris tractatus de limonibus** (Parisiis 1602, 4.). Ausserdem hinterliess er 
handschriftlich noch eine Anzahl von Uebersetzungen aus dem Arabischen und 
Griechischen. 

Mazzuchelli, I, 1, pag. 515. 1 G. 

Alphous, AlplLOUSe. Nicht weniger als zehn Alphonses mit verschiedenen 
Beinamen (A. DE Borgos, A. de Cordone, A. de Gürdone Romain, A. de Gorella, 
A. DE Jaen, A. de Jabera, A. de Miranda, A. de Santa Grüz, A. de Torres 
V. Talavera, A. de Torres v. Placenzia) zählt die Biographie m6dicale auf. Ausser 
dem portugiesischen Arzte A. de Mirakda — 16. Jahrhundert — , der eine warm- 
herzige Schrift über die uothweudigen Eigenschaften eines guten Arztes schrieb, 






112 ALPHONS. — ALQUife. 

/ 
/ verdient für nnKcren Zweck nu^A. DE Corblla (genannt Lopbz Cobeolanüs) 

nähere Erwähnung. Bald nach Anfang des 16. Jahrhunderts zu Ck)rella in der 
Provinz Navarra geboren, promovirte er in Alcala und liess sich in Tarazona, 
einem Städtchen seiner Geburtsprovinz, nieder. Beine Müsse war durchaus der 
medicinischen Schriftfttellerei gewidmet, so dass seine Publicationen an Zahl weit 
diejenigen seiner in ähnlicher Lage arbeitenden Zeitgenossen überschritten. Neben 
einem nicht in Druck gelangten „Tractatus de tuenda valetudine*' und 
einem „Enchiridion sea methodus medtcinae^ (Valencia 1549 und Saragossa 
1581) sind folgende Specialschriften erwähnenswerth : „De natura venae^ 
•'Saragossa 1573) — „Naturae quaei'imonia*^ (Saragossa 1564) — „De febre 
maligna et plantis Galeni" (Saragossa 1574) — ^^De morbo ptistulato^ (Valencia 
1551). In vier Büchern erschien von A. ausserdem y,De arte curativa" bereits 
1585; bedeutend früher — vielleicht als sein Erstlingswerk: „Secretos de 
pliüosophia , aatrologta y medicina y de las quatro matheniaticas ctenctas 
dh'ididoa en cinco quinquagenas de jyreguntas^ (Valencia 1546 und Sariigossa 
1547). Endlieh publicirte er noch: yyAnnotationes in omnia Galeni opera^ 
(Saragossa 1565 und Madrid 1582) und kurz vor seinem Tode: „CatalogtLs 
auctorum qui post Oaleni aevura et Hippocrati et Galeno contradixerunt^ 
(Valencia 1589). 

Biographie m^dicale. I. Red. 

Alpruno, Jean Baptiste A., Praktiker von Ruf in der zweiten Hälft« 
des 17. Jahrhunderts und in Wien längere Zeit Leibarzt der Kaiserin- Witwe Eleonore, 
machte seinen Namen durch eine damals noch wenig geübte directe Art patho- 
logischer Untersuchung bekannt. In dem 1680 zu Prag erschienenen „Praeser- 
rativum universale naturali hono puhlico interviens^ findet sich von ihm eine 
Abhandlung: „Experimentum medicum de contagione Viennensi^^ in welcher er 
angiebt, den einem Pestbubo entnommenen Eiter chemisch untersucht und 
hierbei ein sehr feines Gas festgestellt zu haben. 

Biographie m^dicale. I. Red. 

Alquie, Jcan-Dominique A., zuletzt Inspector der Quellen zu Vichy, 
war zu Montrejeau (Haute - Garonne) am 18. Mai 1793 geboren, besuchte von 
seinem 18. Jahre an die medicinische Schule zu Toulouse, wurde jedoch mit 
19 Jahren zur Armee nach Strassburg geschickt, um im dortigen Militärspital 
Dienste zu thun und den Feldzug in Frankreich mitzumachen. 1815 beurlaubt, 
vollendete er seine medicinischen Studien und erhielt 1816 den Doctortitol. Er war 
während des Krieges von 1823 Chefarzt des Militär-Hospitals zu Le Perthus an 
der spanischen Grenze, wurde 1826 Chirurgen-Major, 1831 ordinircnder Hospital- 
arzt in Algier und 1835 Professor des Val-de-Gräce in Paris, später M6dtcin 
principal, Chefarzt und erster Professor an dem genannten militärischen Perfectiong- 
Hospital und 1847 Medecin inspccteur und Mitglied des Gesundheitsrathes der Armee. 
1856 wurde er pensionirt und zum In.spector der Quellen von Vichy ernannt. Er 
starb zu Paris am 6. April 1868. Obgleich A. literarische Arbeiten nicht aufzu- 
weisen hat, ist seine Bedeutung als Militärarzt, Professor (Nachfolger von BroüSSAIS) 
und Leiter eines weltberühmten Curortes nicht zu unterschätzen. 

A. Durand, in Bee. de m^. de m4dec. etc. milüaires, 3. S^rie. XXI, 1868, pag. 85. 

G. 

Alquie, AlexisJacques A. , Professor der Chirurgie zu Montpellier, 
war um 1812 zu Perpignan geboren und konnte, aus einer niedrigen Stellung 
hervorgegangen, seinen Weg nur langsam und mit Mühe zurücklegen. Seine 
Promotion erfolgte 1838. Seine Schriften sind sehr zahlreich und gehören zwei 
verschiedenen Kategorien an. Von den dogmatisch-medicinischen , die er verfasst 
hat, ehe er seine Professur erhielt, erwähnen wir: „Pricis de la doctrine mSdicale 
de lU'Cole de Montpellier" (3. ^dit. 1843, 1844) — „Cours elhnentaire de patJto- 
logie chimrgicale d' apres la doctrine de V^cole de ATontpellier etc," (1845) — 



ALQUIE. — ALSTON. 113 

j, Protestat i'oH en faveur de Vecole de Montpellier etc.^ (1845) — ,yl)e VntlUti 
de Vanaf.om!e selon V^eole de Montpellier etc.^ ^1846) — n^^^^ anus contre 
nature'' (Paris 1848), Concurs - These für einen chirurgischen Lehrstuhl. Seine 
beste Schrift ist ohne Frage die „Cfnnirgie co^servnirice, et moyens de restrein - 
(Ire ViUilki des Operations. Avec dessins lithograpJoes par Vauteur" (Mont- 
pellier 1850). Seine späteren chirurgischen Arbeiten sind in seiner y^CUnique 
chiruryicale de VHotel-Dieu de Montpellier^ ('2 voll., Montpellier 1852, 1858) ver- 
einigt. Aus der letzten Zeit seines Lebens findet sich noch eine gerichtsärztliche 
^Etude medicale et expMmentale de Vhomlcide rkd ou simule par stran- 
(julationy relativement aux attentats dont Maurice Bonx a Üe Vohjet^ (1864). 
Ausserdem rcdigirte A. von 1853 — 1858 die „Annales cliniques de Montpellier^ 
und von 1850 — 1857 die „Revue de therapeutique du midi", A. huldigte, 
(»bgrleich er ein guter Operateur und ausgezeichneter Praktiker war, der conser- 
vativen Chirurgie und überwachte mit Genauigkeit das Walten der Natur. In dem 
Augenblick, wo ihm nach langen Mühen das Glück zu lächeln schien, ereilte ihn 
der Tod 1864. 

J. M. (xuardia in Oaz, m^L de Paris 1865, pag. 6'3'^. G. 

Alsario della Croce, Vincent A. d. C. TAlsarius Crüciüs, Alsariös 
aCrüCE, Alsabio de LA Croix, Delacroix), im genuesischen Staate 1570 
jreboren. Nachdem A. zuerst in Bologna , dann in Ravenna praktisch thätig 
^wesen war, begab er sich nach Rom und erlangte hier — in seinem 42. Jahre — 
einen Lehrstuhl am Collegium Romanum, den er von 1612—1632 inne hatte. 
Obgleich während dieser Zeit auch noch als Leibarzt Gregor'^ XV. thätig und 
mit Ilingebung auch den Armen seine ärztlichen Dienste weihend, wusste er Müsse 
{renag zu gewinnen, um eine ganz erhebliche Reihe von Monographien über die 
verschiedenen medicinischeu Fragen zu verfassen. Sejne — abgesehen von einer 
Untersuchung über den Vesuv - rein Fachliches enthaltenden Schriften sind 1632 
ru Venedig in einem Foliobande erschienen. Hervorzuheben sind neben den drei 
Bachern Vorlesungen „De epilepsia seit comitiali morho^, die bereits 1603 in 
Venedig erschienen, die Aufsätze : „De sugillatione, qtiae Hypopyon dicitiir" — 
ni>^ morbis capitis frequentioribus, quorum cognitio et curatio ita traduntur 
nt ad alios etiam cognoscendos et curandos miHßce conducant, hoc est de 
eaiarrho, 'phrenitidey lethargo et epilepsia seu comitiali tnorbo^ (in 7 Büchern, 
Hom 1617 und Venedig 1610) — ■ „Prudenza metodica per praeservarsi dalV 
unminente peate^ (Rom 1630) — „De haemopty»i seu sanguinis sputo^ (Rom 1663). 
Ausserdem eine zahlreiche Casuistik, angeknüpft an Consultationen über Krank- 
heitnt'älle berühmter Zeitgenossen und an Aufsehen erregende Curiosa. Ungedruckt 
blieben, neben einem Commentar zu LüCREz', Abhandlungen über die Bauchkrank- 
heiten, über die Facies liippocratica etc. A.'s Leben hat unter seinen Landsleuten 
mehrfache Bescbreiber gefunden , die seinen wissenschaftlichen Eifer und seine 
echt humane Richtung nicht genug zu rtihmen wissen. 

Biographie medicale. T. Red. 

Alston, Charles A., Sohn eines kleinen schottischen Edelmannes, der 
bereits ärztliche Praxis in seiner Gegend ausgeübt hatte, geboren 1683. A.'s Be- 
deutung beruht auf den refonnirenden Bestrebungen, durch welche er im Verein 
mit RüTHKRFORD, SINCLAIR und PLUMMER, besonders aber mit Alexander Monro 
die medicinische Schule von Edinburg zu einer der ersten ihrer Zeit erhob. Den 
Plan zu diesem so erfolgreichen Unternehmen fasste er als Schüler Boerhave's 
in Leyden, wo ihn drei Jahre emsigsten Studiums mit Begeisterung für sein Ziel 
erfUllten, und wo er gleichzeitig in MOXRO einen ebenso befilhigten wie energischen 
Theilnehmer seiner Bestrebungen fand. Bald nach der Rückkehr in's Vaterland 
<^1720) und um das Unternehmen auch durch seine praktische Betheiligung zu 
fordern, übernahm A., der vorher in Glasgow ftlr die Advocaturcarri^re bestimmt 
pewesen war, die Fächer der Botanik und der Materia medica an der Edinburger 

Biogr. Lexikon. I. ^ 



114 ALSTON. — ALTHAUi?!. 

medicmihu;beii Facultät und war als Vertreter derselben 40 Jahre, bis zu seinem 
Tode am 22. November 1760, thätig. Seine Schriften bewegen sich aunsehliess- 
lieh im Rahmen dieser Thätigkeit, so der 1740 publieirte y^Index plantarum jtrae- 
cipue officinaliumy quae in horto raedico Edinburgerm atudiosis demonstrantur^ — 
der „Index medicavientorum aimplicmm triplex^ (1752) — „Ttrocinium botanicum 
Edinburge)ise^ ^ verbunden mit einer abweisenden Kritik der „Fundamenta botanica 
de Linni" (1753) — „Lectures onthe materia inedwa" (posthum von HOPE 1770 
publicirt); disserirende Aufsätze über die Kalkverbindungen, über die Wirkungen 
des Zinns und Opiums , welche in verschiedenen Sprachen in den letzten acht 
Jahren seines Lebens erschienen. 

Chalmers. Red. 

AlstorpMus, W. G. A., geboren Ende des 18. Jahrhunderts, ausübender 
Arzt und Geburtshelfer zu Amst^jrdam. A. hat seine Hauptbedeutung in einer 
Serie klinischer Beobachtungen, bei deren Mittheilung er eine scharfe Kritik der 
Lieblingsmittel seiner Zeit ausübte , und die er besonders der Publication für werth 
hielt, weil Aderlassen, Laxiren und Diaphorese sich als wirkungslos erwie.sen. 
Wichtig ist ausserdem seine Zusammenstellung der Zufillle, welchen Wöchneriuiien 
in den ersten Tagen nach der Entbindung ausgesetzt sind. Ort der Publicationen 
waren überwiegend die Ilandeling van het Genootschap servandis civibus und 
zwar Deel XI — XII. 

Ca 11 i seil, I. Red. 

Altenbnrg, Christian Gottlieb A,, Arzt zu Mühlhauscn in Thüringen, 
war daselbst am 7. Januar 1742 als Sohn des Stadtchirurgus der damaligen freien 
Reichsstadt geboren, ging 1763 zum Studium der Medicin nach Leipzig und hatte 
sich dabei namentlich der Anleitung seines Oheims, des Professors der Physiologie 
und Chirurgie Dr. Geo. Chr. Reichel und des Professors C. G. Ludwig zn 
erfreuen. Er wurde unter dem Präsidium des letzteren 1771 mit der Dissertation 
„De oligochyviiae differentiis^ Doctor der Medicin und begann eine Praxis, die er 
18 Jahre lang in Leipzig mit dem glänzendsten Erfolge führte. Dem Rufe seiner 
Vaterstadt folgend, siedelte er dann aber nach Mühlhausen über und blieb der- 
selben bis an sein Lebensende treu. Von ihm rührt „Topographisch-historische 
Beschreibung der Stadt Mnhlhausen in Thüringen, aus verschiedenen alten 
Handschriften zusammengetragen^ (Mühlhausen 1825, mit 2 Plänen und 20 Ab- 
bildungen; durch seinen. Neffen, den Dr. WiLH. GOTTL. TlLESlüS, herausgege}>en) 
her. In der Kriegsperiode 1813 machte er sich durch die Behandlung der 
zahlreichen Typhuskranken im preussischen Lazarethe verdient. Er star}> am 
3. November 1826. 

Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. IV, 18;;^6, Thl. 'Z^ pag. ()87. U. 

Ältenhofer, s. Attenhofer. 

*Altliau8, Julius A., geboren 1831, studu-te in Berlin, Wien und ParLs, 
M. D. Berlin 1855, M. R. C. P. London 1860. Mitglied vieler mediciniseber 
Gesellschaften, Sen. Physic. Hospit. for Epilepsie und Paralysis. Phys. of the Royal 
Infirmary for Dis. of Chest. — Schriften: „De Pneumothorace" — »The Spas of 
Europe^ (1862) — „On Paralysis Neuralgia, Ijoss of Voice, and other 
Äffections of the Nervoiis System, and their successful Treatment by Galvanization^ 
(3 edit. 1864) — „Die Elehtricität in der Medicin'' (1860) — „Trichinosis 
or Flesh'Worm Disease" (1864) — „0/i Grey Degeneration of the Posterior 
Columus of the spinal Cord'' (1865) — : „On Epilepsiey Hyst^ria, and Ataxy'^ 
(1866) — „On the Elelxtrolytic Treatment of Tumovrs and other Sitrgical 
Diseases" (1867) — ^On Medical Elehtricity and its Use in the Treatment 
of Paraly»is" — „On Scrivene/s Palsy" (1871) — „On the Prevalence and 
Fatality of Nervous Diseases" (1876) — „Diseases of the Nervous System** 
(1 vol. 1877) — „Infantile Paralysis" (1878) — „Inflammation of the Cranial 



ALTHAUS. — ALTOMARE. 115 

Xerves^ (1879) — ^yVif» Function of the Brain^ (1880j. AiHHerdem Aryyria, 
(deateche Klinik 1856} und vieles andere. ^e^, 

Althof; Heinrich A., wurde im Jahre 1835 zu Lippe-Detmold j^reboren 
and kam schon im Alter von 10 Jahren, also 1845 nach Amerika. Allein behufs 
seiner akademischen Erziehung ging er wieder nach Europa zurück und studirte 
in Berlin und Paris Medicin. 1858 promovirte er und kehrte dann alsbald wieder 
nach Amerika zurück. 1860 kam er ein zweites Mal nach Europa, wo er eifrig 
unter Anleitung von Hbinrich Müller niikroskopirte und als Assistent von Graefe 
sich dein Studium der Augenheilkunde hingab. Nach seiner Rückkehr nach 
New-Yotk widmete er sich hauptsächlich der Ophthalmologie und erwarb sich 
schnell den Ruf eines hervorragenden Augenarztes. Er ist einer der Begründer 
der amerikanischen ophthalmologischen Gesellschaft, deren Präsident er zu wieder- 
holten Malen war. An dem deutschen Hospital zu New- York fungirte er als Arzt, 
wie er auch dem daselbst gegründeten Hospital für Augen- und Ohrenkrauke als 
Arzt angehörte. Seine literarischen Leistungen sind unbedeutend, so dass seine 
^nze Bedeutung ausschliesslich in seiner sehr hervorragenden Leistungsfähigkeit 
als praktischer Ophthalmologe beruht. Magnus. 

*Altill, Lars Magnus A., ist am 22. October 1812 zu Hernösand 
geboren, studirte von 1831 an in Upsala, wurde 1841 promovirt, war 1836 — 1837 
vieariirender Bergarzt in Gamla Norbergs Bergwerk und wurde 1839 zum Stadtarzt 
in Westeräs ernannt. Ausserdem war er Beamter und Vertreter der Stadt Westeräs, 
Mitglied der zweiten Kammer des Reichstages 1870 — 1872 und machte 1855 und 
1865 wissenschaftliche Reisen nach Deutschland, Ocsterreich u. s. w. — Seine in 
der Hygiea Bd. XVI, XVII, XIX, XXII enthaltenen literarischen Arbeiten betreffen : 
jtOm Berberin" y ^Obduktions-berättehe*^ y „Berättelae om den i Weateräs stad och 
trakten dercmkring under Mars och April 1857 epidemiskt gängbar a vienin- 
güis cerebrospinalis", „Referat om Trachom" etc. 

Wi Strand, pag. 8. — Wintrand-Bruzeliiis -Edlinp, I, pag. 1*^. (r. 

/ Altomare, Antonio Donato d'A. (Donatüs ab Altomaet), etwa um 
1520 in Neapel geboren und hier ansässig. Durch bedeutende äussere Erfolge 
machte er den Hass seiner Mitbürger derart gegen sich rege, dass er eine Zeit 
lang in Rom zu leben gezwungen war. Die Protection des Papstes Paul IV. 
genügte, um ihm die verlorene Position in seiner Vaterstadt wieder zu verschaffen. 
Die Details über diese Lebensereignisse hat A. in der A^orrcde seiner dem Papste 
gewidmeten Abhandlung „De medendis humani corpori malis" selbst wieder- 
gegeben. — Eine höchst unvollständige Gesammtausgabe seiner Werke erschien 
1561 in Venedig: f,Nonnulla opuscula etc"^ eine vollständigere (stets in Folio 
aufgelegte) in Lyon 1565, in Venedig 1570, 1574 und 1600, sowie in Neapel 
1573. Sie enthält die meisten während der Jahre 1543 — 1562 vorwiegend in 
Venedig erschienenen Schriften des A., von dessen Fleiss und Vielseitigkeit nran 
»chott durch die Titel der bedeutenderen, resp. umfangreicheren Publicationen eine 
Vorstellung gewinnt. Bis 1550 erschienen: „Methodus de alter atione, concretione, 
digestione, praeparatione. ac piirgatione , ex Hippocratis et Galeni sententia" 
(zuerst Venedig 1545) — ^Trium quaestiomim nondum in Galeni doctrina 
dilucidatarum compendiiim" (Venedig 1550) — eine Schrift gegen den Aderlass 
bei Aborten (1543;. — Dann in schneller Folge die schlecht disponirte und 
selavisch sich an Galen anschliessende „De medendi humani corporis inalis, 
arsmedica" (Neapel 1553} — „De febribus" (Neapel 1555) — vier Abhand- 
lungen, darunter über die „Latitudo sanitatis", den yj Spiritus naturalis etc," 
(Venedig 1561); später noch eine mit am meisten berühmt gewordene Streitschrift 
Hber Natur und Heilkräfte der ( 'alabrischen Manna (Venedig 1562) und ähnliche. 
Biographie m^dicale. I, Red. 

8* 



L 



/ 

I 

110 D' ALTON. — AMABILE. 

d^ Alton, Eduard d'A. , wurde am 1. Juli 1803 zu St. Goar geboren, 
fitudirte von 18 li) — 1824 in Bonn, wo sein Vater Professor war. Nach der Pro- 
motion gin^ er zuerst nach Berlin, dann nach Paris, wo er mit Co VIER in nähere 
Berührung trat. Ftlr das mit Pander gemeinschaftlich herausgegebene anatomische 
Kupferw'erk seines Vaters übernahm er die Bearbeitung der Vögel. Noch in Paris 
erschien das erste Heft, zu dem er die Blätter entworfen und gezeichnet und die 
Platten radirt hatte. Da seine Gesundheit erschüttert war, wurde das zweite 
Heft von Vater und »Sohn gemeinschaftlieh herausgegeben. 1827 wurde er zum 
Professor der Anatomie au der Akademie der Künste in Berlin ernannt und gewann 
hier mit Schlemm den von der Pariser Akademie gestifteten Preis für die Arbeit : 
„Ueher die Neinsen der Fische^, 18 HO wurde er Privat -Docent an der Berliner 
ITniversität, dann auch Prosector an der Anatomie, 1834 Professor der Anatomie 
und Physiologie zu Halle an Stelle von F. v. Meckel. Hier erschien ausser 
einigen kleineren Abhandlungen, namentlich teratologischen Inhalts, in den Jahren 
1848 — 1850 ein Band seines unvollendet gebliebenen „Handbuches der mensch- 
liehen Anatomie** ; es umfasst nur Osteologie, Syndesmologie und Myologie, und 
dies in sehr klarer, präciser Darstellung mit über 105 trefflichen Holzschnitten 
von F. Kretschmar in Leipzig. d'A. starb am 25. Januar 1854. Falk. 

Altschu], Elias A., Privatdocent der Homöopathie in Prag, war daselbst 
am 8. April 1812 geboren; von seinem Vate» zum Rabbi bestimmt, studirte er 
orientalische Sprachen und machte darin glänzende Fortschritte ; indessen, sein Hang 
für die Naturwissenschaften trieb ihn zur Mcdicin, die er in Wien und Pest studirte, 
woselbst er auch am 10. September 1832 mit der Dissertation „De acorhulo** 
promovirt wurde. Seine ersten literarischen Arbeiten waren der Augenheilkunde 
gewidmet , indciu er ein ;, Vollständiges Becept- Taschenbuch der praktiscfif*n 
Augenheilkunde u. s. u\^ (Wien 1834, 2. Aufl. 1837) und 82)äter ein „Taschen- 
wörterbuch der praktischen Arzneiyniilellehre fdr ausübende Augenärzte" ri836) 
schrieb. Als Gemeindearzt zu Boskowitz in Mähren lernte er durch euieu Militärarzt 
die Homöopathie kennen , wurde bald ein begeisterter Anhänger derselben uud 
suchte in seinen 1838 erschienenen „Miscellen aus dem gesantnUen Gebiete der 
theoretischen und praktischen Medicin" seinen Uebergang wissenschaftlich zu be- 
gründen. Von 1848 an docirte er auf der Prager Hochschule praktische und 
theoretische Homöopathie , in deren Bereich sich seine Übrigen Schriften , darunter 
eine Monatschrift, grössteutheils bewegen. 

v. Würz I) ach, I, pag. 21; XIV, pag. 379. — Engelmann, pag. 13; Suppl. pag. ';^, 

G. 

*Alvarenga, Pedro Francisco da C o s t a A., berühmter portugiesischer 
Arzt und Schriftsteller, der in den Dreissiger- Jahren unseres Jahrhuuderts geboren, 
in Lissabon lebt und 1859 zuerst mit einer pathologischen Anatomie und 
Symptomatologie des Gelbfiebers hervortrat, die sich auf die Lissaboner Epidemie 
des Jahres 1857 und auf gelegentlich derselben gemachte autoptische Forschungen 
begründete. Das Werk wurde von Garnier übersetzt und 1861 in Paris heraus- 
gegeben. Auch die „Anatomie pathologtque et pathogSnie des cammunications 
entre les cavitis gauches du coeur", wie „De Vimportance de la statistiqne en 
medecine" (Lissabon 1869) erfuhren durch BERTHERAND, resp. durch Papillaüd 
französische Uebersetzungen (erstere Marseille 1872j. 

Iudex oatalogue. Red. 

Alzaharavius , s. Araber (X). 

Amabile, Luigi A., veröffentlichte mit Tommaso VIRNICCHI (Neapel 1859) 
einen starken Band: „Sülle soluzioni di continuo del intestino e sul loco 
(jorerno", ausserdem eine grössere Reihe von Einzelaufsiltzen pathologischen und 
therapeutischen Inhalts. 

Index catalogTie. Red. 



AMAND. — AMANRIOH. 117 

/Amand, Jean de Saint A., gebürtig aus Touniay im 12. Jahrhundert, 
einer der ersten belgischen Aerzte, dessen Schriftwerke erhalten sind. In einer 
Zeit, deren Anschauungen die Mediein lediglich als Stiefkind der Philosophie 
betrachteten, deren Scharfsinn sich in unfruchtbaren Zllnkereien über die Dogmen der 
Aristotelischen Doctrin, resp. über die Abstrusitäten der Araber erschöpfte, muss 
das mannhafte Auftreten A.'s als kein geringes Verdienst bezeichnet werden. 
Er machte Front gegen die herrschende Idee, dass auch die Krankheiten und 
Verrichtungen des Organismus von den Gestirnen dominirt würden und trat gegen- 
über dem astrologischen Aberglauben für die Beobachtung und für die empirische 
Mediein der Griechen ein. Nach dieser Richtung lenken sich auch die Arbeiten, 
welche er, in Paris mit den akademischen Würden geschmückt , neben einer um- 
fangreichen Praxis unternahm. Er commentirte den Ilippokrates mit soviel Glück 
und Geschick, dass er zum Professor der damaligen Ecole de med. zu Paris ernannt 
wurde und bald seine dortigen Fachgenossen auch literarisch bedeutend überragte. 
In aeiner „Expositio supra antidotarium Nicolai^ (sc. Nie. Prakpüsiti, Directors 
der Schule von Salemo) documentirt sich dieser überlegene Standpunkt besonders 
binsichtlich der scharfsinnigen klinischen und therapeutischen Beobachtungen. Seine 
Xoncordantiae Joanms de Sancto Amando" wurden in den Archiven der Pariser 
medicinisehen Facultät mit ganz besonderer Sorgfalt aufbewahrt. In seiner Vaterstadt, 
wo er seine letzten Lebensjahre verlebte und in sehr vorgerücktem Alter starl), 
wurde ihm der Titel Canonicus ehrenhalber verliehen. ^.^^ den Cor« ut 

Amand, Pierre A., Chirurg und Geburtshelfer zu Paris, war im 
17. Jahrhundert zu Riez in der Provence geboren, machte seine medicinisehen 
'Studien in Paris, wurde daselbst Magister der Chirurgie und gehörte der Bruder- 
sehaft von Saint-Cöme an. Er machte sich besonders in der Geburtshilfe einen 
Namen und seine „Nouvelles obaervations sur la jyratiqtie des accouckemeiitsy avec 
la manihre de se servir d'une nouvelle machine pour tirer la tete de Venfanf" 
«Paris 1713, 1715) enthalten manches Bemerkenswerthe , so über Conception bei 
später geschlossen gefundener Vulva oder Orificium uteri; femer einen Fall von 
intrauteriner Fracturen des Fötus, mehrere Beispiele von Extrauterinschwanger- 
«ehaften. Was endlich die im Titel erwähnte „Maschine", imi den Kopf heraus- 
zuziehen betrifft, so besteht dieselbe in einem naher beschriebenen und abgebildeten, 
einer Fonda capitis ähnlichen Netze. A.'s Tod erfolgte am 22. Juni 1720. 

Biogr. med. I, pap. 169- — Dict. hiator. I. pap. 105. G. 

*Ainaim, Joseph A., geboren den 13. März 1882 zu llelmprächting 
in Niederbayern, studirte in München und Würzburg, irx) er am 2. August 185i) 
promovirt wurde. Zu seiner weiteren Ausbildung in der Geburtshilfe besuchte er 
Wien, Paris, London und Edinburg. Seit 1861 Docent und später ausserordent- 
licher Professor leitet er die gynäkologische Poliklinik an der Universität München. 
Ausser mehreren Abhandlungen verfasste er zwei Monographien : „ Ueber den Ein- 
fluss der weiblichen Geschlechtskrankheiten auf das Nervensystem mit be- 
mnderer Berücksichtigung des Wesens und der Erscheinungen der Hyst^rie^ 
^Erlangen 1868) — y^Zur mechanischen Abhandlung der Versionen und 
Flexionen des Uterus** (Erlangen 1874). Fr. Seitz. 

Amanrich, eine aus drei Mitgliedern, zwei Cyr A. und Jacques A. 
beistehende Arztfamilie, die ftir die Universität Perpignan im Beginn des 18. Jahr- 
hunderts eine gewisse Bedeutung errang. Der Vater Cyr A., der 1676 promovirt 
hatte, war aus der Stellung eines einfachen Provinzialarztes an die genannte 
rnlversität als Professor der Mediein berufen worden, trat seinen Lehrstuhl, den 
er von 1700 — 1708 inne gehabt hatte, an seinen älteren Sohn Jacques A. ab, 
der 1722 starb und wusste auch den jüngeren Oyr A. an die Facultät zu 
ziehen, so dlMH bis zum Tode des letzteren — 1768 — der Name A. im Album 
der Universität figurirt. Schriftstellerische Leistungen haben wir nur von Cyr A. 



I 



/ AMANRICH. -^ AMARD. 

l*m Vater in seinem j,Medicus in conspectu magnatum extollendus^ (Perpig'nan 
^102) — „Progranlma de insania eirculatioms et circulatorum^ — „Disqui- 
sitiones de universa medicina^ (Perpignan 1705, resp. 1706). 

Biographie ni^dicale. I. Red. 

Amantea, Bruno A., Professor der Anatomie zu Neapel, war zu Grimaldi 
in Calabria Citeriore, bei Cosenza, am 30. Juni 1750 als Sohn des Arztes 
Francesco Saverio A. geboren, erhielt seinen ersten Unterricht im Seminar 
und im Jesuittn-Collegium zu Cosenza und begab sich zum Studium der Medicin 
nach Neapel, wo DOMENicO COTüGNO sein Lehrer war. Er erhielt eine Freistelle 
im grossen Hospital degl' Incurabili und zeichnete sich durch Fleiss daselbst so auA, 
dass er nach 5 Jahren im Alumnat zum Prefetto und einige Jahre später zum 
Chirurgo ordinario in jenem Spital ernannt wurde. 1792 wurde er zum Professor 
der praktischen Anatomie bei demselben Hospital, 1798 zum Chirurgo maggiore 
bei der in 8. Germano stehenden neapolitanischen Armee und zum Professor der 
praktischen Anatomie bei der Universität in Neapel, 1812 zum Mitgliede der Aka- 
demie der Wissenschaften ernannt. Er warf sich nunmehr mit solchem Eifer auch 
auf die Geburtshilfe, dass sein dabei erlangter Ruf selbst die königliche Familie 
veranlasste, seinen Beistand zu suchen. 1815 wurde er zum königlichen Licib- 
chirurgen em<nnnt. Ohne jemals als Schriftsteller eine Zeile geschrieben zu haben, 
wurde er von seinen Zeitgenossen als einer der ausgezeichnetsten Aerzte und 
Chirurgen von Neapel anerkannt und starb am 5. Juli 1819. 

De Tipaldo, I, pag. ::il4. — Rifoio, pa«:. 15. G. 

Amar, Joseph A. , gegen 1750 in Spanien geboren, wirkte als Leib- 
arzt und Premier medicin .du royaume de Navarre, sowie als Vicepräsident der 
königlichen Medicin - Akademie von Madrid daselbst und ist durch Schriften über 
exänthematische und fieberhafte Krankheiten bekannt. Die ^Instruccion curativa 
de las virtielas^ (Madrid 1774), beschäftigt sich weniger mit direct therapeutischen 
als vielmehr mit prophylaktischen Massnahmen gegen die Ansteckung durch Variola 
und die Isolirung der Pockenkranken; ebenso urofasst die umfangreiche „ In- 
st ruccion curntiüa de los tabardillos etc.*" die Theorien der eruptiven Krank- 
heiten im Allgemeinen, die Kennzeichen der malignen Formen, den Uebergang 
eruptiver Fieber in faulige, die antiphlogistische und exspectative Methode iind 
endlich geschichtliche Notizen über das Ausbrechen der Epidemien pemiciuser 
Fieber in Spanien. In der 1777 in Madrid erschienenen Monographie über die 
Pneumonien tritt A. fflr eine klare diagnostische Auseinanderhaltung der 
verschiedenen Brusthöhlenkrankheiten, fflr ein beobachtendes Abwarten bei den 
Pneumonien und für eine verschiedene Behaudlung der ascendenten und descendenten 
Pleuritiden ein. j^^^l 

Amard, L. V. Frederik A. , geboren am 23. April 1777 zu Colig-uy, 
promovirte in Paris 1802 auf eine Dissertation: „Siir les ulceres en g^nira/e*'. 
Als Chef (die Zeit seiner Directionsführung ist nicht genau zu ennitteln) du ser\ ice 
medico - chirurgicale de Thöpital gen^ral de la Charit^ in Lyon, veröffentlichte er 
in den Jahren 1807 — 1829 eine Reihe von Schriften über sehr verschiedene 
Themata, zum Theil mehr pathologisch - anatomischen und chirurgischen Inhaltes, 
zum Theil über psychologische und psychiatrische Fragen. Zu den ersteren 
zählen : „ Gedanken über den Krebs** — „ Ueber die zur Amputation zuringendeti 
(iesclacülste des Kniegelenks^ — „ Uebei- eine7i Leichenbefund bei Hctencs^ — 
„Ein Memoire über Mnmps*^ ; — zu den letzteren ein „Traite analytique de 
la folie et des vwyens de la gnerir^ (1807) und ein Essay über die „Ideen- 
association*" und über das Operiren mit Gedanken, besonders in der Medicin (1821). 
Er lebte um das Jahr 1830 noch als Chef des obengenannten Hospitals in Lyon; 
sein Todesjahr ist unbekannt. 

Callisen, I. Red, 



AMATUS. — AMBROGI. 119 



^Ami 



atus Lusitanus, (oder, wie er sich in seiner ersten Arbeit über 
DiiKcorides nannte: JOANNES RODBRiCüS Castblli albi Lusitanüs), wurde im 
Jahre 1511 zu Castel Branco unfern Coimbra in Portugal geboren. Wahrscheinlich 
waren seine Eltern durch Zwang zum Christenthume bekehrte Juden, und er hatte 
seinen angeführten zweiten Namen in der Taufe erhalten. Er ßtudirte Medicin in 
Salainanca, prakticirte nach »einer Doctorpromotion in verschiedenen Städten 
Portugals, verlie^rt aber 1535 seine Heimat aus Furcht vor neuen Verfolgungen 
der getauften Juden und wandte sich nach Antwerpen. Hier blieb er sechs Jahre 
lang und folgte dann einem Rufe als Professor del* Medicin nach Ferrara. In 
der Hoffnung, die Stadtarztstelle in Ragasa zu erhalten, begab er sich 1547 nach 
dem Ragusa näher gelegenen Ancona. Doch die Verhandlungen zögern sich Jahre 
lang hin, A. geräth in den Verdacht des Kryptojudaismus, sein Vermögen wird 
einbezogen, er selbst kann sich der Verhaftung nur durch die Flucht im Herbste 
1555 entziehen. Er begiebt sich nach Pesaro, dann im Sommer 1556 nach Ragusa, 
endlich 1558 nach Salonichi, wo er ^ch frei zum Judenthum bekennt und unter 
törkischem Schutze im Frieden lebt. Sein Todesjahr ist unbekannt, die letzte 
Schrift (Centurie 7) datirt aus Salonichi August 1561. 

Seine wissenschaftliche Würdigimg ermöglichen zwei Werke: „In Dio- 
scoridts Anazarbei de medica materia libros quinque enarrationea^ (Venet. 
1553, 8. und öfter) — „Curattonwn medicinalium centuriae septem^ (Venet. 
1563, 12. und öfter, ausserdem einzeln oder zu mehreren verbunden ,. seit dem 
Jahre 1551 sehr häufig). In ihnen führt er sich als ein auf der Höhe seiner Zeit 
stehender Arzt, als tüchtiger Philologe, als geistreicher, fein gebildeter, humaner 
Mensch vor. Die Erläuterungen zum Dioscorides sind eine gelehrte, auch von 
selbstständigen botanischen Studien des Verfassers zeugende Arbeit, die Centurien 
zeigen uns den A. als einen vortrefflichen Kliniker, ausgerüstet mit den theore- 
tischen und praktischen Kenntnissen der damaligen Epoche. Er beherrscht die 
Literatur in seltenem Grade, hat viel Anatomie getrieben, ist ein erfahrener 
Chirurg, scharfer Diagnostiker und rationeller Therapeut. ]y[ax Salomon. 

/Amboise, Jacques d'A. (JacobusAmbosianus), königlicher Leibarzt 
zu Paris, war daselbst 1558 als Sohn von Jean d'A., des Leibchirurgen der drei 
Könige Franz H., Karl IX. und Heinrich III. (gestorben 1585), geboren und 
wurde auf Kosten des Königs im College de Navarre erzogen. Er besuchte dann 
das College de France und studirte namentlich unter Martin Akakia 1577 und 
Perdulcis. Nachdem er sich längere Zeit der Chirurgie gewidmet hatte, wendete 
er sich der Medicin zu, begann noch im Alter von 34 Jahren das Studium derselben 
ttnd glänzte durch sein Wissen sowohl in den Vereinen der Aerzte, als im Collegiura 
Saint-Cöme. Er war erst Licentiat der Medicin, obgleich bereits königlicher Leibarzt, 
ak er im März 1594 zum Rector der Universität ernannt wurde. Er behielt das 
Rectorat 10 Monate lang imd erlangte bald darauf den Doctorhut, indeui er feierlich 
der Gemeinschaft mit den Chirurgen entsagte. Während seines Rectorates, im April 
1594, setzte er sich an die Spitze eines Theiles der Sorbonne, um Hein rieh IV. als 
König von Frankreich und Navarra anzuerkennen und einige Zeit später wurde 
ihm gestattet, im Namen der von ihm vertretenen Körperschaft den Eid der Treue 
zu leisten. Aus dieser Lebensperiode stammen seine gegen die Jesuiten gerichteten 
firationes duae in senatu haintae pro universis Äcademiae ordinibus in Clara- 
montenseSj qui se jesuitae dtcunt^ (Paris 1595). Seine beiden anderen I^ublicationen : 
j,An venaesectto arthridi jmrgatione commodior^ (Paris 1594, 4.) und „An ab 
oculis contagto?^ (Paris 1605, 4.) sind von geringem Belange. Er starb am 
30. August 1606. 

BiogT. med. I, pag. 171. — A. Chereau bei Dechamhre, III, pag. 548. ü. 

Ambrogi, Vincenzo A., Arzt in Rom, war zu Anfang der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts geboren, wurde 1783 Primararzt des Hospitals San Giovanni 
di Dio auf der Tiberinsel und starb zu Anfang dieses Jahrhunderts. Seine literarischen 



i 



120 AMBROGI. — AMELUNG. 

Arbeiten rtind: „Noi:a tkerapeuttca ad rheumatismum et inflammationeH^ 
(Venetiis 1783) — „Diss, eputcHaria de necessitate cognoscendi meteormnnm 
abdominis criticum pro febris putridae curatione^ fRoniae 1792) — ^De cog- 
noscendis et curandi,s febribus pseudoperniciosift et de insigni virtute Sftntom'ci, 
tarn in iis febribus, quam in periodicis rfbellibus profligandis. Libri novem.^ 
(Romae 1805. 4.). 

Biografia Romana, I, p8g. 10. G. 

Ambrosini, Bartholomeo A., um 1600 zu Bologna geboren, wirkte 
daselbst als Professor der Philosophie, der Botanik und der praktischen wie theo- 
retischen Medicin. Als Nachfolger Camillo Baldo's übernahm er auch dessen 
Stelle als Direetor des Museums seiner Vaterstadt. Abgesehen davon, dass er einen 
Theil der Werke Aldrovandi's herausgab, erschienen von ihm: „Panacea de 
herbis a sanatis denominatis cum historia capsicorum cum suis figuris^ (1639) 
— f,Modo e facile preserva e cura dt peste a betießcio del popolo di Bologna*^ 
(1631) — nTJieorica medicina in tabulqs veluti digesta cum aliquot consul- 
taiionibus^ (1632) — „De pulsibus^ (1645) und ,yDe exteriu's malis opusculum" 
ein Jahr vor seinem Tode, der 1657 erfolgte. 

Diet bist. I. Red. 

Amburger, Johann Andreas August A., Ober-Medicinalrath und 
Apotheker zu OtFenbach am Main, war zu Idstein im Nassau'sehen 1750 geboren, 
wurde 1776 Doetor med. zu Griessen mit der Dissertation „De calce viva^ (4.) 
und machte sieh namentlieh durch chemische Untersuch uugen mehrerer Mineral- 
wässer des' Mittelrheius verdient. Seine balneologischen Publicationen sind theils in 
Zeitschriften publieirt, wie in Crell's Auswahl, Bd. IV: „Einige Bemerlaingen 
wegen Untersuchung der mineralischen Wasser y besonders des Weilbacher 
Schwefelwassers und der Shein gauer und Oberlahnsteiner Stahlwasser ^ und in 
Baldinger's Neuem Magazin, Bd. VIII, 1786: „Chymische Analyse über die 
Mineralwasser in den Knrmaiv zischen Landen^*, theils in besonderen Schriften, 
die von 1786 an in Mainz und in neuen Auflagen bis 1824 erschienen. Er starb 
schon vor 1809. 

Callisen, I. pag U9: XXVJ. pajr. 4->. (i. 

Amelung, Peter A., Arzt zu Stendal in der Altmark, auch daselbst 
geboren, wurde, nachdem er 10 Jahre auf verschiedenen deutschen, französischen 
und anderen ausländischen Universitäten Medicin studirt hatte, 1604 Doctor med. 
in Jena; er Hess sich darauf in seiner Vaterstadt als Arzt nieder und beschäftigte 
sich viel mit Chemie und den mit Hilfe derselben bereiteten Arzneimitteln. Von 
diesen Bestrebungen giebt Zeugniss der dem Kaiser Rudolph II. gewidmete 
„Tractatus nobilis primus, in quo alchemiae, sive chemicae artis antiquis^imae 
inventio, progressio, obscuratio et instauratio, tum dignitas, necessitas et utilitas 
demonstratur etc.^ TLipsiae 1607, 8.). Er gerieth darüber mit einem anderen 
Arzte in Stendal, dem Dr. Wilh. Boekel, in Streit und publicirte zu seiner Ver- 
theidigung, mit einer langen Epistola dedicatoria an den Kurfürsten Joachim 
Friedrich von Brandenburg, einen „Tractatus nobilis secundus , . . ., coniinens 
apologiam quae maculain a D, Ouühelmo Bökelio .... aspersam abstergit etc."* 
(Lipsiae 1608, 8.). Früher bereits hatte er ein Buch verfasst: „Wider die Pest. 
Nothwendiges Verzeichniss und heilsamer Ben'c/ä, namen.tlich wa^ vor Remcdia 
wider vorgenannte Seuche in der Apotheke zu Stendal angeordnet und wie 
dieselbe, auf dass man nicht vergiftet icirdt . , , . zu gebrauchest sein** (Berlin 
1607, 4.). Mit einer von ihm erfundenen Tinctura autinephritica machte er viel Auf- 
sehen und die A.'schen Pillen fanden noch zu Kestner's Zeit (1740) ihre L]ebhal)er. 

K e 8 1 n e r , Med. Gelehrten-Tiexikon, pag. 34. — A n d r e a e , I, pag 6. G. 

Amelung , K a r 1 C h r i s t i a n G o 1 1 1 i e b A. , Ghzgl. hessischer 0))er- 
Stabsarzt und Militär - Sanitäts - Direetor zu Dannstadt, war im Jaiire 1761) zu 
Jusrenheim an der Bersrstrasse sreboren. Er kam nach Weimar in das Haus seines 



AMELrNG. — AME8BURY. ^ 121 

Schwagers, dcK schon daiualn berühmten IIUFELAND, -widmete .sieh daselbst ein 
Jahr lan^ der Pharmacie, studirte darauf von 1789 an Mediein in Jena und wurde 
daselbst 1702 zum Doctor med. promovirt. Er Hess sich als Arzt in Dannstadt 
nieder, wurde 1794 Stabsmedieus daselbst und stand als solcher von 1797 — 1800 
den Feldspitälem zu Biekenbacli und Darmstadt mit Auszeichnung vor. Von seinen 
daselbst gemachten Erfahrungen veröffentlichte er 1804 (in HuF£Land's Journal, 
Bd. XVIII; „Bemerkungen über die häufigen, vorzüglich intermittir enden Fieber, 
die in den Rheingegenden von 1794 — 1799 hauptsächlich bei den Soldaten 
herrschten^ ; ferner 1805 (ebenda Bd. XX, XXH) noch einige casuistische Beiträge. 
Nach «einer Rückkehr aus dem Feldzuge gegen Preussen trat er am 9. October 
1806 als Generalstabsmedicus, seit 1820 mit dem Titel eines Oberstabsarztes und 
Militär-Sanitätsdirectors , an die Spitze des gesammten MilitHr-Sanitätswesens des 
Grossherzogthums Hessen und machte sich um dessen Vorbesserung und Umgestaltung 
verdient. Noch 1806 hatte er eine Uebersetzung von L.,Valentin's „Abhandlitntf 
über das gelbe Fieber" aus dem Französischen mit Anmerkungen herausgegeben, 
i^^Mer „Mediciniscfi-chirurgischf Beobachtungen" (HüFELANd's Journal, Bd. XLIIl, 
1816). Er starb am 12. November 1823. ' 

Seriba. Abth. II, pag. 10, H4^ — Callisen, T, pap. IHl : XXVI,* pag. 48. 

G. 

Amelung, Franz A. , Neffe HüFELAND'h, wurde am 28. Mai 1788 zu 
Birkenbach an der Bergs trasse geboren, studirte unter Andern auch in Berlin und 
wurde nach Beendigung einer grösseren wissenschaftlichen Reise 1821 als Arzt 
den Hessen - Dannstädtischen Landes - Hospitals Hofheim angestellt. Letzteres, 
ursprünglich ein Kloster, war zu einem Siechen- und Irrenhause umgewandelt 
worden, ähnelte aber, wie die übenÄ'iegende Mehrzahl solcher damaligen Institute, 
durch seine äusseren baulichen Einrichtungen, wie durch sein inneres Getriebe 
eher einer Gefängniss- als einer Kranken- Anstalt. A. Hess es sich angelegen sein, 
dort eine Stätte der Wissenschaft und der Humanität zu schaffen und gleichzeitig 
nach allen Richtungen liin die Psychiatrie überhaupt zu fördern ; auch strebte er 
unermüdlich , wenn auch nicht durchweg mit Erfolg , die Leitung derartiger An- 
stalten ärztlichen Kräften zuzuführen. Als Schriftsteller betonte er, im Gegensätze 
zu damals mit Beifall aufgenommenen Theorien über die Natur der Geistes- 
krankheiten, die körperliche, besonders auch die cerebrale Gnmdlage des Irreseins 
in seinen verschiedenen Formen und gestaltete nach diesem Standpunkte seine 
Therapie, welche wesentlich eine arzueiliche, mit besonderer Vorliebe für Stomachica 
und Laxantica wurde. A. eut wickelte seine Theorien und Erfahrungen in mehr- 
fachen Abhandlungen in der allgemeinen Zeitschrift für Psychiatrie und in der 
Zeitschrift für Anthropologie, endlich in seinen: ^Beiträgen zur Lehre von den 
(rmteshranh'heiten" (2 Bände, 1832 und 1836), welche er im Vereine mit dem 
Siegburger Irrenarzte F. Ried herausgab, in denen aber die bedeutsameren 
Arbeiten ans seiner Feder stammen. Auch in populärer Darstellung bat er über: 
^Behandlung und Verhüttung von Geisteskrankheiten" aufzuklären versucht. Er 
«tarb am 11). April 1849 mi den Folgen einer Unterleibs-Stichverletzung , weiche 

ihm drei Tage zuvor ein geisteskranker A'erbrecher in der Anstalt beigebracht hatte. 

F. Falk. 

Amesbury, Joseph A. , 1795 geboren, war Chirurg am South London 
Diitpensary, consultirender Chirurg an der Royal Union Association, Lector der 
Chirurgie, später Chinirg des St. Thomas Hospitals. Er schrieb: „An essay on 
fracture of the lower limhs" (London 1823) , welchem von der Society of Arts 
in London eine goldene Medaille zuerkannt wurde. Es folgten einige Aufsätze über 
Fraeturen und Pseudarthrosen im London Medical Rei)ository (Vol. 20, 22, 23; 1823, 
1B24, 1825); ausserdem: „An vigraving of a new apparatus for the prevention 
and eure of pointed toe" (London Med. and Phys. Jouru. 1823). An besonderen 
^hriiten gab er noch heraus: „Befiexions on the treatment offractures of the lower 
extremüies, and description of a new apparatus, With cases" (London 1822) — 



l 



122 i AMEÖBURY. — DE AMICIS. 

^A syllahus of surgical lectures on the ncUure and trecUnient of fracturesy diseases 
of the jaints, and defomiüies of the limbs and spine^ (London 1827, w. 12 plates); 
femer: ^Obseruations on the nature and treatment of fractures of the upper 
third of the thigh-bone etc.^ (London 1828; deutsch in der Chirurgischen Hand- 
bibliothek, Bd. XIII, Weimar 1831) — „Practical remarks on the nature and 
treatment of fractures of the trunk and extremüies^ (London 1831). In der späteren 
Zeit beschäftigten sein Erfindungstalent hauptsächlich E>ankheiten, die durch ortho- 
pädische Mittel geheilt oder gebessert werden können, wie dies aus folgenden Schriften 
hervorgeht : „ Xotice for patents granted for certain apparatuses used in the treat- 
ment of stiffnessy weakness, or deformity of the spine , ehest y or limbs" TLondon 
1837, 1 pl.). — yjPractical remarks on the causes, nature and treatment of defor- 
mities of the spine, ehest, and limbs, niuseular weakness, weak joints, muscular 
contractions, and stiff joints^ (London 1840, 35 pl.). Ausserdem hat A. Aufsätze 
für die: Brit. and Foreign Med.-Chir. Review, die Lancet etc. geliefert. Sein 
Todesjahr ist unbekannt. 

Calliseii, I, pag. 135; XXVI, pap. 44. G 

Amic, drei französische Aerztc. Jean-Marie A., erster Arzt der Colonie 
von Guadeloupe, war 1752 zu Brest (Finistöre) geboren, wurde, nachdem er in 
Montpellier den Doctorgrad erlangt hatte, zuerst in den Hospitälern zu Dinan und 
Foug6r€s bei der Behandlung der kriegsgefangenen Engländer im Jahre 1779 
verwendet, zwei Jahre später den Marine-Hospitälern zu Breut beigegeben, wo er 
Botanik zu lehren hatte, bis er im Januar 1788 die Ernennung zum königlichen 
Arzte in Guadeloupe erhielt. Durch seinen 30jährigen Aufenthalt auf den Antillen 
wurde Amic der erfahrenste Arzt bei den auf diesen vorzugsweise in Betracht 
kommenden Krankheiten, besonders dem Gelbfieber. In Folge der Anstrengungen 
seiner Praxis unterlag er am 15. Januar 1811) zu Basse-Terre einem mit Dysenterie 
verbundenen remittirenden Fieber. 

K er andren im Journal universel des sciencen medic, T. XV, 18 IJ), pag. H7(>. 

G. 

Amic, Jean-Charles-Genevieve A., erster Chefarzt zu Martinique, 
war als des Vorigen Sohn am 2. Februar 1794 zu Basse-Terre (Guadeloupe) geboren. 
Seine Doctorats-These führte den Titel: y, Dissertation sur la fih:re jaune observee 
h la Guadeloupe" (Paris 1819, 4.). Es erschien femer noch von ihm ein: 
y^Extrait d'un Rapport au ministre de la marine sur le service mSdical de 
l'höpital de Fort - de - France (Martinique en 1849) epidhnie de variole" (im 
Joum. offic. de la Martinique 1850) und „Du traitement de la cSphalSe nerveuse 
ou migraine et de la nevralgie faciale par un nouveau medicament des-ign^ 
sous le nom de bitterine"* , — Er starb zu Pointc-a-Pitre am 28. Februar 1861. 

Bcr^'er et Rey, pag. 2. P 

Amic , A. , Chefarzt der französischen Regierungs-Hospitäler in Amerika, 
von dessen Lebensschicksalen wir nichts Näheres anzugeben wissen, schrieb ein 
.^Memoire sur U4tat d^un enfant afflig6 cTune esp^ce particidihre de mutisme"^ 
{ L'Ascl^piade, Journal de mM., chir. et pharm. 1823, T. I) und „Considerations 
medico'topographiques sur la ville de Brignolles etc," fBrignolles 1838). 

Berger et Rey, pag. 2. O. 

*de Amicis, Tommaso de A., geboren im October 1839 in Alfedena 
(Abruzzo Aquitana), studirte am medicinisch-cbirurgischen CoUegium in Neapel, 
war Assistent Tommasi's und wurde 1861 promovirt. Seit 1863 in Neapel Praxis 
ausübend, leitet er ausserdem die syphilitische und medicinische Station am Ospedaie 
degr Incurabili und ist Professor und Director der dermo-syphilidologischen Klinik 
an der neapolitanischen Hochschule. Seine Schriften: „Dei candüami acuminati 
f'tc." — „Forma di neo-pigmentario diffusso" — • „Sul dermo-linfo-adenoma 
fungoide" — „Sul dermo-polimelanosarcoma idiopatico" (sämmtUche in Neapel er- 
schienen) bezeichnen den Gang seiner Forschungsrichtung. ^^^ 



i 



AMMAN. — AMMANN. 12:^ 

Anunail; Jobann Konrad A., Arzt zu Amsterdam war 1669 zu Schaff- 

hausen in der Schweiz geboren, studirte Medicin in Basel, wurde 1687 daselbst Dr. 

med. Einen Ruf als Professor der Physik nach Schaff hausen 1714 schlug er aus. Bein 

Hauptverdienst besteht darin, das« er, nächst Holder, der Erste war, welcher den 

Taubstummen-Unterricht in wissenschaftlicher , auf physiologische Grund- 

i>atze basirter Weise behandelte. Seine 1692 erschienene Schrift: „Surdus loquens, 

ftke methodus, qua qui surdus natus est loqui discere possit^, wurde 1692 in's 

Holländische, 1694 in's Englische, 1747 in's Deutsche übersetzt und wiederholt 

lateinisch herausgegeben und diese wie die 1700 erschienene: „Z>w*. de loquela etc." , 

die ihrerseits von Bbaüyais DB Pheaü in's Französische llbersetzt wurde (Anhang 

m Deschamp's Cours d'6duoation des sourds et muets 1779), enthält die von 

Haller und den Späteren sehr geschätzten physiologischen Untersuchungen über 

Sprach- und Tonbildung, deren Anwendung auf das Sprechenlemen Taubstummer 

und A.*s Lehrmethode. — Ihm ist endlich eine gute Ausgabe des CaeliüS 

AURELLANüS, mit seinen und Almeloveen's Anmerkungen, 1709, 1722 u. s.w. 

erschienen, zu verdanken. Sein Tod erfolgte um 1730 auf seinem Landgute 

Wamiond bei Leyden. • 

van der Aa, T, pap. 2ot). — Allgöm. deutsche Biogr. I, pag. 401 (A. Hirsch). 

G. 

Amman, Paul A., Professor der Botanik und Physiologie in Leipzig, war 
am 31. August 1634 in Breslau geboren, studirte Medicin in Leipzig, machte eine 
Reise nach Holland und England, wurde 1672 zu Leipzig Dr. med., 1674 daselbst 
Professor der Botanik und 1682 der Physiologie. Mit Uebergehung seiner sehr sorg- 
fältigen und geschätzten botanischen Arbeiten und seiner Verdienste um den Leipziger 
botanischen Garten, ist seiner medicinischen Leistungen zu gedenken, die, ausser 
zahlreichen, in den HALLER^schen Sammelwerken genau verzeichneten Disputationen, 
sich vorzugsweise auf dem Gebiete der gerichtlichen Medicin bewegen und fast durch- 
weg einen scharf kritischen Charakter besitzen. Namentlich in seiner: „Medictna 
crüica, sive d^dsoria, cum centuria casuum medicinalium in concilio facultatis 

medicae lApsiensia antehac resoliUorum, coUecta, correcta et varits 

düctüsihus aucta*^ fErford. 1670; auch 1677, 1693), der eine „Facultatis medicae 
Lipsiensis praeliminaris excunatio etc," (1670) folgte und in der „Praxis vulnerum 
lethalium sex decadibus historiarvm rarioruni etc." (Francof. 1690) unterwarf 
er die von der Leipziger medicinischen Facultät abgegebenen medicinischen Gutachten 
über Rechtsfölle einer zersetzenden abfölligen Kritik. Ebenso suchte er in seinem: 
nirenicum Numae Pompilii cum Hippocrate, quo veterum et phüosophortivi 
hypotkeaes in corpus juris civilis pariter ac canonici hactenus transsunitae, eprae- 
conceptis opiniontbus vindicantur" (Lips. 1689), die irrigen Ansichten der alten 
Aerzte und Philosophen, nach welchen sich die Juristen im Corpus juris gerichtet 
haben, in sehr scharfer Ausdrucksweise lächerlich zu machen. Auf der anderen Seite 
i»prach er sich in seiner „Paraenesis ad discentes occupata circa institutionuvi 
medicarum emendationem" (Rudolst. 1673) sehr fireimtlthig darüber aus, welche 
Ungewissheit noch in allen Theilen der Medicin herrsche, gerieth darüber auch 
mit ECKARD Leichn£R in Streit und vertheidigte sich gegen denselben in seiner 
bekannten Weise in dem „Arckaeus syncopticus etc.^ (1674). Er gab in dem- 
selben Jahre auch eine andere Ausgabe des: „ Fortun atus Fidelisy de revelationibus 
medicontvi" heraus. A. starb am 4. Februar 1691. 

Haller, Biblioth. anat. I, pag. 421. — flauer, Bibl. med. pract. IJI, pag 91. — 
Biogr. medic I, pag. 176. (>. 

Ammann, Johannes A., Arzt zu Madiswyl, Canton Bern, war 1782 ge- 
boren, wurde durch seinen Pathen, den Arzt HOFER zu Mättenbach, dazu bestimmt, 
in den ärztlichen Stand zu treten und bei dem Arzte Jakob in Trüb in die Lehre zu 
gehen. Er blieb bei demselben l'/g Jahre, kam dann nach Zürich zu dem Stadt- 
ehirurgen Bürkhakt und bald darauf, im Alter von 17 Jahren, in die Akademie 
nach Bern. Schon zwei Jahre später bestand er die Prüfung als Landarzt, prakticirte 






124 AMMANN. — AMMON. 

drei Jahre laug als solcher und ging dann poch, um seine Kenntnisse zu enveitem, 
mit seltener Energie, auf die Universität Wlirzburg, wo er 2^/2 Jahre seinen 
Studien oblag und namentlich zu dem Lehrer der chirurgischen Wissenschaften 
V. Siebold in einem freundschaftlichen Yerhaltniss stand. Nachdem er in Bern 
als Arzt und Wundarzt patentirt worden, Hess er sich 1806 in seiner Heimats- 
gemeinde Madiswyl nieder und lebte daselbst 40 Jahre lang, bis zu seinem, Ende 
des Jahres 1846 erfolgten Tode, ununterbrochen seinem Berufe. Er begründete 
1839 den Oberaargauischen Medicinalverein , dessen Präsident er die ersten vier 
Jahre war. Im Jahre 1840 lieferte er für die Hauptversammlung desselben eine 
schriftliche Arbeit unter dem Titel: ry Kurze Geschkhte emfr Mhatcastrattoif*^ 
56 von ihm hinterlassene Foliobände mit Krauken uotizen gefüllt geben ausserdem 
Zeugniss von seinem Eifer. 

Roth in Scliweizerische Zeitschr. für Mediciii, Chirurgie und Gebartshilfo, Jahr|;an<; 
1849, pag. 477. ., 

Ammon» Friedrich August von A., Geheimer Medicinalrath und 
königlicher Leibarzt zu Dresden, war am 10. September 1799 zu Göttingen, 
als der zweite Sohn des berühmten Theologen, der damals Professor daselbst, 
seit 1813 aber Oberhof prediger in Dresden war, geboren. Er kam 1814 nach 
Schulpforta, verliess diese Fürstenschule im Herbst 1818, um sich dem Studium 
der Medicin zu widmen, zimächst in Leipzig, jedoch nur ein Jahr lang, 
dann in Göttingen, wo Blümexbach, Laxgjexbeck, Ostaxder, Himly u. A. .seine 
Lehrer waren. Hier gewann er im Juni 1820, also nach erst IV^jähriger Studien- 
zeit, den Preis für eine von der Georgia Augusta gestellte Aufgabe. Seine Arbeit 
erschien unter dem Titel: „Commentatlo semiologicay in qua somni vigiliarumque 
Status viorbosi symptomatice, aetiologice tt prognostice exponuntiir et dijudicantur, 
uberioribus tarnen in somnambulismum disquisitwnibus omissis*^ (Gotting. 
1821, 4.), (später imter dem Titel: ^Commentatio semiologica de somni vigilia- 
rumque statuhus morbosis, symptomaticey aetiologice et prognostice expositis et 
difudicati^^ in Maurit. Haspkr, Novus thesaurus semiotioes pathologicae, Vol. I, 
Lipsiae 1825 noch einmal abgedruckt). Am 25. August 1821 wurde Ammox von 
Bldmenbach zum Dr. med. promovirt mit der Dissertation: „Ophthalmopai-a' 
centeseos historia, Specimeu niedico-ßiistoricnm quo commentatar in varias hu jus 
operationis ad cataractam sanandavi methodos kujusque institutas et in in- 
strumenta hunc in usum inventa^ (Gotting. 1821, c. tab.), einer überaus 
gelehrten Zusammenstellung aller in Betracht kommenden Operationen nebst He- 
Bchreibung und Abbildung der dazu gebrauchten Instnunente. — Die Zeit bis zum 
Herbst 1822 brachte Ammon auf Reisen, anfänglich in Paris, später im südliehen 
Deutschland zu. In Paris machte er u. A. die Bekanntschaft Dieffexbach's, die 
später nicht ohne Einfluss auf Ammox's Theilnahme au der Förderung der pla.s- 
tischen Chirurgie war. Noch im Jahre 1822 Hess er sich in Dresden nieder, 
nachdem er die gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt hatte und l^egann 
eine Praxis, in der er sich mit besonderer Vorliebe der Chinirgie und Augen- 
heilkunde widmete, wobei er dadurch begünstigt wurde, dass es ihm glückte, den» 
berühmten Operateur, Hofrath und Leibarzt Hedenius in seiner Praxis assistiren 
zu können, im folgenden Jahre gab er eine: „Parallele der französischen und 
deutschen Chirurgie. Nach Resultaten einer in den Jahrtn 1821 und 1822 
gemachten Seise^ (Leipzig 1823) heraus, in der er sich die Aufgabe geHctzt 
hatte, nicht ein Bewunderer, sondern ein Kritiker des Zustandes der Chirurgie in 
dem einen und anderen Lande zu sein. Es gelang ihm auch die unparteiiselie 
Beurtheilung sehr gut. — Für die Augenpraxis bestand in Dresden seit 1818 ein 
Augenkrankenheilvereiu , dem eine Anzahl von Aerzten angehörte und dem auch 
Ammox beitrat. Als dieser Verein im Jahre 1824 eine eigene Anstalt zur Er- 
ziehung blinder Kinder gründete, übernahm er die ärztliche Fürsorge an derselben 
und widmete ihr auch, als sie 1830 königliche Landesanstalt geworden war, 



r 



AMMON. 125 

bis zum Jahre 1844 Keine Thätigkeit. Seine Beschäftigung mit der Augenheilkunde 
führte Ammon dahin, eine: ^ Kurze Geschichte der Augenheilkunde in Sachsen. 
Eine medicinisch-historische Skizze bei Eröffnung der neuen JErziehungs- und 
Arheitsanstalt f'dr Blinde in Dresden^ (Leipzig 1824) zu schreiben, in der er 
namentlich die Verdienste des Oculisten (tKORG Bartisch in der zweiten Hälfte 
des 16. Jahrhunderts und die Arbeiten der Leipziger und Wittenberger Professoren 
über die Anatomie und Pathologie des Auges hervorhob. In die folgenden Jahre 
fallen zwei Schriften , die den Namen des jungen Dresdener Arztes auch bei dem 
Laienpublikum sehr bekannt machten und, wie aus den zahlreichen Aullagen, die 
8ie erlebten, hervorgeht, sich grosser Beliebtheit erfreuten; es waren seine : yy Brunnen- 
diätetik oder Anweisung zum zweckmässigen Gebrauche der natürlichen und 
künstlichen Gesundbrunnen und Alineralbäder^ (Dresden 1825, 1828, 1835, 
1841, 1854; in's Polnische übersetzt 1827) und ^^Die ersten Mutterjyflichten und 
die erste Kindespflege zur Belehrunc/ jttnqer Frauen und Miitter" (Dresden 
1827, 1885, 1831);' 1). Aufl. 1860; 12. Aufl. von W. L. Grenser, 1865 u.s. w.; 
in'« Dänische übersetzt von A. Trier, Kjöbenhavn 1840j. Diese beiden Arbeiten 
müssen als Muster populärer medicinischer Schriften angesehen werden, welche 
mit dem grössten Tacte über alles den Laien Wissenswerthe Auskunft geben. — 
Im November 1828 wurde Ammon zum l*rofessor der allgemeinen Pathologie, 
Materia medica und Poliklinik bei der Chirurgisch - medicinischen Akademie zu 
Dresden ernannt und behielt diese (Stellung neun Jahre lang bei. Er verfasste 
während dieser Zeit (anonym): „Repertorium der besten Heilformeln aus der 
Praxis der berühmtesten Aerzte, Wundärzte und Geburtshelfer und der be- 
rühmtesten klinischen Lehrer Deutschlands u. s, w.^ (Leipzig, 2. Aufl., 1829), 
femer als Programm zum Antritt seiner Professur: „Quaestio anatomico - physio- 
logica de genesi et usu maculae luteae in retina oculi humani obviae, c. tab,^ 
(Vinariae 1830, 4.), worin er wichtige Auflclärungen über diese Gebilde des Auges 
priebt. Das Erscheinen der Cholera in Europa veranlasste ihn, einige »Schriften über 
dieselbe zu verfassen: „i^'ß Krkenntni/fs und die Behandlung der asiatischen 
Cholera", die in vier Auflagen 1831 erschien, und eine: „Fharmacopoea anti- 
cholerica extemporanea etc." (Lipsiae 1832). iSeine übrigen Studien jedoch 
bezogen sich fast sämmtlieh auf die Augenheilkunde und findet sich demgemäss in 
deu Zeitschriften jener Zeit eine Reihe von Artikeln , welche jene betreffen ; so 
namentlich in den Heidelberger klinischen Annalen ri826 , 1829), in Hecker's 
literarischen Annalen (Bd. 1, XIII, XV; 1825, 1829), in Rüst's Magazin 
• Bd. XXX, XXXII, XL; 1830, 1833); in Graefe's und Walther's Journal 
<Bd. Vn, IX, XIII: 1825, 1826, 1829), sowie im Encyklopädischen Wörterbuch der 
medicinischen Wissenschaften, herausgegeben von der Berliner medicinischen Facultät, 
i^r welches er (Bd. I— XXVII, 1828—1842) ungefähr 65 Artikel, die sich 
grosstentheils auf die Augenheilkunde , aber auch auf die Chirurgie beziehen, ver- 
fasste. Eine Menge von seinen Untersuchungen legte er in der von ihm selbst 
gegründeten: „Zeitschrift für die Ophthalmologie" nieder, welche in 5 Bänden 
von 1831 — 1837 erschien und etwa 17 eigene Arbeiten Ammon*s enthält, während 
in den Fortsetzungen gedachter Zeitschrift, nämlich der: „Monatsschrift für 
Medicin, Augenheilkunde und Chirurgie" (Bd. I — 111, Leipzig 1838 — 1840) 
sich noch weitere fünf, und in dem nach C. v. Graefe's Tode an dessen Stelle 
von ihm mit Phil. v. Walthkr herausgegebenen: „Journal der Chirurgie und 
Augenheilkunde" (Neue Folge, Bd. I— IX, [Bd. XXXI— XXXIX], 1843—1850), 
femer noch sieben Aufsätze, deren Gegenstände der Augenheilkunde sowohl 
als der Chirurgie entnommen sind, sich befinden. Ausserdem gab Ammon Anlass 
2U einer Anzahl von Dissertationen über ophthalmologische Gegenstände, indem er 
den betreffenden jungen Aerzten (Gescheidt, Lechla, Bech, Wimmbr, Warnatz, 
Schön, Klemmer, Beger, Froebelics, Zeis) nicht blos das Material darbot, 
i*ondem ihnen aneh Anleitung ertheilte, wie sie dasselbe verarbeiten sollten. Er 
verstand es vortrefflich, alles ihm in der I'raxis vorkommende Neue zu wissen- 



1U6 AMMON. 

schaftlichen Zwecken zu benutssen, indem er alle nnr irgend interessanten Fälle 
abbilden Hess, keine Gelegenheit versäumte, anatomische Untersuchungen kranker 
Augen anzustellen und auf diese Weise ein ungeheueres Material sammelte, das 
ihm später, bei der Herausgabe seiner grösseren Werke, sehr zu statten kam. 
Ausser den pathologischen Studien beschäftigten ihn auch physiologische Unter- 
Huchungen tiber die Bildung des Auges, theiis mit Hilfe des Brütofens au Eiern, 
theils an menschlichen Früchten. Daneben betrieb er eine ausgedehnte Praxis und 
war sowohl ein sehr beliebter Hausarzt, als gerne herbeigerufener Consiliarius. — 
1837 wurde er zum Leibarzt des Königs und zum Hofrath ernannt und gab in 
Folge dessen seine Professur bei der Chirurgisch-medicinischen Akademie auf. Durch 
seine Stellung war er genöthigt, einen Theil des Sommers in Pillnitz zu leben, 
auch den König Friedrich August, der ein Liebhaber der Botanik war, auf 
seinen bisweilen sehr anstrengenden Reisen, z. B. nach Montenegro, zu begleiten. 
Während er seiner Praxis und selbst dem Augenkrankenheilverein treu blieb, 
wuchs seine schriftstellerische Thätigkeit noch mehr, indem die von ihm gemachten 
Studien und Vorarbeiten allmälig zur Reife gelangten. Er gab in dieser Zeit 
heraus: f,De physiologia tenotomicte experimentis illiistrata, Commentatio chi- 
rurgica^ (c. tab., Dresdae 1837, 4.), mit welcher er die Universität Göttingen 
bei ihrem 100jährigen Jubiläum beglückwünschte; ferner: „De iritide commen- 
taf'o etc." (c. tab. , Lipsiae 1838, 4.), mit der er einen von der Societe medien- 
prati(iue zu Paris ausgesetzten Pi*eis gewann und die er später noch einmal 
f^zunächst in V. Walther's und seinem Journal) deutsch unter dem Titel : „ üef>er 
Iritis. Sechs Bücher w. .<?. tc,^ (Berlin 1843) herausgab. Es folgten seine in drei 
Theilen (Berlin 1838 — 1841 in fol.) erschienenen: y, Klinische Darstellungen der 
Krankheiten und 'Bildungsfehler des menschlichen Auges y der Augenlider 
und der Thränenwerhseugey nach eigenen Beobachtungen und Untersuchungen 
herausgegeben^ , mit 965 Abbildungen auf 55 Tafeln (französische Ausgabe, über- 
setzt von V. F. SZOKALSKI, Berlin und Paris 1847) und, zusammen mit Moritz 
Baumoarten, „Die plastische Chirurgie nach ihren Leistungeyi kritisch dar- 
gestellt. Eine von der medicinischen Gesellschaft zu Gent gekrönte Preisschrift*' 
f Berlin 1842), (französisch in den Annales de la Soci6te de m6decine de Gand. 
T. XIU, Ann6e 1843 — 1844, in's Italienische von LüiGi Chiminelli übersetztj; 
endlich: „Die angeborenen Krankheiten des Menschen in Abbildungen dar- 
gestellt und durch erläuternden Text erklärt*^ (Berlin 1842 fol., mit 514 Figuren 
auf 34 Kupfert. fol.). Wir wollen noch anführen , dass A. 1844 mit dem Titel 
eines Geh. Medicinal-Rathes Mitglied der Medicinal-Abtheilung des Ministeriums 
des Innern wurde. — Auch in späterer Zeit, nach 1850, als er nicht mehr an 
der Spitze eines von ihm herausgegebenen Journals stand, veröffentlichte er in 
anderen Zeitschriften grössere Abhandlungen; so in v. Gbaefe-s Archiv (Bd. I, 
IV, VI; 1855, 1858, IS.GO); in Behbend's und Hildebrand's Journal für die 
Kinderkrankheiten: „Der Epicanthus und das Ejpiblepharon" (1860), Send- 
schreiben an Sichel, auch separat erschienen. Ein grosses Werk jedoch über die 
Pathologie und pathologische Anatomie des Auges, eine vollständige Umarbeitung 
seiner klinischen Darstellungen, war ihm nicht mehr vergönnt, zu vollenden, indem 
ihn am 18. Mai 1861 in Folge von Prostata - Hypertrophie , Niereneitorung und 
Krebsgeschwülsten der Leber der Tod ereilte. — Ausgestattet mit den glänzendsten 
(Jeistesgaben , einer elassischen Bildung , der wärmsten Liebe zu seiner Wissenschaft 
und dem eisernsten Fleisse, verbunden mit der vollendetMen Humanität, nahm er 
als sinniger Gelehrter, vortrefflicher Arzt und edler Mensch unter den Notabilitäten 
der deutschen Wissenschaft einen hervorragenden Platz ein. — Es bleibt uns noch 
übrig, seine besonderen Verdienste um die Medicin, namentlich die Chirurgie und 
Augenheilkimde, hervorzuheben. Als Schriftsteller über Chinirgie trat er u. A. mit 
Erfahrungen und Bemerkungen über Döpüytren's Operationsmethode des Mast- 
darmvorfalles hervor; er war einer der Pursten, welcher in Deutsehland die Litho- 
tripsie mit dem verbesserten HEüRTELOüP'schen Instrument, und ebenso einer der 



r 



AMMON. — AMOREÜX. 127 

Ersten, der, nachdem Stboueyeb 1836 die subcutane Tenotomie in die Chirurgie 
elDgrefährt hatte, diese ausübte und sie durch Thierexperimente physiologisch be- 
gründete. Sein Werk über die angeborenen chirurgischen Bildungsfehler muss als 
eine wahre Fundgrube für das bezügliche Wissen bezeichnet werden. Bei der 
Brachyehilie und dem Mikrostoma wusste er entsprechende chirurgische Hilfen vor- 
Kuseblagen, in der Lehre von der Hydrocele congenita vervollständigte er Schbeger's 
Arbeit über diesen Gegenstand, Besondere Verdienste aber hat er sich um die 
plastische Chirurgie erworben, theils durch die kritische Darstellung derselben, 
theils durch Angabe von neuen Verfahren, bei der Phimosis palpebrarum, bei der 
Blepharo-, Cantho , Morio-, Chiloplastik. Von noch grösserer Bedeutung aber war 
A. als Ophthalmologe indem er, abgesehen von vielen im Nachstehenden kurz 
erwähnten Einzelheiten, in denen er verdienstlich gewirkt hat, lebenslang bemüht 
war, die Augenheilkunde auf ein exactes Studium der nonnalen und pathologischen 
Anatomie zu basiren. Von Specialitäten erwähnen wir seine Arbeiten über den 
Epieanthus, das Symblepharon, Ectropion, den Strabismus, die schon erwähnte 
Abhandlung über die Macula lutea und die Arbeiten über den Orbiculus ciliaris, 
das Coloboma iridis, vor Allem aber über die Iritis ; seine „Klinischen Darstellungen", 
in denen die Berücksichtigung der pathologischen Anatomie ganz besonders hervor- 
tritt, sind eine Musterleistung, auf die Deutschland stolz sein kann. Derselben 
schliesst sich als Nachtrag eine Abhandlung über die angeborenen Krankheiten: 
„Acyclia, Irtderemia und Hemiphacia congenita" (Verhandlungen der kaiserlichen 
Leopoldinisch-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher Bd. XXVII, 1860) 
an. Ueber die Entwickelungsgeschichte des Auges endlich , die er in allen früheren 
Arbeiten berttcksichtigte und über die er die grössten Kenntnisse besass, wie 
vohl Niemand vor ihm , hat er noch wenige Jahre vor seinem Tode eine Mono- 
graphie in der bescheidenen Form eines Joumalaufsatzes (v. GftAEFE's Archiv 
Bd. IV, 1858 , in's Französische übersetzt von A. van Biervliet) , geschrieben, 
weiche als der Schlüssel zu den meisten anderen Arbeiten A.'s zu betrachten ist. 

Eduard Zeis, Rede zum Gedächtnisse des .... Dr. F. A. von Am moii im Auf- 
trage der GeHellschaft für Natur- und Heilkunde grchalten. Dresden 1861, 8. 

Gurlt. — "Winter. 
Ammonius, s. Agricola, Johann. 

Ammonius aus Alexandria wird von Celsüs VII , 1 , neben GOEGIAS, 
SOSTRATÜS, Heron Und den beiden ApolloniüS unter den hervorragendsten 
Chirurgen genannt. Er erhielt den Beinamen Xi'dt>T6[A0<; (Steinschneider) , weil er 
bei der Operation des Steinschnittes zu grosse Blasensteine durch Zerstückelung 
entfernte, wie es Celsüs VÜ, 26, 3 sub fin. beschreibt. Helmreich 

*Amneus, Axel Johann A. , Kranken- und Curhausarzt zu Boras in 
Schweden, ist am 14. December 1833 im Pfarrhofe zu Gudmimdra in Ängermanland 
geboren, studirte von 1851 an in Upsala, wurde 1865 Doctor der Medicin mit der 
1866 umgearbeitet erschienenen Abhandlung: „Gm Kronpriiiseyi Carl Augusts 
dödssätt och de rättsmedicinsha laifvudpunkterna af rättegängen mot üossi^, 
wurde 1865 Arzt des Löwenström' sehen Krankenhanses und kam 1868 in seine 
jetzige Stellung, nachdem er 1866 und 1867 mit Stipendien Reisen nach Wien, 
Paris, Berlin zu gerichtlich-medicinischen Studien gemacht hatte. — Von wLssen- 
Bchaftlichen Arbeiten ist noch zu erwähnen: „Gm General G. v. Döbelns hlessyr" , 
„Fall af atresia vaginae" (beide in üpsala Läk. föreu. forhandl. Bd. IV ,i 
j,Om analkontralctur och fissur"^ (Westergötlands och Smalands Läk. fören. forhandl. 
H. ni) und eine Biographie des Leibarztes Franz Josef Anton Rossi (Ny Illustrerad 
Tidning, J868). 

Wistrand, Bruzelius, Edling, I, pag. l!^. G. 

Amoreux, Pierre-Joseph A. , Professor und Bibliothekar der medi- 
cinischen Facultät in Montpellier, w^ar zu Beancaire (Gard) in der Mitte des 
18. Jahrhunderts als Sohn eines Arztes geboren, studirte in Montpellier, that 



128 AMOREUX. — AMPSING. 

«ich frühzeitig: bei den akademisehen Concursen hervor und erhielt mehrere Preise 

von versehiedenen gelehrten Gesellschaften Europas. 1762 erschien von ihm eine 

kleine Abhandlung: : j^ Tentamen de noxa antmalium, cujus veritatem .... tueri 

conabitur*^ (Avenion. 1762, 4.). Nachdem er Bibliothekar der genannten FacultSt 

geworden war, widmete er sich ganz bibliographischen Studien, imter denen die 

über Geschichte der Medicin und Thierheil künde und der Naturwüssenschaften die 

hauptsächlichsten waren. Seine Arbeiten sind zwar sehr fleissig, aber nicht eben 

durch Kritik ausgezeichnet. Von denselben führen wir die folgenden an: „Recherches 

et expMences sur les divers lichens dont on peut faise tisage e?i midecine et 

dans les arts*' (Lyon 1787) und eine gekrönte Preisschrift: „Nottees des tnsectes 

de la France y rSput^s vinimeux etc," (Paris 1789). Sein „Essai historique 

et littfiraire sur la mSdecine des Arabes^ (Montpellier 1805) ist von geringer 

Bedeutung; ebenso stellt sein: PrScis historique de V art vStSrinaire" (Montpellier 

1810j durchaas nicht eine Geschichte der Thierheilkunde dar, sondern eine 

Sammlung von kleinen Schriften über die Hausthiere. Dagegen hinterliess er eine 

bereits 1805 von ihm angekündigte, aber bis zu seinem 1828 erfolgten Tode 

noch nicht vollendete: „Bibliographie raisonnie de Vart vitirinaire etc.", die 

sich, zwei handschriftliche Quartbände umfassend, im Besitze der Thierarznei- 

schule zu Alfort bei Paris befindet und in der die meisten Büchertitel mit 

raisonnirenden Kritiken begleitet sind. — Ausserdem hat er, abgesehen von 

historisch-biographischen, naturhistorischen, landwirthschaftlichen u. s. w. Schriften, 

die sich bei Erscu und QrEttARi) verzeichnet finden, einer Reihe kleiner Arbeiten 

und Aufsätze hinterlassen. 

ErRch, Gelehrt. Frankr. I, pag. 12: Xachtr. 1, pap 7. — Qiierard, I, pag. 3o. 
— Dict. histor. I, pag. 111. — Callisen, I, pag. 144; XXVI, pag. 49. — Sehr ad er- 
Hering, pag. 12. Red. 

*Ainory, Robert A., Phamiakologc zu Bostou, schrieb 1869 über die 
physiologische Wirkung des A t r o p i u und seine Anwendung im Tetanus, in dem- 
selben Jahre mit S. G. Weüber eine Stundie über Veratrin, 1870 eine expe- 
rimentelle Arbeit: y^Physiological action of nitrous acide.^ 

Index catalogue. Red. 

Ampsing, Johannes Assucrus (AMPZiXGirs) A. , Professor der 
Medicin in Rostock und Leibarzt des Herzogs von Mecklenburg, um 1560 zu 
Ootmarsum in Overijssel in Holland geboren, war aniUnglich Prediger in seinem 
Geburtsorte und von 1583 in Haarlem, verli^ss aber 1591 die Theologie, wandte 
sich der Medicin zu und wurde Leibarzt des Fürsten von Ost-Friesland. Später 
ging er nach Schweden , wurde dann Stadtphysicus in Wismar und später in 
Rostock : auch wurde er an der dortigen rniversität zum Professor der Medicin, sowie 
zum Leibarzt des Herzogs Karl von Mecklenburg und des Herzogs Ulrich von 
Holstein ernannt. Er starb zu Rostock am 19. April 1642. - Ausser seinen hier 
nicht anzuführenden theologischen Schriften ist zu nennen die: „Dissertatio 
iatroTnathematica, in qua de medicinae et astronomiae praestantia deque utrius- 
que indissolubüi conjugio disseritur*^ (Rostoch 1602, 1618, 1629, 1630). Er 
schrieb noch, ausser einer grossen Reihe von anderen Dissertationen, u. A. : „De 
morborum differentiis liber." (1619) — „Hortus affectionum capillos et pilos 
humani corporis infestantium" (1623) — „Bedenken, wie man sich in jetzigen 
Sterbensläuften (Pest) sowohl in Praecautione als Curatione zu verhalten 
durch floh. Bacmeisterum und Joh. Assuerum" (Rostock 1624). In dem von 
ihm verfassten: „Programma in obitum Petri Deichmanni" (Rostock 1626) 
behauptete er die Seligkeit der ungetauften Kinder der Christen und gerieth 
dadurch mit dem Privat-Docenten Jakob Dürfeld und dem Pastor Chr. Michaelis 
in Rostock in Streitigkeiten. 

K estner, Medic. Gelehrten-Lexikon pag. 3(3. — Haller, Bibl. med. pract. 
II, pag. 357. — van der Aa, J, pag. 201. — Bei Blanck (pag. 19) ist er als Johann 
A s s V e r u s aufgeführt. q^ 



AMUSCO. — AMÜSSAT. 129 

/Amusco, Juan Valverde de A., (Valverde) ist berühmt als einer 
der bedeutendsten Anatomen Spaniens, der zunächst für sein Vaterland das grosse 
Verdienst hat, die galenische Anatomie dort erschüttert und die bahnbrechenden 
Ideen Vesal's importirt zu haben. Sein (jeburtsjahr ist nicht genau bekannt. 
Seine erste umfangreichere Schrift, die jedoch Anatomisches noch nicht enthält, 
sondern: „De animi et corporis sanitate tuenda" handelt, datirt aus dem Jahre 
1552 und wurde zuerst in Pavia gedruckt, im Folgejahre bereits in Venedig neu 
nofgelegt. Nach Rom, wo er seine reformirenden Anschauungen speciell bei 
COLOMBO erhielt, gelangte A. wahrscheinlich erst später als Leibarzt des Cardinais 
Johann von Toledo, den er nach Italien begleitete. Was in seinem Hauptwerke: 
jfHistoria de la composicion del euerpo humano" (Rom 1556) unter der über- 
wiegend compilatorischen Wiedergabe VESALi'scher und COLOMBO*scher Ent- 
deckungen an Originaluntersuchungen steckt, erscheint fraglich. Gewöhnlich 
werden einige Auslassungen über die Hautvenen, über die oberflächlichen Muskeln 
und den Uterus als eigene Arbeit A.*s betrachtet. Jedenfalls traf seine Arbeit auf 
em höchst empfängliches und dankbares wissenschaftliches Publikum. Da der 
spanischen Ausgabe (die mit Figuren von Gaspard Bejebra geschmückt war) 
bereits 1560, eine italienische (Rom, zweite Auflage, 1606, Venedig) und 1589 
eme lateinische: „Anatome corporis humani^ (Venedig 1589 und 1607) folgte, 
BO darf V. oder A. unbestritten als ein für das ganze westliche Europa sehr be- 
deutungs?oller Propagator der neuen Erkenntniss bezeichnet werden. 

Biographie medicale. I. Red. 

Amussat, zwei Pariser Chirurgen, Vater und Sohn. Jean-Zul6ma A. 
war am 21, November 1796 zu Saint-Maixent (D6p. des Deux-Sövres) geboren, 
WO sein Vater Arzt war. Von demselben und einem Chirurgen seiner Heimat 
Sbbvan erhielt er seine ersten medicinischen Kenntnisse, so dass, als ihn im 
Jahre 1814, im Alter von 17 Jahren, die Conscription traf, er als Sous-aide 
bei der Armee eingestellt werden konnte. Nach Beendigung des Krieges ging er 
nach Paris, um seine medicinischen Studien, trotz der sehr beschränkten Mittel, 
die ihm zu Gebote standen, fortzusetzen. Durch TaOüSSEL warde ihm Gelegenheit 
gegeben, an den anatomischen Arbeiten in der Salpetri6re Theil zu nehmen und 
nach seinem ersten Studienjahre wmrde er durch Concurs Externe in der Charit^, 
WO er eine Wohnung und Gelegenheit zu weiteren anatomischen Studien erhielt 
nnd Yon Lherminieb, wegen des von ihm gezeigten Interesses für die pathologische 
Anatomie, seiner Hospitalabtheilung beigegeben und später mit seiner Zuneigung 
bedacht wurde. Zwei Jahre später, 1817, erwarb er darch Concurs das Internat, 
kam nach der Salpetri^re zurück und erfand in Folge seiner Untersuchungen des 
Kfiekenmarkes , in welchem er die durch Epilepsie herbeigeführten pathologischen 
Veränderungen finden wollte, das seitdem überall gebrauchte Rhachiotom. Auch 
begann er um diese Zeit, zunächst für Künstler, anatomische Privat-Curse zu halten, 
die er, nachdem er im December 1821 durch Concurs Anatomie-Gehilfe geworden 
war, verdoppelte und verdreifachte, indem er Curse über Anatomie, Chirurgie und 
Operationslehre ertheilte. Bevor er indessen seine Absicht, um das Prosectorat der 
Facultät zu concurriren, erreichte, wurde er durch eine leichte, mit Infection 
verbandene Verletzung an den Rand des Grabes gebracht und seine Gesnndheit 
dadurch so geschwächt, dass er nach wiederholten Erkrankungen für immer den 
Concursen entsagen musste, deshalb weder Hospitalarzt geworden, noch in die 
medicinische Facultät gekommen ist und sich demzufolge auf privaten Unterricht 
bat beschränken müssen. Mit dem Jahre 1819 begann die lange Reihe seiner 
Pnblicationen , nämlich mit einer „Observation d^une dSchirure de VutSrus chez 
^me femme enceinte*^ (Nouv. Journ. de m6d. T. V, 1819 und Rec. pöriod. de la 
Soc. de m6d. T. 69). In einer „Note sur la possibilitd de sonder VurUre de V komme- 
<ivec une sonde tout-ä-fait droite, sans Messer le canal; ce qui h donnS Vid^e 
iextraire les petits calculs urinaires encore contenus dan% la vessie, et de briser 

Biogr. Lexikon. I. 9 



i 



130 AMUSSAT. 

les gros avec la pince de Hunter modifi^e^ (Ibid. T. 13, 1822), trat er als einer 
der Concurrenten auf, welche sich gpäter die Erfindung der Lithotripsie streitig 
gemacht haben. Die nachstehenden, schnell aufeinander folgenden Mittheilungen 
wurden grösstentheils der Acadömie de mMecine vorgelegt und in den Berichten 
über deren Sitzungen in den Archives g6n6rales etc. veröffentlicht. In seinen 
„Bemarques sur VurUre de Vhomme et de la femme d* apres lesqiielles onpropose 
d'employer des iiuttrument^ droits etc,^ (1823), schlägt er gerade Instrumente 
für den seitdem als ^»gradelinigen" bezeichneten Katheterismus und filr die 
Extraction, sowie Zerstörung von Fremdkörpern in der Blase vor. Seine Denkschrift : 
„Sur Vusage des injections forcees contre les retrecissement^ de VurHr*'.^, welche 
sich über die pathologische Anatomie der Stricturen auslässt, nimmt fünf Arten 
von organischen Verengerungen an. In den Abhandlungen: „Recherches sur 
Vappareil hiliaire'^ und „D'yne x^alvule speciale dans le col de la vesicule 
biliaire" (1824) zeigte er den Mechanismus des Abflusses der Galle aus der 
Gallenblase und kam auf ein ähnliches Thema noch einmal, 18 Jahre später^ 
1842, in einer dem Institut überreichten Denkschrift: „ConsidSrattons sur le 
mScanisme du cours de la Mle dans les canaux biliaires" (Comptes rendus 
T. XV) zurück. — Das Jahr 1824 brachte ihm auch die Ehre, als Mitglied in 
die Akademie der Medicin aufgenommen zu werden , noch ehe er selbst da» 
Doctor - Diplom erlangt hatte. — Seine „Recherches sur le Systeme nerveux** 
(1825) hatten zum Zweck, die Anordnung des Ursprunges der Nerven vom Rücken- 
mark zu zeigen, während er in einer anderen anatomischen Arbeit die Com- 
munication der Venen mit den Lymphgefilssen nachwies. 1826 legte er der 
Akademie eine Denkschrift: „Sur les rapporf^ anatomiques de Vart^re Spi- 
gastrique dans les difftrentes esp^ces des hernies'^ vor und verband damit 
praktische Betrachtungen über eine besondere Art der Taxis. 1826 vertheidigte er 
behufs seiner Promotion in der Facultät eine These: „Quelques consid^aiions sur 
VStude de Vanatomie*^, die besonders den Nutzen von Thier - Experimenten für 
physiologische Zwecke darthut. 1827 und 1828 stellte er eine Reihe von Vivi- 
sectionen über traumatische Hämorrhagien und die Mittel zu deren Stillung an 
und Übergab 1829 dem Pariser Institut ein versiegeltes Packet, das seine Unter- 
suchungen über die Torsion der Arterien enthielt, über welche er bald 
darauf vor derselben Körperschaft einen Vortrag hielt. Es ist dies eine von 
Amussat's ingeniösen Erfindungen, mit der sein Name für alle Zeiten genannt 
werden wird. Ausserdem hatte er bis zu dieser Zeit noch eine weitere Reihe von 
Arbeiten veröffentlicht, deren Anführung ihrem Titel nach allein schon genügt, um 
deren Mannigfaltigkeit darzuthuu. Zunächst einiges auf die Hamwege Bezügliche : 
„Nouvel Instrument pour briser la pierre^ (1825) — „De la destruction des 
rStr^cissemejits de Vuretre au moyen d^ Instruments appropriis** (1825) — „Quel- 
ques rlflexions sur le mScanisme de VexcrHion de Vurine^ (1826) — „Sur les 
sondes urStrales^ (1827) — „Lithotrttie et lithotomie^ (1827) — „Nouvel Instru- 
ment pour Vextraction des calcuLs arrefh dans VurHre^ (1827) — „Observations 
de cystotomie suspubienne^ (1828) u. s. w. ; dann einige physiologische Arbeiten: 
„Particularites anatomiques de Vappareil biliaire^, (1827) — „Fausseti de 
Vopinion de Bogros sur Vexistence d! un canal daiis les nerfs^ (1827) — 
„Autopsie cadaverique d''un pmdu^* (1828) und einige chirurgische Mittheilnngen : 
„Extirpation de la glande sous-maxillaire^ (1827) — „Operation de sarcocHe*' 
(1828) u. s. w. — 1832 wurden seine: „Le(;o7is sur les retentions d'unne, 
causees par les retr^cissements du canal de VurHre et sur les maladies de* la 
prostate. Publiees sous ses yietix par A. Petit (de Vlle de R^)^ publicirt und 
im folgenden Jahre zweimal in 's Deutsche übersetzt („Vorträge über Verengerungen- 
der männlichen Harnröhre u. s. w., übersetzt von Lorch", Mainz 1833 und „Vor- 
lesungen über die Harnverhaltungen u. s. w., Weimar 1833"). In demselben Jahre, 
1832, erschien seine „Table nynoptique de lithothrypsie et de la cystot&mie 
hypogastrique ou mieiix poi^ta o-pubiennv^' (4.), in welcher er den Ursprung der 



AMUSSAT. 131 

LithotripBie in. das Jahr 1822 , in welchem er die Möglichkeit des Katheterismus 
mit geraden Instrumenten gezeigt hatte , zurückverlegte. Weiter gab er heraus : 
„(hncretians urinaires de Vesp^ce humatne, cldssSea 80U8 le double rapport de 
leur voluvie et de lenr forme, pour aervir h indiqner les difficultSs que Von 
peitt rencontrer en pratiquant la lithothrypsie et la cystotomie" (Paris 1832); 
in's Deutsche, Weimar 1833 und zweimal in's Englische, Charleston 1836, 
Philadelphia 1840, übersetzt). Es gehört zu Amussat's besonderen Verdiensten, 
auf die fast vergessene S e c t i o a 1 1 a , als die am wenigsten verletzende Art des 
Steinschnittes zurückgekommen zu sein und dieselbe warm empfohlen zu haben. — 
1835 machte er die Darmnaht zum Gegenstande interessanter experimenteller 
Untersuchungen; in demselben Jahre gab- er in seinen „Nouvelles recher ches sur 
les htmorrhagtes trmimotiques suivtes de quelques considSrations aur Vimportance 
des vmaecttans*^ (Mtooires de TAcad. de m6d. , T. V) Aufschluss über den ver- 
ächiedenen Charakter der arteriellen und venösen Blutungen, den bei letzteren 
mdglichen Lufteintritt und über die Torsion der Arterien. Den Luft eintritt in 
die Venen behandelte er 1839 noch einmal in seinen „Beckerches sur V introduction 
acddentelle de Vavr dana lea veinea etc," (Bullet, de TAcad. T. II), welche 
zahlreiche Thier- Experimente und eine Sammlung aller beim Menschen in dieser 
Riebtung gemachten Beobachtungen enthalten. Auch später noch beschäftigte ihn 
derselbe Gegenstand wiederholt , so in „ Quelquea conatderationa nouvellea aur la 
dispositio-n dea tumeura aanguinea et aur lea ipanchements de aang qui ae 
forment afrha lea hle^aiirea dea vm'aseaux" (Paris 1842), femer in den : „Becherchea 
exfirimentalea sur lea bleasurea dea art^rea et dea veinea. liSsumd de troia mimoirea 
leshVAcad. roy, dea ac,^ (1843). — Eine 1835 von ihm mit glücklichem Erfolge 
bei einem Neagebovenen ausgeführte Bildung eines künstlichen Afters in der 
Analgegend „Obaervatian aur une Operation d^anua artißdel par un nouveau 
frocM h la rSgion anale d'un enfant nouveau-ni, dana un caa d!dbaence con- 
ginitale du rectum, auivie de quelquea r4ßexiona aur lea ohturationa du groa 
intestin" (Vortrag im Institut) , . wurde der Aasgang von weiteren Untersuchungen 
in dieser Kichtung. In einem „MSmoire aur la poaathilitS d'etabltr un anua 
artißdel dana la rSgion lombaire aana penHrer dana le peräoine^ (Paris 1839), 
einem „Deuan'hne mhnoire aur la poaaibüiti etc.^^ (Examinateur m6d. I, 1841), 
der „Relation de la maladie dea Brouaaaia , auivie de quelquea reßeonona 
prattquea aur les obatructiona du rectum^ (Paris 1839) und einem „Troiaieme 
mhndre etc,^ (Ibid. III, 1843), sowie in einer „Belatwn d'une opSration 
d'interotomie lombaire*^ (Gaz. m6d. 1844), sprach er sich Über die Obstractionen 
des Rectum und die durch dieselben erforderte Bildung eines künstlichen Afters 
in der Lumbargegend, nach dem Vorgange von Callisen, aus und räumte dem- 
selben den Vorzug vor dem LiTTRE'schen Verfahren ein. — Ebenso gab ihm die 
Bildung einer künstlichen Vagina den Anlass zu einer Arbeit über die Bildungs- 
fehler der Seheide: „Observation atir une Operation de vagin artißdel prati- 
quk avec auccea par un nouveau procid^, suivie de quelquea r6ßexiona sur les 
vices de conformation du vagin^ (Paris 1835). 1836 zeigte er in einer Denkschrift 
ober den Krampf der Harnröhre : „Du apaame de Vuretre et des obstacles vSritables 
qu'on peut rencontrer*^ (Gaz. m6dic. 1836), dass dieser allein nicht genüge, um 
sieb dem Einführen des Katheters in die Blase zu widersetzen. — 1837 empfahl 
er die Cauterisation bei der Behandlung von Harn-, namentlich Hamröhrenfisteln. — 
1838 zeigte er, dass für die umschlungene Naht Nadeln aus Platin grosse Vor- 
theile darbieten. — In den folgenden Jahren beschäftigten ihn unter Anderem 
Affeetionen des Uterus; so in dem „Memoire sur la ritroverdon de V Uterus 
dans l'etat de la grosaeaae" (Journ. de chir. , T. I, 1843), welches, ausgehend 
von zwei glücklieh verlaufenen Fällen, eine Sammlung der einschlägigen bekannten 
Beobachtungen enthält. Das „Memoire aur Vanatomie pathologique dea tumeurs 
fibreasea de Vutirus et atir la j)ossibilit6, d\xtirper ces tumeurs^ that die Mög- 
licbkeit der Exstirpation dieser Gesehwülste, wenn sie noch im Uterus 

9* 



i 



i 



132 AMüSSAT. 

befindlich sind, dar und regt, unter AnfQhrung von zwei dahin gehörigen Be- 
obachtungen, mehrere neue Fragen über die Art der Entfernung jener Tumoren 
durch Torsion oder Zerstückelung an. Später empfahl er auch noch ein operatives 
Verfahren bei Retroversion des Uterus anzuwenden: „De la possibilitS de redresser 
d'une manihre permanente Vut^rus en rStroversum par la soudure du col h 
la partie posterieure et supSrieure die vagin^ (Paris 1851). — Die Verbreitung 
der Tenotomie in ihrer Anwendung auf das Schielen und das Stottern (1840 — 1841) 
veranlasste auch AlMüSSAT zu einer Reihe von Operationen, durch die aber sein 
Ruhm in keiner Weise vergrössert wurde, — Unter der Bezeichnung „Cicatrtces 
d'allongement'^ empfahl er 1842, zur Vermeidung der Narbenzusammenziehung, 
täglich den oder die Wundwinkel wund zu machen. Später beschäftigte ihn auch 
die Behandlung der inneren Hämorrhoiden, indem er in einem „MSmovre 
»ur la destruction de Mmorrhöides internes par la cautSrtsation drculaire de 
leur pSdicule avec le causttque de pota^se et de chaux (caustique solidißS de 
M. Filhos)", theils durch die Ligatur, theils durch die Cauterisation oder eine 
Combination beider Verfahren, deren Entfernung empfahl. Aus der letzten Zeit 
seines Lebens ist noch anzuführen eine Abhandlung: „Quelques considerations 
mir la rSduction des kemies 4trangl4es, et en particulier sur le procSd6 de 
taxis** (Revue m6d. 1848 , I) und „ Quelques considerations sur Vhygihie du 
peuple des campagnes^ (Lie Richesse du cultivateur 1849), sowie „Quelques 
rSßexions sur la curabilitS du Cancer" (Paris 1854). 

Aus der blossen Aufzählung von Amussat*s literarischen Leistungen, unter 
denen sich, wie man sieht, kein grösseres Werk, aber eine Menge von Aufsätzen 
über Gegenstände aus der Anatomie, Physiologie und Chirurgie befinden, ist schon 
die Vielseitigkeit seines Genies nnd seiner Erfindungsgabe ersichtlich. Uebex die 
Originalität seiner Arbeiten kann nach den Preisen , die ihm von hohen wissen- 
schaftlichen Körperschaften ertheilt worden sind, kein Zweifel obwalten ; er erhielt 
für seinen Antheil an der Erfindung der Lithotripsie 2000, für die Torsion der 
Arterien 6000, für die Arbeit über Lufteintritt in die Venen 4000 und für die 
über Enterotomie in der Lumbargegend 3000 Francs. In Verbindung mit allen 
diesen Arbeiten und Erfindungen ist A.'s Name in der ganzen wissenschaftlichen 
Welt bekannt geworden und wird mit ihnen für ewige Zeiten in inniger Gemein- 
schaft bleiben. Er stellt insofern eine sehr seltene Erscheinung dar, als er za 
diesem Ruhme gelangt ist, ohne jemals zu einem akademischen Lehrkörper gehört 
und ohne jemals die Stellung eines Hospitalarztes eingenommen zu haben. — Als 
Operateur war A. ein grosser Künstler; er war passionirt für seine Kunst, die 
er jedoch mit Vorsicht und Festigkeit und ausserordentlicher Geschicklichkeit aus- 
übte; seine Chirurgie trug gleichwohl entschieden den conservativen Charakter. 
Die von ihm angegebenen oder verbesserten Instrumente sind zahlreich; darunter 
sind namentlich die geraden Katheter, Urethrotome, Aetzmittelträger und Stein- 
zertrümmenings- Instrumente hervorzuheben, ohne von verschiedenen anderen In- 
strumenten , wie den Torsionspincetten , Pessarien u. s. w. , die seinen Namen 
tragen, zu sprechen. Der hervorragende Antheil , den er an akademischen Dis- 
eussionen nahm, namentlich an der lange fortgesetzten, welche eine Parallele 
zwischen der Lithotomie und Lithotripsie betraf, wird unvergessen bleiben. Dem 
Unterricht hatte er sich, wie oben bereits angeführt, schon gewidmet zu einer 
Zeit, als er selbst noch ein Schüler war; später ertheilte er sehr besuchte Curse 
über Anatomie, Operations- und Bandagenlehre und Experimental-Chirurgie , und 
hielt wöchentliche chirurgische Conferenzen, in denen er seine Erfahrungen und 
die Resultate seiner Beobachtungen den einheimischen und fremden Aerzten, die 
jene besuchten, mittheilte. 1831 veranstaltete er auch einen Cursus über Militär- 
Chirurgie für die jungen Aerzte, die dazu bestimmt waren, sich zur afrikanischen 
Armee zu begeben. — Als ein sehr wohlwollender und wohlthätiger Charakter 
erwarb er sich auf dem Gebiete des ärztlichen socialen Lebens auch dadurch 
Verdienste, dass er 1831 den später unter der Aegide von Obfila stehenden, als 



AMUSSAT. — ANAGNOSTAKIS. 133 

„Soei6tö de prtvoyance" bekannten ärztlichen Hilfsverein begründete und durch 
letstwillige Verfügung Preise für die besten Schriften auf dem Gebiete der Ex- 
perimental-Chirurgie stiftete. — Nach einem Kranksein von nur wenigen Tagen 
starb er am 13. Mai 1856, erst 59 Jahre alt. 18 Jahre später, am Ostermontag 
1878, fand auf dem Hauptplatze seines Geburtsortes, zu ewigem Andenken an ihn, 
die Au&tellung seiner Broncebüste statt. 

Larrey in Bulletin de TAcad. imp6r. de med., T. XXf, 1855—1856, pag. 765. — 
E. Beaugrand bei Dechambre, IV, pag. 14. — Callisen, I, pag. 148, XXVI, pag. 51. 

Gurlt. 

Amussat, Alp hon se, der Sohn, 1821 zu Paris geboren, hatte sich 
der fördernden Anleitung seines Vaters zu erfreuen , dessen Arbeiten, mit ver- 
beößerten Varianten versehen, er mehrfach herauszugeben Gelegenheit hatte. Seine 
Doctorats - These schrieb er: „De Vernploi de Veau en Chirurgie^ (Paris 1850), 
(in's Englische übersetzt von Frank H. Hamilton. Buffalo 1851). Später folgte 
eine Arbeit: j^De la cautSnaation circulaire de la base des tumeurs hSmor- 
rhoidales internes compliquSes de proddence de la muqueuse du rectum^ 
(Paris 1854). Er wurde ein Hauptförderer der Galvanokaustik in Frankreich. 
Von 1855. an, wo er zuerst der Acad6mie des sciences über seine galvano- 
kanstischen Operationen Bericht erstattete, hat er nicht aufgehört, für die Ver- 
Tollkommnung dieser Operationsmethode zu wirken. So hat er den GBENBr'schen 
Apparat wesentlich verbessert, eine ganze Keihe von Instrumenten für die ver- 
schiedensten Operationen ersonnen nnd alle seine Arbeiten auf diesem Gebiete in 
dem Werke: „MSmoires sur la galvanocaustique therrnique, avec 44 figures ttc.^ 
(Paris 1876) zusammengefasst. — A. Sohn hatte ebensowenig wie sein Vater je 
ein Hospital zur Verfügung, noch stand er zu der medicinischen Facultät in Be- 
ziehungen. Beide aber waren unausgesetzt darauf bedacht, wie sie aus eigenen 
Mitteln lehrend und helfend wirken konnten. Alphonse A. errichtete ein eigenes 
„Dispensaire pour les maladies g6nito-urinaires^', das insbesondere für Steinkranke 
bestimmt war und es ihm ermöglichte, indem er den Namen seines Vaters zur 
vollsten Anerkennung brachte, sich selbst einen geachteten Namen als einer der 
gediegensten chirurgischen Praktiker zu erwerben. In einem noch jüngeren Lebens- 
alter als sein Vater, nflmlich erst 57 Jahre alt, nachdem er noch die Freude 
gehabt hatte, der Einweihung des Denkmals für seinen Vater beizuwohnen, ver- 
sUrb er am 31. März 1878. 

gjj H. Schweitzer in Berliner klin. Wochenschrift 1878, pag. 576» Gnrlt. 

Amwald, Georg A., (eigentlich Am und VOM Wald), auf Dnmhoff, 
wahrscheinlich aus Bayern, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebend, 
ursprünglich JurLst, später einer der bekanntesten paracelsistischen Abenteurer, 
prakticirte Anfangs in Augsburg, von wo er durch obrigkeitlichen Beschluss aus- 
getrieben wurde, später in Donauwörth. Seine Panacea, deren Hauptbestandtheil 
wahrscheinlich Zinnober war, erfreute sich seiner Zeit eines ausserordentlichen Rufes. 

Haller, Bibliotheca practica, II, 234. — Dentsche? Biographie. 

W. Stricker, 

Amyntas , A. de Rhodos, Mitglied der akxandrinisehen Schule, 
von Galen als Erfinder der genau beschriebenen Bandage für den Bruch der 
Nasenbeine (Vormauer, boulevart) aufgeführt. Seine Identität mit dem wegen 
emer Verschwörung gegen das Leben des Ptolemaeus Philadelphcs am Ende des 
dritten Jahrhunderte vorchristlicher Zeitrechnung hingerichteten A. ist nicht sicher 
festgestellt. 

Biographie m^dicale. I. Red. 

^Auagnostakls, Andr6 A. Auf Creta im Jahre 1826 geboren, studirte 
A. in Athen, Berlin und Paris — hier vorwiegend unter Desmarrks* und 
Sichel's, dort unter v. Graefe's Anleitung und promovirte 1849. Director des 
ophthalmiatrifichen Instituts in Athen wurde er 1854, Professor der Ophthalmologie 



V 



134 ANAGNOSTAKIS. — ANCELL. 

an der dortigen Universität 1856. Viele Ehrenbezeugungen (so das Rectorat 1877, 
die Präsidentschaft dortiger gelehrter Gesellschaften und des medicinischen Con- 
gresses) wurden ihm in den Folgejahren zu Theil. A. ist seit 1854 Mitarbeiter 
der Brüsseler Annales d'oculistiques. Seine Schriften sind folgende: „Essai sur 
V explorcUion de la ritine et des milteux de Voeil sur le vivant au moyen dünn 
nouvel ophthalmoscope^ (Paris 1854) — „Remarqties pratiques sur le traüement 
chirurgical de Ventropion et du trichiams*^ (1857) — „De V Ophthalmologie 
en Grhce et en Egypte^ (Bruxelles 1858) — „Mäanges ophthalmologiques*' 
(Äthanes 1861) — „Contributions h Vhistoire de la Chirurgie oculaire chez 
les anciens*^ (1872) — „Encore deux mots sur Vextraction de la cataracte 
chez les anciens^ (1878) — „'laTpixi] ^Eyifj'xept;" (1858) — y^Hepl töv of^XpiCxcSv 
wa^v" (1871) — „MsyeTat tU^X t^; öttw^^ töv ap^at^v" (1878) — „Ilepl 
'fffi 7rveu(i.aTüc5]5 'irpoöSou toO 'EXXijvtxoO e^oi»;" (1875). j^^^^ 

Anatolius, ist einer von den Schriftstellern über Thierheilkunde , aus 
deren Werken die von Konsta^itinüs PorphybogenitüS veranstalteten Samm- 
lungen der Hippiatriker und Geopnoiker geschöpft sind. Die erhaltenen Fragmente 
(Hipp. c. 1, 14, 15, 42, 70, 86) über die Behandlung und Pflege des Pferdes 
sind unbedeutend und gewähren keinen Anhaltspunkt für die Bestimmung der 
Lebenszeit des Verfassers. He Im reich. 

AnaxagoraSy aus Klazomenä, der bekannte Philosoph und Freund des 
Perikles, schrieb die Entstehung der acuten Krankheiten einer Versetzimg der 
Galle auf die Lungen, Venen und die Pleura zu, kannte die Seitenventrikel des 
Gehirns und behauptete die Eutstehung der männlichen Frucht in der rechten 
Seite des Uterus. Helmreich. 

Ancell, Henry A., Arzt in London, war am 2. Januar 1802 zu Croydon 
geboren, kam im Alter von 16 Jahren zu einem Arzte in Suffolk in die Lehre, 
verblieb daselbst vier Jahre und besuchte dann einen Winter lang modicinische Vor- 
lesungen in Edinburg. 1823 verliess er England, hielt sich zwei Jahre in Nordamerika 
auf, kehrte aber 1825 nach England zurück, trat mit seinem Bruder, der eine 
Apotheke hatte, in ein Compagniogeschäft und besuchte während dieser Zeit Vor- 
lesungen im St. Georges- und St. Thomas-Hospital in London, hielt sich auch einige 
Monate in Paris zum Besuche der Hospitäler auf. Nach Zurücklegung seiner Studien 
Hess er sich als praktischer Arzt im Westend von London nieder. 1836 wurde er 
Chirurg des Western General Dispensary und hielt bis zum Jahre 1848 Vorträge 
über Materia medica, Therapie und gerichtliche Medicin an der zum St. Georges- 
Hospital gehörigen medicinischen Schule und später auch über gerichtliche Medicin 
an der medicinischen Schule von St. Mary 's HospitaL Er publicirte in den Jahren 
1839, 1840 in der Lancet die von ihm in der erstgenannten neuen Schule 
gehaltenen Vorträge über ^Physiologie und Pathologie des Blutes*^ fvon L. PoSNER 
1844 als „Vorlesungen über die Physiologie und Pathologie des Blutes u. s. w." 
in's Deutsche übersetzt) imd gab 1844 eine Reihe von Commentaren zu den 
Lehren von Liebig, die auch in deutscher Bearbeitung und mit Anmerkungen unter 
dem Titel „Liebig\s Thiercheviie und ihre Gegner' u. s, tc." fvon A. W. KrüG, 
Pest 1844) erschienen. 1852 vcröftontlichte er einen 800 Seiten starken Band 
„A treatiseon tuberculosis, the constitutionnl origin of consumption and scrofula*' y 
ein Werk, das, einer Encyklopädie des Gegenstandes gleichend, historisch die 
Ansichten der Autoren darüber von Hippokrates an berücksichtigt und ver- 
werthet. 1853 und 1854 lieferte er für das British Medical Journal einige weitere, 
die Tuberculose betrefFeude Abhandlungen und verfasste für die neue Ausgabe 
von Goopeb's Surgical Dictionary eine grosse Reihe von Artikeln, welche die 
verschiedenen pathologischen Zustände des Blutes betreffen. Zur Zeit 
seines am 19. November 1863 erfolgten Todes hatte er ein Werk über die Blntgifte 
nahezu vollendet. — Neben dieser wissenschaftlichen Thätigkeit war A. SecretÄr der 



ANCELL. — ANDEESON. 135 

^National Association of General Practitioners" nnd des daraus hervorgegangenen 
„National Institute^, war eines der ersten Mitglieder des 1853 gegründeten haupt- 
stadtisehen Zweiges der „Provineial Medical and Surgical Association'^ und zeigte 
das lebhafteste Interesse für die durch das Parlament zu bewirkende Medicinalreform. 

British Medical Journal, 1863, II, pag. 588. — Medical Times and Gaz. 1863, 
JI, pag. 601. O, 

Audaloro, Andre A. , Arzt in Messina, der im Anfang des 18. Jahr- 
hunderts lebte, und von dem folgendes Werk erhalten ist: II caf4 de8critt4)y ed 
examinato nel quäle priiova con ragiont, che la virtd della bevanda del caf4 
dependS pint-tosto dalV acqtia calda, che dal seme del cafe ahrustolito" (Messina 
1702). MONGITORE erwähnt noch andere Schriften A.'s, die gerade zum Druck 
fertig waren, als ihn der Tod ereilte. 

Mazzuchelli. Red. 

Anderson. Neuere Bibliotheksverzeichnisse enthalten die Schriften von 
gegen 30 englischen, schottischen und amerikanischen Autoren dieses Namens, von 
denen jedoch über 20 nur einzelne Thesen, Addresses, Briefe etc. veröffentlicht 
haben. Henorragender sind : James 1 A. mit seiner y^ Address on retiring from 
the presidetitial chair of the New-York academy of medicine^ (New- York 1867). 
— John 1 A. als Verfasser der „Medical remarks on natural, spontaneous 
and artißcial evacuation" (London 1787). — John 2 A. mit seiner „Sketch 
of the comparative anatomie of the nervous System ; xdth remarks on its deve- 
lopment in the human emhryo^ (London 1837). — M*Call A., welcher in seiaen 
y,CorUributions to dermatologie" (Glasgow 1866) über die Parasiten bei Favus, 
Tinea tonsurans und Pityriasis versicolor schrieb. — Thomas A. wegen eines 
yfEandbook for yellow fever^ (London 1866), dem ein Appendix über eine Be- 
handluDgsmethode der „Pestilential cholera" beigegeben ist. — William A., der 
Verfasser eines (New-York 1822 erschienenen) Werkes: „System of surgical ana- 
tomy, Part. I on the structure of the groin, pelvis and perineum as connected 
wiih inguinal and femoral hernia, tyeing the iliac arteries and the Operation of 
lÜhotomy", — Mehr hervorzuheben sind : AlexanderDunlopA., 1794 geboren, 
ein Neffe des Gründers der Andersoniau univeraity, studirte in Glasgow, Edinburg 
und London und promovirte 1819 zu Edinburg. Nach 6jähriger Dienstzeit in der 
Annee Hess er sich zu Glasgow nieder, wo er 1871 starb. 1823 wurde er 
Snrgeon an der Royal infirmary, 1837 Physician desselben Instituts. Eine Schrift 
über die Behandlung der VerbrennuQgen mittelst Watte und zahlreiche casuistische 
Mittheilungen aus dem Gebiete der Chirurgie rühren von ihm her, 1852 — 1855 
war er Präses der Facultät. 'Re^, 

Anderson, Thomas A., Chirurg zu Leith bei Edinburg, war Fellow des 
Royal College of Surgeons daselbst. Er veröffentlichte in den Medical Commentaries 
(Vol. IT, III, 1774, 1775) folgende Aufsätze: „Accourit of a very extraordinär y 
enlargement of the stomach discovered on dissection^ — ^History of a case, 
in ichich a quantity of p^iSy from. near the rectum y found its way into the 
scrotum, giving the appearerice of heriiia'* — „Txco cases of dislocntion of the 
fernur, tcith the method of reductioji^ . 1781 las er vor der Philosophischen Gesell- 
schaft von Edinburg einen Aufsatz: „Pathological ohservations in the brain*^ 
der in den Transactions of the Royal Society of Edinburgh (Vol. II, 1790) publicirt 
Würde und die Beschreibung einer Reihe von Gehirnverletzungen enthält. 

"Watt, I. pag. 30. — Biojraphical Dictionary of the aoclety for the diffuswn of 
nteful knotoledje. II, 2, pag. 592. G. 

Endlich zwei lebende englische Aerzte dieses Namens: 

^Andersou, William A. , 1842 geboren, wurde 1868 promovirt und 
ging, nachdem er verschiedene Assistenzstellen in London bekleidet, Anfangs 
der Siebziger-Jahre nach Japan (Tokio), um am dortigen Naval Departement 



136 ANDERSON. — ANDRAL. 

als Arzt zu fungiren. 1879 kehrte er nach London zurück und war seit- 
dem in yerschiedenen bevorzugten Stellungen thätig. Seine hauptsfichliehsten 
Schriften sind neben fleissigen statistischen Zusammenstellungen über japanieche 
Krankheiten: Die „Lectures on kakkS in Japan*' (1879) und aus seiner früheren 
Londoner Zeit: „On skin grafting^ (St. Thomas hosp. reports 1871) — „Re- 
current mammary ^wwoMr*' (Path. Soc. transact. 1872). — *Richard John A., 
1844 geboren, längere Zeit Assistent am St. Barthol. hosp. in London und durch 
Reisen in Frankreich und Deutschland gebildet, promovirte 1869 und Hess sich in 
Belfast nieder, wo er Anatomie und Physiologie lehrt. Er wies ein Os astragalo- 
scaphoideum beim Menschen nach, beschrieb Abweichungen im Bau des Peritoneums 
und arbeitete besonders über Athmungserregung und Athmungshemmung (Joum. 
Anat. und Phys., Dubl. Joum., ViRCHOw's Archiv seit 1878). Rg^ 

*Ander880n. Zwei schwedische Aerzte. Anders A., geboren in Smäland 
1822, studirte in Lund, seit 1864 Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie am 
carolinischeu Institute in' Stockholm. Schriften: „Chn lifmoderblödningar efter 
förloasningar och linder bamsängen** (Stockholm 1863) — „Om goinnoy'uk 
domarnes freqvena och prophylaxü " (Stockholm 1875). Hedenius. 

*Andersson, Nils Lukas A., Provinzialarzt und Vorstand des Vaccine- 
Depots zu Malmö, ist am 13. December 1823 zu Hästveda in Eristianstads Län 
geboren, besuchte die Universität in Lund, wurde 1844 Dr. der Philosophie, 

1854 Dr. der Medicin, in demselben Jahre auch Magister der Chirurgie. Er wurde 

1855 zum Provinzialarzt in Kristianstad ernannt, wo er bis 1866 blieb, um dann 
dieselbe Stellung in Malmö zu übernehmen. Er machte 1859 und 1865 wissen- 
schaftliche Reisen in*s Ausland und publicirte „Om Lungemphyaemet^ (Lund 1853) 
und in der Ilygiea (Bd. XXIII, XXV, XXIX) vcrchiedcne Aufsätze. 

"Wistrand, pag. 433; — Wistrjand, Bruzelius, Edling, pag. 17. G. 

Andral, Gabriel A. , wurde am 6. November 1797 in Paris geboren 
als Sohn eines bekannten Arztes, der Mitglied der Akademie und Leibarzt Marat's 
war und den frühbegabten Sohn zuerst in das Studium der Medicin einführte. 
A. erwarb 1821 den Doctorgrad mit einer These über die Expectoration (nament- 
lich in ihrer semiotischen Bedeutung); 1824 bewarb er sich um die Habilitation, als 
Agr^g6, mittelst der Concursschrift : „An antiquorum doctrina de crisibus et diebus 
criticis admittendaf an in ciirandis rnorbis et praesertim acutis observandaf' 
Bei Bertin's Tode 1828 machte die Facultät den jungen Agr6g6 zum Professor 
der Hygiene; 1830 bei Desgenettes* Rücktritt zum I^rofessor der internen Patho- 
logie; 1839 endlieh übernahm er als Nachfolger Broussais' den Lehrstuhl der 
allgemeinen Pathologie und Therapie, welchen er, als eine der anerkannten Be- 
rühmtheiten der französischen Medicin, 27 Jahre hindurch schmückte. Daneben 
war A. Arzt an der Charit^; schon 1823 wurde er Mitglied der (kurz zuvor, 1820 
gestifteten) Akademie der Medicin, 1843 Mitglied des Instituts, 1858 Commandeur 
der Ehrenlegion. Sein Unterricht, sein klinischer Vortrag waren besonders durch 
Klarheit, strenge Methodik und die auch seinen Werken, namentlich der „Klinik" 
eigene glückliche Verbindung von Analyse und Synthese in seltener Weise aus- 
gezeichnet. Seit 1866 gab A. seine Lehrstellung auf und zog sich, wie es scheint, 
durch Familienverhältnisse veranlasst, nach Chateauvieux zurück, nahm aber an 
den Fortschritten der Wissenschaft und den Verhandlungen gelehrter Gesellschaften 
unausgesetzt regen Antheil, wie er denn auch noch ein Jahr vor seinem Tode der Acad. 
de med. eine Mittheilung über Glycosurie machte. A. starb nach kurzem Kranken- 
lager an einem alten Herzübel im 79. Lebensjahre am 13. Februar 1876 zu Chateau- 
vieux und wurde unter grosser Theilnahme in Paris begraben. Die wissenschaftliche 
Hauptleistung A.'s, diejenige, welche ihm vor Allem einen Anspruch auf dauernde 
Beachtung in der Geschichte der Medicin sichert, ist seine „Clinique vi^icale", 
die in 5 Bänden fast alle der internen medicinischen Klinik zugerechneten Gebiete, 



r 



ANDEAL. 137 

wenn auch in sehr verschiedenen Proportionen, umfasst und nicht üur gewissermaassen 
dne Generalübersicht der staunenswerthen, klinischen Thätigkeit A.'s, sondern zu- 
gideh das grundlegende Werk für die medicinische Klinik überhaupt, wie sie sich 
wenigstens in Frankreich wesentlich auf Grundlage der Lehren und Entdeckungen 
LAsmrsc's entwickelt hat, darstellt. Dieselbe erschien zuerst in den Jahren 1823 bis 
1827, dann wiederholt herausgegeben (3. Aufl., Paris 1834; 4. ibid. 1840; die 
letzte 1848) und vielfach tibersetzt, sowohl im Ganzen, wie in ihren einzelnen 
Theilen, namentlich die die Krankheiten des Nervensystems betreffenden (eine 
deutsche Gesanuntübersetzung in 5 Bänden, 1842 — 1845; „Vorlesungen über die 
Krankheiten der Nervenherde", deutsch von Beerend, Leipzig 1838; „Krank- 
heiten des Gehirns" — nach dem ö. Theile der Clinique mMicale — deutsch von 
KÄHLEB, in 2 Theilen, Königsberg 1837). — A. spricht sein klinisches Glaubens- 
bekenntniss selbst dahin aus, dass es Aufgabe der Klinik sei, die einzelnen Ejrank- 
heitsfälle (die „krankhaften Individualitäten") zu analysiren, sie sodann zu ver- 
gleichen und aus dieser Vergleichung endlich gewisse allgemeine Principien 
herzuleiten, die geeignet seien, um einen klinischen Krankheitstypus zu charak- 
terisiren. Ausserdem aber könne der Kliniker auch der Aufgabe sich nicht 
entsehlagen, gestützt auf das ihm vorliegende thatsächliche Material, die Fragen, 
welche die Wissenschaft bewegen, zu erörtern und gelegentlich zu entscheiden. 
Man vergleiche nur diesen Standpunkt mit dem beispielsweise von einem Aber- 
CROMBIB (siehe diesen Artikel) und anderen Zeitgenossen A.'s eingenommenen, um 
die ganze Verschiedenheit und zugleich die immense üeberlegenheit des ersteren 
zu empfinden; nur durch ihn konnten wir zu einer „klinischen Medicin" in dem 
Sinne, wie wir diesen Ausdruck heute zu gebrauchen pflegen, wirklich gelangen. 
A. glaubt in dieser von ihm eingeschlagenen klinischen Richtung den Pfaden 
MOROAGNi's zu folgen, dem er besonders in der starken Betonung des patho- 
logisch-anatomischen Befundes Rechnung trägt, während er dagegen in der Aus- 
bOdnng der Semiotik, in dem steten Bemühen, die Resultate der Leichenöffnungen 
mit den intra vitam beobachteten Ejrankheitserscheinungen im Interesse der klini- 
schen Diagnostik in Einklang zu bringen , an seinen grossen Vorgänger Laennec 
unmittelbar anknüpft. Uebrigens bekennt sieh A. als Eklektiker „aus Nothwendigkeit 
wie jeder Arzt am Krankenbette es sein muss", dem alle Systeme nur dazu gut 
sind, um als theoretische Ideen angesichts der Thatsachen selbst fort und fort 
geprüft und von letzteren entw^eder widerlegt oder beglaubigt zu werden. Diesen 
Anschauungen entspricht auch die Therapie, welche sich durchgehends von allen 
schulmässigen Excentricitäten , namentlich von dem blutgierigen Fanatismus der 
BaoüSSAis'schen Schule, 'fernhält und eine wohlthuende Nüchternheit beobachtet; 
hervorzuheben ist unter Anderem, dass A. bereits auf den Nutzen der Kälte bei 
Entzündungs- und fieberhaften Krankheiten, speeiell auch bei Typhus, aufmerksam 
machte. — Der Gang der Darstellung ist im Allgemeinen der, dass die abzu- 
handelnde Krankheitsspecies zuerst an einer Reihe von klinischen Einzelfällen 
exemplifieirt wird, die in knappen und kurzen Zügen das Bild des Krankheits- 
verlanfes, sowie eventuell den Sectionsbefund, nebst kurzem epikritischem Commentar 
des letzteren vorführen. Daran schliesst sich alsdann erst die eingehende und 
augfilhrliche Gesammtbetrachtung der Krankheit , welche somit anscheinend von 
selbst aus allen diesen ad oculos demonstrirten Einzelfällen hervorwächst , und 
wobei nun die verschiedenen Formen, Ursachen, Symptome, Dauer und Aus- 
gänge, endlich die Behandlung specielle Berücksichtigung finden. Besonders 
beachtenswerth und nicht nur für ihre Zeit bedeutend, sondern auch wegen der 
minutiösen und treuen Detailbeobachtung noch heutigen Tags von Interesse sind 
die Casuistik der Herz- und Lungenkrankheiten (die Abschnitte über Pericarditis, 
Pleuritis, Lungenphthise u. s. w.), sowie auch die der Gehirnkrankheiten, welche 
von A. mit vielfachen neuen Erfahrungen und Thatsachen bereichert wurden. 
Von A.'s sonstigen Publicationen sind sein „TraitS d' anatonne patJiologique" 
(Paris 1829, in drei Bänden) zu erwähnen, wovon der eine, ausschliesslich 



138 ANDRAL. — ANDREA. 

der allgemeinen Pathologie gewidmet, ein Bild des damaligen Standes des 
letzteren darbietet; femer der 1843 in Paris herausgegebene, interessante 
„Essai d/hSmatologie paihologique*^ ^ in welchem zum Theil die Resultate der 
in Gemeinschaft mit dem berühmten Chemiker Gavarret und mit La Fond vor- 
genommenen und in zwei M^moires dem Institute 1840 und 1842 vorgelegten 
Blut-Untersuchungen enthalten. Es ist ein auf geläuterter humoralpathologischer 
Anschauung beruhender Versuch , das Blut als das wichtigste und einflussreichste 
Gewebe des Körpers in seiner semiotischen und düFerentiell-diagnostischen Bedeutung 
bei den verschiedenartigsten Rrankheitszuständen mehr als bisher zur Geltung zu 
bringen. Chemische (und mikroskopische) Blutanalysen bei Plethora, Anämie, bei 
Pyrexien, Phlegmasien, Hämorrhagien, Hydropsien, bei den „vulgär sogenannten*^ 
organischen Krankheiten und endlich bei Neurosen sollen diesem Zweck dienen, 
der allerdings mit den damaligen Hilfsmitteln nur unvollkommen erreicht werden 
konnte. — Zu erwähnen bleibt endlich noch, dass A. 1837 die Werke seines 
grossen Vorgängers Laennec mit Anmerkungen herausgab, sowie dass seine 
eigenen an der medicinisehen Facultät gehaltenen Vorlesungen Aber interne 
Pathologie — gewissermaassen das ergänzende Seitenstück seiner medicinisehen 
Klinik — 1848 , durch Latour herausgegeben, im Druck erschienen. 

Hinsichtlich der biographischen Details vgl. unter Anderen: Oaz. hebdomadaire vom 

18. Februar 1876; — Progräs medical vom 26. Februar 1876 u, s. w. 

A. Eulenburg. 

Andr^y vier französische Aerzte. Nicolas A. , Chirurg zu Versailles, 
war am 15. October 1704 zu Dijon geboren, wurde 1729 in die Genossenschaft 
der Chirurgen zu Versailles aufgenommen und wurde auch Chirurg der Maison 
royale von Saint-Cyr. Von der Mitte des Jahrhunderts an, beginnend mit einer 
„Dissertation sur les waladies de V^tretre qui ont besoin de bougies^ (Paris et 
Versailles 1751), überschwemmte er das Land mit einer Fluth von Schriften, die 
dazu bestimmt waren, die vorzüglichen Eigenschaften seiner Bougies , die gleichzeitig 
digestiv, suppurativ, mundificativ , detersiv und siccativ sein und daher für jeden 
Patienten gleich gut passen sollten, bekannt zu machen und zugleich alle von 
seinen Vorgängern, Zeitgenossen und sogar Nachfolgern angewendeten Methoden 
zu verurtheilen. Es ist nicht nöthig, die übrigen, den Stempel der grössten Char- 
latanerie an sich tragenden und denselben Gegenstand behandelnden Schriften zu 
erwähnen; dagegen sei eine Schrift: „Observations pratiques sur les maladies de 
Vuretre et sur plusieurs faits convulsifs, et la gySrison de plusieurs maladies 
cliirurgicales etc,^ (Paris 1756) hier angeführt, weil darin A. zuerst (vor JOHN 
Fothergill) den Tic doloureux des Gesichtes näher beschrieben, auch in einem 
Falle einen solchen mittelst Durchschneidung des N. infraorbitalis imd nachfolgender 
Aetzung geheilt hat. 

« 

Biogr. mfed , I, pag. 245. — Biet. bist. I, pag. 133. Cr. 

Andre , E s p r i t A. , von Montpellier , schrieb über „ Un certain suc 
huileux nouvellement decouvert en Languedoc pr^s öaÄww*' ■ (Montpellier 1605). 

— Frangois A., Professor in Caen, richtete gegen Bayle die 1677 und zum 
zweiten Male 1680 in Paris erschienenen „Entretietis siir Vacidp et sur Valkali". 

— Pierre A. hinterliess einen „Tratte de la peste, de la prSparation de 
d'antimoine et de la dyssenterie^ (Poitiers 1563). Red. 

Andre, Will am A., Naturforscher in London, bearbeitete monographisch 
die Augen und Zähne verseluedener Thierclassen. 
Philosoph. Transact. 1782, 1784. — Callisen. 

Andre , J o h n A. , englischer Arzt in London , ist der Verfasser eines 

„Treatise of ihe virtues of liemlok in the eure of Cancer^ (London 1761). 

Red. 

Andrea, Bellunese A., oder A. Bongajo, Monoajo, s. Alpago. 



ANDREAE. 139 

Andreae, August Wilhelm A. , wurde am 27. Mai 1794 zu Neu- 
haldensleben geboren, wo sein Vater ein beschäftigter Arzt war. Bereits mit 
17 Jahren bezog er 1811 die Universität Berlin, wo er 1814 promovirte und 
dann alsbald im Hauptfeldlazareth des preussischen Gardecorps den zweiten und 
letzten Feldzug gegen Napoleon mitmachte. Er kam 1815 aus Paris zurück, um 
später nach Wien zu gehen und dort unter Beer und Jäqbs Augenheilkunde zu 
gtndiren. Nach Vollendung seiner Studien Hess er sich im Jahre 1817 als Arzt 
in Magdeburg nieder, wo er an der damals noch bestehenden chirurgischen Lehr- 
anstalt Vorträge über allgemeine Pathologie und Therapie und mit besonderem 
Erfolg Aber Augenheilkunde hielt. Seine praktische, sowie seine wissenschaftliche 
Thätigkeit gestalteten sich hier in kurzer Zeit zu einer ungemein vortheilhaften 
und die Anerkennung derselben Hess auch nicht allzulange auf sich warten; er 
wurde zum königlichen Regierungs-Medicinalrath ernannt, wurde Director der 
medicinischen Oberexaminations - Commission und dergleichen. — Er starb am 
7. März 1867. 

Seine wissenschaftliche Thätigkeit war vorhehmlich der Augenheilkunde 
gewidmet , er nahm in diesem Zweig der Medicin unbedingt eine hervorragende 
Stellung ein, sowohl als Praktiker wie als Schriftsteller. Sein „Grundriss der 
gesamnUen Augenheilkunde** (Magdeburg 1834) war ein Werk, welches bestimmt 
mit zu den besten Lehrbüchern der vorophthalmoakopischen Periode der Ophthal- 
mologie gehörte. Es zerfiel in zwei Theile, in: „Grundriss der allgemeinen 
Augenheilkunde^ und „Gruiidriss der speciellen Augenheilkunde", von denen 
das erste im Jahre 1846 in der dritten, das letztere in der zweiten Auflage 
erschien. Von ganz besonderem Werthe sind aber seine historisch-ophthalmologischen 
Arbeiten, nämlich: f,Zur ältesten Geschichte der Augenheilkunde*^. Programm 
der medicinisch-chirurgischen Lehranstalt zu Magdeburg 1841, und „Die Augen- 
heilkunde des Hippokrates** (Magdeburg 1843). Besonders das letztere, neun 
Bogen starke Werk ist eine ganz vorzügliche historisch-augenärztliche Arbeit und 
sichert seinem Verfasser einen hervorragenden Platz in der Reihe der medicinischen 
Historiker. Es ist für das Studium der antiken Oculistik fast unentbehrlich und 
wird seinen Werth immer behalten, da es unter genauester Benützung der Quellen 
und der einschlägigen Literatur gearbeitet ist. Ein vollständiges Verzeichniss der 
Arbeiten A.'s findet sich bei Engelmann, Biblioth. medico-historica, Leipzig 1848, 
seehÄte Auflage. Magnus. 

Andreae , Tobias A. , nacheinander Professor der Medicin an den Uni- 
versitäten zu Duisburg, Herzogenbusch, Frankfurt an der Oder und Franeker, wurde 
am 11. August 1633 zu Bremen geboren, besuchte die Universitäten Duisburg, 
Leyden und Groningen, wurde an der erstgenannten 1659 nacheinander zum 
Dr. philos. et med. proraovirt. Er war darauf Professor der Philosophie am 
Gymnasium zu Bremen und wurde 1662 Professor der Medicin in Duisburg. Im 
Jahre 1669 veranlasste ihn Ludwig de BrLS, Anatom zu Herzogenbuseh, dorthin 
überzusiedeln und ihn bei seinen Arbeiten zu unterstützen. A. folgte diesem Rufe 
und wurde daselbst Professor der Medicin und Philosophie. Durch seine Schriften : 
ffBreve extractum actomm de cadaverihus Bilsiana inHhodo praeparntis*^ 
fDoisburg 1659), und „Büanx exacta Bilsianae et Clauderianae balsaniationis** 
(Amsterdam 1682), nahm er an der die damaligen Anatomen lebhaft bewegenden Frage 
der De BiLS'schen Einbalsamirungs- und Conservirungsraethode der Leichen regen 
Antheil, indem er diese gegen die Angriffe der Gegner vertheidigte und sie nament- 
lich der CLAüDEB'schen Methode vorzog ; auch schrieb er dem De Bils die Erfindung 
der Ghirurgia infusoria zu. — 1674 wurde er von dem Kurfürsten von Brandenburg 
als Professor der Medicin an die Universität zu Frankfurt an der Oder berufen. 
Er schrieb daselbst von 1675 — 1679 einige kleine Schriften, Disputationen etc. 
fiber verschiedene Gegenstände, namentlich auch über psychische Medicin, worin er 
den Einfluss des Geistes auf den Körper in verschiedeneu Krankheiten zu beweisen 



140 ANDREAE. — ANDREE. 

suchte, ging im Juli 1680 als Professor der Philosophie nach Franeker, wohin er 
schon, ehe er nach Frankfurt kam, durch die Stände von Friesland berufen worden 
war, aber in Folge des Widerstandes des akademischen Senates nicht hatte gelangen 
können. Er trat im Januar 1681 seine Professur an und lehrte bis zu seinem am 
5. Januar 1685 erfolgten Tode mit vielem Enthusiasmus die Naturkunde nach den 
Principien von Descabtes. 

Rotermnnd, Bremische Gelehrte, T, pag. 9. — Van der Aa, I, pag. 285. — 
J. S. Low engt ein im Janus Ed. III, 1848, pag. 312. G. 

Andreas, A. von Karysthus auf Euboea, Sohn des Cheysaor, 
wohl identisch mit dem Leibarzte des ägyptischen Königs Ptolemaeus Philopator, 
welcher vor der Schlacht bei Eaphia, 217 vor Christ., im königlichen Zelte durch 
einen verhängnissvollen Irrthum statt seines Herrn meuchlings ermordet wurde 
(Polyb. V, 81), wird von DIOSCORIDES (praefat.) und von EpiphaniüS (de 
haeresib. 1,3) zu den besten pharmakologischen Schriftstellern gerechnet. Nicht 
so günstig lautet das Urtheil Galen's, der ihm Unwahrheit und Schwindelei, 
Mangel an Erfahrung und Hochmuth vorwirft, wahrscheinlich aber ist sein Urtheil 
von dem Unwillen darüber beeinflusst, dass A. in seiner Schrift „Trepi t^ 
laTptJc^^ yv^xko-^ia^^ unwahre Beschuldigungen gegen Hippokrates erhoben hatte. 
Der Grammatiker Eratosthenes nannte ihn wegen eines an seinen Werken be- 
gangenen Plagiates ßtßXiaiYw^?. Von den Schriften des A. war wohl diejenige 
die bedeutendste, welche den Titel vdcpdij^ (Arzneikasten) führte (Schol. Nie. 
Ther. 684). Ausserdem schrieb er über giftige Thiexe (xcpl Sax£To)v) und 
über irrthümliche Annahmen (Tirspl töv ij/SuXö; TceTTWTTSUfjiivwv [Athen. VII, 

312 d. u. e., XV, 675 c.l: Galen. XI, 795, 796, XIX, 105). 

' ' •" 7 7 7 7/ Helmreich. 

Andreas ,. zwei spanische Aerzte: A. de Cordua, dem Mittelalter 
angehörig, als Leibarzt des Papstes Georg XII. ohne schriftstellerische Bedeutung 
1417 gestorben, — und A. de L6ou, ein Zeitgenosse Philipp'sII. und als Arzt 
und Chirurg in Granada thätig. Seine umfangreichen Schriften beschäftigen sich 
mit den Fragen seiner Zeit, so: „Examen de chirurgia o visos pora dangricus 
y pur gas** — „De anatomia" — „Definiciones de medicina etc." (zusammen 
in Bae9a 1590 und 1605 erschienen). Ausserdem eine „Pratica de morbo 
gallico en el quäl ae contiene el origen jf conociimento desta enfermedad y de 
mejor modo de curarla" (Valadolid 1605). 

Biographie m^dicale. I. Red. 

Andree, John A., um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Professor der 
Anatomie, Chirurg am Magdalenenhospital zu London und der Armenpflege von 
Flinsbury , gehört mit zu denjenigen genialen Forschern , welche wegen ihrer 
tibergrossen Bescheidenheit von ihren Zeitgenossen, wenn auch nicht völlig ver- 
kannt, so doch nicht ganz erkannt und von den Nachkommen vergessen vurden. 
Seineu Namen vemiisst man nicht nur in den Geschichtswerken über die Medicin 
im Allgemeinen, sondern auch in der Geschichte jenes Faches, welches er durch 
die bedeutendsten Leistungen bereicherte. A. gab vor John Hunter die beste 
Beschreibung der syphilitischen Initialsklerose; lehrte, dass der Sitz der beim 
Tripper so häufig auftretenden sogenannten Hodenentzündung nicht, wie damals 
allgemein angenommen wurde, im Hoden, sondern im Nebenhoden sei ; beobachtete 
und beschrieb zuerst mehrere Fälle einer selbstständigen Entzündung des Samen- 
stranges in Folge von Gonorrhoe, ohne gleichzeitige Epididymitis (eine Affection, 
deren Vorkommen noch von RICORI) geleugnet, in unserer Zeit erst von R. Bergh, 
Emanuel Koen festgestellt werden musste); erwähnt die harten, rabenkieldicken 
Stränge am Rücken des Penis bei gewissen Erkrankungen und lieferte wichtige 
Beiträge zur Kenntniss syphilitischer Nervenaflectionen. Obwohl er die Visceral- 
syphilis und die Dualität der venerischen Contagien leugnete, gehört er doch zu 
den besten und originellsten Syphilographen seiner Zeit. 



r 



ANDBEE. — ANDBEE. 141 

Von ihm rühren her: „Obaervations on the iheory and eure of the 
venereal disease** (London 1779, 8.) — „An essag on the theory and eure of the 
venereal gonorrhoeay and the diseases, which happen in consequence of that 
disarder^ (London 1777, 8.). 
I A/s Verdienste um die Lehre von den venerischen Krankheiten sind 

I Äusfthrlich von Proksch in: Med.-chir, Centralblatt, Wien 1879, XIV, pag. 49, 
61, 73, 85, 121, 133, 157 beschrieben. j ^ Proksch. 

Andree, Karl Angnst A. , Königl. sächsischer Hofzahnarzt und 
Leibchirurgus zu Dresden, war daselbst, wo sein Vater Hofzahnarzt war, 1762 
geboren, erlernte beim Hofchirurgns Schumann die Chirurgie, besuchte die 
anatomischen und chirurgischen Vorlesungen im Medicinisch-chirurgischen CoUegium 
und wurde nach vier Jahren als Wundarzt bei der Artillerie angestellt. Um Medicin 
zn Btudiren, nahm er' 1782 seinen Abschied, studirte in Leipzig und wurde, nach 
Dresden zurückgekehrt, nachdem er die Schrift: „Epistola de odontagris ad 
dentes evellendos necessariis , eorum vi mechanica applicationeque (Lipsiae 
1784, mit 3 Epf.) geschrieben , als Lehrer der Zahnchirurgie beim Mediciniseh- 
chimrgischen CoUegium angestellt. Am 17. December 1790 erwarb er die 
medicinische Doctorwtirde mit der Dissertation „De prima puerorum dentitione^ . 
Er starb 1809. G. 

Andrie, Karl Maximilian A., Medicinalrath und Professor der Ge> 
bortshilfe in Breslau, war am 4. Juli 1781 als der jtlngste Sohn des Vorigen zu 
Dresden geboren, bezog 1801 die Universität Leipzig zum Studium der Medicin, 
nachdem er vorher bereits zwei Jahre lang die Dresdener Charitö, die spätere 
Chirurgische Akademie, mit Nutzen besucht hatte. 1804 erwarb er die philosophische 
Doctorwtirde mit den folgenden Dissertationen: „De quibusdam ^oris haemorrhagiis 
dentium, praesertim extractionem insequentibus^ und „Diss. phys. ordinem, quo 
res physiologicae de cute humana externa comprehendantur, sistens^ (Lips. 1805), 
worauf er als Secundararzt am St. Jakobs-Spital und als Unterlehrer an dem damit 
verbundenen Klinikum der Universität, das unter HEBENSTBBn's Leitung stand, 
angestellt wurde. Auf einer wissenschaftlichen Heise durch das südliche Deutschland, 
HoUand und Frankreich hielt er sich namentlich längere Zeit in Paris auf und 
gab später ein die Beobachtungen, welche er auf dieser Reise gemacht hatte, 
enthaltendes Werk, das sich allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, heraus, unter 
dem Titel: „Neuester Zustand der vorzüglicheren Spitäler und Armenanstalten 
in einigen Hauptorten des In- und Auslandes*^, 1. Theil: „Die Spitäler und 
Anstalten von Paris^ (Leipzig 1810). — 2. Theil: „Die Spitäler und Anstalten 
der Schweiz, Frankreichs, Hollands und Deutschlands^ (ebendaselbst 1811). — 
Nach seiner Zurückkunft von Paris im Jahre 1809 erwarb er die medicinische 
Doctorwflrde und benutzte das folgende Jahr zu einem seine medicinischen Kennt- 
nJBse bereichernden Aufenthalte in Wien. Von dort zurückgekehrt, erhielt er im 
Jahre 1812 die Professur der Geburtshilfe an der damals noch sächsischen 
Universität Wittenberg und gab in demselben Jahre eine „Notiz über die 
ehemaligen Irrenanstalten zu Torgau und Waldheim^ (Leipziger Literatur- 
Zeitung 1812) heraus. In Folge der Belagerung der Stadt und der Aufhebung 
der Universität 1813 kehrte er nach Leipzig zurück und nahm zu Anfang des 
Jahres 1814 einen Ruf als Professor der Geburtshilfe und Director des Gebärhauses 
und Hebammen-Institutes in Breslau an. Nach ISjährigem Wirken, seit 1816 auch 
als Medicinalrath und Mitglied des Medicinal - Collegiums , starb er daselbst am 
1. November 1827. 

Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. V, 1827, Thl. 2, pag. 923. — Nowack, 
Heft 5, 1841, pag. 5. G. 

Andr6e, Andreas A., Provinzialarzt zu Slite auf der Insel Gotland, 
im Kirchspiel Stora Schedvi in Dalame am 11. August 1802 geboren, besuchte 
1823 die Universität Upsala, wurde 1828 Magister der Chirurgie, diente bis 1830 



142 ANDREE. — ANDRIA. 

als Arzt in der Flotte nnd in mehreren Cavallerie-Regimentem , während er seine 
Studien inzwischen in Lund fortsetzte und auf einer Corvette 1828 — 1829 eine 
Reise durch das mittelländische Meer mitmachte. 1830 wurde er zum Provinzialarzt 
für den nördlichen District der Insel Gotland, mit dem Wohnsitze in Wisby, 
ernannt; 1855 vertauschteer diesen Dienst mit einem in Slite, nachdem er 1851 
mit Staatsunterstützung eine Reise in's Ausland gemacht hatte; 1860 erhielt er 
seinen Abschied aus dem Dienst und zog nach Stockholm. — A.'s Publicationen 
sind zahlreich und betreffen nicht nur eine Reihe belletristischer Schriften (Novellen, 
Parodien u. s. w.), die grossentheils 1830 erschienen, sondern auch, ausser einigen 
selbstständigen Schriften, eine Reihe von Aufsätzen, zum Theil polemischen Charakters, 
in medicinischen sowohl als politischen Zeitschriften. Zu den selbstständigen medicini- 
sehen Schriften gehören : „Föreläsningari Första föreläsningen, om koppsmtttan 
pä Wisby sjuklma^ (Wisby 1839) — „Helsolära utan medikamenter for friska 
och sjuka af alla ständ^ (Stockholm 1842) — „Apotheksväsendet i Sverige, med 
alhnän mlednmg om vetenskap och läkekonst" (Wisby 1842) — „Försvarsskrift 
mot Sundh.'CoUegn angifvehe for m^edicinskt mord" (Wisby 1845). Ausserdem 
mehrere Aufsätze in Zeit- und Gesellschafts-Schriften. 

Sackl6n, Supplem. 1835, pag. 373; Wistrand, pag. 10; Bruzelius, Wistrand, 
Edling, pag. 20. G. 

Andresse, Peter Ludwig Wilhelm A., Arzt zu Berlin, war daselbst 
am 3. April 1789 geboren, besuchte seit 1809 die Universitäten Berlin, Gbttingen, 
Halle, wurde auf letztgenannter Universität promovirt, lebte seit 1810 als praktischer 
Arzt und adjungirter Arzt der französischen Colonie zu Berlin, nahm in den Jahren 
1813, 1814 an den Feldzügen als Ober- und Stabsarzt theil, wurde 1822 zum 
zweiten und 1823 zum ersten Arzt der französischen Colonie zu Berlin, sowie 
zum Arzt des französischen Hospitals daselbst ernannt. Von seinen literarischen 
Arbeiten sind anzuführen: „Blicke auf das magnetische Schlafwacken in heil- 
kundiger Hinsicht^ und „Eine Krankengeschichte, riebst Bemerkungen über die 
Krisen und über die magnetische Heilkraft, als eins mit der NaturheHkraft" 
(Beides in Wolfaet*S Jahrb. für Lebensmagnetismus, 1818, 1819). Ausserdem 
veröffentlichte er von 1835 — 1847 eine beträchtliche Reihe von populär-medicini- 
schen Schriften, darimter das „Haus- und Wirtlischafts-Blait^ , welches seit 1844 
unter dem Titel „Der Philanthrop*^ erschien. Er feierte 1860 sein 50jährige8 
Doctorjubiläum und starb am 27. Juli 1865. 

GelehrtesjEerlin, 1845, pag. 3- Cr- 

* Andrews (sehr erhebliche Anzahl sowohl in London als in den englischen 

Provinzen thätiger Aerzte) ; Henry Chas. A., 1830 geboren, 1857 promovirt, in 

London ansässig, schrieb über Puerperalconvulsionen (Lancet 1861) — über 

Schreibekrampf (Med. Times and Gaz. 1867) — libor Blasenruptur und Enteritis 

(Brit. med. Joum. 1868) und andere grösstentheils casuistische Mittheilungen. 

Red. 

Andria, Nicolas A. , wurde am 10. September 1748 zu Otrante 
geboren und genoss daselbst, als Vorbildung zum juristisehen Studium, einen aus- 
gezeichneten Schuhmterricht , der jedoch hauptsächlich sein frühes und tiefes 
Interesse für Mathematik anregte. Der Umstand wurde für die Richtung seiner in 
Neapel 1766 begonnenen Studien insofern entscheidend, als er sich bald ganz der 
Physik und demnächst der Medicin zuwandte. CotüGNO war hier sein Lehrer und 
forderte sein eminentes Talent derart,' dass A., noch bevor er doctorirt hatte nnd 
erst 23 Jahre alt, zum Professor der medicinischen Facultät in Neapel ernannt 
wurde. Gleichzeitig mit einem Lehrstuhl für Medicin und mit der Professur filr 
Experimentalchemie betraut , verbreitete sich sein wissenschaftlicher Eifer doch noch 
über diese Gebiete hinaus: 1777 wurde ihm der Lehrstuhl für Agricultur an der 
neapolitanischen Universität übertragen. Nach 24jähriger Lehrthätigkeit in diesem 
Fache sehnte er sieh nach medicinischen Lehrgegenständen zurück: er lehrte von 



ANDRIA. — ANDBIOLI. 143 

1801—1808 (wo dieses Fach an SBMENTINI übergeben wurde) die Physiologie, 
von 1808 — 1811 theoretische Mediein, von 1811 — 1814 Pathologie und Nosologie. 
Seiner wankenden Gresundheit wegen trat er im letztgenannten Jahre diesen Lehr- 
stuhl an ROGQIERO ab und starb, erst 67 Jahre alt, bereits am 9. December 1817. 
Wir besitzen von ihm: den Traetat über die Mineralwässer, einen Versuch, 
die Heilkräfte derselben chemisch zu erklären, in zwei Ausgaben von 1775 und 
1783. Femer die „Memefiti di chtmica filosofica'- (1786, welche 1792, 1805, 
1812 und 1813 wiederholt aufgelegt wurden); die an die HALLEB'sche Classi- 
fication sich anschliessenden „[nstüutianes physiologicae'* (1786 und 1801) — 
„IHssertazwne su la teorta della vita"^ (1804 und 1805) — (Aufstellung des 
Galvanismus als Lebensprincip), in's Französische übersetzt — die „Elementa 
medicinae theortcae" {17S7)j durch Nicolas A.'s Sohn, Genaro A., 1813 ins 
Itoliehische übersetzt; endlich die „Materia medica^ (1787), vollendet erst in 
Form einer italienischen Uebersetzung durch A.'s Schüler Taubo, — und 
^Institutiones medidnae practicae** in zwei Ausgaben während der Neunziger- 
Jahre und einer italienischen Uebersetzung durch Taöeo 1812. — Abweichend 
Yon der damals fast durchgehenden Eintheiiung in sthenische und asthenische 
Krankheiten, findet man in diesem, durchaus nach modernen Anschauungen geordneten 
Werke die Eintheiiung in Allgemein- und Organkrankheiten. Die letzteren sind 
topographisch geordnet, darunter einige Gruppen, wie besonders die Zwerchfell- 
knnkheiten, musterhaft beschrieben. Die Allgemeinkrankheiten umfassen bei A. die 
febrilen Exantheme, die Rheumatismen, die Gicht, den Skorbut, die Syphilis. Die 
Jfftituziani di agricultura*' hinterblieben als Manuscript. 

DicUoimaiTe higtoriqae. I. Red. 

Andrieux, fimile A., Arzt zu Paris, war 1797 zu Ronen geboren, erwarb 

1820 zu Paris die Doctorwürde und prakticirte zunächst in seinem Geburtsorte, kam 

dann aber nach Paris, wo er seine physikalischen Kenntnisse zu Untersuchungen über 

die Anwendung der Elektricität bei der Behandlung von Krankheiten verwendete. Er 

schrieb in dieser Richtung ein „MSmoire sur Vapplication mSthodiqve du galvanisme 

m traüement des maladies" (Paris 1824) — „De Vemploi du galvanüfnie dans le 

trattement de la gastrite chronigue*' (Paris 1835) — „De VilectriciU dans le 

traüement des maladies^ und „De VamSnorrhee et de son traittment par les 

frictions Slectrtques suivant un nouveau procidS*' (Beides im Joum. des connaiss. 

mW. T. I, 1833, T. 11). Gleichzeitig beschäftigte er sich auch mit Studien 

Aber das Auge und erfand zu diesem Zweck eine von ihm Ophthalmophantom 

^nannte Nachbildung desselben, worüber er in der „Notice sur Vophthalmo- 

phantome^ (Paris 1840) berichtete. In .demselben Jahre, 1840, wurde er zum 

Chefarzt des Hospice des Quinze-Vingts ernannt, behielt aber nach 1858 diese 

Stellung nur noch als Ehrenamt bei. Er starb am 16. December 1862 zu 

Montigny (Eure). 

£. Beangrand bei Dechambre, IV, pag. 315. G. 

Andrioli, Michelangelo A. , war am 18. September 1672 zu Verona 
geboren, stndirte zu Venedig, wurde daselbst Doctor med., war später Primararzt 
n Klagenfurt in Kärnten, kehrte darauf nach Venedig zurück und starb daselbst 
»m 6. Dezember 1713. — Seine medicinischen Schriften , zum Theil die Diätetik 
und Volksmedicin betreffend, sind: „Consiltum veterum et neotericorum de con- 
servanda valetudine etc." (Lugduni 1693, 4.; Venet. 1693) — „Nomon et integrum 
systema physico-medicum" (Basileae 1694, Fol.) — „Domesticorum auxiliorumj 
et facüe parablium remediorum etc." (Venet. 1698, 4.; 1706, 2 voll.) — 
nEnchiridium mediciim practicum, seil Appendix ad libellum de con servanda 
valetudine" (Venet. 1701, 4.) — „Physiologia" (Clagenfurti 1701) — „Philo- 
mphia experimentalis praeside Piatone" (Clagenfurti 1705, Fol.; 1708, 1718) — 
nDe febribus et morbis acutis" (Venet. 1711, Fol.). 

Mazzuchelli, I, 2, pag. 7;i5. — Adelung-Jöcher, I, pag. 837. — Ber- 
gan n, pag. 168. G. 



144 ANDROMACHÜS. — ANDRY. 

Andromachus ('Av^p6[x.a)ro;) , A. der Aeltere, ans Kreta, Leibarzt 
(op^iaTpo^) des Kaisers Nero, schrieb in Distichen tiber die von ihm erfundene 
Bereitung des Theriak, eines üniversalgegengiftes , welches das bis dahin be- 
rühmte Gegengift des pontischen Königs Mithradates verdrängte. Das Gedieht 
findet sich bei Galen, XIV, 32 — 42, 233; bei Idelbe, Phys. et. med. gr. I, 
138—143; im Philologus Xül, 25—58. — A. der Jüngere, Sohn des Vorigen, 
schrieb in Prosa über Arzneimittel in drei Büchern, von denen das eine die 
äusserlich (toc ^<i)^v i7riTiO^[Uva fbcpixaxa), das zweite die innerlich angewendeten 
(toc el<;(i) ToO GcjfxaTO«; Xapißavöpieva) , das dritte die gegen Augenleiden dienlichen 
Heilmittel behandelte. 

Galep, XTII, 441, 463. Helmreich. 

Andry, Nicolas A. , Professor der Medicin zu Paris, war 1658 zu Lyon 
geboren. Er studirte zuerst 2 Jahre lang Theologie und wurde später Professor 
an demselben College, an welchem er seine Studien beendigt hatte. 1690 jedoch 
verliess er den geistlichen Stand, nahm den Beinamen „Bois-Rboard^ an, studirte 
Medicin, wurde 1693 zu Eeims zum Doctor promovirt und 1697 auch in die 
Pariser medicinische Facultät aufgenommen, mit der sonderbaren Dissertation „An 
in morborum cura, hilaritas in medico, ohedientia in aegro ?" 1701 zum Professeur- 
adjoint bei Alex. Mich. Denyau, Professor der Medicin am College de France ernannt, 
erhielt er 1 702 durch die Protection des Abb6 Bignon die Stelle eines Censors und wurde 
Mitarbeiter am Journal des Savans. — Seine ersten Schriften gehören der Zeit an, 
wo er noch Theologe war und können hier übergangen werden. Das erste medicinische 
Buch handelt von den Würmern des Menschen : ;, TraiU de la ginSration des van 
dans le corps de Vhomme; de la nature et des esp^ces de cette maladie; des moyens 
de s^en priserver et dessen guSrir.** (Paris 1700; 1708, 1714, Amsterd. 1714, Paris 
1741 ; üebersetzungen in's Englische, London 1701, in*s Deutsche, Leipzig 1716), 
dem ein ähnliches „ Eclair dssements sur le livre de la gdnSration des vers dans le 
Corps de Vhmrnne^ (Paris 1704, Amsterdam 1708, Paris 1741) folgte. Erstellt in 
diesem sonst gelehrten Werke die absurde Theorie auf, dass jeder Körpertheil seine ihm 
eigenthümlichen W^ürmer habe und daraus die entsprechenden Krankheiten hervor- 
gehen. Natürlich wurde er wegen dieser seiner Ansichten vielfach angegriffen und 
lächerlich gemacht und in einer auf sein System verfassten beissenden Kritik von 
Vallisnxeei als „Homo vermiculosus^ bezeichnet. In der zweitgenannten Schrift 
sucht A. sich zu vertheidigen. Er griff seinerseits aber in den folgenden zwei 
Schriften den wegen seiner Frömmigkeit bekannten, jedoch von Excentricitäten 
nicht freien Pariser Professor Philippb .Hecquet wegen seiner Rigorosität be- 
züglich der Fastenvorschriften an: „Le regime du careme considSrS par r^pport 
ä la nature du corps et des alimens^ (Paris 1710), daran schloss sich später 
noch „TraitS des alimens de careme, les qualites des legumes, des herbages, 
des animatix, des fruits etc. plusieurs questions importantes sur Vabstlnence 
des liqueurs^ (2 voll. Paris 1710, 1713, 1734; beide erschienen in der 3. Aus- 
gabe 1762 vereinigt und daher in 3 Bändchen); ferner wendete er sich in der 
Schrift: „Remarques de mSdedne sur diffSrens sujets, et particuUhrement sur 
ce qui regarde la saignSe, la purgation et la boisson^ (Paris 1710) gegen 
Hecquet's reichliche Blutentziehungen, indem er dieselben einzuschränken, dafür 
aber reichlich zu purgiren empfahl. Es folgten einige kleinere Arbeiten, wie: 
„Quaestio medica in scholis medicorum Parisiensiuni discussa: an erumpen- 
tibus variolarum ix^jjLa^ri^ a phlebotoviia et purgatione semper ahstinendumf*^ 
(Paris 1712. 4.; 1717); „Ooiffonum, id est verminum a cl. viro Dno. Ooiffonio, 
medico Lugd, in causam pestis erectorum debellatio," (Lips. 1722) und anonym 
oder vielmehr unter seinem anagrammatisch verstellten Namen Closanos Drant 
medicus Serapiensis (Nicolaus Andry, medicus ParisiensisJ : „Le thS de VEurape, 
ou les propriitSs de la v4ronique,^ (Paris 1712) und endlich eine Schrift, in 
welcher er massige Leibesübung als das beste Vorbeugungsmittel von Krankheiten 



ANDRY. 145 

empfiehlt: „An praecipua valetudinia tutela exercitcttiof*^ (Paris 1723, 4; 1741). 
Eine Anzahl von Thesen, die mit seiner Unterstützung oder unter seinem Vorsitz 
geschrieben wurden, übergehen wir. Es folgen jetzt in der Reihe seiner Schriften 
die höchst unwürdigen Angriffe, welche A. gegen Jean Louis Petit und dessen 
Ijerfihmten „Tratte des maladiea des os^ richtete und die nur aus dem gleich- 
zeitig entbrannten, sogleich zu erwähnenden erbitterten Kampfe der Aerzte gegen 
die Chirurgen erklärlioh sind. Die gegen Petit gerichteten Invectiven finden sich 
in den folgenden Arbeiten : „Lettre ä l'auteur de Varticle second du Journal des 

Savans, icrite au sujet du traiU des maladies des os** (Paris 1724) 

und in „Examen de divers points d^anatomie, de Chirurgie , de physique^ de 

midecine etc de quelques-unes des fautes d'un traitS de ce Chirurgien 

mr les maladies des os" (Paris 1726). Die erwähnten Streitigkeiten mit den 
Chirurgen, die übrigens in Paris nichts Neues waren, brachen dadurch aus, dass es 
Georges Mabeschal, dem berühmten Chef-Chirurgen der Charit^ 1724 gelungen 
war, 5 Stellen von chirurgischen Demonstratoren durchzusetzen. A. , der in dem- 
selben Jahre zum Decan der medicinischen Facultät erwählt worden war, führte 
dagegen die Universität in's Feld und bewirkte, dass der königliche Staatsrath 
die den Chirurgen gewährten königlichen Privilegien aufhob und dass die medi- 
cinische Facultät, wie sie es lächerlicherweise nannte, ihre Rechte an den Chirurgen 
aufrecht erhielt. A. ging so weit , dass er verlangte , die Chirurgie , solle nicht 
von Chirurgen gelehrt werden, sondern es sollten die Baccalaurei der Medicin 
die Operationen demonstriren und ausführen und die Doctoren Vorlesungen über 
Anatomie und Osteologie halten und auch die Operationen demonstriren; jeder 
Baccalaureus musste ein Examen in der Chirurgie machen imd eine Dissertation 
aus derselben schreiben. Alles für jene Zeit ganz unerhörte Dinge. A. begnügte 
sieb aber noch nicht damit, sondern er setzte es durch, dass der Erzbischof von 
Pans 1726 den Chirurgen und Hebammen verbot, Zeugnisse über den Dispens 
von Fasten zu ertheilen. A. berief eine Versammlung , welche entschied , dass 
Männer wie Morand und Gabengeot die Operation des Steinschnittes nur noch 
im Beisein eines Arztes verrichten, und dass kein medicinisches Werk ohne die 
Approbation der Facultät gedruckt werden dürfte. Später suchte er auch im Inneren 
der Facultät Unfrieden zu stiften; bei den fortgesetzten Kämpfen und Intriguen, 
die Jahre lang dauerten, liess er auch die Orthodoxie eine Rolle spielen. Seine 
Schrift: „Remarques de chimie touchant la prSparation de diffSrens remldes 
usiUes dans la pratique de la medecine^ (Paris 1735) ist ein Angriff gegen die 
medieinische Chemie von Maloüin und in der folgenden : ;, Cleon h Eudooce, touchant 
la priiminence de la midedne sur la Chirurgie*^ (2 voll. Paris 1739) suchte er 
noch einmal zu beweisen, dass zu allen Zeiten die Chirurgen den Aerzten unter- 
geordnet gewesen seien. — Die einzige Leistung, wegen welcher A.'s Name auf 
die Nachwelt zu kommen verdient, ist seine erst ein Jahr vor seinem Tode erschienene 
Schrift über Orthopädie, welchen Namen er erfunden hat. Diese Schrift führt 
folgenden, dieselbe bereits charakterisirenden Titel: „L*orthx>pSdie, ou Vart de 
prhenir de corriger dans les enfans les difformitls du corps etc.; le Umt 
par des moyens h la port^e des phres et mhresy et de toutes les personnes 
qui ont des enfans h Slever^ (2 voll. Paris 1741; Bruxelles 1743; englische 
üebersetzung, London 1743; deutsche Uebersetzungen, Berlin 1744, 1762). Dazu 
noch: „Suite d'orthopSdie*^ (Paris 1742). — A. starb zu Paris am 14. Mai 1742. 
Nach seinem Tode liess DiONis, sein Schwiegersohn, einen „TraitS sur la peste** 
crBcbeiaen nach Vorlesungen, die Jener im College royal de France gehalten 
hatte. — A. vereinigte mit grossen Talenten, einem gediegenen Wissen und einer 
glänzenden Darstellungsgabe einen unruhigen, zerfahrenen, neidischen Charakter und 
liat zu seiner Zeit einen grossen Ruf genossen, den er theils durch wirkliche Arbeit 
verdient, theils aber durch niedrige Intriguen und verächtliche Thaten erlangt hat* 
Biogr. med. I, pag. 251. — A. Ch6reau bei Dechambre, IV, pag. 322. 

Gurlt. 
Biojcr. Lexikon I. • 10 



l 



n 



146 ANDRY. — ANEL. 

Andry, Charles-Fran^ois, Hospitalarzt zu Paris, war daselbst 1741 
geboren, wurde auch Doctor regens der medicinischen Facultät und consultirender 
Arzt N a p o 1 e n's. — Nachdem er verschiedene Schriften über verschiedene Gegen- 
stände, wie: ^McUih'emSdicale etc.*^ (3 voll., Paris 1770) — ^ Discours prononcS aux 
Scoles de mSdecine pour Vouverture solennelle des Scoles de Chirurgie" (1773) — 
yjRecherches sur la rage" (1779) geschrieben, beschäftigte er sich auch mit den 
raedicinischcn Einwirkungen des Magnetismus und sehrieb darüber seine ^Observatiom 
et recherches sur Vusage de Vaimant en mSdecine, ou MSmoire sur le magnStisme 
mSdicinal" (1782) ; auch war er der Verfasser jenes Berichtes, den eine Commission, 
die noch aus Poissonnier, Caille und Mauduyt bestand, im August 1784 im 
Namen des Königs an die königliche Gesellschaft der Medicin über den thierischen 
Magnetismus zu erstatten hatte, in welchem er diesen keineswegs glimpflich behan- 
delte. Er gab endlich noch „Observations sur les maladies vinSriennes, par 
Antoine Nunnes Riberio Sanchez etc." (Paris 1785) und „Recherches sur la 
mäancolie" (Paris 1786, 4.) heraus. Sein Tod erfolgte am 8. April 1829. Er 
war einer der eifrigsten Verbreiter der Pockenimpfung. 

A. Chereau bei Dechambre, IV, pag. 8::i5. (j 

An6, Pierre A., Arzt zu Paria, am 1. Juni 1739 zu Castelnau de Durbau 
CDep. de TArri^ge) geboren, wurde für den geistlichen Stand bestimmt, in einem 
Jesuiten-Collegium erzogen, kam dann zu einem Landarzt in die Lehre und besuchte 
später die Pariser medicinischen Unterrichtsanstalten, wo der berühmte Anatom SüE 
ihn zu seinem Prosector ernannte. Magister der Chirurgie geworden, erfreute er sich 
bald des Zutrauens hochgestellter Persönlichkeiten und erhielt sogar den Titel als 
Leibchirurg des Königs. Die Revolution liess ihn jedoch fast Alles verlieren, indessen 
nicht die Achtung und Freundschaft seiner CoUegen, unter denen BaudelocqüK 
die erste Stelle einnahm. 25 Jahre lang gehörte er der Societe de raödeciue, der 
Nachfolgerin der Societe royale de medecine und der Acad6mie de chiriirgie, seit 
ihrer Gründung an. Als Ehrenmitglied der genannten Gesellschaft trug er die 
Kosten eines von derselben ausgeschriebenen Preises über die Convulsionen der 
Schwangeren und Wöchnerinnen. Er starb im August 1822. 

L. C. Deneux im Joum. gfeneral. de möd. T. LXXX, 18:^2, pag. 398.* G. 

Anel, Dominique A., berühmter französischer Chirurg aus dem Anfange 
des 18. Jahrhunderts, über dessen Lebensumstände sehr wenig Genaues bekannt 
ist, soll 1678 oder 1679 zu Toulouse geboren sein. Bereits als Garyon Chirurgien 
des Hospitals St. Jaqucs zu Toulouse publicirte er im Mercure 1700 einen Fall von 
Knochenerweichung bei einem 22jährigeu Manne und einige Briefe über andere 
Gegenstände. Von Toulouse ging er nach Montpellier, wo er kurze Zeit Chirurgie 
studirte, dann begab er sich nach Toulou und wurde Chirurg auf einem franzö- 
sischen Kriegsschiff, mit dem er Seereisen machte. Nach kurzer Zeit aber verliess 
er die Marine, kam nach Paris, wo er 3V2 Jahre lang blieb, sich mit Anatomie 
beschäftigte und ein Schüler von Jean Loüis Petit und Mareschal war. Ehe er 
Paris verliess, erhielt er eine Anstellung als Chirurgien major bei der französischen 
Armee im Elsass; 1707 trat er in gleicher Eigenschaft in das Cürassier-Regiment 
des Grafen von Gronsfcld, der als General in kaiserlichen Diensten stand, ein. In 
diese Zeit fällt seine Schrift: „Hart de succer les playes saus se servir de la 
houclie d'un homme : avec un discours d^U7i specijique propre ä prSvenir les maladies 
ven^riennes" (Amsterdam 1707; 1716, 1732; Trev(mx 1717, 1720), in welcher 
er eine von ihm erfundene Spritze beschreibt, um Flüssigkeiten, namentlich Blut 
und Eiter aus Höhlen und Gewebsinterstitien auszupumpen , also dasjenige zu thun, 
was man heutigen Tages als Aspiration bezeichnet. Dieses Verfahren \^Tirde von 
SanCASSANI in seinen „Dilueidazioni^ besehrieben, aber kritisirt und nicht empfohlen. 
Worin das erwähnte Specificum gegen die Syphilis bestand, ist nicht angegeben; 
A. wollte, wie er sagte, erst abwarten, wie sich die Kritik über seine Vorschlage 
und das dieselben betreuende Kaissouucment äussern würde. — Etwa um dieselbe Zeit 



ANEL. 147 

wnrde A. zur Berathung in einem schwierigen Falle nach Wien berufen und blieb 
daselbst 2 Jahre, ging dann naeh Italien und diente in der österreichischen Armee 
in drei Feldzägen, indem er in der Zwischenzeit die hauptsächlichsten Städte Italiens 
besuchte und in ihren Hospitälern Chirurgie studirte. In dieser Zeit wird es auch 
gewesen sein, wo er Doctor der Chirurgie in Mantua wurde. 1710 lebte A. 
7 Monate lang in Rom , wo er nicht nur die Hospitäler besuchte , sondern auch 
gelbst operirte und operative Chirurgie lehrte. Hier war es auch, wo er am 
30. Januar 1710 an einem Geistlichen die später noch zu erwähnende Aneurysmen- 
operation ausführte, die er übrigens bereits vorher einige Male gemacht hatte. — 
Zu Ende dieses Jahres ging er nach Genua, wo er 1712 seine erste Operation der 
Thränenfistel machte. Besonderen Ruhm aber verschaffte ihm die Heilung des 
Abb6 Fieschi, des Neffen des Erzbischofs von Genua, von seiner doppelseitigen 
Thränenfistel , und er wurde 1713 nach Turin zur verwitweten Herzogin von 
Savoyen, der Mutter von Victor Amadeus 11., der durch den ütrechter Frieden 
König von Safdinien wurde, berufen, um auch sie von demselben Uebel zu befreien, 
was auch vollkommen gelang. Er wurde in Folge dessen ihr Leibchirurg und 
erhielt eine Pension von 100 Louisd'or. In seiner Schrift: „Observation singu- 
lare sur la fistule lacrimale, dans laquelle Von verra que la itiatihre des 
ßshdes lacnmales s'ivacue trhs-souvent par les points lacrimatuc etc.; par le 
moyen de denx Operations nouvelleinent inventSes, et mises en pratiqtoe le 
W fhyrier 1713^ (Turin 1713, 4.) beschreibt er sein Verfahren, wie es ihm 
mit einer feinen silbernen Sonde gelungen sei, die Thränenröhrchen zu sondiren 
und später auch mit einer von einem Goldarbeiter angefertigten kleinen Spritze — 
die auch heute noch unter seinem Namen bekannt und gebraucht ist — durch 
jene hindurch Injeotionen in den Thräuensack zu machen. Eine zweite Schrift: 
^Nouvelle mSthode de guSrir les fistides lacrimales ou recueil de diffSrentes 
päces pour et contre, et en faveur de la ni^e- methode nouvellement inventSe" 
(Turin 1713, 4.) ist eine Sanmalung von Aufsätzen und enthält, ausser der vor- 
erwähnten Abhandlung, noch: „Nouvelle et trhs exacte description anatomique 
du conduit lacrimal'^ , eine ziemlich genaue Beschreibung der bei der Operation 
in Betracht kommenden anatomischen Theile; femer einen scharfen Angriff eines 
Gregners der Operation , eines Genueser Chirurgen : „Informazione fatta dal 
ddrurgo Francesco 8i gnorotti .... contro Monsu! Domenico Anel^ 
und „Lettr es diverses, ou les critiques de la critique del Signor F, Signorotti*^, 
bestehend in Briefen an und von gegen 20 Aerzten und berühmten Personen, 
deren Ansichten über die Operation A. eingeholt hatte und die sich sämmtlich 
günstig über dieselbe aussprachen. Auch die Pariser Akademie der Wissenschaften 
erkannte das Verfahren als neu und ingeniös an ; Fantoni, Manget, Woolhouse, 
MoLiNETTi, Lancisi, Vai-iLISNIEEI , MOBGAGNi etc. erklärten sich für dasselbe 
und so konnte denn A. in der folgenden Schrift: „Suite de la nouvelle mSthode 
de guirir les fistules lacrimales , ou discours apologitique dans lequel on a 
htsirS diffirentes pi^ces en faveur de la meine m,ethode, inventSe Van 1713 etc." 
(Turin 1714, 4.) eine noch grössere Zahl von zustimmenden Briefen abdrucken. 
In dieser Schrift, aus welcher auch die Einzelheiten über das Leben A.'s entnommen 
sind, beschreibt er unter Anderem das nach ihm benannte, schon erwähnte Ver- 
fahren der Behandlung eines falschen traumatischen Aneurysmas der Ellenbogen- 
beuge, bei welchem er, ohne den Sack zu eröffnen, aber so nahe als möglich 
oberhalb desselben die Art. brachialis unterband. Den folgenden Fall: y^Observation 
mgulih'e d'un foetus trouvi dans une masse mernbraneuse, rendue par une 
dame au sixihne mois de sa grossesse" th eilte er 1714 der Acad. des sciencea 
mit. In einer späteren Arbeit : y, Dissertation svr la nouvelle d^couverte de Vhydro- 

pisie du conduit lacrimal ; de la eure des fistules lacrimales et la manihre 

de dünner a boire par Voeil" (Paris 1716) beschrieb er die Ansammlung einer 
farblosen Flüssigkeit im Thränensack als eine bisher unbekannte Krankheit und 
machte zwei Vorschläge von sehr verschiedenartiger Natur und Bedeutung; in 

10* 



l 



148 ANEL. — ANGELIN. 

dem einen spricht er davon, dass man kranken Personen bisweilen durch die 
Puncta lacrimalia zu trinken geben könne, wie er es oft mit Champagner gethan 
habe; anderseits empfiehlt er die Errichtung eines Augenhospitals und giebt daftlr 
einen vortrefflichen und originellen Plan an. Ueber die (Jicht, au der er selbst 
litt, hatte er die folgende kleine Abhandlung (anonym) geschrieben: „TraitS de 
la goutte , gut contient une manihre süre et fädle de la gu^ir, eprouv£e par 
P auteur rneme qui Statt affligi de cette maladie" (Amsterdam 1713). Seine letzte 
bekannt gewordene Schrift: „Belatton d'une maladie extrdordiiiaire gut 8*est 
dSclarSe par une enorme tumeur, laqtLeUe occupaü taute VHendue du venire 
d'un komme y que cette ctrconstance faisait croire hydropique^ TParis 1722, 
av. pl.) betrifft eine Geschwulst, in welcher mehr als 7000 in 38 Figuren abgebildete 
„fremde Körper" enthalten waren und die offenbar ein grosser Ecchinocoecussack 
war. Auch diese Mittheilung war der Acad. des sc. vorgelegt worden. — 1716 
prakticirte A. mit grossem Erfolge, hauptsilchlich als Augenarzt, in Paris; nach 
1722 ist nichts mehr von ihm bekannt, ebensowenig wie über die, Zeit und den 
Ort seines Todes etwas feststeht. 

Portal, Histoire de l'anat. et de la chir. T. IV, 1770, pag. 896. — Biografla med. 
FiemonteBe. II, pag. 10. — Biographical Didionary of the society for the diffusion of usefui 
knowledge. II, *Z, pag. 697. — A. Chereau bei Dechambre, IV, pag. 325. Gurlt 

Angeli, L u i g i A. , Arzt zu Imola in der Romagna , wurde daselbst am 
7. October 1739 geboren, besuchte später die Universität zu Bologna, wo er 1761 
die Doctorwtirde erwarb. Nachdem er an verschiedenen Orten in der Nähe seiner 
Vaterstadt die Praxis ausgeübt hatte, Hess er sich 1775 in derselben nieder und 
beschäftigte sich, dem Beispiele vieler berühmter Aerzte, namentlich Italiens, folgend, 
neben der Medicin mit den schönen Wissenschaften. Seine schriftstellerische Thätig- 
keit begann er mit einer Uebersetzung aus dem Französischen von Venel „Saggto 
dt medica educaztone per le fanciulle ckiamate a marito etc.*^ (Imola 1789). 
Es folgte die Beschreibung eines Falles von Extrauterinschwangerschaft ('1789) und in 
demselben Jahre eine Schrift: „// medico giovane al letto degV infermi*^ ^ die in der 
medicinischen Welt viel Glück gemacht hat, indem sie nicht nur eine Anzahl von 
italienischen Auflagen (1812 unter dem veränderten Titel : „II medico giovane cd 
letto delV ammaXato istruito nei doveri di medico politico e di uomo morale 
lezione^ ; femer um eine 6. Vorlesung vermehrt 1820, 1825 etc.) erlebte^ sondern 
auch in fremde Sprachen übersetzt wurde fin*s Deutsche von LüDW. Choülant, 
Leipzig 1823; in's Holländische 1827). Er schrieb ferner eine „Memoria sui 
bollitori di Bergullo e suoi fangJii^ (1795) und, ausser einer Anzahl von Aufsätzen 
in italienischen Zeitschriften, einige in hygienischer Beziehung wichtige Schriften: 
^Ravenna giustißcata delV imputazione di aria malsana** (1811) und „Memoria 
sui danni che cagionano le risaje etc.^ (1815), femer „Uabuso del scdasso 

condannato dalV autorith de^ sommi pratid, memoria indiritta specialmerUe 

a giovani medici" ri824; deutsch von Frz. Widnmann, München 1828). Er ver- 
fasste auch noch einige geschichtliche und biographische Schriften: „SulV ordine 
dello speron d'oro^ — rySugli uomini illustri Imolesi^ — „Sulla vita e su gli 
scritti di alcuni medici Imolesi, memorie storiche" (1808) und starb im Juli 1829. 

De Tipaldo, I, pag. H. — Callisen, I, pag. 179; XXVI, pag. 66. G. 

Angelin , Justin-Pascal A. , französischer Marinearzt , geboren zu 
Marseille (Bouches-du-Rh6ne), über dessen Lebenslauf wir nichts Näheres anzugeben 
wissen, schrieb: „Rapport de M, Angelin, Chirurgien h hord du Louqsor, stir 
Vetat sanitaire de la Haute- Egypte pendant Virruption du cholSra-morbu^ en 
1831 etc." (Annales marit. et colon. 1831, T. XLVI) — „Expddition du Louxor 
etc."" fParis 1833) — „Du cholSra en ^gyjjte efc,*' (Paris 1834, Th^se 4.) 
— „Memoire sur V^pidSniie de fievre jaune qui a rSgnS en 1838 ä la 
Guadeloupe et partictdihreinent h la Pointe-h-Pitre" (Toulon 1839). 

Berg er et Key, pag. 3. G. 



r 



ANGELSTEIN. — ANüLADA. 149 

AngelsteiB, Karl A. , Geh. Sanitiitsratb niul Privatdocent au der 
Universität in Berlin, war am 14. Juni 1791) zu Nordhausen geboren: er lernte 
von 1814 an die Apothekerkunst, studirte 1822 zu Leipzig und seit 1823 zu 
Berlin Medicin und wurde 1825 mit der Diss. ,^De percinismi et magnettsmi 
mineralis historia*^ promovirt. Seit 1824 war er AssiKtenzarzt an dem unter 
Karl v. Graefe's Leitung stehenden klinisehen Institut für Chirurgie und Augen- 
heilkunde, wurde 1826 als Arzt approbirt und 1827 Arzt an gedachtem Institute. 
Er veröffentlichte in v. Gbaefe's und v. Walthbr's Journal , Bd. XVII , XXV 
einige Aufsätze. Im October 1831 habilitirte er sich bei der Berliner Universität 
als Privat-Dpcent und gab in demselben Jahre eine kleine Schrift: „De Senegae 
radice: remedio ophthalmiatrico praestantissimo^ (4.) heraus. Er wurde 1842 
Sanitäturath und 1847 Geh. Sanitätsrath. Nach Dibffenbach's Tode mit der 
interimistischen Leitung der chirurgischen Klinik beauftragt, führte er dieselbe bis 
zu der im Herbst 1848 erfolgten Ankunft von B. Langenbeck. An einem von 
1851 bis 1854 zu Erlangen in drei Bänden unter seinem Namen erschienenen 
yf Handbuch der Chirurgie'^ hat er keinen weiteren Antheil, als dass er seinen 
Xamen dazu hergegeben hat. Er starb am !). Juni 1868. Gurlt 

/ Angelucci, Theodor A. (Angelutiü.s) , war ein grösserer Philosoph 
and Dichter als hervorragend in seinen medicinischen Leistungen. Seine Jugend 
fiel in die Mitte des 16. Jahrhunderts und scheint — abgesehen von einem 
längeren Studienaufenthalte in Rom — eine vielbewegte gewesen zu sein. Nach 
Venedig kam er 151)3 als Flüchtling, brachte es aber in der Folge dahin, von 
mehreren italienischen Städten zum Ehrenbürger ernannt zu werden, wie es heisst, 
wegen eines grossen Glückes in der Praxis. Neben allerlei metaphysischen Schriften, 
speeiel! auch polemischen Inhalts, linden wir von ihm : „ Ars niedica ex Hippocratvi 
et GcUeni tkesauris potissimum deprompta"* (Venedig 1588 und 1593) — „De 
natura et curattone malignae febria, libri IV^ (Venedig 1593), gegen welche 
Jean Donatelli eifrig polemisirte, um von A. wiederum heftig zurückgewiesen zu 
werden. Ausserdem Poetisches , eine Ausgabe der AeneYs und Aehnliches. 

Biographie m^dicale. I. Red. 

Anger, drei Pariser Aerzte; Edouard A., im Aufauge dieses Jahrhunderts 
geboren, veröffentlichte 1826 eine Schrift: „De Veffet des boissons sur VSconomie 
animale** — sowie „Recherches coniparatives sur la lithotomie pratiquSe sur 
P komme'* (beide Paris). — Benjamin A. ist der Verfasser der (1869 in Paris 
erschienenen; ^Nouveaux MStnents d^anatomie chirurgicale^ mit Atlas und 
1079 Figuren. — Theophil A. verfasste eine Monographie über erectilc Lymph- 
geschwülste: „Adenolymphoceles^ (Paris 1867). 

Index catalogae. Red. 

*Allgerer, Othmar A., geboren 17. September 1850 in Geisfeld (Bayern), 
studirte in Würzburg als Schüler v. Linhart's und v. Bergmann'« und promovirte 
am 10. Mai 1873. Seit August 1879 wirkt A. als Privatdocent in Würzburg 
und publicirte neben kleineren Arbeiten monographisch: ^Die chirurgische Klinik 
im Juliushospitale zu Würzhirg^ (1876) - — „Studien über Resorption der 
Blutextravasate^ TIS 79) — ,,Das Verhältniss der Fermentintoxication zur 
Septikämie" (1882). Red. 

Anglada, Josef A., geboren am 17. October 1775 in Perpignan, wo 
sein Vater Rector der Universität und Professor der Chemie war. Er studirtc in 
Montpellier unter FouQüET und Chaptal, promovirte daselbst 1797, ging für 
einige Zeit nach Paris, um später in seiner Vaterstadt sich dem praktischen Berufe 
zu widmen. Sein um die Förderung des Unterrichts we.sens in Frankreich hoch- 
verdienter Lehrer Chaptal, der inzwischen Minister geworden, betraute ihn 1809 
mit der Reorganisirung der Universität in Montpellier; er erhielt daselbst die 
Lehrkanzel für Chemie und im Jahre 1820 die für Therapie und Materia medica, 



150 ANGLADA. — ANNANDALE. 

die er bis zu seinem 1833 erfolgten Tode innehatte. — A. war vorzüglich auf 
chemisch - analytiuchem Gebiete thätig und beschäftigte sich vielfach mit der Unter- 
suchung der Schwefelvirässer und Thermen seines engeren Vaterlandes. Seine 
Theorie über die Ursache der Temperatur in den Thermalwässern , die er nicht, 
wie seine Vorgänger, auf vulcanische Nachbarschaft, sondern auf in der Erdrinde 
gelegene elektromotorische Kräfte zurtlckführte , dürfte ein gewisses Interesse 
beanspruchen. — Unter seinen Werken sind zu nennen: „MSmoires pour servir 
ä Vhistoire gSnSrale des eaux minSrales sulfureiLses et de^ eaitx thermales^ 
(Paris 1827, zwei Bände) — „Traiti des eaux minirales et des Etablissements 
thermaux etc,^ (Paris 1833) u. s. w. Ung^r. 

Anker, Matth. Josef A., geboren zu Graz den 6. Mai 1771 als Sohn 
eines unbemittelten Chirurgen, besuchte die Elementarschule und kam dann zu 
einem Wundarzte in die Lehre. Nach Beendigung der Lehrjahre gelang es ihm, 
durch eifrigstes Selbststudium und unter grossen Entbehrungen gründlichere allge- 
mein-wissenschaftliche und medicinische Kenntnisse zu erwerben und in Wien nach 
nur zweijährigem Studium 1793 die Magisterwürde in der Chirurgie zu erlangen. 
A. prakticirte dann in Stainz als Chirurg, wurde 1807 nach Graz als Kreis- Wund- 
arzt berufen und beschäftigte sich jetzt mit wissenschaftlichen, hauptsächlich 
raineralogischen Studien. Schon im nächsten Jahre erschien seine erste Arbeit 
„ Ueber die Art und Weise, ein unbekanntes Fossil zu bestimmen^, deren später 
mehrere, ausschliesslich mineralogische und geognostische , Steiennark betreffende, 
folgten. Medicinische Themata hat A. nicht behandelt, wie er sich später auch 
ganz von der chirurgischen Praxis abwandte. Er wurde nämlich an dem vom Erz- 
herzog Johann 1811 neugegründeten Grazer Landesmuseum als Custos angestellt 
und erhielt 1824, nach dem Abgange des bertihmten Mineralogen MOHS, dessen 
Stelle als Professor der Mineralogie an demselben Museum, von der er 1840 in Folge 
seines hohen Alters zurücktrat. A. starb am 3. April 1843 in Graz. Sein Name 
lebt in der Wissenschaft auch fort durch die Bezeichnung eines Minerals als „Ankerit". 

Mittheilnngen des histor. Vereins für Steiermark, 1850, pag. 243. 

Max S alomon. 

Aükerseil, Anker A. , Provinzialarzt zu Ribe in Jütland, war am 
6. Januar 1702 auf dem Pfarrhofe Bork im Stift Ribe geboren. Er bezog 1716 die 
Universität in Kopenhagen , war fünf Jahre lang Alumnus in Bopch's Collegium, 
begleitete 1721 den Grafen Danneskjold-Laurvig nach Aachen , schrieb 
drei Disputationen „De medicatione per musicam*^ fl720 — 1722), zwei „De 
monstro cyclopico Hafniensi" (1724) und machte 1728, mit Stipendien versehen, 
eine wissenschaftliche Reise in's Ausland. Während er sich in Strassburg aufhielt, 
wurde er zimi Provinzialarzt in Ribe benifen; er kehrte darauf heim und erwarb 
sich 1730 in Kopenhagen mit der Disputation „De Strophe septimestri foetus, 
Oallis dicta la culbute, falso hactenus credita" die Doetorwürde. Vor seinem 
am 28. August 1760 erfolgten Tode hatte er testamentarisch ein Legat von 
2000 Rd. zur Verbesserung der Schule in Ribe ausgesetzt. 

Ingerslev, II, pag. 825, 357, 440. G. 

''^ Annandale, Thomas A., Mitte der Drei ssiger- Jahre geboren, promovirte 
zu Ediiiburg 1863 und wirkt daselbst als Universitätsprofessor und sowohl prak- 
tisch als HterariFch thätiger Chirurg. Hier seien genannt die Preisarbeit für den 
Jackson-Preis: „On the malformations, diseases and injuries of theßngers and 
toes and their surgical treatment^ — die Thesis (nachher nochmals monographisch 
ausführlicher behandelt) „On the injuries and diseases of the hip-point*^ — die 
„Abstracts of surgical principles on tmnours^. im Laufe der Sechziger-Jahre 
erschienen. Aus neuerer Zeit: „Clinical .^urgical lectures^ fBrit. med. Journ. 1874, 
1875) — nFatty Hernia^ fibid. 1870) und verschiedene kleinere casuistische 
Mittheilungen in der bereits genannten Zeitschrift , in Med. times and gaz. , sowie 
im Edinb. med. Journ. ßed. 



ANNEB. — ANSIÄUX. 151 

*Alllier (de Brest) Gu8tave-D6rtir6-Honor6-Louia, franzö- 
sischer Marinearzt zweiter Classe, geboren zu Brest (Finfetfere), sehrieb die folgende 
Doetoratsthese : „Des Spanchemenis pleur^tiques, du pyothorax en particuUer^ 
^Montpellier 1867, 4.) und die beiden nachstehenden von der Soci6t6 protectrice de 
TcDfance zu Paris gekrönten Preisschriften: „Gnide des m^res et des nourrices** 
(Paris 1870) — „JBtude des causes de la mortalitS excessive des enfants pendant 
la premih-e annSe de leur existance, et des moyens de la restreindre, Recherches 
sur rinfanticide" (Paris 1872). 

Berger et Bey, pag. 3. G. 

Annesley, James A., gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in England 
geboren, widmete sich frttb dem Dienste in den Colonien, so dass er bereits 1825 
als Wundarzt am General-Hospital zu Madras mit einem seiner für die medicinisehe 
Geographie und geographische Pathologie epochemachenden Hauptwerke hervor- 
treten konnte. Es handelte sich um die „Sketches of the inost prevalent diseases, 
comprisifig a treatüe on the epidemic cholera of the Easf^ (London, mit 3 col. 
Kupfern). Zuerst in englischen, dann aber auch in den deutschen Zeitschriften der 
nächsten Jahre (1826 — 1827) wurde das Werk mit der grössten Aufmerksamkeit 
besprochen ; die ihm beigegebenen „Practical observations on the effects of calomel 
to the alimentär^ canal" wurden in weitläufigem Auszuge mehrfach abgedruckt. 
Eg handelte sich in den Sketches besonders um die Verwerthung. der statistischen 
and topographischen Berichte über die Truppen in Madras, die Feststellung sicherer 
MortalitAtsziflfem, denen A. mit überraschend scharfem Verständniss näher getreten 
war; demnächst aber auch um die eingeflochtenen Thatsachen über die Cholera, 
die selbst damals dazu angethan waren, Sensation zu erregen. A. erhielt ftlr seine 
Arbeit aus dem Monthyon-Preise eine Tausend-Francs-Medaille. In seiner späteren 
Stellung als Garnison - Chirurgus zu Fort St. George erwuchs ihm ausreichende 
Gelegenheit, sich in Studien über die indischen Krankheiten zu vertiefen. Die 
„Researches tnto the causes, nature and treatment of the more prevalent diseases 
of India and of warm climates in generale (London 1828, 2 Vol.) waren die 
Fmcht dieser Thätigkeit. Zahlreiche eigen beobachtete Krankheitsfälle, Autopsien, 
deren Befunde zum Theil farbig abgebildet wurden, zeichneten dieses Werk aus 
imd machten es ebenfalls zum Gegenst^inde vieler Besprechungen und Auszüge. So 
wurden deutsch die Entzündung und organische Verletzimg des Magens — die 
Hydatiden der Leber aus Vol. I ; aus Vol. II : die Krankheiten der Milz und des 
Pankreas, sowie Hemeralopie oder Nachtblindheit in besonderen Uebersetzungen 
wiedergegeben. — Die Beobachtungen A.'s über die Cholera hatten unter dem 
Titel: „üeber die ostindische Cholera nach vielen eigenen Beobachtungen und 
Leichenöffnungen" in Gustav Himly ihren Uebersetzer gefunden, der seiner Arbeit 
die 2. Auflage des A. 'sehen Originals (von 1829) zu Grunde legte und sie, versehen 
mit einer Instruction an die Sanitätsbehörden, 1831 in Hannover erscheinen Hess. 

Red. 

Ansiaux, A rztfamilie in vier Generationen. Nicola s-G a b r i e l-A n t o i n e- 
Joseph A. wurde am 6. Juni 1780 zu Ciney als Sohn des Dr. Nicolas- 
Antoine-Joseph A., des späteren Leibarztes des Fürstbischofs von Lüttich 
und Chefarztes der dortigen Civilspitäler (gestorben im April 1825), geboren. Er 
begleitete seinen Vater, der beim Herannahen der französischen Armee mit dem 
Fürstbischof Lüttich verliess, nach Deutschland und begann 1795, nach Lüttich 
zurfickgekehrt , das Studium der Anatomie und Chirurgie. Durch die Vorträge 
eines französischen Arztes und die Praxis seines Vaters bereitete er sich für die 
Mediein, im Hopital de Baviere für die Chirurgie und im Höpital de Ramoux 
filr die Geburtshilfe vor, und nahm mit 18 Jahren, da die Ausübung der Mediein 
damals ganz frei war, den Titel als Chirurg an, begab sich aber bald auf die 
medicinisehe Schule in Paris, blieb daselbst bis 1801 und kehrte nach Lüttich 
zurück. Nachdem durch das Gesetz von An XI (1803) die abgeschafften 



L 



152 ANSIAUX. 

akademischen Grade wieder hergestellt waren, kehrte A. nach Paris zurück, um 
mit der „Dissertation sur VopSration cSsartenne et la section de la Symphyse 
du puhis^ (Paris An XII, 1803) das Doctordiplom zu erhalten. Diese Dissertation, 
in welcher er die beiden Operationen näher erörtert und dabei der Synchondrotomie 
den Vorzug giebt, erschien 1812 zu Paris in einer zweiten Auflage. Von ander- 
weitigen Arbeiten fallen in jene Zeit „RSflexion sur la rupture du tendon du 
plantaire grele^ und „Observation sur une maladie des organes urinaires" 
(Leroüx, Joum. de m6dec. T. 2, 5, An 9, 11). — In seine Heimat zurück- 
gelangt, verband sich A. mit seinem soeben aus Paris zurückgekehrten Mitschüler 
COMHAIRE zur Gründung einer Chirurgenschule. 1806 wurde A. zum Chefchirurgeii 
des Hopital de Bavi6re ernannt, in welchem er wichtige Verbesserungen einführte 
und eine chirurgische Klinik gründete. Einige Publicationen, welche in die nächste 
Zeit fielen, waren: „Observation sur des accidents extraordinaires qui ont 
accompagnS le divdoppement d^un bouton vaccin^ und „Quelques cas rares 
observis en Van 13 sur des conscrits du D4part, de VOurthe^' (Leroüx, Journ. 
de mMec. T. 14, 1807). Die Chirurgenschule hatte einen guten Fortgang, 
bestand bis zur Errichtung der Universitäten im Königreich der Niederlande 1816, 
und bestimmte die Regierung hauptsächlich Lüttich zum Sitz einer solchen zu 
wählen. Bei der Gründung der Universität wurde A. zum Professor Ordinarius 
ernannt und ihm der Lehrstuhl der Chirurgie, chirurgischen Klinik und gericht- 
lichen Medicin übertragen. In demselben Jahre, 1816, gab er eine „ülinique 
chirurgicale , ou Recueil de mSmoires et observations de Chirurgie praJtique*^ 
(deutsch in Sammlung für Aerzte, Bd. XXIX, XXX, 1821, 1822) heraus, die 1820 
in zweiter Auflage (deutsch von C. F. Kretschmar : Chirurgische Klinik u. s. w. 
Chemnitz 1821) erschien und einige früher schon herausgegebene Arbeiten repro- 
ducirt. Auch machte er die vor ihm ganz vernachlässigte gerichtliche Medicin zum 
Gegenstande besonderer Studien, indem er mit seinem Collegen Destrivbaux 
^Questions de mMecine iSgale; prScis des mSmoires du Dr, Pfefer^ TLifege 
1821), ferner im folgenden Jahre eine bei Niederlegung des Rectorates gehalteuc 
„Oratio de medicina^ forensis historia ejusque dignkate^ herausgab, die unter dem 
Titel : „Discours sur la mSdecine ISgale^ (Li^ge 1828) von Neuem erschien. 
Er begann auch die Publication einer Ausgabe von Callisen's Chirurgie : „Systema 
chimrgiae hodiernae Henrid Callisen, editio quinta innumeris correcta mendis 
notisque aucta" (Jj^o^vi 1821), deren zweiter Theil jedoch nicht erschienen ist. Auch 
in den Actes de la Soci6t6 des sciences physiques et m^dicales de Li^ge, deren 
Secretär er war, sowie in den Proc^s- verbau x de la Soci6t6 d'enmlation de Liege, 
in welche die erstgenannte Gesellschaft tiberging, finden sich noch einige Abhand- 
lungen von A. Der Tod dieses bedeutendsten Professors der neugegründeten 
Universität Ltittich erfolgte am 26. December 1834. 

Biographie nationale beige. I, pag. 339. — Cal lisen, I, pag. 188 ; Bd. XXVI. pag. 69. 

Gurlt. 

Ansianx, Nicolas-Joseph-Victor A., Professor an der Universität 
zu Ltittich, war daselbst am 9. März 1802 als Sohn des Vorigen geboren, begann 
das Studium der Medicin 1817 auf der soeben gegründeten Universität Ltittich und 
erwarb die Doctorwtirde 1823. Er besuchte hierauf Paris, war daselbst bei ROüX 
Privatassistent und fungirte zugleich als „prevot" des von AmüSSAT geleiteten 
Cursus der Instrumenten- und Bandagenlehre. Eine ihm angebotene Stelle als 
Correpetitor der Geburtshilfe bei Maygrieb schlug er aus. 1824 wurde er MMecin- 
adjoint und 1834 Chefarzt der chirurgischen Abtheilung des Ltitticher städtischen 
Krankenhauses und behielt diese Stelle bis kurze Zeit vor seinem Tode bei. Im 
October 1824 begann er einen Cursus über Instrumenten- und Bandagenlehre, 
sowie über die Krankheiten der Knochen. Seine erste Schrift war ein „TrattS 
des bandages et appareils^ (Li^ge 1827, 2. Mit. 1839). 1828 wurde er zum 
„Lector" in der mediciuischen Facultät für die Instrunientenlehre und Geburts- 
hilfe ernannt und ihm die geburtshilfliche Klinik tibertragen. Nach dem Tode seines 



ANSIAUX. — ANTHIMUS. 153 

Vatera (1834) leitete er während eines Jahres auch die chirurgische Klinik und 
veröffentlichte darüber einen Bericht: „Clmtque chirurgicale de l' kapital civil de 
LiSgej annSe 1834 — J835^. Im Jahre 1838 zum Professor extraordinarius ernannt, 
lehrte er theoretische und praktische Ophthalmologie, Operations-, Instrumenten-, Ver- 
bandlehre; 1843 kam dazu noch die chirurgische Pathologie. 1842 gab er eine 
„Descriptian des appareils amovo-tnamoüibles^ heraus. Die Leitung der Augen- 
klinik behielt er bis zum Jahre 1860 und publicirte Über dieselbe 1848 eine 
„Notice sur les maladies observies h la Clinique. ophthalmologique etc.** 1849 
wurde ihm nebst den Vorlesungen über specielle Chirurgie definitiv auch der 
ehinu-gisch-klinische Unterricht übertragen. — Zur Zeit des ersten Auftretens der 
Cholera in Lüttich hatte er sich sehr ausgezeichnet, unter Anderem dadurch, dass 
er zur Gründung eines „Conseil de salubrit^ publique" mitwirkte. — Später ver- 
öffentlichte er noch einige Arbeiten, wie: y^De Vinfluence de la position dans les 
maladies chirurgicales** (1852) — „Memoire sur le seigle ergotS*^, — 1875 wurde 
A. emeritirt und zog sieh in's Privatleben zurück. Der 1879 erfolgte Tod seines 
hoffnungsvollen Sohnes Oscar (s. diesen) erschütterte ihn tief; nach längerer 
Krankheit starb er am 24. Juni 1882. 

A. Le Roy, Liber memoriaÜM. Gurlt. 

Ansiaux, Oscar-Nicolas-Ambroise A., Professor an der Universität 
zu Lattich, war als Sohn des Vorigen daselbst am 28. Januar 1834 geboren, 
promovirte am 9. August 1858 , besuchte hierauf Paris und London und bestand 
im Mai 1861 die Prüfung für das „Doctorat special en sciences chirurgicales" 
mit der These „De la r^section des articulations du membre infSrieur". Er schrieb 
eine Reihe von Aufsätzen: yyDe Vemploi de la suture m6tallique en Chirurgie etc," 
— „Tumeur adSnoide de la voiite palatine** — „Kyste congSnital du plancher 
de la bouche^ — „De V a^upressure de Simpson^ — „De VanesthSsie lacale etc.", 
die sämmtlich in den Annales de la Soci6t6 mMico-chirurgicale de Liöge (1862, 
1864, 1866) ver()ffentlieht sind. — 1865 begann er seine Lehrthätigkeit, indem 
er Curse über die Behandlung der Knochenbrüche hielt. 1867 wurde er an die 
Universität berufen , um seinem Vater die Vorlesungen Über Bandagen- und 
Instrunientenlehre und über Knochenkrankheiten abzunehmen. Seine Ernennung zum 
Professor Ordinarius (1878) überlebte er nur wenige Monate, indem er Finde 
Januar 1879 an einer inneren Incarceration starb. q 

Antero, Maria A., Mönch im Orden der unbeschuhten Augustiner, 
gebürtig aus Sestri a Ponente bei Genua, ist nicht nur wfegen seiner Thätigkeit 
während der Pestepidemie der Jahre 1656 — 1657 (der letzten, dicLigurien befiel), 
CT erwähnen, sondern namentlich wegen der Schrift: „Li lazzaretti della citth e 
riviere dt Oenova del 1657 etc," (G-enova 1658). Ohne vorgefasste Meinung, 
nicht von irgend einem System beherrscht, beschreibt er das thatsächlich Beobachtete, 
nachdem er die hauptsächlichsten Epochen angeführt hat, in denen Ligurien früher 
von der Pest befallen worden war. Auch findet man darin nicht nur Angaben 
darüber, wie das Pestcontagium nach Genua gelangte, wie der Zustand der dortigen 
Spitäler war, sondern auch Vorschriften, wie die Bevölkerung in Pestzeiten sich 
verhalten solle, wie die anzulegenden Lazarethe, deren Leitung, die ärztliche Be- 
handlung, die Verpflegung u. s. w. beschaffen sein muss , wie am besten die 
Weiterverbreitung der Krankheit vermieden wird; kurz, die Schrift ist eine der 
besten, welche über die Pest aus älteren Zeiten existiren. 

Pescetto, pag. 303. ^• 

Anthlmas, ein -im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. lebender griechischer 
Arzt, ist erst seit Kurzem durch eine schon von IsiDOR von Sevilla erwähnte, 
von Valentin Rose entdeckte und (hauptsächlich nach einer Handschrift von St. 
(rallen) herausgegebene hochinteressante, diätetische Schrift: „De observatione 
cihoTum** bekannt geworden. (V. ROSB, Anecdota graeca et graeco-latina, 



154 ANTHIMUS. — ANTOMMAECHI. 

II. Berol. 1870, p. 41—102. Selbstständige Ausgabe: Berol. 1870, 8., p. 58.) 
A. wurde in Folge seiner hochverrätherischen Verbindung mit den Gothen aus 
Byzanz verbannt und begab sieb wabrscheinlicb scbon damals nach Italien zu den 
Gothen. Bei diesen gelangte er zu so hohem Ansehen, dass er als G^andter zu 
dem König der Franken Theoderich (dem Ersten dieses Namens) geschickt wurde, 
welchem er bei seinem Abschiede die genannte Schrift hinterliess. Dieselbe fahrt 
den Titel : „Epistulae Anthimi viri ülustris comüü et legatarii ad gloriosiasimtmi 
TTieudertcum regem Fraricorum de observattone ciborum^ ; — die lateinische 
Schrift eines griechischen Arztes an einen deutschen König 1 Dieselbe hat ausser 
ihrer spracbgeschichtlichen Wichtigkeit, als ein frühes Beispiel des Ueberganges des 
Lateinischen in das Vulgär- Romanische, ein besonderes Interesse durch die zahl- 
reichen Bemerkungen über die bei den Franken in jener frühen Periode gebräuchlichen 
NahrnngR- und Genussmittel. Es ergiebt sich, dass die Küche der Franken neben 
den Lieblingsspeisen : Speck und Käse, sehr gut und reichlich bestellt war, und 

dass es selbst an Erzeugnissen des Südens, ja Arabiens und Afrikas^ nicht fehlte. 

H. Haeser. 

Antliony, Francis A., Arzt, Chemiker und Charlatan zu London, war 
daselbst am 16. April 1550 geboren, besuchte um 1569 die Universität Cam- 
bridge, wurde dort 1574 Magister artium, warf sich mit Eifer auf das Studium der 
Chemie und machte in einer 1598 erschienenen Abhandlung: „Panacea aurea, 
sende auro potabili^ (Hammon. 1598, 1618) dieses angeblich aus Gold hergestellte 
Arcanum bekannt, mittelst dessen die verschiedensten Krankheiten geheilt werden 
Hollten. Das CoUegium der Aerzte, deren Mitglied er war, nöthigte ihn, im Jahre 
1600 sich dem gebräuchlichen Examen zu unterziehen, das er so schlecht bestand, 
dass ihm die Ausübung der Praxis verboten wurde. Da er sich hieran nicht kehrte, 
wurde er zweimal mit Geföngniss und Geldbussen bestraft; er verstand es aber, 
die Geduld des CoUegiums zu ermüden, so dass es ihm endlich den Doctortitel 
zugestand. Von da ab verkündigte er ohne Rückhalt die wunderbaren Eigenschaften 
seiner Goldtinctur, seines trinkbaren Goldes und seiner goldenen Quintessenz, 
über die Verachtung seiner CoUegen sich hinwegsetzend. In seiner zu Cambridge 
1610 erschienenen Schrift „Medicinae chyviicae et veri auri jpotabilis dssertio*^ 
gab er eine neue Apologie seines Arcanums. Auf die Angriffe Matthew Gwinnk's, 
in einer 1611 erschienenen Gegenschrift, antwortete er in einer Brochüre: 
jyApology in defence of kis medicine sttled aurum potabtle^ (London 1616). 
Er starb am 26. Mai 1623. — Von seinen beiden Söhnen, die beide Aerzte waren 
und von ihrem Vater 'ein immenses Vermögen geerbt hatten, fuhr der eine fort, 
die Goldmine auszubeuten, während der andere die Medicin mit Auszeichnung zu 
Bedford ausübte. 

Biogr. in6d., I, pag. 264. — Dict. liist., I, pag. 141. G. 

Antigenes, l. der Schüler des Kleophantus, schrieb nach Cael. Aurel. 
acut. II, 10 „De fehribv3 et tumoribus^ ; 2. der Schüler der Anatomen MarixüS 
und QüiNTUS, etwas älter als Galen, war ein angesehener Arzt zu Rom. 

Galen XIV, 613 K. Helmreich. 

Antipater, ein berühmter Arzt der methodischen Schule, der als Zeit- 
genosse Galen's in Rom lebte. Wie die Methodiker überhaupt, scheint sich auch 
A. viel mit der Untersuchung der Heilkräfte der Medicamente beschäftigt zu haben. 
ScRTBONiüS LargüS und Galen citiren ihn öfter. Ein von Cael. Aurel. chron. 11, 13 
angeführtes Werk „Eptstolae ad Galluin^ umfasste wenigstens drei Bücher. 

Helmreich. 

AntommarcM, Francesco A., geboren um 1780, zu Paris promovirt, 
wurde Prosector am Hospitale der heiligen Maria zu Florenz, wo er 1812 — 1815 
unter Mascagni's Leitung thätig war, dessen nachgelassenes Werk ,j Prodrome 
della grande anatomia^ er 1811), mit mehr als tausend Abbildungen der Lymph- 
uud Bhitgefösse, der Nerven, Muskeln, Bänder etc. versehen, im Auftrage einer 



ANTOMMARCHI. — ANTONIUS. 155 

ungenannten Gesellschaft herausgab. Auch sein eigenes Hauptwerk bezieht sich 
auf Anatomie ; es sind die in nattirlicher GrösKC auf Royal-Folio 48 vollständig 
ausgeführten und 35 nur in Skizze wiedergegebenen „Planches anatomiques*^ , deren 
erste 8 ganze menschliche Figuren, die folgenden sehr detaillirte Abbildungen der 
drei grossen Körperhöhlen enthalten. Die Ausgabe wurde durch den Grafen 
Laateyrie besorgt, der nicht ahnte , dass A. kein Recht hatte, die von Mascagni 
faenUhrenden Zeichnungen mit Text zu versehen und publiciren zu lassen. Die 
Pisanisehen Professoren Vagca Beblikobieri, BAROSliLOTl und Rosini protestirten 
g^n A.'s Vorgehen, die Erben Mascagni's ihrerseits veranstalteten eine recht- 
mtoige Ausgabe der Zeichnungen in Kupferstich. — Die geschichtliche Bedeutung 
A.'s liegt aber überhaupt viel weniger in publicistischer Thiltigkeit, als in seiner 
persönlichen Berührung mit dem grossen Napoleon, dessen Mutter den noch jungen 
italienischen Gelehrten 1818 durch den Cardinal Fesch als Leibarzt des auf St. 
Helena bereits kränkelnden Kaisers engagiren Hess. Mit einem Honorar von 
9000 Frcs. angestellt, machte A. am 23. September 1819 den ersten Kranken- 
besuch, behandelte ihn, wobei er Zeit behielt, eine „Flora ix)n St, Helena*^ 
zusammenzustellen und kehrte, nachdem er die Autopsie des am 5. Mai 1821 ver- 
{^rbenen Kaisers 20 Stunden nach dessen Tode vollzogen hatte, alsbald nach 
Europa zurfick. Eine deutsche Ausgabe der ^Derniern moments de NapolSon** 
(Paris, Barois Tafne 1825) erschien in demselben Jahre in Stuttgart bei fotta. 
Calli«en, I. ^^ 

AntOBllli, Jean-Andr6 A. , Chefarzt der afrikanischen ^Vnuee , war zu 

Montemaggiore bei Calvi auf Corsica bei Beginn der französischen Revolution 

geboren, als Sohn eines ausgezeichneten Arztes, der lange Zeit Arzt der Hospitäler 

in Rom war. Er machte seine medicinischen Studien auf der Universität Pisa 

und trat 1812 in das Hospital zu Calvi als Unterchirurg ein. Nach einer 

15jährigen militärärztlichen Thätigkeit in verschiedenen Hospitälern wurde er zum 

M^ecin ordinaire für Afrika ernannt. Von den Berichten, die er über seine von 

1837 — 1845 in Algerien ausgeftthrten Inspectionsreisen erstattete, findet sich einer, 

den Osten des Landes betreffend, im Rec. de m6m. de m6d. milit. (T. 50) aus 

dem Jahre 1839; seine Berichte über die Inspectionen des AVestens im Jahre 1840 

und diejenigen , welche er zusammen mit Larrey 1842 unternahm , sind nicht 

^fedmckt. An den Folgen einer Dysenterie starb er am 10. October 1845 in Algier. 

Gas. Brousaais in Recueil de mem. de medeo. milit. Vol. 59, 1845, pap. 400. 

0. 

AntODTLCOi , G i u s e p j) e A. , Professor der medicinischen Klinik an der 
Universität zu Neapel, war daselbst 1753 geboren, wurde bereits in seinem 
19. Jahre durch Concurs zum Assistenzarzt des Hauses degl' Incurabili, später 
znm ordinirenden Arzte daselbst und im Collegio del Salvatore ernannt. 1815, 
nach dem Tode von Sementini, erhielt er dessen Lehrstuhl. Er war Ehrenmitglied 
der obersten Sanitätsbehörde und starb am 2. September 1836. — Es ist ihm 
die Einrichtung der Klinik an der Universität zu danken. Von Schriften A.'s 
and anzuführen: j^Rapporto sulla febre petecchiale, cvrato nelV Istituto climco 
diNapolt" (Napoli 1818, 4.) — „Prospetto che contiene i risidtamenti otfenuti 
neüa dintca medica etc.^ (Napoli 1819, 4.). 

Riccio, pag. 31. — Callisen, I. pag. 195: XXVI, pag. 71. G. 

Antonius Musa, Schüler des Themison, ein Arzt aus der Schule der 
Methodiker, der durch eine glückliche Cur an dem Kaiser Augustus zu grosser 
Berühmtheit gelangte. Er verordnete nämlich gegen ein heftiges rheumatisches 
Leiden, das sich Jener im Jahre 23 vor Christ, zugezogen hatte, kalte Waschungen 
und Bäder und gab durch den überraschenden Erfolg, den er damit erzielte, 
Veranlapsung zu ausgedehnter Verbreitung der Kaltwassercuren. Auch sein Bruder 
EupBOEBUS, der Leibarzt des numidischen Königs Juba IL, war ein Anhänger 
dieses Abhärtungssystems. M. erhielt von dem dankbaren Kaiser ausser reichlichen 






156 ANTONIUS. — IbERG. 

Geldgeschenkeu die Immunität (Steuer- und Abgabenfreiheit) für sich und seine 
StandeBgeuossen und obwohl er ein Freigelassener war, das Recht, goldene 
Ringe zu tragen, welches bis dahin ein Privilegium des Ritterstandes gewesen war. 
Ferner wurde ihm von freiwilligen Geldbeiträgen des Volkes eine Statue neben 
der des Aescülapiüs errichtet. Er schrieb über Arzneimittellehre in 
mehreren Büchern, aus denen Galen zahlreiche Recepte mittheilt. Die ihm beige- 
legten Schriften „De herba betonica ad M. Agrippam^ und y^De tuenda valetudine 
ad Maecenatem*' sind unecht. 

Dio CasH. LIII, 30. Sueton. Aug. c. 81. 59. Plin. n. h. XXIX. 1 (4). XXV, 7 (38). 
Horat Epist. I, 15, 3. Antonii Mnsae fragmenta quae exstant. collegit Flor. Caldani, 
Bassano 1800. He Im reich. 

Antz, Karl Cäsar A., geboren 1805 zu Zell a. d. Mosel, studirte seit 
1824 Medicin in Bonn, ward 1830 Militärarzt, schrieb als solcher in Berlin seine 
Dissertation: „Tabaci historia^ (Berlin 1836) und beschäftigte sich in der Folge- 
zeit vornehmlich mit Botanik, veröffentlichte auch mit R. £. GLEtfEif zusammen 
1846 eine Flora von Düsseldorf. A. starb am [). Februar 1859. 

Allg. Deutsche Biographie. Max Salomon. 

AntylluSy einer der bedeutendsten Aerzte des griechischen Alterthums, 
besonders als Chirurg berühmt, lel)te nach Galen und vor Oribasius, also im 
3. Jahrhundert oder Anfangs des vierten. lieber seine Lebensverhältnisse wissen 
wir nichts, und seine Werke sind verloren gegangen, doch finden sich zahlreiche 
Fragmeute derselben bei verschiedeneu Schriftstellern, besonders bei Obibasiüs, 
Aetiits und Rhazbs, die ein Urtheil über ihn gestatten. — In den diätetischen 
Schriften behandelt A. in eingehender Weise und mit VerstÄndniss den Einfiuss 
der Winde, der Gegenden, der Wohnung, des Lagers, der Bäder (auch der 
Sand- und anderen trockenen Bäder), des Schlafens und Wachens, der Declamation, 
des Spazierganges, des Schwimmens und der gymnastischen Ucbungen auf den 
gesunden und kranken Menschen. Dem Aderlasse sind längere Abschnitte mit z. Th. 
zweckmässigen Vorschriften und richtigen Ansichten gewidmet, auch den Schröpf- 
kopf kannte A., wie die Scarilicationen. Bei den Blutegeln erwähnt er die Bdellotomie. 
Seine vorzüglichsten Leistungen liegen aber auf dem Gebiete der Chirurgie. Allgemein 
bekannt ist ja die noch jetzt nach A. benannte Methode der Aneurysma-ünter- 
bindung; über Geschwülste und deren Operation giebt er genaue Vorschriften 
und lehrt die Beseitigung von Colobomen Einen hervorragenden Platz verdient 
das Capitel über die Rascctionen , in dem A. sich als kühner und gewandter 
Operateur erweist. Auch in der Augenheilkunde leistete er Tüchtiges. A. operirte 
die Thräueufistel, das Ek- und Entropium in sehr rationeller W^eise. In Betreff der 
Kataraktoperation erwähnt er dreier Methoden , nämlich der Depression , der 
Extraction (jedoch nur bei kleinen Staaren) und der Succion vermittelst gläserner 
Rölirehen (beide letztere Methoden jedoch nur nach Hörensagen). 

Die Fragmeute des A. hat zuerst C. Spreugel iu folgeuder Schrift gesammelt 
gegebeu: ^Antylli^ veteria chirurgi^ toXet^j^ava, praeaide Onrtio Sprenyel^ r>f.utilandn. exhibet 
Panafjioia Kicolaides.*^ (Hai. 1799, 4.) — Sodaun vollfitäudlge Zusammeustelluug iu folgeuder 
Au£gabe des Oribasius; „Oeuvrfn d^Oriba^^.. t<ixte nrfc, en grandf». partle inädiiM ete, par 
BvMcmaker et Daremberrj,**^ (6. tom. Paris 1851—1876, gr. 8.)' — Lewy A. , „Ueber die 
Bedeutung des A. . Philagrius und Posidorus in der Greschichte der Heilkunde **. Nach 
dem Mauuscripte des Verstorbenen bearbeitet von Dr. Landsberg in Breslau (Jauus, Bd. II, 
Breslau 1847, pag. 298— 33U und 744—772. Bd. III, 1848, pag. 166-185). 

Max Salomon. 

*Aberg, Ernst Georg A., Arzt in Buenos Ayres, war am 18. Augast 
1823 zu Stockholm als Sohn eines Beamten geboren, besuchte von 1839 an die 
Universität Upsala und wurde 1852 Doctor med. Er machte 1846 eine Reise 
nach Deutschland, Frankreich , Italien , Malta und Tunis , wo er als Lehrer des 
Sohnes des schwedischen Consuls von 1847 bis 1849 wirkte, gleichzeitig eine 
nicht unbedeutende medicinische Praxis ausübte , ausgedehnte Reisen im Bereiche 






ÄBERG. — ÄKERMAN. 157 

der Regentschaft Tunis und in Algerien unternahm und erhebliche Naturalien- 
sammluugen anlegte, die später schwedischen Museen einverleibt wurden. Nach 
Stockholm zurückgekehrt, wurde er 1853 Armenarzt, legte aber 1855 wegen 
eines Bmstleideus seine Stelle nieder, um eine Reise nach Süd-Amerika anzutreten. 
Er liens sich in Buenos Ayres nieder , schrieb daselbst die Einführungsschrift : 
^Causns, natuToleza y tratamiento de la Oota^ (Buenos Ayros 1856) und wurde 
Mitglied der dortigen medicinischen Facultät, Er verfasste femer eine von der 
Pariser Soci6t6 d*acclimatation preisgekrönte Schrift: yylrrigacAon y Eucalyptus 
Bases del proyecto presentado en la sesion de la comi/n'on el dia 8 de abrü 
dt 1874*^ (Buenos Ayres 1874) und in der Hygiea (Bd. XVI): „Dr. Boinet's 
metod att vid behandling af purulenta pleuritiska exsudater begagna injektioner, 
mrddes af jodlöaning etc." — „Berättelse om fall af tnre forblödning tili 
fclje af gravi ditas tuharia". 

Wistrand, pag. 424. — Wistrand, Bruzelius, Edling, pag. 905. G. 

Akerman, Jacob A. , Professor der Anatomie und Ohinirgie zu IJpsala, 
war am 28. October 1770 auf der Insel Gothland geboren. Ursprünglich für den 
l^edigerstand bestimmt, zog ihn seine Vorliebe für die Naturwissenschaften zur 
Mediein hin, die er zu Upsala (erstere von 1784, letztere von 1789 an) studirte. 
1790 folgte er der Armee als Unter-Feldscheer an die westliche Grenze und war 
später in den Lazarethen in Finnland thätig. 1792 und 1793 legte er seine 
Examina in Upsala ab, wurde im Juni des letztgenannten Jahres mit der 
Dissertation „Sciagraphica riervorum capitis descriptio etc.*' promoWrt und im 
December zum anatomischen Prosector ernannt. 1797 erhielt er die chirurgische 
AnfAicht beim akademischen Hospital und 1799 auch die medicinische beim Läne- 
Lazareth. 1805 wurde er zum Professor der Anatomie und (Chirurgie ernannt; 
von 1806 — 1813 leitete er die medicinischen Promotionen, war von 1812 — 1814 
Brunnen-Intendant zu 8ätra und hatte von 1815 an die Inspection über die 
Stndirenden der ostgothischen Nation bei d^r Universität. Er starb am 21. Mai 
1829. Seine literarische Thätigkeit ist hauptsächlich in den 64 unter seinem 
PriUidium von 1794 — 1829 erschienenen Dissertationen, deren letzte seinen bereits 
1834 verstorbenen Sohn Gustav Jacob Ä. betraf, niedergelegt. Ausser vier 
l^rogrammen sind noch einige Aufsätze von ihm vorhanden in Svensk. Läk.-Sällsk. 
Handl. T. V imd in Acta Soc. Scient. Ups. Vol. IX. 

Sackl^n, I, pag. 514; Supplement 1835, pag. 8*^. — Callisen.I, pag. 196; 
XXVI, pag. 72. (j 

c 

Akerman , N i 1 s A. , Professor der Anatomie und Orthopäde zu Stock- 
holm, wurde 1777 zu Yttersta gärd, im Kirchspiel Barfva in Südermanland geboren 
ab Sohn eines Magisters, besuchte das Gymnasium zu Strengnäs und kam 1797 
auf die Universität Upsala, nahm 1798 eine Hauslehrerstelle in Finnland an und 
setzte von 1801 an zu Upsala zunächst seine philosophischen Studien fort, wurde 
1803 Magister der Philosophie und widmete sich von 1805 an dem Studium der 
Mediein. Während des Krieges von 1808 und 1809 leistete er als Arzt Dienste 
auf der Kriegsflotte und erlangte 1810 mit der unter dem Präsidium von R. VON 
Apzelitjs vertheidigten Dissertation „De typlio nervofio in classe Suecana per 
autümnum anno 1808 observato" die Doctor^-ürde. Er erhielt 1811 eine kleine 
Pension, wurde Gehilfe des Medicinalrathes Hedin an der Bibliothek des könig- 
lichen Gesundheits-Collegiums und, nachdem er 1812 das Diplom als Magister 
der Chirurgie erhalten, in demselben Jahre zum Prosector der Anatomie in 
Stockholm und zum Adjuncten der theoretischen Mediein bei dem medicinisch- 
ehirargischen Institut ernannt. Während des Krieges von 1813 bis 1814 ver- 
trat er die ebengenannte Professur, wurde zu Anfang des Jahres 1815 Armen- 
arzt. Er wendete auf Verlangen des Gesundheits-Collegiums von 1816 an eine 
demselben testamentarisch vermachte grosse Elektrisirmaschine bei der Behandlung 



1 



158 AKERMAN. — AMAN. 

von Krankeu an und theilte seine Erfahrungen darübsr als „Berättelse ani 
användandet af Medicinska Elektr leiteten^ (Sv. Läk.-Sällsk. Handl. , Bd. IV, 
1817) mit; ebenso wie er nach der Rückkehr von einer mit einem Reisestipendinm 
von 1818 — 1821 unternommenen wiKäengehaftlichen Reise nach Kopenhagen, Berlin, 
Wien, Paris u. s. w. einen „Utdrag ur Journalen för Elektricitetens användande 
i Kgl. SundhetS'Collegü hua, frän Febr. 1821 tili Nov. 8. är^ (Ibid. Bd. VIII, 
1822) publicirte. Schon vorher (1813) hatte er aus dem Lateinischen, Deutschen, 
Französischen, Englischen mehrere Schriften übersetzt, wie die von Andrew 
Mathias, Ueber Mercurialkrankheit ; F. L. Augustinus Handb. für Feldärzte; 
A. F. Hecker's Anwendung der Mittel aus der Pharmacopoea castrensis Borussiea; 
J. VOüGT, Ueber Radesyge; C. J. A. Schvilgue's Handb. der Medicin; e^dlich 
auch Meidinger's Praktische französische Grammatik. Ausserdem fallen in diese 
Zeit noch einige Mittheilungen über freiwilligen Hungertod („Frivillig svältdöd**^ 
^Obductionsherättelse om en i som svält sig tili döds^). — 1822 wurde er durch 
das königl. Gesundheits-Collegium zum Intendanten des königl. Djurgards Brunnens 
ernannt, mit der Weisung, daselbst Anstalten für g}'mna8ti8che Uebungen und An- 
wendung der Elektricität zu" treffen. Im Januar 1824 nahm er seinen Abschied 
als Prosector, lÄiirde aber im September desselben Jahres zum Professor der Ana- 
tomie ernannt und trat bald darauf eine neue einjährige Reise nach Deutschland 
und Paris an. Nach seiner Rückkehr hielt er 1826 populäre Vorlesungen über 
Anthropologie, kaufte 1827 den königl. Djurgards Brunnen an und richtete daselbst 
ein orthopädisches Institut ein, das im October 1827 eröffnet wurde und später, 
nach der Kronprinzessin, das Josephinische orthopädische Institut genannt wurde. 
Dasselbe hatte Anfangs einen guten Zuspruch, war aber von 1833 — 1837 in 
geringer Wirksamkeit. In diesem Jahre trat A. wiederum eine wissenschaftliche 
Reise nach Paris an, eröffnete nach seiner Rückkehr am 1. October 1837 ein 
neues orthopädisches Institut im Süden der Stadt und erhielt 1840 von den Reichs- 
ständen eine einmalige Unterstützung von 1500 Rdr. Banco und eine jährliche von 
500 Rdn. — 1847 übergab er die Leitung des Instituts dem Dr. C. H. Säthebbeeg 
und starb am 31. Januar 1850. — Von den Arbeiten über das Institut ist anzu- 
führen eine eigene Schrift : „Josephinska Orthopedtska Institutet, i forening med 
en allmän helsovards inrättning^ (1839) und ein Aufsatz in den Sv. Läk.-Sällsk. 
Ärsber. 1840: „Utdrag af Josephinska Orthopediska Institutets Journal^ ifrän 
dess Stiftehe d. .9. Oct. 1827 tili Oct. 1840^. — Ä. war ausserdem noch viel- 
fach schriftstellerisch thätig. 1828 und 1829 gab er eine populär-medicinische 
Zeitschrift „Helsovännen" heraus, 1834 einen „Sundhets-Cateches far Bam, 
yngre och äldre personer, tili ledning vid den enskildta och allmänna under- 
visningen^j 1835 einen neuen Gesundheits-Katechismus; ausserdem verfasste er eine 
grosse Reihe von Aufsätzen für die Sv. Läk.-Sällsk. Ärsberätt. Ein besonderes 
Interesse widmete er der Verbreitung der deutschen und französischen Sprache, für 
deren erleichterte Erlernung er eine Anzahl von Schriften herausgab. — A.'s Ver- 
dienste bestehen hauptsächlich in der Einführung einer wissenschaftlichen Ortho- 
pädie in Schweden. 

Sacklen, I, pag. 70Ü ; Siippl. 1835, pag. 117. — Wistrand, pag. 429. — 
Calliaen, I, pag. 201 ; XXVI, pag. 72. ^ ,^ 

Ijr 11 r 1 1. 

o 

*Aman, Ludvig August A., Lazareth- und Gefilngnissarzt zu Lin- 
köping, ist daselbst am 25. Juli 1825 als Sohn des Stadtarztes, Professors 
Dr". Johann August Ä. geboren, besuchte von 1844 an die Universität Upsala 
und wurde 1853 Doctor der Medicin. Von 1852 an fungirte er als Lazaretharzt 
in Linköping und wurde daselbst 1860 zum Arzt des Zellengefäugnisses und 1868 
zum ordinirenden Lazareth- und Kurhausarzt ernannt. In der Hygiea (Bd. XXX) 
und in den Sv. Läk.-Sällsk. förhandl. sind seine casuistischen Beiträge feinige Fälle 
von Ovariotomie, Ruptur des Zwerchfells, Fall von Carbolismus u. s. w.) publicirt. 

Wistrand, pag, 430. — Wistrand, Bruzelius, Edling, pag. 914. G. 



r 



APHENDOÜLIS. — APOLLINARIS. 159 

*ApllOIldoillis, Theodor A., zu Zagora (Thessalien) am 28. Augast 

1824 gehorea, stadirte in Paris und in Wien und zeichnete sich hier als Schüler 

Skoda's und Oppolzeb's aus. In seine Vaterstadt zurückgekehrt liess er sich im 

Piraeos zunächst als Praktiker nieder (1848) und wurde 1852 Professor der 

pathologischen Anatomie an der Universität zu Athen, an welcher er 5 Jahre 

später durch Tausch den Lehrstuhl der Pharmakologie übernahm. Zu dieser noch 

jetzt von ihm ausgefüllten Stellang trat 1873 das Amt eines Directors des CivU- 

Hospitals im Piraeus. — Neben mehreren kleineren Werken gab A. 1855 — 1856 

einen „TraitS dP anatomie pathologiqite" en 2 vol. — 1874 — 1875 eine „Pharma- 

cdogie** en 3 vol. heraus, deren 2. Auflage im Begriff ist, zu erscheinen. 

Ked. 

Apfel, Heinrich Dietrich A., als Sohn eines Apothekers zu Braun- 
sehweig daselbst 1756 geboren. Nachdem A. zuerst 18 Monate in der Officin 
seines Vaters das Apothekerfach studirt hatte, ging er, um weiter zu lernen, 1776 
oaeh Helmstädt, bald aber — 1778 — nach Göttingen, um sich hier wie dort 
der Medicin zu widmen. 1779 promovirte er auf ersterer Universität mit der 
Dissertation „De phlebotomiae imprimis in febribus hüioais recta admimstrattone^ , 
Er siedelte sich als Physicus 1780 in Oldendorf an, schrieb eine Streitschrift 
gegen Dedskind und machte sich in erster Reihe bekannt durch die Redaction 
der „Beiträge zur Beförderung der Geschichte und Heilung der Krankheiten*^, 
von Haller (Berlin und Stettin 1781 — 1785), ausgezogen aus des Letzteren 
akademischen Dissertationen von C&ELL. 

Biograpliie mödicale. I. Red. 

Apinns, Joh. Ludwig A., der seinen Familiennamen „BlENE^ nach 
Sitte der Zeit latinisirte, wurde am 20. November 1668 zu Oehringen, im Gebiete 
des Fürsten von Hohenlohe, geboren, wo sein Vater Prediger war. Im Jahre 1686 
bezog er die Universität Altdorf, und erwarb sich dort durch Stundengeben 
und als Corrector in einer Druckerei seinen Lebensunterhalt. 1690 wurde er 
Licentiat der Medicin und liess sich in seiner Heimat als Arzt * nieder. Drohende 
ELriegsgefahren bestimmten ihn aber, schon im nächsten Jahre nach Nürnberg zu 
gehen. Euer promovirte er und wurde noch im selben Jahre als Physicus in Hers- 
bmek angestellt. Nachdem er 1697 zum Leibarzte des Fürsten von Sulzbach, 1699 
znm Mitgliede des Medicinal-Collegiums von Nürnberg ernannt worden war, erhielt 
und nahm er 1702 einen Ruf an als Professor der Physiologie und Chirurgie 
an der Universität Altdorf, starb aber schon am 28. Oetober 1703 an einer febris 
eatarrhalis maligna. 

Ausser einigen weniger bedeutenden, der Chemiatrie und dem Stahlianismus 

huldigenden Dissertationen : „Dissertationes V de principio vitali" (Altdorf 1702 

und 1703, 4.), besitzen wir von ihm „Febris epidemicae, anno 1694 et 1695 i7i 

Noricae ditionis oppido Hersprucensi et vicino tractu grassari deprehensae^ 

(Noribergae Anno 1697, kl. 8.), die sich durch eine anschauliche, dsCä Wesentliche 

in'g Auge fassende Krankheitsschilderung auszeichnet. Die darin mit grosser 

Weitläufigkeit verfochtenen Theorien sind die landläufigen cheraiatriscben , die 

Therapie auf diesen Theorien basirend. Er hat das Verdienst, in dieser Schrift 

zuerst auf den therapeutischen Nutzen der Cascarilla aufmerksam gemacht zu haben. 

Max Salomon. 

Apolltnorls, ein von MabcellüS Eiipibicüs, dem Leibarzt Theodosius 
des Grossen, citirter Arzt, wahrscheinlich dessen Zeitgenosse. 

ApoUtnaris, Q u i nt u s A., wahrscheinlich erdichteter Namen eines deutschen 
Arztes, Verfasser der Abhandlung von verschiedenen Arzneien aus dem Pflanzen- 
reich, Strassburg 1661, übersetzt von Rudolf Gocleniüs, Strassburg 1670. 

ApollinariS) Titus Julius Roscanus A., ein Arzt, der in einer 
Insehrift bei Gbutär (Inscriptiones) vorkommt. ^ Stricker. 



160 APOLLODORÜS. — APOLLONIUS. 

Apollodoriis (AwoXXoStopo^), ein griechischer Arzt, welcher in einer Schrift 
dem König Ptoleniaeus eine Anzahl Weine als die besten empfahl, nämlich die 
von Peparethos, Ambracia, Leucas, Oreos u. a. Galen (XIV, 181, 184) führt 
zwei Recepte von ihm gegen den Biss giftiger Thiere an, und Plinius hat ihn 
öfter als Quelle benutzt. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem von Athenaeus 
und PliniüS (XI und XII) citirten Apollodoeus, welcher Trepl ^piwv (de bestits 
venenatis) und Trepl jjLupcov x,ai cre^avwv (de odoribus) gesehrieben hat. 

Plin. XIV, 7 (9). Athen. XV, 681* n. 675'. Helmreich 

ApoUonides von Kos. A. von K. war ein griechischer Arzt am Hofe 
des persischen Königs Artaxerxes Longimanus (465 — 425), der mit der Witwe 
des persischen Grossen Megabyzus unter dem Vorwande, sie von einer Krankheit 
zu heilen, einen sträflichen Verkehr unterhielt und deshalb von den beleidigten 
Verwandten lebendig begraben wurde. 

Kteßias, Fragm. Helmreich. 

ApoUonides, ein Methodiker, den Galen an zwei Stellen (X, 53 u. IX, 

138 KO erwähnt. xj^i . , 

Aw ^mj \j T,a.u.AM.%j, HelmreicJi. 

ApoUonius Biblas ('ATiroXXcivto? 6 BtßXÄ;), um 210 vor Christ., trat gegen 
den Xerophileer Z£^'ON, welcher über gewisse Zeichen (Abbreviaturen, wfpi 
jropaxTT^pwv) in den Epidemien des Hippoebates geschrieben, mit einer Gegen- 
schrift auf, in welcher er dieselben für unechte Zusätze erklärte. 

Galen, XVII, 1, 618. Helmreich. 

Apollonins der Empiriker ('AtcoXXwvio; ö i(jL7reipüc6;) aus Antiochia, nm 230 
vor Christus, gehörte, wie sein gleichnamiger Sohn, zu den frühesten Bekennem 
der empirischen Schule, welche im. Gegensatz zu den Dogmatikem (den Anhängern 
des HiPPOKRATES) die Erfahrung als höchstes Princip ärztlichen Wissens und 
Forschens proclamirten. Er schrieb gegen den Herophileer Zenon eine Schrift 
„TTspl Töv ;^apaxT)^po)v", das ist von den (in den Epidemien des Hippokbatks 
vorkommenden) Zeichen oder Abbreviaturen. 

Galen, XIV, 683. X, 142. XVII, 1, 618. Helmreich. 

Apollonins von Kitium (um 50 vor Christ.), Schüler des ZopybüS und 
Zeitgenosse des PosiDONius, schrieb einen Commentar in drei Büchern zu der 
Schrift des HippokäATES „Trepl apO-pwv" (von den Gelenken), welcher einem 
König Ptolemaeus gewidmet ist. Er ist zum ersten Male herausgegeben von 
Fr. R. Dietz, Scholia in Hippocratem I, 1 — 50. CelsüS nennt den A. unter den 
bedeutenderen Chirurgen. Ausserdem schrieb er über Epilepsie in mindestens 
zwei Büchern, 

CaeVAurel. chron. I, 4. Hellonreich. 

Apollonins von Memphis ('AirolXwvi o; 6 Msja^Cttjc), ©in Anhänger des 
Erasistratus, hat sich durch anatomische und pharmakologische Schriften einen 
Namen gemacht. Er sehrieb über die Theile des menschlichen Körpers und deren 
Benennung und wird von Galen wegen der Genauigkeit seiner Definitionen gerühmt. 
Ausserdem verfasste er ein botanisches Werk („TuepC ßoTavöv"), das von dem 
Scholiasten zu Nicander (ther. 52, 303, 559) citirt wird. 

Galen, XIV, 700. XIX, 347. Cael. Aurel. chron. III, 8. IV, 8. Helmreich. 

Apollonins Mns ('AxoXXwvto; ö Mj^), um 30 vor Christ., war, wie sem 
Zeitgenosse Herak LIDES von Erythrae, ein Anhänger des Hbrophilüs , dessen 
Lehren er in einem wenigstens 29 Bücher umfassenden Werke („7rsp\ t^; 'Hpo^iXou 
alpfiffso);") darstellte. Ausserdem schrieb er über die Kräfte der Heilmittel. 

Celsas Vpraef. Cjaeil. Aurel. acut. II, 13. Gal. VIII, 7, 46. ,, , 

* Helmreich. 



r 



APOLLOPHANES. — AQTJILA. 161 

Apollophanes ('ATCOAXoyivv;;), aus 8eleucia, um 220 vor Christ., Leibarzt 
des sjTischen Königs Antiochiis des Grossen, bei dem er in grosser Gunst stand. 
Er war nach Cael. Aurel. acut. II, 33 ein Anhänger des Ebasisteatus. 

Vgl. Polyb. V, 56, 58. . Helmreich. 

d' Apples. Ein Arzt dieses Namens, Jkan Benjamin d'A., lebte am Anfang 
des 18. Jahrhunderts in Lausanne und veröffentlichte ein „Tentamen Galaktologiae^^ 
Lausanne 1707) und eine Schrift ftber den „Faltrank ou ddcoction vulntraire, 
die sogenannte helvetische Panac6e, welche 1709 in's Deutsche übersetzt und im 
Hamhurgischen Magazin (Bd IV) veröffentlicht wurde. — Nicht festgestellt sind 
d'A.'s Beziehungen zu PiETRO Giovanni d'A., der möglicherweise sein Vater, 
jedenfalls Sprachen- und Philosophie-Professor, aber nicht Arzt war. Die ihm zu- 
^schriebenen medicinischen Aufsätze der Verhandlungen der Society helvetique 
Tome II — VI, 1755 — 1767) handeln über einen seltenen Fall von Blasensteinen, 
Aber Hydropsie des Omentum und über Extraction der Katarakt. 

Biographie m^dicale. I. Ked. 

Apsyrtus (\^\>pr%) von Prusa in Bithynien um den Anfang des vierten 
Jahrhundert« nach Christus, ist einer der hervorragendsten Rossärzte des Alterthums. 
Er begleitete das Heer Constantin's auf seinem Feldzuge gegen die Scythen 
(Sarmaten) im Norden der Donau (319 — 321), wobei er reiche Gelegenheit zur 
Beobachtung von Pferdekrankheiten fand. Seine Erfahningen legte er in mehreren 
Schriften nieder, welche den Haupttheil der von Constantinüs Poephyrogenitüs 
veranstalteten Sammlung der sogenannten Hippiatrica bilden. Sie sind in der 
Form von Briefen an verschiedene Persönlichkeiten abgefasst. „Die Therapie des 
A. ist einfach, häufig blos diätetisch; abergläubische Anklänge finden sich viel 
seltener, als in dieser Zeit und bei diesem Fache vermuthet werden sollte" 
(Häeser). — Vgl. Suidas s. h. v. C. Sprengel, de Apsyrto Bith. Hai. 1832, 4. 
Anch desselben Opuscula, Lips. et Viennae 1844, 8., pag. 110 — 116. Die 
Fragmente des A. finden sich in der von Simon Grynaeus besorgten Ausgabe der 
Hippiatriker: „Twv tTUTriXTptJtöv ßtß>ia Xuo" (Basil. 1537, 4.). Helmreich. 

Apiüejus Celsus aus Centuripae in Sicilien, war der Lehrer des SCRiBONiüS 
LabgüS, der zwei Recepte desselben (c. 94 u. 171) anführt. „ , . , 

ApulejnS; Lucius A., s. Apülejüs Barbarus. 

Apulejus, A. Barbarus. Dem bekannten Rhetor und Philosophen aus 
Madaura werden folgende Schriften mit Unrecht beigelegt: 1. „Ltber Aupulei 
Flatonici de medtcaminibus (virtutibits) herbarum^* , eine im vierten oder fünften 
Jahrhundert nach Christus von einem Unbekannten wahrscheinlich in Afrika ver- 
fasste Schrift, welche in 128 Capiteln eine kurze Aufzählung von Pflanzen und deren 
Heilkräften enthält und grösstentheils aus DiOSKORlDES und Pliniüs geschöpft 
ist. Der Name des A., welcher über ähnliche Gegenstände geschrieben hatte, sollte 
vohl nach der Meinung des Verfassers seinem unbedeutenden Producte zur 
Empfehlung dienen. Ausgaben: Edit. princ. Rom. (s. a.) 4. — „Antonii Musae 
de herba vetonica Üb. I" — „L. Apulei de tnedicamintbus herbarum Hb, 1 
ed, Gabr. Hummelberger^ (Basel 1537, 4.). Auch in dem „Parabilmm medica- 
mentorum scriptores ed. Ackermann^ (Norimberg 1788, 8.). — 2. „De remedris 
8alutaribu8*^ , Excerpte aus Plinius (n. h. XIX u. XX), abgedruckt in Silliq's 
Pliuloe-AuBgabe, vol. V. 3. Val. Rose hat eine von ihm aufgefundene und in 
seinen „Anecdota graeca et graeco-latina^ (I, pag. 61 — 169) herausgegebene 
lateinische Schrift über Physiognomik dem A. zugeschrieben. 

Vgl. H. Sauppe, Gott. Gel. Anz. 1866, pag. 22—26. He Im reich. 

^ Aquila, Johann dell' A. (Aqüilano), wurde in der ersten Hälfte des /^ 
15. Jahrhunderts in Lanciano, einem Städtchen des frtlheren Königreichs Neapel 

BiogT. Lttikon. I. 11 






l 



162 AQÜILA. — ARABISCHE MEDICIN. 

geboren, studirte Mediciu und ward 1473 als Professor nach Pisa berufen, vou 
wo er 1479 in gleicher Eigenschaft nach Padua ging. Er lehrte bis zum Jahre 
1506 und starb 1510. Er schrieb: yyDe sanguinis missione in pleuritidt'* 
(Venet. 1520, 4.). Nach Haller, Bibl. chirurg. I, pag. 170, befindet sich in 
der National-Bibliothek in Paris 'von ihm als Manuscript ein Gedicht: „De 
phlehotomia^ , 

Biogi*. generale. Max Salomon. 

/Aquila, Scbastiano d'A. (Sohn Johannas dell' A. ?) in dem neapoli- 
tanischen Städtchen Aquila in den letzten Decennien des 15. Jahrhunderts geboren 
und dort 1543 auch verstorben, entfaltete seine Thätigkeit als Professor der Mediein 
in Padua. A. war einer der eifrigsten Vertheidiger des in seiner Zeit bereits mehr- 
fachen Angriffen ausgesetzten Galenismus. Seine in Form von Briefen an den Bischof 
von Mantua, Louis von Gonzaga, adressirte „hiterpretatio morht golltci et cura" 
wurde 1506 in Lyon zum ersten Male, 11 Jahre später in Bologna zum zweiten 
Male aufgelegt und erschien dann noch während seiues Lebens 1525 , 1537, 
1539, also insgesammt in fünf Ausgaben, nach seinem Tode 1570 in einer sech^ten^ 
Es sollte darin die Identität der Syphilis mit der Elephantiasis der Griechen 
bewiesen und neben der diätetischen und medicamcntösen , besonders der chiriirgischen 
Behandlung der Syphilis das Wort geredet werden. "Weniger berühmt, aber auch 
in vier Ausgaben (1525 in Lyon, 1537 in Basel, 1538 in Lyon und 1604 in 
Frankfurt) aufgelegt ist die „Qnaestio de fehre sanguinea ad inentem Galeni"^, 
Bictioimaire historiqne. I. Red. 

Aqnin. Joseph d'A. (Daquin), Arzt des Ilötel-Dieu zu Chamber}^ in 
Savoyen, war 1732 geboren, hatte auf der Universität zu Turin die Doctor^-'Orde 
erlangt, war lebenslänglicher Secretär des landwirthschaftlicheu Vereines in gedachter 
Stadt und Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Lyon. Er hat folgende 
Schriften publicirt: „Analyse des eaux thermales d'Aix en Savme** (Ohamb^ry 
et Paris 1773) — „Essai vUtSorologique sur la vSritable influence des astres, 
des Saisons et des changemens de temps, par Jos, Toaldo, trad. d^italien. 
On y a Joint la traduction franqaise des prognostics d^Aratus, trad, du 
grec en italien (par Ant, L, BricciY^ (178., 1784, 4.) — „Topographie 
midicale de la cille de Chamhery et des environs etc," (Chamb6ry 1787) — 
„La' Philosophie de la folie ou essai philosophique sur les personnes attaquees 
de folie'' (1792). Er starb am 12. Juli 1815. 

Dietionnaire historique. I, pag. 145. G. 

Arabische Mediein, Arabische Aerzte. — Die arabische Mediciu 

bildet eine der interessantesten Epochen in der Entwickeln ngsgeschichte der Heil- 
kunde während des Mittelalters ; ein Sprössling der griechischen Mediein , ist sie 
fiir mehr als ein halbes Jahrtausend die treue Pflegerin derselben geblieben, und 
wenn sie auch keine bahnbrechenden Fortschritte in ihren wissenschaftlichen 
Leistungen zu verzeichnen vermag, so gebtlhrt ihr zum mindesten die Anerkennung, 
dass vorzugsweise sie die Quelle gewesen ist, aus welcher der Oceident während 
jener Zeit seine Kenntnisse von der griechischen Heilkunde geschöpft hat. — 
Die Uranfiinge der arabischen Mediciu , d. h. der selbstständigen Beschäftigung der 
Araber und der ihnen benachbarten orientalischen Völkerschaften mit der wissen- 
schaftlichen Heilkunde, führen bis in das sechste Jahrhundert nach-christlicher Zeit- 
rechnung , beziehungsweise bis in die Zeit zurück , in welcher die durch Glaubensver- 
folgimg aus Syrien vertriebenen Anhänger des Bißchofs Nestoriu8(Nestorianer) 
in Persien, Mesopotamien und Arabien Zuflu(*ht gefunden hatten, hier als die Ver- 
kündiger der Humanität und christlicher Bildung aufgetreten waren und in den 
von ihnen errichteten Schulen die orientalische Bevölkerung mit den Wissenschaften 
des Friedens bekannt machten. — In diesen Schulen bildete, neben Gramnmtik, 
Philosophie und Mathematik auch die Heilkunde einen Gegenstand des Unter- 



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ARABISCHE MEDICIX. 163 

ricbteft, und da» Interesse der Orientalen gerade für diese WisHeuschaft musste um 
so reger sein , als sie den praktischen Werth derselben schon aus den Leistungen 
jfldiHcher und christlicher Aerzte, welche aus dem oströmischen Kaiserthume und 
ans Alexandrien zu ihnen eingewandert waren , kennen gelernt hatten. — Schon 
im giebenten Jahrhunderte begegnet mau arabischen Aerzten, welche aus der hoch- 
berühmten Nestorianer-Schule zu Dschondisapur (Jondi 8chapur, in der persischen 
Provinz Chuzistau, jetzt ein weitläufiger Trümmerhaufen in der Nähe von 
Sehuschter) hervorgegangen waren ; in einem noch höheren Grade aber wurde die 
Pflege der Wissenschaften und speciell der Heilkunde unter den Orientalen dureli 
das Interesse gefördert, welches die aus den Stämmen der Ommajaden und 
Abbassideu hervorgegangenen Khalifen zuerst im Orient, später in Spanien und 
Afrika, durch die Berufung hervorragender Gelehrter und Aerzte an ihre Höfe, 
dnreb Anlage von Schulen und Bibliotheken und durch Sorge für Tebersetzung 
griechischer Schriften in*s Arabische, nicht weniger aber auch durch die Errichtung 
vou Apotheken und Krankenkäusern bethätigten, welche auch dem medicinischen 
Unterrichte zu Gute kamen. — Die Basis für das Studium der Medicin boten 
die Schriften der grossen griechischen Aerzte, namentlich des Hippokratks, I)io- 
SKORIDKS, Galenos, Oribasiüs, Später auch des Paulus (von Aegina) , demnächst 
des Aristoteles, aus dessen Schriften die Araber nicht nur ihre naturwissen- 
schaftlichen Kenntnisse geschöpft, sondern dessen Philosophie sie sich auch zu eigen 
gemacht haben, so dass dieselbe, zum Theil allerdings mit neuplatonischen An- 
schauungen vielfach verquickt, das Geistesle])en der Araber wesentlich beherrscht 
und selbst zu einer" Freidenkerei unter ihnen geführt hat, welche sie mit den 
Satzungen de« Koran vielfach in Widerspruch brachte. (Vergl. die Geschichte 
der „lauteren Brüder", einer Gesellschaft arabischer Gelehrten, welche im zehnten 
Jahrhunderte in Bassra begründet und allmälig über sämmtliche arabische Khalifate 
verbreitet, sich die Aufgabe gestellt hatte, durch Veröffentlichung populärer Schriften 
aus den Gebieten der Philosophie, Anthropologie, Psychologie u. s. w. Aufklärung 
in die Volksmassen zu bringen , die Blindgläubigkeit, welche das Wissen als Ketzerei 
verdammte, zu bekämpfen, gleichzeitig aber eine Versöhnung zwischen dem religiösen 
Dogma und dem Wissen herbeizuführen.; 

Die ersten wissenschaftlichen Arbeiten der Araber auf dem Gebiete der 
Medicin beschränkten sich auf Uebersetzungen der griechischen medicinischen Werke, 
und zwar anfangs aus syrischen Uebertragungeu derselben, später aus dem Original- 
texte , und einzelne Khalifen haben diesen Arbeiten , im Interesse des medicinischen 
»Studiums, eine solche Bedeutung beigelegt, dass sie UcbiTsetzungs-Comites errichteten, 
an deren Spitze hervorragende Aerzte standen. — Eine selbstständige wissen- 
schaftliehe Thätigkeit entwickelten die arabischen Aerzte erst vom 10. Jahrhunderte 
an, in das 11. und 12. Jahrhundert ßlllt die Blüthezeit der arabischen Heikunde, 
«ebon im 12. Jahrhunderte zeigt sich ein Nachlass der productiven Thätigkeit, und 
mit dem 13. Jahrhunderte, mit dem Einbrechen der Mongolen in das morgenländische 
Khalifat und dem Sturze des spanipchen Khalifats mit der P>oberung Cordovas(1236) 
durch Ferdinand den Heiligen, König von Castilien, geht die arabische Medicin, 
«oweit es sich um eine selbststäüdige Bearbeitung der Heilkunde durch die Araber 
bandelt, ihrem Ende entgegen , die aus ihrer Glanzperiode stannnenden Arbeiten 
aber haben noch bis weit in's 16. Jahrhundert hinein ihr Ansehen unter den 
Aerzten des Abendlandes behauptet. 

Für eine Beurtheilung der Bedeutung, welche den Bestrebungen und 
Leistungen der Araber für die Entwäckelung der wissenschaftlichen und praktischen 
Heilkunde zukommt, steht der historischen Forschung . eine verhältnissmässig nur 
sehr kleine Reihe von Schriften derselben zu Gebote; die bei weitem meisten 
arabisch-medicinischen Werke existiren nur in Manuscripten , und zwar meist in 
der Ursprache, und auch die wenigen, in Uebersetzungen bekannt gewordenen 
und durch den Druck veröffentlichten Schriften der Araber sind bei einer Kritik 
ihres Werthes nur mit Vorsicht zu benützen , da , abgesehen von der Unvoll- 

11* 



104 ARABISCHE MEDICIN. 

stilndigkeit und Lückenhaftigkeit der Uebersetzungen, die Unwissenheit der Ueber- 
setzer sie in vielfach corrumpirter Form, wie Casibi sagt, mehr als „perversiones" 
denn als „versiones" vorgeführt hat. Immerhin bieten alle diese Schriften doch 
80 viel Gemeinsames, dass es nicht schwer hält, den Geist, der die ganze arabische 
Medicin durchweht, zu erkennen, ihre Beziehungen zur griechischen Heilkunde 
zu deuten und , unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Stellung , welche die 
Araber in der Culturgesehichte des Mittelalters überhaupt eingenommen haben, die 
Momente zu beurtheilen, welche ebenso den grossen Aufschwung wissenschaftlicher 
Bestrebungen in der Medicin unter ihnen veranlasst, wie das Erlöschen dieser 
geistigen Regsamkeit herbeigeführt haben. 

Als die arabischen Stämme, durch religiösen Fanatismus zu einem Volke 
geeinigt, aus den Grenzen ihres Heimatlandes hervorbrachen, in schnellem Fluge 
siegreich vordrangen und in drei Welttheilen grosse Reiche begründeten, brachten 
sie mit der Begeisterung eines jugendlichen Volkes und mit der den Orientalen 
eigenthümliehen Beweglichkeit nnd Schärfe des Geistes nicht nur den Sinn für den 
praktischen Werth des Wissens, sondern auch den Forschungstrieb mit, welcher 
dazu drängt, die Welt der Erscheinungen mit der Speculation nach den Ursachen 
derselben zu durchdringen, das empirisch Erkannte auf seinen Ursprung und 
seinen inneren Zusammenhang zu prüfen, an der Hand der Philosophie die Er- 
fahrung zur Wissenschaft zu gestalten. — Wie bei allen, auf der ersten Stufe der 
Culturentwickelung stehenden Völkern, hatte sich auch im alten Arabien eine 
Naturheilkunde entwickelt, welche durch die von aussen her durch griechische 
Aerzte hineingetragenen Keime schon in der vor-islamitischen Zeit nicht nur eine 
erhebliche Erweiterung, sondern auch eine im Geiste der griechischen Medicin 
geartete , methodische Bearbeitung erfahren hatte. — Bei dem Aufschwünge in 
dem geistigen Leben der Araber, der mit ihren politischen Erfolgen Hand in Hand 
ging, lag für sie daher nichts näher als das Bestreben, sich in den Vollbesitz auch 
der griechischen Heilkunde zu versetzen und derselben später eine den nationalen 
Bedürfnissen entsprechende Gestaltung zu geben. — Diese Aufgabe haben die 
arabischen Aerzte gelöst, soweit sie es innerhalb der Grenzen vermochten, welche 
ihnen einerseits durch das religiöse Dogma, andererseits durch die, die griechische 
Medicin beherrschenden Denkformen gesteckt waren. — Die Vorschriften des Koran 
über die Behandlung der Leichen machte jede anatomische oder physiologische 
Forschung unmöglich , die galenische Anatomie und Physiologie musste ihnen für 
das Studium dieser Wissenschaften genügen ; die rigorosen Grundsätze der Araber 
rücksichtlich des Geheimhaltens aller das Geschlechtsleben, besonders des Weibes, 
betreffenden Vorhältnisse, schloss die solbstständige Erfahrung und die Thätigkeit 
auf grossen Gebieten der JFIeilkunde, so namentlich der Geburtshilfe und Gynäkologie, 
ganz aus und beeinträchtigte ohne Zweifel auch die gründlichere und allseitige 
Kenntnissnahme der die männlichen Geschlechtsorgane betreffenden Krankheiten ; die 
ganze arabische Medicin aber wurde von jenem Geiste der peripatetischen Dialektik, 
von jener, dem spitzfindigen Charakter der Orientalen so sehr zusagenden teleolo- 
gischen Speculation beherrscht, welche, von Galenos in die griechische Medicin 
eingeführt und, in derselben festwurzelnd, die selbstständige Naturforschung hinter 
die aprioristische Construction zurückgedrängt und damit den stationären Charakter 
derselben bedingt hatte. Wie sich in der Gestaltung der griechischen Medicin 
nach Galenos ein Fortschritt nur in dem Hinzutreten eines grösseren Beobachtungs- 
raaterials ohne irgend eine erhebliche Aenderung in der wissenschaftlichen Ver- 
arbeitung desselben kundgiebt, so auch in der arabischen Medicin, welche sich 
durchwegs auf galenischem Standpunkt bewegt und, neben einer Erweiterung 
heilkundiger Beobachtungen und Erfahrungen, von demselben nur insoweit ab- 
weicht, als — wie bemerkt — nationale Eigenthümlichkeiten und Bedürfnisse es 
erheischt haben. — Unbestritten bleibt dabei den Arabern das Verdienst um eine 
erhebliche Bereicherung de« Arzneischatzes mit werthvoUen Heilmitteln, um die 
Begründung des Apothekerwesens, das der griechischen Heilkunde ganz fremd 



ARABISCHE MEDICIN. 1H5 

war, und mit welcher der Entwurf einer Pharmakopoe in Verbindung; stand, ferner 
um die Pflege der Diätetik und um die Errichtung von Krankeuhiiusern , dem- 
nächst aber auch — und vor Allem — um die Bildung der Aerzte im Abendlande zu 
einer Zeit, als die classische Literatur hier fast ganz verloren gegangen und die 
Kenntnifts der griechischen Heilkunde, wenn allerdings auch in vielfach ver- 
stümmelter und verkümmerter Fonn, denselben in den lateinischen rebtTsetzungen 
der Schriften der arabischen Aerzte geboten war. 

Die Zahl der literarisch th«1tig gewesenen a r a b i s c h e u A e r z t e ist eine 
sehr grosse ; WöSTENFELD zählt deren 300 auf, bei Leclerc finden sich mehr als 
400 genannt, von den beiweitem Meisten aber ist nichts weiter als der Xanie und 
der Titel ihrer Schriften bekannt , die als Manuscripte vorhanden oder auch nur 
in anderen Schriften citirt sind. In der folgenden Biographik der arabischen 
Aerzte haben nur diejenigen berücksichtigt werden können , M-elche mit ihren 
Leistungen eine hervorragende Stellung in der arabischen Heilkunde einnehmen, 
deren Schriften zu allgemeiner Kenntuiss gelangt sind, und deren Namen man 
auch heute noch in der medicinischen Literatur begegnet. 

In der Rechtschreibung der arabischen Namen in neueren Sprachen 
herrseht bekanntlich grosse Willkür, die sich daraus erklärt, dass es schwer 
hält, den Klang der arabischen Worte mit den Buchstaben (besonders den Kon- 
sonanten) der neueren Sprachen wiederzugeben, und eben daraus erklärt sich auch 
die durch die Uebersetzer herbeigeführte, bis zur Unkenntlichkeit gestiegene Ent- 
fitellüng der Namen, welche, so absurd sich auch viele derselben gestaltet haben, 
in der Literatur eingebürgert sind. Ich bin in der Schreibweise Wüstenfeld 
gefolgt; hinter der ursprünglichen Bezeichnung sind die abgekürzten oder corrum- 
pirten, aber durch den Gebrauch allgemein acceptirten Namen in Parenthese 
^e^tellt, und eben diese dann auch alphabetisch registrirt, bei jeder derselben auf 
die ursprüngliche Bezeichnung verwiesen worden. 

I. Bachtischua , Familienname eines vom Nestorianer Bocht-Jesu (Diener 
Jem) aus Syrien stammenden, in den Jahren von 750 — 1000 blühenden ärztlichen 
Geschlechtes, als deren Stammvater Dschordschis (Georgiüs) Ben Bachtischua, 
Director der medicinischen Schule und hochberühmter Arzt in Dschondisapur, später 
'seit 765) Leibarzt des Khalifen el-Mansur in Bagdad genannt wird. Er hat 
sich durch hervorragend treue Uebersetzung mehrerer griechischer Uebersetzungen 
in's Arabische ein besonderes Verdienst erworben. — Sein Sohn Bachtischua Ben 
Dschordschis und sein Enkel Dschabril (Gabriel) Ben Bachtischua, lebten 
ebenfalls als Leibärzte des Khalifen Harun el- Raschid in Bagdad; der Letzt- 
genannte, im Jahre 805 in diese Stellung berufen und 828 gestorben, nahm eine 
b.sonders einflussreiche Stellung am Ilofe ein; von seinen (6) medicinischen 
Schriften sind nur die Titel bekannt. — Von den späteren Mitgliedern dieser 
Familie werden Jahja (Johannes) Ben Bachtischua, als Uebersetzer griechischer 
Werke, und Dschabril Ben Obeidallah, Leibarzt des Khalifen Adhad 
ed-Daula, Lehrer der Medicin und Director des Adliadischen Krankenhauses 
in Bagdad (1006 in einem Alter von 85 Jahren gestorben), als Verfasser mehrerer 
(nnr den Titeln nach bekannten) Schriften, besonders geschätzt. 

IL Abu Jösüf Jacüb el-Ktndi (Alkindüs), aus fürstlicher Familie 
stammend, war der Sohn des Statthalters von Kufa; er lebte anfange in Basra, 
Hpäter an dem Hofe der Khalifen e 1 - M a m u n und e 1 - M o t a s i m in Bagdad 
und ist hier im Jahre 873 gestorben. El-Kindi erfreute sich wegen seiner 
grossen Grclehrsamkeit eines ausserordentlichen Rufes, so dass er von den 
Orientalen mit dem Beinamen des „Philosophen" */.7.t' eCo/t^v beehrt worden ist. — 
IHc Zahl seiner Schriften aus den verschieden >^ten Gebieten menschlichen Wissens 
beträgt ge^en 200, darunter 22 medicinisehe, 17 astronomische, 22 mathematische, 
i' philosophische, 11 politische u. s. w. und zahlreiche rebersetznngen. — Von 
seinen medicinischen Schriften ist nur eine: „/>e iucdlcamentts voinjyosifis" , in 
lateinischer Tebersetzung (im Anhange» zu Mesük Opp. , ferner mit dem Takuin 



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16(i ARABISCHE MEDICIN. 

des Elluchasbm Elimithar, Argentor. 1531 und in Opiiseula illustr. niedicorum de 
dosibus Patav. 1556 u. a. A.) bekannt geworden, ein barocker Versuch, auf Grund 
der galenischen Lehre von den Qualitilten der einfachen Arzneimittel die Wirk- 
samkeit der zusammengesetzten Arzneien auf geometrische Propoitionen zurück- 
zuführen. — El-Kindi, einer der ersten arabischen Philosophen, war ein 
treuer Anh«*lnger des Aristoteles, dessen Schriften er commentirt hat, auch hat 
er selbstständig metaphysische Probleme behandelt; in der Theologie war er 
Rationalist. 

ni. Jahja Ben Maseweih (Mksüe, der Aeltere, zum Unterschiede 
von einem etwas zweifelhaften Mesue, dem Jüngern, auch unter dem Namen 
Janus (Johannes) DamascenüS bekannt, auch unter diesem Namen mit dem 
jüngeren Mesue und mit dem älteren Serapion verwechselt), der Sohn eines 
Apothekers in Dschondisapur, ist im Jahre 777 (nach Anderen 780) geboren. — 
Von Dschäbril Ben Bachtischua in die Heilkunde eingeführt, wurde er auf 
Empfehlung desselben zum Director des Krankenhauses in Bagdad und zum Leibarzte 
der Khalifen (Harun al Raschid bis el-Motewekkil) ernannt. Im Auftrage 
des letztgenannten Fürsten überwachte er die Uebersetzungen griechischer Werke 
in's Arabische und hat auch selbst mehrere derselben tibersetzt. Er ist im Jahre 
857 in Samarra gestorben. — Von seinen zahlreichen selbstständigen medicinischen 
Arbeiten (Leclerc zählt deren 40 auf) ist ausser vielen Bruchstücken , die im 
Continens des Rhazes enthalten sind, nur „Selecta artis medicae" in lateinischer 
Uebersetzung erhalten und unter dem Titel ^Aphoriwn Joannis Damasceni^ 
mit den Aphorismen des Maimonides (Bonon. 1489) und in einigen Ausgaben der 
Articella (Lugd. 1505 u. a.) gedruckt veröffentlicht worden. — Uebrigens ist es 
zweifelhaft, ob diese Schrift ihm oder dem älteren Serapion angehört. — 

IV. HONEiN Ben Ishak (Johannitiüs), der berühmteste unter den 
arabischen Uehersetzern griechischer Werke, aus einer christlichen Familie 
stammend , ist im Jahre 800 als Sohn eines Apothekers in Hira geboren. In 
Bagdad unter MESUfi ärztlich gebildet, besuchte er mehrere griechische Städte, um 
die griechisclie Sprache zu studiren , später Basra , um sich in der arabischen 
Sprache zu vervollkommnen und ging dann nach Bagdad zurück , wo er mit grossem 
Beifalle Vorlesungen hielt, von dem Khalifen el-Motewekkil zum Leibarzt 
ernannt und mit der Uebersetzung griechischer Schriften beauftragt wurde; zu 
diesem Zwecke machte er mehrmals Reisen nach Byzanz, um sich in den Besitz 
griechischer Manuscripte zu versetzen. — Der Khalif arg^'Öhnte, dass Ben Ishak 
im Dienste des griechischen Kaisers stünde und stellte ihn daher auf eine harte 
Probe. Er verlangte von ihm die Bereitung eines Giftes, mit welchem er einen 
Feind tödten wollte, Ben Ishak aber weigerte sich diesem Befehle nachzukommen, 
indem er erklärte, dass seine Religion und sein Stand ihn nur zur Anfertigung 
heilsamer Mittel berechtigen ; er blieb bei seiner Weigerung, auch nachdem ihn der 
Khalif in den Kerker hatte werfen lassen, und so bestand er die schw^ere Probe. 
Später aber fiel er durch Machinationen eines seiner Feinde nicht nur bei dem 
Khalifen in Ungnade, sondern wurde auch von einem schweren Schicksale betroffen, 
das seinen Tod zur Folge hatte. — Ben Ishak , der die Stelle eines Diaconus 
bekleidete, kämpfte gegen den Bilderdienst der Christen, der schon damals ziemlich 
verbreitet herrschte, und liess sich durch seinen Feind Ibn el-Teifüri dazu 
verleiten, einen Beweis seines Abscheues gegen diesen religiösen Missbrauch zu 
geben, indem er ein Bild der heiligen Jungfrau anspie. Der Khalif, von diesem 
Acte in Kenntniss gesetzt und darüber entrüstet, übergab den Schuldigen dem 
Bischof Theodosius zur Bestrafung, der die Kxcommunication über ihn verhing, 
od(T gar, wie es heisst, ihn peitschen und in's Gefiingniss werfen liess. Jedenfalls 
wurde BEN ISHAK durch die ihm widerfahrene Behandlung gebeugt und starb 
bald nachher , entweder aus Gram oder an Gift , das er genommen , am 
30. November 873. — Als Uebersetzer mehrerer Schriften des Hippokrates, 
Dioskorides, Galenos, Paulus u. A. theils in's Syrische, theils in's Persische 



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ARABISCHE MEDICIN. 167 

rtder Arabische hat er «ich einen grossen Ruf erworben. — Von seinen selbst- 
ständigen medlcinischen Schriften ist nur eine „Liber introductorius in medicinam^ 
(bekannt unter dem Titel „Joannitii Isagoge ad artem parvam Qaleni^)^ eine 
in Art der Isagoge des Galbnos bearbeitete Einleitung in das Studium der 
Medicin, welche einen sehr guten Einblick in den Charakter der galeniach-arabischen 
Heilkunde jener Zeit giebt und als Lehrbuch in den medicinischen Schulen des 
Mittelalters in hohem Ansehen stand, in lateinischer Uebersetzung durch den 
Druck (in sämrotlichen Ausgaben der Articclla und Helbstständig Lips. 1497 und 
Argentor. 1532) veröffentlicht worden. 

V. ISHAK Ben Amran, ein wegen seiner Gelehrsamkeit berühmter 
iiiuhammeda nischer Arzt, in Bagdad geboren, wurde von dem aglabitischen Fürsten 
Zijadeth Allah als Leibarzt an den Hof nach Kairowan (Kyrene) berufen, wo 
er eine glänzende Aufnahme fand ; allein schon nach wenigen Jahren trat ein Zer- 
wUrfhisj; zwischen ihm und dem Fürsten ein, wie es heisst, herbeigeführt durch 
eiaen jüdischen Arzt, den der Fürst aus Spanien an seinen Hof gezogen hatte. 
ISHAK machte nun das ihm bei seiner üebersiedelung aus Bagdad gewordene Ver- 
sprechen geltend , dass es ihm , wenn es ihm beliebe , in seine Heimat zurück- 
zukehren frei stünde; der Fürst verweigerte ihm aber die Heimkehr und ver- 
urtheilte ihn zum Tode, indem er ihm die Adern an den Armen öffiien und nach 
erfolgter Verblutung an*8 Kreuz schlagen Hess. — Ishak hat die medicinische 
Wissenschaft in Mauritanien eingeführt. Er war einer der ersten und bedeutendsten 
Botaniker ; in dem pharmakologischen Werke von Ibn el-Baitar finden sich zahl- 
reiche Citate aus seiner Schrift über die einfachen Arzneien. Ausser diesen ist 
von seinen literarischen Producten, deren Wüstenfeld 14 aufzählt (darunter „De 
morbo melancholiae^ , das seines Gleichen nicht haben soll, und von dem sich 
ein Manuscript in der Münchener Bibliothek befindet), nichts bekannt geworden. 
— Das Leben Ishak's fällt in das Ende des neunten und den Anfang des zehnten 
Jahrhunderts. 

VI. ISHAK Ben Soleiman el-Isbaelt, gewöhnlich unter dem Namen 
ISAAK JuDAEUS bekannt, ein aus Aegypten stammender jüdischer Arzt, dessen 
Geburtsjahr in das erste Drittel des \). Jahrhunderts fallen muss, da er über 
100 Jahre alt geworden sein soll und im Jahre 320 der Hedschra, d. h. 932 christ- 
licher Zeitrechnung, gestorben ist. Er stand vorzugsweise als Augenarzt in hohem 
Angehen; von dem aglabitischen Fürsten Zijadet Allah nach Kairowan berufen, 
traf er hier mit dem zuvor genannten Gelehrten Ishak Ben Amran zusammen, 
dessen Unterrichte er sich unterzog. (Ledere, l, 410.) Nach dem Sturze der 
Aglahiten trat Ishak in die Dienst« desFatimiden el-Mahdi (908). Von seinen, 
seinerzeit sehr geschätzten Schriften, deren Wüstenfeld 14 aufzählt, sind sechs: 
»De diaeta^ — „De urina^ — „De pulsu arteriarum" — „De febribus^ (wie 
ISHAK selbst sagrt, sein Hauptw^erk) — „De elemends" — „Liber definitiomim^ 
gesammelt in lateinischer üebersetzung (Lugd. 1515) bekannt geworden; die Ab- 
handhmg über Diät ist auch besonders TPadua 1487, Basil. 1570) erschienen. — 
Neuerlichst hat Soave ein von Ishak herstammendes, in hebräischer Sprache 
Kesehriebenes Werk „Führer der Äerzte^ (eine Anleitung zur ärztlichen Politik, 
welche ein glänzendes Zeugniss für den hohen ethischen Charakter der grossen 
arabischen Aerzte giebt) aufgefunden und (in Giornale Veneto di seien ze mediche 
1861, Agosto e Settembre) in italienischer Üebersetzung veröffentlicht. 

VII. Jahja Ibn Serafiun (Serapion, der Aeltere, auch unter dem Namen 
JanüS Damascenüs bekannt, daher vielfach mit dem älteren Mesuk [vgl. oben] 
und mit dem [etwas zweifelhaften] jüngeren Serapion verwechselt) ist in Damascus 
gehören. Ueber sein Geburts- und Todesjahr, sowie über den Ort seines Aufenthaltes 
ist Genaueres nicht bekannt geworden ; wahrscheinlich hat er im 9. Jahrhundert vor 
Khazes oder als dessen Zeitgenosse gelebt, da er von ihm citirt wird. Serapion 
ist als Verfasser zweier, in .syrischer Sprache abgefasster medicinischer Schriften 
bekannt, von welchen die eine: ^Aphortsmi moijni momentl de medicina practica^' 



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168 ARABISCHE MEDICIN. 

uur in arabischer Uebersetzung als Handschrift existirt, die andere: „ Pandeciae*^ 
(auch unter dem Titel „Äggregator , Breviarium^ u. a.), in lateinischer Ueber- 
setzung (in zahlreichen Ausgaben, Venet. 1479, Ferrara 1498, Basil. 1499 u. s. f., 
zuletzt noch Yenet. 1550) gedruckt ist, eine Compilation pathologisch-therapeutischen 
Inhaltes aus griechischen und einigen älteren arabischen Schriften, die im Mittel- 
alter übrigens als Lehrbuch geschätzt war. 

VIII. Abu Bekr Muhammed Ben Zakabijja el-JIazi (Rhazes, Abübekb, 
BüBiKiE u. a.) ist im Jahre 850 in Raj (in der persischen Provinz Khorasan) 
geboren. Schon als Knabe zeichnete er sich durch ein lebhaftes Interesse für die 
Wissenschaften und grossen Fleiss aus, so dass er sich frühzeitig gründliche 
philosophische und philologische Kenntnisse angeeignet hatte, vorzugsweise aber 
interessirte er sich für Musik uud erlaugte in dieser Kunst als Zitherspieler und 
Sänger einen Ruf. Erst in seinem 30. Lebensjahre wandte er sich , da ihm diese 
Beschäftigung nicht ehrenvoll genug erschien, dem Studium der Medicin zu. Er 
ging nach Bagdad, wo Ibn Zein el-TAbeei (der Sohn), ein berühmter jüdischer, 
später zum Islamismus übergetretener Arzt, der im Continens des Rhazes vielfach 
citirt wird, sein Lehrer wurde ; dann kehrte er, nachdem er seine Studien beendet 
und sich eine ausgezeichnete medicinischc Ausbildung angeeignet hatte, nach seiner 
Vaterstadt zurück und wurde hier mit der Leitung des Krankenhauses betraut. 
Seine bedeutenden Leistungen lenkten alsbald die Aufmerksamkeit des Khalifen in 
Bagdad auf ihn, in Folge dessen er an den Hof dahin berufen und zum Director des 
Krankenhauses ernannt wurde. — Sein umfassendes Wissen, der Eifer, mit welchem 
er sich der Ausübung der Heilkunst hingab, sein auf reiche Erfahrungen begrün- 
detes diagnostisches Talent und die Sicherheit in seinem therapeutischen Verfahren 
verschafften Rhazes bei seinen Zeitgenossen einen solchen Ruf, daöö er der Galenos 
seiner Zeit genannt wurde , die Fürsten des Landes bei ihm Hilfe suchten , zahl- 
reiche Schüler nach Bagdad kamen, um seines Unterrichtes theilhaftig zu werden 
und die grössten Gelehrten mit ihm in schriftlichen Verkehr traten. Er soll weite 
Reisen, auch nach Afrika hin gemacht haben; verhängnissvoll für ihn wurde ein 
Besuch am Hofe des Fürsten el-Mansur in Khorasan, dem er die (unten 
genannte) Schrift „Liber inedicinalis ad Älmansorem^ gewidmet und dem er 
bei seinem Besuche ein Werk über Alchemie überreicht hatte. Ueber diese Gabe 
hoch erfreut, bewilligte der Fürst ihm ein sehr ansehnliches Geldgeschenk, gleich- 
zeitig aber forderte er Rhazes auf, die in dem Buche beschriebenen chemischen 
Experimente in seiner (des Fürsten) Gegenwart zu wiederholen, indem er ihm 
grosse Mittel zur Herstellung der nöthigen Apparate bewilligte. Unglücklicherweise 
wollten die von Rhazes angestellten Experimente nicht glücken, worauf der Fürst, 
erzürnt darüber, dass, wie er sich ausdrückte, ein Gelehrter sich nicht scheue, 
unter dem Deckmantel der Philosophie Lügen zu verbreiten, ihn mit einer Peitsche 
über den Kopf schlug und ihn sofort nach Bagdad zurückschickte. In Folge dieser 
Behandlung, wie behauptet wird, entwickelte sich bei dem hochbetagten Manne 
Cataract (Aqua in oculo), an dem er bis zu seinem Tode litt, da er auf die Vor- 
stellungen seiner Freunde, sich der Cataractoperation zu unterwerfen, einmal Miss- 
trauen gegen die Operateure aussprach, sodann aber erklärte, er habe genug von 
der Welt gesehen, um ihrer überdrüssig zu sein. — Einen schönen Zug in dem 
('harakter des hochgeschätzten Mannes bildete sein wohlthätiger Sinn und seine 
Freigebigkeit ; von l)edürftigen Kranken nahm er nicht nur keine Bezahlung au, 
sondern unterstützte sie noch mit Geld, uud so kam es. dass er selbst in Dürftig- 
keit lebte uud starb. Ueber sein Todesjahr (1)23 oder 1^32), sowie über den Ort, 
wo er sein Leben endete (Raj oder Bagdad), herrscht Unsicherheit. 

Die literarische Tliätigkeit \()n Rhazes ist eine sehr grosse nnd nicht 
nur auf die Heilkunde boschräukte , sondern auch Piiilosophie , Astronomie und 
Chemie unitassende gewesen. WÜSTENFELD führt fnaeli Oseibiaj 237 von ihm 
\erfasste, grössere und kleinere Schriften auf, deren Echtlieit übrigens nur zum 
Theil feststeht, und von welchen jetzt nur noch 36 vorhanden und v(ui diesen 7 



ARABISCHE MEDICIN. 169 

(6 nur in lateinischer Uebernetzung, eine auch im arabischen Texte) durch den 
Druck veröflföntlicht worden Bind. — Unter diesen nimmt an Umfang und Bedeu- 
tung dag unter dem Titel y.el-Haici'^ , d. h. „Contineus" (beziehungsweise Inhalt 
der ganzen Medicin) bekannte die erste Stelle ein. Mit der Entstehung dieses 
voluminösen Werkes hat es folgende Bewandtniss: Nach dem Tode von Rbazes 
veranlasst« der Vezir des Fürsten von Khorasan eine Sammlung der von dem Ver- 
storbenen hinterlassenen Concepte, welche sich im Besitze der Schwester desselben 
befunden hatten und die von ihm für einen hohen Preis angekauft waren, und betraute 
mit der Ordnung der Manuscripte und mit der Redaction der Sammlung eine Gresell- 
sehaft von Aerzten in Ilaj, welche zu Rhazes' Schülern zählten. Viele dieser Con- 
cepte sind für den Druck offenbar gar nicht bestimmt gewesen, andere enthalten 
nur kurze Notizen, welche sich der Verfasser, wie es scheint, nur für seinen 
Gebrauch niedergeschrieben hatte; ferner finden sich Auszüge aus verschiedenen 
Schriften griechischer Aerzte, so namentlich des Hippokrates, Galenos, Oäibasius, 
AetiüS und Paulus, oder aus einzelnen Schriften arabischer Aerzte, die vor 
Reazes oder zu seiner Zeit gelebt haben. Alles dies ist für die Zusammenstellung 
dö? Werkes in kritikloser Weise benutzt worden, und wie wenig die Bearbeiter 
ßich der ihnen gewordenen Aufgabe bewusst oder derselben gewachsen waren, 
?eht daraus hervor, dass sie nicht nur an vielen Stellen Rhazes in der dritten 
Person, oder unter der Bezeichnung „er sagt u. s. w." anführen, sondern auch 
Ansichten später lebender Aerzte in den Text aufgenommen haben. Uebrigeus 
finden sich in dem Werke, das die ganze Heilkunde einschliesslich der Chiurgie 
nmfasat und ursprünglich in 30 Bücher getheilt war, zahlreiche Lücken, welche 
den Text nicht selten ganz unverständlich macheu: ob dies die Schuld der Bearbeiter 
oder des Uebersetzers ist, lässt sich vorläufig nicht entscheiden. Eine vollständige 
Handschrift des Hawi im Urtext besitzt die Bibliothek des Escurial; auf Befehl 
König Karl I. hat im 13. Jahrhunderte der salemitanische Arzt Ferragius (Abül 
Pabadsch Ben Salem) eine Uebersetzung des Contineus augefertigt, welche zuerst 
in Brescia (1486), später in Venedig (1500, 1506 u. a.) im Druck erschienen 
ist. — Eine zweite grössere Arbeit von Rhazes ist „Liber mediciaalis Almaiisoris 
(Kttaah altebb Almansuri)^ , dem Fürsten el-Mansur von Khorasan gewidmet 
(vgri. oben). Die Schrift enthält in 10 Büchern eine übersichtliche, wohlgeordnete 
Darstellung der Anatomie und Physiologie, Diätetik, Toxikologie, Pathologie und 
Chirurgie; das neunte Buch, welches die specielle Pathologie mit Ausschluss der 
Fieberlehrc behandelt, galt bis weit in's Mittelalter hinein als eines der beliebtesten 
Lehrbücher in den medicinischen Schulen und Facultäten: Eine lateinische Ueber- 
setzung der Schrift findet sich als Anhang in mehreren der späteren Ausgaben des 
Hawi, demnächst gemeinschaftlich mit den kleinen Schriften in zahlreichen Auflagen 
(Mediol. 1481, Venet. 1494 u. v. a.). — Die interessanteste literarische Leistung 
dcR Rhazes ist unzweifelhaft „Liber de variolis et morbtllis^ (früher unter dem 
Titel ^ Liber de pestiletitia^ bekannt), die älteste Schrift über Blattern, welche 
auf uns gekommen. (Eine früher von dem Alexandriner Ahrun verfasste, dem 
7. Jahrhundert angehörige Schrift über diesen Gegenstand ist verloren gegangen.) 
We Uebersetzung des in dieser Abhandlung zur Bezeichnung einer anderen, den 
Blattern verwandten Krankheit benutzten Wortes „hasbah" mit Masern, beruht 
auf einem Irrthum; mit weit grösserem Rechte darf man bei dieser „hasbah" an 
»Scharlach denken. Die Schrift ist im Urtexte mit ])eigefiigter lateinischer Ueber- 
setzuDg von Channing (London 1766 j veröffentlicht worden; die lateinische Ueber- 
setzung ist vielfach herausgegeben (neuerlichst auf Veranlassung der New-Sydenham 
Society von Greenhill, London 1847); eine fflüchtig gearbeitete) französische 
Tebersetzung haben Lkclerc und LEXOift (Paris 1866; herausgegeben. 

Khazes eröffnet die Keihe der selbststjludigen Bearbeiter der Heilkunde 
unter den arabischen Aerzten und ninmit unter denselben mit seinen Leistungen 
eine der ersten, vielleicht die erste Stelle ein: wenn auch in vollster Abhängigkeit 
Vom (Jalenif*mus, vertritt er in praktischer Iiichtnng doch mehr als die meisten 



l 



X 



170 ARABISCHE MEDICIN. 

anderen arabinchen Aerzte den empirisch-rationellen Standpunkt des HifpOKRATES, 
den er sehr hochschätzt und dessen vorwiegend diätetische Therapie ihm olSenbar 
zum Muster gedient hat. Sehr gründlich hat Rhazks femer, und zwar ebenfalls 
nach Hippokratischen Grundsätzen, die Semiotik und die Prognostik bearbeitet und 
das hohe Ansehen, in welchem die Araber als Prognostiker bei den späteren 
gTiechischen Aerzten standen, begründet. Seine bedeutendste Leistung ist jedenfalls 
die Schrift über Blattern , welche einen Glanzpunkt in der ganzen arabisch-medi- 
cinischen Literatur bildet, und die .den Beweis der Selbstständigkeit ihres Autors 
giebt, da er sich, wie er selbst erklärt, auf diesem Gebiete von Galenos ganz 
verlassen fühlte und in therapeutischer Hinsicht auf seine eigenen Beobachtungen und 
Erfahrungen angewiesen war. — In dem Coutinens werden auch die chirurgischen 
und augenärztlichen Krankheiten besprochen , ohne dass man jedoch auf diesen 
Gebieten einen erheblichen Fortschritt in den Kenntnissen oder in dem operativen 
Verfahren gegen die griechischen Vorbilder PaülüS, Antyllus u. A. zu entdecken 
vermöchte. Der Mangel an selbstständigen Leistungen in der Chirurgie erklärt sich, 
wie in der Einleitung zu der Biographik der arabischen Aerzte bemerkt, bei ihm, 
wie bei fast allen seinen Landsleuten, aus dem Mangel an anatomischen Kenntnissen 
und aus der daraus hervorgegangenen Unsicherheit bei chirurgischen Eingriffen, 
worüber der hervorragendste der arabischen Chirurgen, Abül-Kasim, schwere 
Klagen fahrt. 

IX. Ali Ben el-Abbas (Halt Abbas), mit dem Beinamen el-Madschusi, 
d. h. der Magier, ist in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Ahwaz (Persien) 
geboren ; von seinen sonstigen Lebensverhältnissen ist nur bekannt, dass er als Arzt 
am Hofe des Fürsten Adhad ed-Daula gelebt hat und im Jahre 994 gestorben 
ist. Bekannt ist Ali Abbas als Verfasser eines „Tractatus de medicina*^ in drei 
Abtheilungen {y^Lihei^ sanitatis^ — j^Liber morbi^ — „Liber »ignorum^), der jedoch 
nur im Manuscript erhalten ist, und eines Handbuches der Heilkunde, das, dem zuvor 
genannten Fürsten gewidmet, den Titel „el-Maliki (lAber regius)^ führt und in 
zwei Theilen , einem theoretischen und praktischen , ein die ganze Heilkunde um- 
fassendes, vorwiegend nach Galenischen Grundsätzen, aber auch mit Benützung 
der anderen besten Quellen der griechischen Medicin, sowie der Schriften der 
früheren arabischen Aerzte, besonders des Rhazes, bearbeitetes, vortrefflich redi- 
girtes System der Medicin darstellt. — Diese Schrift ist das Beste, was die ara- 
bischen Aerzte an Compendien der Medicin geleistet haben und erfreute sich noch 
bis zum Erscheinen und Bekanntwerden des dickleibigen Kanon des Avicenna, 
durch w^elches es leider verdrängt worden ist, des ungetheilten Beifalle« der Aerzte 
jener Zeit. Die Arbeit zeichnet sich durch gesundes Urtheil ihres Verfassers, 
Einfachheit der therapeutischen Grundsätze, in welcher Beziehung sie sich den 
Arbeiten von Rhazes anschliesst, und durch Selbstständigkeit in der Beobachtung 
aus. Historisch interessant sind die Capitel über die geburtshilflichen Operationen, 
welche eine vollen Einblick in den Zustand dieses, ausschliesslich in den Händen 
der Hebammen befindlichen Theiles der arabischen Medicin gewähren. Die Schrift 
ist nur in lateinischer Uebersetzung (Venet. 1492, Lugd. 1523 mit lexikalischen 
Erläutenmgen) bekannt geworden. 

X. Abül Kasim Chalaf Ben Abbas fx-Zahrawi (Abülkasim, Albu- 
KASis, Alzaharaviüs) in Zahra, der in der Nähe von Cordova gelegenen Residenz 
des Khalifen Abd- el -Rah man HL, geboren, nimmt unter den arabischen Aerzten 
als Chirurg die erste Stelle ein. üeber sein Gcburts- und Todesjahr, sowne über 
den Ort seines Aufenthaltes fehlen sichere Nachrichten ; wie es heisst , soll er am 
Hofe des genannten Fürsten, der im Jahre 961 gestorben ist, gelebt haben, sein 
Leben würde somit in die zweite Hälfte des 10. und den Anfang des 11. Jahr- 
hunderts fallen, was mit den Angaben arabischer ('hronisten, er habe noch im 
Jahre 400 der Hedschra gelebt und sei im Jahre 404 (d. h. 1013 christlicher 
Zeitrechnung ) gestorben , wohl übereinstimmt ; nach dem Berichte von Leo Afei- 
CAXüS soll er ein Alter von 101 Jahr erreicht haben ; darnach wäre er im Jahre 912 



ARABISCHE MEDICIN. 171 

«reboren worden. — Abül Kasim ist Verfasser eineK unter dem Titel: ^ÄÜCLsrif** 
(in lateinischer rmschreibiing „Conces^io ei data^ qui componere haud valet^) 
bekannten Handbuches der praktischen Medicin , das seiner Anordnung nach in 
zwei gesonderte Theile, einen medieinischen und einen chirurgischen, zerföllt. — 
Der erst« Theii, nur aus einer unvollständigen lateinischen Uebersetzung (Liber 
thearicae nee non practicae AUaftaracu\ Aug. Vind. 1519) bekannt, ist wesent- 
lich nach den Schriften früherer arabischer Aerzte, besonders dem Continens des 
Rhazes, bearbeitet. — Der zweite (chirurgische) Theil, zuerst in lateinischer Ueber- 
setzung (Basil. 1541), sodann im Urtext und lateinischer Uebersetzung von Obanning 
(Oxford 1778), neuerlichst in französischer Uebersetzung von Leclebc (Paris 1861) 
veröffentlicht, bietet, als die, einzige vollständige Bearbeitung der Chirurgie in der 
arabischen Medicin, ein hohes Interesse, insofern sie einen vollen Aufschluss über 
deu Charakter dieses, von den Arabern zumeist vernachlässigten Gebietes der 
Heilkunde gibt. Diese Vernachlässigung erklärt sich, wie Aböl Kasim in der 
Einleitung zu seiner Schrift hervorhebt, aus der Veniachlässigung des anatomischen 
.Studiums aus den Galenischen Schriften seitens der Araber, welche sieh in Folge 
dessen bei chirurgischen Operationen der gröbsten Kunstfehler schuldig gemacht 
und sich dieser Praxis daher zumeist enthalten haben. Das Werk zerföllt in drei 
Theile. In dem ersten Theile wird die Anwendung des Glüheinens als therapeu- 
tisches Agens und der caustischen Mittel be^<prochen; das Glüheisen hat in der 
arabischen Therapie, wie Übrigens schon bei den späteren griechischen Aerzten 
(Paulus) eine sehr groFse Rolle gespielt. Der zweite Theil behandelt die chirur- 
gischen Operationen , einschliesslich der Arzneikunde und der geburtshilflichen 
Operationen (sect. LXXV — LXXVIII); der dritte Theil die Fracturen und Luxa- 
tionen. — Die Schrift ist vortrefflich redigirt und die Darstellung der operativen 
Verfahrungsarten sehr klar. Vorzugsweise ist sie der Chirurgie des Paulus nach- 
gebildet, aber sie enthält auch manches, dem Verfasser Eigene, besonders in der 
operativen Augenheilkunde. Auch die Geburtshilfe ist i\ach Paulus bearbeitet, 
übrigens, wie auch aus diesem Werke hervorgeht, ist die Ausübung derselben 
lediglich in den Händen der Hebammen gewesen. Eine sehr werthvolle Zugabe zu 
der Schrift ist die grosse ZM von Abbildungen damals gebräuchlicher chirurgischer 
imd geburtshilflicher Instrumente, welche man nur aus diesem Werke kennen gelernt 
hat. — Bei den Arabern hat die Chirurgie des Abul Kasim nur geringe Belich- 
tung gefunden, eine um so grössere Bedeutung haben ihr die Aerzte des Abend- 
landes beigelegt: schon im 12. Jahrhunderte ist die Schrift in's Lateinische 
Übersetzt worden und sie ist bis zum Erscheinen der Chirurgie von GoiDO (im 
14. Jahrhundert) das beste chirurgische Lehrbuch gewesen, das den Aerzten jener 
Zeit geboten war. — Ob das unter dem Titel „Liber servatoris"^ bekannte (1471 
in Venedig gedruckte, später den Ausgaben der Schriften des jüngeren Mesüe 
beigegebene), die Zubereitung der einfachen Arzneien behandelnde Werk, das dem 
Abül Kasih zugeschrieben wird, in der That von ihm herrührt, ist fraglich. 

XI. Mesue der Jüngere. Unter diesem Namen ist ein umfangreiches, 
ans mehreren einzelnen Schriften zusammengesetztes, pharmakologisches Werk, in 
lateinischer Sprache, bekannt geworden, über dessen Autor ein Dunkel schwebt. 
Nach den (bekanntlich wenig verlässlichen) Mittheilungen von Leo Africanus 
war der Verfasser ein jakobitischer (/hrist, Namens Jahja Ben Maseweih, zu 
ilaridin am Euphrat geboren und Arzt am Hofe des fatimitiseheu Khalifcu 
el-Hakim zu Cahira, wo er 1015 gestorben ist. — Auf dem Titel der einzelnen 
J:>cbriften lautet der Name verschieden, so Johannes Filius Mesuae Filii IIamech, 
Johannes Mesue Damascenus u. a. : die arabischen Schriftsteller , so namentlich 
Abül Faradsch , erwähnen dieses Mesue , der übrigens mit dem älteren Arzte 
prleieben Namens (auch Janus Damascenus) vielfach vorwechselt worden ist, mit 
keinem Worte , auch kennt man keine arabische Handschrift der unter seinem 
Namen veröffentlichten Schriften , und so liegt die Vermuthung nahe , dass ein, 
vielleicht auch mehrere nicht- arabische Aerzte des 10. oder 11, Jahrhunderts, um 



172 ARABISCHE MEDICIN. 

ihren Arbeiten ein besonderes Ansehen zu verleihen, dieselben unter dem berühmten 
Namen des Mesue veröffentlicht haben. Auf die Zeit ihrer Abfassung: lässt sich 
aus dem Umstände ein Wahrscheinlichkeitsschluss ziehen, dass der jüngste in den 
Schriften genannte arabische Autor Ibn el-Dachezzar (Algizar) ist, dessen Tod 
in das Jahr 1001) fällt. — Die den Namen des jüngeren Mesue führenden Werke 
sind: 1. yyDe medicinU laxatims^ (auch unter dem Titel „De simplictbus^ oder 
yyDe consolatwne [d. i. corrcctione] ^/wpZVc?ww ^ ; 2. „Grahadin (Antidotarium)", 
wesentlich pharmaceutischen Inhaltes: 3. y, Practica rnedtcinarum particularium 
(Liber de appropriatls) ''^ der erste Theil einer speciellen Therapie (die Krankheiten 
des Kopfes und der Brust behandelnd), welche im- 13. Jahrhunderte von Petefsi 
Apoxensis und F'ranciscus de Pibdimonte ergänzt worden ist. — Alle drei 
Schriften standen als pharmakologisch -therapeutische Lehrbücher während des 
Mittelalters und noch bis in's IG. Jahrhundert hinein in sehr grossem Ansehen; 
daraus erklärt sich die Legion von Ausgaben (ungefähr 30), deren erste im Jahre 
1471 (Venet.) und letzte 1623 (ibid.) erschienen ist. Auch einzeln sind die 
Schriften mehrfach (auch in italienischer Uebersetzung) gedruckt worden. 

Xn. Ali Ben Isa, auch wohl unter dem Namen Isa Bex Alt TJesü 
Ali) vorkommend, übrigens mit einem, dem i). Jahrhunderte angeh(>rigen arabischen 
Arzte gleichen Namens mehrfach verwechselt (vgl. Lkclerc I, 498), ist der Ver- 
fasser einer (in lateinischer Uebersetzung bekannt gewordenen) Schrift über Augen- 
krankheiten, welche als Anhang zur Chirurgie des Guido in den ersten beiden 
Ausgaben der Collectio chirurgica Veneta (141)7, 141)0) erschienen ist. — Ueber 
seine Lebensverhältnisse ist nichts weiter bekannt geworden, als dass er wahr- 
scheinlich in Bagdad gelebt hat und erst nach dem Jahre 400 der Hedschra 
(1010 christlicher Zeitrechnung) gestorben ist. — Die Schrift, welche den 
arabischen Titel yyTedkirat d-Kahhalin (Liber memorialis ophthalmtcorum)^ 
führt, behandelt im ersten Theile die Anatomie und Physiologie, im zweiten die 
äusseren ^d. h. sinnlicli walirnehmbareu). im dritten die inneren (verborgenen, wie 
Myopie, Hemeralopie, Amblyopie) Krankheiten des Auges : den Schluss bildet ein 
alphabetisch geordnetes Verzcichniss der Augenheilmittel. -- Das Werk enthält 
nichts dem Verfasser Eigenthümliches : es ist, wie er selbst erklärt, wesentlich nach 
Galenos und HoNEl'x bearbeitet, vorzugsweise wird Galenos citirt. 

XIU. Abu Ali el-Hosbin Ben Abdallah Ibn Sina (Avicenna) ist im 
Jahre 980 in Afschena, einem Flecken in der Nähe der zu Bochara gehörigen 
Stadt Charmatin, geboren, wo sein Vater als fürstlicher Steuerbeamter lebte. Später 
siedelte dieser mit seinem Sohne nach Bochara über und hier geuoss der, mit 
ungewöhnlichen Geistesgaben ausgestattete und von der grössten Lernbegier erfüllte 
Knabe einen vortrefflichen Unterricht, so dass er schon in seinem 10. Lebensjahre 
den Koran und mehrere philologische Bücher auswendig gelernt hatte und mit 
seinem Wissen die allgemeine Bewunderung erregte. — Er wandte sich zuerst 
dem Studium der Rechtswissenschaft zu, gleichzeitig studirte er Philosophie, Mathe- 
matik und Astronomie, später Medicin, und die^e Wissenschaft mit solchem Erfolge, 
dass er, IG Jahre alt, auf Vorschlag der älteren Aerzte, welche den erkrankten 
Sultan B e n M a n s u r behandelten , zu einer Consultation zugezogen und darnach 
von dem Sultan zum Leibarzte ernannt wurde. In dieser Eigenschaft erhielt er 
die Erlaubuiss, die reiche Bibliothek des Sultans für seine Studien zu benützen: 
diese Bibliothek wurde später ein Kaub der Flammen, und zwar, wie die Feinde 
Avicenna's behaupteten, durch ihn angezündet, indem er verhüten wollte, dass 
auch Andere aus dieser Wissens(iuelle schöpften und ihm das hier gewonnene 
geistige Eigenthum streitig machten. Nachdem er nach vollendetem 18. Lebens- 
jahre seine Studien beendet hatte, übernahm er das amtliche Geschäft seines Vaters 
und gab sich gleichzeitig einer sehr umfangreichen literarischen Thätigkeit hin, 
so dass er drei Jahre später für einen seiner Freunde ein grosses Werk (Collectio), 
welches mit Ausnahme der Mathematik sämmtliche Wissenschaften umfasste, und 
nilchst diesem einige andere sp(»ciellere , philosoj)hische und ethisclie Gegenstände 



^^^^i^^ 



ARABISCHE MEDICIX. 173 

behandelnde Schriften verfasst hatte. In einem Alter von 22 Jahren verlor er 
seinen Vater und nun begann er ein Wanderleben, das ihn bald an den Höfen 
von Fürsten in glänzende Verhältnisse brachte (er war unter Anderem von dem 
Emir Sehems ed-Daula in Hemadan zum Vezir ernannt worden), bald ihn in 
Fährlichkeiten stürzte, denen er mit Mühe entging, bis es ihm endlieh gelang, in 
Ispahan an dem Hofe de« Emir Ala ed-üaula festen Fuss zu fassen. Von dem 
Fürsten ehrenvoll empfangen, begleitete er denselben ahi Leibarzt auf mehreren 
Feldzflgen und verfasste im Verlaufe der 14 Jahre, welche er am Hofe zu Ispahan 
verweilte, eine grössere Zahl wissenschaftlicher Werke aus dem Gebiete der Philo- 
sophie, Philologie und Astronomie, auch das medicinische Werk, welches seineu 
Rahm für die nächstfolgenden 500 Jahre begründet hat, den „Kanon". Dabei aber 
führte er eine ausschweifende Lebensweise, die seine Kräfte erschöpfte; er verfiel 
in eine schwere Krankheit und erlag derselben, wie erzählt wird, in Folge einer 
von ihm selbst verordneten fehlerhaften Behandlung in einem Alter von 57 Jahren 
in Hemadan, wohin er den Fürsten begleitet hatte, im Juni des Jahres 1037, 
nachdem er, da er sein Ende nahe fühlte, sein ganzes Vermögen den Armen ver- 
macht, das mit Unrecht Gewonnene den Benachtheiligten zurückerstattet und seinen 
Sklaven die Freiheit gegeben hatte. 8o, sagt ein arabischer Dichter von Avicenna, 
hat ihm seine Philosophie nicht gute Sitten und seine Heilwissenschaft nicht die 
Kunst gelehrt, Gesundheit und Leben sich selbst zu erhalten. Seine Leiche wurde, 
wie einige Berichterstatter sagen, unter den Palmen auf der Seite der Kibla in 
Hemadan beerdigt, nach der Angabe anderer Chronisten nach Ispahan gebracht 
and in Kure Kumbed beigesetzt. 

AviCENNA nimmt in der Geschichte der arabischen Wissenschaften eine 
hervorragende Stellung ein. Als Philosoph hat er , im Anschlüsse an die Lehren 
von el-Fababi, dieselben in dem Sinne modificirt, dass er viele dem Neuplatonismus 
entnommene Grundsätze fallen Hess , sich der Lehre des Aristoteles näherte und 
durch die Aufklärung, welche er in die Philosophie brachte, ein würdiger Vor- 
läufer von Ibn Roschd wurde. Als Arzt hat er in seinem Kanon das formell 
volloidetste Werk in der medicinischen Literatur des Mittelalters geschaffen, welches 
ihm den Beinamen „EL-Scheich EL-Reis", d. h. „Fürst der Medicin" verschafft 
und das Ansehen der grossen griechischen Aerzte für Jahrhunderte in den Hinter- 
grund gedrängt hat. — Die literarische Thätigkeit Avicenna's ist eine sehr grosse, 
die verschiedensten Gebiete des Wissens umfassende gewesen; Wüstenfeld zählt 
105 von ihm verfasste Schriften, darunter einzelne von sehr grossem Umfange 
Mif. — Von den philosophischen und alchemistischen Schriften sind mehrere in 
lateinischer Uebersetzung schon im 15. Jahrhundert durch den Druck veröffentlicht 
worden; von den juristischen, mathematischen, astronomischen und die Musik 
behandelnden Werken sind nur die Titel bekannt. — Unter den medicinischen 
Schriften, von welchen zahlreiche nur in arabischen Handschriften existiren, nimmt 
der „Kanon medicinae^ (el-Kanun fil Teb, d. i. Richtschnur oder Gesetz für die 
medicinische Praxis) die erste Stelle ein. Es ist ein vollständiges System der 
Medicin, das in 5 Büchern die Anatomie und Physiologie, die allgemeine Pathologie 
und Therapie, Arzneimittellehre, die Lehre von den Krankheiten der einzelnen 
Theile des Körpers (a capite ad calcem), die fieberhaft verlaufenden Allgemein- 
erkrankungen und die Lehre von den zusammengesetzten Arzneien behandelt, 
übrigens auch Chirurgie und Augenheilkunde berücksichtigt. Jedes Buch zerfilllt 
io mehrere Abschnitte (Fen), jeder Abschnitt in Tractatus (Doctrinen), jede Doctrin 
in Smnmae und diese endlich in Capitel, so dass nicht w^eniger in Bezug auf die 
Anordnung der Materie, wie in Bezug auf die Vollständigkeit des Inbaltes kein 
dem Alterthum oder Mittelalter angehöriges Compendium der Medicin dem Kanon 
an die Seite gestellt werden kann. — In der wissenschaftlichen Auffassung und 
Bearbeitung des Gregenstandes steht Avicbnna vollständig auf dem Standpunkte 
Galen's, dessen System er in der, seinem Vorbilde entsprechenden, scharfsinnigsten 
und spitzfindigsten Weise ausgeführt hat. — In der allgemeinen Biologie folgt er, 



174 ARABISCHE MEDICIN. 

wie Galenos, dem Aristoteles : die Anatomie und Physiologie ist nach Galexos 
bearbeitet; mit grosser Sorgfalt handelt er über Diätetik (einer der besten Theile 
des Werkes); in der allgemeinen und speciellen Pathologie bekundet er eine gründ- 
liche Kentniss der griechischen und vor ihm lebenden arabischen Aerzte (am 
häufigsten wird Rbazes und Ali Abbas genannt), eigene Beobachtungen finden 
sich nur sparsam; in der Schilderung der Loealkrankheiten werden, nach den 
Grundsätzen der Galenischen Lehre von den Elementar-Qualitäten, die wunderbarsten 
Formunterschiede entworfen. Der von Avicenna gebrauchte Arzneischatz ist von 
enormem Umfange; neben zahlreichen, neu eingeführten Pflanzenmitteln (besonders 
arabischen und indischen) spielt die schon von Aetiüs benutzte Dreckapotheke eine 
nicht unerhebliche Rolle. — Nicht seinem realen Inhalte, sondern der vollendeten 
Form, der bis in's Minutiöseste durchgeführten Systematik, welche den Gebrauch des 
Werkes so bequem macht und keine Frage unbeantwortet lässt, und der Sicherheit des 
Tones in der Argumentation, welche das eigene Nachdenken des Lesers überflüssig: 
machte, verdankt der Kanon den unbegrenzten Beifall, den er gefunden, und die 
Gewalt, mit welcher er die denkträge Mit- und Nachwelt Avicenna's während 
eines halben Jahrtausends beherrscht hat. — Eine arabische Ausgabe des Kanon 
ist 1593 in Rom gedruckt worden; in hebräischer Uebersetzung ist die Schrift 
1491 in Neapel erschienen; von lateinischen llebersetzungen und Ausgaben bestehen 
mehr als 30, die letzte und beste, unvollendet gebliebene (sie enthält nur das 
1. und 2. Bnch) ist von FortünatüS Plempiüs (Lovan. 1652) besorgt. Von den 
übrigen medicinischen Schriften Avicenna's sind noch einige kleinere Abhandlungen 
in lateinischer Uebersetzung theils einzeln gedruckt, theils im Anhange au mehreren 
Ausgaben des Kanon veröffentlicht worden. 

XIV. Abul-Hasan bl-MüCHTAR Ibn Botlan (bekannt unter dem 
corrumpirten Namen ' Elluchasem Elimithar), ein christHcher Arzt aus Bagdad, 
lebte später in Mosul, Diarbekir und Aleppo; im Jahre 1047 ging er nach 
Aegypten , um hier seinen wissenschaftlichen Gegner Ali Ben Rodhwan (bekannt 
unter dem Namen Ali Rodoam aus der lateinischen Uebersetzung eines C'ommentars 
zur „Ars parva Galem^j Venet. 1496), mit welchem er Streitschriften gewechselt 
hatte, kennen zu lernen, und wandte sich von dort über Constantinopel nach 
Antiochia, wo er als Mönch in ein Kloster trat und im Jahre 1052 gestorben 
ist. — Von seinen »Schriften ist nur die unter dem Titel „Takwim el-Sihha 
(Tabula sanitatis)^ bekannte, in tabellarischer Form höchst künstlich bearbeitete 
Lehre von der Diätetik, nach den sogenannten sechs nicht natürlichen Dingen 
geordnet und mit einem allgemeinen Theile („Canones iimversales^ J versehen, 
in lateinischer (Argentor. 1531) und in deutscher Uebersetzung (8trassb. 1532) 
durch den Dnick veröffentlicht worden. 

XV. 8ERAPI0N, der Jüngere. Diesen Namen führt der Verfasser eines 
\ ^ , ' grösseren pharmakologischen Werkes, das in lateinischer Uebersetzung unter dem 

\- Titel ^^Liber de medicamentis simplicibus^ oder y^De tem^yeramentis simpltciuni*^ 

^ ^ in mehreren Ausgaben (die beste von dem Botaniker Otto Brunfels, Argentor. 

l 1531 besorgt) er.schieneu ist und eine vollständige und vortreffliche Zusammen- 

stellung der von den griechischen imd arabischen Aerzten gebrauchten Heilmittel 
enthält. — Der Verfasser kann nicht vor dem Ende des 11. Jahrhunderts gelebt 
haben, da er in seiner Schrift den Ibn Wafid (Abengüefit) citirt. Ob er in der 
That ein Araber, oder, wie Meyer glaubt, ein abendländischer christlicher Arzt 
gewesen ist, lässt sich nicht entscheiden, von arabischen Biographikem und 
Historikern wird er jedenfalls nicht genannt; übrigens ist er mit dem älteren 
Serapion (vergl. oben pag. 167) früher verwechselt worden, und die Schrift hat 
daher auch in dem therapeutischen Werke dieses Autors meist Aufnahme gefunden. 

XVI. Abül Motarrif Abd el-Rahman Ibn Wafid (unter dem corrum- 
pirten Namen Abengüefit, Albengnefit bekannt) ist im December 997 in Spanien 
geboren; er lebte in Toledo, wo er Arzt am Hospital und eine Zeit lang Vezir 
des Fürsten Ibn Dul-Nun war, und ist daselbst im Jahre 1074 gestorben. — 



ARABISCHE MEDICIN. 175 

Ibn Wafid erfreute sich als Arzt und Philosoph eiues j^rosseu Ansehens ; von seinen 
ärztlichen Schriften, deren WüsT£NF£LD sieben anführt, ist noch in lateinischer 
Uebersetzung erhalten ein Theil eines grossen pharmakologischen Werkes (yyLiber 
de medicamentU sttnplicibus^ , gemeinschaftlich mit dem „ Tacum sanitatis^ des 
Ibn Dschezla, Argen tor. 1532 und als Anhang zu den Schriften 'des älteren 
MfiSUE erschienen) und eine kleine Abhandlung über Bäder, welche in der Coilectio 
de Balneis (Yenet. 1553, 429 b.) abgedruckt ist. 

XVII. Abu Au Iabiah Ben Dschezla (unter dem corrumpirten Namen 
BoHüALTHA, Bbngezla, Dschozla u. a., auch wohl als Isa [statt Iahiah] Bbn 
Ali bekannt), als Christ in Bagdad geboren, trat im Jahre 1074 -zum Islam über 
imd fand wegen seiner schönen Handschrift eine Anstellung als Schreiber bei dem 
Oberrichter der Hanefiten in Bagdad. Später wandte er sich dem Studium der 
Medicin zu und gewann durch seine Wohlthätigkeit die Liebe des Publicums, 
indem er die Bedürftigen nicht nur unentgeltlich behandelte, sondern ihnen auch 
Arzneien verabfolgte und sie anderweitig unterstützte; er ist im Juni des Jahres 
1100 gestorben. Von seinen Schriften ist nur eine unter dem Titel ^yTahmim" 
(„Tacuin aegritudinum et morborum^), eine tabellarische Darstellung der Krank- 
heiten (a eapite ad caleem) und ihrer Heilung, in lateinischer (Argentor. 1522) 
und in deutscher Uebersetzung (gemeinschaftlich mit dem „Takwim^ [Schachtafeln 
der Gesundheit] des Ellüchasem Elihithab, Strassburg 1533) bekannt geworden. 

XVIII. Oanamusali de Baldach (Alkanamüsali). Diesen Namen trägt 
eine aus sieben Büchern bestehende Schrift über Augenheilkimde, von welcher nur 
der die Augenheilmittel behandelnde Theil in lateinischer Uebersetzung (im Anhange 
zu der Chirurgie des Guido, in den Ausgaben 1407 und 1409 der Collect. Chirurg. 
Venet.) bekannt ist. — Der gewöhnlichen Annahme gemäss war der Autor ein 
annenischer Arzt und Philosoph, der in der Mitte des 13. Jahrhunderts in 
Bagdad gelebt hat. Leclebc (I, 533) spricht dagegen die Vermuthung aus, dass 
es sich hier um den corrumpirten Namen des berühmten Augenarztes Omar Ben 
Alt el-Müsly handelt, der in Mosul (daher el-Musly) geboren, in Aegypten, und 
iwar, wie aus einem Citate in der Schrift des dem 12. Säculum angehörigen spanischen 
Augenarztes Eeeafeki hervorgeht, im 11. oder spätestens im 12. Jahrhundert 
gelebt hat. 

XIX. Abu Meewan Ibn Zohe (bekannt unter dem Namen Avenzoar 
oder Abümebon), entstammt einer vornehmen spanischen Familie, welcher zahl- 
reiche Gelehrte aus den verschiedensten Berufsclassen, Juristen, Aerzte, Verwaltungs- 
beamte , entsprossen sind, und deren Ahnherr Ibn Zohr im Anfange des 10. Jahr- 
hunderts aus Arabien nach Spanien eingewandert war. Der Enkel dieses Ahn- 
herrn war der Grossvater des oben genannten berühmten Arztes, über dessen 
Lebensverhältnisse nichts weiter mit Sicherheit bekannt ist, als dass er gegen 
Ende des 11. Jahrhunderts (sein Vater ist daselbst im Jahre 1131 gestorben) 
geboren worden ist, in Sevilla gelebt hat und hier im Jahre 1162 verstorben 
ist. — Die verschiedenen Angaben der Historiker Über sein Geburts- und Todes- 
jahr, sowie über seine Schriften erklären sich aus dem Umstände, dass er mehr- 
fach mit seinem Vater Abül Ala Ibn Zohr ven^echselt worden ist, eine bestimmte 
Entscheidung über die Autorschaft von Vater und Sohn übrigens nicht getroffen 
werden kann. Bezüglich seines Geburtsjahres lässt sich ein ungefährer Schluss 
aus dem Umstände ziehen, dass sein Sohn, Abc Beer Muhamed Ibn -Zohr, im 
Jahre 1113 geboren ist, sein Geburtsjahr also jedenfalls in das 11. Jahrhundert 
zurflekdatirt werden muss. — Von seinem Vater in der Medicin unterrichtet, 
erfreute sich Ibn Zohr als praktischer Arzt des höchsten Ansehens; sein Ruhm 
war über Spanien und in Afrika verbreitet, und auch seitens der Fürsten von 
Sevilla , an deren Hof er lebte , ist ihm die grösste Auszeichnung zu Theil 
geworden ; er wurde mit Ehrenbezeugungen und Geschenken überhäuft und von 
dem letzten Fürsten aus der Dynastie der Mullathemir zum Vezir . ernannt. Nach 
dem Sturze desselben durch Abd el-Mumin nahm er bei diesem Dienste an und 



170 ARABISCHE MEDICIN. 

wurde von dem neuen Herrscher mit gleicher Auszeichnung behandelt. — Unter 
seinen Schriften, die nur in Liteiniseher üebersetzung bekannt worden sind, nimmt 
das unter dem Titel „Alteisir*^, d. h. „ Ädjumentum*^ (seil, regiminis et medelaej 
veröffentlichte Compendium der Heilkunde die erste Stelle ein. Dasselbe zeichnet 
sich vor allen übrigen arabischen Lehrbüchern der Medicin durch den praktischen 
Inhalt, die Selbstständigkeit in der Bearbeitung und die Fülle eigener Beobachtungen 
des Verfassers in v ortheil haftester Weise aus. In der Theorie huldigt Ibn Zohr 
allerdings galenischcn Grundsätzen, aber er wird in der Praxis von denselben 
nicht beherrscht ; er schwört nicht auf die Satzungen des Pergameners , sondern 
er prüft sie und erkennt, mit Verwerfung aller theoretischen Speculationen , die 
Erfahrung als die alleinige Quelle der Erkenntuiss an; „Expenentiam verae 
praxeos ducem esse," erklärt er, „et probatricem optimam." Namentlich 
bekämpft er die Lehre von den Elementar-Qualitäten und die darauf gegründeten 
pathologischen und therapeutischen Grundsätze Galen's; auch ist er einer der 
wenigen arabischen Aerzte, welche sich mit der Chirurgie, wenn auch in be- 
schränktem Umfange, selbstständig beschäftigt haben. - - Die Schrift ist, wie es 
heisst, nach einer hebräischen Uebertragung, in lateinischer Uebersetzung gemein- 
schaftlich mit dem Kollijat des Ibn Roschd (zuerst Venet. 14110 und später noch 
in sieben weiteren Ausgaben) erschienen. — Ausserdem tragen seinen Namen 
(vielleicht mit Unrecht und von seinem Sohne herrührend) ein Antidotarium (im 
Anhange zum „Alteisir" erschienen), ein Colligens (ebenso veröffentlicht), eine kleine 
Abhandlung über Bäder (in der CoUectio Veneta de Balneis), ein „TrcLCtatus 
de morbis renum" (Venet. 141)7), worin die innere Behandlung der Steinkrankheit 
besprochen wird, da Ibn Zohb die Operation des Steinschnittes als schimpflich 
für den Arzt erklärt (woraus hervorgeht, dass dieselbe damals von „Stem- 
schneidern" ex professo gemacht worden ist), ferner eine dem Khalifen Abd 
el-Mumin gewidmete diätetische Schrift „De regimine sanüatis" (Basil. 1531) 
und eine kleine Abhandlung „De fehrilnts", welche in der Collect. Vcneta de 
febribus (Venet. 1594) abgedruckt ist. 

XX. Abül Welid Muhammed Ibn Roschd (bekannt unter dem eorrum- 
pirten Namen Avereoes) ist im Jahre 1126 in Cordova geboren, wo sein Vater 
die Stelle eines Oberrichters bekleidete. Zuerst in der Rechtswissenschaft gebildet, 
wandte sich Ibn Röschd später dem Studium der Mathematik und Philosophie, 
endlich dem der Medicin zu, besonders unter Leitung von Ibn Zohr, dessen 
Familie mit der seinigen befreundet war. Den grössten Theil seines Lebens 
verbrachte er in Sevilla, wo er ein Richteramt bekleidete; im Jahre 1195 berief 
ihn el-Mansur Jacub, König von Spanien imd Marocco, nach Cordova und 
ernannte ihn zum Statthalter. Das hohe Ansehen, dessen sich iBN RosCHD im 
Lande erfreute, und die Auszeichnung, welche ihm vom Fürsten zu Theil geworden 
war, erregte den Neid seiner Feinde, welche, um ihn zu stürzen, ihn der tYei- 
denkerei und Irreligiosität so^ie der Verletzung der Ehrfurcht vor dem Fürsten be 
schuldigten. In Folge dessen wurde er, und mit ihm einige andere hochgestellte 
Männer, zum Tode verurtheilt, vom Könige jedoch soweit begnadigt, dass er nach 
el-Nesaba (bei Cordova) verbannt und sein Vermögen confiscirt wurde. Auf Verwendung 
einiger angesehener Freunde, welche den Fürsten davon überzeugten, dass Ibn 
Roschd unschuldig sei, wurde er sammt seinen Mitangeklagten freigelassen; 
wenige Tage später starb der Fürst und nun folgte Ibn Roschd einem Rufe an 
den Hof des Sohnes und Nachfolgers desselben in Marocco, starb hier aber schon 
nach mehmionatlichem Aufenthalte im December des Jahres 1198. Er hinterliess 
mehrere Söhne, von welchen einer, Abu Muhammed Abdallah Ibn Roschd, 
als Arzt in Cordova lebte, die anderen an verschiedenen Punkten des Landes 
Richterstellen bekleideten. — Alle Biographen von Ibn Roschd stimmen in dem 
Lobe desselben überein, indem sie ihn als ein Muster von Tugend, Charakterstärke, 
Gelehrsamkeit und Fleiss darstellen. Für die letzten beiden Eigenschaften spricht 
seine literarische Productivität, mit welcher er die verschiedensten Gebiete mensch- 



ARABISCHE MEDICIN. 177 

liehen Wist>en8 iimfasste. — Aimser zablreicheii gröwsereu und kleineren medieinischen 
Schriften zahlt WÜSTENFELD 25, Renan (Averroes et rAverroismo. Par. 1860) 
47, and zwar 28 philosophische (meist Commentare zu Aristoteles, darunter die 
berflhniteste , „Destructlo doctrinarum^ ^ eine Streitschrift gegen die von dem 
Peripatetiker Algazeli veröffentlichte „Destrxictio phüosophamm" gerichtet), 
Änf theologische, acht juristische, vier anatomische und zwei grammatische 
Arbeiten auf. — Das grosse Ansehen des Ibn Roschd bei seinen Zeitgenossen 
und Kachfolgern gründet sich mehr auf seine Bedeutung als Philosoph — er war 
der entschiedenste Anhänger des Aristoteles, dem er unbedingt Verehrung zollt, 
und einer der letzten würdigen Vertreter der arabischen Philosophie, welche bald 
nach ihm und nach MaimüNIDES mit dem Sturze der Herrschaft der Mauren in Spanien 
ihr Ende erreichte — als auf seine ärztlichen literarischen Beiträge, welche, 
wie namentlich sein Hauptwerk j^Kitah el-Kollijat" (y^Liber universalis de 
medicina^, corrumpirt als „Colliget" bekannt), ein nach Art des Kanon des 
AviCENNA bearbeitetes System der Medicin, einen vorwiegend theoretisch-dialektischen 
Charakter tragen; Niemand, erklärt der Verfasser von diesem Werke selbst, könne 
dasjjelbe verstehen, der nicht in die Geheimnisse der Dialektik eingeweiht ist. 
Eigene Beobachtungen des Autors linden sich in der Schrift fast gar nicht. Sie 
wt nur in lateinischer Uebersetzung bekannt und gemeinschaftlich mit dem AlteYsir 
des Ibn Zohb, ausserdem in einer besonderen Ausgabe Venet. 1482 erschienen. — 
Von seinen kleineren Schriften finden sich mehrere gesammelt (s. 1. e. a.) gedruckt, 
ferner ein „Tractatus de theriaca'^ als Anhang zu Aristotelts Opp. Venet. 
1560, Vol. V, und ein ,, Tractatus de febribiis" in der Collect. Veneta de 
febribus (15114). 

XXI. Abu Mühammed Abd el-Letif (Abdelletif) ist *im Jahre 1162 
in Bagdad geboren. Er studirte zuerst unter ausgezeichneten Lehrern und an 
der Academia Nidhamia Philologie , Philosophie und Alchemie , wandte sich aber 
•«piter dem Studium der Medicin zu und ging, da ihm der Geist dos Gelehrten- 
thnnw in Bagdad nicht zusagte, im Jahre 1181) nach Mosul, wo er als Lehrer 
auftrat, und im folgenden Jahre nach Damascus an den Hof des Sultans Salah 
id-Din, der berühmte Gelehrte um sich versammelte. Dann besuchte er 
Jerusalem und Cahira, wo er bis zum Jahre 1203 verweilte; in seinem Werke 
ober Aeg>^pten gibt er eine Beschreibung der von ihm beobachteten Hungersnoth 
und Pest, welche in den Jahren 1201 und 1202 das Land verheerten. — Von 
Cahira wandte er sich nach Jerusalem, kehrte dann (1207) nach Damascus zurück, 
*o er sich als Lehrer an der Academia Azizia und als Arzt eines grossen Rufes 
erfreute, durchreiste Kleinasien und gelangte 1220 nach Aleppo, von wo aus er 
mit Ibn Oseibia in schriftlichen Verkehr trat. Der Wunsch, mit diesem grossen 
tjtlehrten persönlich bekannt zu werden, veranlasste ihn zu einer Reise nach 
l'amascus, zuvor aber unternahm er eine Pilgerfahrt nach Mekka, und zwar über 
Ba^'dad, wo er dem Khalifen einige seiner Schriften überreichen wollte ; bei seiner 
Ankunft daselbst erkrankte er jedoch und starb am 8. November 1231. — Von 
'^inen zahlreichen Schriften, deren Ibx Oseibia 166 anführt, darunter (nach 
Wustexfeld) 39 medicinische, ist nur ein von ihm selbst gefertigter Auszug aus 
«'ineni grossen Werke über die Denkwürdigkeiten Aegyptens im Originale und in 
mehreren Uebersetzungen (s. unten) gedruckt. In neun Abschnitten wird in dem- 
'H'Iben eine Schilderung des Landes, der Flora und Fauna desselben, eine Dar- 
»^telluDg der Alterthümer, der Lebens- und Nahrungsweise der Bevölkerung und 
(•ine Beschreibung der oben erwähnten Hungersnoth und Pest gegeben. Interessant 
nnd charakteristisch für die geistige Unbefangenheit und Selbstständigkeit des Mannes 
i^t die Kritik, die er an dieser Stelle über die galenische Anatomie giebt und 
die um so schwerer in's Gewicht ßlllt, als bis dahin kein Arzt es gewagt hatte, 
der 6ALEN*8ehen Autorität gerade auf dem Gebiete der Anatomie entgegen- 
zutreten. Auf einem Hügel in der Nähe von Cahira waren Tausende von Leichen, 
die Opfer der Seuche, angehäuft worden ; diese Gelegenheit benützte Abdelletif, 

Biop". Lexikon. I. ^^ 



178 ARABISCHE MEDICIM. 

an Skeletten osteologische Untersuchungen anzustellen und dabei ilberzougte er 
sich von mehreren Irrthüuiem in der GALEN'schen Osteologie, namentlich in der 
Beschreibung des Unterkiefers und des Kreuzbeines, und so nimmt er keinen 
Anstand, zu erklären (n«ach der üebersetzung von DE Sacy): „Quotque Galten 
ait apporU la plus scrupuleuse exactitude et le soin le plus attentif ä totU 
ce qu-il h fait et h tout ce qu*il a rapporte, cependant le timoignage de 
sens m^rite d^etre cru preailement au sien,^ — Die Schrift iat 
zuerst von dem Orientalisten JOSEPH White im Originaltexte (Oxford 1782 und 
Tubing. 1789, ein von Paulus besorgter Abdruck der Oxford - Ausgabe) , imd 
dann von demselben in einer arabisch - lateinischen Ausgabe (Oxford 1800) unter 
dem Titel: „Abdellatiphi historiae Aegypti compendium^ veröflfentHcht worden. 
Damach ist eine deutsche üebersetzung von GÜNTHER Wahl (Halle 1790) und 
eine sehr geschätzte französische üebersetzung von Silvester DE Sag r „Relation 
de VEggpte par Abd-AUatif^ Par. 1810, erschienen. 

XXII. Abu Amran Müsa Ben Maimon (Maimonides, Ra3ibam, eine 
Bezeichnung gebildet durch Zusammenziehung der Anfangsconsonanten seines 
hebräischen Namens Rabi Moses ben Maimon), einer der grössten Gelehrten 
seiner Zeit, aus einer angesehenen jüdischen Familie stammend, ist im Jahre 1135 
in Cordoba geboren. Mit talmudisch-theologischer Bildung ausgestattet, wandte er 
sich, besonders unter der Leitung von Ibn Rosohd (Averroes), der auch auf 
seine philosophische Richtung einen entscheidenden Einfluss ausgeübt hat, dem 
Studium der Medicin zu. In Folge des von dem Fürsten Abd el-Mumin 
erlassenen Edictes, wonach die Juden und Christen seines Reiches entweder zum 
Islam tibertreten oder das Land verlassen sollten, wanderte er im Jahre 1165 mit 
seiner Familie nach Fez aus, und ging mit derselben, da die Juden auch hier 
Glaubensverfolgungen erfuhren, über Akka und Jerusalem nach Aegypten, wo er 
in Foftat (Alt-Cahira) seinen dauernden Wohnsitz nahm, eine Philosophenschnle 
errichtete und sich der Gesellschaft der Aerzte anschloss, seinen Unterhalt aber, 
wie es heisst, vorzugsweise in dem Handel mit Edelsteinen und seltenen Münzen 
fand. Im Jahre 1179 wurde er von dem in Cahira residirenden GozitenhäuptUng 
El-Fadcl Abdul Rahim zum Leibarzte ernannt, der ihm ein reiches Gehalt 
zukommen Hess, so dass er den Handel aufgeben und sich ausschliesslich wissen- 
schaftlicher Thätigkeit und der ärztlichen Praxis widmen konnte. — Trotz der 
bedrängten Verhältnisse, in welchen er früher gelebt hatte, und trotz der üeber- 
bürdung, welche ihm nun aus seiner amtlichen Stellung und der enormen, aus 
allen Ständen der Bevölkerung ihm zuströmenden Klientelschaft erwuchs , gewann 
er doch Müsse für eine literarische Thätigkeit, aus welcher eine Reihe sehr 
geschätzter medicinischer und philosophischer Werke hervorgegangen sind. Er ist 
am 13. Dccember des Jahres 1204 in Foftat gestorben und in Palästina, wohin 
die Leiche tibergeführt wurde, beerdigt worden. Sein Tod wurde von den Juden 
aller Orten auf's Tiefste beklagt, und bei seiner Todesfeier wurde eine dreitägige 
Traufer mit Fasten und Beten angeordnet. — Als Philosoph steht Maimonidbs, 
im Anschlüsse an seinen Lehrer Ibn Roschd, wesentlich auf aristotelischem Stand- 
])unkte. Mit Verurtheilung der neu - platonischen Mystik findet er die Quelle der 
Erkenntniss in der durch die Sinne gewonnenen Erfahrung oder in dem dnrch 
den Verstand streng erwiesenen Wissen ; daneben statuirt er indessen auch ein 
dogmatisches Wissen, welches sich auf die Aussprüche der Propheten oder 
frommer Männer stützt, und so weicht er in dieser Beziehung, namentlich in der 
Lehre von der Schöpfung, aber auch in anderen durch das mosaische Dogma 
gebotenen Glaubenssätzen, von seinem grossen Vorbilde ab. So vorsichtig er in 
der Entwickelung philosophischer Grundsätze, in ihrer Anwendung auf die Glaubens- 
lehre auch immer war, so genügte doch schon die Voraussetzung, dass es ein 
vom Glauben unabhängiges Wissen gäbe, bei seinen orthodoxen Glaubensgenossen, 
ihn der Irreligiosität zu zeihen und als Abtrünnigen zu stigmatisiren ; von den 
Rabbinern Frankreichs wurde nicht blos ein Bannstrahl gegen ihn geschlendert, 



ARABISCHE MEDICIN. 179 

sondern auch die chrwtliehe Inquiflitioii zur Hilfe gej^eii seine Ketzerei aufgenifen. 
Allein gerade diese Verfolgungen verhalfen ihm bei der grosaen Mas8e zum Siege ; 
er wurde von den Juden des Orients und Occidents als ein 8tern erster Grösse 
verehrt, und auch auf die arabischen und christlichen Gelehrten und Schulen , und 
von diesen aus später auf die abendländischen Universitäten, auf den Charakter 
der freien wissenschaftlichen Forschung hat er durch seine Schriften einen nicht 
unerheblichen Einfluss geäussert. — Von seinen medicinischen Werken sind nur 
drei dureh den Druck bekannt geworden, ein diätetischer „ Tractatus de regimvie 
mmtatis*', in mehreren üebersetzungen, beziehungsweise Ausgaben, zuerst Florent. 
8. a. (vor 1480), zuletzt Lugd. 1535, in Briefform au den Sultan el-Malik 
el-Afdahal gerichtet, nach hippokratischen Grundsätzen bearbeitet, femer ein 
toxikologisches (in französischer Uebersetzung von Rabbixowicz („ Tratte de 
poisons de Maimonides etc.^, Par. 1867 und in [nicht vollständiger] deutscher 
Uebersetzung von Steinschneider in Virchow's Archiv 1873, LVII, 62), eine 
auf Befehl des Vezir el-Fadhil verfasste populäre Schrift tlber die erste Hilfe- 
leistimg bei Vergiftungen, endlich 25 Bücher Aphorismen, nach griechischen und 
arabischen Autoren, besonders nach Galenos bearbeitet (in lateinischer Ueber- 
setzung Bonon. 148l> u.v.a., zuletzt Basil. 157!)). — Ausserdem werden von 
WöSTENFELD noch 14, durch den Druck nicht veröffeutlichte medicinische Schriften 
von Maimonides aufgeführt: als das bedeutendste unter denselben, sowie 
überhaupt unter seinen mediciuischen Werken wird „De causis et indiciü mor- 
borum" bezeichnet. 

XXIII. IBN EL-BeitAr (Albeitar), der Sohn eiues in Malaga lebenden 
Thierarztes, ist daselbst gegen Ende des 12. Jahrhunderts (vielleicht im Jahre 1197, 
das Leo Africanus als sein Todesjahr irrthümlich bezeichnet) geboren. — Ueber 
seine Lebensverhältnisse giebt die von OSEIBIA verfasste Biographie el-Beitar*s 
nur sehr geringe Aufschlüsse. Es geht aus derselben nur soviel hervor, dass er 
(nach Leclerc II, 226, im Jahre 1219 oder 1220) nach Afrika gegangen ist, hier 
eine sehr ehrenvolle Aufnahme gefunden und sodann behufs Erweiterung seiner 
botanischen Kenntnisse Griechenland und Kleinasien bereist hat. Später lebte er 
in Damascus am Hofe des Khalifen el-Malik el-Kamil Muh am med. Hier 
wurde Oseibia, vrie dieser mittheilt, im Jahre 1235 mit ihm bekannt und begleitete 
ihn auf seinen botanischen Excursionen. Nach dem Tode des Sultan (1237) ging 
el-Bkitar noch einmal nach Acgypten, wo er von dem Sultan el-Malik 
el- Salih Ejjab mit Auszeichnung empfangen wirrde, kehrte aber nach einigen 
Jahren nach Damascus zurück und ist hier im November des Jahres 1248 plötzlich 
gestorben. — El-Beitar gilt als der bedeutendste unter den arabischen Botanikern, 
und das von ihm verfasste Werk über Arznei- und Nahrungsmittel (in lateinischer 
rebersetzung „Corpus sivq)licin medicamentorum et ciöorum continens^) nimmt 
in der Geschichte der arabischen Medicin in mehrfachen Beziehungen eine her\or- 
ragende Stelle ein, indem es nicht nur eine vollständige üebersicht über die von 
den Arabern eingeführten Heilmittel, soVidern auch Beschreibungen zahlreicher von 
Ihn Bgitar selbst untersuchter syrischer und ägyptischer Pflanzen giebt, welche 
von griechischen Aerzten nicht er^^ähnt werden, somit eine reiche Quelle für 
das Studium der Geschichte der Botanik bildet. — Die Mittel sind alphabetisch 
geordnet und an die Beschreibung jedes Mittels eine Aufzählung der aus denselben 
bereiteten pharmaceutischen Präparate und deren therapeutische Verwendung geknüpft. 
— Die Schrift ist bisher nur in deutscher Uebersetzung von Sontheimer (in 
zwei Bänden, Stuttg. 1840 — 1842) gedruckt erschienen. — Ausser diesem Werke 
fahrt WöSTENFELD uoch acht andere medicinische Schriften von Ibn Bbitar an, 
von welchen, jedoch nur die Titel bekannt sind. 

XXIV. Ibn Abu Oseibia Müwaffik ed-Din (Oseibia) ist im Jahre 1203 
in Damascus geboren , wo sein Vater und sein Onkel als Augenärzte , der letzt- 
genannte als Director des Hospitals für Augeukrauke, eine sehr geachtete Stellung 
einnahmen. Er studirte unter der Leitung seiner Verwandten und anderer hervpr- 

12* 



iSi) ARABISCHE MEDICIN. — AHAN. 

ra{i*eiider Aerzte,. darunter auch IBN Beitar's, Medicin, wirkte eine Zeit lang als 
Arzt am Hospital in Damascuß, folgte später (1236) einem Rufe als Arzt am 
Hospitale des Matek el-Nasir Salah in Cahira , siedelte dann (1 238) als 
Leibarzt des Emirs Izz ed-I)in Eidemir nach Sarahed (Syrien) über und ist 
hier im Jahre 1269 gestorben. — OSEIBIA ist der Verfasser des bekannten 
historiseh-mediciniscben Werkes, welches unter dem Titel yy Fontes relatianuni de 
classibus tnedicorum" in 15 Capiteln biographische Nachrichten Aber die be- 
rühmtesten Aerzte des Alterthums, der Araber, Syrer, Perser und Inder enthält 
und die Hauptquelle aller neueren Untersuchungen Über die Heilkunde unter den 
Arabern abgegeben hat. — Vollständig existirt das Werk, sowohl in der Ursprache, 
wie in lateinischer Uebersetzung von Reiske, nur in Manuscripten, einen äusserst 
werth vollen Auszug aus demselben hat Wüstenfeld (in der unten genannten 
Schrift) gegeben; auch die Schrift von Leclerc (s. unten) ist wesentlich nach 
OsEiBiA (nicht immer mit kritischer Schärfe) bearbeitet. 

Ueber die (ieschichte und Literatur der arabischen Aeizte vgl. Casiri, Bibllotheca 

arabico - hispaua Escnrialensis. Matrit. 17Ü0. — Reiske et Fabri (Verzeichniss 3H")). — 

Dietz, Analecta medica. Lips. \8'^'^, 117 seq. — Wüstenfeld (Veraeichniss 419). — 

Clioulant, Geschichte und Literatur der älteren Medicin. Leipzig 1»^1, 3H7 — 892. — 

Meyer, Geschichte der Botanik. Königsberg 1856. III, a. v. 0. — Steinschneider in 

Virchow's Archiv im'), XXXVI. 570; XXXVII, 5G(): 1H7I LIT, 343, 468. — Leclerc, 

llistoire de la medecine arabe. II Tomes, Par. 1870. „■ , 

Hirsch. 

Araldi, Michele A., ji:eboren den 10. Februar 1740 zu Modena, Arzt 
und Mathematiker, lehrte als Professor der Anatomie und Physiologie an der 
Tniversität seiner Vaterstadt und starb am 3. November 1813 in Mailand. .Seine 
nicht unwichtigen Arbeiten betreffen hauptsächlich die Blutcirculation und sind zum 
Theil in den „Atti" der Gesellschaft der Wissenschaften zu Modena veröffentlicht, 
wie „Leber die Kraft und den Einfluss des Herzens auf die Blutcirculation*^ . 
Selbstständige Schriften sind: „De Vusage des anastomoses dans les vatsscaux des 
machine,^ animales, et partiadierement dans le systhme de la circulatioa du 
sang** (Modena 1816, 8.) — und „Saggio di un Errato di cni sembrano 
bisognosi alami libri elementari'* (Milano 1812, 8.). 

Rovida, Elo^t di Michele Araldi (Milano 1817, 4.)- Max Saloniou. 

Aran. Francjois-Amilcar A. , Professor der Medicin zu Paris, war 
am 12. Juli 1817 in Bordeaux geboren. Er begann daselbst seine medicinisehen 
Studien und vollendete dieselben in Paris. Noch ehe er die Doctorwtirde erhalten 
hatte, Hess er ein ^j Manuel 2>rci^^(iue des maladies du coeur et des gros vatsseaux*^ 
rParis 1842, englische Uebersetzung von W. A. Harris, Philadelphia 1843) er- 
scheinen. 1843 promovirte er mit der Inaugural-These : y^Des palpitations du coeur y 
cons^idSrSes principalement dans leur nature et leur t raiternent** , Sehr bewandert 
in fremden Sprachen , publicirte er nach imd nach die Uebersetzungen mehrerer 
wichtiger Schriften, wie 1851 Bennet's „Traite pratique des inflainmations de 
Vut^rus et de ses annexes"* und 1854 den /Vraite de percussitn et (Pauscul- 
tation** von Skoda, den er durch seine Anmerkungen klarer zu machen suchte. 
Von seltener Arbeitskraft und Beharrlichkeit, stürzte er sich in die Concurse, 
wurde Hospitalarzt und Professeur agrege; Letzteres 1853 mit der Concurs-These 
^Des morts subits^. Die vorbereitenden Arbeiten für die Ooncurse Hessen ihn 
jedoch gelehrte und klinische Arbeiten nicht vemacblSssigen. Er hatte Antheil an 
der Redaction mehrerer Zeitschriften , wie der Archives g^nerales und der Union 
medicale und war einer der thätigsten Mitarbeiter derselben, indem er theils 
kritische Analysen englischer Arbeiten , theils eigene Untersuchungen lieferte. Als 
Professeur agreg6 hielt A. in der ficole pratique Privat-Curse über Therapie und 
im Hotel-Dieu, als Vertreter v(m Rostan, erzielte er durch seine klinischen Vorträge 
einen glänzenden Erfolg. Als Arzt des Höpital Saint-Antoine widmete er einen 
grossen Theil seiner Zeit den Kranken und den nachfolgenden klinischen Be- 
sprechungen. Seine ,yLe<jons cHnigues sur les maladies de UutSrus tt de ses 



ARAN. — ARBUTHNOT. ISl 

annexes, RecueiUies par le Dr, Ä, Gauchet et revus par Vauieur^ TParis IftoS ) 
waren innerhalb Jahresfrist vergriffen. Sehr zahlreich Kind Heine durch Gelehr- 
samkeit und Originalität ausgezeichneten Abhandlungen, die er in den genannten 
Zeitschriften und im Bulletin de thörapeutique veröffontliclite. Die Mehrzahl 
derselben findet sich bei BeaüGRAND angeführt, worauf wir vemveisen. — In den 
letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich vorzugxsweise mit Studien über 
Materia mediea und lieferte darüber zahlreiche Aufsätze für das Bulletin de th^ra- 
peutique; unter denselben sollen nur die über das Veratrin, das Chlorofonn und 
die Behandlung des acuten Rheumatismus hervorgehoben werden. Gerade die 
letztgfenannte Krankheit, an der er wiederholt gelitten hatte, führte seinen früh- 
zeitigen Tod herbei, im Alter von nur 44 Jahren, am 22. Februar 1861. Er 
hinterliess eine sehr grosse Zahl unvollendeter Arbeiten, darunter ein „Dictionnaire 
de therapeutique", von dem die ersten Buchstaben bereits bearbeitet waren. 

Am6d6e Latour et Henri Roger in Union medicale 1861, IX. pa?:. 417', 
Gaz. des Höpit. 1861, pag. 120. — Beaugrand bei Dcchambre, V, pig. 7S7. (; 

/'Aranzi, Giulio Cesare A. (JaLros Cäsar Arantius), gehört zu jener 
Gruppe von vorzüglichen Anatomen, durch die Italien im 16. Jahrhundert einen 
so hervorragenden Rang in der Wissenschaft einnahm. Geboren zu Bologna im 
Jahre 1530, studirte er daselbst von seinem 18. Jahre an unter seinem Onkel, 
dem berühmten Chirurgen Bartolomeo Maqgi, promovirte ebenda 1556 und 
wurde bald darauf auch in seiner Vaterstadt zum Profe-isor der Medicin und 
Auatoraie ernannt. Da er erst 1548 seine Studien begann, kann er nicht, wie 
vielfach angegeben wird, Schüler Vesal^s gewesen sein, der schon 1546 seine 
Padaaner Professur niedergv^legt hatte. Er bekleidete sein Amt in Bologna 33 Jahre 
lang bis zu seinem Tode am 7. April 158!). 

A. Ist ein sorgfiiltiger, vorurtheilsfreier Beobachter, dem die Anatomie? 
manche Entdeckungen verdankt, deren erste, die des Muse, levator palpebrae 
superioris, ihm schon im ersten Studienjahre gelang. Von besonder(»r Bedeutung 
ist gein kleines, aber inhaltreiches Werk: „De humano foHu Über" (Rom 1564, 8. 
und öfter), worin er unter Anderem nachweist, dass mit der Dilatation des Uterus 
auch der Dickendurchmesser seiner Wandungen zunimmt, dass der Urachus beim 
Menschen nicht perforirt ist. Er widerlegt die Annahme von der Ausnahm slosig- 
keit der Cotyledonenbildung an der Innenfläche des Uterus, beschreibt zuerst den, 
später nach Botalli benannten Ductus arteriosus. In seinem „AnatoMicnrum 
ohservationum Über" (Venet. 1587, 4. und öfter) finden wir interessante Unter-^ 
suehungen über den kleinen Kreislauf, in denen er im Gegensatze zu Vesal und 
in Uebereittstimmung mit Colombo für die Undurchdringlichkeit der Herzscheide- 
wand eintritt, die erste Beschreibung der Ammonshörner, der Noduli (Arantii) und<^ 
des Ductus venosus (Arantii). Aus seiner dritten Schrift: „De tumorihus praeter 
mturani sectindum locos affectus Über" (Venet. 1587, 4.) [alle drei Werke 
zusammen Venet. 1587, 4.], ist besonders hervorzuheben, dass er eine Polypenzange 
zur Entfernung der Nasenpolj'pen erfand. Sein Commentar über die Kopfwunden : 
ffln librum Hippocratis de vulneribus capitis commentarius" (Lugdan., Batav. 
1639, 12.) [sehr selten], ist eigentlich nur eine Umschreibung der hippokratischen 
^hrift und von geringem Werthe. — A.'s Werke zeichnen sich durch einfache, 
klare Diction aus, sowie durch die Bescheidenheit, mit der der Verfiisser auftritt, 
nnd die offene Anerkennung der Verdienste Anderer. ^[^^ Salomon. 

Arbuthnot, Jean A., geboren in dem schottischen Stildtchen Arbuthnot 
hei Montrose. Sein Geburtsjahr ist bei seinen englischen Biographen strittig, — 
wahrscheinlich um 1670. A. erlangte seine Bedeutung als einer der bedeutendsten 
Zeitgeno88en der Königin Anna mehr durch ausserordentliche Leistungen auf 
lit^rar-ästhetischem, als auf medicinischem Gebiete. Denn das letztere anlangend^ 
besitzen wir von. ihm nur drei Werke: Den „Essay conceming the effects of air 
tn human bodt/*^ ("1733) — den „Essay conceming the natttre and clioice of 



l 



I 



182 ARBUTHNOT. — D'ARCET. 

alwunts^ (1731) und y^On the recjularity of the hirths of both sexes^, ein der 
königlichen Societät der AVissenschaften vorgelegtes Werk, dessen Druckjahr nicht 
bekannt ist. Greift besonders die Tendenz des letztgenannten Buches stark auf 
ethisches und politisches Gebiet über, so ist dies in noch viel höherem Grade bei 
den folgenden, hier nur kurz zu erwähnenden Schriften A.'s der Fall. In Aberdeen 
vorgebildet und in der niedicinischen Faeultät promovirt, von seinem verarmten 
Vater sich selbst überlassen, hatte er sich früh nach London begeben und hier 
Jahre lang von mathematischen Unterrichtsstunden existirt. Durch zwei Essays: 
„Sur Vhistoire naturelle de la terre^ (1697) und „Sur VutilitS de V^tude des 
matheniatiques^^ (1700), zog er die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, wurde ausser- 
ordentlicher Leibarzt des Prinzen von Dänemark und Mitglied der königlichen Societät 
der Wissenschaften. 1710 gründete er mit Pope, Swift und Gay einen Freuiid- 
schaftsbund, der bis an sein Lebensende dauerte und der Ausgang wurde für die 
satyrischen, tief in das damalige englische Gesellschaftsleben einschneidenden Schrifteu 
A.'s: das ^^ Memory of Martin Scriölerus*^ und die „liistory of John Bull'' y 
welche, wenn nicht ganz, so doch zum grössten Theil ihm zugesehrieben werden, 
wenngleich der „Martin Scriblerus" , soweit er vollendet ist , in Pope's Schriften 
publicirt ist. Hervorzuheben sind endlich noch : „ Tables des monnaiea, poids et 
mesures des cnciens avec des dissertations expllcatlves^ — „T'raitd sur la 
nianüre de querelles cliez les anciens^ und „L'art de mentir en politique^. 
A.'s Tod, als schlicsslicher Ausgang eines langdauernden Asthmas, fiel in das Jalir 
1834 (1835?). 

Dictionnaire historiiiue. 1. Red. 

/ Arceo , Francisco A. (A r c a e u s) , einer der berühmtesten spanischen 
Chirurgen, wurde um 1493 zu Fregenal in der Provinz Estremadura geboren. Es 
ist unbekannt, wo er seine Studien machte. Er unternahm mehrere gTosse Reisen ; 
1516 soll er in Guadeloupe gewesen sein. Am bekanntesten ist sein Name durch 
das noch heute gebrauchte Balsamum Arcaei, dessen Hauptbcstandtheil Gummi Elemi 
ist. Ueberhaupt hat er sich um die Verbesserung der Wundbehandlung verdient 
gemacht, indem er besonders die Prima intentio herbeizuführen und den Gebrauch 
der Wieken zu verringern empfahl, andererseits aber auch die blutige Naht ein- 
ßchrilnken wollte. Sein nachstehend anzuführendes Werk, zu dessen Herausgabe er 
von Benito AriäS Montanos angeregt wurde , enthält eine sehr grosse Zahl 
merkwürdiger Beobachtungen. Er gehörte zu den geschicktesten und erfahrensten 
Chirurgen seiner Zeit und noch im hohen Alter bewahrte seine Hand ihre 
Dexterität. 1573 war er noch am Leben; die Zeit seines Todes ist nicht bekannt. 
1574 erschienen, herausgegeben von Alvarez NüNNEZ.und von den Anmerkungen 
desselben begleitet, seine: ,yDe recta vulnenun cnrandorum ratione et aliis ejun 
artis praecepiis libr! duo"* ; diese Schrift wurde zusammen mit dem „Üe fehrivm 
carandarum ratione Ubellas'' zuerst in Antwerpen 1574 gedruckt, wurde auch 
in's Englische (1588), Holländische (1667), Deutsche rXüniberg 1674, 1717) 
übersetzt. 

Morcjoii, lir, pag. 174. ü. 

d'Arcet, J. P. Joseph d'A. (oder Darcet?), geboren als Sohn des 
Chemikers Jean d'A. zu Paris am 31. August 1777, übte durch die Richtung, 
welche seine ehemischen Arbeiten einschlugen, einen sehr bedeutenden, fruchtbaren 
Einfluss auf die in seinem Yaterlande damals bereits recht entwickelten Bestrebungen 
der öffentlichen Gesundheitspflege, aber auch direct auf gewisse Zweige der 
Therapie aus. Hierher gehört z. B. seine auch in deutscher Uebersetzung bekannt 
gemachte und damals sehr günstig beurtheilte Methode, durch Rauch erungeu 
Hautkrankheiten zu heilen, sowie ein in der Revue encyclop6d., Bd. XLIV, 
erschienener Aufsatz: „Ueber die Zerstörung des Pestgiftes durch Chlor,** — 
Doch lag d'A. 's Hauptthätigkeit (der schon in jungen Jahren Mitglied des Conseil 
göneral der Fabriken und Manufacturen und des Conseil de "salubrite des Seine- 



D'ARCET. — ARCHIGENES. 183 

Departemente, später auch Infipecteur g6n6ral des CKsais de monnaies war) auf dem 
anderen berührten Gebiet und fand in folgenden Arbeiten ihren hauptsächliehaten 
Ausdruck: „Ueber Vergoldung der Bronze^ (1818?) — „Ueher die Schwefel- 
arbeiter ^ (1821) — „Ueber die Construction und Assanirung der öffentlichen 
Latrinen*^ (1822) — „Ueber rauchlose Kochöfen** (1822) — „Ueber die Nähr- 
krafi der aus Knochen bereiteten Gelatine" (1825) — „ Ueber ein vervollkommnetes 
Badezimmer^ (1827); ferner mehrere Schriften über Sodafabrication au« 
Pflanzenstoffen, Sieherungsapparate bei der Fabrication des Berliner 
Blau, Darstellung des krystallisirten Baryts und andere chemische Ab- 
handlungen, die in den letzten Zwanzigerjahren erschienen. Er starb 1835. 

Callisen, I. Red. 

Archambault , J.-B.-H.-Th6ophile A. , Irrenarzt zu Ohareuton bei 
Paris, war am 19. Februar 1806 zu Tours geboren, Lieblingsschüler von ESQüiROL, 
erlangte er 1829 mit der Diss. inaug. : y,. Essai sur la pleuri^ie" die Doctorwürde 
nnd erwarb 1840 durch Concurs die Stelle eines Arztes am Bicetre in der Ab- 
theilung für Geisteskranke. In demselben Jahre gab er eine Uebersetzung des 
/FraitS de Vali&nation mentale** von Ellis , mit Anmerkungen, hauptsächlich 
aber mit einer sehr bemerkenswerthen historischen Einleitung versehen, heraus. — 
Er wurde bald darauf (1842) an die Spitze des Asyls für Geisteskranke zu 
Mar^ville bei Nancy versetzt und verstand das sehr vemachlJlssigte Institut in eine 
Mnflteranstalt zu verwandeln. Er schrieb darüber eine : „ Historie de Vasile de 
Marhnlle*^ (Recueil de la Soc. de m6d. de Nancy). — Um 1850 nach Paris 
zurückberufen, Übernahm er die Männer- Abtheilung in Charenton als Chefarzt 
und wusste auch hier das Quartier der Unreinlichen verschwinden zu lassen. Er 
schrieb darüber ein „Memoire sur la suppression des quartiers de gäteux dans 
les asiles d^ali6n6s** (Paris 1853) und später ein „MSmoire mir la guerisoft 
de la folie lucide'^ (Mem. de la Soc. m6d.-psychologique). Er hat sich um die 
Verbesserung des Looses der Geisteskranken ^ hoch verdient gemacht. Sein Tod 
erfolgte am 12. December 1863. 

Legrand du Saulle in Gaz. dos Hopita ux 1804, pag. 13G. — E. Bcaugrand 
bei Decham bre, VI. pag. J^2. O. 

Archagathus, des Lysanias Sohn, war nach Pliniüs (XXIX, 1.) der 
erste griechische Arzt, welcher im Jahre der Stadt 535 (219 vor Christo) aus dem 
Pt'loponnes nach Rom einwanderte, daselbst freudige Aufnahme fand und mit dem 
romischen Bürgerrechte geehrt wurde. Zur Ausübung seiner Kunst wurde ihm auf 
Staatskosten eine Bude (taberna) auf dem acilischen Kreuzwege angekauft. Er war 
ein Wundarzt (vulnerarius) ; seine Rücksichtslosigkeit im Schneiden und Brennen 
Mg ihm den Beinamen „Carnifex" zu und machte ihn und seine Standes- 
genossen verhasst. Helmreich, 

Archelaus. Bei Gal. XIII, 312 wird ein Reccpt eines Arztes Archelaus 
angeführt. 



Helmreich. 



Archigenes aus Apamea m Syrien, Schüler des Agathinus, lebte als 
hochberühmter Arzt in Rom unter Trajan (98 — 115 nach Christo). Er wird nicht 
nur von Jgvenal in seinen Satiren an mehreren Stellen (6, 236; 13, 98; 14, 
252) als der Arzt xar e^oyi^v erwähnt, sondern auch von Galen mit Achtung 
genannt und wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen gerühmt. A. gehörte, wie 
sein Lehrer, zu den Eklektikern, welche von den verschiedenen Secten der 
Empiriker, Methodiker und Pneumatiker die ihnen zusagenden Lehren annahmen 
und den Widerstreit derselben zu versöhnen suchten. Er genoss als Schrift- 
steller wie als Praktiker und Chirurg eines bedeutenden Rufes. Seine 
Schriften, von denen sich nur einige Fragmente bei Oribasiüs erhalten haben, 
sind: 1. „Flepl twv xara yepo; (pap'jLajctov" (über Arzneimittel, in zwei Büchern) — 
2. „riepl xz<7Topio'j yfpT^cew^" (über den Gebrauch des Bibergeils) — 3. „riepl t^; 



1 



1.^ ARCHIGENES. — ARDINI. 

^6(TS(i); ToO eXXsßofO'j" (über Nieswurz) — 4. „Ilepl TOTfC'iv ttottovö-otow" ("über die 
Krankheiten der einzelnen Orgaue, in drei Büchern) — 5. „Flsot twv iv txI; vo'Tii; 
xacpöv*' (über die Perioden der Krankheiten, in zwei Büchern) — 6. „Flepi t^: 
t<j5v TpjpETTÖv ^»jLeKOTeü);" (über die Fieber, in 11 Büchern, wovon es zu Galen's 
Zeiten auch einen Auszug; gab) — 7. „Tlspi G^'jypiöv" (über den Puls, zu welcher 
Schrift Galen einen Commentar in acht Büchern verfasste) — 8. „Ilspl töv 
yjx)vtü>v 7raO'OYvto[JLix,öv" (über die Merkmale chronischer Krankheitszustände) — 
9. Briefe m edicinischen Inhaltes, in 11 Büchern. 

Galen, VIII, 87, 8«, 9>, 150, 203. 754. IX, 069. 1)70. 098, 8>^7. VII, 365, 461. 
Paul. Aeg. III, 45. Helmreich.* 

Arcolani, Giovaui A. (Arculanus, Ercolani, Hercolanüs). — Oh 
Verona oder Rom der Geburtsort dieses berühmten italienischen Heilkünstlers uud 
Schriftstellers war , lassen die Biographen unentschieden ; ebensowenig bekannt int 
sein Geburts- und sein Sterbejahr (1460 oder 1484). Sicher ist nur, dass er zwischen 
-1412 und 1427 in Bologna theils mit Logik und Moral, theils mit medicinischen 
Studien aufs Eifrigste beschäftigt war uud im letztgenannten Jahre einen Lehrstuhl 
für Medicin in Padua erhielt, wo er auch sein Leben beschloss. Seine „Practica 
medica seu expositio vel commentarii in ^onuin Rhazis Arahts ad regem 
Almansorem liber" wurde nicht weniger als 7 Mal in Venedig (1483, 1493, 1497, 
1504, 1542, 1557, 1560) und ausserdem in Basel 1540 in Folio aufgelegt. — 
Die „Expositio perntilis in prhnam Fen quarti Canon!s Avicennac" erschien in 
Fcrrara 1488, in Lyon 1518, in Venedig 1560, in Padua 1G84. Sonst lediglich 
in den Spuren der Araber sich vorwärts fühlend, hat A. auf die Wiedereinführuni? 
des Haarseils gerechten Anspruch. 

Bio^aphie m^dicale. I. Red. 

^ Ardern, John A. , englischer Chirurg des 14. Jahrhunderts, ist seiner 
Lebensgeschichte nach nur sehr wenig bekannt. Er übte seine Kunst von 1348 
bis 1370 zu Newark aus und begab sich dann nach London. Dass er daselbst 
Leibchirurg von Heinrich IV. war, wie von Einigen angegeben wird, muss be- 
zweifelt werden, da derselbe erst 1399 den Thron bestieg. Er war es, der in 
England zuerst die daselbst noch fast unbekannte Chirurgie zu Ehren brachte, 
indessen sind seine lateinisch geschriebenen Werke nur handschriftlich geblieben, 
mit Ausnahme einer 1588 von John Read herausgegebenen Abhandlung : „On the 
ßsttila in ano^y in welcher er die beiden schon von Paul von Aegina und 
CelsüS beschriebenen Operationsmethoden des Schnittes und der Ligatur näher 
erörterte. Es scheint, als wenn er bei der Behandlung dieser Krankheit, deren 
Heilung damals und noch später für lange Zeit nur selten versucht wurde, zahl- 
reiche günstige Erfolge erzielt hat. Ueberhaupt war er offenbar ein geschickter 
Chirurg, wie aus seinen Schriften hervorgeht, in denen, wenn sie auch, wie nicht 
anders zu errvarten, manches Abergläubische enthalten, eine Menge richtiger 
Beobachtungen niedergelegt ist, die beweisen, dass er seine Collegen weit 
Überragte und seinem französischen Zeitgenossen Guy de Chauliac an die Seite 
gesetzt zu werden verdient. Die Zeit seines Todes ist unbekannt. 

BiogT. m^d., I, pag. 306. — Dict. histor., I. pag. 160. r». 

*Ardilli, Giuseppe A. , in Catania am 24. November 1834 geboren, 
erhielt seine medicinische Ausbildung an der Universitiit seiner Vaterstadt. Bereits 
1851 Laureat sowohl der medicinischen wie der philosophischen Facultät, wurde 
A. 1861 zum Doctor aggregatus in der ersteren und 1871 zum Professor der 
Hygiene ernannt. Seine wesentlichsten Publicationen sind die folgenden : „Su le 
vicende, i progressi e lo stato a finale della Medicina^ (Catania 1850) — 
„Operaziani an le epidemie vajoloje e su Vimportanza della rivaccinazione con- 
siderata come il loro pik sicuro mezzo proßlattico^ (Catania 1856) — „Opera- 
zione su Vuso della Calamita arnvata in talune nevralgie^ (Catania 1859) — 



ARDINI. — ARENTZ. 185 

„Consideraziont su la leucocüemia e la melanetnia cutanea^ fCatania 185!)) — 
y,Pensieri su Vutütta d!un siMeina in Medicina" fCatania 1857) — ^Su V uso 
delU farinelle^ (Catania 1881) — „Sid progetto di legge CairoU. intorno al 
lavoro della donne e dei fanciulli^ f Catania 1881) und ausser der Lebens- 
beschreibung BiONDi's und Reden auf Fallica, Pizzarelli und Maechese 
noch letzthin die Abhandlung: ^La donna delhiquente e In legge penale, 
Connderazioni medico-legali'^ fCatauia 1883j. , ^^^ 

/Ardoine, S a n t e A. (Arddyno, Arduino), au:^ Pesaro, lebte in der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts (um 1430). Man schreibt ihm ein Buch „De proli- 
ßcatwne" zu, welches vielleicht identisch ist mit einem Werke „De sterilitate'\ 
alÄ dessen Autor A. ebenfalls angegeben wird; ausserdem einen Essay: „De Ordi- 
nationen, Sicher rührt nur von ihm her: „Opus de vewnis, in quo nnturalis 
primnm hintoria venenorum omnium et demde vero olexifarmacia hoc est ratio, 
cum praecavendi venenn tum curnndi traditur'% prjsthum (Venedig 1492 , Basel 
155-2 und 1562). 

Dictionnaire historiquo, I. Rod. 

Arejula, Don Juan Manuel de A. (Arevüla), etwa um 1770 
{reboren, war noch 1830 Professor der Chemie und der Medicin am königlichen 
Colle^imn der Chirurgie zu Cadix; sein Todesjahr ist unbekannt. Die Invasion 
des Gelbfiebers in Malaiga und in Cadix lenkte seine schriftstellerische Thiltig- 
keit fast ausschliesslich auf diese Krankheit und ihre Bekämpfung , so dass seine 
Darstellungen der epidemischen F^rscheinungen besonders auf Malaga, die 1803 
erschienen, sich mehrfach wiederholten und aus dem Spanischen von verschiedenen 
Autoren übersetzt wnrden. Gegen die Verbreitung des Gelbfiebers empfahl er saure 
Räncherungen, Dämpfe von Salz- und Salpetersäure, die er zur Destrnctiou der 
pontagiösen Miasmen der schwefligen Säure vorziehen zu sollen glaubte. Seine 
J^chriften erregten Aufmerksamkeit und wurden — besonders in damals vielgelesenen 
Wiener Blättern und in englischen Zeitschriften — 1804 — 1807 vielfach recensirt. 

Callisen, I. Red. 

Arellano, PictroFrancescoA., Professor der Medicin zu Asti, geboren 
zu Aliano (Piemont), ebenso als Theologe und Philosoph wie als Arzt ausge- 
zeichnet, hinterliess ausser theologischen und philosophischen Schriften bei seinem in 
den Fünfziger- Jahren erfolgten Tode folgende, erst nach seinem Tode gedruckte 
medicinische Schriften: „Trattato di peste" (Asti 1598, 4.) — „Aüvertimenti 
sopra la cum della contagione" (1599) — „Praxis Arellana super trihus 
mstrnmentis iotius medicinae, victus inquam raXione , sanguinis misstone et 
pkarmacorum administratione" (Taurini 1610). 

Mazzuchelli, I, 2, pag. 989. — Biografia med. Piemontese, I, pag. 345. 0. 

Arendt, Nikolaus A., in den Neunziger-Jahren des vorigen Jahrhundets 
geboren, war Hofratb , kaiserl. russischer Collegienrath , Oberarzt des Artillerie- 
Hospitals etc. zu St. Petersburg. Einer der bedeutendsten russischen Chirurgen vor 
Pirogoff. Abgesehen von einer 1822 (in Vo6nna medizinsky Journ. Bd. II) 
erschienenen Cholerasehrift publicirte er theils in derselben Zeitschrift, theils in 
Gräefe's und Waltheb's Archiv eine Reihe glücklich ausgegangener grösserer 
Operationen , besonders Arterienunterbindungen , von denen sich ein — unvoll- 
ständiger — Abriss in Callisen und der medicinisclien Zeitung Russlands 1859, 
44 findet. Das eben erwähnte ist sein Todesjahr. ^^^ 

Arentz, Ludvig Holberg A., Arzt zu Modum in Norwegen, war am 
30. August 1796 als Sohn von Samuel A. , Unferchimrgeu am Communal- 
Krankenhause zu Bergen geboren, wurde nach dem Tode der Elteni vom Brigadearzt 
SCHWINDT erzogen, war von 1816 — 1821 Compagnie-Chirurg bei der Bergen'schen 
Brigade, erhielt 1817 P>laubniss zum Besuche der Universität und legte das 



186 ARENTZ. — AßETAEüS. 

incdicinische Examen 1821 zurück. Er wurde in demselben Jahre zum Districtsarzt 
in Senjen in Finnmarken ernannt, war von 1826 — 1828 Corpsarzt de« Sogn'schen 
National-Jäger-CorpR und siedelte dann als Privatarzt nach dem Blaufarbenwerk in 
Modum über, in welcher Stellung er am 17. Februar 1836 im Reichshospital zu 
Christiania verstarb. — Seine literarischen Arbeiten sind sämmtlich im E}t 
(Bd. I, III, IV, V, IX, 1826—1834) publicirt: „Practiske Jagttagelser ved et 
Svaiigerskab • og paafulgt for tidlig Tvtllingfoedsel^ (übersetzt in Gerson und 
Julius Magazin, 1826) — „En maerhelig Byld i det oeverste Oeielaag paa et 
Barn^ — „En betydelig Kvaestning med paafoelgende Amputation af begge 
Laarbea^ — „Om Skedevand som blodstilleiide Middel^ — „Beskrivelse af 
et vanskdbt Figebam" — „Om en i Modum Sog7i fra 1832 — 1833 herskende 
Nervefeber-Ejndemie '' . 

Kiaer, pap. 1(1. — Calliseu, I, pag. ::>:20 ; XXVI, pag. 78. G. 

Aretaeus. Diesen Namen führt der A'erfasser eines dem Alterthum ange- 
hörenden Oompendiums der Heilkunde, welches alle aus jener Periode stammenden 
mediciuischen Schriften an innerem Gehalte weit überragt und von dem Umfange 
der Kenntnisse, welche sich der Verfasser auf den verschiedensten Gebieten de^ 
damaligen Wissens angeeignet, von der geistigen Reife, der reichen Erfahrung und 
der eminenten praktischen Begabung desselben ein glänzendes Zeugniss giebt. 
üeber die Lebensverhältnisse dieses grossen Arztes ist nur so viel bekannt, dass 
er aus Kappodokien stammte und wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des ersten 
Jahrhunderts nach christlicher Zeitrechnung, gegen Ende der Regierung des Kaisers 
Nero, in Alexaudrien gelebt hat. Für die Bestimmung seiner Lebenszeit ist der 
Umstand maassgebend, dass A. an mehreren Stellen seiner Schrift des von Andbo- 
MACHUS, Leibarzt des Kaisers Nero, erfundenen, aus Vipernfleisch hergestellten 
Theriaks (Universal-Gegengiftes) gedenkt, sein Name selbst aber von Dioskorides, 
der in der Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christi gelebt hat, in seiner Schrift 
„Euporista^ genannt wird. — Für seinen Aufenthalt in Alexaudrien spricht der 
Umstand, dass er zahlreiche Notizen über den Land bau, die Nahruugs- und Heil- 
mittel Aegyptens , über dort herrschende Krankheiten u. A. mittheilt , so da^is, 
schon mit Rücksicht auf die hervorragende Bildung, deren sich A. erfreute, die 
Vermuthimg nahe liegt, dass er aus der damals noch in hohem Glänze stehenden 
alexandrinischen Schule hervorgegangen ist ; andererseits deutet seine Bekanntschaft 
mit Krankheitsformen in Syrien, welche er nach eigener Beobachtung schildert, 
mit den Eigenschaften und der Wirkungsweise griechischer und italienischer 
Weine u. A. darauf hin, dass er auch in anderen Gegenden längere Zeit verweilt 
haben muss. 

Die leider in lückenhaftem Zustande erhaltene Schrift des A. besteht aus 
zwei Werken, einem pathologischen und einem therapeutischen und bildet ein voll- 
ständiges Compendium der Heilkunde, in welchem die Krankheiten nicht, wie in 
der früher und zumeist auch später beliebten Methode „a capite ad calcera" 
abgehandelt werden, sondern auf Grund des auch von den methodischen Aerzten 
später befolgten Eintheilungsprincipes in acute und chronische geschieden sind. Alle 
übrigen von A. verfassten Werke über Fieber, über Chirurgie, Arzneimittel u. s. w., 
deren er in dieser Schrift erwähnt, sind verloren gegangen. 

Die hervorragende Stellung, welche A. in der griechischen Heilkunde ein- 
ninmit, gründet sich, abgesehen von seiner dassischen Bildung und seiner Grelehr- 
samkeit, vor Allem auf seiner Voraussetzungslosigkeit in der Beobachtung und der 
Treue und Klarheit in der Darstellung ; ein grosser Theil der von ihm entworfenen 
Krankheitsbilder sind meisterhafte Zeichnungen nach der Natur, die, was Voll- 
ständigkeit und Schärfe anbetrifft, allen anderen derartigen Arbeiten des Alterthums 
gegenüber ganz unerreicht dastehen. Mit Ausnahme des Hippokrates, des einzigen 
griechischen Arztes, den A. in seiner Schrift nennt, findet sich in der ganzen 
mediciuischen Literatur des Alterthums kein Autor, der sich von aprioristiseher 



ARETAEUS. — ARGELLATA. 187 

speculation und vom SelinUlogrmatismus so frei gehalten hat, wie A., und wenn er 
auch von gewisöen theoretiKchen Ansehaunngen Beiner Zeit befangen erscheint, so 
wird dadurch weder sein Blick für die Beobachtung getrübt, noch Hein Urtheil 
über die Erfahrung beeinträchtigt, noch endlich leidet darunter irgendwie die Dar- 
stellung. In einem weit höheren Grade und mit viel grösserem Ernste als alle 
seine Zeitgenossen und Nachfolger hat A. sich bemüht, der pathologischen Forschung 
in der Anatomie eine sichere Basis zu geben; der Schilderung jeder Krankheits- 
fonn schickt er eine Darstellung der anatomischen Verhältnisse des betreffenden 
Organs voraus, und wenn auch nicht alle von ihm gegebenen anatomischen Beschrei- 
bungen auf eigenen Untersuchungen beruhen, wenn er in dieser Beziehung viel von 
seinen Vorgängern in der alexandrinischen Schule profitirt hat, so wird man doch 
umsoweniger an seiner eigenen Tiiätigkeit auch auf diesem Gebiete zweifeln dürfen, 
als sich in seiner Schrift hie und da Schilderungen pathologisch-anatomischer Ver- 
änderungen ßnden, welche, wenn man eben den Geist der Wahrheit und des Ernstes, 
der die ganze Arbeit des A. durchweht, in Betracht zieht, nicht wohl als blosse 
Phantasiegebilde angesehen werden können, sondern den Beweis geben, dass ihm 
auch die pathologisch-anatomische Forschung nicht fremd gewesen ist. Am ccla- 
tantesten tritt dies in der Beschreibung der verschiedenen Form von Darmgeschwüren 
bei „Ruhr" (d. h. ulcerösen Erkrankungen der Darmschleimhaut) und der von denselben 
abhängigen verschiedenen Krankheitserscheinungen (Morbor, chrcni, lib. II, cap. IX: 
De dysenteria) hervor. Höchst beachtenswerth ist auch die bisher, wie es scheint, 
ganz unbeachtet gebliebene Angabe über gekreuzte Lähmungen bei Hirnaffection, 
ausgezeichnet die Schilderungen von Rachendiphtherie (unter dem Namen „ Ulcera 
syriaca et aegypttaca** meisterhaft beschrieben), Aussatz, Lungenschwindsucht, 
Tetanus, Urolithiasis u. s. w. — Seine Therapie ist ungemein einfach und rationell : 
hcineni grossen Voibilde Hippokrates gemäss legt A. ein Hauptgewicht auf die 
(Uätetische Behandlung; die Zahl der von ihm gebrauchten Arzneimittel ist eine 
verhältnissniässig geringe, und die Anwendung derselben ist nicht auf die bekannten 
Voraussetzungen der dogmatischen Schule (der Aoytxot), sondern auf Erfahrung 
begründet. — lieber seine chirurgischen Leistungen lässt sich aus dem uns noch 
erhaltenen Werke kein ürtheil abgeben; dass er auch diesem Gebiete der Heil- 
kunde nicht ferne stand, lässt sich daraus erschliessen , dass er eine besondere 
Schrift „/ttfoupyCat" verfasst hat, die leider verloren gegangen ist. 

Höchst auffallend ist der Umstand, dass die Schriften des A. den späteren 
Aerzten des Alterthums nur wenig bekannt gewesen sind; mit Ausnahme einer 
Erwähnung seiner Fieberlehre in der Schrift „JJe febrihus^ des dem 3. oder 
4. Jahrhunderte angehörigen Alexander von Aphrodisias, finden sich Citate aus A. 
zuerst bei Aetics und Paulus; dem entsprechend ist sein Compendium auch erst 
w?br spät zur vollständigen Kenntniss der Aerztc der neuereu Zeit gebracht 
worden. — Beide Werke {„De causis et signis acutorum et chrtytiicoruin mor- 
horum*^ und „De thei^apia acutorum et chronicorum morborum" , jedes in vier 
Böehem) erschienen zuerst (Venet. 1552) in lateinischer Uebersetzung , sodann in 
der Originalsprache (Paris 1554), ferner in einer (fehlerhaften) griechisch-lateinischen 
Ausgabe (Aug. Vind. 1603) und in einer ausgezeichneten griechischen Edition 
mit lateinischer Uebersetzung von Wigan (Oxon. 1723), von der jedoch nur 
300 Exemplare abgezogen worden sind. Später haben Boerhave (Lugd. Batav. 
1731, 1735) und Kühn (Lips. 1828) griechisch-lateinische Ausgabeu, die Sydenham 
Society auch eine griechisch-englische Ausgabe (London 1856) veranstaltet, und 
augserdem ist die Schrift in mehrere neuere Sprachen tibersetzt worden. 

Ueber Aretaeus' Leben und Schriften vgl. Locher, Aretaeus von Kappadokien, 
Zürich 1847 — und Klose in „Janas" N. F. 1851, 1, 105, 217. Hirsch. 

Argellata, Pietro d'A. (Argiu^ata, Lakgelata, P. de la Cerlata, 
Akzelata), lehrte um den Anfang des 16. Jahrhunderts in Bologna Medicin und 
Philosophie, erstere nach dem damals sich vollster Anerkennung erfreuenden Canon 
des AviCENNA. Als Papst Alexander VL in Bologna starb, fiel A. die Aufgabe 



i 



las ARGELLATA. — ARGENTERIO. 

seiner EinbalHaniiruug: zu. — Abgesehen von seinen arabistischen Ansichten, konnte 
A. als einer der aufgeklärtesten Aerztc seines Zeitalters gelten, und von der Achtung, 
welche dieses ihm zollte, legte sein in der Anatomie von Bologna noch 1820 auf- 
gestellt gewesenes Standbild Zeugnis« ab. Hinsichtlich seiner Biographie scheinen 
mehrfach Irrthümer untergelaufen zu sein: so ein Doppelartikel (Argillata und 
Argelata) bei Adelung, so die unausgetragene Differenz, ob er im Januar 1423 
(Mazzuchelli) oder erst im Juli desselben Jahres (Eloy) gestorl)en sei. Als beste 
Quellen für seine Geschichte giebt Joürdan Fantuzzi und Marini an. — Auch 
A. steht, wie die überwiegende Mehrzahl seiner Zeitgenossen, fast sklavisch unter 
dem Einflüsse de<s arabischen Wissens ; aber in seinen „ Sechs Büchern der Chirurgie'^ 
(in Venedig 5mal — 1480, 1492, 1407, 1499, 1520 — in Folio aufgelegt) 
finden sich so treue, genial geschilderte Selbstbeobachtungen, dass die Bewunderung 
seiner Zeitgenossen nur gerechtfertigt erscheinen kann. Auch trat er in manchen 
Fragen — Bourtheilung der Unabhängigkeit der Motilität von der Sensibilität, der 
überreichlichen Anwendung der Sutur, in der Empfehlung der Compression zur 
Heilung alter Geschwüre etc. — als selbstständiger Kopf auf. 

Biographie niedicale, 1. R(m1. 

/Argenterio, Giovanni A. (Argentier, AROENiERirs), ist der berühm- 
teste Arzt dieses Namens; neben ihm ist sein älterer Bruder Barthelemv A. 
erwähnenswerth, an dessen Seite Jener eine Zeit lang in Lyon prakticirte und sein 
Sohn Ercolc A. Ob es nothwendig ist, noch einen weiteren A., Jaques A. in 
Turin, anzunehmen, dem ein ^ Porta tecum, lihri III de Feste'' (Turin 1598) 
zugeschrieben wird, muss an dieser Stelle unentschieden bleiben. Sicher ist, dass 
die Aerzte dieses Namens aus Castel-Nuovo , im piemontesischen District Chieri, 

^ gebürtig sind, und zwar Giovanni A. im Jahre 1513. Er fand trotz bedeutender 
finanzieller Schwierigkeiten die Mittel, nach Turin zu gehen und hier Philosophie 
(spec. Aristoteles) und dann Mcdicin zu studiren. Mit 25 Jahren siedelte er 
auf Veranlassung des erwähnten, bereits in Lyon ansässigen Bruders dorthiu über, 
begab sich jedoch bereits nach 5 Jahren, abgesehen von einem passageren Auf- 
enthalte in Anvers , zurück nach Italien. In Pisa gelang es ihm zuerst , einen 
Lehrstuhl der Medicin zu erringen (1544) , den er bald mit einem gleichen iu 
Neapel, alsdann in Rom und in Mantua • vertauschte, bis er endlich in Turin eine 

^bleibende Stätte bis zu seinem Tode (Mai 1572) fand. — Schon an diesem Skelet 
des blossen Lebenslaufes kennzeichnet sich das unruhige selbstische Umstürzler- 
talent, als dessen Repräsentant A. , in gewissem Sinne als Mitkämpfer des Para- 
celsus, betrachtet zu werden verdient. Ohne Erfolge in der Praxis, ja so unglück- 
lich in seinen Curen, dass Haller ihn den Exosus practicus nennt, wusste er die 
Zeitgenossen doch zum Theil so zu blenden, dass man ihm nach seiner Lyouer 
Wirksamkeit den Beinamen des „Grand medecin" gab. P^rfüllt von dem Gedanken, 
w^e jede Theorie so auch die für unerschütterlich gehaltenen Galenischen Haupt- 
dogmen der freiesten Discussion unterziehen zu wollen, kommt er doch bis zur 
Prüfung der eigenen Ueberzeugung an der Hand des naturwissenschaftlichen Ver- 
suches niemals, sondern steift sich mit einer Hartnäckigkeit, die dem Eigensinn am 
nächsten verwandt ist, auf erdachte philosophische Argumente. Bei dieser Art der 
Beweisführung wird er nicht nur maasslos in seinen Ausfällen gegen den Galenisrans, 
sondern greift auch die hippokratische Methode und das hippokratische Wissen 
mit einer nachträglich kaum zu begreifenden Einseitigkeit au. Das Hauptwerk, in 
welchem alle Charakterzüge der Polemik und gleichzeitig die subtile Dialektik A.'s 
am schärfsten hervortreten, und welches unter seinen Zeitgenossen ein colossale« 
und keineswegs vorübergehendes Aufsehen machte, war: „In artem medicinalem 
G(deni commentarü tres nevipe de cori)iribiiSj de signis ei de causü salubribus^ 
(in Paris 3mal, 1553, 1578, 1618: in Monte Reggio 1556 und 1568 aufgelegt). 
Die Bekämpfung der vier Cardinalsäfte , die Aufstellung einer einzigen , in allen 
physiologischen Functionen wieder zu entdeckenden Lebenskraft, die Hochhaltung 



ARGENTERIO. — ARISTOTELEl^. ISO 

der induetiveu Methode bilden die Haiiptvorztifre des Werkes. Nebenbei pole- 
mwirt dasselbe jaregren die hauptKäcbliehnten therapeutiKchen Gnmdausehauungen der 
Zeitgenossen, KptK'iell p:egren Brissot's Revulsions- und Derivationstheorie und 
stellt sich auf die Seite der Theoretiker, welche dem Aderlass eine unbcdinf»t 
fiebervertreibende Kraft zuschreiben. Diesem Hauptwerke A.'s waren voraufgegangen : 
^De consultandi seu collegiandi ratione** (Florenz 1551, zwei Ausgaben) — „De 
frrarihns veternm me/iicorum'^ (ebenda 1553). Später folgten: jjDe morbis 
W/ri XVI" (Florenz 1556, Lyon 1558» — y,I)f* tiomnu et vigilia, de calore 
nativo et de functiontbus" (Florenz 1556 und 1566, Lyon 1560, Paris 1568) — 
J>p nrmts*^ (Lyon 1591, Leipzig 1682). — Ercole A. fügte einer Gesammt- 
aiisgabe der väterlichen Werke noch drei unedirte Schriften („De febribun" - - 
An librum Galeni de febribus'^ — ^De li pnrgantium medicamentorum") 
hinzu. Die ^Opera omnia^ Giovanni A.'s erschienen in vier Folio- Ausgaben 
Venedig 1592 und 1606, Hanau 1610, Frankfurt 1615). Wem ich. 

Aristogenes von Knidus (oder Thasus, cf. Suii>. S. h. v.;, Schüler des 
Ijerühiuten Arztes Chrysippus von Knidus, war Leibarzt des macedonisehen Königs 
Anti^onus Gonotas (^283 — 240 vor Christo;. Er verwarf, wie sein Lehrer, den 
Aderlaj*s. Von seinen Schriften, die 24 Bücher umfassteu, nennt Suidas als die 
vorzüglicheren: „Tteft XiaiTTj;" (über die Lebensweise; — >7^^p^ iaxeTOiv" (über 
giftig:e Thierej — „Trspi «JTreppLaTo;" (über den Samen j — „Oytsivov" (Gesundheits- 
\orschriften; — „ixwTO^ax-a" (niedicinische Briefe; — „e7rtT0(jLi^ ^uducöv ßoTjÖYj- 
;iiT(i)v rpo^ 'AvTiyovov" (übersichtliche Zusammenstellung natflrlicher Heilmittel, dim 
Antigonus gewidmet; — »"^^p^ ^yviasw;" (^jvaasoiv? über die Kräfte [der Arznei- 
niittel]^. Plinus hat ihn in dem 9. , 30. , 33. , 34. und 35. Buche seiner Natur- 
insehichte als Quelle bentltzt. Helm reich. 

Aristoteles. Die Gesichtspunkte, welche dem berühmten Begründer der 
peripa tetischen Philosophenschule und einer für sein Zeitalter ganz neu erscheinenden 
I^enkweise auch jetzt noch eine Berücksichtigung unter den Lebensbeschreibungen 
von Aerzten und Medicinern sichern, sind dreifach. In erster Reihe steht der 
ungeheure — fast absolute — Einfiuss, den A. und seine Doctrin auf lange 
Zeiträume hinaus , wie auf die meisten anderen Wissensdisciplinen , so auch auf 
die Medicin ausgeübt haben. Untergeordneter sind die Beziehungen , welche den 
Aristotelischen Schriften zuzuerkennen sind in Hinsicht auf diejenigen Wissens- 
gebiete, welche nach heutiger Anschauung direct zur Medicin gerechnet werden. 
Endlich, in der dritten Reihe, stehen auch die Lebeusschicksale des Philosophen 
zum ärztlichen Wirken in gewisser Beziehung, wiewohl man bere<.»htigt ist, einen 
fheil dieser Berührungspunkte für ziemlich apokryph anzusehen. — Nur mit 
diesen Theilstückeu — so dürftig sie erscheinen mögen dem gauzen unüber- 
H'hbaren Bilde gegenüber, welches für die Begriffe jedes Gebildeten der Name des 
Aristoteles einrahmt — hat unsere kurze Darstellung des A. es zu schaffen. — 

Wenn noch mehreren anderen Ascendenteu des A. die Zugehörigkeit zum 
Ärztlichen »Stande nachgesagt wird, so darf dieselbe für seinen Vater Nikomachl\s, 
v(»n dessen Lebenslauf einige bestinnnte Nachrichten überliefert sind, wohl als 
Mrher gelten. Er wird als Leibarzt Am yntas H. und HL von Makedimien, sowie 
aU Verfasser mehrerer Schriften über Natur- und Heilkunde erwähnt. A.'s Geburtsort 
wt dag viel an seinen Namen geknüpfte Stagira auf der Halbinsel Chalkidike, sein 
Geburtsjahr das erste dfer 99. Olympiade (;^84 vor Christo). Nach dem frühzeitigen 
Verlust der Eltern erzogen von Proxenus (über dessen wahrscheinlich für die 
Geistesrichtung seines Zöglings äusserst maassgebende Perschilichkeit leider nichts 
bekannt ist) und zu dessen Familie in vielfache intime Beziehungen gerathen 
Heirat), begab sich A. nach Athen (3u7 vor Christo) und mag hier eine kurze 
Zeit praktisch thätig gewesen sein. Hauptinhalt seiner dortigen Existenz war 
jedoch jedenfalls sein 19 Jahre hindurch festgehaltenes Freundschafts- und Lern- 
Verbältniss zu Plato, das erst durch des letzteren Tod (348 vor Christo) 



n 



190 ARISTOTELES. 

getrennt wurde. lu diesem Jahre begann A. ein kurzes theilweisc ernstlich von 
Gefahren bedrohte« Wanderleben in Mysien, Mytileno etc. Als das Jahr, in welchem 
ihn Philipp von Macedonien zum Erzieher de8 danialn nahezu 14jährigen Alexander 
berief, wird 343 übereiuBtiminend angegeben. Die Art und der Umfang, in welcher 
die zunächst vierjährige Erziehungszeit verwerthet wurde, wt vielfach der Mythen- 
bildung anheimgefallen. Mit grosser Bestimmtheit hat sich die Angabe erhalten, 
dass Alexander von A. auch Unterricht in der Heilkunde erhalten habe: 
bestritten wird neuerdings dagegen wiederholt die grosse Munific«nz, durch w^elche 
Philipp und Alexander die naturforsch enden Bestrebungen des Erziehers unter- 
stützt haben sollen. Sicher scheint wiederum, dass A. seinen Aufenthalt in der 
»Stadt Mieza, reapective am macedonischen Hofe noch um weitere vier Jahre 
verlängerte und somit das Forscherleben, das er hier geführt haben mag, erst 
im Jahre nach dem Regierungsantritt Alexander' s (336) unterbrach. Er kehrte 
nach Athen zurück, um hier im Lykeion die peripatetische Schule zu gründen 
und 13 Jahre für dieselbe und in derselben zu wirken. Schon leidend wurde 
er von der antimacedonischen Partei im Jahre 323 wegen Asebeia angeklagt, 
flüchtete nach Chalcis auf Euböa und starb hier nach kurzem Aufenthalt an einer 
chronischen Magenkrankheit — faRt gleichzeitig mit Alexander. 

Wieviel Beziehung die vorhandenen naturwissenschaftlichen Schriften 
des A. (an sich nur ein sehr geringer Theil seiner auf 400 — 1000 angegebenen 
Publicationen) zur Medicin haben, wird sich aus den Titeln und einer Erläuterung 
dazu ergeben. Die eigentlichen taTpt/-a wurden von Choulant und Heitz als 
zu den verloren gegangenen Werken gehörig ausdrücklich aufgezählt. 
Haeser, der einer Orientirung nach den von uns acceptirten GesichtspunTcten 
vorgearbeitet hat, zählt folgende acht auf: ,/l>uci>ca" — jj^^pt ^ötov iTTopia;" — 
„riepi ^öo)v (Aopttiiv" — «nepl Eöwv yevsfreo);" — «l'spi oLifj^r^GHix; xal 'irapl 
aW"dTf)Töv" — wllspl Y^^«7£ö;" — „rispl J^ujT'^;" — „ VfeTccopoXoyixx". — Der 
erste Punkt seines natiirphilosophischen Systems, für welchen A. mit besonderem 
Eifer eintritt, ist die Aufstellung einer qualitativen Bewegung neben der 
blos quantitativen Plato's und der älteren griechischen Physiologen. Da die 
Elemente, meint A., verschieden schwer sind, gehen sie in einander über; das 
Leichte verhalte sich zum Schweren wie die Form zum Stoffe, und so finde eine 
Umwandlung statt und es entstehe bisweilen aus zwei Stoffen (durch chemische 
Verbindung) ein dritter, die Mischung. Noch eifriger aber kämpft A. für die 
Gnmdstütze seines Systems , die teleologische , die Zweckbetrachtung : die Natur 
strebe stets nach dem Vollkommensten, sie selbst handle nie zwecklos, und deshalb 
sei die hö?hste Aufgabe der Naturforscher, das Zweckvolle, die Zweckursachen 
aufzusuchen. Das Hauptgebiet für die Zweckthätigkeit der Natur ist die Welt der 
Organismen , d. h. der beseelten Körper. Denn Seele heisst im weiteren Sinne 
Entelechie oder beherrschender Zweck. Die in einem Körper von ihm selbst aus- 
gehende Veränderung ist also, wie überhaupt im Stoße, auf eine Form zurück- 
zuführen. So ist der Leib nur Werkzeug für die Seele, die richtig Function oder 
Organisationsprincip heissen kann. Dieser immanente Zweck des Leibes ist natürlich 
un körperlich , unräumlich ; sie ist weder des Leibes Hannonie, noch die ihn be- 
wegende Zahl. Sie ist eben zugleich mit ihrem Leibe wie das Sehen mit den 
Augen; daher kann sie nicht von ihm getrennt oder gar (nach Pythagoras) in 
einen anderen verpflanzt werden. Aber doch sucht A. einen Stoff für ihre Fort- 
pflanzung : die Wärme oder den Acther ! (Gen. anim. H, 3). Sein Nachweis, wie 
jedes Wesen bis in seine kleinsten Theile organisch, jedes ein Mikrokosmos sei, 
ist interessant; freilich entgeht er dabei nicht immer den Irrthümern der zu weit 
getriebenen Zweckbetrachtung. So glaubt er, die Seele wähle und forme sich den 
ihr passenden Leib; was der nüchterne Naturforscher als Folge von Nothwendig- 
keiten ansieht, scheint ihm bewusste Absicht; die rudimentären Organe und die 
mancherlei Unzukömmlichkeiten in der Natur setzen ihn nicht in Verlegenheit, 
nur ftalle und Hirschgeweih scheint ihm zwecklos. — Trefiend ist dann wieder 



ARISTOTELES. 191 

die Stufenreiho iu der or^auischeu Welt nach dem Gesetz der Analogie aufgentellt : 
dasR A. aber nun, je nach dem Reichthiim der Thätigkeiten , von drei Seeleu 
(d. h. Organisationsprineipien) redet , erklftrt nicht» , sondern verwirrt die Sache. 
Zwar Bind, wie er richtig sagt , die »ogonannten Naturreiche nicht streng geschieden 
(Tgl. die Zoophyten), aber während schon in der unorganischen Welt die Be- 
vegang eine gewisse Beseeltheit ist, — selbst beim Erdkörper dürfe mau von 
Jagend und Alter reden, — so haben die Pflanzen die niedrigste von den höhereu 
Seelen: die ernährende, d. h. Assimilation und Fortpflanzung. Die Thiere, schon 
durch Geschlechtsunterschied ausgezeichnet, haben noch die begehrende Function, 
die Empfindung von Lust und Unlust, mit der sich die Ortsveränderung verbindet. 
Sie erst haben ein Centralorgan , das Herz , und daher die Fähigkeit der Sinnes- 
wahniehmung. Diese wird im wahrnehmenden Siime durch das Wahrgenommene 
bewirkt, wie eine Bewegung, — d. h. das Object wirkt auf den leidenden Sinn, 
wie sonst die Fonn; also nicht die Dinge selbst nehmen wir auf, sondern ihre 
Form. Das Medium zwischen beiden sind die Elemente. Weil A. Geraeinsinn, 
Phantasie und Gedächtniss in's Herz verlegt, schreibt er sie mit Recht auch den 
höheren Thieren zu. Die Einzelheiten müssen wir hier auf sich beruhen lassen, 
m interessant auch oft seine Erklärungen sind, da er weder das Nervensystem, 
noch Kreislauf oder Oxydation des Blutes kannte I Und hier ist es, wo sich seine 
grosse Gelehrsamkeit, sein Beobachtungstalent, aber auch nicht selten sein dogma- 
tüvhes Vorurthcil zeigt. — Erwähnenswerth ist noch seine Theorie von der Fort- 
pflanzung: das Männliche giebt die Form, das Weibliche den StoflF für das Ge- 
zeugte; die Katamenien sind unvollkommener Samen. Vermag nun dieser den 
weiblichen Stotf zu formen, so wird das Kind dem Vater ähnlich ; fehlt ihm dazu 
die Wärme, so entsteht ein kälteres Wesen, das Weib : Lst der Same noch schwächer, 
iw) tritt im Kinde nicht der individuelle Typus, sondern nur Familienähnlichkeit 
hervor, und es ähnelt den Grosseltem ; schliesslich erscheint nur noch der allgemeine 
Menschentypus und auch dieser oft (in Missgeburten) nicht mehr. '■ — Die Krank- 
heitszustände , welche A. an Thieren genauer beobachtet und beschrieben hat, 
Btellte Grüner (Bibliothek der älteren Aerzte, Leipzig 1781 — 1782) zusammen; 
68 handelt sich um die Finnenkrankheit der Schweine, das Verschlagen der Pferde, 
nm den Milzbrand beim Esel, die Hundswuth (welche seiner Ansicht nach auf den 
Menschen nicht übergeht), um einige Krankheitszustände bei Fischen und beim 
Elephanten. 

In vielen seiner Schriften tritt A. nur als Sammler fremden Materials 
aaf, als selbstständiger Forscher noch am ehesten in der Entwicklungsgeschichte. 
Daas er umfangreiche Vorarbeiten benutzte, erscheint seinen neueren Commentatoren 
ebenso unzweifelhaft, als dass sehr viele seiner positiven Angaben, besonders die 
Aber Anatomie und Physiologie des Menschen, durchaus nicht auf eigener Be- 
obachtung beruhen konnten. Um so wunderbarer erscheint uns nachträglich die 
Jahrtausende überdauernde Hartnäckigkeit, mit welcher die nachweislichen Irrthümer 
des Mannes als Dogmen festgehalten wurden. Erst durch das Studium des Galenus 
wird jeder Einfluss der Aristotelischen Lehren einigermaassen begreiflich , den wir 
ftr die medicinische Wissenschaft vielfach als einen drückenden, unheilvollen 
bezeichnet finden. Denn weder die beiden Schüler seiner Hofmeisterperiode : — 
Kallisthenes und Alexander selbst — noch die Peripatetiker , deren Namen und 
Ijeistungen mis bekannt geworden sind — Theophrastus von Eresus, Strato 
VON Lampsakus, Chalcidius , ErDEMus VON Rhodus , Klearchus von Soli — 
können als unmittelbare Träger jener Propaganda angesehen werden. Eher dürfte 
man sich geneigt fühlen, den mittelbaren Einfluss, welchen A. auf einige der 
Ptolemäer und auf ihre grossartige Schöpfung , die alexandrinische Schule, ausübte, 
ab Grund seiner späteren Alleinherrschaft anzusehen. Die vergleichende und 
induetive Methode, die er bewusst als Erster anwandte, die so entschieden realistische 
und kritische Richtung, der sein Geist Durchbruch verschafflte, sie scheinen in der 
Form des alexandrinischen Anschauungsunterrichtes, in der Methodik der dortigen 



192 AKISTOTELES. - ARLIDGE. 

Forschung und Denkweise das natürlichste , der Logik einer fortschreitenden Welt- 
entwicklung am meisten entsprechende und das Wesen des Philosophen klar 
complementirende Seitenstück zu finden. Aber nicht die jetzt paeder rehabilitirten 
Vorzüge seiner Methode waren es ja, welchen A. sein erdrückendes üebergcwicht 
über alle Denker vor ihm und nach ihm verdankte, sondern seine der Förderung 
der Naturwissenschaft ganz fremden, lediglich der Geistesrichtung der auf Galex 
folgenden sterilen Jahrhunderte schmeichelnden und genugthuenden Irrthümer. 
Deshalb muss es wohl als offene Frage hingestellt werden, ob A. selbst, sei es 
auch mit seinem Dualismus und mit seinen in grellem Widerspruch mit dem ihm 
eignenden gesunden Realismus stehenden Entelechien, die Naturwissenschaften auf 
eine verfehlte Bahn gelenkt und sie zwei Jahrtausende lang auf derselben erhalten 
habe, — eine Frage, zu deren Lösung die Besprechung des Galenus wenigstens 
theilweise ihren Beitrag liefern wird. Im Uebrigen aber äusserte sich der AUciü 
dominirende Einfluss der aristotelischen Philosophie am gewaltigsten in den christ- 
lichen Schulen des Mittelalters, deren sogenannt universaler, in Wahrheit alles 
Erkennbare und Nichterkennbare promiscue behandelnder Geistesriehtung jene 
verwandte Lehre allein zu genügen vermochte. In dieser Beziehung ist es Baco, 
an dessen Namen wir einige weitere Rückblicke auf A. zu knüpfen haben werden. 
-^ Die medicinische Wissenschaft dürfte Alles in Allem am wenigsten L^rsaehc 
haben, sich an A. für jene Periode der Ueberschätzuug, die ihm zu Theil geworden 
ist, durch eine reaetive Vernachlässigung und Missachtung zu rächen. Ihr kann 
sein Dualismus wie sein Schicksal, als Gründer der Scholastik angesehen werden 
zu müssen , falsche Wege jetzt kaum noch anweisen. Wohl aber verehrt sie in 
ihm den vielgewandten Naturkenner, den unablässig beobachtenden, die Erscheinungen 
gegen einander abwägenden Forscher, den einer entschieden realistischen und 
kritischen Richtung zugewandten Vorkämpfer auf dem Gebiete der Empirie. 

Wem ich. 

Aristoxenus ('ApiTTo^.svo;) , Schüler des Alexander Philalethes und 
wie dieser ein Anhänger des Hekophilus, lebte in der ersten Hälfte des ersten 
Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung. Er schrieb ein grösseres Werk über die 
Schule des Herophilis (tzzqX tt;; 'Hpo^OvOu aipeasco?) , das aus wenig-stens 
13 Büchern bestand. 

Gal. VllI, 734, 740, 955. Cael. Aurel. acut. III, 16. Heinire ich. 

*Arlaud, Franc^ois-Joseph-Charles A., Director des Gesundheits- 
dienstes der französischen Marine, geboren zu Toulon, unbekannten Geburtsjahres, 
schrieb folgende Abhandlungen: ,yObservatioris de stroiKjles gSants sortis des 
coies unnains d\me femme" (Bullet, de TAcad. de m6d. 1846 , T. XI) — 
yj Parallele des points dWimputaU'on de la jambe et du pied , amputatlon tibio- 
tarsienne en particulier" (These de Montpellier 1848, 4.) — „Rapport sur les 
travaux adresses a la Societe de Chirurgie^ (Bullet, de la Soc. de cbir. 
T. VU, VIII, 1857, 1858) — „Du drainage preventf'f apph'quS aux plai'es (pt! 
rSsultent des ainpatati&ns des laembres^ (Gaz. des Höpit. 1861) — „Documents 
nouveaux cpncernant les suites de quatre amputations coxo-fSmorale^ pratiquees 
ä Vhopltal Saint- Mandrier et sur les moyens de prothhse employh chvz ces 
mutiles^ und „Amputation fcmoro-tibiale h la suite dhine j^laie d^arme a feu, 
rhection des nerfs sciatiques poplites interne et externe, Guärison. Deambuln- 
tion facile ä Vaide du pilon classique^ (beide im Bullet, de Th^rap. T. LXII, 
LXUI, 1862, 1863) — ,jMort par asphyxie diterminSe par Vtngestion d'un 
poisson vicanf' (Union med. 1863, T. XVÜ und Gaz. des Ilöpit. 1863). 

Berger et Rey, pag. 4. G. 

* Arlidge, John Thomas A., 1822 geboren und verhältnissmässig früh 
'1846) als M. B. graduirt, erwarb den Londoner Doctorhut erst 1867. Dazwischen 
war er als Assistent und Demonstrator, sowie als Lecturer über Psychologie thätig 



ABLIDGE. — ARMENGAUD. 193 

and schrieb in der von ihm lange Zeit herauKgegebenen Brit. and foreign medico-chir. 
Review 1854 — 1861 eine Reihe von Essays: „Catcareous dcposits in ike brain — 
Amyloid degeneration — On the State of lunacy and the legal provision of 
maae*' (1858). Später gab er noch Pritchard's History of infusoria heraus und 
siedelte nach 8toke-on-tront über. j^^j 

*Arlt, Ferdinand A., geboren zu Obergraupen bei Teplitz in Böhmen 
am 18. April 1812, besuchte das Gymnasium in Leitmeritz, die Universität zu 
lYag und war in der Augenheilkunde Schüler des Professor J. N. Fischee. 1831) 
in Prag promovirt, fungirte A. vom October 1846 bis Juli 1849 als Supplent der 
Jjehrkanzel der Augenheilknnde, vom August 1849 bis Juli 1856 wirkte er als 
Pmfessor der Augenheilkunde in Prag, von Herbst 1856 bis Ende Juli 1883 als 
solcher in Wien. — A. gilt als einer der grössten Förderer seines Faches und 
poblieirte : „ Pflege der Augen im gesunden und kranken Zustande, neben einem 
Anhange über Augengläser" (Prag 1846, umgearbeitete Auflage davon Prag 
1868) — yfKranlcheiten des Auges'' (in drei Bänden, Prag 1851, 1853 und 
1856) — »Die Verletzungen des Auges" (Wien 1875) -^ „Die Kurzsichtig- 
keitj Entstehung und Ursachen" (Wien 1878) — „Klinische Darstellung der 
Krankheiten der Binde-, Hom- und Liderhaut , dann der Iris und des 
Cttiarkörpers" (Wien 1881) — „Operationslekre" (in Graefe-Saemisch' Handbuch 
der gesammten Augenheilkunde, Bd. HI, 2. Theil, Leipzig 1874). Von den 
Artikeln in der Prager Vierteljahrschrift hat der über Amblyopie (Bd. IV, pag. 58) 
den Anstosßzur Einführung der Schriftscalcn gegeben, welche von Ed. Jaegek, 
Skellen u. A. vervollkommnet wurden. Die Broschüre über die Augenpflege 
forderte die Augenärzte auf, die Bestimmung der Augengläser selbst in die Hand 
zu nehmen, nicht mehr den Optikern zn überlassen. In dem Werke über die 
Krankheiten des Auges wurde der Nachweis geliefert, dass die Kurzsiehtigkeit in 
der Regel auf Verlängerung des Bulbns (der Glaskörperachse) beruhe. ß^^^ 

^Arluno, Giovanni Pietro A. (Arltnus), von Geburt Mailänder und 
\m 1 530 ab ärztlich und schriftstellerisch thätig, ist gleichzeitig als erster Leibarzt 
des Herzogs Franz Sforza II. der Einzige der fünf gleichnamigen Aerzte (A. der 
Vater und Bapti stes, Hieronimo und Francesco als Brüder Giovanni'sj, 
welcher einer Hervorhebung bedarf. Seine Schriften (fast ausschliesslich — auch 
die Gesaramtausgabo von 1551 — in Mailand erschienen) behandeln: Das 
J}uartanfieber" — den „Gelenkrheumatismus" — das „Asthma" — den 
„Samenßuss" — die ryKatarakt^ etc. etc. 

Biographie medicale, J. Ked. 

/Anna, Giovanni Francesco A. , aus der piemontesischen Stadt 
Chivasso, etwa um 1510 geboren, Leibarzt des Herzogs Emanuel Philibert um 
das Jahr 1553, schrieb „Ueber Pleuritis" — „Ueber Diagnostik der Nieren- 
md Blasenkrankheiten" — einen Dialog ;, Ueber drei Arten der Wassersucht^' 
~ „ Ueber die Ungesundheit des mit Eeiswa^ser bereiteten Brotes" — ;, Ueber 
firei Affectio^ien des Kopfes" — „Ueber den Morbus sacer etc," — Die 
S<'hriften erschienen während der Jahre 1548 bis 1586 vorwiegend in Turin. 
Biographie medicale, I. Bed. 

Armand, — die gewöhnlichen Quellen und Bücherverzeichnisse geben 
aber drei französische Aerzte dieses Namens Auskunft, von denen zwei ältere 
unr Thesen veröffentlicht haben, Adolphe A. dagegen als Verfasser der „Histovre 
medico-chirurgicale de la guerre de Crimee d'apr^s les iravaux des mSdecins 
müüaires" (Paris 1858) hervorzuheben ist. ^^^1 

/Armengaud de Montpellier (Armengat:dus Monspeijensis) , Leibarzt 

Philip p's des Schönen, Königs von Frankreich, war in Montpellier geboren 
und hatte daselbst auch den Maj^istergrad erlangt. Seine Glanzzeit föllt zu 

Biogr. Lexikon. I. l-'i 



194 ARMENGAUD. — ARMSTRONG. 

Aufaug des 14. Jahrhunderts (luu 1307), und es wird von ihm in einer Lobrede 
gesagt, „qui ex solo vultus tntuttu, genus et tempiis morbarUm eoi*umqu^ paro- 
xinmos diüinaret^. Der Nachwelt hat er sich durch eine angeblich 1284 gemachte 
lateinische Uebersetzung der Cantica des AviCENNA mit den Commentaren des 
AvERROES bekannt gemacht, die, von Andreas Alpago von Belluno durehgesohen 
und verbessert, im X. Bande der zu Venedig 1552 gedruckten Ausgabe des 
Averrobs sich befindet. 

A. Chereau bei Dechambre, VI, pag. 1:^7. G. 

Arming,« Friedrich Wilhelm A., Arzt und Hchriftsteller in Bregeaz 
und 8teyr, später in Brooklyn, war am 25. October 1805 zu Wels in Oberöster- 
n»ic*h geboren, besuchte in Wien das Gymnasium, studirte daselbst Chirurgie, wurde 
Mjigister derselben, kam als k. k. Kreis-Wundarzt nach Bregenz und 1832 in 
gleicher Eigenschaft nach Steyr. Unter dem Pseudonym William Fitz-Berth sehrieb 
er mehrere Novellen und Aufsätze für Journale und Taschenbücher, übersetzte Vieles 
aus dem Französischen und Englischen. Als erste fach wissenschaftliche Schrift, 
ausser mehreren Aufsätzen in mediciuischen Journalen (z. B. GEtAEFE^s und Walther\s 
Journal 1837), gab er 1839 einen „Leitfaden zum Unterrichte chirurgischer 
Lehrlinge und zur Bildung chirurgischer Gehilfen" heraus und 1843 eine 
Schrift über die „Jod- und Itthiotihaltige Salzquelle zu Hall bei Kremsmünster 
in Ober Österreich", in demselben Jahre aber auch, im Vereine mit KA.LTENBRUNNEK, 
das „Album aus Oesterreich ob der Enns". Da A. ursprünglich nur Chirurgie 
studirt hatte, warf er sich noch 1850 auf das Studium der Mediciu, proniovirte 
auch darin, wanderte aber darauf mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus, 
wo er sieh in Brooklyn niederliess. Bis zu seinem am 4. März 1864 erfolgten 
Tode war er Mitarbeiter mehrerer belletristischer Journale in Amerika. 

V. Würz b ach, I, pag. G(); XIV, pag. 38:>. G. 

Armstrong, Jean A., zu Iloxburg (Castleton), wo sein Vater Geistlicher 
war, um 1701) geboren. Er wurde zu Edinburg 1732 promovirt auf Grund einer 
Dissertation y^De tabe jmrulenta" und trat demnächst in die Oeffentliehkeit mit einer 
gegen den Charlatauismus gerichteten Satyre : ;, An essay for abridging the study 
of phystc to which is added a dialogue betwixt Hygeia, Mercury and Pluto, 
relati7ig to the practice of physic at tt ts managed by a certain illustrious 
Society and an epistle front Usbech the Persian to Joshua Ward" (der au- 
gehängte Brief fSllt gegen den Dialog bedeutend ab). Als ein oberflächliches 
Produet wurde die 1737 erschienene „Synopsis of the history and eure of 
venereal disease" beurtheilt, und die zwei Jahre später herausgegebene „Economy 
of lowe" zog ihrem Autor wegen der zügellosen Schilderungen, die sie enthielt, 
liiehrfach lauten Tadel zu. Trotzdem schlug A. 1741 mit dem von englischen 
Schriftstellern unter die classischen Erzeugnisse ihrer Literatur gerechneten, vielfach 
aufgelegten Lehrgedichte: „The art of preseroing health" in vier Gesängen 
Cdie Luft, die Nahrungsmittel, die körperlichen Uebungen, die Leidenschaften) voll- 
kommen durch, und dasselbe trug ihm 1746 eine Ernennung an einem zu London 
errichteten Blessirtenspital , 1760 eine solche zum Armeearzt der in Deutschland 
kämpfenden Truppen ein. Nach dem Frieden ('1749) kehrte A. nach London 
zurück und nahm seine Praxis wieder auf. Seine grosse Steifheit und Kälte 
hinderten ihn jedoch, auf diesem Felde entscheidende Erfolge zu erringen; er ver- 
stand, trotzdem man seine Geschicklichkeit rühmte, nicht, das Publicum dauernd 
für sich einzunehmen, zog sich stolz und missmuthig mehr und mehr von der 
Praxis zurück und lebte bis zu seinem Tode (1779) fast ausschliesslich »einer 
Beschäftigung mit der Literatur und einem weitverbreiteten Verkehr mit geist- 
reichen Zeitgenossen, deren Freundschaft er sich auch — wie die von Pringle, 
von Thomson u. A. — dauernd zu erhalten wusste. Ausser den „Medical essay s"y 
die von Bedeutung besonders dadurch waren, dass sie jedes System in der 
Mcdicin verwarfen und sich sehr wegwerfend über die medicinische Schriftatellcrei 



ARMSTRONG. -- ARNALDUS. 195 

AUfliiessen (1773), hebeu wir aus der Reihe seiner literar-äj^thetiächen Arbeiten noch 
hervor; Das y,Poein on benevolence" (1751) — ^Taate, an eptstle to a young 
crttic^ (1763) — ^Sketches or essays on vartous subjecta hy Lancelot Temple^ 
il758, Mitarbeitergehaft von Wilkbs) — ^Day, an epistle to John Wilken of 
Aylesbury** (1760, deutsch) — y^A short ramble through some parts of France 
and äaly, by Lancelot Temple"^ (1770;. ^^^ 

Arnali zwei frauzösiKcbe Aerztc, von denen der iiltere, Arzt zu Beziörs 
'Herault), ims seinen Lebensverhältnissen nach unbekannt g:eblieben ist. Seine 
)it«*arischen Arbeiten betreffen grösstentheils epidemische KranJ^heiteu und deren 
Behandlung und sind sämmtlieh in den Aunales de la Soc. de med. de Mont- 
pellier (T. I, II, XV, XIX, XX, XXXI, XXXIV) veröffentlicht, nämlich: ,,8ar 
Vefficacüe des Joucltea des eaux de Balaruc^ — Mit H. FOUQUET: „Obser- 
mtton sur Vusage interne et externe des eaux thermales de Balaruc" — 
„ Rapport f faxt le 1, Prair. An 11 . , , . sur les ouvrages mamiscrits ou imprimSs 
fii Uli ont it^ adressh snr la Vaccine" — „Rapport sur vn memoire sur la 
mccvne par Barrey^ — „Observation sur Vapplication de Veati froide dans 
Uli cos d'inertie des vischres abdominales" — ^yMeditattons pratiques sur les 
ßhres cerebrales (fihvre ataxo-adynaniique ou maligne putride etc.), observSes 
h Bezihrs depuis la fin de Die, 1808 jusque vers le inilieu de Mars 1809" — 
nLa vertu febrifuge des antimoniaux" — „Observations prattques sur Vemploi 
du tartrite antimonie de potasse dans les fi^vres intermittentes" — ^Rapport 
fnit .... sur une ipidimie de rougiole et ses suites" — „ Reflex wns sur la 
notice sur la petüe-verole etc. par Henri G r eg oire Ma cnat". 

Callisen, I, p«ig. ;i31. G. 

Arnal, Jean-Louis, Arzt in Paris, war zu Tarasson (Dordoj^ue) 1806 
jreboreu, erwarb zu Paris 1834 die Doctorwürde, nachdem er sich als Interne 1830 
bei der Pflege der Juli-Ver^'undeten während der Dauer von 5 Monaten in dem 
Keconvalescentenhause zu Saint-Cloud und bei der Cholera-Epidemie von 1831 aus- 
gezeichnet hatte. Als Arzt der Asylsäle des Vereins von Notre-Dame-de-Lorette und 
der verschämten Armen des zweiten Arrondissements, machte er sich in der medi- 
zinischen Literatur durch eine grosse Reihe von Artikeln im Journal universel et 
hebdomadaire de m^decine et de Chirurgie pratiques, dessen Hauptredacteur er war, 
k'kannt. Er war u. A. der Verfasser folgender Aufsätze: „Sur les plaies d armes 
ff feu** — „Sur la physiologie et la pathologie de la tnembrane pituitaire" — 
nSurVextirpationdeVastragal^" — „Les fractures delarotide" — „Uablation 
des Premiers metatarsiens, les orteils etant consei^'es" — yySvr la rhinopla^stie 
ft V autoplastie" — „TJeinploi de Vextrait aqueux de seigle ergote dans quel- 
ques cos d'affections chroniques de VutSrus." — Zusammen mit dem Orthopäden 
FERDINAND Martin überreichte er 1842 der Akademie eine Denkschrift „Sur 
Tnmputation sus-malleolaire" , in welcher er die Vortheile dieser Amputations- 
methode vor der an der Wahlstelle zeigte und ein von dem ersteren für jene 
Amputationen erfundenes künstliches Bein beschrieb. — Er starb im Dccember 1871. 

Sachaile (de le Barre), pag. 52. — Piogoy in Union niedicale ISGl, XII, 883. 

G. 

/Arnaldus von Villanova (1235 — 1312), ist eine der geheimnissvollsten 
Gestalten in der Geschichte der mittelalterlichen Medicin. Zunächst sind schon 
die persönlichen Verhältnisse dieses bereits bei seinen Zeitgenossen hochbertihmten 
Arztes vielfach in Dunkel gehüllt , und es ist selbst wahrscheinlich , dass mehrere 
von den ihm zugeschriebenen Werken, ja von den medicinischen gerade das 
wichtigste, von einem andern Arzte demselben Namens herrühren. In Betreff 
des zunächst in Betracht kommenden A. steht fest, dass derselbe aus Catalonien 
var, dass er seine Bildung in Spanien und in Paris erhielt, dann in Montpellier 
als Lehrer, in Barcellona als Arzt thätig war und als solcher zu hohem Ansehen 
gekngte. Im Jahre 1295 war A. in Rom, wo er am Hofe Bonifacius VIII. durch 

13* 



196 ARNALDÜS. — ARNAÜD. 

Seine alcheuiistischen KenutuiBse Aufsehen erregte. Bald darauf begab er sich wieder 
nach Paris, um als Lehrer der Medicin und Botanik aufzutreten und seine Werke 
zu veröffentlichen. Die in" seinen Vorträgen und Schriften enthaltenen philosophischen 
und religiösen Ansichten zogen ihm Verfolgungen zu, die indess durch seinen 
Gönner, Papst Clemens V., unterdrückt wurden. Erneuten Anfeindungen wurde A. 
durch eine Reise nach Italien entzogen, die ihn aus freiem Antriebe oder als 
Gesandter König Jakob's IL von Spanien an den Hof des Königs Robert von Neapel 
Jilhrte , wo er , wie später an dem Friedrich's des Schönen in Sicilien, zu hobein 
Ansehen gelangte. A. starb, 78 Jahre alt, im Angesichte des Hafens von Geniin, 
auf einer Reise nach Avignon, woliin ihn der schwer erkrankte Papst Clemen« X, 
beschieden hatte. — Die philosophischen Werke A. 's hat die Inciuisition vernichtet : 
die alchemistischen , auf denen grösstentheils sein Ruhm beruht , rühren wahr- 
scheinlich von einem in Montpellier lebenden Arnold vox Villakova des fünf- 
zehnten Jahrhunderts her. In den mit einiger Sicherheit dem spanischen A. bei- 
zulegenden Schriften zeigt sich derselbe als ein für seine Zeit bedeutender Chemiker 
uud als ein edler, fronmier,- von der W^ürde seines Berufs erfüllter ^Vrzt, aI^^ 
entschiedener Gegner der Scholastik, von hoher Selbstständigkeit, reicher Erfahrung' 
uud wissenschaftlichem Ernste, als begeisterter Anhänger der Lehren des Hippokrates. 
Auch als Chirurg steht A. auf der Höhe seiner Zeit. Das umfangreichste von den 
medicinischen Werken, welche den Namen des A. führen, das „Breotanum*^, eine 
den ganzen Umfang der Heilkunde behandelnde Schrift, ist mehr als ein anderes 
geeignet, ein Urtheil über den Inhalt und den Charakter der praktischen Medieiu 
jener Periode zu gewinnen.- Höchstwahrscheinlich indess rührt es nicht von A. 
dem Catalonier, sondern von einem gleichnamigen Neapolitaner her. tt u. 

Nach französischen Quellen: 

/ Arnaud de ViUeneuve, Arzt aus dem 13. Jahrhundert, in Montpellier 
])romovii't, der sich ausserdem mit theologischen und insbesondere mit chemischen 
Studien beschäftigte. Im Vereine mit seinem Schüler Raimund Lulle gelangte 
er zwar auf letzterem Gebiete zu einigen Entdeckungen, S9 vorzugsweise hin- 
sichtlich der Zusammensetzung der Schwefelsäure, Salz- und Salpetersäure, des 
Alkohols und einiger ätherischer Oele, wurde aber nichtsdestoweniger aus den 
wissenschaftlichen Bahnen allraälig verdrängt und in den Bannkreis der sein Zeit- 
alter beherrschenden Lehren der Alchymie, Astrologie und Magie immer mehr hin- 
eingetrieben. Auf dem Ge]»iete der Heilkunde nahm er insoferne eine selbststäiidige 
Stellung ein, als er kein serviler Anbeter und Nachahmer der Araljcr gewesen. — 
Wegen seiner theologischen Anschauungen von der Pariser Universität verfolgt, 
entfloh er nach Sicilien, fand bei den Königen Friedrich von Aragon und Robert 
von Neapel gastliche Aufnahme und wurde selbst vom Papste Clemens V. nach 
Avignon berufen. Auf seiner Reise dahin im Jahre 1314 starb er, 76 Jahre alt. 
Seine verschiedenen Schriften tragen das Gepräge seines Zeitalters, sie sind kurz 
und scheinen vielmehr Memoiren und Rathschläge als wirkliche dogmatische Lehr- 
sätze zu sein. Erwähnenswerth ist sein Commentar über die Salernitanische Schule 
(fjSckolae Salernitanae opusculum^) und seine Abhandlung: „De conservanda 
juventute et de retardanda senectute^. — Die erste Ausga))e seiner sämmtliehen 
Werke in einem Bande und im Folio erschien in Lyon 1504 mit einem Vorworte 
von Thomas Mlrchius. — Spätere Ausgaben desselben Formates erschienen in 
Paris 1509, Venedig 1514, Lyon 1520 (enthält A.'s Biographie von Symphoriox 
Champier) und Basel (2 Bände mit Anmerkungen von Hiekonimus Taurellus f. 

Unger. 

Arnaud de Ronsil, Georg A. de R., bedeutender französischer Chirurg, 
aus der Blüthezeit der Chirurgie des 18. Jahrhunderts. Er studirte in Paris, prak- 
ticirte in London und genoss hier eines grossen Rufes ; starb 1774 in London. — 
Unter seinen Schriften , die sich durchaus durch Klarheit und Tiefe auszeichnen, 
sind zu lieachten: ^Traäe des her nies ou desceates^ fl749, zwei Bände) — 



ARN A CD. — ABNEMANN. 197 

^Ohervations sur Vaneurisnie" (1790) — „Instructions simples et aisees svr 
ks malixdies de VurUre et de la vessie^ (London 1763 [englisch], da88el))o 
firanzdsiscb Amsterdam 1784) — „M4nioires htstoriqties sur Vitiide de la 
cMrurgit et de la m^decine en France et en Ängleterre" (London und Parin 
1768, 2 Bände, enthaltend die Biographie Hünter's). Unger 

Arnaud , D a r i « t e A. , französischer Marine - Arzt , war geboren zu 
Sommiercs (Gard) und starb am 13. November 1863 zu Salazie (La R6union). 
Ausser seiner Doctor-These : „Des maladies chtrurgicoles au hagne de Toulon** 
(Montpellier 1850, 4.), hat er noch Folgendes geschrieben: „Mhnoxre sitr le 
scorlmt dans Vescadre de la mer Noire^ (6az. mM, d*Orient 1856 und Gaz. 
hebilom. 1858) — „L^höpital maritime de ThSrapia pendant la gxierre de 
Grimee'' (Parin 1859). 

Berg er et Bey, pag. 4. G. 

Arnanlt de Nobleville, Louis Daniel A. de N., französischer Arzt der 
Facultüt von Orleans, geboren in Orleans 1704, gestorben daselbst 1778. — Unter 
seinen Schriften erwähnenswerth : „Histoire naturelle des animaux^ poxir servir 
de suäe h la mattere mSdicale de Oeoffroy** (1739, 9 Bände) — „Cours de 

mSdecine pratiquey reJtge d' apres les principes de Ferreia'^ (1769, 3 Bände). 

Unger. 
* Arndt. R u d o 1 f A., geboren zu Bialken, Kreis und Regierungsbezirk Marien- 
werder, am 31. März 1835, studirte in Greifswald und Halle vorzugsweise unter 
NiEMEYEK, Baedeleben, Damerow und promovirte am 20. Februar 1860. Seit 
1861 als praktischer Arzt thätig, auch in den Feldztlgen 1864., 1866, 1870—1871 
betheiligt, habilitirte sich A. 1867 und ist Professor der Psychiatrie seit 1873 zu 
Greifswald. — P> publicirtc hauptsächlich „Histologische Untersuchungen de,s 
Nervensystems, insbesondere des Gehirns vnd Rückenmarks^ in Max 8chi:ltze\s 
und ViBCHOw\s Archiven - — ^Psychiatrische Abhandlungen** im Archiv für Psy- 
ehiatrie und Nervenkrankheiten, in der Zeitschrift für Psychiatrie und gerichtliche 
Psychologie, in der Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medicin etc. — Neurologische 
Abhandlungen in Ettlenburg's Encyklopädie — „Lehrbuch der Psychiatrie^ 
•Wien 1883). („Die Psyche als eine Function des menschlichen Organismus unter- 
liegt den nämlichen Gesetzen wie dessen sonstige Aeusserungen [Kräfte]. Auch 
fiir sie sind so allgemeine Gesetze, wie die Erhaltung der Kraft, die mechanische 
Wärmetheorie etc., durchaus maassgebend.") ^^^ 

Arnemann, Justus A., ordentlicher Professor der Medicin zu Göttingen, 
später Arzt in Hamburg, war am 23. Juni 1763 zu Lüneburg geboren, studirte 
von Michaelis 1781 an in Göttingen Philologie, von Ostern 1783 an aber Mediciu, 
promovirte daselbst am 15. Juli 1786 mit der Dissertation: ^Facperimentorum 
circa redinte gratimiem partium corporis in vivis animalihus institutorum 
prodromus^ und gab diesell)e im folgenden Jahre deutsch und erweitert 
in der Schrift: „Versuche an lebenden Tliieren^, Bd. I: „Ueher die Rege- 
Hfration der Nerven" (mit vier Kpft.) , Bd. II : „ Ueber das Gehirn und 
Rückenmark** (mit sieben Kpft.) heraus, nachdem er schon als Doctorand ein« 
Preisschrift, die das Accessit erhielt: „Commentatio de oleis unguinosis^^ (1785) 
und weiter eine auf eigene, negativ ausgefallene Untersuchungen basirte, auch in 's 
Französische übersetzte Abhandlung „ Ueber die Reproduction der Xerveti** 
•1786), welche das dem BacO entlehnte Motto trägt: Non fingendum aut ejreo- 
tjitandum, sed videndum quid 7iatura ferat vel faciat.*^, verfasst hatte. Im 
>»eptenaber 1787 wurde er zum Professor extraord. an der Universität in Göttin gen 
ernannt und trat bereits im October eine auf zwei Jahre berechnete wissenschaft- 
liche Heise nach Berlin, Wien, Pavia, Paris imd London an. In demselben Jahrö 
hatte er, in Gemeinschaft mit J. C. T. Schlegel, die Herausgabe eines 8ammcl- 
werkes: „Neue medicinische lAteratur** begonnen und die Preisschrift: yyCom- 
ti*fntatio de aphtMs, quae ab ill, R^g» Societate mrdicorum Parisiensi 2o. Äug. 



1 



^ 



198 AENEMANN. — ABNISAEUS. 

17S7 palmam alteram obtinuit" verfasst. Von seiner Reise zurückgekehrt, gab 
er 1780 ein r,Progr, de morbo vener eo analecta quaedam ex Mas. Musei Sri- 
tannici Londinensis^ heraus und begann 1790 die Publication seiner: „Bibliothek 
für CMrurgte und prahtische Medicin*^, von der jedoch von 1790 — 1794 nur 
St. 1 — 3 des ersten Bandes erschienen sind. Er begann femer ein Werk, das 
üch besseren Fortganges zu erfreuen hatte, nämlich den „Entwurf einer prak- 
tischen Arzneuiiitttllehre^^ , deren erster Theil: „Von der inneren Med icin^ von 
1791 — 1819 sechs Ausgaben (die fünfte und sechste von L. A. Kraus besorgt) 
erlebte und deren zweiter Theil: „Von den chirurgischen Mitteln" von 1792 
bis 1818 ebenfalls in sechs Ausgaben, in den letzten auch von Kraus, erschien. 
1792 wurde A. zum Professor Ordinarius ernannt; in demselben Jahre erschienen 
seine: „Bemerkungen über die Ihirchbohrung des processus mastoideus in gt*- 
bissen Fällen der Taubheit^ (mit 3 Kpft.) , und auch in den folgenden Jahren 
eine Reihe sehr geschätzter Publicationen, so: „Synopsis nosologiae, in ti^inn 
praelectionum academicarum" (1793) — „Uebersicht der berühmtesten und ge- 
bräucldichsten chirurg-ischen Instrumente älterer und neuerer Zeiten^ (1796, 
ohne Abbildungen) — „Einleitung in die medicinische Waarenkunde" (1797, 
2. Auflage 1801). Von 1797 — 1799 gab er eine „Nachricht von dein 
ahimrgischen Cliniciun zu Göttingen" (erste bis sechste Anzeige); es war die« 
eine von ihm 1796 als blosses chirurgisches Clinicum angelegte, jedoch seit 1801 
in ein medicinLsch-chirurgisches Institut verwandelte Privatanstalt, über deren 
Einrichtung und Gesetze A. 1801 mit seinen „Ännalen des rnedicinisch' 
chirurgischen klinischen Instituts zu Göttingen" berichtete. Er begann ferner 
1797 die Publication eines chirurgischen Journals: „Magazin ßir die Wund- 
arzneiwissenschaft" , das in drei Bänden bis 1803 erschienen ist, sowie die 
Herausgabe einer „Bibliothek für die Medicin, Chirurgie und Geburtshilfe, 
von einer Gesellschaft vo7i Gelehrten", die nur zwei Hefte 1799, 1800 erlelite. 
Sein „System der Chir^irgie", 1800 begonnen, gedieh nur bis zum zweiten 
Theile 1801, ein „Handbuch der praktischen Medicin" (1800), umfasste nur 
eine Abtheilung. Zusammen mit J. E. Biester und J. A. H. Rkimarus gab er 
„Kleine Beobachtungen über Taubstumme" (1800) heraus nnd publicirte seihst 
noch 1802 : „Einige Bemerkungen über da^ seit einiger Zeit in Göttin gen herr- 
schende Scharlachfieber" und einen „Nachtrag" zu demselben. — Obgleich .i!s 
Lehrer und Schriftsteller geschätzt und geachtet , sah sich A. , seiner vielen 
•Schulden wegen, die durch ein vielleicht etwas zu luxuriöses Leben ver<anla»st 
waren, im Februar 1803 genöthigt, Göttingen heimlich zu verlassen. Von Hannover 
aus war man geneigt , ihm zu helfen ; aber da er sich unartig bezeigte, so niußste 
der Coneurs eröffnet werden. Er begab sich nun nach Hamburg, um dort als 
Lehrer und Arzt zu nützen; die „Ankündigung eines Lehrcursris über die med i- 
cinische Chirurgie für die jungen Wundärzte in Hamburg" (1803) legt hierfür 
^euguiss ab. Er erwarb sich auch bald allgemeine Liebe und Zutrauen, auch erhielt 
er für die den jungen Wundärzten gehaltenen Vorlesungen vom Senat eine goldene 
Medaille; allein auch in Hamburg gerieth er in Geldverlegenheiten, dabei wurde 
sein Körper inmier kränklicher und reizbarer und so kam es, dass er in einem 
Aufalle von Schwermuth am 25. Juli 1806 im Wandsbecker Gehölz durch einen 
Pistolenschuss seinem Leben ein Ende machte. — A. war ein hochbegabter Mann 
und sehr fleissiger Schriftsteller, dem die Medicin sowohl , namentlich die Arznei- 
mittellehre, als die Chirurgie und Augenheilkunde Manches zu danken haben, 
allein sein zur Schwelgerei neigender Charakter und die daraus sich ergebenden 
Folgen haben ihn vorzeitig zu Grunde gerichtet. 

P titter, Bd. II, pag. 189; Bd. III, pag. 79. — Hans Schröder, Hamburger 
Schriftstellor, Bd. I, pag. 93. Gurlt. 

Arnlsaeus, Henning A., geboren in Halberstadt, zuerst (1611) Professor 
der Moral in Frankfurt an der Oder, wurde 1620 «ils Leibarzt des Königs 
Christian IV. nach Dänemark berufen und verblieb in dieser Stellung, bis er 



ARNISAEÜS, — ARNOLD. 199 

1636 starb. Er v^sx ein sehr tticbtiger Anatom und schenkte der Universität in 
Kopenhagen das erste menschliche Skelet, das hier zum Unterricht benutzt wurde. 
Er scheint als Rathgeber des Königs einen nicht geringen Einfluss auf die 
Angelegenheiten der Universität und namentlich des medicinischen Studiums 
gehabt zu haben und erwarb sich auch Verdienste um die legale Medicin. Ausser 
mit Medicin beschäftigte er sich auch mit Metaphysik , Physik , Jurisprudenz und 
Politik. Beine zahlreichen Schriften Aber Medicin und andere Wissenschaften finden 
sieh aufgezählt bei Inoerslbv: Danmarks Lägerög Lägeväsen, I. Th., pag. 298 bis 
299. Nähere Nachrichten auch bei Panum: Vort medic. Facultets Oprindelse og 
Bamdom, Kjöbenhavn 1879, pag. 85. — Predrik A., Sohn des Vorigen, geboren 
ia Uüleröd 1621. Studirte von 1637-^1653 im Auslande. Zeichnete sich durch 
den Muth aus, mit dein er 1654 au der Behandlung der Pest in Kopenhagen 
ITieil nahm und wurde ein Opfer derselben am 20. August 1654. Schrift: „Disp, 
de Melancholia Hypochondrica^ (Hafnia 1664, 4.). p ^ Panum. 

Arnold, Johann Friedrich A. , Wundarzt zu Gross-Hennersdorf bei 
Hermhut in der Lausitz, war am 20. Juli 1761 zu Hermhut, wo sein Vater 
Johann Michael A. die Chirurgie ausftbte, geboren. Er hatte seinie Studien 
in Berlin gemacht und schrieb einige die Augenheilkunde betreffende kleine Ab- 
handlungen in Hüfei.and's Journal, Bd. XXVI, XXIX, XXX, (1807—1810): 
„Wirksamkeit der Essentia Galbani bei verschiedenen Augenentzündungen^ — 
„Heilung eines Staphylama spurium (ceratocele) mit Barytes muriaia^ — 
^Ueber eine zwei Jahre lang verkannte Ursache des peinlichsten Äugenübels 
(Ophthalmie von einem fremden Körper unterhalten)^ — „Ueber Photophobie". 
Sein Tod erfolgte am 7. October 1809. 

Otto-Schulze, 1821, pag. 11. — Callisen, I, pag. 231- XXVJ, pag. 84. g. 

Arnold , Georg Christian A. , geboren 1747 zu Lissa , promovirte 
zn Leipzig 1768 („De motu ßuidi nervei per ßbres medulläres nervorum*^) und 
wnrde Professor der Heilkunde in Erakau. Seine zahlreichen Schriften bewegen 
sieh — zum Theil in rein speculativer Haltung — auf dem Gebiete der Geburts- 
kimde. Neben den casuistischen Mittheilungen verdienen besondere Nennung : „Obser- 
vationum physico-medicarvm annvs 1772** (Vratislaviae 1777), sowie ^yHistoria 
antiquae medicae Polonae prodomus" (in Mise. Craviensibus 1815). j^^^ 

Arnold, Ignaz Theodor Ferdinand Eajetan A. , Privat-Docent 
an der Universität, Gerichtsadvocat und üniversitäts - Secretär zu Erfurt, war 
(Ia8elbst am 4. April 1774 geboren, war ein Anhänger der GALL'sehen Lehre 
und gab 1805 heraus : „Dr. Jos. GalVs System des Gehirn- und Schädelbaues, 
nach den bis jetzt über seine Theorie erschienenen Schriften. Als Leitfaden 
hei academischen Vorlesungen dargestellt" ; femer 1806 unter Gall's Namen: 
^Meine Heise durch Deutschland etc." Bin Verzeichniss seiner zahlreichen 
anderen, anonym herausgegebenen belletristischen Schriften findet sich bei Meusbl. 
Er starb am 13. October 1812. 

Callisen, I, pag. 238; XXVI, pag. 85. — Mensel, IX, pag. 35; XVII, pag. 47; 
XXTI, pag. 68. (j^ 

Arnold, Johann Wilhelm A. , Professor in Zflrieh , später Arzt zu 
Heidelberg, war am 10. März 1801 zu Edenkoben in der Rheinpfalz geboren. 
Er war der ältere Bruder von Friedrich A. (s. diesen), studirte von 1821 — 1825 
auf der Universität Heidelberg unter Tiedemann , Gmelin , Conradi , PüCHELT, 
Cheuus und Naegele, promovirte am 6. September 1825 und schrieb die Disser- 
tation: „De salis amvioniaci vi et usu" (1826). Im Jahre 1826 besuchte er die 
medicinischen Lehranstalten in Paris. Vom Frühjahr 1827 bis zum Herbst 1835 
hielt er als IMvat-Docent an der Universität Heidelberg Vorlesungen und schrieb : 
nHodegetik für Medicin-Stvdirende oder Anleitung zum Studium der Medicin etc.^ 
(Heidelberg und Leipzig 1832). Nachdem sein erwähnter Bruder Friedrich A. 



•^00 ARNOLD. 

« 

iin Frühjahr 1835 als Profeüaor der Anatomie nach Zürich berufen worden war, 
folgte er ihm im Herbst desselben Jahres dahin nach und lehrte von da ab biß 
zum Herbst 1840 über dieselben Fächer als ausserordentlicher Professor. In diene 
Zeit fällt die Herausgabe seines „Lehrbuch der pathologwehen Physiologie des 
Menschen^, (2 Theile, Zürich 1837, 1839), welches den H. Band des mit seiueni 
Bruder zusammen herausgegebenen Werkes : „Die Erscheinungen und Gesetze des 
lebenden menschlichen Kör2)ers int gesunden und kranken ZvMande^ darstellt, 
und der physiologischen, pathologischen und therapeutischen Monographie: ^I)as 
Erbrechen, die Wirkung und Anwendung der Brechmittel^ (Stuttgart 1840). 
Er entsagte dann der akademischen Laufbahn, liess sich im Frühjahr 1841 in 
Heidelberg als praktischer Arzt nieder und verfasste noch, abgesehen von zahl> 
reichen, in Zeitschriften veröffentlichten Abhandlungen, insbesondere über die 
Anwendung und Wirkung verschiedener Arzneimittel: „Die Lehre von der 
Reflexfunction, für Physiologen und Aerzte" (Heidelberg 1842) — „ Ueber die 
Verrichtung der Wurzeln der Rückenmarksnerven. Physiologische und patho- 
logische Untersuchungen zur Würdigung der BelVschen Lehre^ (Heidelberg 
1844) — yyDas rationelle specißsche oder idiopathische Heilverfahren als 
naturgesetzliche Heilkunst dargestellt" (Heidelberg 1851). — A. gab 1866 
wegen körperlichen Leiden die Stadtpraxis auf, uud starb am 1). Juni 1873. 

Gurlt. 

* Arnold, Friedrich A., Geheimer Hofrath und cmeritii'ter Professor der 
Anatomie und Physiologie zu Heidelberg, ist am 8. Januar 1803 zu Edenko)>en 
1)ei Landau in der Rheinpfalz geboren, studirte zusammen mit seinem älteren Bruder 
Johann Wilhelm A. (s. diesen) von 1821 — 1825 Mediein auf der üniversitst 
zu Heidelberg, woselbst Tikdemann und Fohmann seine Lehrer in der Anatomie 
waren. Er ymrdQ am 7. September 1825 daselbst zum Doctor med. proniovirt 
mit der „Diss. inaug, sistens observationes nonimllas neurologicas de parte 
cephalica nervi sympathici in homine" (Heidelbergae 1826, 4. c. tab.). In dem- 
selben Jahre, .1826, in welchem er mit seinem Bruder die natunÄ'issenschaftlielieu 
und medicinirtchon Anstalten zu Paris besuchte und in welchem er im Herbst als I*ro- 
sector der anatomischen Anstalt zu Heidelberg angestellt wurde, veröffentlichte er (in 
TiedemannV uud Tkevieanus' Zeitschrift für Physiologie, Bd. II) eine „Beschrei- 
bung des Kopftheiles des sympathischen Nerven beim Kalbe, nebst einigen 
BeobaclUungen über diesen Theil beim Menschen" , Zwei Jahre später folg-te : 
„ Ueber den Ohrknoten, eine anatomisch-physiologische Abhandlung" (Heidelberg 
1828, 4. mit Abbildungen) und in einigen weiteren Abständen: „Der Kopftheü des 
vegetativen Nervensystems beim Menschen in anatomischer und physiologischer 
Hinsicht" (mit 10 Kupfertafeln, Heidelberg uud Leipzig 1831, 4.) und „A^ia to- 
mische und physiologische Untersuchungen über das Auge des Menschen" (mit 
/j Tafeln, ebenda 1832, 4.). Wie man sieht, waren A.'s erste anatomisch-physio- 
logische Arbeiten sämmtlich der feineren Anatomie des Nervensystems und der 
Sinnesorgane gewidmet. Im Jahre 1834, in welchem er zum ausserordentlichen 
Professor in der medicinischen Facultät zu Heidelberg ernannt worden war, erschienen 
auch seine „Icones nervorum capitis" (c.IX tabb. Heidelberg. 1834, gr.Fol. ; Edit. IL 
atque emendatior, 1860). — Im Frühjahre 1835 folgte A. einem Rufe als ordent- 
licher Professor und Director der anatomischen Anstalt an der Universität Zürich, 
woselbst er 5 Jahre blieb. In diese Zeit fällt die Herausgabe seines „Lehrbuch 
der Physiologie des Menschen" (1836 — 1840) als I. Band des in Gemeinschaft 
mit seinem Bruder Job. Wilh. A. bearbeiteten Werkes „Die Erscheinungen und 
(iesetze des lebenden menschlichen Körpers im gesunden und kranken Zustande". 
In dem Lchrbuche der Physiologie sind namentlich die Ergebnisse von A.'s histo- 
logischen Arbeiten niedergelegt, die er bereits 1832 begonnen hatte. Dieselben 
liaben, abgesehen von mannigfaltigen Einzelforschungen, insbesondere wegen der 
daraus abgeleiteten Theorie über den Bau und die Entwickelung des von ihm an- 
.üenonmieneu histologischen Elements im thierisehen Körper eine hervorragende 



ARNOLD. 5>01 

Bedeutimg. Es erschien ferner das Progrannu „Annotatiorips anatomicae de 
vdamenUa cerebri et medullae spinalis** (e. tab. Turiei 1838, 4.) — „ Unter- 
mchungen tm Gebtete der Anatomie und Physiologie y mit besonderer Hinsicht 
auf seine anatomischen Tafeln y /. Bündchen*^ . Auch unter dem Titel „Bemer- 
kungen über den Bau des Hirns und Rückenmarks, nebst Beiträgen zur Phy- 
siologie des 10. und 11. Hirnnerven, mehreren kritischen MittlieÜnngen, sowie 
rerschiedenen pathologischen und anatomischen Beobachtungen^ (mit 4 Steintafelu. 
Zürich 1838). Es folgen sodann die „ Tabulae anatomicae, quns ad naturam 
accurate descriptas in lucem edidit^ (Pasc. I, II, IV. Turiei 1838 — 1843, Fol.); 
das letztere Heft erschien auch unter dem Titel: ,, Abbildungen der Gelenke 
und Bänder des menschlichen Körpers" (Zürich 1843 , Fol.). Die vorstehend 
venseichneteu Abbildungswerke , angefangen von den „Icones nervorum capitis", 
liilden auch in künstlerischer Beziehung eine Zierde der deutschen Literatur und 
haben durch die Fülle der darin niedergelegten eigenen Beobachtungen geradezu 
die Bedeutung von Quellen werken. — Im Frühjahr 1840 übernahm A. die ana- 
toDiiseh-physiologische Professur an der Universität zu Freiburg im Breisgau und 
setzte hier nicht nur seine angefangenen Uterarischen Unternehmungen fort, sondern 
)>e(ranu auch die Herausgabe eines ^^ Handbuch der Anatmnie des Menschen, 
mt besonderer Rücksicht atif Physiologie und praktische Medicin" (Bd. I — HI. 
Freiburg 1843 — 1851). — Zu Ostern 1845 ging A., nach wiederholter Berufung, 
nach Tübingen, um den dortigen Lehrstuhl der Anatomie ^und Physiologie einzu- 
nehmen und folgte im Herbst 1852 einem Rufe an die Universität Heidelbei^, wo 
IT sdne Lehrthätigkeit begonnen hatte und auch endigte. Seine letzten Schriften : 
nZur Fliysiologie der Galle. Denkschrift zur ÖOjähr. Jubelfeier des Dr\ 
Friedr. Tiedemann im Namen der med. Facultät der Universität Heidel- 
herg verfasst" (Heidelberg 1854, 4.); ferner „Ueber die Athmungs grosse der 
Menschen. Ein Beitrag zur Physiologie und zur Diagnostik der Krankheiten 
tJer Athmungswerkzeuge" (mit 8 Tafeln, Heidelberg 1855) und „Die physio- 
logische Anstalt der Universität Heidelberg von 1853 — 1858** (mit 8 Tafeln, 
Heidelberg 1858) enthalten die Arbeiten A.'s über die von ihm am meisten gepflegten 
Theile der Physiologie. Unter seinen Verdiensten um die letztere ist auch die in 
der ärztlichen Welt jetzt allgemein geltende Ansicht über den Herzstoss anzuführen, 
die von ihm zuerst be-stinmit ausgesprochen wurde. — Nimmt man zu den im 
Vorstehenden angeführten Werken noch verscliiedene Abliandlnngen, die in TiEDE- 
mann's Zeitschrift für Physiologie, in v. Ammon's Zeitschrift fär die Ophthalmologie, 
in der S;ilzburger medicinisch-chirurgischen Zeitung, in den Oesterreichischen medi- 
einischcn Jahrbüchern u. s. w. veröfFentlicht wurden, so repräsentirt das Ganze 
eine höchst umfassende und erstaunliche literarische Thätigkeit, der sieh A. neben 
"ieinem 47 Jahre lang, bis zum Herbst 1873, bekleideten Lehramte, welchem zu 
allen Zeiten und bis zum letzten Augenblick seine beste Kraft gehörte, gewidmet 
hat. Sein ungemein klarer und anschaulicher Vortrag, die rastlose und unermüd- 
liehe Belehrung und Anregung bei den Kecirttbungen Seitens eines Lehrers , dessen 
Bedeutung als Forscher und Gelehrter auch jedem Neuling bekannt war und dessen 
äussere Erscheinung mit jener im glücklichen Einklänge stand, konnten ihren 
Einfluss auf die jungen Mediciner nicht verfehlen. Fleiss und wissenschaftliches 
Streben wurden gutes Herkommen unter denselben, und sie erwiesciu ihrem Lehrer 
eine treue und dankbare Anhänglichkeit um so lieber, als der gefeierte Mann, 
dessen ganzes W^esen vom tiefsten Ernste getragen schien, bei dem lebhaften und 
ira heiteren Tone gepflegten persönlichen Verkehr ein herzliches Entgegenkommen 
md ein wohlwollendes Verständniss für alles Thun und Denken der akademischen 

Ju«rend offenbarte. 

Knaaff bei v. Weecli, I, pag. 8. — Calliseu, I, pag. 235; XXVI, pag. 8:^. — 
Eugelmaiin, pag. 25 ; Supplementheft pag. 8. G u r 1 1. 

* Arnold, Julius A., Geheimer Hofrath und Professor der pathologischen 
Anatomie an der Universität zu Heidelberg, ist am 10. August 1835 zu Zürich als 



202 ARNOLD. — ARNOTT. 

Sohn von Friedrich A. (s. oben) geboren, studirte in Heidelberg, Prag, Wien ttnd 
Berlin, war Schüler von Viechow, Friedeeioh, Duohbk, C. 0. Werbe u. A., wurde 
am 14. November 1859 mit der Dissertation „ Ueber die Bindehaut der Hornhaut 
und den Qreisenbogen^ (Heidelberg 1860) zum Doetor med. promovirt, ist seit dem 
13. April 1866 Professor der pathologischen Anatomie und Director des patho- 
logisch-anatomischen Instituts und hat folgende Schriften und Aufsätze verfasst: 
,yDa^ glatte Muskelgewebe^ (Leipzig 1870) — „Anatomische Beiträge zu der 
Lehre von den Schtisswunden^ (Heidelberg 1873) — „Beiträge zur Entwick- 
lungsgeschichte des Auges^ (Heidelberg 1874) — „Linse und Strahlenplättchen^ 
(Handbuch der Ophthalmologie von Geaefe-Sakmisch). — In Virchüw's Archiv 
finden sich vom XXIV. Bande (1862) ab, wo eine Arbeit „Ueber die Endigung 
der Nerven in der Bindehaut des Augapfels" die Reihe eröffnet, in fast ununter- 
brochener Folge der Bände werth volle Untersuchungen A.'s, die sich auf die ver- 
schiedensten Gegenstände aus der- Histologie und der pathologischen Anatomie 
beziehen. Da eine Aufzählung unmöglich , seien der chronologischen Anordnung 
folgend nach besonders diejenigen über die Sympathicusganglieuzellen , die Steiss- 
drüse, die Structur der Nebennieren, die Neubildung glatter Muskelfasern in 
pleuritischen Sehwarten, die Glomeruli caudales der Säugethiere, das Septum der 
Herzarterien , den Bau der Psammome , die Entwickelung der Blutcapillaren , die 
Schädelsarcome, tlber Diapedesis, das Verhalten der Blutgef^sswandungeu bei der 
Emigration , die Kittsubstanz der Epithelien die Abscheidung indig-schwefelsauren 
Natrons aus Muskel-, Knochen- und Knorpelgewebe, die feinere Structur der Zellen 
unter normalen und pathologischen Bedingungen (sc. der Zellen in den Geschwülsten) 
hervorgehoben. Aus den letzteren Jahrgängen (1881 bis 1882) stammen die im 
nämlichen Archiv publicirten Beiträge zur Anatomie des miliaren Tuberkels 
(Bd. LXXXII — LXXXVHl) und die Beobachtungen über Kerne und Kemtheilun^en 
des Knochenmarkes. (j 

Arnold, Thomas A., lebte um die Mitte des 18. Jahrhimdert^, geboren 
in Leicester , wo er ein Irrenhaus gründete. Seine Publicationen bezogen sieh 
ausschliesslich auf psychiatrische Themen (ausser einer Mittheilung über einen 
Fall von Hydrophobie 1793, und betitelten sich: „Observations on the nature, 
kinds, causes and prevention of insanity*' , in zwei Bänden (1782 und 1786: 
nochmals aufgelegt 1806) — „Observations on the management of the insane 
and particularly on the agency and importance of human and kind treatment 
in effecting their eure", — A. war Mitglied des College of London und der Royal 
medical society von Edinburg, als er 1816 starb. 

Dictionnaire historique, I. , Red. 

Arnott, Neil A., Arzt zu London, Erlinder des Wasserbettes, wurde am 
15. Mai 1788 zu Arbroath iuAngusshire geboren, besuchte die Schule zuAberdeen, 
wo er ein Mitschüler von Lord Byron war, kam 1801 in das dortige Marisehal 
College und war daselbst ein eifriger Schüler von Copeland, des Professors der 
Physik. Er begann dann das Studium der Medicin in Aberdeen, kam 1806 nach 
London und wurde ein Schüler von Sir Evbrard Home im St. Georgs-Hospital. 
Derselbe beschäftigte sich damals besonders mit der Behandlung von Strictnren 
und auch sein Schüler erlernte bald die Behandlungsweise derselben. Daher kam 
es, dass der Lehrer dem an einer Strictur leidenden Capitän eines Ostindienfahrcr« 
den Schüler 1807, wo er noch nicht 11) Jahre alt war, empfahl, um Jenen auf 
der langen Seereise von seinem Uebel zu befreien. So machte A. seine erste Reise 
nach China und benutzte dieselbe zu physikalischen und meteorologischen Beob- 
achtungen, ftthrte auch in dieser Zeit an dem Capitän die damals neue Punctiou 
der Blase vom Damme her aus. Nach England 1809 zurückgekehrt, machte er 
1810 eine zweite Reise nach China und hatte bei dem Transport von Truppen 
auf diesen Reisen eine besondere Veranlassung, seine Aufmerksamkeit verschiedenen 



ARNOTT. 203 

Gegenständen der Hygiene, wie der Ventilation, Temperatur, Bekleidung, Ernäh- 
rung, Uebung u. 8. w. zuzuwenden, wobei er sich den Bank der Militärbehörden 
verdiente. — 1811 lies8 er sieh in London als Arzt nieder; seine KenntnisH des 
Spanischen, das er in einem sttdamerikanisehen Hafen erlernt hatte, bewirkte, dass 
er bald darauf Arzt der spanischen Gesandtschaft wurde, etwas später auch der 
französischen Oesandtsehaffc und ärztlicher Berather der französischen Flüchtlinge 
m Camden-town. 1813 wurde er Mitglied des (yollege of Surgeons, 1814 Doctor 
derMedicin der Universität Aberdeen und 1817 Licentiat des College of Physicans. 
1813 hielt er, obgleich er in voller praktischer Thätigkeit sich befand, einen 
Cycluft von Vorlesungen über Physik in ihrer Anwendung auf Medicin, wodurch 
er unter den Mitgliedern seines Standes sehr bekannt wurde. 1825 wiederholte 
er diese Vorlesungen 5 dieselben wurden die Grundlage seiner zuerst 1827 
erschienenen „Elements of physics or natural philosophy, gener al and medical, 
fjrplatned independendy of technical mathemattes** , eines Buches, welches solches 
Glflck machte, dass innerhalb einer Woche die erste Auflage verkauft war und in 
wenigen Jahren nicht nur eine Reihe von Auflagen erschien (5. edit. 1832), sondern 
dass es auch in fast alle europäischen Sprachen tibersetzt iMirde (deutsch nach der 
3. Aufl. Weimar 1829, 1830). Der anregende und populäre Styl, die einfache 
and verständliche Sprache, in welcher das Buch geschrieben war, die klare Aus- 
einandersetzung der physikalischen Erscheinungen hatten dasselbe zum Liebling 
des grossen Publicums gemacht und auch die Wissenschaft nahm dasselbe gut auf, 
wie aus den Empfehlungen, welche ihm von Seiten Hbrschsl's und Whewbll's zu 
Theil wurden, hervorgeht. A. wurde darnach auch Mitglied der Royal Society. — 
1832 beschenkte er die Welt mit der segensreichen Erfindung des hydrostatischen 
oder Wasserbettes, zum Schutze gegen Decubitus. Als 1836 die Londoner Univer- 
sität gegründet wurde, TiTirde er zum Mitgliede des Senates derselben und 1837 
zum ausserordentlichen Leibarzte der Königin ernannt. Von da an bis zum Jahre 
1855, wo er sich von der Praxis zurückzog, um sich ganz wissenschaftlichen Arbeiten 
sanitärer Natur widmen zu können , befand er sich auf der Höhe seiner praktischen 
Laufbahn. 1838 publicirteer sein Werk „On uoarming and ventilatiny** (neue Auf- 
lage 1856) in welchem er mit grosser Klarheit die Physik der Kamine und den seitdem 
unter seinem Namen bekannten Ofen beschrieb. In demselben Jahre erstattete er. 
xusammen mit Dr. Kay (dem späteren Sir John Kay Shdttlewoeth) und Dr. Soüth- 
WOOD Smith einen Bericht über den Typhus in London, in welchem gezeigt wurde, 
dasB die Ventilation der Wohnstätten die beste Präventivmassregel dabei sei. Im Jahre 
1840 wurde er von der Poor Law Commission beauftragt, über den Typhus in Ediu- 
bürg und Glasgow zu berichten, bei welcher Gelegenheit er eine sehr vollständige 
Uebersicht über den Einfluss sanitärer Massregeln auf die Verhütung von Krank- 
beiten gab. Er machte dann seine Ventilations-Schornsteiusklappe, als das bequemste 
Mittel zur Ventilation gewöhnlicher Zimmer, bekannt und legte einen umfassenden 
Plan zur Ventilation öffentlicher Gebäude vor; er erfand auch einen Feuerrost 
ohne Rauch. Aerztliche und andere Geschäfte hinderten ihn mehrere Jahre lang 
wine „Physik", die längs vergriffen war, von Neuem herauszugeben. 1861 ver- 
öffentlichte er „Ä survey of human pro gress** ^ voll von interessanten Bemerkungen 
über den in die Bildung der Menschheit gemachten Fortschritt. 1864 erschien die 
lange versprochene Ausgabe der Physik, der ein zweiter Theil folgte, welcher zum 
ersten Male die Optik und Astronomie behandelte und mit einem interessanten An- 
hange „Arithmetic simplified*^ versehen war. Seine letzte Publication war ein kleines, 
1870 herausgekommenes Werk über „National edtication**. — A. vereinigte mit 
«einer Erfindungsgabe ein seltenes Talent der klaren und populären Auseinander- 
j^etzung und einen musterhaft durchsichtigen und interessanten wissenschaftlichen 
J^tyl. Die grosse Aufgabe seines Lebens war, die Wohlfahrt Anderer herbeizuführen, 
nicht aber Geldgewinn daraus zu ziehen. Wissenschaftliche Institute wurden von 
seiner Grossmuth reichlich bedacht. So gründete er ein Stipendium für Experi- 
mentalphysik bei der Londoner Universität, gab 1000 Pfund an die Universität 



V 



204 ARNOTT. — ARNTZENIUS. 

Aberdeeu zur Gründung: eines ähnlichen Btipendinmfl und wendete dieselbe Summe 
den drei anderen schottischen Universitäten von St. Andrews, Glasg'ow und Edin- 
burg zu und ausserdem 500 Pfund der Mechanies Institution zu Aberdeen. — 
Seit dem Jahre 1858 hatte nach einer Erkältung sein Gehör gelitten, und 1872 
fand in Folge eines schweren Falle,«*, bei dem sein Kopf verletzt worden war, eine 
erhebliche Einbusse an seinen geistigen Fähigkeiten statt. Er starb am 2. März 
1874 hochgeehrt im 87. Lebensjahre. 

British Medical Journ. 1874, I, pag. 330. — Laiicet. 1874, T. pag:. 388. — Muiik, 
111, pag. 161. (,^^.1^ 

. *ArDott, James A., im AufMuge unseres Jahrhunderts geboren, in 
Aberdeen 1825 promovirt, lebt als hochgeachteter Veteran der Chirurgie in London 
uud ist der Verfasser von „ Treatises on the anaesthetic and remedial properties 
of congelation" , — einer Preisarbeit über Urethralstricturen und der Contributions 
to practical medecine and surgery (1864). Noch 1871) veröffentlichte er in Med- 
times and gaz. „Observations on the treatment of Cancer^, j^^^ 

* Arnould , Jules Hippolyte A., wurde zu Salonnes (Meurthe) im 
September 1830 geboren, genoss in seiner Pariser Studienzeit den Unterricht 
GrBLER's, Oülmont's, Lellier's und später zu Strassburg, wo er 1857 promovirt 
Murde, den von SChützenberger, Herrgott und Hirtz. Schon vorher war er 
als M6deein militaire in der Krim und in Algier thätig gewesen, fungirte dann als 
Professeur agr^ge am Val-de gräce, machte den deutsch-französischen Krieg mit, 
um nach einer mehrjährigen Wirkungsperiode an der Milltärschnle in St. Cyr Leiter 
de« Garnisonsspitals zu Lille und an der dortigen Faeultät Professor der Hygiene 
zu werden, und zwar seit 1876. A. hat sich durch eine Reihe von Arbeiten 
ff lieber Typhen^ und ^Malarialcrankheiten^ verdient gemacht, die in den Arch. 
de m6d. , der Gaz. m^d. de Paris , den Ann. d'hyg. vorzugsweise in den Jahr- 
gängen seit seiner letzten Anstellung publicirt sind. Doch sind daneben auch 
Arbeiten „lieber Phthisis*^j eine iXhGr „Anthropomefrie^ und besonders die 1881 
in Paris erschienenen „Nouveaux elements dJhygihie^ zu nennen. — Die 
ihm neuerdings eröffneten Wirkungskreise sind die des Generalsecretärs des 
Hygienerathes im Departement Nord uud des Directeur du service de sante im 
I. Armeecorps. Wernich. 

ArDOUX, P i e r r e - A l e X a n d r e A., Chefarzt bei der französischen Marine, 
war zu Rochefort am 22. Juni 1807 geboren, erwarb die Doctorwflrde zu Mont- 
pellier 1834 mit der These: „Scorbut chez les marins^ und schrieb weiter noch 
Folgendes: „Rapport chirurgical adresaS au Conseil de sante de la Guade- 
loupe sur les SvSnetnents qui 07it accompagnS et suioi dans cette ville le trem- 
bUment de terre du 8. fSvrier 1843" (Journal officiel de la Martinique 1843) — 
„Rapport sur le inouvement des malades h Vhdpüal de la Pointe-h-Pitre en 
1843 et sur Vinfluence que le tremblement de terre a exercSe sur la sanft 
publique dans la colonie" (Annal. marit. et colon. 1844, T. LXXXVIII) — 
,j Luxation en arrih'e de VextrSraite sternale de la clavicule** (Gaz. des hopit. 
1848). Er starb zu Fort - de - France (Martinique) am 24. Mai 1862. 

Berger et Rey, pag. 4. G. 

Arntzenius, Wilhelm A., genannt als Autor des „A/nicum de quodam 
inorbo dissidiuni^ (Neomagi 1734). — Dietrich Johann A. ist der Beschreiber 
der ersten Choleraepidemien in den Niederlanden : yy Brief over de Wij\€ van 
Entstaan van den aziatischan BraaJcloop te Scheveningen" (Amsterdam 1832): 
mehrere Aufsätze verwandten Inhalts erschienen von ihm im nämlichen und un 
folgenden Jahre ebenda,»4elbst. Ferner ist er der Verfasser einer „Coinmentatio de 
cnusis praedisponentibus herniarmn abdominalium^ , deren Druckort und Dniek- 
jahr sich im Index-Katalog nicht angegeben findet. j^^^l 



AROMA TARI. — ARONSSOHX. 205 

Aromatari, Giuseppe A. (Aromatarius, de Aromatariis), wurde 158G 
«reboreu. Um ihn streiten . al» Geburtsorte Favera (in Camerino; und Assisi Cin 
Spoleto). Der Vater A. , ebenfalln Arzt, aber als »Schriftsteller nicht bekannt, 
sorgte iilr eine sehr exacte Vorbereitung zum Btudium, welches Giuseppe A. in 
Peru^a begann und in Padua beendete. In Venedig, wo er sich niederlioss, 
beschloft* er sein Leben im Juli 1660, unerschtittert seiner erwählten Thätigkeit 
tren, wiewohl ihm von England her, vom Papst Urban VIII. und vom Herzog von 
Mantua glänzende Stellungen angeboten wurden. Seine kritischen und literarästh(v 
rischen Leistungen hier ausser Ketracht lassend, heben wir die „Diasertatlo de 
raUe contagiosa^ (Venedig 1625, Frankfurt 1626) hervor, welche bei der Origi- 
nalität der im bevorwortenden Briefe entwickelten Ansichten ausreichte, A. berühmt 
zn machen. In diesem an Barthelemy Nanti gerichteten Briefe greift A. so 
scharf und schlagend die damals noch vollkommen in Curs befindliche Generatio 
.lequivooa an, dass er als directer Vorläufer der späteren Vertreter der Keimtheorie 
■♦clbst der heutigen mikroparasitäron Lehre) l»ezeichnet werden kann. 

Biographie medicale, I. Red. 

Aronssohn, zwei el«äs8isch-h)thringische Aerzte. Der Vater, Jakob A., 
war aufönglich Arzt des Civilspitals zu Pont - ä - Mousson , dann Cantonalarzt zu 
Sarre- Union (Bas-Rhin) und einer der eifrigsten Förderer der . Vaccination bis zu 
'tcinem im 86. Lebensjahre (1845) erfolgten Tode. — Sein berühmterer Sohn 
Jaeques-L6on, Arzt in Strassburg, am 2. Mai 1793 zu Metz geboren, wurde 
1^09 bei der Strassburger Facultät inscribirt, wurde Externe bei dem Chef-Chirurgen 
des Civilspitals Mabchal, erlangte 1822 die Doctorwüi^e mit der Dissertation: 
Mservations sur lea Uimenrs developpees dans les nerfs^^ und erhielt darauf 
die für ihn auf den Wunsch von Marghal geschaffene Stelle eines Chirurgieu- 
adjoint des Hospitals. Mit der deutschen Wissenschaft und ihren Vertretern längst 
Ijekannt, suchte er durch eine Kcise nach England jetzt auch nach dieser 
Richtung hin seinen Gesichtskreis zu erweitern, wurde 1823 Agreg6 der 
Facultät, las tiber die sypliilitischeu Krankheiten und vertrat zu wiederholten 
Malen LoBSTEix in dessen niedicinischcr Klinik. Nach dessen Tode (1836) 
l»ftheiligte er sich in li ervorragender Weise au dem Coucurse für die Wieder- 
liesetzung der Stelle und verfasste in demselben Jahre dazu die geschätzte 
< 'oncurs-These r^App recht ton des profjrcs rccents du dtagnoHtlc'* (4.). In diese 
Zeit fiel auch die grösste Ausbreitung seiner ärztlichen Thätigkeit. Als er wegen 
niies Halsleidens sich nach Neapel begeben musste, wurde er daselbst, wie in 
li'mi und Nizza, von den höchstgestellten Persönlichkeiten consultirt; auch wurde 
»r zum consultirenden Leibarzt Ludwig P h i 1 i p p's , sowie zum Epidemien-Arzt 
ernannt. Seine: „ Memo i res et ohservationa de medeclne et de Chirurgie pratiques^^ 
1836) enthalten eine Reihe interessanter Abhandlungen, nämlich das 1. Heft 
deren fünf: ,,Sur Vintroduction des vers dans les voies aSriennes^ — nSur 
quelques points de Vhistoire des hernies" — „Sur le titanos" — „Sitr le 
traitement des brülures par les lotions chuudes de terSbenthitie^ ; das 2. Heft 
«•inen „Campte rendu de la clinique de la Faculte" während der fünf Monate 
"H'iner Vertretung der Klinik. Ausserdem lieferte er Beiträge zu den berühmten 
Abhandlungen von LOBSTEIN über den Nervus sympathicus und über patho- 
logische Anatomie. Es seien noch erwähnt seine ^Introduction" zu dem von 
Kacla aus dem Deutschen tibersetzten „TraiU sur les eaux nunerales du ducke 
de Nassau etc." (Wiesbade. 1853), Arbeiten über Entzündung und Scropheln (1860) 
und der im Namen der Strassburger medicinischen Gesellschaft an die Pairs- 
kammer gesandte Bericht, betreffend ein y, Projet de loi d^ Organisation m{'dicale" 
'1847). — A.'s Tod erfolgte am 8. September 1861, nachdem er 40 Jahre lan<r 
in der medicinischen Praxis zu Strassburg und in den ärztliclien Departements den 
ernten Rang eingenommen hatte. 

31 i c h e 1 L e vy bei D e c h a iii b r o , VI , pa<r. 166. (i ii r 1 1 



206 ARQüATO. — ARRÜTTI. 

Arquato. Ausser einem mit Astrologie beschäftigten Arzte Antoine A. 
in Ferrara gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts ist Giovanni Francesco A. 
erwÄhnenswerth, der, in Treviso (Venedig) geboren, in den ersten Jahrzehnten des 
17. Jahrhunderts in Pordenoue (Pieraont) und später in Venedig selbst thätig war. 
In teinem „Medicus reformatus" (Venedig 1608 und 1618, Theil 11 daselbst 
1622) kämpfte er lebhaft gegen den Missbrauch des Aderlasses. Zwei ihm zuge- 
schriebene Werke (von MazzüCHELLI nicht en^^ähnt) sind: „Tesoro della vera 
perfetta medicina nniversale per la solute e conservatione de principi*' (Venedig 
1621) und ein „Propugnaculo fortissimo contro la peste^ (Triest 1626). 

Biographie medicale, I. Red. 

Arroes, Eduardo Madeyra A. , im Städtchen Moimenta der portu- 
giesischen Provinz Beira gegeu Ablauf des 16. Jahrhunderts geboren, wirkte vor- 
wiegend in Lissabon. Seine Studien, die neben der Medicin besonders Poesie und 
Philosophie umfassten, begann und vollendete er in CoYmbra, um nach einigen 
hervorragenden Erfolgen in der Praxis schon in jungen Jahren Leibarzt Johann II. 
zu werden. Abgesehen von zwei nur als Manuscript vorhandenen grossen Werkeu 
f „Anatomia do Cahallo^ ' und „Observagoens medicas") richtet sich seine im 
strengeren Sinne wissenschaftliche Forschung besonders auf den „Morbus Galliens^, 
dessen Prognose, Ursachen und Heilmittel er in einem in portugiesischer Sprache 
geschriebenen zweibändigen Werke (Lissabon 1642) ausführlich erörtert, und auf 
die „Cojnpltcationen der eifrigen Hariiröhrenentzündung^ (Lissabon 1638 und 
1683, mit einem Commentar von F. H. Mieandella, ebendaselbst 1715). Seine 
sonstige Richtung wird 'bezeichnet durch die „Novae philosophiae et medictnae 
de occultis qualitatibus a neniine unquam exculta pars prima philosophici^ ei 
medicis pernecessaria, theologis vero apprime utilis etc,** (Lissabon 1650). — 
Daneben wurde dem A. gleichzeitig eine unübertroffene manuelle Geschicklichkeit 
in den subtilsten Operationen nachgesagt. Im Juli 1652 starb er. 

Biographie niMicale, I. Red. 

Arragosi, GuillaumeA., aus Toulouse, gfeboren 1513, gestorben 1610. 
studirte Medicin in Montpellier (1551), war Leibarzt dreier französischer Könige 
(Heinrich II. , Franz II. und Karl IX.) und des Kaisers Maxmilian IL Mehr als 
80 Jahre alt, zog er nach Basel, wo er die Gastfreundschaft des Arztes und 
Chemie-Professors Jakoö Zwinger genoss, in dessen Hause er auch im Alter von 
97 Jahren starb. Unter seinen hinterlassenen und an den Gastfreund vererbten 
Schriften fand sich eine Dissertation: „De natura et viribus Hydrargyri^ in 
Form eines Briefes an Paul Jovius in Florenz, der, 1597 niedergeschrieben, erst 
1710 von einem Urenkel Zwinger'« zum Drucke gelangte. Vgl. „Fasciculuii 
Dissertationum Medicarum selectiorum a Theodoro Zuingero editiis^ (Basileae 
1710 in 8^). In dieser Schrift klagt A. , dass Chirurgen und Barbiere die Natur 
des Quecksilbers nicht kennen, auch die Krankheitsformeu , gegen die es zur 
Anwendung gelangt, wenig berücksichtigen, und da sie blos gegen SjTuptonie 
(Schmerzen , Schwellung und Geschwüre) roh verfahren , so schaden sie mehr als 
die Syphilis Nachtheile bringen könnte. Ein zweiter Brief von A. an den kai?. 
Leibarzt Johann Crato, datirt zu Wien 1575, findet sich bei Laürentius Scholz: 
„Volumen Epistolarum philosophicarum , medicinaliuin et chimicarum etc."" 
(Francofurti in fol. 1589), handelt über die chemische Daratellung von Extracteu. 
In dieser Schrift erklärt er sich als Anhänger der Paracelsischen Mittel, wiewohl 
er dessen Lehren nicht billigte. 

V. Astruc, De morbis veaereis, Venetiis 171)0, T. II, pag. "ZO'l. Grünfeld. 

Arrutti, Eugenio Francesco de A. (Aruti), war in den ersten 
Jahrzehnten des gegenwärtigen Jahrhunderts Arzt in einem Städtchen Biscayas, 
San Sebastian. Er Hess daselbst 1824 eine Abhandlung: „Ueber das Gelbfieber^, 
rrespeetive eine Epidemie desselben) erscheinen, welche er im August und September 



ARRÜTTI. — AKUTI. 207 

1823 in dem kleinen Seehafen Passages angewohnt hatte. Ein Anozug davon ging 
in Gbrson nnd Julius' Magazin der auRländischen Heilkunde über (Bd. IX, 1825). 
Callisen, I. Red. 

Artedi, Peter A., schwedischer Naturforscher, geboren 1705 in Anger- 
manland, studirte von 1727 — 1734 in üpsala zuerst Chemie, erviarb aber nachher 
durch seine Lehrer Robero und Olof Rudbebg den Jüngeren gründliche 
medieuiisehe und naturgeschichtliehe Kenntnisse unter gleichzeitigem intimen Umgang 
mit dem jungen LiNNft. Beide strebten sie durch Wahrnehmungen und Ent- 
deckungen in Betreff der Kenutniss der Fische einander zu übertreffen, aber 
LiNNE musste bald zugeben, dass er A. hierin nicht gewachsen war. Ichthyologischer 
Studien halber reiste A. 1743 nach England und im folgenden Jahre von dort 
nach Holland, woselbst er mit seinem Jugendfreunde Linke zusammentraf. lu 
AuLsterdam wurde ihm augeboten, die grösste damals existirende Fischsammlung 
2U beschreiben; als diese Beschreibung beinahe vollständig fertig war, ertrank 
A. in einer dunklen Nacht in einem der Canäle der Stadt 1735. Der Titel seiner 
binterlassenen von LiNNÄ redigirten Schriften ist: „Petri Artedi Siieci, Medici, 
Ichthyologta sive opera omnia de pücibtis, scäicet: Btbliotheca ichthyologica, 
Phäosophia ichthyologica. Genera piacium. Bynonomia apecierum, Descriptio 
spederum, Omnia in hoc gener e perfectiora, quam antea ulla, Posthuma 

vindicavity recognovit, coaptavit et edidit Carolus lAnna^eus" (Lugd. Batav. 1738). 

Hedenius. 

Artemidorus, A. Capito, ein Erklärer der Schriften des Hippokrates, 
vohl aus der Zeit Hadrian's, den Galen wegen willkürlicher Aenderung des 
Teiles tadelt. 

Galen, XV, 21. 

A. de Sida in Pamphilien, wird einige Male von Caelius AuRELiANri;!, 
als der erasistratäischen Secte angehörig uud mit einer Theorie über die Hydro- 
phobie citirt. — A. von Ephesus (Daldianusj war ein zur Zeit des Hadrian 
uud Antoninus Plus in den Mittelmeerländern herum abenteuernder Astrolog und 
Chiromant, der sich durch oft edirte und übersetzte Libri V de insomniis einen 
Nachruhm erwarb. Helm reich. 

Arthaudy Charles A., wirkte als Arzt im letzten Decenuium des 18. Jahr- 
hunderts zu Cap Fran^ois auf St. Domiugo. Von ihm erschien, zugleich mit Vor- 
schlägen zu einem Reglement, welche an die Nationalversammlung gerichtet waren, 
versehen: „Obaervations sur les lots concernant la mSdecine et la Chirurgie 
dans la colonie de St, Domingue" , sowie casuistische Mittheilungen (Fall von 
Hydrophobie) in der Gaz. de saut6. — Julies A., lebte in den Zwanziger-Jahren 
dieses Jahrhunderts als Physiologe in Paris und gab Forschungen ü])er die 
Organisation der Milz (Joum. des progr. des sc. med. 1827) heraus. 

Callisen, I. Red. 

Artorius, Marcus A. , ein Schüler des Asklei'IADES , war Arzt des 
Caesar Octavianus, dem er in der Schlacht bei Philippi das Leben rettete. Durch 
ein Traumgesicht, wie es heisst, war er von der seinem Herrn drohenden Gefahr 
unterrichtet worden und bewog denselben , der an einer schweren Krankheit 
danüederlag , nicht im Lager, das im Verlaufe der Schlacht von Brutus erobert 
^urde, zurückzubleiben. Octavianus liess sich in einer Sänfte in die Schlacht 
tra^n und entging so der Gefangenschaft. A. kam 10 Jahre später, nach der 
Schlacht bei Actium durch Schiffbruch um's Leben. In Smyrna wurde ihm ein 
Grabmal errichtet. Er schrieb nach Cael. Afrel. acut. III, 14 „Ueber dif 
Wasserscheu" und nach Clem. Alex. Paedag. II, 2, pag. 153 „ Ueber Makrobiotik" , 
Vell. n, 70; Valer, Max. I, 7, 1 ; Pl,ut. Brut. c. 41 ; Dio. Cass. 47, 41. 

Helmreich. 

Aruti, s. Arrutti. 



:^08 ARZELATA. — ASCHERSON. 

Arzelata, s. Argellata. 

Asbury, Jacob Vale A. , Arzt zu Eafield iu Middlesex, war um 
ITJJl geboren, wurde ein Zögling des Middlesex - Hospitals in London und war 
sieben Jahre lang Prosector des pathologischen Anatomen Joshua Brooks. Er 
war Lehrling von Dewint zu Stone in Staffordshire und brachte seine früheren 
Lebensjahre in den Bergwerks - Districten dieser Gegend zu. 1816 wurde er Mit- 
j2:Iied des Royal College of Surgeons und Licentiat der Apotheker-Gesellschaft und 
verfasste einen Aufsatz im Lond. Med. Reposit., Vol. 8, 1817, iu welchem er ein 
Instrument zur Function des Trommelfelles beschrieb. — 1820 lies» er sich in 
Euflald nieder und wurde bald Arzt der Parochie» Er schrieb sieben Jahre 
später „A treatise of epidemic cholera , lllustrnting a new theory of fhe 
(lisease etc,^ (London 1833). Seine Cholera - Tinctur wurde in grossen Massen 
nach Indien gesandt. • — Gegen Ende des Jahres 1852 richtete er in Folge von 
v(>rgekommenen schweren Eisenbahn-Unfällen seine ganze Aufmerksamkeit auf die 
Construction von Apparaten , die in den Eisenbahnwaggons angebracht werden soliü^n. 
um bei Zusammenstössen deren Gewalt zu verringern. Diese Apparate, die sowohl 
an den Sitzen der Waggons, als auch in dem Gepilek- und Sicherheitswagen 
angebracht werden, wurden im Februar 1853 unter dem Namen: „Asburj-'s 
Diasostikon" pateutirt. — Sein Tod erfolgte am 21. Juni 1871. 

Med. Times and Gaz. 1871, II, pag. 87. — British Med. Jouni. 1871, II, pag. 195. 
— Callisen, I, pag. ;i5I; XXVI, pag. 89. G. 

Asch , Georg Thomas, Freiherr oder Baron von AsCH (nicht 
Asche), wurde 1729 in St. Petersburg geboren, woselbst sein Vater Friedrich A. 
P(>stdireetor war. Er begab sich zu seiner wissenschaftlichen Ausbildung iu's 
Ausland, bereiste Belgien, England, Frankreich und wurde vor Beendigung seiner 
Studien in Göttingen am 19. August 1750 zum Doctor der Medicin promovirt. 
Seine Inaugural-Abhandlung : „De primo pore nervorum medullae. nplnalls^ ist 
unter der Leitung Haller's entstanden. Haller sagt in einer der Dissertation 
beigefügten Widmung, er habe A. erprobt, und zwar: „In theatro anatomico 
soclum asstduym , in praeliCtitnUma perpetuum axiditorem, et gravi morhv 
amantem custodem.^ Die Dissertation giebt eine ausführliche durch gute Ab- 
bildungen erläuterte I^esehreibuug des Ursprungs und des Verlaufs der ersten 
Cervicalnerven des Menschen. Nach St. Petersburg zurückgekehrt, wurde A. Militär- 
arzt und während des Türkenkrieges Generalstabsarzt der russischen Armee, und 
später ältestes Mitglied des mediciuischeu Collegiums zu St. Peters))urg. Er starb 
am 23. Juli 1807 in Göttingen. — Peter Ernst, Freiherr oder Baroii 
V o n Asch, war ein Bruder des vorhergehenden. Sein Geburtsjahr und der Tag der 
Geburt sind nicht zu ermitteln. Er studirte in Göttingen Medicin und wurde nach 
Vertheidigung seiner Inaugural-Abhandlung : ^ De natura spermatis ohservatiomhus 
niicroscopii indagata^ 1756 zum Doctor der Medicin promovirt. Seine Lehrer 
waren insbesondere J. G. Zik und J. S. Roedeher,- der bekannte Geburtshelfer. 
Im siebenjährigen Kriege war A. Feldarzt, dann siedelte er nach Moskau ül)er, 
woselbst er bald in den Ruf eines ausgezeichneten Praktikers gelangte. Im Winter 
1770 — 1771 war er während der in Moskau grassirenden Pest in der Stadt. 
Sein Todesjahr ist unbekannt. L Stieda. 

AschersoD, Ferdinand Moritz A. , Gebeimer Sanitäts - Rath und 
l*rivat - Docent an der Universität zu Berlin, war am 29. März 1798 zu Fürth 
geboren, als Sohn eines Kaufmannes, genoss zuerst Privat-Unterricht, besuchte seit 
1807 die Franz -Schule zu Dessau vier Jahre lang, erlernte zu Magdeburg die 
Goldschmiede-Profession, machte 1815 als Freiwilliger im preussischen 8. Husaren- 
Regiment den Feldzug mit, studirte von November 1824 an in Berlin Medicin 
und wurde daselbst 18i?7 Dr. med. mit der Dissertation: „De fiingis rfnenati^" . 
einer Preisscbrift , die 1828 auch unter dem Titel: „Cotnmentafio a Factdtatf 



ASCHEHSOX. — ASCHOFF. Wi\ 

med. Univera^ UtL Beroliiu praemw mireo omata'^ erschien. 1828 liess er nicli 
als praktischer Arzt m Berlin nieder. Im Juli 1832, nachdem er inzwischen eine 
jfPhamiaceutische Botanik in Tabellfonn" (1831), [Anleitung zur Kcnntniss der in 
der Pharmakopoe aufgeführten und anderer Pflanzen] und die y,Beschreibun(j 
tragbarer Dampfbad- Apparate, Im Auftrag der kÖnigL Immediat-Commissiou 
zur Abwehr der Cholera^ (1831) herauftgegeben hatte, habilitirtc er sich bei der 
Berliner Universität al« Privatdocent , indem er dazu eine sehr geschützte patho- 
logisch -vergleichend -anatomische Schrift: „De Jistnlia colli cougenttis, adjecta 
ßssurarum bronchialium in mammaWjus avibusque historia succincta^ verfasste. 
Er gab femer heraus eine ^ Wöchentliche lieber sieht der medicinischen lAteratur" 
(18;{3), die indessen nur ein Quartal, October-Dccember 1833, erschien und schrieb, 
während er Vorlegungen über Toxikologie, Verbandlehre, Akiurgie hielt, eine Reihe 
von Aufsätzen, die in den folgenden Sauunelwerkeu und Zeitschriften erschienen: 
In RüSt's Handbuch der Chirurgie, Ikl. V — VII, etwa ein Dutzend Artikel aus den 
Buchstaben D — G; in der Medicinischen Zeitung de« Vereias für Heilkunde in 
Preussen 1834, 1835: ^^ Variola versicolor^ — „Tödtlich gewordene Venen- 
entzündung des rechten Armes^ — „ lieber eine merkwürdige Veränderung der 
Haut nach langwierigen Krankheiten^ ; in Casper*s Medicinischer Wochenschrift 
1835,1837,1838,1840: „Ueber Warzen^ — „Mikroskopische Ufitersuchnngen 
des Eiterpfropf s*^ — r,I)er weisse Brand^ — „Idiosynkrasie gegen Quecksilber** — 
„Ueber die Application des Katheters" — »Die Hauliechel (Ononis spinosa), ein 
Mittel gegen Rheumatismus" ; in MülLEr's Archiv 1837, 1840: ;, Ueber die relative 
Bewegung der Blut- und Lymphkörnchen in den Blutgefässen der Frösche'* 

— „ Ueber die Hautdrüsen der Frösche" — „ Ueber den physiologischen Nutzen 
der FettMojfe und über eine auf deren Mitwirkung begründete und durch 
mehrere neue Thatsachen unterstützte Theorie der Zellenbildung" (Uebersetzung 
einer im Xovembtr 1838 der Pariser Akademie der Wissenschaften überreichten 
Abhandlung). Ferner finden sich einige physikalisch-chemische Arbeiten von A. iu 
Poggendom-f's Aunalen, Bd. XXXXIV, XXXXVUI (1838, 1839): „Ueber dir 
Odtropfeny die in den Fortpflanzungskörpern der Pilze enthalten sind" — 
„Neues Verfahren, um Silberplatten gleichförmig mit einer beliebig starken 
Jodschicht zu iiherziehen" — „Billige Bemerkungen über die chemische Wirkung 
des Lichtes" ; femer im Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt (1844, 
1846), in den Verhandlungen der polytechnischen Gesellschaft zu Berlin u. s. w. — 
1842 wurde A. der Charakter als Sanitätsrath , 1862 als Geheimer Sauitätsrath 
verliehen. Seit 1854 hatte er keine Vorlesungen ^'ehalten ; am 19. Februar 1879 
erfolgte sein Tod. — A. verfolgte, neben der ärztlichen Praxis, die er lebenslang 
mit bestem Erfolge betrieb, eine streng wissenschaftliche, auf gründliche natur- 
wigsenschaftlichc Kenntnisse und Studien basirte Richtung, wie aus seinen im Obigen 
angefahrten zahlreichen, sehr mannigfaltigen Publicationen hervorgeht, und gehörte 
dadurch zu den wissenschaftlich gebildetsten Aerzten Berlins. Gurlt 

Aschoff, westphälische Familie, aus welcher mehrere verdienstvolle 
Apotheker und auch Aerzte hervorgegangen sind. Schon dem Ältesten Mitgliede 
Ludwig Philipp A., geboren 1758, gestorben 1827 in Bielefeld, hat nach 
Ludwig (Archiv der Phamiacie) dieser Wissenszweig viel zu verdanken. Noch 
mehr zeichneten sich seine Söhne Ludwig A. und Ernst Friedrich A. durch 
pliarraakognostische und pharmakologische Arbeiten aus. Speciell von dem Ijetztereii 

— wie sein Bruder Kreisdirector des norddeutschen Apothekervereins — rühren 
eine Reihe Einzeluntersuchungen Über verMschte Droguen, eine „Anweisung zur 
Prüfung der Arzneimittel etc." (Lemgo 1829) — „Ueber Extracte" — y,Ueber 
neues Medicinalgeuricht" — „ Ueber Auffindung von Jod und Brom in 
Salinen etc, " her. Abkömmlinge sind : C a r 1 H e i n r i c h A ., Sohn L u d w i g's A . , 
1799 geboren, Dr. Berolinknsis 1821 — * Ludwig A., Sohn des Apothekers 
gleichen Namens, ebenfalls in Berlin Tpromovirt 18G2); und ein verstorbener Bruder 

Biogr. Lexikon. £. 14 



•ilO A8CH0FF. — ASHßrUNEH. 

des letzteiTu Alb recht A., der eine j)iTis^'ekröute Arbeit „Veher Colchiciu** 
veröfteiitlieht liat. 

Ca 1 Ilsen und Ludwig's Archiv der Pharmacie. Red. 

Ascoli, Ceeco A. (1257—1327;, 1 )iebterarzt, of. J. Facen, Gaz. nied. 
italiana prov. veiiete. Padoiia 1801, IV, paj^. 213 — 31!>. ^^,1 

Asdrubali, FranceHCo A. , Professor der Geburtshilfe am Colloj,no 
della Bapieuza in Rom, war 1756 zu Loreto f»:eboren, studirte Mediein auf der 
Tlniversitnt zu Rom, woselbst ihm die 1786 errichtete Klinik der Geburtshilfe tiber- 
tragen wurde. Aueh wurde er Hebammeulehrer am Areispedale di San Rocce, 
Mitglied des (Kollegium medieum, Direetor der Klinik des Bezirk s-Entbindnngs- 
hauses. »Sein Tod erfolgte am 7. Juli 1832. — Seine »Sehriften sind: „Meinenti 
di ostetricia^ (T. 1, 2. Roma 1795, 11\)1) — y^Tmitato generale cU ostetricia 
teoretica e pratica^ (T. 1 — 5. Roma 1812j [darin: Felice 8EENIC0LI, „Saggio 
storico critico delV ostetricia^] — „Manuale cUnico di ostetricia*^ (Roma 1826). 

Bibllografla Romana. J, i)ag )lh — Callisen, 1, pag. 256: XXVI, pap. 92. 

G. 

Asellio, Gasparo A., Professor der Chirurgie und Anatcnnie zu Pavia, 
war um 1581 zu Creniona geboren, lebte grösstentheils in Mailand, w(» er das 
Bürgerre<*ht erworben hatte und itrztliche l*raxis ausübte. Er war aueh Proto- 
ehinirgus des kcVnigliehen Heeres in dem Cisalpiuisehen Kriege. Die Hauptent- 
deckung seines Lebens, die er am 23. Juli 1623 zu Pavia zutallig bei der 
Vivisection eines in der Verdauung begriftenen Hundes machte, war die Auf- 
findung der ChyluHgcfässe im Mesenterium, die er drei Tage spater hei 
einem neuen Versuche seinen Freunden, den berilhmten Aerzten Alessandro Tadino 
und Settala, demonstriren konnte. Freilieh beging er den Irrthum, dass er seine 
A^asa lactea sieh im l^ancreas vereinigen liess, um sich dann in die Leber zu 
ergiessen. (Keine Entdeckung wurde erst durch den schwedischen Anatomen Olaf 
RUDBECK vervollständigt, welcher 1650 den Uebergang der Lymphgefösse des 
Mesenteriums in den Ductus th(»racicus zeigte;. Als Pancreas Aselli wird auss^er- 
dem, wie bekannt, eine beim Hunde und anderen Thieren sich findende Zusammen- 
drängung der Mesenterialdrüsen zu einem Haufen }»ezeichnet. A. starb 1626 zu 
Mailand im Alter von 45 Jahren, und erst nach seinem. Tode erschien die seine 
Entdeckung enthaltende, V(m den genannten beiden Freunden herausgegebene 
Schrift, welche den Titel führt: „De lactibus, sive lacteis venis, quarto vasorum 
necessariorum genere novo invento, dissertatio, qua sententiae anatomicae muUae, 
vel perperam receptae convelluntUTf vel partim perceptae illnstrantttr etc, Morte 
praeventus ut ederetur curarunt Alexander Tadimis et Senator Septalius 
physici dp Coli, Xoh. Mediol. etc," (Mediolani 1628, 4.); weitere Ausgaben zu 
Basel 1628, Levden 1641, und zusammen mit den Werken von Adkian SpigeL 

7 * 7 

ZU Amsterdam 1645, in der Biblioth. anat. von DANIEL Leclerc und JAC. Makget 
zu Genf 1685). Die erste Ausgabe ist auch in artistischer und typographischer 
Beziehung sehr merkwürdig , indem sie Abbildungen der Därme in natflrlicher 
Grösse in mehrfarbigen Holzschnitten enthillt; in den späteren Ausgal>en sind 
dieselben durch sehr viel kleinere Kupferstiche ersetzt. 

MazzuolioUi, I, 2, pag. 1159. — Biogr. med, T, i)ag. 387. — Biet, histw. 

I, pag. 194. Gurlt. 

• 

Äsbburner, J<»hu A. in London, trat zuletzt mit ^ Kotes and sfudies 
in fite philosophy of aniinal magtietisin and spiritualism, With observations 
upon catan^h, bronchitis, rheumatisin y gout, scroftda and cognate diseases" in 
die ( )effentlichkeit , nachdem er lange vorher eine ziemlich mnfangreiehe Mono- 
graphie über Zahnen und es l)egleitende Krankheitszustände (London 1834) 
publicirt hatte. 

Index catalogue. Red. 



\ 



ASHHURfc^T. — ASKLEPIADES. xHl 

^Ashliurst, Jolin A., Arzt in Philadelphia, Hchriel) : „Injftries of the 
apim'* : with an analysis of nearhf 400 Cases'^ — und „The principles 
and practise of sunjery^ Tsehr umfanfrreichos Werk), weh'he ]»eide in Philadelphia, 
und zwar 1867, resp. 1871, orKchieneii. 

Index catalogue. Red. 

Ashton, Henry A., Arzt zu Walton in the Dale, Grafschaft Lancaster, 
war am 5. März 1813 zu Slaithwaite in YorkBhire geboren, wurde 1847 Licontiat 
der Apotheker-Gesellschaft in London, begann seine Praxis zu Rarasbottoin, ging 
jtdoeh 184II nach dem oben genannten Orte, wurde 1859 Licentiat des Royal 
College of I^hysiciaus in Edinburgh. Er war Mitarbeiter an der Laneet, an anderen 
niedicinischen Journalen und der Pro vinzial presse über sociale und sanitäre Gegen- 
stände und starb am 11. Mai 1875. 

Laucet 1875, IT, png. 366. G. 

Ashwell, Samuel A., Mitglied de^s köuiglichcu Collegs der Wundärzte 
und reuonimirter Geburtshelfer in London während der Zwanziger- und Dreissiger- 
Jahre. Sein Hauptwerk „A practical treattse on parturüion, coniprising the 
attendant ctrcumstanees and diseases of the pregnant and puerperal states; to 
irkich are appended two papers, the one containing some rernarks on abdominal 
'"^"rgery, the other on transfusion^ erschien in London 1828. Ein Xachmf findet 
.>ich im Med. circular von 1852. 

Callisen. Red. 

*Ask, Carl Jakob A., geboren in Skare 1825, studirte in Lund und 

\A daselbst seit 1858 Professor der Chirurgie und Geburtshilfe. Schriften: y^Halsens 

k't'mrgiska anatomii^ (Lund 1858) — „Oin ovariotomi" (Stockholm 1881). 

Hedenius. 

Asklepiades von Bithynien, ein im ersten Jahrhundert v. Chr. in Rom 
lebender hochberühmter Arzt , ist der Begründer des „methodischen" Systems. 
Vereinzelte Versuche, z. B. die des Archagathus, der Medicin bei den Römern Ein- 
drang zu verschaffen, waren an dem Hasse der rauhen Republikaner vom Schlage des 
alten Cato gegen das griechische Wesen gescheitert. Erst dem A. gelang es, sowohl 
die vornehmen Kreise wie das Volk durch seine allgemeine Bildung, seine hervor- 
ragende ärztliche Tüchtigkeit, seine Weltklngheit für die grie<^hische Heilkunde zu 
gewinnen. Von den früheren Lebensschicksalen des A. ist wenig bekannt. Wahr- 
!<eheinlieh wurde er 124 v. Chr. in Prusa in Bithynien geboren. Sicher ist, 
diisfi Kleophantus, ein angesehener pharmakologischer Schriftsteller, sein Lehrer 
war, und dass er, bevor er nach Italien kam, im Pariura, in Hellespont und in 
Athen lebte. — A. trat zu Rom anfangs nicht als Arzt, sondern als Lehrer der 
Rhetorik („orandi magister", Plinius) auf. Seine Aufgabe, die griechische Medicin 
in Rom einzubürgern, löste er durch die Aufstellung eines Systems, welches theoretisch 
mit den zur Herrschaft gelangten Lehren der stoischen Philosophie im Einklänge 
stand, praktUch die Grundlage der stoischen Lebensweisheit: „naturae convenienter 
vivcre", verwirklichte. Die Zeit, in welcher die rauhe Mannhaftigkeit („virttis") 
der Römer der Heilkunde nicht bedurfte und sich mit der Verehrung verderben- 
^»ringender und hilfreicher Gottheiten, mit abergläubischen Gebräuchen und mit 
dem Receptbuche des alten Cato begnügte, war längst vorüber. Schwelgerei und 
Laster jeder Art hatten die Kraft des Volkes untergraben. Eine voUstilndige 
Tinkehr zu der eiiifachen und naturgemässen Lebensweise der Väter erschien den 
)>e8ten Römern als eine unabweisbare Nothwendigkeit. Dem entsprach vollständigst 
die Lehre A.'s. Ob dieselbe sein geistiges Eigenthum oder früheren Aerzten entlehnt 
war, bleibt ungewiss. Wahrscheinlich hatte sie ihre Wurzel in den Lehren, 
die schon seit langer Zeit, namentlich in Alexandrien, als Gegner der Hippokratisehen 
Anschauungen hervorgetreten waren. Im entschiedensten Gegensatze zu der Hippo- 
kratisehen Humoral-Thcorie und in I'ebereinstimmuug mit der Atomenlehrc der 

14* 



212 ASKLEPIADES. — ASSALINI. 

Epikuräer lehrt A., clnss die Gesundheit weit weniger von dem Verhalten der 
flüssigen liestandtheile des Kiirpers, als von dem seiner festen Gebilde, namentlich 
der Gefiisse, der Muskeln etc. abhängt. Dieselben geben zu Erkrankungen Verauhissun^r; 
sobald der normale mittlere Grad ihrer »Spannung gesteigert oder vermindert wird: 
der „Status strietus, Status laxus" der Späteren. Die Aufgabe des Arztes In^telit 
in der Erhaltung und Wiederherstellung jenes mittleren Verhaltens ('j^iö-oSo;). Die 
wichtigsten Mittel zur Lösung dieser Aufgaben sind diätetischer .Vrt: Si)eise uud 
Trank, Leibesübungen, besonders der Gebrauch des Wassers in lU'gicssuugeu, 
Bildern, Abreibungen u. s. w. — Für die chirurgische Tüchtigkeit des A. si»richt, 
dass man ihm die Erfindung der Tracheotomie zuschreibt. — Die Fragmeute desselben 
sind gesammelt von Ch. G. Gumpeet: „Asclepiadis Bithynl frcufmenta*" (Vimar. 
1794, 8.). A. bildete zahlreiche Schüler ; dem angesehensten derselben, Themisux 
aus Laodicea („auctor summus", Celsus), verdankte das iuethodische System liaupt- 
sächlich seine weitere Ausbildung. IJnter den späteren Methodikern uinunt 
Soranus von Ephesus eine der ersten Stellen ein. Durch Caelius Aukelianis, 
den Uebersetzer seiner Werke in's Lateinische, wurden die Lehren der Methodiker 
l»i8 in das Mittelalter fortgepflanzt. Noch in den Schriften der Saleruit^iner tritt 
ihr Einfluss deutlich hervor. ^ Haeser 

Asklepiodotus aus Alexandria, Schüler des PuOKLrs (411 — 485 nach 
(Christo), war berühmt als Philosoph, Arzt, Naturforscher und Mathematiker. 

Cf. Suidas s. h. v. Helmreich. 

Asnier, Kemy L'A. , unbekannten Geburtsjahres, war Oberster der 
Chirurgen in Paris bis zu seinem im Mai IG 1)0 erfolgten Tode. Die Zahl acui 
Kataraktoperationen und Steinschnitten, welche er ausführte, wird als eine ganz 
phänomenale bezeichnet. Aber auch seine Manieren, seine ümgangsweiBe mit den 
Kranken, seine Sicherheit trugen dazu bei, ihm in der guten Gesellschaft seine?* 
Zeitalters einen Platz und in der Geschichte der Medicin einen Namen zu vcr- 
scliaffen, obgleich er keine Schriften hinterlassen hat. 

Biographie medicale, T. Keil. 

*Asp, Georg August A. , geboren zu Wasa den 25. August 1834, 
studirte in Helsingfors, Stockholm, Leipzig und Jena und M'urde Licentiat der 
Medicin am 16. September 1865. Er wirkte als Docent der Physiologie seit 1868. 
als Prosector der Anatomie in Helsingfors seit 1869 und als Vorsteher eines 
mechanisch-gymnastischen Instituts in Helsingfors seit 1874. Seine Publicationeii 
sind: yyBidrog tili Kärl-och hjertnervemos functionstära^ (Beobachtungen tlbcr 
Gefilssnerven. Helsingfors 1867) — „Om de finare structur föshollondena vti 
DaggdjieTslefvern^ (lieber die feinere Stnictur der Leber bei den Säugethiereu. 
Helsingfors 1869). j^^j 

Aspinwall, William A., Generalarzt hu amerikanischen UnabhängigkeitN- 
kriege, 1743 — 1823, machte sich ausser in dieser Stellung besonders um die Ver- 
breitung der Schutzimpfung mit wirklichem Variolagifl verdient, hatte indess Auf- 
richtigkeit und Elasticität genug, seine Methode zu Gunsten der Kuhpockenimpfunir 
fallen zu lassen. Mehrere Jahre vor seinem Tode erblindet, bewahrte er vaterländi- 
schen Verbesserungen und der Hebung des ärztlichen Standes ein warmes Interesse. 

Thacher. Red. 

Assalini, Paolo A., geboren 1759 zu Neapel, spielte als Wundarzt der 
Garde der französischen Consuln und noch mehr als erster Wundarzt Napoleons — 
seit 1811 — eine bedeutende Tiolle. Er bekleidete die Stelle eines ordentlichen 
Professors der chirurgischen Klinik und der (»eburtshilfe am Militärhospital zu 
Mailand und zog sich später (etwa um 1830) nach Neapel zurück, wo er 1840 
stirb. — Sein erstes Werk, durch welches er die Aufmerksamkeit erregte, war 
der in Turin 1787 herausgegebene „Saggio medico sui vasi linfatici^ , welcher im 



A8SA.LIXI. — ASSING. 2i^ 

jrh'iehen Jahre in fraiizöswcber und 171)2 — in ct^'a« er^'citerter Form — auch 
deutsch ^in Dresden) orwhien. Auch seine Methode, den „Staar zu extrahiren^ 
'l'avia 1702) wurde in UeberHetzun^eu herausgeg-eben. — Ein zweites Arbeits- 
feld A.'s war das ^eo^raphiseh-patholog'isehe : Beobachtungen über die Dysenterie 
und Ophthahnie in Aejrypten, tlber das Gelbfieber in Cadix, besonders auch tlber 
die Pest. 1801 zuerst zu einer Arbeit tlber diese GegenstÄnde angereiht, beschilftif^te 
er sich speciell mit der Festfräße so nachhaltig, dass noch 1810 eine Studio 
J^ohr TliuctfdideH von der Pest in Athen**, nebst einem Anhange tlber die 
l'cst in Aeg>[>ten wahrend der französischen Feldzüge von ihm erschien. Seiner 
Meinnng nach war Meder die Pest, noch das Gelbfieber ansteckend. — Endlich 
In^arbcitete A. geburtshilfliche Themata; er erfand eine neue y, Perforation.^- und 
Knthirnuni/Mmethode*' , die er 1810 in Mailand publicirte, gab im folgenden Jahre 
da^lhst Aufsiltze tlber die Zangenentbindung (mit Beschreibung einer eigenen neuen 
Zange;, tlber die „Extractioi der todten Frucht hei engem Becken^ (Kaiser- 
•Jelmitt, Syuchondrotomie , Embryotomie) heraus, nahm auch seine Studien tlber 
Aiijrenchirurgie „Rlcervhe snlle pupille arteßciali** (Mailand 1811) wieder auf 
lind veranstaltete 1812 eine Ausgabe seines „Manuale dt Chirurgia^ , welches 
eine deutsche und schwedische Bearbeitung (1810, resp. 1819) erfuhr. Endlich 
iKsebrieb er trag])are Hilucherungsapparate zu Desinfectionszwecken f Neapel 1820) 
und empfahl „Bagni a vapore" 1830 gegen syphilitische Krankheiten. -^^^ 

Ässalti, Pietro A., in Fenno (Ancona) imi das Jahr 1085 geboren, 
wurde zuerst Profes.sor der I^otanik in Rom (1710; dann durch die innige Ver- 
l>indnng mit G. M. Lancisi zur Medicin herübergezogen. Bei der dem Letzteren 
v<»n Clemens XI. aufgetragenen Herausgabe der „MetaUotheca den Michael e 
}l*Tcato*^ ('s. Lancisi; war es A., der durch seine Vielgewandtheit in den Xatur,- 
wixsenschaften , seine Kenntniss des Griechischen • und Hebrilischen jenem AVerkc 
dun*h die vollständig unentbehrlichen Noten , die von ihm stammen , erst seinen 
H.jrentlichen Werth für die Zeitgenossen gab. Die Publicaticm desselben erfolgte 
in lioni 1717, und bereits 1718 hatte A. eine dreibändige Ausgabe der Werke 
Nt'int^ Freundes und Meisters Lancisi druckfertig, welche er in Genf erscheinen 
liexs. Nach Lancisi's Tode und fast gleichzeitig mit seiner Berufung auf den 
Lehrstuhl d(*r theoretischen Medicin in Rom Hess A. dann jenes Expose über des 
^V^st(^rbenen Leben und Werke erscheinen , welches er an Morgagni adressirte 
'Hricf in lateinischer Sprache im Journal des savants d'ltalie, Bd. XXXIII und als 
Einleitung zu Lancisi's hinterlassen er Schrift „De motu cordis et aneurysmatibus**), 
lind welches ihm mehr noch vielleicht als seine übrigen bedeutenden Leistungen 
«'inen Platz unter seinen berühmten Zeitgenossen sicherte. 

Biographie ni6dicale, 1. Red. 

Assing, David Assur A. (unsprünglich, ehe er sich 1816 taufen Hess, 
1)AVID AssrE gehei&sen), Arzt in Hamburg, war zu Königsberg in Preussen am 
12. December 1787 geboren, besuchte die Universitäten Halle und Tübingen, ging 
dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Wien und wurde am 26. August 1807 
2u Güttingen Dr. med. ; seine Dissertation y^Materiae alimentariae lineamenta ad 
^^'!jes cheTiiico-dynamicas adiimbruta^ erschien erat 1800. 1812 Hess er sich 
al.H Arzt in Hamburg nieder, folgte aber beim Ausbruch des Befreiungskrieges 
1813 von Berlin aus dem preussischen Heere als Kegimentsarzt eines Cavallerie- 
He;rinient8. 1815 siedelte er sich dauernd in Hamburg an und heirathete Rosa 
Maria, die Tochter des Hamburger Arztes Johann Andreas Jakob Varnhagen, 
<ieren 1840 erfolgter Tod ihn in so tiefen Kummer veraetzte, dass er sich von 
aller Welt zurückzog und am 25. April 1842 starb. — Er studirte viel die 
^'riechen, besonders Hippokrates, veröfteutlichte Gedichte in den Musenalmanachen 
.^einer Freunde Kerner und Chamisso u. s. w. und gab den poetischen Nachlass 
»meiner Gattin heraus. Die bekannte Schriftstellerin Ludmilla A. ist seine Tochter. 

Hans Schröder, Hamburger ^tluift stell er, Bd. I, pag'. 105. 0. 



2U ASSON. — ASTOLFOXI. 

Asson , M i c h 1 :i ii j»* o 1 o A. , berühmter veiiotiauisclior Operateur , war 
1802 in Verona g'eboren, ntudirtc in Pavia und Padua, begaim seiuc praktische 
Laut bahn in seiner Vaterstadt, woher er in FoIja-c mannigfaltiger Schicköäbsehla^c 
1831 nach Venedig übersiedelte. Während der Revolution 1838 wurde er zum 
Chefehirurgen des niilitärisehen Krankenhauses von (.'hiora ernannt und 1849 zum 
chirurgisehen Primararzt im Civilkrankenhause, weleh(^ letztere Stellung ihm nach 
der Einnahme Venedigs von der österreichischen Regierung belassen wurde. Nach 
einiger Zeit wurde er auch Professor der Anatomie an der Malerakademie und 
nach der Errichtung der praktischen medicinischen und chirurgischen Schule im 
Civilkrankenhause Venedigs (1863) Professor der chirurgischen Klinik. Im Jahre 
1872 vom Schlage gertlhrt, starb er 1877; es waren die letzt(»n fiinf Jahre, 
während deren er zur Vnthätigkeit verurtheilt war und nach und nach seine 
geistigen Fähigkeiten einbüsste, vielleicht die einzigen ruhigen seines laugen, 
von Unglück über Unglück ])edrängten Lebens. Gegen das ihm feindliche Schieksid 
kämpfte er mit einer grossen geistigen Energie und suchte Zerstreuung in seiner 
operativen und schriftlichen Thätigkeit. Als Operateur war er hochgeschätzt uud 
hatte eine ausgedehnte Praxis in der Stadt und in den nahen Provinzen. Als 
Schriftsteller sehr fruchtbar, hinterlicss A. über 120 grössere und kleinere Schrifkn, 
medicinischen, chirurgischen und zum Theil auch literarischen Inhaltes (letztere 
hauptsächlich über Dante nnd schöne Künste). Die zahlreichsten sind die chii'nr- 
gischen nnd unter diesen die wichtigsten; yjÄnnotazioni anatomo-patologiche e 
pratiche iatorno Ic chirurgiche vialattie^ (Venezia 1842-1845, in 4 Bänden) — 
„Considerazioni miatumiche, ßsiologiche, patologiche e chirurgiche intorno In 
milza^ (im Gionialc Veneto di Scienze medicho, Decembre 1878) — „Sulla 
fratttcra del collo del femore^ (ebendaselbst 1855, worin ein neuer Ap2)arat zu 
ihrer Heilung beschrieben wird, welcher aber seiner Complicirtheit uud seines hohen 
l*reises halber wohl v(m niemand Anderem angewendet wurde, umsomehr, als mau 
jetzt dieselben Vortheile mit einfacheren und billigeren Mitteln erzielt) — „Soj}ra 
le inoculazioni praticate sui conigli col sangue di un uomo morto di ptistola 
maligna^ (ebendaselbst 1857) — „SulV emia delV irUestino cieco*^ (ebendaselhf«t 
] 85l>) — y^Sagli ascessi sanguigni di Severino" (ebendaselbst 1860) — „Sidia 
franiboesia** (ebendaselbst 1861) — „Osservationi sulV elefantiasi" (ebendaselbst 
1862) — yyDel concetto annesso ecc. al'J espres^ione cancro in patologia e 
chirurgia^ (ebendaselbst 1862 — 1863) — „Cdsi pratici ed osstwazioni di dt- 
nica chirurgica^ (in den Atti del R. Istituto Veneto Vol. VII und VIII, 1862 bi«< 
1865) - - „Sulla inoemia'^ (im Giorn. Ven. 1867 — 1868) u. s. w. Originelles 
ist in den Schriften wenig zu finden, aber sie enthalten ein reiches Material der 
Beobachtung und resumiren die Geschichte und den Stand der damaligen Chirurgie 
in Italien. 

Min ich, Commemorazlone del prtfj. Michtlangdo Aaaon ece. Giomale Ventto di 

Scienze Medicke. 1878. Die. r^ a 

C «int am. 

Assuerus. s. Ampsino. 
Assur, David A., s. Ai^sing. 

. Astolfoni, Bcrnardino A. , berühmter Chirurg und Augenarzt ui 
Venedig in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wurde 1771 zum I^sector 
für sechs Jahre beim anatomischen Theater des Collegio Veneto ernannt. Er führte 
in verschiedenen Städten Italiens Augeuoperationen aus, so namentlich mit grossem 
Beifall und Geldgewinn in Rom. Als er im November 1772 zu Breseia den 
Uardinal Molino auf beiden Augen von seinem Gataract mit dem günstigsten 
Erfolge operirt hatte, wurde er hoch gefeiert. Wie aus seinen nachfolgenden 
Schriften hervorgeht, war er ein Anhänger der Extraction und übte dieselbe mit 
grossem Glück aus: ^^Estruzwue di due cateratte felicemente eseguite in ani- 
hidae gll occ/ti'* (1767j — „Ossercazione sopra le cateratte essegutte in am- 
hidne gll occhi per estrazlotie con un snggio sopra le medesime** (1768) — 



.\STOLF()NI. — ATHKXAKrS. 215 

^Esposizione dl tre operazioni aopra le caterntte fatte per estnizione etc." 
(17G9) — yjSaggio di osservnzioni sopra Je operazioni della catei'atte fatte per 
fstrazwne etc.^ (1773). In zwei aunjewahrten Briefen sjmeht sich der beiUhmte 
Cliirnrc: Ant. Scarpa als verebnuifrsvoller Schfller ^eg'enilber ^^einem Meister aus. 
Levi, pa?:. 9. G. 

Asiruc, Jean A. , ist am 11). März 1084 zu Sauve in Languedoc 
•gelH)ren, am 25. Januar 1703 in Montpellier promovirt; von 1706 bis 1710 war 
er daselbBt supplirender Professor, von 1711 bis 1715 Lehrer der Anatomie in 
Toulouse, von 17 KI zu Montpellier. 1728 ging er nach Paris, um seui Werk 
über die venerischen Krankheiten zu beenden, folgte aber schon 1729 einem Ihife 
des Königs von Polen, welcher ihn zum ersten Leibarzt ernannte. A. blieb hier 
nur kurze Zeit, denn 1730 war er bereits wieder in Paris und Leibarzt des 
Königs von Frankreich. 1731 wurde er an Geoffroy's Stelle daselbst zum Pro- 
fessor gewühlt. A. starb nach einem sehr thiltigen Leben als vielbesehilftigter 
Arzt und emsiger Gelehrter in Paris am 5. Mai 176(). Von seinen zahlreichen 
Werken ist das unten namhaft gemachte offenbar d.%s beste und heute noch für 
jeden medieinischeu Geschichtsforscher geradezu uneutbchrlich. Es existiren 21 ver- 
schiedene Ausgaben und Uebersetzungen dieses heute noch umfänglichsten Werkes 
über die venerischen Krankheiten. Mer erste Band entbillt die Pathologie und 
Therapie dieser Uebel im vollstiludigcn Tm fange des damaligen Wissens: — nur 
begeht hier A. einen sehr hilufigen Fehler der (Jelehrten : er vertheidigt und glaulit 
mehr an das hergebrachte, wenn auch unrichtige Alte, und bestreitet oft die 
wichtigen Neuerungen seiner Zeitgenossen. Der zweite Band, welcher die reich- 
haltigste Bibliographie, Excerpte und theilweise auch historische Erörteiningen 
enthält, wurde seit Hensler schon vielfach und mitunter hart vcrurtheilt, weil 
man in demselben einige T'nrichtigkeiton nachweisen konnte. (Viellaclie und im 
Laufe vieler Jahre oftmals M'iederholte Vergleiche der A. 'scheu Excerpte mit den 
i^riginalien haben mich dahin belehrt, dass man Alles zwischen den Anführungs- 
zeichen Gegebene — [und dies ist ja doch das weitaus Meiste] — für genau und 
richtig annuehmen kann.j A. war bekanntlich der eifrigste Vertheidiger des 
amerikanischen Ursprungs der Syphilis. Der Titel des Werkes lautet: „Z^e morhis 
venereis libri novem ; in quibus disseritur cum de origine, propaf/atione et con- 
tagione horumce affectuum in genere cum de stngulorum natura , aetiologia et 
therapia, cum brevi analysi et eptcrist operum plerorumque, quae de eodem 
argumenta scripta sunt^ (Editio altera. Lutetiae Parisiorum 1740, 4.). Es ist 

dies die werthvollste Ausgabe. Alle rebersetzungen sind un\ ollstiindig. 

.1. K. Proksch. 

Atazzi, Pietro A., Arzt zu Brescia, war im März 1780 zu Ilovato 
gelioren, erhielt seineu ersten Unterricht im Collegio Alipraudi, dann in Brescia 
und ßtudirte Chirurgie in Pavia. Er trat in die italienische Armee ein, diente in 
Deutschland und Spanien und wurde 1813 bei der Kapitulation Aon Alnmnia zum 
Kriegsgefangenen gemacht. Nach Italien zurückgekehrt, graduirte er in der ^fedicin, 
wurde zum chirurgischen Operateur im Militilr- Hospital S. Ambroglo in Mailand 
ennühlt, blieb daselbst bis 1844 und ging dann nach Brescia. Im Jahre 1817 
»indte er dem Professor Antonio Bodei einen Beitrag, welcher in dessen Werk 
y,(^uestlonl dt mediclna pratlco-teorlca^ erschien und allgemeinen Beifall fand. 
Ausser einer Denkschrift „Sülle acque dl Bovegno e sulle iiifdattle curate colle 
medesime^ gab er gegen Ende des Jahres 1843 eine sehr geschätzte Arbeit in 
Ihnck: „Esperienze e loro risultamenti intorno al ttiorbo miliare," An derselben 
Krankheit, über die er soeben geschrieben, ging A., als sein Ruf als ausgezeichneter 
Arzt noch im Zunehmen begritl'en war, am 8. Milrz 1844 zu Grunde. 

fc^chivardi, II, pag. 71). — AVii rzbach , I, pag. ^2, G. 

Athenaens ( Adr^vatoc, o 'ATTa}.S'Sc) von Attalia, ein griechischer Arzt im 
ersten Jahrhundert nach Christ«», der Lehrer des Agathinus und The<»dorus, ist 



•> l() ATHENAEUH. ~ ATKIXS. 

der Stifter der ])neuiiiati6chen Schule. Indem er nämlich xu den vier 
Elementen , dem AVarmen und Kalten (to -^[/.ov xal to ^^/P^'*') > ^'^^ Trockenen 
(To ^vjpov) und Feuchten (to Oypov), von denen er die beiden ersteren als thätige 
f-oi'ijTüca xlrta) , die beiden letzteren als ßtoftliche (u>.i3c«) l)ezeichnete , als ein 
fünftes das durch die Stoiker zu Ansehen f2:ekoiumenc Pneunia (xvsOfjLa) j^esellte, 
das Alles durchdringt und alle A'eriinderungen des organischen Lebens ^insbesondere 
die Krankheiten) bedingt, wurde A. das Haupt einer neuen medieinischen Secte, 
deren Anhänger Pneumatiker genannt wurden. Er umfasste, wie Galen von 
ihm rtlhmt, mit seinen Studien das ganze Gebiet der Medicin und zeigte sich in 
seinen Schriften als einen gewandten Dialektiker, der sich um genaue Begriflf«- 
bestimmungen bemtlhte. Er schrieb ein grösseres Werk, das wenigstens 80 Bücher 
enthielt, und von welchem uns Oribasius einige Fragmente erhalten hat. Sie 
handeln von den Nahrungsmitteln fÖEiB. I, 2, 9, 11: V, 5j; von der Luft und 
dem Einflüsse der örtlichen Lage auf die Gesundheit (Orib. IX, 5, 12): von der 
Entwicklung der Zeugungsfilhigkeit und des Embryo (Orib. XXII, 4^ \S\ LIV, 7); 
und der nach der A'erschiedenheit des Alters, des Geschlechtes und der Jahrcazeit 
zu beobachtenden Diät (Orib. LIV, 1, 5, 21, 23). A'on diesen Fragmenten ver- 
dient das vorletzte wegen der darin enthalteneu vernünftigen und naturgemiissen 
Erziehungsmaximen besondere Hervorhebung. 

Galen. T, 475; IV, G04, 610: VII, 165, 609; VIII, 794; XlV, 698; XIX, H56, 
347. — Laert -Diog. 11, 8 siih. fin, Helm reich. 

AtkiDS, eine grosse Anzahl englischer Aerzte, aus der zu nennen sind: 
Henry A., Leibarzt der Könige von England, war 1558 zu Great Iicrkhampstead 
in der Grafschaft liertford geboren, wurde als Magister artium der l'niversitllt 
Oxford 158G Licentiat des College of Physicans und, nachdem er Dr. med. in 
XantCÄ geworden war, 1588 Fellow desselben; auch war er bei demselben wieder- 
holt Censor, Consiliarius und Präsident. A. besass das volle Vertrauen des 
Königs Jakob I. und erhielt 1604 mit einer Deputation den Auftrag, seinen Sohn 
den nachmaligen Karl 1., nach London zu bringen. Unter A.'s Präsidium erschien 
IG 18 die erste Londoner Pharmakopoe. Nachdem er .^2 Jahre lang Leibarzt der 
Könige Jakob I., imd Karl I., gewesen, starb er am 21. September 1634. 

Munk, I, pag. 94. G. 

Atkins, Johri A. (Atkens), englischer Marinearzt, war zu Plaistow 
(Essex) zu Ende des 17. Jahrhunderts geboren. Nachdem er in der Surgeons- 
Hall sein Examen bestanden, trat er 1703 in den Dienst der englischen Marine. 
Frucht einer grösseren Expedition waren die Schriften : „ IteUition of a voyage 
to Outnea, Brazil and the Weat-lndies etc.'' (London 1723, 1727, 1735, 1737) 
und jjThenavy-surgeon, or a practical aystem of surgery etc." (London 1734, 
1737, 1738, 1742, 1758). A.'s Schriften enthalten manches Bemerkenswerthe 
sowohl in medicinischer Beziehung, als in Betreff der von ihm besuchten Länder, 
namentlich aber Vorschläge zur Verbesserung des Sanitätsdienstes bei der Marine. 

Biographie med. I, pag. 406. — Biographical Dictionary of the society for tlie 
diffusion of üseful knowledge 111, pag. 881. G. 

*Atkins, Ringrose A., berühmter irischer Psycholog und Director der 
Irrenanstalt zu Waterford, 1845 geboren und L. M. 1873, war zuerst Secundararzt 
des Lunatic-asylum in Cork und publicirte: „Amyotrophic lateral sclerosü" 
(1878) — f^Pathological ülustrations of localtsation of motor functiofis of 
hrain^^ (Brit. med. Journ. 1878) — „Morbid histology of spinal cord in 
insanity^ (ebenda 1878), verschiedene Beiträge im Dublin. Journ. of med. sc. 
und anderen Zeitschriften. 

"'Atkins, Louisa A., unbekannten Geburtsjahres, nach mehrjährigem 
Studium zu Zürich 1872 promovirt, Ehrenconsulentin de« New-Hospital of Wonien 
und Kinderärztiu in London, schrieb eine M(mograi)hie tlber Gangraena pulmonum 
bei Kindern (in deutscher Sprache 1872 1. VieA. 



ATKINSOX. — ATLEE. 217 

Atkinson. Vntcr den zahlreichen eugli»cbeu und amerikanischen Aerzten, 
welche den Namen A. filhren, verdienen hier Erwähnung: James A., wegen der 
von ihm bearbeiteten Biographien fijuellenvei-zeichniss Nr. 27j. — John J. A., 
vegcn »eine „Theary and practice of midwifery and diseases of warnen and 
chtldren" (Edinburgh 1837); — femer J. C. A. wegen Beines Werkes: „Change 
of atr cansidered with regard to atmospheric pressure and its electric and 
magnetic concomitants in the treatment of consumption and chronic dlsease; 
mth a general commentary on the most eligible localities for invalids (London 
1867;, — endlich der anierikanische Ilistologe William IL A., welcher, al)- 
^esehen von verschiedenen Berichten etc., über Physiologie des Blute«, Histologie 
im Allgemeinen etc. gearbeitet hat. 

Index catalngue. Retl. 

Atlee, Washington Lemuel A., am 22. Februar 1808 in Lancaster 
geboren, Abkömmling einer alten englischen Familie, begann im Jahre 1826 seine 
niedieinischen Studien in Philadelphia und wurde daselbst im Jahre 1829 zum 
Doctor promovirt. Nachdem er fünf Jahre als Landarzt prakticirt, zog er 1843 
saeh Lancaster, woselbst er sehr bald zum Vorsteher des Lancaster County 
HoRpital gewühlt wurde, ausgedehnte l^raxis übte und Privat-Curse über Chemie 
?ab. 1844 folgte er einem Rufe als Lehrer der niedieinischen Chemie an der 
Universität zu Philadelphia. 1852 legte er dieses Amt nieder und widmete sich 
gilnslich der chirurgischen und gynäkologischen Praxis bis zu seinem im Jahre 
1878 erfolgten Tode. A. war ein scharfer Diagnostiker und bedeutender Operateur. 
Er hat vor Allem das grosse Verdienst, der bis dahin noch wenig und selten mit 
Pjfolg ausgeführten, ja als Verbrechen verschrieenen Ovariotomie mit dem ganzen 
Muthe eines Mannes zu ihrem vollen Bürgerrechte in Amerika verholfen zu haben. 
Im Jahre 1844 machte er nach den sorgßlltigsten Vorstudien seine erste Ovari- 
otomie. ]>ie Kranke starb. Dieser Misserfolg aber schreckte den der Durch- 
filhrharkeit seiner hohen Aufgabe sich klar bewussten A. nicht zurück. Er hielt 
e<< für seine heiligste und höchste PHicht, alle Bedenken für seinen Uuf ausser 
Acht zu lassen , lieber die schwerste Verantwortung auf sich zu nehmen , als mit 
der wenn auch mit Gefahren verknüpften Hilfe zu zögern , wie er dies bei der 
Veröffentlichung jenes unglücklichen Falles rückhaltlos aussprach (Americ. Journ. 
of the medic. Sciences, Jaly 1844, pag. 43, cf. auch „^ Retrospect of the 
^ruggles and Triumphs of Ovariotomy in Philadelphia etc. " by Wasliingt. L. A. 
1875 1. Bis zum December 1867 hatte A. 169 Ovariotomien gemacht mit einem 
in der vorantiseptischeu Zeit fast unübertroffenen Genesungsprocentsatz (70°/o). Im 
Jahre 1878, drei Monate vor seinem Tode, führte er seine letzte, die .•i87. Ovari- 
otomie aus- — A. war im Wesentlichen Anhänger der Klammerbehandlung 
/A.'sche Ciaraps), versenkte jedoch auch den Stiel und wandte zum ersten Mal 
dan freilich heute fast ganz verlassene ßcrasement desselben an. — Beweisend für 
A.'« Kühnheit und Geschicklichkeit sind ferner die erfolgreichen in Amerika von 
ihm zuerst und nach eigener Methode ausgeführten Fibromenucleationen (Kapsel- 
fspaltanfir und Ausschillung in zwei Acten), nachdem diese Operation bis dahin nur 
vereinzelt in Frankreich gewagt und meist missglückt war: „On the treatement 
of certuin Fibroid Tumors of the Uterus, heretofore considered beyond the 
resaitrces of art** ("Transact. Am. Med. Assoc. 1853). — Seine Erfahnmgen 
ven\erthcte A. zu ausgedehnter literarischer Thätigkeit, und so verdanken wir ihm 
fanz besonders werthvolle Beiträge zur differentiellen Diagnostik der Eierstocks- 
cysten /"l^robepunction , Förderung der Kenntniss von den Parovarial- und Utenis- 
evrsten, cf. „General and differentUd diagnosis of Ocarian Tumors with 
social reference to the Operation of Ovariotomy'^ (Philadelphia 1873). Ge- 
nanntes Werk ist die bedeutendste literarische Leistung A's. An dem wissenschaft- 
h'chcn Leben in den grossen medicinischeii Gesellschaften und \'ercincn Amerikas 
nahm A. den lebhaftesten Antheil und war ein Mitbegründer der amerikanischen 



lilS ATLEE. -- ATTI. 

gynäkologischen Gesellschaft. — A. verdient zu den hervorragendsten Gynilkologen 

Amerikas gezählt zu werden. 

Ein Veraeichniss seiner bedeutendsten Schriften ttndet sich in „The Americ. Journ. 
of «»bstcti*. Vol. XU, \S19, pag. löft, al« Anhang zu Drysdale's: in Memoriam W. L. Atlee. 

K r n e r. 

Atrocianus, s. Acnaiius. 

Attalus, A. III, IMiilonietor, der letzte König von Pergamum (138 
bis 133 vor Christof, beschäftigte sich, nachdem er seine Verwandten und Freunde 
mit blutiger Grausamkeit aus dem Wege geräumt hatte TDiOD. 34, 3 ; Justin. 36, 
3), mit Gartenbau und pharmakologischen Studien. Mit besonderer Vorliebe unter- 
suchte er die AVirkung der Gifte und Gegengifte (Plüt. Demetr. 20). Er wird 
von den Scriptores rei rusticae, Varro, Columella, sowie von PLiNirs als Quelle 
benützt (Plin. 18, 5j mid von Galen, der einige Recepte von ihm anfuhrt, 
wegen seines Eifers nm die Erforschung der Wirkung der einfachen Heil- 
mittel gerühmt. 

Haien, XU, •>:)l ; XIII, 416; XIV, .t. 

Attalus, ein Methodiker, Schiller des Sorani's und Zeitgenosse 

Galen's , der ihn wegen seiner verkehrten Ikhandlung des Philosophen Theagenes 

scharf tadelt. 

Galen, X, 909 ff. Helmreicli. 

Attenhofer, Heinrich Ludwig von A. ('nicht Altexhofer, wie er 
in Bernstein's med.-chir. Bibl. irrthünilich bezeichnet ist;, war etwa um 1785 in 
der Schweiz geboren, wirkte später als Arzt am allgemeinen Krankenhause in 
Wien und ging 1816 nach St. Petersburg, wo er als Arzt am Kalinki'sclieu 
Hospital für mitnnliche syphilitische Kranke thätig war und zum kalserl. Hofrath 
ernannt wurde. Sein erstes mehrbesprochenes Werk ist eine medicinische Topographie 
der Haupt- und Residenzstadt St. Petersburg (Zürich 1B17), dem jedoch Be- 
obachtungen über die „Natur und Hetlung der Syphilis^ in der nissischeu 
Sammlung für Natur- und Heilkunde (1816) und in Wien eine „Lymphatologie'* 
fl808) liereits vorangegangen waren. Später wurde man auf seine „SyphiUa- 
rersuche^ (Wirkung des Schankergif te« auf Thiere, Heilung frischer Schanker 
mittelst Kuhpockenlymphe, Inoculation von lYippergift gegen Trippermetastaseu i 
mehr aufmerksam. A. lebte im Jahre 1838 noch zu St. Petersburg, 

Attenhofer , Xaver A., zu Zurzach gelmren, promovirte 1797 zu 

Tübingen mit einer Dissertation j^Ctrca universalknfpin legi\s, fjua corpora rida 
ad Stimulus specijicos reagtmt^*. 

Callisen, I. R<m1. 

* Althill, Lombe A., geboren um 1820, L. K. (■. S Irel. und L. M. 1847. 
1). I). Dubl. 1865, dirigirender Geburtshelfer am Adelaiden - Hospital zu Dulilin, 
Examinator der Geburtshilfe au der Q. Univ. und K. Q. C. Irel., ist der Ver- 
fasser von: j^Lectures on Diseases Pectdiar of the Women^ (6. Aufl. 1880) — 
vieler gynäkologischer Beiträge im Dubl. Quarterly .Journal: yyOn Chloroform 
on Midvnfery and its Uses in Puerperal Gonmdsion'* — „Chronic Infam- 
mation of Vagina and Reflex Irritation of Bladder^ — „Rttroflexion of the 
Uterus etc^f Ehrenmitglied, resp. Ehrenpr.Hsident, der gynäkologischen Gesellschaft 
zu Boston und Dublin. j^^.^! 

Atti, (Tiusei>po A., wirkte als Professor der chirurgischen Klinik in 
den ersten Jahrzehnten unseres .Jahrhunderts zu Bologna. Seine besondere Auf- 
merksamkeit richtete sich auf die Erfindung neuer Instrumente, besonders solcher 
zur Lithotomie und von .>[aschinen zur Einsetzung luxirter Knochen (Unterkiefer). 
Methoden, die er theils im Memoria dell istitute naz. Ital. ((1. Fis. e math. T. l 
und 2), theils in Opusculi scient. di B(»logna (T. :\) ausführlich beschrieb. 



Arn. — AÜBANEL. 219 

In letzterer Sanimlung erschien auch (1810) Heine nouvMe m^hode pour In eure 

Jp p\sfnles saltvaires. 

Callison, I. Red: 

Attumonelli, Michcle A., Pi-ofessor der Physiologie zu Neapel, wurde 
zu Audria in dem District von Bari 1753 geboren, war ein Schüler COTüGNO's. 
wurde Professor der Physiologie an der Universität zu Neapel und schrieb : „Elementi 
dt ftsiologia medica o sia la ßsica del corpo umano etc.^ (Napoli 1789) — 
„Mkhode de traiter les maladies par le moyen des eaux mtnSrales , et par 
celut des bains de vapeurs de Naples et de ses environs^ (Recueil period. de 
la Soe. de med. de Paris, T. 11, 1801) — „Memoire sur Vopium^ (Paris. 
1802; Nouv. edit. 1811) — „M^moires sur les eaux min&rales de Naples 
et sur les bains de vapeur etc,^ (Paris 1804). — Aus seinem Vaterlande durch 
die Revolution, an welcher er Theil genommen hatte, vertrieben, flüchtete 
er nach Frankreich, prakticirte einige Jahre in Paris und starb daselbst am 
17. Juli 1826. 

A. Clu';reau bei Dechambrc, VII, pag. U'd4. — C all i seil, I, pu«?. 'Sil2: 
XXVI, pag. 97. P 

Anbau el. Houore A., Chefarzt der Irrenanstalt zu Marseille, war 1810 
zu Auriol (Bouches-du-libune), woselbst sein Vater Arzt war, geboren. Er 
machte von 1833 an seine medicinischen Studien zu Paris, wurde 1836 Interne 
lind am 21. August 1830 daselbst mit der These ^^Essai sur les hallucinatioiis^ , 
die bereits eine bedeutungsvolle Arbeit darstellte, zum Doctor med. promovirt. 
Sein Wirkungskreis im BicOtre veranlasste seine folgende, zusammen mit A. Thore 
herausgegebene Arbeit: „llecherckes statistiques sur Valiination metitale faües a 
l'hospice de Bi'cftre** (1841) , welche nur das Gerippe eines grösseren Werkes 
dai-Htellt, an dessen Vollendung er durch seine A'ersetzung 1840 nach Marseille 
gehindert wurde. In dasselbe Jahr fallt ein ^fMimoire sur deiix cos d^ Epilepsie 
guvris par Camptäation d*un membre" . In Marseille hatte er sein ganzes Ver- 
waltungstalent zu entwickeln, um die Schwierigkeiten, denen er auf jedem Schritt 
begegnete, zu bekämpfen. Zunächst hatte er daselbst die Ketten und die unter- 
irdischen Zellen abzuschaffen, die noch in Gebrauch waren; 1844 wurde durch 
seine Bemfihungeu das neue Asyl Saint- Pierre errichtet. Ein auf 13 Beobachtungen 
sich stützender Aufsatz: „Mem, sur les faitsses membranes de Varachnoide et 
prineipalernent de leur formation chez les aliSnes^ (Ann. m^d.-psych. 1843, 
T. II) liefert wichtige Aufschlüsse über diesen viel discutirten Gegenstand. Die 
meisten seiner w-eiteren, fast durchweg in den Annales medico-psychologiques 
(1845 — 1859) veröffentlichten Arbeiten betrafen gerichtliehe Fälle, über die er 
sein Gutachten abzugeben gehabt hatte, und die ihm oft die Gelegenheit boten, 
einen angeblichen Verbrecher als geisteskrank zu entlarven und ihii den Händen 
der Justiz zu entziehen. Dergleichen von ihm auf forensische Fälle bezügliche 
Aufsätze waren folgende: „Considerations medico-legales sur quelques cas de 
feite homidde" (1845 , T. VI) — „Rapports judiciaires sur quelques cas de 
f(flie homtcide" (1846, T. VII) — „Memoire medico-legal et justfßcatif sur un 
cas de falte homicide meconnu par les a^ssises du Var^ (1849, T. XIII) — 
„Note supplSmentaire au Memoire pr^cedent^ (1850, T* XIV) — „Rapport 
mMicO'legal sur le nomme Miller, accusS d^assassinat" (1853, T. XVII) — 
„Rapports mSdico-lSgaux sur deux ali6nSs accus^ de menrtre" (1856, T. XX) — 
„Rapports midico-legaux^ (1850, 1860, T. XXIII, XXIV). Am meisten hatte 
Rieh A. , wie ersichtlich, mit der „^Manie homicide" beschäftigt, von der er zwei 
bestimmte Formen unterschied. Andere, die gerichtliche Psychiatrie betreffende 
Arbeiten waren: „Rapport medico-ligal sur un cas de stupidite" (1847, T. IX) - — 
„Ohservations rnddico-legales sur l Stat mental d*un officier de Varm4e d^ltalie^ 
(1851, T. XV) und namentlich eine viel Aufsehen erregende „Consultatlon 
intdico-ligale dans un proc<^s en nullitc de testament pour cause d'ali4natioH 



t20 Ar BANEL. — ACBER. 

mentale" (1856, T. XX i. — Abgesehen von den zwei noch anzuführenden grossen 
BeHchten über seine Thütigkeit in Marseiile, veröffentlichte A. noch folgende 
Aufsätze: „Observation d' hydrophobie" (Gaz. med. de Paris 1843) — ^^Noltce 
sur rasile des aliines de Malte" (Ann. m^d.-psych. 1844, T. 11) — „Lettre a 
M, Baillarger sur un nouveau mode de couchage" (1845, T. VI) — „Lettre 
a M. Baillarger sur rutilitS des recher ches faites sur un plan uniforme" 
(1846, T. VII j und zusammen mit Sauze: „Cancer du cervelet" (1857, T. XXII 
und Gaz. des Höpit.). Von den zwei grossen Berichten, die A. über seine Mar- 
se i 1 1 e r Thätigkeit erstattet hatte, bespricht der erste („ Campte rendu du serm'ce 
niedical et du Service administratif de Vasile de aliSnes de Marseille de 1841 
a 1849") (Marseille 1850), welcher ein förmliches Buch darstellt, in seinem ersten 
Theile alle die Veränderungen und Verbesserungen, welche unter seiner Leitung 
in den Hospitälern Saint- Joseph und Saint-Lazare eingeführt wurden und die Ein- 
richtung des Asyls Saiut-Pierre. Der zweite Theil giebt statistische Daten nach 
demselben Plane, wie die Untersuchungen in dem 1841 über das Bicetre 
erschienenen Bericht angestellt sind. Ein besonderes Interesse gewähren die Marseiller 
Irrenanstalten dadurch, dass ihnen Civil- und Militär-Geisteskranke aus Afrika 
zugeführt werden, bei denen bisweilen der schädliche Einfluss des Wechselfiebers 
und des Missbrauchs des Absynth und anderer alkoholischer Getränke sich nach- 
weisen lässt. A., der dieselben Formen von Geisteskrankheit bei den Arabern wie 
bei den Europäern beobachtet hatte, hielt es für zweckmässiger, die crsteren in 
Afrika zu belassen und durch Aerztc, die ihre Sprache verstehen und so besser auf sie 
einwirken können, behandeln zu lassen. A.'s zweiter Bericht : „ Campte rendu dn 
.Service medical d'asile des alienis de Marseille de 1850 <i 1861" (Marseille 
1861) ist ähnlich angelegt wie der erste, aber weniger umfassend und erschien 
nicht lange vor seinem zu Anfang des Jahres 186.-J erfolgten Tode, nachdem er 
noch sein wissenschaftliches Testament, wie er es nannte, in einer vor der medi- 
cinischen Gesellschaft zu Marseille gehaltenen Bede über die Natur und den Sitz 
der Geisteskrankheiten niedergelegt hatte. Leider war es A. nicht mehr beschieden, 
ein Lehrbuch, für das er ein sehr grosses Material gesammelt hatte, und dan 
ihm sicherlich zum Ruhme gereicht haben würde, zu verfassen und herauszugeben. 
Er war lange Zeit General-Secretär, später Präsident der medicinischen Gesellschaft 
zu Marseille und 10 Jahre lang Präsident des dortigen Comite medical. 

B«artlielem3-, Tliore in Annalcs med.-psycli. Aniiee XXI, 1S63, I, pajr. 317 

ir, pap. Sl. ^ ,. 

^ Gurlt. 

*Aubeiias, Adolf A., geboren zu Mutzig, Uuter-Elsa^s, am 22. Juni 1820, 
studirte in StrasHburg, wo er einer der namhaftesten Schüler von Stoltz war. 
Seine Promotion erf(»lgte am 28. August 1855. — Er wirkte zuerst als praktischer 
Arzt und Geburtshelfer in Strassburg, wurde 1860 Professenr agrege au der 
dortigen Facultät, 1871 Direetor der Hebeammeusehule und 1872 ordentlicher 
Professor an der Tniversität. Seine Publicationen beziehen sich auf die ent- 
sprechenden cartuistiHclieu und rnterrichtsgegenstände. Red. 

Auber, Charles Eduard A., etwa um die Mitte der Achtziger- Jahre 
des vorigen Jahrhunderts geboren, war Arzt am Hospital civile zu Pont TEveque 
im Departement Cahados, sowie an den dortigen Geföngnisseu. Er machte sich 
in jungen Jahren bekannt durch eine „Dicouverte nouvelle d^un procedS simple 
et facilcy pour conserver pendant plusieurs annies le fluide vaccin intact etc.'', 
die jedoch lediglich in der Aufbewahrung in Kohle bestand. Diese in Paris 1805 
erschienene Schrift war eingeleitet durch eine etwas i)hantastische Mittheilung über 
das Aerschwinden von Quartanfiebern nach der Vaccination, und zwar unter der 
Bedingung, dass der Process Fieber hervorruft, wie A. dies beobachtet haben 
wollte. Er übersetzte ferner aus dem Italienischen des Cirillo „Abhandlung über 
die venerischen Krankheiten" und starb 1872. 

Journ. de conn. mW. prat. Paris lS74, T. 11. Bed. 



AlBERT. - AL'BERT-ROCHE. ^^'^\. 

/ Allbert, JacqueR A. TJaeobus Albertus), geboren zu Veudome iu der 
Beauce, lebte im 16. Jahi'hundert und starb 1586 zu Lausanne. (Nach Lacroix 
dn Maine, in seiner liibliotheque franoaise, soll es sieb hier um zwei Pei*sönlieh- 
keiten handeln, einen zu Vendome geborenen Arzt, der daselbst auch die Praxis 
aosflbte und einen in Laval [Maine] gebürtigen, der sich in der Schweiz niederliess 
und in Lausauue prakticirte.j Es werden von A. folgende Schriften angeführt: 
f,Läfdlus de peste*^ (Laus. 1571) — r,D€s natures et camplexions des honimes 
et d'une ckacune partie d'iceux, et ans.n des mgnes par lesquels on peut disceriier 
la diversite d'icelles" (Laus. 1571; Paris 1572) — „De metnllorum ortu et 
cams brems et dilucida expUcatio^ (Lugd. 1575). In dieser Schrift bekämpfte 
er die Alchyniisten und wurde von .Joseph Duchesxe angegriffen, dem er in der 
naebi^tehenden Schrift antwortete: „Duae apologeticae responstones ad Jostphum 
Qüercetanum^ (Lugd. 1576). r— Die folgende Schrift: „Progymnasmata in 
Joannis Femelii liberum de abditis rerum nattiralium causis etc,^ (Basil. 1579 i 
enthält einige gute Beobachtungen. Es folgen noch: „Institutiones physicae instar 
commerUariorum in libros physicae Aristotelis" (Lugd. 1584) imd eine nach 
seinem Tode herausgekommene Schrift: „Semeiotice seit ratio dignoscendarüm 
sedittm male affectarum et affectimm praeter naturam" (Laus. 1587 ; Lugd. 1596 ). 
Biogr. med. T, pag 407. — Dict. histor. I, pag. 205. (t. 

Aubert, Franc; ois A. , geboren am 28. September 1695 zu Dormans 
i'^ame), war lange Zeit Arzt der Hospitäler zu Chälons-sur-Marne. Er machte 
sich bekannt durch einen „Discours s^ur la maladie des bestiatix^ und die damit 
zTLsammen gedruckten „Consultations medicales sur la maladie noire^ (1745, 4.). 
Ausserdem führte er mit seinem Landsmanne TOUSSAINT Navier, der in einer 
anatomischen Schrift das Peritoneum ganz richtig als einen geschlossenen Sack 
beschriebeh hatte, einen literarischen Streit („Reponse h M. Navier toucliant le 
pMtoine" 1754, 4.) und starb um das Jahr 1760. 

A. Chereau bei Deckarabre, VII, pag. '^37. ('. 

* Aubert, Hermann A. , Professor in Rostock, im November 1826 in 

Frankfurt a. 0. geboren, studirte vorwiegend in Berlin und wurde 1850 promovirt. 

Seit 1865 in Rostock als ordentlicher Professor der Physiologie wirkend, verfasste 

er neben der Dissertation „Ducuntne salia almim vi endosviotica?^ folgende 

Schriften: „Die Cephalopoden des Aristoteles** (1862) — „Physiologie der 

Netzhaut (1865) — „Handbuch der Physiologie" (von HERMANN, Bd. IV, 1 ). 

Red. 

Aubert-Roche, Louis-Remy A.-R., tranzösischer Epidemiologe, war zu 
Vitiy-le-FrancaLs um 1809 geboren und erlangte 1833 zu Paris die Doctorwtirde. 
Er war in einer frühen Epoche der Regierung Louis Philipp's genöthigt, sein 
Vaterland zu verlassen und begab sich 1834 nach Aegypten, und, nachdem er 
Abessinien, die Ktlsten des rothen Meeres u. s. w. mit Rücksicht auf einen mit 
Frankreich zu machenden Handelsvertrag besucht, wurde er Arzt des Hospitals 
zu Alexandrien. Während des Ausbruches der Pest daselbst zeigte er grossen Muth 
in Gemeinschaft mit seinem Landsmanne RlGAüD, der, ebenso wie der damalige 
französische Consul Ferdinand dcLesseps, auf seinem Posten blieb. A. kehrte 
1838 nach Frankreich zurück, heiratliete die Tochter des bertihmten Arztes Roche 
und fügte dessen Namen dem seinigen, zur Verhütung von Verwechslungen mit 
anderen gleichnamigen Aerzten, bei. Mit den von ihm publicirten Werken: „De 
la peste, ou typhus d' Orient, documents et observations recueillis pendant les 
annees 1834 a 1838, en Sgypte, en Arabie^ sur la Mer Rouge, en Abyssinie, 
n Smyme, a Constantinople, Essai sur le hachi^ch et son emploi dans le 
traitement de la peste" (Paris 1840) — 2' Mition (1843): „Suivi d'un essäi 
fnir le hachisch et d^un mSmoire sur la prophylaxie generale de la peste" übte 
er grossen Einfluss auf die öffentliche Meinung aus, indem er erklärte, dass die 
Pest eine sporadische, endemische und epidemische Krankheit sei, die miasmatischen 



^ 



222 AUBEKT-KOCHE. — AUBRY. 

localen oder atmosphärischen Ursachen ihre Entstehung verdanke, dass sie durch 
hygienische Maassregeln beseitigt werden könne und dass sie dnrchaus nicht con- 
tagi(">s ist. Darnach verlangte er eine Veränderung der Sanitätsgesetzgebnng und 
eine beträchtliche Verringerung der Zahl der Quarantainen. Er gab im Jahre 1845 
eine „EnquUe sur les quarantm'nes de la peste, aur leurs risuUats et sur les 
obstacles qui s^opposent a ioute rSforme sanitaire" heraus und war, zusammen 
mit Amedek Latour und Richelot, in demselben Jahre einer der Begründer des 
französischen medicinischen Congresses, dem jedoch die Februai'-Revolution von 
1848 ein Ende machte. Zwei Jahre später riefen dieselben drei Männer die Zeit- 
schrift „Union medieale" in's Leben. 1854 schrieb A.-R. einen „Kssai sur Vacdi- 
matement des Europ4ens dans les pays chauds, Avec une carte de la Mer 
Ifovge^, wurde 1857 Chefarzt der Suez-Canal-Gesellschaft und blieb bis 1869 in 
dieser Stellung, die ihm, frei von allem administrativen Zwange, gestattete, ganz 
seinen eigenen Ideen bei der Organisirung des Gesundheitsdienstes zu folgen und 
es ermöglichte, dass, trot« der so sehr ungünstigen äusseren Verhältnisse, die 
Mortalität unter den Arbeitern eine nur unbedeutende blieb. Nach Vollendung des 
Canals kehrte er in sein Vaterland zurück und führte ein ruhiges Landleben im 
Schoosse seiner Familie, bis ihn im December 1874 der Tod ereilte. 

Union med. 1874, III. Serie, XVIII, pag. 96(). Gnrlt. 

Attbery, zwei französische Aerzte. Der berühmtere, Claude A., in den 
ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts geboren, hat eine ungleich grössere Be- 
deutung für die Geschichte der schweizerischen Religionsverfolgungen , als für die 
der Medicin. Zur Reformation übergetreten, wirkte er eine Zeit lang als ProfK«or 
in Lausanne, um dann als Opfer verschiedener Religionsstreitigkeiten nach Frankreich 
zurückzukehren. Neben seinen auf verschiedene physiologische Gegenstände bezflg- 
lichen Schriften hat der „ Tractatus de concordia medicorum^ nur den Werth 
einer paracelsistischen Streitschrift (Bern 1585). Claude A. starb 1506 in Dijon. — 
/ Jean A., aus der Bourbonnais stammend, studirte in Montpellier und begann ih 
Paris eine praktisch-ärztliche Laufbahn im Anfange des 17. Jahrhunderts. Er 
wurde später Leibarzt des Herzogs von Montpensier und publicirte (neben archäo- 
logischen und Bade-Schriften) „Uantidote de Vamour'' (Paris 1599, Delfft 1663) 
-^und den jjApoloqeticus de restituenda et mndicanda medtcinae dignitate'^ 
(Paris 1608). 

Biographie medieale, I. Red. 

'' Aubin, Jean de St.-A., lebte in Metz, wo er auch 1597 starb. Ueber 
seinen Studiengang ist ebensowenig bekannt, wie über Ort und Jahr seiner Geburt. 
Seine Berühmtheit gründet sich weniger auf seine eigenen, resp. unter seinem 
Namen erschienenen Arbeiten , als vielmehr auf seine Freundschaft mit FOES und 
auf die intimen Beziehungen, welche A. zu des Letzteren Arbeiten hat (s. FOKS). 
Ausser dem ihm zugefallenen Antheil an der Uebersetzung des Hippokrates über- 
setzte A. für FoES noch andere Schriftsteller (Palladiüs). Bei seinem „Nouveau 
eonsetl et avis pour la pr^servation et gu4rison de la pe^te" überraschte ihn 
der Tod, so dass BüCELOT unter dem soeben genannten Titel das Werk edirte 
(Metz 1598). 

Biographie medieale, I. Red. 

Aubry, Johann Franz A., lebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts und war Leibarzt des Königs von Frankreich und Intendant der Bäder 
von Luxeuil. Näheres ist über sein Leben nicht bekannt. Er schrieb einen 
Commentar zum 1. und S.Buche der Volkskrankheiten des Hippokrates, indem 
er die einzelnen Snnptome besonders auf ihren prognostischen Werth au der Hand 
der Aussprüche des Hippokrates in den Praenotiones , den l*i*aedictiones , den 
Praenotiones coacae und den Aphorismen prtifte und schliesslich eine allgemeine 
Pathologie und Therapie daraus abstrahirte — eine gründliche und nicht werthlo?e 



AUBKV. — AlDOrARD. U:^^ 

Arbeit: ^Les Oracles de Cos, ouvrage de midecine cUnique etc^\ fl'aris 1776, 8., 
ibid. 1781, 8. Deutsch: Herrn Aübry'h Comnientar über das erste und dritte IJiich 
der Volkskrankheiteu des Hippokrates oder l'nterweisungeii ftli* Aerzte. Zu einer 
richtigren Vorherverkilndignng in Krankheiten nach hippokratiscben Grundsätzen. 
Aus dem Französischen. Leipzig 1787, 8.y ^ax Salomon. 

d'Anbry, Jean d'A. (Abbe d'A.), im Anfange des 17. Jahrhunderts zu 
Montpellier geboren, erlernte die Chirurgie, ward dann Mönch, trat aus dem Mönchs- 
orden aus und lebte als Weltpriester sehr ausschweifend. Nachdem er längere Zeit 
im Oriente sich der Heidenbekehi'ung, jedoch, wie er selbst eingesteht, ohne Erfolg, 
gewidmet hatte, kehrte er nach Frankreich zurllck und betrieb in Paris die medi- 
fioische Praxis, indem er alle Krankheiten durch sein Geheimmittel zu heilen 
versprach. Seine Gharlatanerie erwarb ihm gi-ossen Zulauf von Patienten und als 
er w^en Verdachtes der Magie (er erklärte sich oflfen als Anhänger des Lullius, 
nach dessen Yorachinften sein Geheimmittel zusammengesetzt sein sollte) 15 Monate 
im Gefängniss zugebracht hatte, wurde er nach Entlassung aus demselben von 
dem höchsten weltlichen und geistlichen Adel aufgesucht. Er erreichte es sogar, 
da88 Papst Alexander VII. am 1. Juli 1660 durch ein Breve ihm, obgleich er 
Priester war, die Ausübung der Arzneikunde erlaubte. Zuletzt geschieht seiner im 
Jahre 1667 En^'ähnung. Seine medicinischen Werke sind unbedeutend; wir nennen 
hier: j,La mervetlle du monde ou la mSdecine veritahle nouvellement ressuscttee^ 
(Paris 1655, 4.) und „Le trtomphe de VarcMe*^ (Paris 1659, 4. Lateinisch: 
r.Trmmphiifi Archei'' Frankfurt 1660, 4.). 

Nico r (» 11 , Memoires, T. XXII, pag. '>Q:l. Max S a 1 o m o ii. 

Audin-Rouviere, Josef Maria A.-R. , geboren 1764 in Carpentra«, ist 
theils durch seine hygienischen Schriften — er hielt auch einige Zeit Vorlesungen 
über Hygiene am Lyc6e des fitrangeres in Paris — theils auch dadurch bekannt 
geworden, dass er das Geheimniss und Eigenthumsrecht eines von P^ranck ange- 
ebenen Geheimmittels, der sogenannten „Grains de vie", erwarb und durch dessen 
Propagirung in Paris und im Auslande zu grossem Heichthum und Ansehen gelangte. 
Er starb 1832 in Chaillot bei Paris. — Unter seinen Schriften sind erwähnens- 
werth: „ Essai sur la topographte physique et medicale de Paris^ (Paris 1794, 
Deutsch: Berlin) — „MSmoire sur la necessttS de Vinoculation a Parts etc." 
^Paris 1795) — „La mddecine sans le mSdecin ou Manuel de santS** (erlebte 
13 Auflagen). üuger. 

Audouard, Mathieu-FrauQois-MaxenceA., Arzt in Paris, war am 
29. Juli 1776 zu Castres (Tarn) geboren, wurde Doctor med. im Jahre 1800 zu 
Montpellier mit der These „Du t^anos", widmete sich der militärischen Laufbahn 
mit grosser Auszeichnung, schrieb „Des notices historiqvss sur la vie et les 
(ntvrages de MM. Icard^ Garri^re et Ferrier" und „Observations pratiques sur 
le$ bona effets du quinquina contre la goutte" (beides in den Annales de la 
Soe. de med. prat. de Montpellier 1807) und hatte Gelegenheit, durch seine Praxis 
in den französischen Militär-Hospitälem Italiens interessante Beobachtungen, nament- 
lich auch über die Malariaerkraukungen zu machen, denen er mehrere Publicationen 
zu verschiedenen Zeiten seines Lebens widmete. Er verf'asste eine Schrift: j,De 

^empyhney eure radtcale obtenue par Vop^'ation, observattons pratiques 

reeueülies dans les hopitaux militaires de Venise et de Borne" (Paris 1808) und 
einige Aufsätze in der schon erwähnten Zeitschrift von Montpellier 1 808 : „ Sur lesjievres 
tntermittentes et remittentes pernicieuses, reeueülies ä Vhopital militaire francais 
ö Borne pendant 1807" — „Observation sur une infection virulente contractSe 
h V Ouvertüre du cadavre d'un homme mort d^une obstruction ä la rate etc." 
Es folgte eine Schrift: „Nouvelle th4rapeutique des fievres intennittentes etc." 
(Paris 1812). In demselben Jahre war A. in Deutschland als Äledecin ordinaire 
de Tarmee d'observation de TElbe thätig. 1814, nach dem Sturze des Kaiserreiches, 



'^'U AUDOUARD. — ArDOUIX. 

Hess er sich in Paris nieder und beschäftigte sich wiederum in mehreren Arbeiten 
mit den Malariakrankheiten, von denen er annahm, dass sie ihren Ursprung in einer 
Congestion der Milz hätten und durch eine Einwirkung des von dem Sumpfmiasma 
verdickten Blutes herbeigeführt seien. Zu diesen Publicationen gehören: j^Des con- 
gestians sangutnesde la rate, ou des obstructions dece vüc^revulgairement appeUes 
en anglais spieen*^ (Paris 1818) — „Reckerches sur la contagion des Jiecrts 
intermiUentes^ (1818) — „Observation sur un dmpyhne dans la cavite gauckt 
de la poitrine, foumi par une infammaiiun de la rate^ (Ann. de la Soc. 
de m6d. prat. de Montpellier, T. XXVI). — Eine neue Epoche für seine nosolo- 
gischen Untersuchungen begann, als er im Jahre 1821 vom Kriegsminister nach 
Barcelona geschickt wurde, um daselbst das Gelbfieber, welches jene Stadt heim- 
gesucht hatte, zu studiren. Welchen Muth er bei dieser gefährlichen Mission bewies, 
geht schon daraus hervor, dass er zuerst von den französischen Aerzten Leichec- 
öffnungen der Verstorbenen vornahm und selbst sich nicht scheute, die schwarzen 
Ausleerungen der Kranken zu kosten, zum Beweise, dass sie nicht ansteckend seien. 
Die goldene Medaille, welche den nach Spanien ganchickten Commlssären, nebst 
einer lebenslänglichen Rente von 2000 Francs als Nationalbelohnung 1823 verliehen 
wurde, trägt die Namen Audoüard, Mazet, Partset, Bailly und FÄANgois. Die^c 
Sendung und die bei derselben gemachten Studien und Erfahrungen gaben An]a.«s 
zu einer ganzen Reihe von Publicationen darüber: „Lettre sur la contagion de 
la ßhvre jaune" (Paris 1821) — „Relation htstorique et mSdicale de la fihre 
Jaune qui a r4gnS ä Barcelone en 1821*' (Paris 1822); ferner: „Considerationt 
sur Vorigine et les causes de la fi^vre jaune, d^ apres V Observation de ceite 
maladie ä Barcelone en 1821". Diese und noch vier Abhandlungen ähnlichen 
Inhaltes erschienen in der Revue m6dicale 1824 und 1826 und sind in der 
Schrift „Recueil de m^moires sur le typhus nautique ou ß^vre Jaune, consi- 
deree comme provenant principalement de Vinfection des bdtiments nigriers** 
(Paris 1826) gesammelt. Dazu kamen noch einige in der Akademie der Medicin 
1826 gelesene Aufsätze. Seine Ansichten gingen dahin, dass die pemiciösen Wechsel- 
fieber, die Pest, das gelbe Fieber und der Typhus vier Varietäten einer und derselben 
Krankheit seien, deren Ursprung aus der putriden Zersetzung vegetabilischer und 
animalischer Stoffe herzuleiten sei. Wegen dieser Ansichten gerieth er (1827) in eine 
heftige literarische Fehde mit Nicolas Chervin, dessen Angriffe er in einer Schrift 
„Discours sur lafiPvre jaune etc," abzuwehren suchte. — Eine zweite Mission zur 
Erforschung einer Epidemie erhielt er 1834 durch den Kriegsminister, als die Cholera 
in Algier wtithete, und auch hier zeigte er den gewohnten Eifer und schrieb darfiber 
die Schrift: „Histoire du cholera-morbus qui a regnS dans V armSe frangaise an 
nord de V Afrique, et parmi les aiitres habitants de cette contree, en 1834 ft 
en 1835** (Paris 1836). — Später lebte er in Paris nur den Wissenschaften, 
indem er (1844 — 1853 j noch verschiedene Aufsiltze und Schriften verfasste, die 
sich auf contagiöse und epidemische Krankheiten bezogen. Der Tod dieses imi die 
Epidemiologie sehr verdienten Mannes orfolj2:te am 6. Januar 1856. 

E. Bcaugrand bei Decliambre. Vir, pajr. 246. — Callisen, T. pag. 283: 
XXVr, pag. JOO. (,„,1,. 

Audouin, Jean Victor A., Arzt und berühmter Naturforscher, geboren 
in Paris 1797, schwang sich aus dnlckenden Lebensverhältnissen zu einer glänzenden 
wissenschaftlichen Stellung empor. Er promovirte erst in seinem 29. Lebensjahre 
(1826), that sich aber schon viel früher durch seine entomologischen Forschungen, 
die die Aufmerksamkeit CüvrER's, La.marck's u. A. erregten, rühmlich hervor: 
insbesondere brachte ihm die Abhandlung: „Recherckes anatomiques sur h 
thorax des animaux artintles et celui des insectes en particulier*' reiches Lob 
und Anerkennung Seitens der genannten Gelehrten und ebnete ihm seine weiteren 
Wege. — A. ist hervorragend als Anatom und genauer Kenner der Gliederthiere ; 
seine Arbeiten auf diesem Gebiete gaben der Entomologie einen neuen Impuls. 



r 



AUDOriN. — AUENBRUGGER. 25^5 

Kr verstand 68 aber auch, die groBse Bedeutung hervorzuheben, die das Studium 
der Anatomie und Physiologie der Insecten, ihrer Lebensweise und ihrer Meta- 
mor]>ho8en auf die gesammte Landwirthschaft besitze und verpflanzte auf die^e 
Weise seine Kenntnisse unmittelbar in's praktische Leben. — A. war Director des 
naturhistorischen Museums, Professor der Entomologie (1833, seit dem Tode 
liATBEiLirB^s), und Mitglied der Akademie der Wissenschaften; er gründete die 
^ Annales des sciences naturelles*^ (1823) und die „SociSte d' entomologie de 
France^ (1832). Seine literarische Thätigkeit war eine grosse, tiber 82 grössere 
und kleinere Abhandlungen sind von ihm bekannt, von denen die meisten in den 
„Annales des aciences naturelles** niedergelegt sind. Eindn besonderen Werth 
lieanspruchen unter ihnen die gemeinschaftlich mit Milne Edwards durchgeführten 
rntersuchungeu über die „AncUomie und Physiologie der Crustaceen^ , die in 
den Jahren 1827 — 1829 in mehreren Abhandlungen publicb*t wurden. — A. starb 
1839. Milne Edwards, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband, hielt ihm 
einen warmen Nachruf, der in den Ann. des sc. nat. Bd. XVf, pag. 369 abge- 
druckt ist. 

Ein vollständiges Yerzeichniss seiner anatomischen, physiologischen nnd zoologischen 
Arbeiten ist in den Ann. des so. nat. Bd. XVI, pag. 372 — 378, sowie mit kurzen Auszügen 
in den Ann. de la soeiete d'entomologie Bd. XI, pag. 114-164 enthalten. jj 

Audouin de Chalquebrun, Henri A. de Gh., geboren 1713 oder 1714 
in Cherboutome (Deux-G6vres). Anfangs Chirurg in seiner Heimat, machte A. den 
Feldzug im Jahre 1745 mit und wurde nachher mit der Behandlung der im 
Departement de Tlsle de France ausgebrochenen epidemischen Erkrankungen betraut. 
Jetzt erst studirte er Medicin, promovirte in Montj^ellier und wurde bald darauf 
zum M6decin des epidemies dans la gen6ralit^< ernannt, in welcher Stellung er sich 
durch grosse Opferwilligkeit, Eifer und Geschick auszeichnete und 1781 starb. 

Seine zahlreichen Schriften sind im Journal de medecine nnd in den mem. ponr 

"«ervir a l'hist. ann. et moderne de la medecine niedergelegt. tt 

r> n U n g e r. 

*AudOttit, Volcy A. , französischer Marinearzt erster Classe, geboren 
zu Marans (Charente-Inferieure) am 17. Februar 1833. Seine Doctorats-These ist: 
^Des desordres produits chez V komme par les larves de la Lucilia hoim'ni- 
xorax*^ (Paris 1864, 4.). Er schrieb femer in dem Feuille de la Guyane fran^aise, 
1860 und 1865 zwei auf die dortige Landescultur bezügliche Aufsätze, nämlich 
über die Einftlhrung des Sorghozuckers und der Indigopflanze. 

Berger et Rey, pag. (j. (r. 

Auenbrugger , Joseph Leopold A., geboren im Jahre 1722 zu Graz 
in Steyemiark, erwarb in Wien die ärztliche Bildung und war von 1751 — 1762 
am spanischen Hospital, anfangs als Secundararzt, später als Primararzt angestellt. 
Schon 1754 wurde er auf die Schall-Unterschiede aufmerksam, welche man beim 
Anschlagen au die Brustwand bemerkt. Er stellte darüber während der folgenden 
Jahre gewissenhafte und gründliche Untersuchungen an, deren Ergebniss er in der 
kleinen Schrift: „Invenium novum ex percussione thoracts humant, iit signo, 
abstruses tnterni pectoris morbos detegendi** (Wien 1761) der Oeffentlichkeit 
übergab. In dieser Abhandlung beschi'ieb er zunächst die Art, in welcher er die 
Percussion ausführte, erörterte dann die Schallverhältnisse, welche er beim An- 
schlagen an die Brust gesunder Personen beobachtet hatte und schilderte endlich 
die Abweichungen, die er bemerkte. Eingehend beschäftigte er sich mit dem 
?edümpften Ton, dessen Entstehung er dadurch erklärte, dass das Volumen der 
Luft vermindert nnd an den betreffenden Stellen durch Flüssigkeiten oder feste 
Massen verdrängt sei; er versuchte, diese Theorie auf experimentellem Wege zu 
beweisen, indem er an einem leeren Fasse, welches er zum Theil mit Flüssigkeit 
füllte, sowie an menschlichen Leichen , deren Brusthöhle er injicirte , zeigte , dass 

Biogr. Lexikon. I. 15 



^•^♦) AUENBRCGGER. — AUFFRET. 

die Dämpfun^i: soweit reicht, wie die darin euthalteue Fiüs.sigkeit. Hierauf besprach 
er die verschiedenen Krankheitszustände, bei denen er einen dumpfen Pereussionston 
wahrnahm, und zählte überhaupt die Leiden auf, deren Diagnose durch die Per- 
cussion nach seiner Ansicht erleichtert wird. Uebrigens betonte er, dass mau 
auch die übrigen diagnostischen Hilfsmittel und die anatomischen Veränderungeu, 
welche der Leichenbefund darbietet, berücksichtigen müsse. A.'s Entdeckung faud 
Anfangs geringen Beifall und wurde erst durch Oorvj8AET (1808) zur allgemeioen 
Anerkennung gebracht. A. erlebte diesen Triumph noch , da er erst 1809 zu Wieü 
starb. Er hat noch einige kleinere medicinische Abhandlungen hinterlassen, wurde 
1784 mit dem Prädicat „Edler von Auenburgger" in den Adelstand erhoben und 
f»ehörte mehrere Decennien hindurch zu den gesuchtesten und am meisten ge- 
schätzten Aerzten Wiens. Puschmauu. 

/ Auerbach, Heinrich A., Mediciner, Professor und Rathsherr zu Leipzig, 
geboren 1482 zu Auersbach in der Oberpfalz, gestorben am 25. November 1542. 
hiess eigentlich Stromer, nannte sich aber nach damaliger Sitte nach seinem 
Geburtsort. Er studirte in Leipzig Mcdicin, ward daselbst 1502 Magister, 150S 
Rector der Universität, 1501) CoUegiat des grossen Fürstencollegiums , 1511 
Doctor med. , 1523 Deean der medicinischen Facultät und bekleidete ausserdem 
eine Reihe von Jahren die Stelle eines Leibarztes des Kurfürsten Joachim von 
Brandenburg, des Kurfürsten - Erzbischofs Albrecht von Mainz, sowie des Kur- 
fürsten Friedrieh und Herzogs Georg von Sachsen, und ward seit 1520 mehrmals 
in das Rathseollegium der Stadt Leipzig gewählt. Sein Andenken in Leipzig ist 
besonders durch die Erbauung des bekannten „Auerbachs -Hof' (151!> — 1530; 
erhalten, welcher seit 300 Jahren als eine Hauptsehenswürdigkeit der Stadt 
gegolten hat. 

Deutsche Biographic. W. Stricker. 

* Auerbach, Leopold A. , in Breslau am 27. April 1828 geb<>reii. 
studirle sowohl hier wie. in Berlin und Leipzig und promovirte 1841». Seit 1850 
als praktischer Arzt, 1863 als Privat-Docent und 1872 als Prof. extraord. wirkend, 
wandte er seine Thätigkeit besonders der Bearbeitung neuropathologischer Themata 
zu und publicirte : „ Ueber psychische Thätigkeiten des Biickenmarks" (GüXi^ 
BüRQ's Zeitschrift für Medicin Bd. IV, 1853) — „Ueber die Erscheinungen bei 
Ertlicher Muskelreizung" (Abhandlungen der Schles. Ges. 1861, pag. 291 — 326) — 
j^ Ueber Percussion der Muskeln^ (Zeitselirift für rat. Med. 1862) — „Plexus 
myentericus" (Breslau 1862 und ViBCHOw's Archiv Bd. XXX, 1864) — „Bau der 
Blut' und Lymph'Capillaren^ (Centralbl. für. die med.. Wissenschaften 1865 1 — 
„Lymphgefässe des Darms" (VlßCHüwV Archiv Bd. XXXIII, 1865) — „Wahre 
Muskelhypertrophie" (ViRCHOw's Archiv Bd. LIÜ, 1871) — „Organische Studien*^ 
(Heft 1 und 2, Breslau 1874), enthaltend: Untersuchungen über Bau, cheuiischc 
Reactionen und Lebeusgeschichte der Zellkerne, und über die ersten Ent- 
wicklungsvorgänge im befruchteten Ei. Ausserdem Originalbeiträge in dem Ceutral- 
blatt für die med. Wissenschaften, der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, den 

„Beiträgen zur Biologie der Pflanzen", herausgegeben ^on Ferd. Cohn etc. 

Red. 

*Auffret, Charlcs-Jacqnes-fimile, Professor an der Schule für 
Schiflfsmedicin zu Brest, ist daselbst geboren und schrieb für die Gaz. med. 
d' Orient 1863: „Gangrene complke de la peau du bras, du coude , de la 
partie superieure de V avant-bras^ de Vepaule et de la partie laterale du tliorajr, 
suite d^une chute sur le coiide, Elimination des eschares^ h^morrhagies, chlore- 
aneniie, guerison" und „Ouvertüre de Varth'e cubitale ä 0^^,03 au-dessus de 
V articulation radio-carpienne par un corps contendant, h^morrhagie, ligature 
cinq jours apres Vaccidentj guErison,^ — Ausserdem „La variole obseroee h 



AÜFFRET. — AFüJER-DUFOT. ;>>7 

Fhdpüal maritime de Brest en 1869, Observaticnia thermiques dann la voriole 
et la scarlatine" (Montpellier 18 Gl), These 4). 

Berger et Rey, pap. Ü. (1. 

* Aufrecht, Emanuel A. . geboren zu Lonlau (Oberschlesien; am 

lo. März 1844. In Berlin unter FiiERiCHs' , Traube's, Vircuow's Leitung aiw- 

;rebildet, promovirte er 18(56. In Maj^deburf^ wirkt er seit 1868 aln Arzt, seit 

187!) als Oberarzt an der inneren Station des städtischen Krankenhauses. Seine 

Hauptleistnngen sind: »Die diffuse Nephritis und die Entzündnny im All- 

(jf^meinen^ (Iterlin 1879) -- „Pathologische Mittheilungen" (1. lieft, Magdebur;^: 

1^81 j; ausserdem eine Reihe von Journalanfsiltzen im Deutschen Archiv für 

klinische Medicin und im Centralblatt für die uiedieinischen Wissenschaften, die von 

seiner Vertrautheit mit der feineren pathologischen Gewebelehre Zeu.irniss able'Acn. 

R(m1. 

/Angenio, Ho ratio A. (AüGENirs, d'EKtENIüsj, Sohn des Titular- 
Leibarztes Clemens VII., Lodovico A. , geboren 1527 in Monte-Santo (Ancona), 
wo Lodovico A. 70 Jahre lang als Praktiker thätig war. H oratio A. erlangte 
zuerst, und zwar als er mit seinen Studien kaum geendigt hatte , einen Lehrstuhl 
als Professor für Logik in Maeerata, dann den für theoretische Medicin in Rom, 
letzteren im Jahre 1558. Nach fünf Jahren verliess er dieses Amt, um zuerst in 
Osimo, dann von 1570 ab in Cingoli, von 157^^ ab in Tolentino sich der praktisch- 
ärztlicheR Thätigkeit zu widmen. 1577 kehrte er wieder zum Lehrfach zurück, 
nad zwar blieb er 14 Jahre hintereinander in Turin als Professor thätig, um 
1591 den soeben verstorbenen Bernardino Paternü in Padua zu ersetzen. Um- 
stände Hessen ihn seine amtlichen Functionen nicht vor Ablauf von zwei Jahren 
aufnehmen; doch blieb er von 1593 ab im Amte und starb als Mitglied der 
Facultät zu Padua 1603. Hierdurch erledigen sich, wie JorRDAN aufs Bestimmteste 
hervorhebt, die Irrthttmer, welche ihm eine amtliche Thätigkeit in Pavia oder gar 
in Paris zuschreiben. — Die am meisten bertlhmt gewordene schriftstellerische 
Leistung A.\s umfasst die Briefe gegen Alexander Massari: ^^Epistolarum 
medicinalium tomi tertii libri Xll" (Venedig 1592, Frankfurt 1597 und 1600), 
denen jedoch bereits voraufgegangen waren die „ Efjistolarum et cunsultationum 
medicinalium Ubrt XXIV" nebst den „De hominis partu libri II" (Gesammt- 
ansgaben wie die eben genannten, getheilt vorher in Turin 1579, resp. 1580). 
Dem Vorurtheil, dass Früchte des achten Monats ganz besonders in ihrem Weiter- 
leben bedroht seien , trat A. entgegen in den „ Quod homini non sit certum 
nnscendi tempus libri duo" (Venedig 1595, Frankfurt 1597). Als Anhänger der 
Revulsionslehre bekennt er sich in der „De curandt ratione 2)er sanguinis 
hiissionem libri XVII" (Genf 1575, Turin 1584, Venedig 1597, Frankfurt 1598 
und 1605). Die meistens polemischen Fieberschrifteu A.'s, in denen er als Partei- 
gänger Fkrnel's auftritt, erschienen in Absätzen 1568 — 1572 (Gesammtausgaben 
Venedig 1605, Frankfurt 1607). Eine „Pestschnft", eine über „Heilung eines 
y ie renstein s" , „Consilia quaedam medica" und das „Compendium totius 
medicinae" erschienen mit den vorgenanuten wichtigeren in mehreren Ausgaben 
Opera omnia Frankfurt 1597—1600, Venedig 1602 und 1607). 

Biographie medicale. I. — Dict. bist. J. Red. 

Angier-Dnf ot , Anne Amable A.-D., 17:53 — 1775, Leiliarzt, Stadtarzt 
nnd Professor der Geburtskunst in Soissons, gebürtig aus Aubusson (La Marche), 
schrieb in der Zeit von 1759 — 1775: „De morbis ex aeris intemperie" — 
nTractatus de cordis motu" — „Mimoire sur les vialadies epidemiques du 
pays Laonnais" — „Memoire pour preserver les bifes a corne de la malad ie 
tpizootique qui r^gne dans la gSn^alüe de Soissons" (1773) und einen ^Ca- 
techisine^ sur Vart des accouchemenfs" (Paris 1775), welcher, ursprünglich als 
ein Resume aus den Lectionen Solayre's und von BAVDELOCc^rE zusammengestellt, 

15* 



'1 



;J;i8 AUGIER-DUFOT. — Ai:(iL'STlN. 

durch Alpuons£ Leroy auf nicht erklärte Weise in den Besitz A.'s kam. Durch 
„Betrachtungen über die Sitten der Zeü^, eine. Streitschrift gegen die Jesuiten^ 
und einige weitere Schriften ähnlicher Tendenz ist A. auch in der aussermediciniKcheu 
Literatur bekannt. 

Dictiomiaire historique. I. , ReJ. 

Augustin, F r i e d r i e h Ludwig A., Regierun gs- und Geheimer Medicinal- 
Hath zu Potsdam, war am 3. Juni 1776 zu Berlin geboren, besuchte das Gymnasium 
zum grauen Kloster, bezog 1794 die Universität Halle, wo er 1797 mit der Diss. 
„De Spina ventosa ossimn^' (4. c. 4 tabb.) zum Dr. med. promovirt wurde. In 
demselben Jahre noch Hess er sich in Berlin als praktischer Arzt nieder, erhielt 
1799 die Venia docendi, ertheilte Privatunterricht in den medicinisehen Wissen- 
schaften und begann eine äusserst fruchtbare literarische Thätigkeit. Von 1798 
bis 1802 gab er in fünf Jahrgängen ein Sammelwerk „Die neuesten Ent- 
df'ckunyen und Erläuterumjen av-s der Arzneikunde systematisch dargestellt''. 
heraus, welches die in der Medicin gemachten Fortschritte registrirte, und seine 
Fortsetzung für die Jahre 1803 — 1841 in der „Wi^isenschaftlichen UebtraicU 
der gesamniten rnedicinisch- chirurgischen Literatur des Jahres . . . .^ (HüFELAKd's 
Bibliothek der Heilkunde) jährlich bis 1843 fand. Eine ähnliche Unternehmung 
war die ;, Wissenschaftliche Ueher»icht der ßlr die Staatsar zneikunde und den 
gerichtlichen Arzt toichtigsten und interessantesten Literatur des 19. Jahi- 
hunderts^,, welche für die Jahre 1801 und 1802 von ihm herausgegeben wurde. 
1801 wurde er Privatdocent bei dem CoUegium medico-chirurgicum und verfasste 
eine „ Vollständige Uebersicht der Geschichte der Medicin. in tabellarische 
Form*^ (Berlin 1801, gr. 4.; 2. Auflage 1825). Es folgte: „Versuch einer voll- 
ständigen systefnatischen Geschichte der galvanischen Elektricität und ihrer 
medicinisehen Anwendung^^ (Berlin 1803), nachdem er bereits 1801 die Ueber- 
setzung von James Latta, „System der Wundarzneikunde.^ (3 Bde. Berlin 
1801 — 1812; 2. Ausgabe 1822) begonnen hatte. 1803, wo er zum ausser- 
ordentlichen Professer ernannt worden war, gründete er den „Atsculap, eine Zeit- 
schrift zur Geschichte und Kritik neuer Erfindungen in der Heilkunde*^ ^ die nur 
in zwei Heften erschienen ist, und das „Archio der Staats'irzneikunst** , das in drei 
Bänden von 1803 — 1805 herauskam und auch von ihm selbst mehrere werthvolle Bei- 
träge enthält , welche die Wirksamkeit der MoRVEAr'schen Räucherungen gegen die 
Verbreitung des Scharlachfiebers, eine Besprechung der Frage, ob ein im Wasser 
gefundener Mensch lebend in dasselbe gekommen ist , den Werth der Kennzeichen 
aus den Lungen bei der Frage, ob ein Kind nach der Geburt gelebt halte, die 
Ansichten der forensischen Aerzte über die Nabelblutungen als Todesursache von 
Neugeborenen betreffen. Nachdem A. im Jahre 1804 zum ordentlichen Professor 
der Medicin und Kriegsarzneikunde bei dem gedachten Collegium ernannt worden 
war, gab er 1805 eine populäre medicinische Schrift „Berliner Oesundheits- 
' Almanach etc.^ ^ ferner eine medicinal-polizeiliche : „Was hat Deutschland und 
insonderheit der preuss^ische Staat vam gelben Fieber zu befürchten etc. etc./*" 
(2. Auflage in demselben Jahre 1805) und ein „Handbuch der medidnischen 
Therapie u. s. ir."* (Th. I, Allgemeine Therapie. Berlin 1806) heraus. In dem- 
selben, für Preussen so unglücklichen Kriegsjahre übernahm A., nach dem Einzüge 
der Franzoseu in Berlin , die Leitung eines der dort für dieselben errichteten 
Lazarethe. Die noch andauernden kriegerischen Ereignisse gaben ihm Veranlassung, 
ein „Medicinisch-chirurgüches Taschenbuch für Feldwundärzte u. s. w." (Berlin 
1807; 1813 von Nils Akerman in's Schwedische übersetzt) zu schreiben. Bevor 
A. seine Lehrthätigkeit an dem Collegium medico-chirurgicum, das in Folge der 
Errichtung der Berliner Universität aufgehoben wurde, aufgab und 180^) Kegierungs- 
und Medicinal-Rath bei der erst kürzlich errichteten Regierung zu Potsdam wurde, 
verfasste er noch die folgenden zwei Schriften: „ Pharm acopoea exteinporanea etc.*" 
«Berlin 1809; Ed. 2. emendata, 1822) und ein „Lehrbuch der Physiologie des 



AÜGÜSTIN. — AUGUSTINUS. 22\> 

Menschen, mit vorzüglicher RUckfncht auf neuere Naturphilosophie und com- 
parative Physiologie" (2 Bde. 1809, 1810). Nach der rebernahme seines neuen 
Amtes in Potsdam gab er ein ^Repertorium für öffentliche und gerichtliche Arznei- 
mssenschaft** (Potsdam 1810, 1811) und zusammen mit dem Professor Karl Wolf art 
eine Zeitschrift, genannt^ „AcjxXTjxfeiov, Allgemeinem mediciniach' chirurgischcK 
Wochenblatt für alle Theile der Heilkunde und ihre Hilfswissenschaften^ heraus, 
die von 1811 — 1814 erschien und auch mehrere Beiträge von A., wie „Rhus Toxi- 
codendron gegen reine nerväse Lähmungen*^ — „Neue Beobachtungen und 
Entdeckungen über die Natur und Behandlungsart der Viehseuche*' — „ Ueher 
die häutige Bräune'^ enthält. In den Rriegsjahren 1813 und 1814 war A. die 
Direction der in Potsdam errichteten grossen Provinzial - Militär - Lazarethe über- 
tragen; er zeichnete sich dabei besonders nach der Schlacht von Gross-Beeren 
aus. 1818 begann A. die Herausgabe desjenigen grossen Werkes, durch welches er 
den weitesten Kreisen bekannt geworden ist und allen Medicinalbeamten , namentlich 
in Preussen, den grössten Nutzen gestiftet hat, nämlich des Werkes, betitelt: 
^Die königlich preussische Medicinalverfassung, oder vollständige Darlegung 
aller das Medicinal - Wesen und die medicinische Polizei in den preussischen 
Staaten betreffenden Gesetze, Verordnungen und Einrichtungen", ein Werk,, 
das, bis 1827 reichend, in 5 Bänden von 1818 — 1833 erschien und in seinem 
H. and 7. Bande das Jahr 1842 mit umfassend, 1843 sein Ende erreichte. 1833 
wnrde A. der Charakter als Geheimer Medicinal-Rath verliehen, 1837 veröffentlichte 
er: „C. W, Hufeland^s Leben und Wirken für Wissenschaft, Sta/it und- 
Menschheit^ . Er starb am 23. Juni 1854. — Es sei noch erwähnt, dass A., 
ab Freund der Botiinik ein Herbarium von circa 25.000 Pflanzen gesammelt 
hat, welches nach seinem Tode durch Schenkung in den Besitz der städtischen 
Realschule zu Potsdam kam, und dass er, ausser den im Obigen kurz ange- 
fahrten Schriften imd Abhandlungen, noch zahlreiche Aufsätze zu der Encykio- 
pädie von Ersch und Grübek , zu Rt:st*s Handbuch der Chinirgie, in der 
Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preussen nnd eine Keihe von Repensionen 
geliefert hat. 

Callisen, I, pag. )l{)(); XXVI, pag. \{U. Giirlt. 

ÄOgUStillttS, Christianus'A., geboren im Jahre 1598 in Ober-Ungarn 
als Sohn deutscher Eltern und mütterlicherseits Enkel des Balthasar Dehitz, 
vormals Leibarzt des Kaisers Rudolf IL, vollendete seine akademischen Studien in 
Deutschland und kehrte, nachdem er im Jahre 1611* in Basel die Doctorwfirde 
erlangte, in seine Heimat zurtlck, um in Kezmark und dessen Umgebung seiner 
ärztlichen Praxis obzuliegen. Er erwarb sich in seiner Eigenschaft als Arzt und 
Botaniker einen bedeutenden Ruf, wurde sjiäter ftlr kurze Zeit nach Wien an den 
Hof Kaiser Ferdinand's IL berufen, wo er auf den Wunsch dieses Heri-schei*« einen 
botanischen Garten einrichtete und wegen seiner vielfachen Kenntnisse hochgeschätzt, 
nicht nur in den Adelstand Tab Hortis) erhoben, sondern auch sonst durch vielfache 
Oan^tbezengungen ausgezeichnet wurde. Nach dem Tode des Kaiser Ferdinand 
h^ab er sich wieder nach der Stätte seines ursprünglichen Wirkens, wo er mit 
Vorliebe und Eifer die Flora seiner Geburtsstätte und des ungarischen Hoch- 
tandes studirte, zahlreiche, therapeutischen Zwecken dienende Oele und Essenzen 
bereiten lehrte (Balsamum s. Oleum polychresticum, Oleum carpathicum etc.) und 
denselben eine verbreitete Anwendung zu verschaffen sich bemtlhte. Er starb 52 Jahre 
alt nnd wurde wegen seiner im Leben erworbenen Verdienste noch im Tode dadurch 
?echrt, dass man ihn in der Kirche seines Sprengeis feierlich in eigener Gruft 
beisetzte. Von seinen literarischen Leistungen ist nichts auf die Nachwelt gekommen, 
zwei gr^Kcre Arbeiten; y,De balsamo hfnigariro** und y^Df gemmis Hungariae." 
!*ollen nach dem Zeugnisse seiner Zeitgenossen TSachpius, Miscell. Natur. CC Decurion 
I. Obs. 28) im Manuscripte vollendet gewesen sein. Schwimmer. 



2'M) AUL AGNER. — AUSPITZ. 

Aulagner, Alexis Fran^ois A., geboren 1767 in Gran-e, studirte in 

Montpellier unter Barthez, Grihaud und Sabatier und promo\iFte daselbst mit 

der These : „ Tentamen medico-praclicum de tnsolatione^. Er wurde Leibarzt des 

Königs, Chefarzt der königl. Garde und General-Inspector des Sanitätswesens der 

Armee: gestorben 1839. — Seine Schriften haben für ujise^ue Zeit keinen Werth. 

Tilg er. 

Aurelius. Aürelios, „De acutis passionibus'^ ist der Titel eines im Mittel- 
alter viel gelesenen Auszugs aus dem gleichnamigen Werke des Caelus Aüreliam'S 
und aus dessen verloren gegangener Schrift „De febribus^ j welchen Darembekg aus 
einer Bni sseler Handschrift inHRXSCHEl/s „Janus" II, 468 — 499 und 690 — 731 (auch 
se]iarat Vratisl. et Paris 1857) zum ersten Mal veröffentlicht hat. Helmreirh. 

/Aurifaber, Andreas A (Goldschmidt), 1514 in Breslau geboren, studirte 
in Wittenberg Philologie und Theologie. 1540 als Rector der Marienschule nach 
Danzig berufen , kehrte er nach einem Jahre zu weiteren Studien , die jetzt vor- 
zugsweise der Medicin galten, nach Wittenberg zurück. 1544 g